Als Hypochonder abgestempelt... Wie "krank" sind wir wirklich?!

05.03.17 15:34 #1
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Seapony ist offline
Beiträge: 16
Seit: 03.03.17
Beim Stöbern durch das Forum, bin ich immer wieder auf Berichte oder Bemerkungen gestossen, dass Fachleute uns "nicht ernst" nehmen...

Wie viele "Erkrankungen" entstehen in unserem Kopf, und wer will oder kann diese nachweisen, bestätigen und/oder behandeln?!

Können unsere Werte tatsächlich durch "Einbildung" verändert werden und dadurch körperliche Symptome entstehen?!

Spontan denke ich hier auch gerade an den positiven Schwangerschaftstest bei einer wunsch-schein-Schwangerschaft einer Frau...


Ich möchte hier gerne eine Diskussion eröffnen, mit Erfahrungen und Erlebnissen in diesen Bereichen...

Auch ich war/bin bei vielen Fachleuten in verschiedenen Behandlungen... Was körperlich krank war/ist und was psychisch und wie
weit die Untersuchungen und Behandlungen gehen (können) bei Hypochondrie, könnt Ihr in meinen Berichten dann lesen...

Liebe Grüsse...

Als Hypochonder abgestempelt... Wie "krank" sind wir wirklich?!

Seapony ist offline
Themenstarter Beiträge: 16
Seit: 03.03.17
Ich weiss nicht wirklich, wo und wie ich beginnen soll... Einen "Anfang" gibt es nicht... Vielleicht bin ich durch Lesen, Fernsehen, Informieren und Lernen einfach
so rein gerutscht, zu denken und Kombinieren was könnte sein wenn...?! Ich bin krank, das steht fest... Viele körperliche Erkrankungen, das ist einfach so... Aber
auch die Psyche blieb nicht verschont... Leben mit vielen Medikamenten ist Alltag... "abgestempelt" wurde ich sehr oft, wo ich aber durch mein Selbstvertrauen und
meine ehrgeizige Art doch immer ans Ziel kam... Wie stark ich krank bin und/oder ob ich an Hypochondrie leide, möchte ich hier nicht fest legen...

Jedenfalls hörte ich immer wieder ähnliche Sätze wie "mit ihrer psychischen Vorgeschichte (...) oder "ich kann nichts finden was nicht ist"...

Ich hatte immer Blähungen, meine Winde stanken pestialisch und kamen bis zu 5mal pro Minute... Nach mir konnte es nur an der Ernährung liegen, also
versuchte ich heraus zu finden, was es ist... Am Einfachsten per ausschluss Methode... Also liess ich immer wieder Lebensmittel weg, bei denen ich
vermutete, dass sie schuld sind... Zusätzlich liess ich mich testen auf Unverträglichkeiten... Nach paar Jahren ging ich zu einem Gastroenterologen, welcher
mich nicht untersuchen wollte, weil es nichts bringe, wegen meiner Psyche... Ich hätte eh nur einen Reizdarm, so die "Diagnose"...

Schlussendlich habe ich praktisch nichts mehr gegessen... So konnte ich die Beschwerden lindern, dafür kamen dann andere dazu... Nach etwa 7 Jahren,
entdeckte ich zufällig in einem Laden ein Buch über Fructose-Intoleranz... Alles traf auf mich zu... Darauf liess ich mich testen und war positiv... Mit der
richtigen Ernährung hatte ich keine Beschwerden mehr...

Das ist schon einige Zeit her, damals waren die Intoleranzen noch nicht so "im Trend"... Der Gastroenterologe bekam von mir dann einen saftigen Brief,
worauf er sich entschuldigte...

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James ist offline
Moderator
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Beiträge: 5.601
Seit: 20.05.08
Hallo Seapony

erst mal ein herzliches Willkommen in unserer Rubrik!

Ähnliche Dinge hört man immer wieder und passieren vielen Patienten, bei denen der Arzt im Dunkeln tappt. Sobald sich ein Fall nicht so gestaltet wie er im Lehrbuch steht, glauben manche Ärzte dass es ja dann nur an der Psyche liegen kann. Nach der wahren Ursache zu suchen fehlt scheinbar auch die Zeit und manchmal wohl auch am Willen.
__________________
Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

Geändert von James (05.03.17 um 17:31 Uhr)

Als Hypochonder abgestempelt... Wie "krank" sind wir wirklich?!

Seapony ist offline
Themenstarter Beiträge: 16
Seit: 03.03.17
Hallo James...

Ja, das sehe ich auch so... Ich verstehe es aber auch... Es ist mittlerweile schwierig einzuschätzen, wie weit man gehen soll mit Abklährungen... Sicher nicht nur ein
Erfahrungs-Problem, sondern auch eine Geld-Frage... Und eben auch der vermehrte Stress und die psychischen Entwicklungen die es erschwehren, eine Ursache zu
finden für jedes "Problem"... Und irgendwie ist doch jeder erleichtert, wenn sein Leiden mal einen Namen trägt...

Ich freue mich über Beiträge zu diesem Thema... Und auch ich habe noch viel zu erzählen...

