Hallo! Hier mal meine Geschichte

18.07.10 16:20 #1
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Evian ist offline
Beiträge: 116
Seit: 18.06.10
Hallo zusammen,

nachdem ich nun schon einige Zeit hier mitlese, wollte ich mal meine Geschichte bis dato aufschreiben. Ich hoffe es ist nicht zu lang geworden

Ich bin 35 Jahre alt und hatte im Oktober 2009 eine routinemäßige Zahnkontrolle bei einem mir bis dato unbekannten Zahnarzt, den ich etwas gedankenlos lediglich aufgrund positiver Erfahrungsberichte aus dem Internet gewählt hatte.

Er stellte 8 kleine Kariesstellen fest, die gefüllt werden müssten. Hier stellte er mich vor die Wahl: Kassenleistung Amalgam oder Kunststofffüllung bei Zuzahlung von insgesamt 600 Euro.

Leider entschied ich mich für die kostengünstige Variante, was ich aus heutiger Sicht als den größten Fehler meines Lebens bezeichnen würde – doch zu diesem Zeitpunkt war mir die Amalgamproblematik im Detail einfach nicht bewusst. Es gab jedoch – wie so häufig – auch keine medizinische Aufklärung seitens des Zahnarztes.

So setzte er mir innerhalb von 3 Wochen 8 Amalgamfüllungen ein, und abgesehen von einem Metallgeschmack und erhöhter Kälteempfindlichkeit war ich zunächst recht zufrieden. Der Metallgeschmack würde sich geben, meinte mein Zahnarzt.

Er gab sich nie und es dauerte ca.8 Wochen (bis Anfang 2010) und meine Beschwerden fingen an mit psychisch-neurologischen Problemen an (Panikattacken, Angstzustände, Depression, Unruhe, Kopfschmerzen).

Ich stellte zunächst keinen Zusammenhang zu den eingesetzten Zahnfüllungen her (das geht ja leider den meisten so) und dachte an Stressbelastung und Winterdepression, wogegen ich mich selbst mit Johanniskraut versuchte zu therapieren.

14.Februar 2010
Nachdem dies alles keine Wirkung gezeigt hatte, ging ich Mitte Februar zu einem Internisten, der gleichzeitig Psychiater ist. Er diagnostizierte mir nach etwa 5 Minuten Gespräch eine generalisierte Angststörung und verschrieb mir das Antidepressivum Citalopram.
Innerlich weigerte ich mich das Mittel zu nehmen, da ich noch nie ein Antidepressivum genommen hatte. Auch meine Freundin – sie ist Krankenschwester – riet mir davon ab.

Ein weiterer Termin bei meinem Internisten endete mit seiner mitfühlenden Bemerkung: „Wenn sie das Mittel nicht nehmen wollen, dann geht es ihnen auch noch nicht dreckig genug“.
Tatsächlich ging es mir immer schlechter und so rang ich mich schließlich durch, das Mittel einzuschleichen (halbe Tablette am Tag, eigentlich noch keine Wirkdosis).
Leider bekam ich sehr schnell so ziemlich alle Nebenwirkungen, die im Beipackzettel stehen und mir ging es noch beschissener: Ich war jetzt restlos nicht mehr ich selbst.

Gleichzeitig begann ich eine Psychotherapie mit dem Schwerpunkt Angststörung.

Ich versuchte, mit dem Mittel durchzuhalten, obwohl in mir mehr und mehr die Hoffnung - aber auch ein Gefühl aufkam -, dass mein Zustand hauptsächlich körperliche Ursachen hatte. Der Stress, denn ich hatte, war nichts wirklich Außergewöhnliches und meine Zustände standen meiner Meinung nach in keinem Verhältnis dazu. So konnte ich für mich keine schlüssige psychisch-bedingte Erklärung finden, und auch die Beschäftigung mit der Diagnose „Generalisierte Angststörung“ rief in mir Zweifel daran auf. Hinzu kam, dass mir auffiel, dass meine Symptomatik teilweise stark schwankte – oft war es gar nicht so, dass es mir durchgehend schlecht ging, sondern ich hatte durchaus gute Momente, was mir ungewöhnlich vorkam.

