Was ist Stress eigentlich und wie beeinflusst er unser Leben...

21.04.04 10:21 #1
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whitney ist offline
Beiträge: 344
Seit: 07.01.04
Stress ist eine Reaktion auf gefährliche Umweltreize. Sein Mechanismus ist ein stammesgeschichtlich uralter, biochemisch gesteuerter Lebensretter. Obwohl wir uns nicht mehr mit einer Keule in der Hand gegen einen Bären zur Wehr setzen müssen, funktioniert dieser Schutz auch heute noch. Immer wenn das Gehirn eine Situation als gefährlich einstuft, dann läuft in unseren Organismus eine Kettenraktion ab. Die Nebenniere schüttet vermehrt die Hormone Adrenalin und Cortisol aus, das Herz pumpt schneller und der Blutdruck steigt. Alle Sinne sind geschärft und die Wahrnehmung ist mit einem Schlag hellwach. All diese Veränderungen dienen dazu, unseren Körper fit zu machen, um akute Notfallsituationen zu meistern. Obwohl Stressreaktionen mehrmals am Tag auftreten können, haben sie zunächst einmal eine anregende Wirkung. Wir werden zum Handeln motiviert und solange uns genügend Zeit zur Erholung bleibt, ist dieser Vorgang auch völlig normal. Problematisch wird es erst dann, wenn wir ständig unter Stress stehen. Vielen Menschen schlägt er auf den Magen, manche bekommen Kopfschmerzen, andere knirschen mit den Zähnen oder verlieren den Appetit. Auch Rücken- oder Nackenschmerzen sind bekannte Symptome. Zudem erhöht Dauerstress das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Diabetes und schwächt unser Immunsystem.

Positive Aspekte von Stress sind:
. Freude an der Arbeit,
. Motivierung,
. Ausgeglichenheit,
. Aktivierung des Geistes,
. körperliches Wohlbefinden,
. Zufriedenheit,
. Anerkennung,
. Selbstvertrauen.

Negative Aspekte äußern sich in:
. Gereiztheit,
. Müdigkeit,
. Aggressivität,
. mangelnde Konzentration,
. Frustration,
. Resignation.
. Depression.

Zu großer Erwartungsdruck, Hektik und mangelnder Schlaf machen krank. Wer sich ständig mehr zumutet, als er leisten kann, treibt Raubbau mit seinem Körper. Stressgeplagte Menschen hetzen von einen Termin zum anderen und merken oft gar nicht, dass sie gestresst sind.

Es gibt besondere Einstellungen im Leben, die dem Stress förderlich sein können:
. ich bin grundsätzlich für "Alles" zustänig,
. ich mache "immer" alles besser als andere,
. wenn ich nicht wäre, dann ginge "Alles" schief,
. Arbeit ist das "ganze" Leben,
. ich kann nicht "Nein" sagen.

Kraft, Ausdauer und Leistungsfähigkeit haben kein festgelegtes Maß. Sie hängen von unserer Verfassung, vom Alter und von der jeweiligen Lebenssituation ab. Aber wenn wir die Phasen der Ruhe und Entspannung nicht einhalten, dann ist der Stress vorprogrammiert.

Bei folgenden Anzeichen ist es ratsam, seine Lebensweisen zu verändern:
. wenn man sich spürbar gereizt fühlt
. bei nichtigen Anlässen übermäßig reagiert,
. sich innerlich abgehetzt fühlt,
. schwer zur Ruhe kommt,
. sich ständig negative Gedanken macht,
. sich auch in der Freizeit zur andauernden Aktivität verpflichtet fühlt,
. keine Freude mehr verspürt bei dem, was einem bisher immer Spaß gemacht hat,
. auf Gespräche nicht mehr eingehen kann und es schwer fällt zuzuhören,
. die innere Unruhe das Interessse an soziale Bindungen überlagert,
. sich von der Außenwelt zurückzieht.

