Mein Weg durch die Hölle oder die russische Sucht

04.01.11 17:36 #1
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Gibt es keine Hoffnung mehr?....

Igor07 ist offline
Themenstarter Beiträge: 109
Seit: 04.01.11
Als ich diese ganze Diskussion durchgeflogen habe, ich erinnerte mich an den behrümten Fall mit dem Jesus und der frau... Im Evangelium. Wer keine Schuld hat, sollte der erste den Stein werfen. Und auch steht dort----urteilen Sie selbst nicht, dann Sie würden nicht be-ver-urteilt. Übersetzt von mir.
Ich brauche keinen Schutz und keine Rechtfertigung auch. Schliesslich, es geht um die intime Sachen der Seele... Um die meine Krankheit und meine Verzweiflung...
Ich habe nicht so genug Erfahrungen im Netz. Dazu ich bin kein deutscher.
Aber ich denke, wenn das Herz blutet, man ist innerlich berechtigt, darüber zu
reden, wenn er den anderen nicht verletzt.
Und ich hatte und habe keine Absicht j-n vor dem Kopf zu stossen.
Ich beschreibe nur meine gefühle, und was macht mein Leben aus. Mehr nicht.
Und alle meinungen sind willkommen.

Gibt es keine Hoffnung mehr?....

Igor07 ist offline
Themenstarter Beiträge: 109
Seit: 04.01.11
Manchmal wir sind die Opfer, manchmal die Täter, es kommt darauf an, an welcher Dimension wir uns befinden, wie und was wir erleben...
Es scheint mir, ich bin längst der andere Mensch geworden. Und ich habe es selbst nicht bemerkt, wann es passiert war.
Wie es Seneca sagte, alles wichtigste im Leben passiert unmerklich.
Aber ich kann mich täuschen. Eigentlich, nur der Tod oder der letzte Abgrund kann den Schlussstrich darunter ziehen. Die Russen sagen---den fetten Punkt.
Wenn ich in die Abgründe schaue, ich verliere mich dort. Gibt es etwas noch zu
verlieren?

Gibt es keine Hoffnung mehr?....

Shelley ist offline
Beiträge: 10.451
Seit: 28.09.05
hallo oleg07,

ich denke, wir können nicht wissen, ob der tod wirklich einen schlussstrich ziehen kann.

aber ich glaube ja auch daran, dass wir immer wieder auf die erde kommen, um hier die verschidensten aufgaben zu 'lösen'.
eben mal die, opfer zu sein, mal die, täter zu sein, etc.

zumal du ja auch schon geschrieben hast:
viele machen aus ihren unguten taten ein geheimnis daraus und wenn dann jemand die seinen mitteilt, so wird er gleich wie ein aussätziger behandelt.

pass auf dich auf du!

wir sind alle auf einem weg, damit wir wachsen können durch das, was am wegrand für uns bereit steht.

viele liebe grüsse von deiner shelley
__________________
IchDiskutierNichtMitIdioten.ErstZiehnSieMichAufIhrNiveauRab, DannSchlagen'sMichMitIhrerErfahrung.

Gibt es keine Hoffnung mehr?....

Igor07 ist offline
Themenstarter Beiträge: 109
Seit: 04.01.11
Schalley, alles, was mit uns passiert, denke ich, das Böse und das Gute, so oder so trägt dazu bei, unseren inneren Wachstum zu fördern. Die russen sagen, die Seele lernt, nur wenn sie echt leidet. Frei von mir übersetzt.
Buchstäblich es klingt:----durch Feuer, Wasser und die kupfernde Röhren, weiss ich nicht, über das Letzte... Alles böse sollte verbrannt werden, du bist bereit durch die Taufe zum neuen Leben... Und gibt es kein Ende auf diesem Weg zur Ver-wirklichung und der Er-Lösung. Der eigenen Seele.

Gibt es keine Hoffnung mehr?....

