Unterzuckerung - zu hohe Insulinausschüttung

02.05.14 16:15 #1
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Unterzuckerung

Oregano ist offline
Beiträge: 62.523
Seit: 10.01.04
Hier habe ich noch etwas zur Rolle von Glucagon gefunden:

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Dieses bescheidene Hormon scheint jetzt vermehrt in das „Schussfeld“ der Diätforscher zu rücken. Denn ohne Glucagon wäre das Fasten eine lebensbedrohliche Angelegenheit. Auch hier ist Glucagon dafür verantwortlich, dass die Glukosereserven des Organismus zum Einsatz kommen, um eine Hypoglykämie zu vermeiden.

Bei Mahlzeiten mit einem hohen Proteinanteil kommt es zu einem ähnlich hohen Insulinausstoß wie bei einer kohlehydratreichen Mahlzeit.
Grund dafür ist der Zweitjob des Insulins, Aminosäuren den Eingang ins Muskelgewebe zu ermöglichen. Aber Aminosäuren und Proteine liefern keine Glukose auf die Schnelle, im Gegensatz zu den Kohlehydraten. Ohne eine gleichzeitige Aktivierung von Glucagon käme es bei den „Proteinbomben“ regelmäßig zu Hypoglykämien, da das freigesetzte Insulin den Blutzuckerspiegel zu stark absenken würde.

Diese Erkenntnis ist relativ neu. Marker, wie den glykämischen Index, sind schon lange bekannte Größen in der Ernährungslehre. Für eine „ordentliche“ Diät gilt immer die Daumenregel, möglichst auf Nahrungsmittel zurückzugreifen, die einen kleinen glykämischen Index besitzen. Das heißt, dass nach Verzehr solcher Nahrungsmittel es zu keinem überhöhten Anstieg von Glukose im Blut kommt.
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Nicht nur ein hohes Maß an Proteinen in der Nahrung führt zu einem vermehrten Glucagonausstoß. In einem etwas geringeren Maße wirkt dies auch von Alkohol und Fetten, nicht aber von Kohlehydraten, bewirkt. Von daher glaubt man heute, dass proteinreiche Mahlzeiten und die damit einhergehende Glucagonausschüttung zu einer verringerten Nahrungsaufnahme führt, zum Teil zumindest.
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Auf der anderen Seite lässt sich festhalten, dass Proteine die am besten sättigenden Makronährstoffe sind, die auch bei der Reduktion von Fettmasse helfen. Eine relativ neue Arbeit zeigt sogar, dass der Fettverlust bei einer kohlehydratarmen Kost weniger auf den fehlenden Kohlehydraten beruht, sondern mehr auf die hohen Konzentrationen an Proteinen [Relatively high-protein or 'low-carb' energy-restricted diets for body weight loss and body weight maintenance?] zurückgeführt werden kann.

Andere Arbeiten zeigen, dass sogar bei hohen Protein- und gleichzeitigen Kohlehydratmengen es zu einer reduzierten Nahrungsaufnahme kommt [A high-protein diet induces sustained reductions in appetite, ad libitum caloric intake, and body weight despite compensatory changes in diurnal plasma leptin and ghrelin concentrations] und einem damit verbundenen Verlust an Fettmasse.

In dieser Studie blieben die Nüchterinsulinwerte und postprandialen Insulinwerte (nach dem Essen gemessene Werte) während der gesamten Beobachtungszeit unverändert. Das zeigt, dass Glucagon keinen wesentlichen Effekt auf die Fettverbrennung haben kann oder dies in einem Zusammenhang mit Insulin stehen könnte. Viel wahrscheinlicher ist hier die Rolle des Glucagons als Sättigungsfaktor.
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Glucagon - Proteine und Kohlehydratarme Diäten

Auch interessant:

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Die Aminosäuren werden durch das Blut von einem Organ zum anderen transportiert. Vorrangiges Ziel des Körpers ist es, den stoßartigen Zustrom von Aminosäuren zu regulieren, um einen gleichmäßigen Level im Blut zu gewährleisten. Die Leber ist der Hauptregulator dieses Vorganges, indem sie Schwankungen in der Blutkonzentration mittels Abbau und Umbau von Aminosäuren ausgleicht.

