Sozialer Absturz in D-land generell, aber

13.06.11 09:32 #1
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Sozialer Absturz in D-land generell, aber

philia ist offline
Themenstarter Beiträge: 305
Seit: 13.03.11
Gut, das stimmt natürlich. Das Thema ist die soziale Rutschbahn generell.

Ich fürchte aber, daß nicht so sehr die mangelnde politische Information der Grund ist, sondern eher die von den Politikern ausgehende gezielte Desinformation bzw. Schönfärberei, die die Leute evtl. irritiert oder – wohl eher noch – abstößt. Es fallen mittlerweile so dermaßen viele auch von denjenigen Menschen aus dem sozialen Netz heraus, bei denen das noch vor sagen wir 15 … 20 Jahren undenkbar gewesen wäre. Und die sind durchaus gebildet genug, um auch zu wissen, daß sie von denen „da oben“ eigentlich nur veräppelt werden. Es sind ja auch die Verflechtungen mit der Industrie und Lobbyismus (hatte ich anfangs in dem kleinen Reim angemerkt), die Otto Normalbürger nicht durchkreuzen kann, da sie so undurchsichtig sind. Da sind handfeste monetäre Interessen im Spiel.

Hätte man die Adressen, wo ein „P“ vorzusetzen wäre in Form von Boykott o. ä., wäre es um vieles leichter.

Wer auf die Versprechungen der Parteien reinfällt, hat selber schuld. Da mag einer vielleicht was versprechen, weil er sich was davon verspricht und noch jung und unverbraucht wirkt, aber das Geflecht von Politiker-Lügen kenne ich schon von klein auf. Es ändern sich nur die Namen. Bei uns wurde oft und kritisch darüber diskutiert.

Es ist ja auch ein immer größeres Mißverhältnis von ganz wenigen, die alles Geld einsacken und ganz vielen – bislang auch unversehrt gebliebenen, die trotzdem durch „Einsparungen“ keine Möglichkeiten der Kompensation mehr haben, weil halt gerade am Elementaren gestrichen wird – die regelrecht in die Armutsfalle gestoßen werden.

Da tun sich wahre Gräben auf und ich frage mich ernstlich, was an den Griechen, an den Portugiesen, an den Nordafrikanern denn so dermaßen anders ist als wie an den Deutschen, die sowas mit sich machen lassen. Wo seid ihr, Dichter und vor allem unabhängige und unkorrumpierbare DENKER? Seid ihr alle schon ausgewandert?

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philia ist offline
Themenstarter Beiträge: 305
Seit: 13.03.11
Nischka, du bist mir jetzt zuvorgekommen ....

Aldous Huxley habe ich zuletzt in der Schule im Englischunterricht gelesen, fand ich zwar interessant (weiß ich noch halbwegs). Weiß aber gar nicht mehr den Titel. Das ist auch schon Jahrzehnte her, aber nun hast du mich ja wieder an ihn erinnert...

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Nischka ist offline
Beiträge: 1.532
Seit: 02.01.11
Und mittlerweile, wenn eine Partei eine Forderung aufstellt, ich glaube wirklich kein Wort mehr. Ich frage mich nur noch: Was ist jetzt wieder der Trick dabei?

Gab es in den letzten fuffzich Jahren eigentlich irgendwelche Punkte, bei denen man sagen könnte: Fortschritt, juchhuh, da hat sich was Positives getan für uns "kleine Leute"? - Wenn überhaupt, dann nur durch massivsten Druck seitens der Bevölkerung. Ich bin noch gespannt auf die Weiterentwicklung bezüglich Stuttgart 21 und Abschalten der AKW's.

Hi philia, sehe gerade noch, daß Du geschrieben hast.
Im Englischunterricht, dann hieß das Buch "Brave new world", auf deutsch: Schöne neue Welt.
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Stell Dir vor, es gibt Funk, und keiner nutzt ihn :-D

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philia ist offline
Themenstarter Beiträge: 305
Seit: 13.03.11
Also bei dem Gedanken Regierung, Führung, da dachte ich natürlich an eines ganz und gar nicht, und zwar Maßregelung, erwartetes Duckmäusertum und Autorität im negativen Sinne. Es muß alles auf Freiwilligkeit basieren, sonst geht es nicht. Der freie Wille darf nur nicht mißbraucht werden, also auf kriminelle Weise, auf unethische Weise, auf zerstörerische Weise und auch nicht so, daß irgend ein Mensch sich für „besser“ hält als andere. Blinder Gehorsam ist supergefährlich, wissen wir ja nun wirklich zur Genüge aus der Geschichte.