BiMi ist offline
Beiträge: 440
Seit: 19.08.10
Hallo Oleg07,

gestatte mir zunächst - bevor ich mich vorstelle - eine indiskrete Frage:
Was bedeutet '07'?

Bist du der siebente Sohn eines siebenten Sohnes, der Siebente von
wer weiß wie vielen oder ist dies eine verschlüsselte Anspielung auf
deinen Geheimagenten-Status (007)?

Oder bedeutet es einfach nur, du fühlst dich 'geschüttelt', nicht 'gerührt'.
(Geschüttelt wird man, gerührt ist man.)

Hach, ich hasse mich wenn ich so bin.
Diese Frivolität ist mir eigentlich zuwider - besonders, da es um ernsthafte Dinge geht.
Aber manchmal, ist mir das ganze Forum hier (samt seinen Nutzern)
zutiefst suspekt.

Also, da ich von Shelley den Link zu deinem Thread und somit wohl
auch die Aufforderung, mich gedanklich mit dir auseinanderzusetzen, erhielt,
will ich dies tun.
Und meine Vorstellung (falls du mich nicht ohnehin schon kennst)
erfolgt später.

Da vieles eures wechselseitigen Austausches gelöscht wurde
(und ich glaub, ich bin dankbar dafür)
kann ich also nur auf mein 'Kopfkino' zurückgreifen - das, was ich aus dem was ich bislang erfahren habe, ableite oder es zu können glaube.
Gewöhnlich wird es, wenn ich auf meine Phantasie zurückgeworfen bin,
viel schlimmer, als die Realität ohnehin schon ist.

Du hast Schmerzen, du leidest Qualen und zeigst Anzeichen von
Traumatisierung, wie sie auch Soldaten nach Kampfeinsätzen aufweisen.
Du hast Dinge gesehen, wie diese, die kein Mensch sehen sollte.
Du hast, wie viele von denen auch, Dinge getan, die kein Mensch tun sollte.

Was geschehen ist, ist geschehen.
Die entscheidende Frage ist: Wie damit umgehen?
Du hast schlechte Dinge getan.
Wie wir alle.
Du hast vielleicht schlechtere Dinge getan, als wir anderen.
Was willst Du tun?
Damit weitermachen?
Willst du dich ändern?
Suchst du einfach nur Gleichgesinnte, mit denen du dich über die Gefühle,
die du hattest, während du vergewaltigtest und quältest (tötetest?) austauschen kannst?

Dann ist dies vielleicht nicht das richtige Forum.

Dass du darüber reden musst steht ausser Frage.
Aber da halte ich es eben doch wieder mit Nicht_der_Papa und deren
Aufforderung, einen Psychologen aufzusuchen.
Das wäre auch der Rat, dem ich einem jeden aus dem Krieg zurückgekehrten
Soldaten geben würde.
Weil es nämlich nicht möglich ist, so grauenhafte Erlebnisse einfach zu vergessen.
Weil es nicht möglich ist, ein Leben zu führen, das einen streckenweise
tatsächlich ausserhalb der menschlichen Gemeinschaft stellt und dann wieder
'heim'zukehren und da wieder anzuknüpfen, wo man vorher aufgehört hatte.
Das gilt für Kriegsteilnehmer.
Das gilt für die, die ihre inneren Kriege führen.

Der innere Krieg ist immer ein Krieg 'Gut gegen Böse'.
Niemand von uns ist vollkommen, wir alle sind duale und meist recht janusköpfige Gestalten. Man kann vom Wege abkommen.
Aber man sollte nie vergessen, wo man hin will.

Du erwähntest Bulgakows 'Der Meister und Margarita'. Gutes Buch übrigens -
aber ein Buch.
Wieso es für dich den Beweis antritt, dass das Böse die Herrschaft auf der Erde angetreten hat, ist mir vorerst ein Rätsel.
Es sei denn, du findest in deinem Herzen ein Echo auf diese Theorie.

