Neue Beziehung - aber keine Lust...

05.11.11 19:49 #1
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Neue Beziehung - aber keine Lust...

Oregano ist offline
Beiträge: 63.740
Seit: 10.01.04
Hallo Schneekugel,

in einer Familienaufstellung käme wahrscheinlich heraus, daß der Platz an Deiner Seite nicht leer ist sondern daß den immer noch Dein Freund einnimmt, obwohl er schon lange tot ist.
Solange er noch so stark in Dir ist, wirst Du wahrscheinlich wirklich keine neue Bindung eingehen können.
Da hilft Trauerarbeit, wie Omtcg schon geschrieben hat, oder einfach abwarten, bis die Wunde heil ist.
Geburtskanal

Grüsse,
Oregano

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Weiblich vittella
Zitat von Schneekugel Beitrag anzeigen
Mir ist das irgendwie ein wenig peinlich und es belastet mich!

Was soll ich bloß tun?
SK
glaubst Du, dass Du das Ereignis Selbstmord des Freundes verarbeitet hast.?

Neue Beziehung - aber keine Lust...

Schneekugel ist offline
Themenstarter Beiträge: 23
Seit: 22.07.11
Hallo Oregano,

ich stimme Dir ganz und gar zu. Aber was wenn die Wunde niemals heilt?

Es ist nicht nur, dass ich ihn als meinen Partner vermisse, sondern ich mache mir auch große Selbstvorwürfe! Ich weiß, dass er ganz entsetzlich gelitten hat, aber niemals hätte ich damit gerechnet, dass er sich das Leben nimmt (auch die Ärzte übrigens nicht)! Ein Symptom der Schizophrenie ist, extremst mißtrauisch zu sein! Das war bei ihm auch der Fall, besonders Ärzten gegenüber. Zuletzt hat er keinerlei Hilfe mehr angenommen und sich total verschlossen. Er hatte übers Internet Kontakt zu einem "Heiler" ( so nannte er sich!) aufgenommen. Der hat ihm wohl eingeredet, dass er keinerlei Medikamente benötige und sie direkt absetzen soll. Er würde ihn rein spirituell behandeln. Dafür hat er ihm noch 7000 Euro abgeknöpft ...das habe ich erst nach seinem Tod erfahren!
Danach ging es ihm dermaßen schlecht, dass er wohl keinen anderen Ausweg sah! Er vertraute wirklich niemandem mehr! Und zuletzt auch mir nicht mehr! Das macht mich so unsagbar traurig und macht es mir so schwer!

LG

SK
__________________
Das Leben ist voller Leid, Krankheit, Schmerz - und zu kurz ist es übrigens auch! (Woody Allen)

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Oregano ist offline
Beiträge: 63.740
Seit: 10.01.04
Hallo Schneekugel,

daß Du Dich fragst, ob Du den Selbstmord hättest verhindern können, ist - denke ich - normal, gleichzeitig aber nur zermürbend und sinnlos. Aber das ist eben der Verstand, der das sagt und nicht das Herz, das immer noch weh tut und trauert.

Hast Du eigentlich irgendwelche Hilfe gehabt, als er sich verabschiedet hat? Wenn nicht, wäre es vielleicht an der Zeit, Hilfe zu suchen?

Diesen "Heiler" würde ich wahrscheinlich versuchen anzuklagen, denn so eine Behandlung ist einfach nur leichtsinnig, auch wenn Dein Freund erwachsen war, aber eben krank.

Grüsse,
Oregano

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Fremder ist offline
Beiträge: 584
Seit: 21.06.11
Hallo Schneekugel

Dein Fall berührt mich sehr. Du liebst deinen Freund immer noch. Das ist wahrlich nichts Schlimmes. Es zeigt, dass du ein empfindsamer und mitfühlender Mensch bist. Eine sehr starke Liebe kann sehr lange anhalten. Ich kann das gut nachempfinden, denn ich hätte auch Schwierigkeiten mit einer neuen Bindung, wenn ich meine Frau verlieren würde. Wenn die Liebe ungewöhnlich stark ist (oder war), dann kann es lange dauern, bis man wieder neu anfangen kann. Das wird niemand verstehen können, der noch nicht wirklich sehr stark geliebt hat.
Trotzdem glaube ich nicht, dass du es nicht doch wieder mal fertig bringst, eine neue und auch wieder eine schöne Liebe zu erleben. Oft kommt so etwas wie aus heiterem Himmel. Wenn man es nicht sucht, dann kommt es. Aber es ist unwahrscheinlich, dass der "Richtige" kommt, wenn du danach suchst. Auch wenn du vielleicht in dem beschriebenen Fall nicht wirklich gesucht hast, so hast du dich doch von deiner Freundin drängen lassen. Und vielleicht auch von deinem Wunsch, wieder einen liebenden Menschen zu haben. Denn letztendlich hat dieses Bedürfnis jeder Mensch, selbst wenn diese Gefühle für einige Zeit verdrängt werden können.
Warte einfach ab, vertraue auf den "Zufall". Aber denke nicht ständig daran, denn das verhindert den sogenannten "Zufall".