Also da steht nicht irgend ein Mensch da oben und gibt irgendwas vor. Was ich meinte, sind Grundsätze und Regeln, die eben für alle Menschen weltweit gelten, weil die Bedürfnisse der Menschen „gleich“ sind, was die Versorgung anbelangt. Natürlich versteht jeder was anderes unter guter Ernährung oder guter Freizeitgestaltung, und solche Freiheiten müssen natürlich gegeben sein. Was ich mit „gleichen Bedürfnissen“ meine, ist lediglich die wirkliche gesunde Befriedigung. Also mal ganz platt formuliert: Wenn man eine Skala nimmt, die einen Minusbereich und einen Plusbereich hat (wie beim Thermometer), daß man dann den Minusbereich ausschließt und sich nur im Plusbereich bewegen darf.

Denn nicht umsonst heißt es ja „jedes Ding hat zwei Seiten“. Da gab es Erfindungen, die technisch gesehen Fortschritt brachten und auch viel Gutes, aber gleichzeitig haben dunkle Elemente die negative Seite dieser Erfindungen für Zerstörerisches in bis dahin unvorstellbarem Ausmaß ausgenutzt und praktisch angewandt. Solche Entwicklungen müßten im Keim erstickt werden von solch einer Führung bzw. Regierung. Menschen sind nun mal unvollkommen und haben global gesehen nicht den Überblick, deshalb kommen sie dafür auch nicht in Frage.

Aber es muß ja nicht gleich utopisch klingen, wenn man sich wünscht, daß niemand mehr Angst vor dem anderen zu haben braucht, ganz gleich wen er gerade trifft, daß essen und trinken nicht andauernd mit der Gefahr der Vergiftung verbunden ist, daß Begriffe wie Liebe, Vertrauen, Geistesarbeit, auch sinnvolle körperliche Arbeit etc. nicht immer mehr sinnentleert werden usw., was ja doch richtig, nämlich positiv verstanden weltumspannend menschliche Grundbedürfnisse sind.

Und da hat die Ausbeutung großer Bevölkerungskreise durch ein paar unverschämt Habgierige überhaupt keinen Platz.

Nischka, ich zitiere (kopiert) dich mal (weiß leider noch nicht wie ich einzelne Sätze von oben hier mit den blauen Anführungszeichen und "Zitat" reinbekomme)
Ich habe für mich herausgefunden - angeregt durch Jiddu Krishnamurti und Byron Katie -, daß der Kern des Übels in unserer Welt Dogmen sind, Überzeugungen, diese fördern Rechthaberei und damit die Spaltung unter den Menschen. Das kann man gut bei den Religionen beobachten. Jede Religion beansprucht für sich, "die Wahrheit" zu wissen und zu verkünden und steht somit automatisch in Konkurrenz zu anderen Religionen.
Da finden die Menschen also nie zueinander.
Zitatende

Ich bin da etwas anderer Meinung, das mit den Religionen und den Dogmen, die da zweifellos existieren, hat wohl früher mal so funktioniert. Da setzte man wohl noch eher Kirche und Religiosität gleich. Aber die vielen Menschen, bestimmt nicht wenige auch wegen dieser ganzen Mißbrauchsfälle, die aus den Kirchen austreten, werden damit nicht zwangsläufig zu Atheisten. Religionen, die meinen, "die Wahrheit" zu wissen und zu verkünden, muß jeder für sich daraufhin überprüfen, ob es tatsächlich so ist. Dazu bedarf es natürlich einer Richtschnur, an der sich alle Religionen messen lassen müssen.

Jesus Christus sagte zu seinem Vater: Dein Wort ist Wahrheit (gem. Joh. 17:17). Und Gottes Wort oder die Bibel ist damit die Richtschnur. Aber mal was anderes:

Ich habe mich gefragt: Warum fragt wohl niemand danach, welcher Religion Adam und Eva angehörten? Ich habe das schon manche Menschen gefragt und dann stutzten sie aber ... (dies würde jetzt aber zu einem anderen Thema führen, deshalb lass ich das mal so stehen)