Dass der Teufel die materielle Welt regiert, ist keine neue These und auch Katharer und Albigenser und Bogomilen haben sich dementsprechend geäußert. Aber sie haben es nicht akzeptiert.
Sie haben dagegen angekämpft und sich ihm verweigert.
Sie wählten den Weg der Kasteiung und der Askese.
Ob das für jeden Menschen der geeignete ist, wage ich zu bezweifeln.

Aber vielleicht kann ich dir ein anderes literarisches Beispiel nennen.
Eines, das für dich und deine Situation möglicherweise hilfreicher ist.
Als ich 15 war, fand ich bei einem meiner unendlichen Streifzüge durch Bibliotheken einen Kunstband mit Gemäldereproduktionen des russischen Malers Mihail Vrubel. Sie gefielen mir sehr.
Besonders eines. Le Demon assis.
Die düstere und zerquälte, aber auch sehr sinnliche Schönheit des Dämons faszinierte mich.
Die weiteren Gemälde und Zeichnungen dieses Zyklus fesselten mein Interesse.
Ich begann, nach der Inspiration für diese Bilder zu suchen.
Es ist (wie du sicher weißt), Lermontows Poem 'Der Dämon'.
Dabei handelt es sich um eine dunkle Saga von Begierde, Hingabe, Verrat und - Erlösung.
Der Faust-Gretchen-Fabel nicht unähnlich.
Am Ende steht die Erlösung.

Vielleicht ist die materielle Welt 'des Teufels'. Vielleicht sind es finstere Mächte, die das Geld und seinen Fluß kontrollieren, die Regierungen einsetzen und steuern und alle Schaltstellen der Macht besetzt halten.
Die die Menschheit in immer neue Kriege stürzen, Krankheiten nicht kurieren, sondern verbreiten, Seuchen künstlich erzeugen und Genozid betreiben.
Sie gründen geheime Dienste, die den Rauschgifthandel im grossen Stil betreiben, und Prostitution und Sklavenhandel. Auch heute, gerade heute.
Was willst du tun?
Kannst du es ändern? Wohl kaum. Deine Möglichkeiten, das zu tun sind sehr begrenzt.
Deine Möglichkeiten DICH zu ändern sind unendlich.

Und da ich mich noch einmal ausführlich in einem anderen Thread vorstellen werde, zu mir heut nur noch soviel. Als ich vor einiger Zeit eine Verordnung für ein Medikament in der Hand hielt, sah ich den Code - den Schlüssel, der das Krankheitsbild den informierten Kreisen benennt, aber für Aussenstehende
nichts aussagt.
Es war dreimal die Ziffer 6 und ich fragte mich, was das nun wieder zu bedeuten hat.
Ist es der Code für Brustkrebs (was ich vermute) oder generell für Krebs? Heißt das, das dies eine teuflische Krankheit ist?
Dass all diejenigen, die am Krebs versterben, ganz automatisch die Heer-
scharen des Teufels vergrößern, weil sie ihm praktisch 'geopfert' werden?
Ein interessantes Thema.
Mit dem ich mich durchaus eine Weile beschäftigen könnte, so lang, wie du mit der Analyse deiner Gefühle, die du beim quälen und töten erfährst.
Ich kann aber auch den Kampf dagegen aufnehmen.
Was werde ich tun? Und was wirst du tun?

Mit durchaus freundlichen Grüßen

BiMi
Angehängte Grafiken
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Geändert von BiMi (19.05.11 um 14:45 Uhr) Grund: 'Kurieren' schreibt man immer noch mit nur einem 'r'

Gibt es keine Hoffnung mehr?....

Igor07 ist offline
Themenstarter Beiträge: 109
Seit: 04.01.11
Hallo, BiMi. 07 bedeutet nicht mehr, dass es im meinem Leben zu viel diese zahl auftaucht. Nicht mehr, keine Mystik oder Geheimkramerei.
Es geht mir so beschissen, dass ich einen Termin absagen sollte. Aber ich versuche auf deine Fragen einzugehen.