In der sogenannten Postabsorbationsphase kommt es zu einer Freisetzung von Alanin und Glutamin aus der Muskulatur. Diese werden dann von Leber und Nieren aufgenommen, Letztgenannte nutzen dann das Glutamin zur Gluconeogenese. An diesen Vorgängen des Stoffwechsels sind auch die Peptidhormone Insulin und Glucagon beteiligt.
Die Aminosäuren Arginin, Valin, Leucin und Isoleucin stimulieren zu einem Insulinausstoß.
Asparagin, Glycin, Serin und Cystein stimulieren den Ausstoß von Glucagon.

Doch was sind die Aufgaben diese Hormone? Die Antwort ist ganz einfach,
Insulin fördert die Aufnahme von Aminosäuren in den Muskelzellen
und
Glucagon fördert die Aufnahme von Aminosäuren in der Leber und stimuliert die Gluconeogenese.
Allgemein läst sich also sagen, dass der Proteinstoffwechsel durch hormonelle Regelkreise und der Verfügbarkeit von Aminosäuren geregelt wird.
Eiweiß und Proteine im Bodybuilding

Jetzt müßte man noch wissen, in welchen Lebensmitteln Asparagin, Glycin, Serin und Cystein enthalten sind .

Asparagin: z.B. in Spargel (L)
Glycin: z..B. in Kürbiskernen und Walnüssen, Gelatine und Sojabohnen.
Serin: z.B. in Hülsenfrüchten und Getreiden (Lebensmittel | www.vitalstoff-lexikon.de | Ihr Vitalstoff-Fhrer von A-Z | Funktionen, Interaktionen, Wechselwirkungen, Lebensmittel-Listen, Zufuhrempfehlungen, Mangelsymptome, Prvention, Therapie, Vitalstoffmehrbedarf)
Cystein:z.B. abwechslungsreiche Kost, Eiweiße (http://aminosäure.org/aminosaeuren/l-cystein/)

Ich würde immer Nahrungsmitteln vor Nahrungsergänzungsmitteln den Vorzug geben. Aber trotzdem kann man ja über NEMs nachdenken .

Grüsse,
Oregano
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Unterzuckerung

Frank183 ist offline
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Seit: 29.11.09
Klingt sehr interessant, danke !

Was ich noch sagen wollte: der Blutzucker kommt ja wieder von selbst hoch, aber es dauert halt.

Der große Vorteil von NEMs ist für mich der, dass man da ganz genau einen Stoff drin hat. In einem natürlichen Nahrungsmittel hat man einen Haufen Sachen drin, von denen einem manche vielleicht gut tun, andere aber nicht.

LG
Frank

Unterzuckerung

Oregano ist offline
Beiträge: 62.523
Seit: 10.01.04
... Stimmt, Frank ...
Nur hat man bei NEMs oft einen Haufen Zeug drin, das man gar nicht bräuchte. Die Kunst ist dann, NEMs zu finden, die möglichst rein sind.
Da würde ich dann zuerst bei den entsprechenden Apotheken bzw. Herstellern und Lieferanten suchen, z.B. die Klösterl-Apotheke in München, die Reinhildis-Apotheke und andere.

Grüsse,
Oregano
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Unterzuckerung

Frank183 ist offline
Themenstarter Beiträge: 563
Seit: 29.11.09
Ja klar. das ist leider eben immer eine Wundertüte. Aber das sind "natürliche" Produkte auch. Da weiss man auch nie, was da alles an Pestiziden, etc. dran hängt, auch wenn sie angeblich "Bio" sind ...