Die Vorschläge, die Trauerarbeit noch zu bewältigen, finde ich auch sehr wichtig. Du hast dich noch nicht lösen können. Das schlechte Gewissen und Schuldgefühle sind auch sehr hinderlich für den Weg nach vorne.
Ich will jetzt nicht sagen, du sollst dich einfach los machen. Das ist ja nicht so einfach und so ein Rat bringt nichts. Aber Fachkräfte können hier helfen. Nimm solche Hilfe in Anspruch, es kann dir viel bringen.

Den "Wunderheiler" sollte man wirklich vor Gericht stellen. Ob du die Kraft dazu hast, ist fraglich. Aber es wäre eigentlich richtig, denn solche Leute machen sich reich und gleichzeitig zerstören sie das Leben und das Wohlbefinden Anderer. Also sind sie das Gegenteil von Heilern. Was sie heilen, das ist ihre Geldbörse. Vor spirituellen Heilern halte ich nichts. Wobei ich gar nicht sagen will, dass es nicht auch Heilung auf spirituellem Weg gibt. Aber wer damit Geschäfte macht, der ist kein spiritueller Heiler. Ein spiritueller Heiler kann auch ein Freund sein, der nicht einmal weiß, dass er ein spiritueller Heiler ist. Jeder liebende Mensch ist eigentlich automatisch ein spiritueller Heiler. Aber das ist ein langes und sehr komplexes Thema, das ich jetzt gar nicht ausweiten will.

Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass du von deiner, von der Trauer bestimmten Angst vor dem Neuen weg kommst, die Angst überwinden lernst (obwohl Trauer ja nicht schlecht ist, ja sogar notwendig!) Die Zeit heilt Wunden. Manchmal dauert es ein wenig länger. Also sei geduldig. Denk an die Trauerarbeit, sie wird dir sicher helfen! Und versuche, deine Schuldgefühle zu überwinden. Wir alle machen Fehler, weil wir Menschen sind. Manchmal sind es schlimme Fehler, manchmal sind es leichte Fehler. Aber Fehler machen alle Menschen. Fehler haben natürlich auch Folgen. Sowohl für einen selbst, wie auch für andere. Aber das kann man nicht immer vermeiden. Wenn wir am Leben teilnehmen, dann nehmen wir an ALLEM teil, auch an unangenehmen Dingen. Diese Tatsache weg zu schieben, hilft meistens nicht weiter. Weiter hilft, sich damit auseinander zu setzten. Ja, sogar, die Fehler sich einzugestehen. Aber ohne Vorwürfe. Denn man macht Fehler meistens sogar nicht einmal absichtlich. Nur wenn man absichtlich etwas falsch macht, z.B. aus Eigennutz heraus, dann müssen wir uns Vorwürfe machen. Aber selbst die Vorwürfe können uns dann zur Einsicht führen, dass wir etwas falsch gemacht haben, was zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, was uns jedoch helfen kann, in Zukunft dieselben Fehler nicht mehr zu machen. Wir sind alle Menschen und deshalb nicht unfehlbar!

Alles Gute für dein weiteres Leben
Werner

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kopf
ich habe den tot einer frau auch nicht überwunden .bei mir war es keine beziehung .ich war oft ohnmächtig und kann es bis heute nicht verstehen .
ich habe schuldgefühle .heute gut 10jahre danach ,sage ich : heute würde ich sie da rausholen können ! warum damals nicht ?
ich werfe mir meine blindheit vor !

fakt ist ,ich habe ihr damals nicht helfen können . ich war einfach nicht in der lage dazu und deshalb sind meine schuldgefühle unberechtigt.

LG

Avaaz - 4 Tage zur Rettung unserer Kinder vor Streubomben

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Therakk ist offline
Beiträge: 1.690
Seit: 07.08.10
Hallo Schneekugel,
ich denke es ist momentan kein Platz für jemanden an deiner Seite und das ist doch auch Okay. Braucht Zeit...nimm dir diese Zeit.
Aber: klär das mit dem Mann der dich so gerne möchte. Ich denke er er ist sich das überhaupt nicht bewusst dass du (und warum du) nicht mit Ihm oder überhaupt jemanden zusammen sein möchtest.

