Claudius Galenus (Galenos, Galen) wurde
im Jahre 129 in Pergamon geboren. Sein Vater Nikon war Architekt und gab ihm den ersten Unterricht in Mathematik und den Naturwissenschaften. Mit 17 Jahren begann Galen sein Studium der Medizin, das ihn nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Pergamon auch nach Smyrna, Korinth und Alexandria führte. Im Jahre 157 kehrte er nach Pergamon zurück und praktizierte als Gladiatorenarzt. Sektionen an menschlichen Leichen waren zwar verboten, durch Sektionen insbesondere an Hunden, Schafen und anderen Tieren erwarb Galenus sich sein anatomisches Wissen.
162 verlegte er seine Praxis nach Rom, und durch erfolgreiche Behandlung einflussreicher Persönlichkeiten erwarb er sich in kurzer Zeit eine angesehene Stellung. Nach einem Zerwürfnis mit seinen Fachkollegen verließ er 166 Rom und ging zurück nach Pergamon, wurde aber bald von Marcus Aurelius Antonius an den Hof des
Kaisers nach Aquileia geholt, wo er 174 kaiserlicher Leibarzt wurde.
Galenus starb im Jahre 199 zur Zeit des Kaisers Septimius Severus.
Galen hat nahezu 400 Werke veröffentlicht, von denen jedoch nur
etwa die Hälfte erhalten blieb. Diese Arbeiten verraten sein
vielseitiges Wissen, eine vollkommene Beherrschung der antiken
medizinischen Kenntnisse. Es ist heute kaum noch festzustellen, wie
groß in diesen Arbeiten der Umfang eigener medizinischer
Erkenntnisse war, da Galen bei der Darstellung des medizinischen
Systems seine eigene Person stets in den Mittelpunkt stellte. Galen
entwickelte für das medizinische Gesamtsystem drei Prinzipien: die
Notwendigkeit einer umfassenden theoretischen Grundlage in der
Physiologie und Anatomie, das Wirken der Säfte und des Pneumas und
schließlich die Verbindung der Medizin mit der Philosophie von
Aristoteles und Platon. Von Aristoteles übernahm er dessen
teleologische Lehre. Von der hippokratischen Schule übernahm er
die Lehre von den vier Körpersäften: Die vier Säfte
Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle müssen sich im Körper
im Gleichgewicht befinden. Verschiebt sich das Gleichgewicht zugunsten
eines dieser Stoffe, so erkrankt der Mensch. Auf den Hippokratikern
aufbauend erweiterte Galen diese Lehre.
Er legte die Wirkung der Säfte den verschiedenen Temperamenten
zugrunde: der Sanguiniker wird durch das Blut mit den
Grundqualitäten feucht und warm beherrscht; im Phlegmatiker
beherrscht der feuchte und kalte Schleim die seelische Besonderheit des
Körpers; der Melancholiker steht unter dem Einfluss der trockenen
und kalten schwarzen Galle; der Choleriker unterliegt der Wirkung der
trockenen und warmen gelben Galle.