Was geschehen ist, ist geschehen.
Die entscheidende Frage ist: Wie damit umgehen?
Du hast schlechte Dinge getan.
Wie wir alle.
Du hast vielleicht schlechtere Dinge getan, als wir anderen.
Was willst Du tun?
Damit weitermachen?
Willst du dich ändern?
Zuerst, ich mache viele Jahre nicht schlimmes mehr. Und längst ich leide selbst von meinem gewissen. Weiter machen klingt verletzend für mich.
Eigentlich, ich habe aufgehört, hier zu schreiben. Aber liebe Schalley hat mich nicht vergessen. Dann ich habe Benachrichtigungen bekommen und hier schaute. Sie fragte mich, ich antwortete. Mehr nicht. Mein Leben geht zu ende. Ich werde 50 Jahre alt, aber ich fühle mich als der alte Greis. Manchmal ich habe keine Kraft aufzustehen, das Spasmen, die Tränen würgen mich, und ich wollte nur alles zu vergessen. Dazu ich bin allein. Meine Frau kommt nur in einigen tagen. Sie ist im Urlaub, besucht in der Heimat die Mutter und die Schwester. Vor zwei Jahren noch ich habe sie betrogen. Ich habe eine frau kennengelernt und echt glaubte, sie könnte mich kurieren. Das war wie der rausch. Gott sei dank, es ist alles vorbei.
Was mit meiner Schwester passiert war, ich würde nicht beschreiben. Nach fast 19 Jahren ich empfinde den kalten grauen auf meinem Rücken, aber wir kommunizieren manchmal, sie Lebt in Minsk. Weitermachen ich kann jetzt nur eins, mein sinnloses Leben fristen, meine Pillen schlucken, von der Albträumen mit dem Schrei das ganze Haus aufwecken. Und auf den "Sensenmann" warten. Und krümmen mich wie der Wurm von den innerem Schmerz, der mich entzwei zerrreisst. Das ist alles, was mir bleibt.


Du erwähntest Bulgakows 'Der Meister und Margarita'. Gutes Buch übrigens -
aber ein Buch.
Wieso es für dich den Beweis antritt, dass das Böse die Herrschaft auf der Erde angetreten hat, ist mir vorerst ein Rätsel.
Es sei denn, du findest in deinem Herzen ein Echo auf diese Theorie.
Das ist klar doch, Mimi, wenn du das Buch gelesen hättest. Der Satan oder Voland im diesem Buch verkörpert das Böse, aber nur er kann die gute dinge machen, es ist echt paradoxal. Wie die ruusiche Seele, eigentlich. Ohne den eigenen Schatten, ohne den inneren henker in eigenem Keller des Unbewussten der Mensch hat keine shance, das Göttliche in sich zu erlangen. das ist auch der gedanke von K.G. Jung, S.Aurobindo und F.Dostoyevsky. Das Licht ist nur möglich, wenn der Schatten, das Böse vorhanden ist. Und im Roman der herrschende Satan macht die befreiende , bereinigende Arbeit, er rottet alles Mist aus, ohne Mitgefühl und Düselei.
Also, ich denke manchmal, dass der Gott nicht nur meine elende verkommende Seele verlassen hat, er hat uns alle verlassen. Und schau in die Welt, was herrscht dort? Das Böse regiert, leitet Ball, wie die russen es ausdrücken. Und wir tanzen manchmal auf der Pfeife des Luzifer, wir haben es vergessen über unsere ur-sprüngliche himmlische Natur. Das war mit mir.
Ich war als Jude im SU so viel mal verprüpgelt und misshandelt, manchmal jeden tag in der Schule. Ich könnte von dem Abschaum im unserem Hof umgebracht werden. Aber ich habe es überlebt. Und selbst wegen der Erniedrigung der Täter geworden. Nur , nebebbei bemerkt.


Was willst du tun?
Kannst du es ändern? Wohl kaum. Deine Möglichkeiten, das zu tun sind sehr begrenzt.
Deine Möglichkeiten DICH zu ändern sind unendlich.
Ich kann nichts ändern, mit dieser Hölle im meinen Kopf ich sollte weiter leben ...oder mich umbringen... Ich sehe keine andere Option. Keine andere.


