Ich bin ein Versager!

17.01.11 16:49 #1
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Ich bin ein Versager!
Männlich Windpferd
Hallo Seraina,

eine Therapeutenliste findest Du z.B. unter
Kognitive Verhaltenstherapie - was kann und leistet sie?. Bei Google unter "Kognitive Verhaltenstherapie" eine Reihe ausgezeichneter und sehr menschlicher Informaionen.

Nach allem, was ich von Dir weiß,würde ich eine Behandlungsdauer von wenigen Monaten bis zu einem halben Jahr erwarten. Wenn Du gut mitarbeitest. Vielleicht mit gelegentlichen Kontrollen.

Herzlich
Windpferd

Ich bin ein Versager!

Kayen ist offline
Beiträge: 5.067
Seit: 14.03.07
Hallo Seraina,


hast Du auch schon körperliche Beschwerden, Schlafstörungen etc.?

Eine neue Arbeitsstelle braucht erstmal viel Kraft um sich einzuarbeiten und um sich erstmal zu "beweisen".

Ich kenne es jedenfalls so.

Du solltest Dich wirklich schonen, am besten für die restliche Zeit krank schreiben lassen.

Dann würde es hilfreich sein, wenn mal betrachtet wird, woher Deine inneren Ansprüche kommen.

Es gibt höchstwahrscheinlich auch an Deinem neuen Arbeitsplatz Menschen , die diese "perfektionistischen Qualitäten" und das sind keine "Versager Qualitäten" sehr schnell erkennen und Du somit, insgesamt zusammen mit Deinem eigenen Anspruch, schnell in eine Überforderung gerätst. Was langfristig dann schon psychiatrische Erkrankungen verursachen kann.

Meiner Meinung nach sollte erstmal tiefenpsychologisch die Ursache gefunden werden, warum Du überhaupt so einen hohen Leistungsanspruch hast und danach würde ich erst eine kognitive Verhaltenstherapie beginnen.

Vielleicht gibt es Psychologen die eine Kombi anbieten.

Wenn Du nur die Verhaltenstherapie machst, wird Dich wahrscheinlich die Ursache wieder einholen.

Herzliche Grüsse
Kayen
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Ich bin ein Versager!
Männlich Windpferd
Liebe Seraina,

es ist ein verbreiteter Irrglaube, man müsse immer die Ursache(n) eines seelischen Leidens aufspüren, um es erfolgreich behandeln zu können. Meistens werden die Ursachen dann tief im "Unbewußten" und weit enfernt in der Vergangenheit gesucht.

Natürlich gibt es eine Kausalkette, die endlos weit zurückreicht. Aber es ist ein Irrweg, diese zu verfolgen. Die sog. "tiefenpsychologischen" Schulen haben - aus der Erkenntnis der weitgehenden Unwirksamkeit ihrer Therapien - versucht, immer weiter in die Vorgeschichte einzudringen: zunächst in die "phallische" (frühkindliche Sexualiät) und in die "anale" Phase (frühkindliche Autoritätsprobleme). Dann weiter ins erste Lebensjahr (Probleme der primären Mutterbindung, Narzißmus), nebenbei in die nähere und weitere familiäre Umgebung. Schließlich wurde der Körper einbezogen (allerlei Blockierungen), dann das sog "Geburtstrauma", schließlich der gesamten intrauterinen Zeit. Endlich die Zeit vor der Empfängnis - da kann natürlich viel passiert sein. ("Rückführungen" werden gemacht, es wird immer esoterischer.)

Der Hauptgrund, davon abzuraten: Wir alle leben (auch wenn sich unsere Phantasie die ganze Zeit undiszipliniert in der Vergangenheit und Zukunft herumtreibt) NUR in diesem Augenblick. Und: jeder einzelne Augenblick ist - wenn wir wach sind - NEU, gibt uns die Chance, neu ANZUFANGEN. Auch wenn immer wieder immer wieder eingeholt werden von Gewohnheitsmustern des Denkens und Verhaltens - wir können uns jeden Augenblick sozusagen catchen, aus der Phantasiewelt in die Wirklichkeit zurückkehren und uns da neu ENTSCHEIDEN. Wir sind nicht das Produkt unserer Vergangenheit. Nicht mal, wenn wir das partout sein wollen - auch dann ist es noch unsere gegenwärtige (Fehl-)Entscheidung.

Weitere Gegenargumente: Tiefenpsychologische Behandlungen kosten viel Geld und Lebenszeit. (Auch wenn es Kurztherapien gibt.) In dieser Zei lebt der Paient in der Illusion, das "richtige" Leben komme erst noch; die Gegenwart sei vorläufig. Damit versäumt man leider die Gegenwart, trifft z.B. nicht die Entscheidungen, die anstehen -- Weiterhin sind die Zusammenhänge zwischen den angeblich krankheitsauslösenden Faktoren in der Vergangenheit und dem Leiden in der Gegenwart hypothetisch, niemals eindeutig nachgewiesen.

