bei Rückruf besetzt...

15.09.06 12:57 #1
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Mike ist offline
Beiträge: 1.855
Seit: 16.02.05
Liebe Forenleser... ich bin wieder da! Ohne Handy und ganz schnurlos (also ungebunden!) gibt es wieder Neuigkeiten aus der Boulevard-Presse. Heute hat sich die Frankfurter Rundschau den Reuters oder DPA Ticker geschnappt und folgendes geschrieben:

Handys verursachen kein Krebs

natürlich eine Studie von renomierten Kittelträgern die genau wissen wie man Sätze formuliert. Ich kam aus dem Lachen nicht raus als ich das gelesen habe und möchte euch meine witzigen Gedanken zu den Passagen nicht vorenthalten. Es geht gleich los mit dem ersten Satz wo es heisst: "Selbst bei unsachgemäßem Gebrauch gefährden Handys nicht die Gesundheit."

Ach nee ? Ich kann damit aber jemanden bewerfen oder ihm die neuesten Minifilme vorspielen bis er kotzt oder beim gemütlichen Restaurantauffenthalt die Tischnachbarn zur Weissglut mit dem neuesten "diggi duggi tüüt" dreieurofufzich Klingelton bringen. Eine klare Gefährdung meiner Gesundheit kann ich jedoch fern jeglicher "unsachgemäßen Bedienung" trotzdem feststellen... denn es NERVT ungemein wenn ich mich unterhalte und mein Gesprächspartner im 5 Minutentakt die neuesten Vorschläge für die Wochenendgestaltung durch den Gigaherz-Himmel zugesteckt bekommt.

Gestern erst stand ich auf der Straße und es macht "Ding Dong" aus der Hosentasche meines Gesprächspartners. Ich sagte nur: "na, klingelt jetzt schon die Hosentasche ?" und er erwiederte spontan: "noe, ...die Eier sind voll!". Das ist seit 24 Stunden der "Running Gag" in meinem Bekanntenkreis.

Ja, Handy's können auch Spass machen wenn es um die gezielte und dezentrale Aufläung des Wortes "Gespräch" geht. Wir sind ja jetzt Base und der Basistarif lässt unendliche Gespräche (halt soviele Minuten wie das Akku hergibt) zu. "Ich ruf mal eben an" heisst, warte eine halbe Stunde, verhalte Dich unauffällig und erinnere mich bitte wo wir stehen geblieben sind wenn ich wieder ansprechbar bin. Aber ich bin ja erst bei Satz eins von recht vielen unterhaltsamen Einlagen...

" Auch in der Nähe von Mobilfunkbasisstationen und Antennenmasten ist kein erhöhtes Krankheitsrisiko erkennbar."

Ja was denn nun ? Sichtprüfung auf Hautkrebs oder wie soll ich "erkennbar" interpretieren ? In der Nähe leben wir wohl alle sonst hätten wir keinen Empfang. Also bitte das nächste mal die "Nähe" mal definieren so das ich weiss wie so ein Abstand auszusehen hat wo es nichts zu erkennen gibt.

"Gleichwohl gebe es Menschen, die an scheinbar durch elektromagnetische Felder ausgelösten Beschwerden litten."

und jetzt sind die tod oder was ? Wieso litten die denn... was wurde verändert das Sie nicht mehr leiden ? Zudem was ist das überhaupt für ein Satz... "gebe" und "litten" zusammen ergeben zeitliche Diskrepanzen. Aber was solls, liest ja vermutlich eh niemand...

jetzt wird bunt...

"Die Studie wurde laut Blettner in 13 Ländern nach genau festgelegten Kriterien durchgeführt. In Deutschland nahmen 30.000 Menschen daran teil. "Momentan führen wir noch in 3.000 Wohnungen Messungen zur Stärke der elektromagnetischen Felder durch", erklärte die Forscherin. Bereits jetzt lässt sich aber nach ihren Angaben sagen, dass Handynutzer kein erhöhtes Krebsrisiko haben."

Studie an was ? Ich verstehe mal wieder den Inhalt nicht. Wurden jetzt 30.000 Menschen befragt oder gemessen oder was ? Sind es 3000 Wohnungen in Europa oder in Deutschland und warum überhaupt nur Wohnungen ? In jedemfall steht vor Ende der Studie schon das Ergebnis ganz klar fest: "Hadynutzer haben gefälligst kein erhöhtes Krebsrisiko zu haben!" und die richtige Statistik wird da schon helfen... und die "sonstigen Betroffenen" die dadurch "nur" Kopfschmerzen bekommen sind sog. Kollatralschäden die gefälligst zu erdulden sind. Schliesslich will man ja Kommunikativ bleiben und da spielt das Einzelschicksal keine größere Rolle. Von Ihren Eid "Die Gesundheit Ihres Patientenguts als oberstes Gebot des Handelns zu beherzigen" ist wohl nicht viel übrig geblieben ausser dem Schwur an die rasselnde Halskette des Kapitalismus.

wir lernen wieder was neues...