Ich kann aber auch den Kampf dagegen aufnehmen.
Was werde ich tun? Und was wirst du tun?
Ich habe mich verloren. Und die Schlacht ist weg. Das regen prasselt in das fenster und ich weine, wie ganze Natur draussen. das Leben war wie Seifenblase, ein Augenblick und wieder das Dunkel alles erfassender Unendlichkeit und der Kälte im grenzenlosem Universum ohne Sinn und Zweck.
Zum Schluss Bach.
Danke dir, BIMI. Viel Kraft und Mut.


Gibt es keine Hoffnung mehr?....

Igor07 ist offline
Themenstarter Beiträge: 109
Seit: 04.01.11
Keine Kraft, verdammt schwer den Tag auszuhalten.

Mahler arbeitete bis zum Ende, obwohl er wusste, dass der Tod lauert auf ihn unaufhörlich. Eine von meinen lieblingsmelodien.



Gibt es keine Hoffnung mehr?....
Männlich Windpferd
Hallo Ihr alle,

in diesem Thread scheint es um die Frage zu gehen: was mache ich mit eigener Schuld?

Es bringt nicht viel, Philosophen und Dichter zu zitieren. Noch weniger - vermute ich - sich selbst anzuschuldigen.

Sich selber Verzeihen, wie Juliette schrieb, ist natürlich die Lösung - aber wie macht man das? Geht ja wohl nicht mit Denken oder per Beschluß.

Wenn man in einer völlig schwarzen Schlucht hockt, braucht man - ja g'scheite Stiefel, Kleidung, Kompaß, Landkarte - lauter praktische Dinge. Einfacher: man braucht einen WEG. Und den muß man GEHEN - und nicht weiter sich beklagen oder auf den Tod warten. (Der kommt früh genug.)

Nun gibt es Menschen schon sehr lange, ziemlich clevere, die längst vor uns gangbare WEGE gebaut oder gefunden haben. Wir brauchen das Rad nicht neu zu erfinden. Nun kenne ich - zufällig, glücklicherweise - einen WEG für Olegs Problem. (Nicht nur für seines - die meisten von uns, auch wenn wir nicht straffällig geworden sind, waren ja nicht einfach immer liebevoll.) Er heißt NAIKAN, stammt aus Japan, dort gut bekannt und vielfach praktiziert, bei fast allen seelischen Leiden, vor allem von Strafgefangenen und Drogenabhängigen. Nachweislich erfolgreich, was die Rückfallquoten angeht.

Nachfolgend ein Ultrakurzartikel darüber. (Er mußte so kurz sein, nach den Vorgaben der Zeitschrift.) Am Ende ein paar Adressen. Auch bei Wikipedia gibt es einen (etwas mageren) Artikel mit Literaturhinweisen.

Wer angesichts der Beschreibung zurückschreckt - der reagiert wie ca. 95 % der Bevölkerung. Ich wünsche jedem, daß er sich, dem Schrecken zum Trotz, darauf einläßt. Ist halt eine Sache der eigenen Entscheidung. (Vorsicht: es muß das klassische NAIKAN sein, 1 Woche lang nix anderes. Keine verdünnte Form, wie sie manchmal in New-Age-Zentren oder von Heipraktikern angeboten wird. Wellness und Geplauder mit Therapeuten hilft bei schwerer Schuld nicht, im Gegenteil.)