Danke noch für die willkommens-Grüsse...

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James ist offline
Moderator
Leiter WIKI
Beiträge: 5.601
Seit: 20.05.08
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Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

Geändert von James (05.03.17 um 17:33 Uhr) Grund: Link korr

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Seapony ist offline
Themenstarter Beiträge: 16
Seit: 03.03.17
Über die Jahre hatte ich auch viele, für mich eher kleinere Abklärungen, welche diagnostiziert und behandelt wurden oder immer noch werden... Auch da hatte ich immer
wieder zu kämpfen, überzeugen zu können... Mit vielen logischen Überlegungen und Zusammenhängen zur Rechtfertigung und Erklärung, war/bin ich oft von grossen
Ängsten begleitet worden... Das unter ständiger Kontrolle von Psychotherapeuten...

Viele "Volks-Krankheiten" gehören für mich seit Jahren zum Alltag... Wobei ich immer wieder das Gefühl hatte, vor nichts verschont zu bleiben... Um so mehr steigerte
ich mich sehr oft in etwas rein, das mich dann enorm belastete und ich vor lauter Denken keine Ruhe mehr fand... -> schwere Schlafstörungen... Der Teufelskreis setzte
sich fort, darauf folgten Abklärungen beim Psychiater, im Schlaflabor und beim Schlafspezialisten, Schlafkliniken und Psychiatrien... Schlussendlich die reine Symptom-
bekämpfung mit Schlaftabletten, wahrscheinlich alle, die es gibt... z.T. von den USA importieren lassen, (ohne CH-Zulassung) tödliche Dosierungen...

(Natürlich blieben auch die alternativen Methoden nicht auf der Strecke... Von Schlafhygiene, Bewegung, Tee, Bäder, Yoga, autogenes Training, Jacobson (...) bis zu milderen
Medikamenten wie Melatonin, Antihystaminika, Neuroleptika, atypische Neuroleptika, sedierende Antidepressiva, Muskelrelaxanzien oder rezeptfreie Schlafmittel (auch
pflanzliche) hoffnungslos über jegliche beruhigende Stoffe in Abhängigkeiten und schwersten Entzügen, hängen geblieben in einem toxischen Mix, der wahrscheinlich
mittlerweile eher das Gewissen entspannt als sonst was...)

Wobei das längst nicht meine einzige "Volks-Erkrankung" ist...

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Hans F ist offline
Beiträge: 785
Seit: 20.09.14
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Wie viele "Erkrankungen" entstehen in unserem Kopf, und wer will oder kann diese nachweisen, bestätigen und/oder behandeln?!
Hallo Seapony,
da man dazu mit Sicherheit körperliche Ursachen ausschließen müsste - was man nicht kann, da es ja auch unbekannte körperliche Ursachen gibt - ist es da schwer eine genaue Menge anzugeben.

Können unsere Werte tatsächlich durch "Einbildung" verändert werden und dadurch körperliche Symptome entstehen?!
Dass zumindest körperliche Symptome durch "Einbildung"/Vorstellung/Glauben hervorgerufen werden können, ist mittlerweile wohl weitestgehnd anerkannt, siehe Nocebo-Effekt ->https://de.wikipedia.org/wiki/Nocebo-Effekt

Gruß
Hans

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damdam ist offline
Beiträge: 1.635
Seit: 02.10.10
Hallo,

also, ich denke schon, dass körperliche Sachen durch die Psyche entstehen können, aber bestimmt nicht alle körperliche Beschwerden. Ich glaube z.B., dass es bestimmte Sachen gibt, die nicht durch die Psyche hervorgerufen werden können oder zumindest nicht direkt (z.B. Beinbruch, Osteoporose, Gelenkabnutzung...) Aber wie weit geht das? Was, wenn die Psyche z.B. zu Störungen im Verdauungstrakt beiträgt und so manche Nährstoffe nicht genug aufgenommen werden können, die dann andere Krankheiten nach sich ziehen kann? Da wird es dann diffus...

"Psychodiagnosen" entstehen oft, wenn man körperlich eben nichts findet oder die körperlichen Beschwerden abgetan werden, was bei ungewöhnlichen Krankheitsgeschichten ja eher häufig ist. Nur heißt "nichts finden" ja nicht, dass nichts da ist. Ich versuch es mal etwas zu strukturieren:

1. Kann es was sein, das in der Wissenschaft (noch) nicht bekannt ist oder etwas, was sehr selten ist.
2. Es gibt viele Krankheiten (dieses Forum und das INternet ist voll davon), die schulmedizinisch nicht richtig diagnostiziert werden, weil die Schulmedizin vor manchen Sachen die Augen verschließt, auch wenn es wissenschaftlich handfest ist (z.B. Darmflora, Nahrungsunverträglichkeiten, Umweltmedizin), z.T. wohl so nach dem Motto "es kann nicht sein, was nicht sein darf"
3. Krankheiten, die wissenschaftlich untersucht werden, wo es mangels Diagnostik nur Erfahrungswerte von Behandlern gibt (Infektionen wie Borreliose, EBV usw.)