(Selbst im Fall schwerster Traumen ist das Buddeln in der schrecklichen Vergangenheit wirkungslos ([ührt im Gegenteil häufig zu Verschlimmerungen, sog. Retraumatisierungen, z.B. in der sog. "Therapie des begleitenden Wiedererlebens"]. Verblüffend wirksam ist bei der Posttraumatischen Belastungsstörung hingegen EMDR [Eye Movement Desensitization and Restructuring nach Shapiro) - wiederholt nachgewiesermaßen wirksam.] Einfach und ganz in der Gegenwart.

Verhaltenstherapie (Kognitive Therapie ist ein neuerer Teil dieser) legt seit ihrer Entstehung großen Wert auf den Nachweis der Wirksamkeit und auf den Beitrag aller Komponenten der Behandlung auf die Wirkung. Eine Mentalität, die jeder Eso-Spinnerei
einen Riegel vorschiebt.

Bei amerikanischen Therapeuten gibt es den Slogan "Solving the past in the present!" Beispielsweise kann ich im Augenblick durch eine Angst (die aus der Vergangenheit stammt, weil ich von Papa geprügelt wurde) gehindert sein, jemandem eine Liebeserklärung zu machen (oder ihn zu kritisieren, das ist hier egal). Und im nächsten Augenblich kann ich mich entscheiden, über meinen Schatten zu springen, meiner Angst genau zuwiderzuhandeln und zu tun, was JETZT notwendig ist. Dies würde ich erwachsen nennen. Im Gegensatz dazu ist es exisentielle Faulheit, mich zurüchzulehnen und über die Ururursachen meiner Angst nachzudenken.

Oder, in Deinem Fall: Jedesmal, wenn der Gedanke "Ich bin ein Versager" auftaucht, kannst Du im allernächsten Augenblick Deine Aufmerksamkeit auf die Frage lenken, was Du real KANNST; eine Menge von Dingen werden Dir einfallen, ganz einfache auch, mit denen Du tatsächlich anderen oder / und Dir selber nützt, Freude machst usw. Un - entscheidend - es real TUN.

Sinn haben alle diese Überlegungen nur, wenn Du sie ausprobierst. Nachdenken hilft nicht; damit kommt man nicht auf den Geschmack.

Also, laß Dichnich verführen von der "Tiefen"-Psychologie. Auch wenn ihre Verreter hohen Saur haben. Sie ist nicht wahr und nicht hilfreich.

Alles Liebe und viele Grüße
Windpferd

Ich bin ein Versager!

nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.533
Seit: 18.11.09
Also ich sehe das Leben wesentlich einfacher.

Unsere Vergangenheit ist immer auch Teil unserer Zukunft. Das lässt sich nicht vermeiden.
Und manchmal liegen die Dinge nunmal im Verborgenen und wenn wir sie erkennen, dann können wir uns leicht von ihnen befreien.

Ich empfand es z.B. als sehr hilfreich, als mir der Therapeut in der Gesprächstherapie sagte, dass mein ewiges zu spät kommen seine Wurzeln in der Verweigerungshaltung gegenüber meinem Vater hat. Denn diese Haltung konnte ich als Erwachsene leicht bewusst aufgeben.

Und wenn Du uns nun erzählen möchtest, dass unsere Kindheit und Erziehung nicht wesentliche Folgen auf den erwachsenen Menschen haben, dann sorry, Windpferd, muss ich sagen, ich halte das für einen Schmarren.

Ich würde im Gegenteil denken, die zentrale Frage in einer Gesprächstherapie wäre- Wer hat dir als Kind immer das Gefühl gegeben ein Versager zu sein? Um dies dann aufzuarbeiten und aufzulösen.
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Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

Geändert von nicht der papa (18.01.11 um 16:59 Uhr)

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Kayen ist offline
Beiträge: 5.067
Seit: 14.03.07
Hallo windpferd,

ich kann mich hier dem "Schmarrngedanken" von nicht der papa nur anschließen.

Ich hoffe seraina, wird sich hier nicht allzusehr von Deiner weisen, eigenen Meinung zur tiefenpsychologischen Therapie beeindrucken
lassen und sich hoffentlich ihre eigene Meinung bilden.

Sorry, ich habe auch noch nie etwas von Lockangeboten einer tiefenpsychologischen Verführungs-Therapie gehört
Kann es sein, dass sich diese "Verführung" nur in Deinem Kopf abspielt?

Du wirst ja evtl. faktische Zahlen zur Verfügung haben, der Deinen angeblichen verführten "Irrglauben" bestätigt.

Ich könnte mir sogar vorstellen, dass die kognitive Verhaltenstherapie von dem Gesamtergebnis etwas besser abschneidet. Interessieren würden mich aber Zahlen die ein bleibendes gesundes Ergebnis über einen längeren Zeitraum darstellen.

Es ist grundsätzlich auch nichts über die kognitive Verhaltensterhapie zu sagen, aber ohne tiefenpsychologische "Ursachenforschung" und das ist meine persönliche Meinung behandelst Du nur das Symptom.