"Die elektromagnetischen Felder sind übrigens am Handy selbst deutlich stärker als an einer Basisstation"

so steht es da und ich zucke schon Ehrfurcht vor soviel Verständnis der Physik gegenüber denen die Sie zu Ihrem Schutzschild verbiegen. Lieber Leser, lassen Sie sich nicht verunsichern! Die Aussage ist FALSCH. Falscher geht es schon garnicht mehr... wer es nicht glaubt möge bitte Frau Blettner an die Hand nehmen und Sie vor einen Basisstationspfropfen für 24h Stunden setzen. Sie wird recht schnell Ihre Aussage revidieren bzw. korrigieren. Eine einzelne Basisstation gibt es nicht mehr. Es sind immer Gruppen (derer viele) zusammengeschaltet und senden im günstigen Masten-Zwanzigerpack als 360° Keulenrudel und hier gilt immer noch: die Summe macht den Wellensalat.

aber jetzt kommt er Hammer in Sachen geübter Wortakrobatik:

"Um die Restbelastung zu verringern, sollten sich Nutzer an ein paar wenige Hinweise halten."

Na, entdeckt ? Nur die Nutzer sind also die Betroffenen. Wer kein Handy hat braucht also auch keine Angst vor den Masten zu haben. Denn die wortkausale Entgliderung zweiter Bedingungen beinhaltet scheinbar (trotz eindeutiger Abewesenheit) die Entzweiung von Mastleistung und Handyleistung. Einfach gesagt: ohne Handy sind alle Masten weg! Ist doch politologisch...

eine einfache Entgleisung der Realität

"Laut Blettner senden Handys beim Gesprächsaufbau mit stärkerer Leistung. Deshalb werde die Belastung durch elektromagnetische Felder vermindert, wenn man das Gerät erst nach Zustandekommen der Verbindung ans Ohr halte."

Dieser Abschnitt erinnert mich ein wenig daran das Wasser doch bitte vor dem Zähneputzen 5 Minuten laufen zu lassen. Ne, ist klar das ich erstmal mit ausgestreckten Händen und Fernglas Mutti's Rufnummer aus dem Katalog blätter um dann das robuste Technikwunder in die Ecke zu schleudern und es dann nach geschätzten 15 Sekunden wieder in Sichtweite zu tranportieren. Ein Gummiband wäre die Lösung überhaupt.

da müssen wir wohl noch was lernen

"Auch durch Verwendung eines Headsets werde die Strahlenbelastung geringer."

Ja, wer Bluetooth Headsets meint sollte das auch schreiben. Denn Kabelgebundene Headsets erhöhen die Strahlenbelastung enorm. Aber wer will schon so kleinlich sein wo das Thema doch eh nur eine Bagatellsache um die richtigen Wörter ist.

wir fassen zusammen...

"Je besser der Empfang sei, desto geringer sei die Sendeleistung des Geräts. In Gebäuden oder Fahrzeugen sei die Leistung stärker als im Freien."

Um die Belastung zu reduzieren kaufe ich mir erstmal ein Handy, denn ohne Handy gibt's ja überhaupt garnichts zu reduzieren. Dann stelle ich mich ganz nah an den für die meisten Menschen garnicht zu erkennenden Mast damit ich die minimalste Strahlung vom Handy abbekomme. Über die belastung von der Basisstation brauche ich mir keine sorgen zu machen denn extra für mich sendet die Station ja, weil ich so nah dran bin, nur mit einem Bruchteil der notwendigen Leistung. Das ganze veranstalte ich geostationär zum nächstgelegenen Mast um meine gerade gewonnene Mobilität nicht einzuschränken. Wenn ich mit so viel Pflichbewustsein um meine Gesundheit dann noch in der Lage bin einen klaren Satz durch das Mikrofon zu blasen ohne das gerade eingenommene Gleichgewicht nicht zu destabilisieren bin ich besser als alles andere und kann mich kernfreier "User" schimpfen.

"Hallo Mutti, hast Du schon das Essen fertig und meine Socken gestopft ?"
"Wann kommst Du ?"
"Was machst Du heute Abend ?"
"Warst Du schon mit dem Hund gassi ?"
"um wieviel Uhr waren wir verabredet ?"
"bringst Du noch eine Dose Bärenmarke und den leckeren Käse mit ?"
"wie hiess das doch gleich, > das Ding mit dem Dong ?"
"ruf mich mal zurück, mein Karte ist gleich alle..."


wo wir dann bei 80% aller Dialoge über das Handy in 8 kleinen Sätzen angekommen wären...

Ja, Handy's sind wichtig für die Wirtschaft
Ja, Handy's sind wichtig in der Wirtschaft
Ja, mit Handy's kann man über die Wirtschaft reden.

und wieder einmal heisst es am Ende von so viel Bauchrednerkunst:

Prost und gutes gelingen... denn Handy's verursachen keinen wirtschaftlichen Krebs...

