Demenz / Alzheimer: medikamentöse Behandlung

05.03.11 16:10 #1
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Oregano ist offline
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Seit: 10.01.04
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Neuroleptika in der Behandlung von Patienten mit Demenz
Die Analyse von 17 Placebo-kontrollierten, teils unveröffentlichten Studien hatte ungefähr zeitgleich ergeben, dass sich beim Einsatz einzelner atypischer NL bei Demenzpatienten das Mortalitätsrisiko um den Faktor 1,6
bis 1,7 erhöht (vgl. FDA, 2008). Die Haupttodesursachen waren dabei akute Herzerkrankungen und überwiegend pulmonale Infekte. Die beobachteten UAW wurden von der FDA als Klasseneffekte bewertet und führten zu einem ersten Warnhinweis und „Rote-Hand-Briefen“ der Hersteller im Jahr 2005. Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat im vergangenen Jahr aufgrund der aktuellen Studien den Warnhinweis auf ein erhöhtes Mortalitätsrisiko durch atypische NL bei älteren, demenzerkrankten
Menschen nun auch auf konventionelle NL erweitert und deshalb generell keine Indikation mehr für den Einsatz von Neuroleptika bei Demenzerkrankten empfohlen (FDA, 2008).


Antidepressiva in der Behandlung von Patienten mit Demenz
Depressionen zählen zu den häufigsten komorbiden Erkrankungen bei Demenzerkrankungen. Schätzungen zufolge treten klinische Depressionen bei ca. 30 bis 50% der an Demenz erkrankten Patienten auf (Teng et al., 2008; Starkstein et al., 2005). Im Geschlechtervergleich fällt aber eine relativ höhere Verordnungsrate bei den weiblichen Versicherten auf (27,7% vs. 18,3%), was möglicherweise die bekannten epidemiologischen
Geschlechterunterschiede für Depressionen mit einem ca. doppelt so hohen Erkrankungsrisiko für Frauen widerspiegelt.

Ältere Wirkstoffe wie beispielsweise die trizyklischen Antidepressiva (TZA) Imipramin, Doxepin oder Desipramin haben sich zwar bei der Behandlung von Depressionen bei Demenzerkrankungen als wirksam erwiesen; allerdings werden sie heutzutage wegen der anticholinergen Nebenwirkungen, dem erhöhten Risiko für delirante Syndrome und vor allem auch wegen der Nebenwirkungen an der kardialen Reizleitung nicht mehr als Mittel der ersten Wahl für diese Indikation angesehen (Korthals Altes & Kurz, 2000).

Unter den neueren Antidepressiva sind die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI)
für die begleitende antidepressive Behandlung von Demenzerkrankten am besten untersucht. Obwohl sich die SSRI im Vergleich zu den TZA hinsichtlich der Reduktion depressiver Symptome bei Demenzpatienten nicht als wirksamer erwiesen, waren einzelne SSRI wegen der geringeren anticholinergen Nebenwirkungen doch
besser verträglich (Katona et al. 1998). Zudem konnte beispielsweise für Sertralin neben der antidepressiven Wirkung auch eine Abnahme von Verhaltensstörungen und eine verbesserte Alltagsfunktionalität bei Demenzerkrankten gezeigt werden (Lyketsos et al., 2003). Wegen der potentiell positiven Wirkungen auch auf die Verhaltensstörungen und der vergleichsweise guten Verträglichkeit werden die SSRI heutzutage als Mittel der ersten Wahl in der Behandlung depressiver Störungen bei Demenz angesehen (Swartz et al., 2000).
Unsere Erhebung hat für die beschriebene Gruppe der Versicherten einen Verordnungsanteil der SSRI von immerhin 42% an allen verordneten AD ergeben.
Es ist davon auszugehen, dass vor allem durch einen unkritischen Einsatz von Neuroleptika das Sterblichkeitsrisiko älterer Demenzpatienten signifikant ansteigt, was auch in den erst kürzlich aktualisierten Warnhinweisen der FDA seinen Niederschlag findet. Eine Therapie mit Neuroleptika bei Demenzpatienten sollte daher nur bei entsprechender Schwere der Symptomatik (z.B. bei Eigen- oder Fremdgefährdung) und bei unzureichender Wirksamkeit aller nicht-medikamentöser Maßnahmen erfolgen. In diesem Zusammenhang sind die mit zunehmendem Alter der Versicherten prozentual sogar ansteigenden Verordnungen von Neuroleptika durchaus kritisch zu hinterfragen.
http://www.zes.uni-bremen.de/ccm/cms...set_id=2314357, S. 25

Ich weiß nicht, ob bei der hier beschriebenen Medikation zwischen Demenz und Alzheimer unterschieden wird bzw. überhaupt unterschieden werden kann.

Aber es ist sicher gut, wachsam zu sein, wenn ein Angehöriger oder Bekannter mit Neuroleptika behandelt wird und dadurch immer mehr "verfällt". Zumal ja Neurolaptika auch Abhängigkeit mit sich bringen können, und dadurch der Weg zurück ohne Medikamente schwierig wird, wenn der Patient nicht mitarbeiten kann.