15.März 2010
So war mein erster Schritt in Richtung Suche nach einer „körperlichen Ursache“ eine große Schilddrüsenuntersuchung, die zwar etwas ergab (etwas vergrößert, zwei kalte Knoten); doch die Werte waren gut, und konnten somit nicht als Erklärung für meinen Zustand herhalten.
Ich muss sagen, dass dies für mich in diesem Moment eine große Enttäuschung war, weil ich so unbedingt eine handfeste, medizinische Erklärung mit anschließender Therapie haben wollte.

So nahm ich weiter tapfer mein Medikament, ohne irgendeine Besserung zu erfahren.


7. April 2010
Ich ging nur noch sporadisch ins Büro arbeiten, doch an diesem Tag war ich vor Ort und surfte in der Mittagspause im Internet, um noch etwas zu meinem Medikament „Citalopram“ zu erfahren. Zufällig geriet ich hierbei in ein Forum, wo eine Userin davon berichtete, dass sie das Citalopram nun abgesetzt hatte, weil sie eine Amalgamentgiftung mache und das Medikament nicht mehr brauche. In diesem Moment hat es bei mir „Klick“ gemacht und ich hatte den Gedanken: „Mensch, du hast doch auch Amalgam frisch drinnen“. Sofort surfte ich weiter (der Arbeitstag war gelaufen ;-) und ich erfuhr zum ersten Mal von den Auswirkungen der Amalgambestandteile auf die Psyche und das Nervensystem.
Ich rief sofort in meiner Zahnarztpraxis an, weil ich nicht glauben konnte, dass in „modernen“ Amalgamfüllungen immer noch Quecksilber verwendet werden würde (naiverweise hatte ich geglaubt, die Mischungen wären schon nicht mehr so giftig). Doch mir wurde dort versichert, dass es eben immer noch so sei.
Meine erste Reaktion – nach der Erfahrung mit der Schilddrüsengeschichte – war ein gewisses Misstrauen. Nach dem Motto: „das ist doch jetzt eh nur der nächste Rettungsanker“.

Doch die Sache ließ mir keine Ruhe, und so fragte ich meine Psychotherapeutin in der Stunde am selben Abend, ob sie schon mal was vom Zusammenhang Amalgam/psychische Beschwerden gehört habe. Erschrocken, dass ich noch 8 frische Amalgamfüllungen im Mund habe, bejahte sie und gab mir sofort eine Anlaufstelle.

Es folgte eine weitere Ärzteodyssee; Zahnärzte, die für die Sanierung in Frage kämen, mein Hausarzt, sowie weitere Ärzte zur Entgiftung. Ich wollte einfach sicher gehen, dass ich von nun an den Richtigen gerate. Allen gemeinsam war, dass sie kaum glauben konnten, dass ich noch Ende 2009 acht Amalgamfüllungen verpasst bekommen habe: „Das macht man doch eigentlich gar nicht mehr“, war der allgemeine Tenor. Und so wuchs auch in mir die Gewissheit, dass meine Beschwerden tatsächlich was mit meinen Zähnen zu tun haben könnten.

Einen guten Tipp bekam ich schließlich Mitte April in meiner Hausapotheke (die sich mit der Thematik recht gut auskennt – sie stellen selbst DMSA her). Ich solle doch mal zu einem Arzt ganz in meiner Nähe gehen, der sich schon lange mit Schwermetallbelastungen auskenne.

Gesagt, getan. Einige Untersuchungen dort (u.a. ein LTT-Allergie Test) ergaben eine Typ IV-Allergie auf Nickel (Stimulationsindex SI 3,6), Silber (SI 3,5), anorganisches Quecksilber (SI 2,9) sowie Phenylquecksilber 3 (SI 3,2).
Und so kam der Rat des Arztes, die Füllungen, die zum Glück nicht abgeschliffen waren, so schnell wie möglich gegen Zementprovisorien zu tauschen. Hierzu empfahl er mir zwei Zahnärzte, die entsprechend sauber arbeiten und die ich mir anschauen sollte.