Liebe Grüsse und alles Gute
Therakk
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Wir leben in der Annahme, dass wir denken, wobei es genauso möglich ist, dass wir gedacht werden

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Männlich Windpferd
Hallo Oregano,

zu Deinem Beitrag #11: Es freut mich, daß Du den Vorschlag "Trauerarbeit" unterstützt. Zu diesem Thema gab es (#9) etliche Literaturhinweise und Information über ein Institut mit einem sehr erfahrenen Leiter und etlichen Behandlern, bei denen man Trauerarbeit tatsächlich lernen kann. Mit ersterem habe ich selber die besten Erfahrungen gemacht habe.

Nun - es handelt sich tatsächlich um Trauer-ARBEIT, die vom Klienten selber geleistet werden muß, wenn auch anfangs mit Anleitung, damit man nicht auf naheliegende und in unserer Unkultur verwurzelte Mißverständnisse hereinfällt. Allerdings ist es bei der überwältigenden Mehrheit der seelisch Leidendenden so, daß der ARBEIT erst mal (oder für immer) ausgewichen wird. Empfehlungen verschwinden im Gulli. So anscheinend auch hier - bisher.

Der Begriff "Trauerarbeit" und die zugehörige Theorie stammt übrigens von Freud. (Der, trotz allem, ein Genie war.) Er war allerdings der Meinung, diese Arbeit könne man nicht bewußt verrichten sondern sie laufe von selber ab. Das tut sie nun - wie man auch bei Schneekugel deutlich sieht - eben nicht (oder allenfalls in einer unerschwinglichen, jahrelangen Psychoanalyse - wenn man Glück hat.) -- Die Methoden der Trauerbegleitung hat Canacakis (s.o.) nicht am Schreibtisch erfunden; er verdankt sie überwiegend dem genauen Studium und Miterleben uralter Trauerriten, die u.a. auf der Mani (einer einsamen Halbinsel südlich des Peloponnes) praktiziert wurden. (Daher stammt er auch.)


Alles Liebe,
Windpferd

Geändert von Malve (13.11.11 um 08:45 Uhr) Grund: ausgelagert nach http://www.symptome.ch/vbboard/staerkung-fuer-psyche-geist-seele/68099-familienaufstellung-4.html

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Malve ist offline
Moderatorin
Beiträge: 22.787
Seit: 26.04.04
Die off-topic Diskussion zum Thema Familienstellen wurde hierher ausgelagert:

http://www.symptome.ch/vbboard/staer...tellung-4.html

Bitte zukünftig beim Thema bleiben.

Liebe Grüße,
Malve

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Schneekugel ist offline
Themenstarter Beiträge: 23
Seit: 22.07.11
Hallo,

erstmal möchte ich Euch allen für Eure Antworten danken! Hat mich wirklich sehr gefreut.

Die Phasen meiner Trauer sind sehr unterschiedlich! Ganz zu Beginn meines Alleinseins habe ich sogar eine Phase gehabt, in der ich schrecklich wütend auf ihn war. Heute schäme ich mich dafür, aber damals war es wohl mehr Ohnmacht und Hilflosigkeit, die mich teilweise so wütend machte.

Ich habe mich so allein gelassen gefühlt, so schuldig, gesundheitlich und auch finanziell (nicht zuletzt weil ich die letzten drei Jahre fast ausschließlich allein für unseren Lebensunterhalt sorgen mußte) am Ende. Was mich am meisten bedrückte war - da mein Lebensgefährte kein Deutscher war und er in seiner Heimat beerdigt wurde -, ich keinen Platz fand, an dem ich hätte trauern und mich ihm hätte nah fühlen können! Aus diesem Grund war ich auch nicht in der Lage, aus unserer Wohnung auszuziehen und mich von den ganzen Sachen, die ihm gehörten hätte trennen können. Das hat fast zwei Jahre gedauert! Und was diesen sogenannten "Heiler" angeht....er ist da wo er hingehört...sitzt mittlerweile, da er mehrere Menschen betrogen und auch gesundheitlich eher geschadet als genützt hat. Das sagte mir jedenfalls die Sektenbeauftragte Frau Caberta aus Hamburg!

Liebe Grüße, nochmals vielen Dank Euch allen!

SK
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Das Leben ist voller Leid, Krankheit, Schmerz - und zu kurz ist es übrigens auch! (Woody Allen)

Geändert von Schneekugel (14.11.11 um 11:25 Uhr)

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