N A I K A N

Früh am Morgen. Allein, hinter einem durchscheinenden Wandschirm sitzend, vergegenwärtige ich die Beziehung zu meiner Mutter bis zum Alter von vier Jahren. Drei Fragen: 1) „Was hat sie mir Gutes getan?“ -- 2) „Was habe ich ihr Gutes getan?“ -- 3) „Welche Schwierigkeiten habe ich ihr gemacht?“ -- Nach ein bis zwei Stunden erscheint der Anleiter, hört kurz eine Stichprobe meiner Erinnerungen, dankt, verneigt sich, geht. Mitunter erinnert er an die Instruktionen oder gibt Ermutigung. In den folgenden Zeitabschnitten gehe ich weiter zum Alter vier bis sieben, sieben bis zehn usw. . . . bis zur Gegenwart. Danach Vater, Geschwister, Lehrer, Freunde, Kollegen, Partnerinnen, Kinder usw. (Die Zeitspannen kurz, wenn die Beziehung intensiv, länger wenn sie lose war. Jeweils bis zum Ende der Beziehung bzw. bis zur Gegenwart.) Die Beziehung mit der Mutter wird mindestens zweimal durchgearbeitet. Dies geht täglich, vom Aufwachen bis zum Einschlafen, mindestens sieben Tage lang. Der Anleiter bringt die Mahlzeiten. Kein Kontakt mit anderen. Jedoch ist die Gegenwart der anderen – jeder hinter seinem Wandschirm im selben Raum – spürbar und unterstützend.

Leichter Akzent auf der dritten Frage. (Die vierte – leicht zu erraten! – bleibt außer Betracht, klar.) Im Brennpunkt das eigene Verhalten, nicht die Absichten. Dieses wird nie bewertet oder interpretiert, z.B. als Schuld, Verdienst. Erinnerungen werden einfach angesehen, gefühlt – und als Stufe zu weiterer Vergegenwärtigung benutzt. Für Beziehungen, die noch bestehen, gibt es für den letzten Abschnitt eine vierte Frage: „Was will ich ändern?“ Es werden nur Erinnerungen an einzelne konkrete Verhaltensweisen in Betracht gezogen, keine Verallgemeinerungen. „Sei nicht stolz, wenn du dich an die Vergangenheit erinnern kannst; sei nicht deprimiert, wenn nicht. Praktiziere einfach Naikan mit ganzem Herzen!“ Sagte der Boss in Japan.

Zu Beginn fließen die Erinnerungen quälend spärlich. Etwa vom dritten Tag an gibt es eine wahre Flut. Überwältigendes Bewusstsein meiner alltäglichen Unachtsamkeit, Destruktivität, Kommunikationslosigkeit, Lieblosigkeit. Die Gewohnheit der Selbstbewertung, Selbstkritik führen nahe an Verzweiflung. Ich bin versucht, abzubrechen – wie viele. Die letzten beiden Tage: Schmelzen, Entspannung, Fließen – Wertschätzung der Beziehungen, wie sie eben waren; Dankbarkeit. Die Verbindung reichen tiefer als meine verwirrten Handlungen. Eine begrifflich kaum erklärbare Wandlung. Am Ende gemeinsames Festessen: die Gesichter verändert, weich, strahlend.

Das ist NAIKAN („Innenschau“), eine in Japan verbreitete Psychotherapie und kontemplative Praxis, die der Zen-Tradition entstammt.

Im Lauf der Jahre praktizierte ich Naikan insgesamt zwei Monate lang (einmal als Assistent des Anleiters). Wozu ist NAIKAN gut? 1) „Reue und Bekennen“ sind befreiend – Entschuldigen, Tadeln, Ignorieren waren das nie. -- 2) Verallgemeinerungen, Selbstverdammung sind schmerzhaft, jedoch blockierend, eine Form des Ausweichens, eine Sackgasse. -- 3) „Spirituelle“ Ausreden (z.B. „Ist doch nur Denken!“) werden bloßgelegt: die relative Realität muß auf der relativen Ebene bereinigt werden. Darum hatte ich mich mit „fortgeschrittenen“ Praktiken herumgemogelt. -- 4) Die Intensität der Erfahrung („Ausbrennen“) führt dazu, daß die betrachteten Muster weniger wahrscheinlich werden. Sehr zu empfehlen vor dem Beginn neuer Lebensabschnitte. -- 5) Naikan stellt mich bloß und kommt teuer: manchmal „muß“ ich anschließend bislang Verschwiegenes mitteilen oder „vergessene“ Schulden erstatten – und bin glücklich, wenn das noch möglich ist. -- 6) Starker Transfer in den Alltag: die Naikan-Fragen tauchen immer wieder spontan auf: Ich kann den Folgen meines Handelns nicht entgehen.
(Neue Welt Institut - Home [Überblick]; Willkommen bei Naikido Shiatsu [Josef Hartl, A]; Naikan Zentrum Stammhaus [Tarmstedt, D])