Für 1. können schulmedizinische Ärzte nichts, sie könnten es aber wenigstens akzeptieren/im Hinterkopf behalten, dass es so ist. Bei 2. müssten die Ärzte nur mal selbst kritisch denken und hinterfragen und sich nicht nur auf das verlassen, was ihnen Lobbyvertreter erzählen. Bei 3. wird es schwierig. Ich denke, da können Ärzte sich nur von Spezialisten erzählen lassen, wie sie aufgrund ihrer Erfahrung vorgehen und es selbst machen/Erfahrung sammeln oder direkt an Spezialisten verweisen.

Wäre schön, wenn es so wäre. Ich schreibe grade auch aus einem gewissen Ärger heraus, weil ich grad beim Arzt war, mit einem bestimmten Anliegen. Auf dieses Anliegen wurde nicht eingegangen, stattdessen andere schulmedizinische Untersuchungen veranlasst und ich gefragt, ob ich schon mal "psychosomatisch" behandelt wurde. Ich sagte, dass ich schon mehrere Psychotherapien gemacht habe, aber das hätte auch nichts genutzt. Da hieß es dann, das wäre was anderes als Psychotherapie (gerade im Netz gesucht, und festgestellt, es ist eben wohl überwiegend normale Psychotherapie).
Hin bin ich, weil ich eine infektiologische Untersuchung wollte, hatte extra Wochen gewartet, um einen Termin in der infektiologischen Sprechstunde dort zu bekommen (gibt dort noch eine allgemeinmedizinische Sprechstunde), es wurde eine Blutuntersuchung veranlasst und ich soll noch zum Ultraschall und EKG kommen. Ich hab dann später bei den Sprechstundenhilfen nochmal nachgefragt, was denn in der Blutuntersuchung untersucht wird: Vitamine, Leber-, Zuckerwerte und so ein Kram, aber keine Erreger!!! Das hätte ich mir mal wieder sparen können, und das, wo mögliche Knackpunkte bei mir sein könnten, wurde abgetan. Na ja, kennt man ja häufig von der Schulmedizin.

Das Problem ist halt, man braucht auch manchmal ne schulmedizinische Abklärung, z.B. wenn man zum MDK geschickt wird o.ä. Was macht man dann, wenn man zwar einiges hat, aber nichts schulmedizinisch anerkanntes? Da sehe ich (neben den Kosten für Untersuchungen/Behandlungen außerhalb der Schulmedizin) das Hauptproblem.

Viele Grüße

Als Hypochonder abgestempelt... Wie "krank" sind wir wirklich?!

Seapony ist offline
Themenstarter Beiträge: 16
Seit: 03.03.17
Hallo damdam...

Lieben Dank für den Beitrag... Es ist faszinierend, dass viele Leute unter ähnlichen Erfahrungen leiden... Da hast du natürlich völlig recht, dass du hinterfragst,
an wem oder was das liegt... Natürlich bilden wir uns nicht alle Erkrankungen ein, wie du schreibst, es gibt sachen, die entstehen auch durch Einbildung nicht...
Ich fälle da auch kein Urteil und schmeisse auch nicht alle in einen und den gleichen Topf... Ich denke, gerade weil man die Menschen heutzutage nur schlecht
einschätzen kann, und viele schon top informiert (Bücher, Hefte, Internet u.s.w.) in einer Praxis auftauchen (häufiger Ärztewechsel), macht es umso schwieriger,
jemanden "richtig" ein zu stufen und eine/welche (?) Behandlung fest zu legen...

Klar, wenn du zum Arzt gehst mit einem Verdacht auf eine Infektion, sollte dieser wahrscheinlich eher die Menge der weissen Blutzellen und die Höhe des C-reaktiven
Proteins (CRP) messen/bestimmen, als alles andere... Das wäre ja mal die beste Grundlage auf deinen Verdacht... Somit hättet ihr beide euer erstes Ziel erreicht... Du
könntest deinem Verdacht nachgehen, und der Doc wäre auf deine Bedürfnisse eingegangen...

Von mir kenne ich, dass ich mich gleich nach einem solchen Vorfall wieder melde, und erst mals erklähre, dass ich mich nicht ernstgenommen fühle... Wenn nötig,
mache ich dies mehrmals, und zwar immer wieder mit einem neuen Sprechstunden-Termin... Mein Hausarzt vereinbart mittlerweile jede Behandlung mit mir zusammen...

Liebe Grüsse...

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monikat ist offline
Beiträge: 152
Seit: 13.05.07
Hallo,

ich sehe mich hier auch, habe die gleichen Erfahrungen machen dürfen/ müssen. Viele Ärzte, wenig Diagnosen. Viele privatärztliche Diagnosen, die aber von Schulmediziner meist ignoriert werden.
Bei mir läuft gerade eine Rentenklage, aber mir fehlt einfach der Nachweis, dass ich nicht mehr arbeiten kann. Schwäche, Bettlägrigkeit an manchen Tagen, völlige Stressintoleranz, vor Übelkeit nicht stehen können......... so viele heftige Beschwerden, aber es hilft nicht weiter.
Und eigentlich hat man gar nicht die Kraft zum Kämpfen

LG Moni


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