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lealee ist offline
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Seit: 05.02.10
Meine Meinung zu dem Thema:
"Selbst schuld" ist nicht nur zu kurz gegriffen sonder schlichterdings nicht realistisch. Selbst wenn wir alle die hier diskutieren und viele andere die "richtige" Partei wählen würden bekäme sie keinen Einfluss, wenn nicht die Mehrheit des Volkes sie wählt. Dass Wahlversprechen eher Wahlversprecher sind und dass es beim Wahlkampf ausschließlich um Stimmenfang geht und nicht um Programme, für die eine Partei konsequent steht ist bei den Großen längst kein Geheimnis mehr. Man sieht es an den Versprechungen der FDP, da haben die Leute die Steuersenkungen wollten ja wohl die richtige Partei gewählt - leider gehörten sie dann nicht zu den Gewinnern, weil die FDP eine ganz andere Klientel im Auge hat als sie den Bürgern weisgemacht hat, und weil nach der Wahl plötzlich und unerwartet (man staune! - Achtung Ironie) Umstände eingetreten sind, die dann doch eher Erhöhungen als Senkungen nötig machten. Und dann gibt es ja nicht nur den einen oder den anderen Missstand zu beheben, was nur in gemeinsamer Anstrengung und mit gemeinsamer Einsicht geht, aber nicht wenn man nur die Bewahrung der eigenen Machtinteressen im Auge hat. Herr Rösler hatte ja einen engagierten Ansatz als er Gesundheitsminister wurde. Er wollte die Pharmakonzerne an den Sparmaßnahmen beteiligen und sie in die Pflicht nehmen. Dass er kurze Zeit später volles Ruhr zurückgerudert ist und die Pharmaindustrie unberührt blieb - was sagt uns das? Dass Politiker die Regeln aufstellen etwa? Oder nicht doch das Kapital?

Einzelnen Menschen dafür die Schuld zu geben, weil sie die falsche Partei gewählt haben sollen oder gar nicht zur Wahl gehen (was beides eine rein hypothetische Unterstellung ist, wir wissen es nämlich gar nicht, ob die Betroffenen gewählt haben und welche Parteien sie wählen) bleibt nichts weiter als eine polemisch angehauchte Phrase. Konkrete Einflussnahme auf politische Entscheidungen hat der Bürger -außer über eine Volksabstimmung- gar nicht.

LG Lealee

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Eric68 ist offline
Beiträge: 75
Seit: 10.05.11
Zitat von Nischka Beitrag anzeigen

Hätten wir beispielsweise Lebenseinheiten bis zu 150 Menschen - ich hörte, daß Forscher diese mal als Maximum herausgefunden haben für eine funktionierende Gemeinschaft -, dann könnte jede/r mit jeder/m eine Beziehung haben, einen Bezug. Dann hätte Habgier, wenn man wie o. g. miteinander umgeht, keinen Platz mehr, auch würde keiner eine Bananenschale achtlos auf die Straße werfen, weil er/sie genau weiß, daß nicht Mr. Anonym auf dieser ausrutscht, sondern möglicherweise gute Freunde.


Hallo Nischka,

bin ja mit den meisten Punkten von dir einer Meinung.

Zu dem zitierten Teil wollte ich anmerken, ich lese gerade von Stefan Klein "Der Sinn Des Gebens". Darin erzählt er die Begebenheit von einem Wissenschaftler ( Anthropologe ? ) der eine ganze Zeit in einem kleinen abgeschiedenen Dorf in Ostafrika zubringt. Ich glaube es war nicht erwähnt wie groß diese Gemeinschaft war, aber auch dort gab es aufgrund einer Hungersnot "gesellschaftliche Missentwicklungen". Und ich würde das spontan auch so sehen, dass ein gutes oder schlechtes Zusammenleben nicht unbedingt eine Frage der Größe der Gemeinschaft ist.

Grüßle

Eric
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Ich habe resigniert. Nie wieder Arzt !!! ( Erst wieder für den Totenschein )

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Eric68 ist offline
Beiträge: 75
Seit: 10.05.11
Lealee, Du scheinst sehr politikverdrossen zu sein. Ich denke schon, dass man auf politischem Wege etwas erreichen kann ( siehe z.B. dein Beispiel mit den Steuersenkungen "für die Falschen" ). Das wurde ja auch politisch beschlossen.

Sicher, niemand weiß wikrlich ( selbst die Zahlen der Wahlforschungsinstitute sind mir Vorsicht zu genießen ), wieviele aus der sozial schwachen Schicht nicht bzw. falsch gewählt haben. Aber generell gesprochen haben zumindest die Nichtwähler einfach ihre Chance, die sie hatten, nicht genutzt und sollten wie gesagt meiner Meinung nach die Klappe beim Schimpfen über "die da Oben" niicht so weit aufreißen.