Wechselwirkung zwischen Stress und gesundheitlichen (psychosomatischen) Störungen:
Dauerstress stell eine schwere seelische Belastung dar und sucht sich ein Ventil in gesundheitlichen Störungen. Nicht nur die ständige Überbelastung, sondern auch bedeutende traumatische Ereignisse können Stress auslösen. Bei den Erwachsenen stehen Schwierigkeiten im Berufsleben an vorderster Stelle. Wer ständig unter Zeitdruck arbeitet, sich im Beruf nicht verwirklichen kann, ein gespanntes Verhältnis zum Vorgesetzten oder Angst um seinen Arbeitsplatz hat, ist für Stress besonders anfällig. Kinder, die dem Leistungsdruck nicht gewachsen sind, reagieren zunächst einmal mit einem Gefühl der Hilflosigkeit. Sie können aber ebenso wie die Erwachsenen schwere gesundheitliche Störungen entwickeln. Viele leiden unter starkem emotionalen Stress, da sie in eine Rolle gezwungen werden, der sie nicht gewachsen sind. Dadurch sind Kinder in der Entfaltung ihrer Persönlichkeit gehemmt und leben ständig mit der Angst, die an sie gestellten Anforderungen nicht erfüllen zu können.

Tipps zur Stressbewältigung:
. zunächst einmal muss man die Einsicht haben, dass man gestresst ist,
. sich selbst und seine Lebenseinstellung ändern,
. eigene Bedürfnisse wahrnehmen und durchsetzen,
. offen über Stress reden,
. Entspannungsübungen durchführen,
. Arbeiten in Ruhe ausführen und sich nicht hetzen lassen,
. auf seine innere Stimme hören und auch einmal "Nein" sagen,
. Freiräume schaffen für eigene Interessen,
. Hobbys zum Ausgleich zur Arbeit ausüben,
. gute Gespräche mit Freunden führen,
. Gedanken auch mal loslasen und sich geistig entspannen

Positiver oder negativer Stress?
Ohne Stress gäbe es kein Leben, keinen Fortschritt und keinen Erfolg. Positiver Stress, auch Eustress genannt, mobilisiert unsere Lebensgeister und spornt uns zum Handeln an. Ohne Anforderungen, sei es in der Schule oder im Beruf, würden wir uns nur langweilen. Solange wir Freude empfinden, können wir selbst große Herausforderungen meistern. Eustress wandelt sich erst dann zum Distress, zum negativen Stress, wenn wir uns überfordert fühlen. Ein bisschen mehr Gelassenheit kann helfen, Stresssituationen besser in den Griff zu bekommen. Denn zum Risiko wird Stress erst durch unser Dazutun.


Was ist Stress eigentlich und wie beeinflusst er unser Leben...

Oregano ist offline
Beiträge: 62.955
Seit: 10.01.04
Vielen Dank, whitney. Das ist ein tolles Posting. Das gehört eigentlich an die erste Stelle hier, weil es eine wunderbare Einführung zum Thema ist ;)
Uta

Was ist Stress eigentlich und wie beeinflusst er unser Leben...

whitney ist offline
Themenstarter Beiträge: 344
Seit: 07.01.04
Hallo Uta

Vielen Dank für die

Was ist Stress eigentlich und wie beeinflusst er unser Leben...

himmelsengel ist offline
Beiträge: 912
Seit: 25.03.04
Huhu ihr beiden,

und was macht man, wenn man täglichen körperlichen Stress hat und trotz aller Versuche, sich zu Entspannen usw. nicht zur Ruhe kommt?
Wenn man alle Wege schon durch hat, aber trotzdem nicht daraus kommt...?
Ich meine nicht den Stress den man sich selber macht (Termine, bei allem Ja und Amen zu sagen... usw.), sondern den psychischen Stress, denn der wiederrum wirkt sich auf den Körper aus.
Wobei ich mich auch schon gefragt habe, was war nun zuerst da... Stress mit dem Körper, was sich dann auf die Psyche ausgewirkt hat oder doch eher die Psyche, was dann zu körperlichen Stresssymptomen geführt hat.

