Weitere Entwicklungen in Fukushima

13.05.11 23:21 #1
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nicht der papa ist offline
Themenstarter Beiträge: 4.533
Seit: 18.11.09
In den USA werden sie anders gebaut - dort hat der Reaktor einen eigenen Kühl- und Notkühlkreislauf und die Abklingbecken ebenfalls. Zudem sind Reaktor und Abklingbecken auch räumlich weiter auseinander.
Mag sein, dass das bei manchen so ist. Aber ob es für alle gilt? Zudem haben sie laut Dr. Helen Caldicott des öfteren gar keine ausreichenden Notkühlsysteme.
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Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

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nicht der papa ist offline
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Zitat von Clematis23 Beitrag anzeigen
Anderes Thema: Warum kehren die Japaner trotz radioaktiver Verseuchung in die Gefahrenzone zurück?
Gruß,
Clematis23
Da wird es auch genug alte Menschen, die einfach lieber da in ihrem Haus sterben wollen, als anderswo irgendwie zu leben.
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Weitere Entwicklungen in Fukushima
Clematis
Hallo,

habe hier noch einige Informationen zu Brennelementenarten für verschiedene Reaktortypen gefunden, wo sie hergestellt werden u.a., falls interessiert:

Brennelementefabrik

Zitat aus der Einleitung:
"Die Brennelemente besitzen je nach dem Reaktortyp, in dem sie eingesetzt werden, unterschiedliche Zusammensetzung und Gestalt. Meist enthalten sie als Kernbrennstoff Uran in oxidischer Form (z. B. in Leicht- und Schwerwasserreaktoren) oder in metallischer Form (Magnox-Reaktoren). Manche Brennelemente enthalten als Spaltmaterial jedoch auch Thorium (z. B. bei Hochtemperaturreaktoren) oder Uran-/Plutonium-Mischoxid (MOX). Letzteres wird in Schnellen Brütern, aber auch in Leichtwasserreaktoren eingesetzt."

Brennelement

Zitat zur Zusammensetzung abgebrannter Brennelemente:
"...häufig zur Wiederaufarbeitung ins Ausland gebracht. Dort werden die Abfallstoffe mit Hilfe chemischer Verfahren von den noch im Brennelement enthaltenen wiederverwendbaren Kernbrennstoffen Uran und Plutonium getrennt." (Hervorhebung von mir)

Wie sie funktionieren - Unterschiede:
Reaktoren Kernenergie Atomenergie

Zur Wiederaufarbeitung - Verfahren und Restbestände:
Wiederaufarbeitung: Viele Informationen uber Wiederaufarbeitung an omega.it

Zitat - Ausschnitt:

"Verfahren
In einer Wiederaufarbeitungsanlage werden die Brennelemente zunächst mechanisch zerschnitten. Der Brennstoff wird dann in heißer Salpetersäure aus den Abschnitten herausgelöst. Anschließend werden die Bestandteile Uran, Plutonium und Spaltprodukte/Aktiniden durch weitere physikalisch-chemische Verfahren voneinander getrennt. Hierzu setzt man für die Extraktion den so genannten PUREX-Prozess ein (PUREX = Plutonium-Uranium Recovery by Extraction). Als Extraktionsmittel dient Tributylphosphat (C4H9O)3PO, das mit 70 % Kerosin verdünnt ist. Durch mehrfache Durchführung der Extraktionszyklen kann eine fast 100%-ige Trennung der Bestandteile erreicht werden. (Hervorhebung von mir).

Weiterverarbeitung der Produkte
Das abgetrennte Plutonium wird bei der zivilen Wiederaufarbeitung meist zu neuen Uran/Plutonium-Brennelementen („MOX-Brennelemente“) verarbeitet, die in Leichtwasserreaktoren wieder eingesetzt werden. Dies ist beispielsweise in Frankreich und Deutschland der Fall."

Bericht zum Kernkraftwerk Gösgen:
Kernkraftwerk Gösgen

Zitat zu Brennstäben und ihrer Zusammensetzung:
"Das beigemischte Plutonium stammt aus der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente und ist selbst ein Gemisch aus mehreren Plutoniumisotopen. Diese Mox-Brennelemente sind äusserlich von einem Uranbrennelement nicht zu unterscheiden.

Plutonium wird in jedem Leichtwasserreaktor durch Umwandlung von Uran-238 erbrütet; in einem herkömmlichen Uran-Brennelement trägt Plutonium dadurch etwa 40 Prozent zur Leistung bei." (Hervorhebung von mir).