Weil die da oben sind eben vielleicht nur da oben, weil ein paar viele nicht oder falsch gewählt haben !

Das bringt mich zum wichtigsten Punkt in deinem Posting. "Bekämen sie keinen Einfluss, wenn nicht die Mehrheit des Volkes sie wählt". Ähm, das will ich doch auch hoffen.
Ich finde Deutschland auch unsozial und würde mir gerne eine Umverteilung von oben nach unten wünschen, aber noch davor bin ich Demokrat. Und wenn eine Gesellschaft eben nun mal aus 70 % kaltherzigen A...löchern besteht, die den Rest ausbeuten wollen, dann geht es zumindest in der Gesellschaftsform Demokratie nicht anders, als das ausgebeutet wird., oder wie willst Du das dann handhaben ?

Grüßle

Eric
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lealee ist offline
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Seit: 05.02.10
Ich bin der Meinung, die etwas aus der Mode geratenen (und gerade neu entdeckten) Werte spielen diesbezüglich eine große Rolle. Was auf der einen Seite Freiheit und Individualität bedeutet, führt auf der anderen Seite unter gewissen Umständen (Wegfall der sozialen Kontrolle etwa) zu einer gesteigerten Ichbezogenheit und zur Nichtwahrnehmung der Anderen. Umsomehr als wir in einer Gesellschaft leben, wo alles lebenswichtige käuflich ist und das Individuum im Prinzip nicht mehr auf die Gemeinschaft angewiesen zu sein scheint (was natürlich nicht stimmt, denn die Ware wird ja nicht in den Supermarkt hineingezaubert).

Begünstigt wird dieser Trend durch die Medien, die im Kampf um die Zuschauerzahlen zunehmend sensationsheischend die niedrigen Instinkte bedienen. Wir dürfen nicht vergessen: Der Zeitgeist und die Medien prägen die heutige Jugend und damit die Gesellschaft von morgen. Nehmen wir das Beispiel Volkszählung (Mikrozensus). Während in den 80iger Jahren massiver Protest gegen die geplante Volkszählung aus der Bevölkerung, besonders von den jungen Menschen kam, so dass sie nicht wie geplant durchgeführt werden konnte (Macht der Bürger!) hat sich bei der heurigen kaum jemand darüber aufgeregt. 1987 standen die Bürger unter dem Eindruck von George Orwells "1984" wo Big Brother die Bürger rundum überwacht. Das führte zu einer kritischen Haltung und zu einer verstärkten Verteidigung der Privatsphäre und der Bürgerrechte. Heute finden es die Menschen (ok, nur ein Teil, aber wohl kein geringer - wie erschreckend!) es unheimlich interessant, Big Brother im Fernsehen zu sehen, wo genau das, was Orwell in seinem Szenario beschreibt zur Unterhaltung inszeniert wird. Wir haben hier durch banale Unterhaltung und das gezielte Ansprechen solch niederer Bedürfnisse wie Voyeurismus und Klischeedenken erreicht, dass Menschen es normal finden, dass andere sogar noch auf dem Klo und bevorzugt in intimen und persönlichen Momenten bis ins Detail beobachtet werden und zur allgemeinen Belustigung herhalten müssen.

Ein weiteres Indiz, das mich zunehmend in Rage bringt ist die Tatsache, dass ich immer öfter im Fernsehen in Talk- und Politrunden die Frage höre: "Brauchen wir mehr Gutmenschen?" Das klingt in dem Zusammenhang immer gerne so als wäre der Gutmensch ein einsamer, abgehobener Depp, der nicht alle beisammen hat und der als Ausnahmeerscheinung unangenehm in Erscheinung tritt und den Machern lästig ist. Also im Umkehrschluss ist demnach der Ellbogenmensch und der "Schlechtmensch" der cleverere oder zumindest der normale Mensch. Dabei handelt es sich nicht etwa beim präsentierten Gutmenschen um einen Moralapostel, der päpstlicher als der Papst sein will und irgendwelche Utopien verbreitet sondern um kluge Menschen, die erkannt haben, dass dieses System, von dem wir schon gesprochen haben ungerecht und so nicht in Ordnung ist und dass es auf Dauer nicht funkitonieren wird. In dem Zusammenhang wird auch gerne der Begriff vom "Sozialromantiker" gebraucht, auch so eine beleidigende Bezeichnung für Menschen, die Werte vertreten wie sie in den Nachkriegsjahren zum Wohle der Bürger definiert wurden und die dem eigentlichen Wesen des Sozialstaats zugrunde liegen.