Übrigens, der beste NAIKAN-Lehrer und -Leiter ist Akira Ishii, ein Professor aus Tokyo, der viel reist, auch in Mitteleuropa, und Seminare leitet. Im Internet gewiß zu finden.

Viel Glück wünscht
Windpferd

Gibt es keine Hoffnung mehr?....

BiMi ist offline
Beiträge: 440
Seit: 19.08.10
Hallo Oleg 07,

da ich so selten in die einzelnen Threads schau, ist mir erst vor kurzem deine
Videobotschaft in einem meiner aufgefallen, für die ich mich herzlich bedanken möchte.

Ich hatte auf deinen letzten Beitrag nicht geantwortet, weil ich ja generell selten im Internet bin und dann, fand ich deine 'Ansprache' in Shelleys Tagebuch.

In dem Fall, war ich irritiert. 'Wieso Kritik? Ich habe dich doch gar nicht kritisiert...'
Das empfand ich als Unterstellung.

Wahr ist, du hast über ein Thema berichtet, dass für mich sehr affektbeladen ist -
da ich selbst einmal in der Lage des Opfers war.

Und auch, wenn du mir mitteilst, dass sich die beiden Situationen nicht miteinander vergleichen lassen und ich dir glaube, solltest du mir meine emotionale Beteiligung nachsehen...

Wahr ist aber auch, dass man mir schon von ganz anderer Seite mitgeteilt hat, ich hätte in letzter Zeit einen Hang zu alttestamentarischen Auftritten.
(Der Engel mit dem Flammenschwert)
Wenn du mir dies zum Vorwurf machst, dann nehme ich es an - dass ich Besserung gelobe, kann ich nicht versprechen.
Ich bemerke an mir auch eine gewisse 'Salander-haftigkeit' (Stig Larson).
Vielleicht ist dies meine Reaktion auf die 'Todesnähe-Erfahrung' (Krebs); dass ich einen Großteil meiner meditativen Gelassenheit eingebüßt habe und gern
emotional übersteuert reagiere.

Warum aber unterstellst du mir, ich hätte den Bulgakow nicht gelesen?
Ist es nicht natürlich, dass zwei Menschen, die ein und dasselbe Buch lesen, eine völlig unterschiedliche Lehre daraus ziehen?

Vielleicht verstehst du dies hier besser: (verstehen im Sinne von: annehmen können)

(Gurdjieff/Attarnach, Beelzebub, Kap. 43, S. 1123
schildert Beelzebubs Ansicht zum periodischen gegenseitigen Vernichtungsprozess der menschlichen Rasse)

>Der Grund für Kriege ist nicht im menschlichen Verhalten zu suchen, sondern in der Notwendigkeit der Gewinnung eines bestimmten Stoffes, was nur auf zwei Arten möglich ist:
entweder durch die bewußte und willentliche Aktivität von Menschen oder durch ihren TOD.

Wenn die Menschen diese Substanz nicht willentlich produzieren, muss die Zahl der (vorzeitigen) Todesfälle auf der Erde erhöht werden. So wird Krieg unvermeidlich.
Nach dieser Theorie kommt es zu Kriegen, weil der Mensch es versäumt, seine
kosmischen Pflichten zu erfüllen. Infolge dieses Versagens kommt es zu einem Zustand, der Krieg unvermeidlich macht.
Kommt es nicht zum Krieg, muss der vorzeitige (!) Tod auf andere Weise bewirkt werden (Seuchen, Erdbeben etc.)<
Ritual des: 'Füttern des Mondes'.