Grüsse,
oregano

Demenz / Alzheimer: medikamentöse Behandlung

nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.535
Seit: 18.11.09
Oh. Ich dachte das Du hier Alzheimermedikamente postest.

Missverständlicher Threadtitel.
Die in deinem Beitrag aufgeführten Psychopharmaka dienen mMn. mehr der Gefügigmachung dementer Menschen damit sie leichter zu betreuen sind und Einfluss auf ihre immer noch bestehenden Gefühle genommen wird, ein individueller Mensch mit eigener Entscheidungsfähigkeit zu sein.


Die medikamentöse Behandlung von Demenz/Alzheimer ist nach meinem Verständnis die Behandlung mit sogenannten Antidementiva, die den Verlauf der Demenz im Durchschnitt um etwa ein Jahr aufhalten können sollen, wenn sie zu Beginn der Erkrankung genommen werden.

Dabei handelt es sich z.B. um Medikamente wie
Aricept, Exelon, Reminyl, Rebixa, Nootrop und Axura.
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Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

Geändert von nicht der papa (05.03.11 um 17:00 Uhr)

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Oregano ist offline
Themenstarter Beiträge: 53.935
Seit: 10.01.04
Halllo nichtderpapa,

mir ging es mit diesem Thread darum, hier Medikamente zu nennen, die zur Behandlung von Alzheimer und Demenz eingesetzt werden und gleichzeitig Argumente dafür bzw. dagegen zu sammeln.

Grüsse,
Oregano

Demenz / Alzheimer: medikamentöse Behandlung

nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.535
Seit: 18.11.09
Zitat von Oregano Beitrag anzeigen
Halllo nichtderpapa,

mir ging es mit diesem Thread darum, hier Medikamente zu nennen, die zur Behandlung von Alzheimer und Demenz eingesetzt werden und gleichzeitig Argumente dafür bzw. dagegen zu sammeln.

Grüsse,
Oregano
Wie schon geschrieben werden die von dir aufgeführten Medikamente nicht zur Behandlung von Alzheimer und Demenz im Sinne von möglicher Verbesserung für den Patienten eingesetzt, sondern zur Ruhigstellung und Gefügigmachung. Es ist halt einfacher jemandem Psychopharmaka zu geben damit er umgänglich wird, anstatt mit ihm eine Stunde zu diskutieren, dass er sich duschen lässt oder es auch nach 1 Woche Diskussion noch verweigert.

Diese Behandlungen helfen den betroffenen Menschen in ihrer Krankheit aber keinen mm weiter, sondern erhöhen nur ihr Risiko durch die Psychopharmaka dann weitere körperliche Erkrankungen zu bekommen.
Insbesondere wenn diese Psychopharmaka zu den gefährlichen Medikamenten im Alter gehören.
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Demenz / Alzheimer: medikamentöse Behandlung

Bergeversetzer ist offline
Beiträge: 1.130
Seit: 12.04.10
Eine Therapie mit Neuroleptika bei Demenzpatienten sollte daher nur bei entsprechender Schwere der Symptomatik (z.B. bei Eigen- oder Fremdgefährdung) und bei unzureichender Wirksamkeit aller nicht-medikamentöser Maßnahmen erfolgen. In diesem Zusammenhang sind die mit zunehmendem Alter der Versicherten prozentual sogar ansteigenden Verordnungen von Neuroleptika durchaus kritisch zu hinterfragen.

Genau hier liegt das Problem. Bei Alzheimer und Demenz ist es sehr häufig so, das die Personen sich oder anderen gefährlich werden können. Daher kriegen auch so viele Leute NL.

Die von dir aufgezählten Medis, NdP, habe ich seltenst in der Praxis gesehen. Wei sich in einer Einrichtung kaum ein Arzt dazu hinreissen läßt, ein geeigneteres Medikament zu verschreiben. Das wäre ja vermutlich teurer als der alte Hase, der immer zieht.
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Nette Grüße
Bergeversetzer

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nicht der papa ist offline
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Seit: 18.11.09
Zitat von Bergeversetzer Beitrag anzeigen
Genau hier liegt das Problem. Bei Alzheimer und Demenz ist es sehr häufig so, das die Personen sich oder anderen gefährlich werden können. Daher kriegen auch so viele Leute NL.
Die Geschichte mit deiner Oma ist diesbezüglich das Erste was ich überhaupt höre. Das mag vereinzelt vorkommen, aber ich kenne mittlerweile eine Menge Menschen mit dementen Angehörigen und auf all diese Dementen trifft es nicht zu, dass sie Andere bedroht haben.
Da von viele zu reden verschiebt mMn. die Relationen.
Sicher, mal eine geknallt bekommen kommt vor. Aber das beeinflusst man mMn. durchaus auch durch sein eigenes Verhalten, indem man die Grenzen des Anderen überschreitet.