Das zeigt doch, wie sehr die soziale und gesellschaftliche Schieflage, der Werteverfall und die Profit- und Egomentalität schon für die meisten zur Normalität geworden ist und sie in den Medien nicht angeprangert werden sondern der Kritiker solcher Zustände als "Gutmensch" und "Sozialromantiker" fast schon für lächerlich erklärt wird.

Ist das nicht erschreckend?

LG Lealee

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lealee ist offline
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Das bringt mich zum wichtigsten Punkt in deinem Posting. "Bekämen sie keinen Einfluss, wenn nicht die Mehrheit des Volkes sie wählt". Ähm, das will ich doch auch hoffen.
Sorry, aber die FDP hatte definitiv nicht die Mehrheit des Volkes und konnte, kaum dass die Wahlzettel gezählt waren ihrer Lobbyarbeit für Hoteliers nachgehen. Was sagst du nun dem Wähler, der das nicht wollte und eine ganz andere Partei gewählt hat? Wie hätte er solches verhindern können?

Und wer sagt, dass diejenigen, die sich beschweren (oder besser gesagt aus leidvoller Erfahrung sprechen) nicht gewählt haben? Das sind doch Unterstellungen. Oder sagen wir es mal anders herum: Warum sind denn für alle die, die die richtigen Parteien für ihre Bedürfnisse gewählt haben die Verhältnisse nicht entsprechend besser geworden? Das wäre doch der Umkehrschluss: Wählst du richtig, dann änderst du die Verhältnisse.

Echt?

Ich bin nicht politikverdrossen sondern aktive Wählerin seit über 3 Jahrzehnten. Mein persönlicher Einfluss auf die Wahlergebnisse und insbesondere auf das was nach den Wahlen realisiert wurde hält sich dabei so stark in Grenzen, dass ich eigentlich nur einen einzigen Erfolg verzeichnen kann. Und der ist allein dem Zufall und dem Machterhaltungsdrang unserer Regierung zu verdanken So hat die Angst vor verlorenen Wählerstimmen nach nun 30 Jahren doch noch dazu geführt hat, dass über die Abschaltung von AKWs zumindest laut nachgedacht wird. Ja, wir haben schon vor 30 Jahren gegen Atomkraft protestiert, und dazu brauchten wir kein Tschernobyl und kein Fukushima, denn wir haben damals schon erkannt wie vermessen es ist, hochradioaktiv strahlendes Material für Jahrmillionen sicher lagern zu wollen.

LG Lealee

Geändert von lealee (20.06.11 um 21:39 Uhr)

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Nischka ist offline
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Seit: 02.01.11
Hallo lealee,
tolle Beiträge von Dir, würde ich gleich unterschreiben.

Ich hatte als Kind - wohl von einem schlauen Menschen - mal ein Comicbuch. Darin war eine kurze Bilderreihe: Ein Männchen sollte wählen, kam in eine Kammer, da waren zwei Hebel "der König" und "jeder andere". Er zog den Hebel "jeder andere" und landete direkt durch eine sich abrupt öffnende Falltür in einem Verlies.

So ungefähr seh ich eigentlich das heutige Wahlsystem, auch wenn es anders zu sein scheint.

Die Wahlergebnisse, und dafür braucht man sie vielleicht noch nicht mal zu manipulieren, sind doch eigentlich auch eine Verfälschung: Wenn 35 bis 45 Prozent nicht wählen, dann müßte man die prozentualen Ergebnisse entsprechend anpassen. Hat also die CDU meinetwegen 35% erhalten, so sind es real aber nur um die 20%.
Das heißt: Da gewinnt eine Partei, die nur von jedem Fünften gewünscht ist, und daß sie gewünscht ist, sagt außerdem nur etwas über den Moment aus. Vier Wochen später - nach Erfahrungen mit "Wahlversprechen" - ist es gut möglich, daß viele sich schon grämen über die Wahl ihrer Wahl.

Das haut doch alles vorn und hinten nicht hin.

Neulich gab es log.in, eine spätabendliche Sendung, in der vornehmlich junge Menschen sich äußern können. Ich habe reingesehen und konnte erkennen, daß die junge Generation sich quasi von keiner Partei mehr vertreten fühlt.

Insofern find ich es richtig gut, wenn die sich jetzt mal aufmachen und da Wirbel reinbringen, auf welche Weise auch immer.

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