Ein Leichtwasserreaktor erbrütet bei der Verbrennung durch chemische Prozesse Plutonium, das wie aus oben zitiertem "fast" bei der Wiederaufarbeitung nicht vollständig herausgelöst werden kann.

Da sich während des Betriebes eines AKW die Radioaktivität im Reaktor, Ummantelung, Betonwänden und -böden, Rohren, Ventilen usw. immer mehr anreichert und die radioaktiven Partikel von Uran, Plutonium und den weiteren Bestandteilen, die Anlagenteile "beschiessen" und porös machen, zu Rissen und weiteren Schäden führen, ist das Alter eines Reaktors entscheidend für seine Sicherheit. Harrisburg-Störfall geschah schon nach wenigen Monaten - er war aber gerade noch innen zugänglich...

Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist die Radioaktivität im Inneren so hoch, daß ein Zugang für Reparaturen gar nicht mehr möglich ist und dann ist ein GAU unvermeidlich! Uran ist ja schon schlimm genug, aber die Beimischung von Plutonium...

Die Schweiz will ihre Reaktoren für 50 Jahre laufen lassen... WAHNSINN!
Unsere Reaktoren sind bald auch nicht viel jünger... also auf den Schrotthaufen damit!

Gruß,
Clematis23

Geändert von Clematis (26.05.11 um 21:13 Uhr)

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Omtcg ist offline
Beiträge: 1.154
Seit: 16.12.09
Hallo Clematis,

danke für die vielen Informationen!

Eine - vielleicht dumme - Frage habe ich noch:
Was bedeutet angereichert? Im Zusammenhang mit der Erzeugung von Brennstäben.
__________________
Liebe Grüße Sabine

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Clematis
Zitat von Omtcg Beitrag anzeigen
Eine - vielleicht dumme - Frage habe ich noch:
Was bedeutet angereichert? Im Zusammenhang mit der Erzeugung von Brennstäben.
Hallo Omtcg,

dumme Fragen gibt es nicht. Wer nicht fragt bleibt dumm - DAS ist die Devise!

Uran liegt in der Natur nur in einer geringen Konzentration vor, und tritt in verschiedenen Formen auf, etwa U235 zu 0,7%, U238 zu 99,294%, U234 zu 0,006% Um das für Brennstäbe benötigte U235 zu erhalten, können verschiedene Verfahren verwendet werden, bei denen das nicht gewünschte Material abgetrennt (ausgefällt) wird und das gewünschte U235 eine höhere Konzentrationen erreicht = angereichert. Für Brennstäbe ist eine Mindestkonzentration der Nuklide des U235 von 3% erforderlich, üblicherweise jedoch 5%, weil nur dann eine Kettenreaktion einsetzen kann.

Siehe auch hier:
https://secure.wikimedia.org/wikiped...n-Anreicherung

Hier noch weitere Informationen:
www.bfs.de/de/ion/wirkungen/uranmunition.html
Da von einer Behörde, bitte beachten, daß im ersten Absatz eine extreme Verharmlosung vorliegt, nur die Auswirkungen von Alphastrahlung wird im Text behandelt. Die Auswirkungen der Beta- und Gammastrahlung, die um einiges gefährlicher sind werden nicht beschrieben. Die Betastrahlung dringt durch Kleidung mehrere Zentimeter tief in den Körper ein. Die Gammastrahlung durchdringt den Körper komplett. Es gibt keine Schutzkleidung hierfür! Es sei denn man hüllt den Menschen komplett in eine dicke Bleischicht ein.

Bei der Verbrennung der Brennelemente verändert sich die Zusammensetzung von U235, es entsteht dabei u.a. Plutonium.

Gruß,
Clematis23

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Omtcg ist offline
Beiträge: 1.154
Seit: 16.12.09
Danke, Clematis.

Nun vielleicht doch eine dumme Frage:

Wenn man (nehmen wir als Beispiel) Uran durch "Saubermachen" höher konzentrieren kann, warum kann man den Prozess durch "Verunreinigen" nicht wieder rückgängig machen?
__________________
Liebe Grüße Sabine

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Clematis
Zitat von Omtcg Beitrag anzeigen
Wenn man (nehmen wir als Beispiel) Uran durch "Saubermachen" höher konzentrieren kann, warum kann man den Prozess durch "Verunreinigen" nicht wieder rückgängig machen?
Hallo Omtcg,

da bin ich jetzt überfragt. Die Idee leuchtet ein, ich bin aber keine Physikerin. Doch die Wissenschaftler konzentrieren sich darauf mehr U235 zu erhalten. Ob sie den umgekehrten Weg, wie von dir angedacht überhaupt in Erwägung gezogen haben ist fraglich.