"Allerdings kann auch diese große Studie nur einen Teilbereich des gesundheitlichen Risikos der Handy-Nutzung, nämlich das Risiko für Hirntumore, evaluieren."
Quelle: Fallkontrollstudie zur Entstehung von Hirntumoren durch Handys 1/2000

bevor wir uns jedoch in solch gleichgültige Unbedenklichkeitsbescheinigungen (geiles Wort!) verantworten sollte man sich mal fragen ob es Alternativen gibt und wem diese nutzen könnten. Mir stellt sich nur noch die Frage, was machen 80 Millionen Menschen mit 82,8 Millionen Handy's ? 'It's geil to be mobile' und doppelt hält schlieslich besser...

Stichworte:

INTERPHONE Fall-Kontroll-Studie
RIFA-Studie zum Aderhautmelanom

bei Rückruf besetzt...

phil ist offline
Beiträge: 1.702
Seit: 25.01.05
Grüss euch,

ist ja interessant... wenn das so ist, dass das Zeugs so harmlos ist, dann erkläre mir mal einer warum denn...

(in www.gigaherz.ch gefunden und bereits woanders eingebracht...)

Bernisches Verwaltungsgericht: "Die Bevölkerung hat kein Anrecht auf ein Null-Risiko, Grenzwerte dienen lediglich dazu, die Schäden in vertretbaren Grenzen zu halten." (Urteil BE1998.00045-K3 vom 8.2.2001)

Und das Bundesgericht doppelt nach mit: "Grenzwerte sind nicht nach medizinischen Gesichtspunken festzulegen, sondern nach wirtschaftlicher Tragbarkeit und technischer Machbarkeit. (Urteil 1A94/2000/sch vom 30.8.2000)

Und die Vollzugsbestimmungen des bernischen kantonalen Amtes für Industrie Gewerbe und Arbeit, KIGA, lauten: "Eine Anlage ist zumutbar wenn weniger als 10% der Bevölkerung im Wohlbefinden gestört sind. Und eine Anlage ist erst dann sanierungspflichtig wenn mehr als 25% der Bevölkerung im Wohlbefinden gestört sind"
Beweispflichtig für den Anteil Kranker (im Wohlbefinden Gestörter) sind nicht etwa die Behörden, sondern die Betroffenen selber.

ääääh?

Angeblich sind gesetzlich nicht der Betreiber für allfällige Schäden verantwortlich, sondern die Landbesitzer, auf deren Land die Antennen stehen! Die Handy-Gesellschaften verfügen über kein eigenes Land - sie sind alle zu Miete.

Na, diese Handschrift dürfte ja bekannt sein...!

Dazu kommt in dem von Mike zitierten Artikel - vermutlich dasselbe Unding, das bei uns die Runde macht - dass nirgends beschrieben ist, wie und was gemessen wurde. Wenn alleine die thermischen Aspekte gemessen wurden, dann mag so ein Resultat dabei rauskommen. Es reicht ja auch nicht, wenn ich sage: es war gut (ja was denn um himmelswillen?)

Selbstverständlich ist es eine weitere Verschwörungstheorie zu denken, dass nur das gemessen wird, was risikofrei in die mit der Untersuchung verfolgten Absichten passt.

Wenn auch aus Schweizersicht - so doch nicht auf diese beschränkt - Welle bleibt nun mal wie Welle, egal wo!

herzlichst - Phil
__________________
herzlichst aus Trollhalden!

Bei Elektrosmog kann der Baubiologe hilfreich sein

Die hoch- und niederfrequenten Felder von Telefon, WLAN, Mobilfunk, Babyphone usw. aber auch die häusliche Elektroinstallation sowie Lichtsysteme können nicht nur bei sensiblen Menschen zu gesundheitlichen Problemen führen.

Besonders die Orte, an denen wir uns lange aufhalten, sollten möglichst frei von solchen Störungen sein. Das ist vor allem unser Schlafplatz, wo wir uns normalerweise einen Drittel des Tages aufhalten und zudem ungestört regenerieren und Energie tanken wollen, aber auch unser Arbeitsplatz.

Baubiologen können solche Störungen messen und Lösungen zur Beseitigung empfehlen.
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bei Rückruf besetzt...

Yve ist offline
Yve
Beiträge: 5
Seit: 21.09.06
Das sagt das schweizerische Bundesamt für Gesundheit zur Handybenutzung:

www.bag.admin.ch/themen/strahlung/00053/00673/02162/index.html?lang=de

- Keine Kinder ans Handy!
- Bei schlechtem Empfang nicht telefonieren!
- Das Handy beim Verbindungsaufbau nicht ans Ohr halten!

Viel Spass beim Lesen.
Yve


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