Wünsche allen einen stressfreien Tag ;)
LG
himmelsengel

Was ist Stress eigentlich und wie beeinflusst er unser Leben...

whitney ist offline
Themenstarter Beiträge: 344
Seit: 07.01.04
Hallo Himmelsengel

Als erstes musst Du mal erkennen, WAS genau Dir den Stress bringt. Wenn Du psychische Probleme hast und nur einfach die Streßsymptome bekämpfst ist das eine reine Symptombekämpfung (eigentlich bei jeder Art von Stress so...). Hier ist es nötig, dass du als erstes die Ursachen dazu aus dem Weg räumst (siehe Tipps Stressbewältigung). Wenn Du in eine Stressattacke kommst. Atme erst mal tief durch, lass einen Seufzer raus und frag Dich mal, warum Du dich nun überhaupt stressen lässt. Ein bisschen ein "Scheissegaldenken" zulegen. Frag Dich warum Du dich stressen lässt. Alles kann doch warten, ausser Deiner Gesundheit

Was ist Stress eigentlich und wie beeinflusst er unser Leben...

himmelsengel ist offline
Beiträge: 912
Seit: 25.03.04
huhu whitney...
die Gesundheit bzw. eben das ich nicht gesund werde, stresst mich ;)

Was ist Stress eigentlich und wie beeinflusst er unser Leben...

whitney ist offline
Themenstarter Beiträge: 344
Seit: 07.01.04
hmm, und was machst Du damit du gesund wirst?

Was ist Stress eigentlich und wie beeinflusst er unser Leben...

Oregano ist offline
Beiträge: 62.955
Seit: 10.01.04
Es scheint zwar klar, wie Stress definiert ist. Trotzdem hilft einmal kräftig durchatmen im Falle von Kranken wie Himmelsengel, die lange Zeit noch nicht einmal wissen, woher ihre Symptome kommen, nicht viel. Da müßte man ja ständig kräftig durchatmen :( ;) ...

Was mir in den schlimmsten Zeiten geholfen hat: eine Art "Zuckerli-Plan": der Versuch, in bestimmten Abständen etwas für mich Angenehmes zu planen wie eine ganz besonders entspannende Behandlung wie "facial harmony" , "Atemtherapie" , Jin Shin Jiutsu oder ähnliches. Jin Shin hat mir oft geholfen, mich wenigstens einigermaßen selbst zu entspannen.
Ich habe mir dann aber auch immer die Möglichkeit vorbehalten, kurzfristig abzusagen, falls es mir so mies ging, daß ich nicht kommen konnte.
http://www.jinshin.de/kunst.html : Hier ist sogar eine Anleitung, wie man versuchen kann, sich selbst zu entstressen. Aber auch hier gilt: Übung macht den Meister :) .

Sehr geholfen hat mir auch eine Freundin, die selbst Vergiftet war. Während ich eher "still" litt und es mir schwer fiel, darauf zu bestehen und zu erzählen, daß ich nun mal nicht gesund war, weil mich der Zahnarzt verpfuscht und viele nachfolgende Kollegen b zw. Ärzte nicht herausfanden, was mit mir los war, fiel sie fast über Zweifler an ihrer Vergiftungsgeschichte her und machte denen klar, was sie für einen unqualifizierten Unsinn redeten. Das hat mir viel geholfen: ich hatte nicht zusätzlich noch ein schlechtes Gewissen und bekam noch Bauchschmerzen vor unterdrücktem Kummer und Zorn :@ ;) .