3. und 4.Mai 2010
Ich entschied für einen der Zahnärzte, der bereit war unter Kofferdam, langsamem Bohrer sowie Sauerstoffzufuhr zu arbeiten.
Nach ziemlich genau einem halben Jahr Liegezeit wurden nun innerhalb von zwei Tagen alle Amalgam-Füllungen rausgenommen (da sie klein waren, war dies laut Zahnarzt wohl möglich), und gegen Zementfüllungen ersetzt.
Während der Entfernung nahm ich DMSA. Es ging mir Tage danach etwas schlechter, doch es war auszuhalten.
Dennoch entschied sich mein Arzt dafür, mit dem Beginn der Entgiftung zu warten und zunächst mal die Nickelallergie mittels Ernährung etwas runterzufahren.
Er erklärte mir, dass meine Nickelallergie wahrscheinlich schon vorher da war (Nickelallergien sind recht weit verbreitet), und sie kreuzallergisch das Quecksilber quasi „nachgezogen“ habe, und es auf diese Weise überhaupt erst zu dieser heftigen Reaktion kommen konnte. Indiz hierfür seien auch die ca. 8 Wochen, die vergangen waren bis zum Ausbruch der Symptomatik, da dies typisch für eine Typ IV-Allergie sei.

11.Juni 2010
Beginn der Entgiftung:
1x die Woche DMSA 100mg
3xtgl.NAC 500mg
4-5 x tgl. Lymphdiaral
4-5x tgl. Biomin II (Multimineralien)
3x tgl. Ester C Forte (Vitamin C)
6x tgl. Bärlauchkapseln
3x abends Zinc 30

Auffallend war eine deutliche Verschlechterung des Zustands kurz nach Beginn der Entgiftung; zu den vorher hauptsächlich psychischen Symptomen kamen nun körperliche und neurologische hinzu (massive Erschöpfung, Schwindel, teils erhöhter Kopfschmerz, Schwächeanfälle, leichte Lähmungen und Zuckungen, starke Angst/Depressionn, Derealisierung, Depersonalisation, Appetitlosigkeit, Nierenziehen etc.).
Sportliche Aktivitäten (ich fahre viel Rennrad und Mountainbike) waren kaum noch möglich, arbeiten so gut wie gar nicht.
Allerdings stellte sich auf der anderen Seite ein auffallend starker Stuhlgang ein (3-5 täglich, meist kein Durchfall, dafür sogen.Hackstuhl – deutet evtl. auf leichte Belastung der Bauchspeicheldrüse hin) ein, sowie teils sehr starkes Schwitzen mit metallischen Ausdünstungen (beißend-süßlich).
Mein Eindruck war also, dass ich recht stark entgifte und das sollte sich auch nach 5 Wochen bestätigen.

16.Juli 2010
Ende der ersten akuten Entgiftungsphase. Mein Arzt konnte kineosologisch kein Quecksilber mehr im Umlauf feststellen; das würde bedeuten, dass ich nur noch Quecksilber in den Organen eingelagert habe. Verwunderlich ist jedoch, dass meine Symptomatik nicht dazu passt, denn es geht mir immer noch ziemlich schlecht.
Mein Arzt vermutet nun, dass es nach wie vor die Nickelallergie ist, die sozusagen über das verkettete Quecksilber drückt und die Beschwerden macht.
Ich soll mich also weiterhin Nickelarm ernähren (was in letzter Zeit wohl etwas vernachlässigt habe) um die Allergie insgesamt runterzufahren; d.h. vor allem keine Hülsenfrüchte, kein Soja, keine Schokolade, keine Vollkornprodukte, keine Nüsse (hatte heftige Reaktionen auf Nüsse) etc.
Außerdem ist die akute Entgiftung ausgesetzt, um dem Körper Ruhe zu gönnen – tatsächlich habe ich die fünf Wochen nicht gerade als Spaziergang erlebt.

Und dann wird man sehen

Geändert von Evian (18.07.10 um 16:25 Uhr)

Hallo! Hier mal meine Gschichte

Malve ist offline
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Beiträge: 22.783
Seit: 26.04.04
Hallo Evian,

herzlich willkommen im Forum.