Da Demente sich idR. nicht durch Selbsttötung bedrohen, sondern allenfalls durch Vergesslichkeit, frage ich mich, wie da wohl NL helfen könnten?
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Demenz / Alzheimer: medikamentöse Behandlung

nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.535
Seit: 18.11.09
An dieser Stelle noch ein Hinweis auf gefährliche Medikamente im Alter, der Oreganos Eingangsbeitrag ergänzt und aufzeigt, dass deutsche Gesundheitbehörden zeitversetzt stets der FDA folgen.

http://priscus.net/download/PRISCUS-...S-TP3_2011.pdf

Deutsches Ärzteblatt: Arzneistoffe für die keine eindeutige Entscheidung erzielt wurde
Deutsches Ärzteblatt: Potentiell inadäguate Medikation für ältere Patienten
Deutsches Arzteblatt: PRISCUS-Liste Potentiell inadäquate Medikation für ältere Menschen

Wie wenig die Meldungen zu gefährlichen Medikamenten im Alter tatsächlich bei den Ärzten als Executive des Gesundheitssystems angekommen sind, zeigen mMn. auch diejenigen Beiträge in diesem Forum, bei denen alte Menschen immer noch Medikamente aus dieser Liste verschrieben bekommen.
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Oregano ist offline
Themenstarter Beiträge: 53.935
Seit: 10.01.04
Ich denke, daß wir hier leicht reden haben insofern, als es wirklich oft schwierig ist, bei einem aggressiven Alzheimer/Demenz-Patienten nachzuvollziehen, wie es Angehörigen oder auch Pflegenden mit ihnen geht.
Es ist schwierig und die Beteiligten sind sicher alle nicht glücklich mit der jeweiligen Situation.

Wichtig wäre, daß alle wissen, daß z.b. Neuroleptika fatale Folgen haben können. Und wichtig wäre es immer, wenn Medikamente verschrieben werden, sich dafür zu interessieren, sie zu hinterfragen, mit anderen Betroffenen zu sprechen, vor allem Nicht-Medizinern.
Ob man dann auch noch die Möglichkeit/Kraft/Fähigkeit hat, dann auch etwas zu erreichen, ist noch einmal eine andere Frage.

Grüsse,
oregano

Alzheimer: H3-Antagonisten, Histaminspiegel

Oregano ist offline
Themenstarter Beiträge: 53.935
Seit: 10.01.04
Speziell bei Morbus Alzheimer stellen H3-Antagonisten möglicherweise eine sinnvolle Ergänzung der bisher durchgeführten Therapieregime dar. Im Hippocampus, Hypothalamus und Temporalcortex von Alzheimerpatienten beobachtete man im Vergleich zu gleichaltrigen Gesunden erniedrigte Histaminspiegel.
http://www.symptome.ch/vbboard/hista...html#post90561

Hier geht es um "Histamin im Zentralen Nervensystem", also die Wirkung von Histamin auf das ZNS und die zum Teil fatale Wirkung des Histamins.

Ich denke, das ist ein wichtiger Ansatz, dem man nachgehen sollte, wenn der Verdacht auf Alzheimer aufkommt. Vielleicht kann über die Schiene "Histamin" noch etwas verändert werden?

Hoffnungen setzt das Unternehmen auch auf eine neue Substanz, die den Histamin-Rezeptor H3 blockiert. Der Rezeptor kontrolliert die Histamin-Freisetzung im Gehirn. Wird er blockiert, schütten Gehirnzellen mehr Histamin aus, aber auch andere Neurotransmitter wie Acetylcholin und Dopamin werden verstärkt freigesetzt. In Tierversuchen ließ sich mit dem H3-Blocker die Lernfähigkeit verbessern. Jetzt wird er in einer Phase-I-Studie geprüft.
Neue Ansätze für eine verbesserte Therapie gegen Morbus Alzheimer

Eine klinische Studie mit dem Antidiabetikum Rosiglitazon (Avandia®) bei Alzheimer-Patienten soll noch in diesem Jahr beendet werden, sagte Hunter.

Man weiß, daß bei M. Alzheimer sehr früh der Glucosestoffwechsel im Gehirn gestört ist. Rosiglitazon verbessert die Glukoseaufnahme in die Nervenzellen und könnte so die kognitive Leistung verbessern. Zudem wirkt es auch entzündungshemmend und könnte die Entzündungsprozesse bei M. Alzheimer dämpfen.
(gleicher Link).

Aus diesem Ansatz wird wohl nichts werden, weil Avandia inzwischen vom Markt genommen worden ist.
Herzinfakt-Risiko: Arzneimittelbehörde nimmt Avandia vom Markt | Wissenschaft*- Frankfurter Rundschau

Grüsse,
Oregano

Demenz / Alzheimer: medikamentöse Behandlung

Bergeversetzer ist offline
Beiträge: 1.130
Seit: 12.04.10
Sicher, mal eine geknallt bekommen kommt vor. Aber das beeinflusst man mMn. durchaus auch durch sein eigenes Verhalten, indem man die Grenzen des Anderen überschreitet.
Na na, sowas würde ich lieber vorsichtiger formulieren.
Ganz besonders in Bezug auf Angehörige, die ihre Lieben zu Hause pflegen.

LGB
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Nette Grüße
Bergeversetzer

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