Ich kann und will dir nicht meine Sichtweise des Themas aufdrängen, aber nur mal angenommen, dass ich Gurdjieff richtig verstehe, dann hat der Mensch gewisse Pflichten zu erfüllen, um derentwillen er auf der Erde ist.

Tut er dies nicht, wird er gegen seinen Willen dazu gezwungen.
Willentliche Handlungen, die für einen gerechten Zweck ausgeführt werden, bewirken, dass ein bestimmter Stoff freigesetzt wird.

Ein Teil der Substanz wird bei der Bewältigung der Aufgabe verbraucht, ein weiterer steht für den Zweck zur Verfügung, der dritte dient der Vergeistigung oder Weiterentwicklung der ausübenden Person.

Das letztere erinnert ein wenig an den 2. Hauptsatz der Thermodynamik (Entropie wächst...)
leitet aber in eine andere Richtung. Als ich vor vielen Jahren mit diesen Lehren erstmals konfrontiert wurde, leuchtete mir die Sinnhaftigkeit sofort ein. Sie lassen sich auf vieles anwenden.
So habe ich mich beispielsweise lange der Benutzung eines Computers widersetzt, auch wenn mir die Ähnlichkeit zwischen dem Internet und der esoterischen Akasha-Analogie sofort auffiel.
Die Menschen früherer Zeiten hatten stärkere paranormale Fähigkeiten und sie dachten in Bildern und Gleichnissen, deren komplexer Sinn sich ihnen sofort erschloss.
(Ich denke nur an Symbole in Gemälden: zerbrochener Krug für verlorene Unschuld etc.)

Sie sahen und hörten nicht nur das Wort an sich, sondern verbanden damit eine Fülle von Symbolen.
Diese waren die Grundlage für ein weitreichendes gemeinsames Verständnis
der Welt. Sie war in gewissem Sinne: homogener.
Da wir uns nicht mehr 'auf direktem Wege' - also telepathisch, verständigen können, benötigen wir die Hilfsmittel Telefon und Computer. Mir wäre es lieber gewesen, wir hätten an der Entwicklung unserer mentalen Fähigkeiten gearbeitet.
Das ist das Dilemma der Menschheit, so wie ich es sehe: Wir suchen immer nach dem bequemen Weg...

Ist klar geworden, dass ich deine Ansicht, man müsse dem 'Fackelträger' dienen, damit man den Fortschritt nicht aufhält, nicht teile?
Nein?
Soll ich noch mal von vorn?

Hach! Ich hab's! Superfilm - werd ihn gleich mal suchen. BILDER - ich sags ja - gehen direkt in die Seele hinein. WORTE gehorchen jedem! Immer vieldeutig, immer missverständlich.
Warum bin ich eigentlich nicht Regisseurin geworden?
(Das war eine rein rhetorische Frage, die du mir nicht zu beantworten brauchst.)

Leider nur der Trailer, den ganzen Film habe ich nicht gefunden.

Versuch, ihn dir anzuschauen. Er heilt deine Seele...

LG
BiMi

Gibt es keine Hoffnung mehr?....

BiMi ist offline
Beiträge: 440
Seit: 19.08.10
Hallo Oleg,

habe jetzt gerad geschaut, dass du lange nicht mehr hier warst.
Ich hoffe nur, es geht dir gut (zumindest nicht schlechter).

Was ich dir sagen wollte, ist eigentlich nur dies:
Wenn jemand sich frei entscheiden kann, dann sollte er das richtige tun.
Ansonsten gilt: Überleben in Zeiten des Krieges ist ehrenhaft.

Was ich dir ferner sagen wollte ist dies:
Wenn ich mit dir reden kann und deine Schwester ja offensichtlich auch,
darfst du das Gespräch mit dir nicht abreißen lassen.
Kopf hoch!

Ich hoffe, wir haben uns verstanden...

LG

BiMi


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