Zu Deiner Amalgamproblematik wirst Du sicher noch Antworten bekommen.

Was mich interessiert, wären die Schilddrüsenbefunde; könntest Du die einmal hier einstellen? Was wurde untersucht, wie sehen die Werte aus, wie der Ultraschall?

Auch Schilddrüsenfunktionsstörungen/-erkrankungen können Symptome hervorrufen, wie Du sie geschildert hast.

Liebe Grüße,
uma

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Evian ist offline
Themenstarter Beiträge: 116
Seit: 18.06.10
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Hallo Evian,

herzlich willkommen im Forum.

Zu Deiner Amalgamproblematik wirst Du sicher noch Antworten bekommen.

Was mich interessiert, wären die Schilddrüsenbefunde; könntest Du die einmal hier einstellen? Was wurde untersucht, wie sehen die Werte aus, wie der Ultraschall?

Auch Schilddrüsenfunktionsstörungen/-erkrankungen können Symptome hervorrufen, wie Du sie geschildert hast.

Liebe Grüße,
uma

hallo,
es wurde beim Radiologen die Schilddrüse untersucht (inkl. Szintigramm und Nadelbiopsie). Die Schilddrüse ist leicht vergrößert, die Knoten ergaben keinen Malignomvedacht.

Die Werte (vom 29.3.2010):

FT 4: 1,0 ng/dl (0,8-2,0)
FT 3: 3,9 ng/l (2,2 - 5,4)
TSH basal: 1,1 mU/l (0,3 - 3,0)
TPO (MAK): 12 U/ml (kleiner 60)

Die Schilddrüse ist laut Ultraschall leicht vergrößert.

In der Beurteilung steht:
"Es handelt sich um einen nicht malignitätsverdächtigen zytologischen Befund in einem epithel-zellfreien kolloidreichen Schilddrüsenpunktat, vereinbar mit einer Kolloidzyste" (?)



viele Grüße!

Geändert von Evian (18.07.10 um 17:12 Uhr)

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Malve ist offline
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Hallo Evian,

bei den Werten fehlen noch die Tg-AK und die TRAK.
Es muss nicht sein - aber manchmal findet sich gerade dort eine Abweichung von der Norm, die wichtig ist.
Da Deine Schilddrüse vergrößert ist, wäre die Feststellung der noch ausstehenden Antikörper erst recht sinnvoll.

Der fT4-Wert ist sehr niedrig, das könnte heißen, dass viel T4 in das stoffwechselaktive T3 umgewandelt wird, und dass es zu einem Mangel an "Nachschub" (T4) kommen könnte - die Folge wäre eine Unterfunktion.

Liebe Grüße,
uma

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Evian ist offline
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Seit: 18.06.10
Zitat von uma Beitrag anzeigen
Hallo Evian,

bei den Werten fehlen noch die Tg-AK und die TRAK.
Es muss nicht sein - aber manchmal findet sich gerade dort eine Abweichung von der Norm, die wichtig ist.
Da Deine Schilddrüse vergrößert ist, wäre die Feststellung der noch ausstehenden Antikörper erst recht sinnvoll.

Der fT4-Wert ist sehr niedrig, das könnte heißen, dass viel T4 in das stoffwechselaktive T3 umgewandelt wird, und dass es zu einem Mangel an "Nachschub" (T4) kommen könnte - die Folge wäre eine Unterfunktion.

Liebe Grüße,
uma

Tg-AK und TRAK kann ich jetzt leider nicht finden. Werden diese Werte automatisch mitermittelt? Wenn nicht, wie könnte ich daran kommen?

Grüße

Hallo! Hier mal meine Gschichte

Malve ist offline
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Seit: 26.04.04
Hallo Evian,

diese Werte werden leider nicht automatisch mitermittelt - es ist schon erstaunlich, dass überhaupt ein Antikörperwert bei Dir untersucht worden ist.

Ich fürchte, es wäre eine neuerliche Blutuntersuchung notwendig...

Liebe Grüße,
uma


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