Ich kann mir allerdings vorstellen, daß die Rückumwandlung nachdem die Brennstäbe zusätzlich mit Plutonium angereichert wurden einen extrem aufwendigen chemischen Prozeß erfordern würde. Wie kompliziert das ist zeigen die Versuche mit verschiedenen Verfahren in Wiederaufbereitungsanlagen für Brennstäbe. Auch dort gelingt es z.B. nicht das Plutonium zu 100% abzutrennen, auch nach mehreren Durchläufen nicht.

Schick deine Frage doch mal an das Bundesamt für Strahlenschutz. Zuständig ist dort Wolfgang König. Gleichzeitig noch eine Anfrage an das Umweltministerium, derzeit verantwortlicher Minister ist Dr. Norbert Röttgen. Möglicherweise leistest du so einen nützlichen Beitrag damit dort auch mal in dieser Richtung nachgedacht wird.

Gruß,
Clematis23

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Omtcg ist offline
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Zitat von Clematis23 Beitrag anzeigen
Hallo Omtcg,

da bin ich jetzt überfragt. Die Idee leuchtet ein, ich bin aber keine Physikerin. Doch die Wissenschaftler konzentrieren sich darauf mehr U235 zu erhalten. Ob sie den umgekehrten Weg, wie von dir angedacht überhaupt in Erwägung gezogen haben ist fraglich.

Ich kann mir allerdings vorstellen, daß die Rückumwandlung nachdem die Brennstäbe zusätzlich mit Plutonium angereichert wurden einen extrem aufwendigen chemischen Prozeß erfordern würde. Wie kompliziert das ist zeigen die Versuche mit verschiedenen Verfahren in Wiederaufbereitungsanlagen für Brennstäbe. Auch dort gelingt es z.B. nicht das Plutonium zu 100% abzutrennen, auch nach mehreren Durchläufen nicht.

Schick deine Frage doch mal an das Bundesamt für Strahlenschutz. Zuständig ist dort Wolfgang König. Gleichzeitig noch eine Anfrage an das Umweltministerium, derzeit verantwortlicher Minister ist Dr. Norbert Röttgen. Möglicherweise leistest du so einen nützlichen Beitrag damit dort auch mal in dieser Richtung nachgedacht wird.

Gruß,
Clematis23
Danke für deine Antwort
Ich bin aus dem schönen Ösiland und ich fürchte, euren Behörden wird meine eMail ziemlich egal sein

Es freut mich, dass sich Deutschland gestern dazu durchgerungen hat, bis zum Jahr 2022 atomstomfrei zu sein.
Somit hatte Fukushima doch noch einen Funken Positives - oder vielleicht auch sehr sehr viel davon, weil uns nach 2022 ein Störfall in Deutschland auf jeden Fall erspart werden wird.

Ich hoffe sehr und wünsche es mir aus ganzem Herzen, dass alle anderen Atom-Länder dem Beispiel Deutschland folgen werden.
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Liebe Grüße Sabine

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Clematis
Zitat von Omtcg Beitrag anzeigen
Ich bin aus dem schönen Ösiland und ich fürchte, euren Behörden wird meine eMail ziemlich egal sein

Es freut mich, dass sich Deutschland gestern dazu durchgerungen hat, bis zum Jahr 2022 atomstomfrei zu sein.
Somit hatte Fukushima doch noch einen Funken Positives - oder vielleicht auch sehr sehr viel davon, weil uns nach 2022 ein Störfall in Deutschland auf jeden Fall erspart werden wird.
Hallo Omtcg,

zunächst einmal: wir leben alle in EINEM Land! Und Bürger ALLER Bundesländer haben gleiche Rechte. Ich würde aber keine e-mail schicken, sondern Briefe. Die sind persönliche und haben mehr Wirkung, Einschreiben könnte ebenfalls Nachdruck verleihen.

Nun, was die Regierung da verbraten hat ist nichts anderes als die Entscheidung bis 2022 einfach aufzuschieben, denn unter der Hand kann man herauslesen, daß dann neuerlich über den Ausstieg nachgedacht werden soll. D.h. wenn wir das dann überhaupt noch können. Mit jedem Jahr Betriebszeit steigt die Störanfälligkeit der Reaktoren und damit auch die Gefahr eines GAU.

Gruß,
Clematis23

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Zitat von Clematis23 Beitrag anzeigen
Hallo Omtcg,

zunächst einmal: wir leben alle in EINEM Land!

Gruß,
Clematis23
Hab ich da was verpasst.
Österreich, Deutschland und Frankreich ein Land.
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Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11


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