Das Symptom, das man, im "Hier und jetzt" auch einige Zeit mit kognitiver Verhaltenstherapie erfolgreich überdecken kann. Aber die Gesamtheit Körper, Geist und Seele ist ja nicht doof und wird Wege finden, um vielleicht noch massiver wieder aufzutauchen.


Grüsse
Kayen
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bebu
Zitat von Seraina24 Beitrag anzeigen
Könnt ihr mir sagen, wie ich mich wieder einkriege? Ich muss doch bei meiner neuen Stelle 100% geben und kann doch keine Altlasten (schlechte Gedanken) mit rüber nehmen! :(
Bei Deinem Problem - Deine alte Chefin spielt Dir sehr übel mit - hilft etwas Psychologie. Stell Dich jeden Morgen vor Deinen Spiegel und sage zu Deinem Spiegelbild: "Ich bin die Schönste, ich bin die Beste, ich liebe mich."
Das klang jetzt garantiert etwas blöd, nicht?
Jedoch, was ist der Effekt? Damit erreichst Du eine positive Ausrichtung Deines "ICH" in Bezug auf Deine eigene Person und Du stärkst Dein Selbstbewußtsein. Hinzu kommt, der Mensch findet immer nur das, was er selbst sucht. Sucht er den Erfolg, dann wird er den Erfolg bekommen. Zweifelt er an sich selbst, dann wird er auch das Ergebnis seiner Zweifel bekommen. Das ist auch eine Gesetzmäßigkeit aus der Psychologie.
Deshalb solltest Du diese kleinen Effekte aus der Psychologie für Dich nutzen. Du wirst sehen, es wird funktionieren.
Übrigens kannst Du diese Sache mit dem Spiegel vor dem Schlaf wiederholen.

Geändert von bebu (18.01.11 um 21:16 Uhr)

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Seraina24 ist offline
Themenstarter Beiträge: 12
Seit: 29.12.10
guten morgen

vielen dank für eure zahlreichen antworten. ich werde mir einiges zu herzen nehmen!

ich sitze nun hier zu hause und weiss einfach nicht, wie ich mich ins büro schleppen soll. gott sei dank haben wir flexible arbeitszeiten. eigentlich wollte ich mich krank melden, aber dann wird dies im büro wieder publik gemacht und dann fangen auch die lästereien hinter meinem rücken wieder an. ok, auch hier könnte man nun wieder sagen "egal! was interessiert es mich", aber kein plan...

hab nun wieder eine blasenentzündung. wohlmöglich ist dies psychisch bei mir. im jahr habe ich sicher 3 bis 4 blasenentzündungen. hab antiobitika als vorrat und muss gott sei dank nicht jedesmal zum arzt.

Ich bin ein Versager!

Shorty ist offline
Beiträge: 507
Seit: 12.09.10
Apropos Blasenentzündung...

Eigentlich könntest Du Deiner alten Chefin mal mächtig ans Bein pinkeln und ihr sagen dass wenn sie mit ihrer Tour nicht sofort aufhört Du dich dann an den Personalrat wendest und sie wegen Mobbing anzeigst.

Ich bin ein Versager!

answer ist offline
Beiträge: 465
Seit: 09.06.09
Hallo Sarraina,
ich habe deine erste mail hier einige Male durchgelesen und kein Mobbing oder sonstwas deiner Chefin entdeckt.
Wenn jemand 3 Stunden Minuszeit hat, ist das einfach nicht o. k. Die Arbeit leidet wirklich darunter.

Depression bedeutet rausgehen, sich seinen Aufgaben stellen. Du bist wahrscheinlich schon viel zu oft nach Hause gegangen, wenn du depri warst und das Gehirn merkt sich alles.

Wie willst du das in der neuen Firma machen, wenn du Depris hast. Gibt es dort auch die Möglichkeit der vielen Minuszeit? Du solltest jede Woche zu einem Therapeuten gehen und ansonsten dein Leben durchziehen. Der Depri
immer wieder nachzugeben, ist die denkbar schlechteste Hilfe.

Ich wünsche dir für die neue Firma sehr viel Kraft

answer

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Kayen ist offline
Beiträge: 5.067
Seit: 14.03.07
Wenn jemand 3 Stunden Minuszeit hat, ist das einfach nicht o. k. Die Arbeit leidet wirklich darunter.

Nun, ich kenne es auch so, dass bei 4 Minusstunden die Nase gerümpft wird.

110 Plusstunden hingegen, werden dann einfach als o.k. angesehen.

Evtl. wird noch mit Entlassung gedroht, weil man die aufkommende Arbeitsflut nicht ordnungsgemäß in der verhandelten Arbeitszeit schafft.

Meistens wird kein Wort darüber verloren.
Das ist die andere Seite.

Ich finde es toll, daß Seraina versucht, möglichst einen netten Abschied hinzubekommen, trotz ihrer Depressionsphasen mit evtl. 4 Minusstunden.

Herzliche Grüsse
Kayen
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Geändert von Kayen (20.01.11 um 16:20 Uhr)


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