Unterzuckerung

Frank183 ist offline
Themenstarter Beiträge: 563
Seit: 29.11.09
Hier ist ein guter Artikel, aber auch der beschreibt das leider aus der anderen Perspektive (Insulinresistenz):

MMS: Error

Unterzuckerung

Frank183 ist offline
Themenstarter Beiträge: 563
Seit: 29.11.09
Update: ich habe eine Doktorarbeit gefunden, die mein Thema zumindest streift:

http://publikationen.stub.uni-frankf..._2.12.09_1.pdf

Auf den Seiten 18ff wird die Gegenregulation des Körpers zur Unterzuckerung beschrieben und diese Arbeit beschreibt eine strenge Hierarchie dahingehend, dass

- zuerst Glukagon ausgeschüttet wird, wenn der Zuckerpegel auf 70-80 mg/dl absinkt, was bei "gesunden" Menschen ausreicht, um die Zuckerpegel zu stabilisieren.
- nur wenn der Zucker darunter fällt und dort wenigstens 30 Minuten verbleibt, dann werden Hormone ausgeschüttet in der Reihenfolge Adrenalin --> Kortisol --> STH.

So, beim Diabetiker erfolgt eine Unterzuckerung ja nur durch zu hohe Insulingabe. Das kann insbesondere passieren bei langsam aber lange analtend wirkenden Insulinarten. Diese sitzen ja im Gewebe (z.B. Muskeln) und gelangen gleichmässig fortlaufend ins Blut, so dass die Glukagon-Ausschüttung als "Gegenspieler" nicht ausreicht. Außerdem meine ich verstanden zu haben, dass Insulin die Glucogenese wohl auch hemmt.

Nun, bei mir ist das alles ja nicht der Fall, aber anhand der Messdaten und der empfundenen Symptome sieht es stark so aus, als ob bei mir die Glucogenese nicht stattfindet oder stark eingeschränkt ist und daher ist die Stresshormone den Zucker wieder hochbringen. Und das auch erst mit Verzögerung. Passt genau zu meinen Symptomen.

Dann werde ich jetzt mal bei den Arbeiten der Herren Cryer und Pedersen-Bjergaard weitermachen.

LG
Frank

Unterzuckerung

Frank183 ist offline
Themenstarter Beiträge: 563
Seit: 29.11.09
Hier noch das Schaubild dazu:
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg hypogl_gegenregu.jpg (140,0 KB, 10x aufgerufen)

Unterzuckerung

Oregano ist offline
Beiträge: 62.523
Seit: 10.01.04
Hallo Frank,

das ist sehr interessant ! Es lohnt sicher, sich mit den Herren Cryer und Petersen-B. noch mehr zu beschäftigen. Vielleicht kannst Du sie ja auch einfach mal anschreiben?

Was mir noch eingefallen ist: es ist ja bei diesem Regelkreis Insulin-Glukagon wichtig, daß die Stress-Hormone dann tatsächlich ausgeschüttet werden können, um schlimme Unterzuckerungen abzubremsen.
Was aber, wenn diese Hormone erschöpft sind und so gar nicht richtig reagieren können?
Worauf ich hinaus will: hast Du Deine Nebennieren schon einmal untersuchen lassen, also ein Cortisol-Tagesprofil machen lassen, Adrenalin messen lassen, evtl. Noradrenalin?

Nebennierenschwäche Archive » Praxiswebseite von Dr.*Dr.*Thomas Beck

So, beim Diabetiker erfolgt eine Unterzuckerung ja nur durch zu hohe Insulingabe.
Das stimmt nur halb. Beim Diabetiker, vor allem beim Typ1-Diabetiker, kann auch Unterzucker auftreten, wenn er Insulin gespritzt hat, sich dann aber zu viel bewegt, z.B. beim Sport.

Grüsse,
Oregano
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Unterzuckerung

Frank183 ist offline
Themenstarter Beiträge: 563
Seit: 29.11.09
Zitat von Oregano Beitrag anzeigen
Hallo Frank,

das ist sehr interessant ! Es lohnt sicher, sich mit den Herren Cryer und Petersen-B. noch mehr zu beschäftigen. Vielleicht kannst Du sie ja auch einfach mal anschreiben?
Ja, das habe ich vor. Vielleicht eher deren Mitarbeiter. Aber in jedem Fall nicht mehr heute ... *gähn*