In Zeiten, in denen es mir einigermaßen gut ging, habe ich dann einen Plan aufgestellt mit sämtlichen Möglichkeiten, was mir bekannt war, um meinen Zustand zu verbessern. Zeitlich war dieser Plan flexibel, weil ich manchmal gar nicht mehr konnte. Aber er half dazu, daß ich immer wieder noch etwas fand, was Besserung versprach. Und dazu natürlich: informieren, informieren ....
Daß dabei auch viel Geld für unnötige Dinge ausgegeben wurde, ist eine traurige Wahrheit. Daß es viele Therapeuten gibt, die keine Hemmungen haben, die verzweifelte Lage eines Vergifteten mit sinnlosen und teuren Therapien auszunutzen, ist eine traurige Erkenntnis. -
Der Spruch "Nun entspannen Sie doch mal ein bißchen und seien Sie doch nicht so fixiert auf Ihre Symptome. Anderen geht es auch mal schlecht..." war auf jeden Fall nicht hilfreich!
:(
Gruß,
Uta

Was ist Stress eigentlich und wie beeinflusst er unser Leben...

whitney ist offline
Themenstarter Beiträge: 344
Seit: 07.01.04
Hallo Uta

Klar so ein blöder Spruch, anderen geht es auch schlecht, der bewirkt genau das Gegenteil. Vor allem das "Nichtverstandenwerden". Mit dem erst mal kurz durchatmen meinte ich auch nur, nicht gleich voll in den Stress stürzen. Erst mal überlegen muss ich mir dies jetzt in Hetze antun. Und klar, sich etwas gutes anzutun bringt etwas. Ich finde es nicht gut, Schuldzuweisung, deswegen bin ich gestresst, zu machen, sondern nach Lösungen suchen wie kriegt man den Stress los.

Was ist Stress eigentlich und wie beeinflusst er unser Leben...

Michael ist offline
Beiträge: 405
Seit: 09.01.04
Hallo zusammen

ist es nicht auch so, dass man zu grosse Erwartungshaltung gegen sich selbst aufbaut. Laufen wir, Menschen, nicht zeitweilig Gefahr, unseren Körper als einen Mechanischen Roboter zu betrachten, der unverzüglich zu funktionieren hat?
Die Aussage von Himmelsengel ".....eben das ich nicht gesund werde, stresst mich" interpretiere ich als höchst bedenklich!! Vergleichbar mit einem Autofahrer, der sein Vehikel nach allen Regeln der Bedienungsanleitung gewartet hat, und das ding möchte trotzdem nicht laufen.
Ist die Handhabung unserer Gesundheit nicht anderen Regeln unterworfen? Warum kann man nicht ein Gebrechen akzeptieren und lernen damit umzugehen, statt an sich selber herumzudoktern. Üblicherweise verschlimmbessert man die Symtome nur!!

Vor vielen Jahren hatte ich grosse Beschwerden mit meiner Wirbelsäule, die Diagnose "Bandscheiben Vorfall"!! Mein Arzt wollte mich unbedingt operieren lassen. Einige meiner Bekannten die sich schon unters Messer gewagt hatten, wurdern zum Teil so verpfuscht, dass Sie heute Invalid sind.
Die horror Vorstellung, als Krüppel mein Dasein zu fristen, gab mir die Kraft zu neuer Erkänntnis.
Ich akzeptierte meine Schmerzen und erduldete zeitweise höllenqualen, schaltete immerwieder einen "Gang" runter, bis ich die Schwelle der Schmerzen erreicht habe. In dieser Position verharrte ich einige Monate, bis ich mich und meine Wirbelsäule wieder langsam belastete.
Heute bin ich Schmerz und Beschwerden frei! Eine Röntgen - Untersuchung vor zwei Jahren bestätigte mir meine "Wundersame" heilung, Bandscheibenvorfall abgeheilt!!

Ich bin heute der festen Überzeugung, dass, wenn man dem Körper die Möglichkeit gibt sich selbst zu heilen, macht er das besser als der beste Mediziner.

Gruss, Michael


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