Zitat von Oregano Beitrag anzeigen
Was mir noch eingefallen ist: es ist ja bei diesem Regelkreis Insulin-Glukagon wichtig, daß die Stress-Hormone dann tatsächlich ausgeschüttet werden können, um schlimme Unterzuckerungen abzubremsen.
Was aber, wenn diese Hormone erschöpft sind und so gar nicht richtig reagieren können?
Worauf ich hinaus will: hast Du Deine Nebennieren schon einmal untersuchen lassen, also ein Cortisol-Tagesprofil machen lassen, Adrenalin messen lassen, evtl. Noradrenalin?
Ja, habe ich mal machen lassen. Ist allerdings schon 4-5 Jahre her. Die Ergebnisse waren nicht ganz ok, aber auch nicht extrem schlecht. Aber die mögliche Folge Nebenniereninsuffizienz (--> Burnout) steht natürlich durchaus im Raum. Aber bis jetzt scheint's ja noch zu gehen, denn diese Hormone haben meinen Zucker ja letztlich wieder hochgebracht, wenn auch unter den entsprechenden Nebenwirkungen.

Zitat von Oregano Beitrag anzeigen
Das stimmt nur halb. Beim Diabetiker, vor allem beim Typ1-Diabetiker, kann auch Unterzucker auftreten, wenn er Insulin gespritzt hat, sich dann aber zu viel bewegt, z.B. beim Sport.
Jein. Das kommt letztlich aufs gleiche raus: Wenn die Insulingabe relativ zu den äußeren Gegebenheiten zu hoch ist, dann kommt es zur Unterzuckerung. Ob zu geringe / zu späte Nahrungsaufnahme vorliegt, oder ob der Körper aufgrund von hoher körperlicher Belastung mehr Zucker verbraucht als erwartet/berechnet --> es hat den gleichen Effekt. Aber ich will jetzt hier auch keine Haare spalten ...

LG
Frank

Unterzuckerung

Oregano ist offline
Beiträge: 62.523
Seit: 10.01.04
Nein, Haare spalten oder Erbsen zählen brauchen wir hier nicht .

Hier noch mehr über den Zusammenhang zwischen Nebennierenschwäche und Unterzucker:

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Adrenal Fatigue
Es gibt jedoch auch eine Nicht-Addison-Form der Nebennieren-Unterfunktion, die heutzutage bei den meisten, klassisch ausgebildeten Medizinern kaum bekannt ist, eine sog. milde oder subklinische Form. Es handelt sich um Nebennierenschwäche als Übersetzung des englischen Namens „Adrenal Fatigue“, auch, um diese Form von der sonst üblichen Bezeichnung „Nebenniereninsuffizienz“ zu unterscheiden.

Im Cortisol Tagesprofil finden wir im Speichel deutlich erniedrigte Cortisiolwerte und im gefrorenen Plasma niedrige ACTH Werte.
Die Nebennierenschwäche kommt durch eine Ermüdung/Erschöpfung der Nebennieren aufgrund ihrer länger andauernden Überlastung zustande. Jegliche Art von Stress kann zu solch einer Überlastung der Nebennieren führen: körperlicher, seelischer oder krankheitsbedingter Stress.
...
Weitere Anzeichen und Symptome sind:

- leichte Depression
- Lebensmittelallergien und Asthma
- vermehrte Anstrengungen, den Anforderungen des Tages gerecht zu werden
- Verminderte Fähigkeit, mit Stress umzugehen
- trockene und dünne Haut
- Hypoglykämie (Unterzuckerung)
- niedrige Körpertemperatur
- Nervosität
- Herzklopfen
- unerklärbarer Haarausfall
- Abwechselnd Durchfall und Verstopfung
- Verdauungsstörungen

Wenn Sie viele dieser Anzeichen und Symptome aufweisen, ist es Zeit, an eine Nebennierenschwäche als mögliche Ursache dafür zu denken, sofern andere organische Ursachen ausgeschlossen wurden. Keines der Symptome und Anzeichen für sich allein führt zur Diagnose der Nebennierenschwäche.
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Nebennieren Unterfunktion = Adrenal Fatigue = Nebennieren Schwaeche

Grüsse,
Oregano
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