Wasser im Gewölbekeller, Schimmelallergie Typ IV HILFE

17.08.10 14:01 #1
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Wasser im Gewölbekeller, Schimmelallergie Typ IV HILFE

Mike ist offline
Beiträge: 1.855
Seit: 16.02.05
Das ist ja ein Reizthema für mich ... was ich hier so in den letzten Beiträgen gelesen habe ist nicht ganz so korrekt... und zudem vieles ins Blaue geraten.

Zuerst gilt es die Ursache zu bestimmen. Hier gibt es mannigfaltige !

- z.B. undichtes Regefallrohr im Erdreich
- Wasser das über das Fundament nach oben kommt weil ein anderer (Nachbar) ein paar Meter weiter eine Wassersperre errichtet hat und es ungeschickt umgeleitet hat
- Regenwasser das nicht gut ins untere Erdreich wegkommt und deshalb stehen bleibt
-Defektes Abwasserrohr zu Strasse das das Regenwasser vom Dach wieder in den Vorgarten leitet.

da scheinbar nur eine Seite des Hauskellers betroffen ist (freistehend ?) wird es vermutlich die Regenschlagseite sein und da kann unter umständen schon das sinnvolle Versiegeln der Oberfläche reichen und das ableiten des Obeflächen-Regenwassers in die Kanalisation um die Exposition zu verringern wenn sich hier die Ursache findet.

Ausserdem ist nicht wirklich eine sog. Fachfirma notwendig um das Haus von aussen abzudichten sofern man nicht ganz ungeschickt mit den Händen ist und total schwächlich. Eine Schaufel, ein Eimer, ca. 2-3 Helfer und je nach Bodenbeschaffenheit diverse zuästzliche Werkzeuge reichen in der Regel völlig den Graben zu ziehen. Hier kann man sich im Netz mehr als ausreichend informieren was es braucht und wie man sowas aufbaut (ggf. Absicherung). Das auf- und anbringen der Sperre (je nach Ausführung) ist auch kein Hexenwerk und braucht eigentlich kein komplexes Werkzeug oder irgendeine Ausbildung. Da aber diese "Aufgabe" zu 80% Körperkraft benötigt findet sich immer eine "preiswerte" Firma die sich mit Erdaushubarbeiten am Leben hält.

Der "Trick" das Haus nur auf der betroffenen Seite zu renovieren geht übrigens nicht ! Das Wasser sucht sich dann die nächste Wand weil es ja scheinbar nicht schnell genug versickern kann. Ist die Front saniert wird es sich an den Seitenwänden reindrücken weil es dann da lang fliesst. Frontales Sperren führt ja nicht dazu das das Wasser weg ist !

Ein "Renovieren" von innen durch in den Stein eingebrachte Harze oder einem Wasserdichten Putz von innen (Wannenkonstruktion) ist nach meine Beobachtung in der Regel erfolglos und kann sogar dazu führen das das in der Aussenmauer aufgestaute Wasser nach oben kommt (der Gau).

Das bereits erwähnte Motto: "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt" scheint hier die beste Lösung. D.h. Spaten raus und mal an der Stelle wo das Wasser reinkommt (oder etwas oberhalb) mal mit dem Spaten auf 1 Meter Breite im Aussenbereich nachschauen was da nun eigentlich los ist ! Mit etwas Glück findet man da ein altes Rohr oder Sickerschacht und das Problem ist nach Austausch oder Reparatur gelöst....

Wenn Schimmel in den oberen Räumen (nicht Nassräume) ein Thema ist kann es auch mehrere Ursachen haben.

- erstmal zu wenig Wärme in den Räumen. D.h. stand das Haus längere Zeit leer und wurde nicht bewitschaftet kann Kondenswasser überall entstehen.
- beschädigte Aussenhülle (Risse in der Wand) durch setzen des Hauses.
- Defektes Dach (gerissene Dachpfannen im Aussenmauerwerkberereich.
- oder ganz profan eine defekte wasserführende Leitung in der Wand.

Sind es in den oberen Etagen die Ecken die Schimmelbetroffen sind ist es in der Regel der an der Aussenhaut langstreifende Wind und Wirbelbildung der eine Abkühung der Zimmerecke erzeugt und dann kondensiert genau dort das Wasser aus dem Raum weil genau diese Ecke kälter ist als der Rest des Raumen.

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Datura ist offline
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Beiträge: 5.003
Seit: 09.01.10
Hallo, Mike, wenn das Haus im Nassen steht, müsste man dann n icht auch eine waagerechte Sperre einbauen?

Ich finde Deinen Beitrag sehr gut, weil man eine Richtschnur hat, auch wenn man eine Firma beauftragen muss. Man kann dann kontrolieren, was die so treiben, was die so vorschlagen usw.

Liebe Grüße
Datura

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Mike ist offline
Beiträge: 1.855
Seit: 16.02.05
Entgegen der gängigen Meinung fliesst Wasser nicht bergauf... es kann durch Druck nach oben geschoben werden und die bereits eingebaute Sperre aus (in der Regel) Teerpappe durchbrechen wenn diese defekt ist. Das sollte aber nicht passieren. Die vielbeschworene Kapilarwirkung bezieht sich vieleicht auf einen Stein aber nicht auf eine ganze Mauer mit Putz zwischen den Steinen.

Wenn man eine Firma mit der Sanierung beauftragt sollte man die Ursache kennen sonst kann viel Geld in unnützem Zeug landen. Es sei zu erwähnen das ein Baubiologe auf die biologischen Aspekte eingeht und eine Firma die sich auf Kellerwandsanierung eingeschossen hat sicher nicht im Dachgeschoss oder am Regenfallrohr nachschaut.

Wenn da z.B. schon seit Jahrzehnten eine Innnenisolierung (Panzersperre ?) an der Wand angebracht ist dann möchte ich nicht wissen wieviel Wasser da durch den Putz zwischen den Steinen von aussen geflossen ist und den Zement oder Kalk-Zement nebst Sand rausgeschwemmt hat. Wasser ist geduldig und angeblich höhlt der strete Tropfen sogar den Stein.

Bevor man hier jedoch die falschen Schlüsse zieht gilt es erstmal die Ursache zu finden ! Unsere Vorfahren waren übrigens nicht wirklich auf den Kopf gefallen und haben den Keller damals schon so gebaut das er zum Richtfest dicht war... es ist also was passiert über die Jahre... und Regen fällt heute so viel wie vor 100 Jahren, allen Klimakatastropenbeschwörern zum Trotz !

Wer Geld hat der lässt das alles, von einem Architekten begleitet, fachmännisch bis unter das Fundament mit Drainage machen und wer kein oder wenig Geld hat muss halt mit der Pfütze im Keller leben oder halt die Hand selber anlegen. In Eigenregie und mit wenig Geld reicht manchmal schon ein Sperrputz von aussen und ein wenig Teer darüber um 30-40 Jahre zu überbrücken... das sollte man aber erst machen wenn man die Ursache kennt und abschätzen kann ob das reicht !

Zum Thema Kapilarwirkung sei noch erwähnt das so manche Burg einen Wassergraben drumherum hatte und die Leute sind im Erdgeschoss nicht wegen Schimmelbildung reihenweise umgefallen ! Selbst in Venedig stehen die Häuser im Wasser und sind nicht bis oben voll mit Wasser gesogen !

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Datura ist offline
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Beiträge: 5.003
Seit: 09.01.10
Danke, Mike!

die Leute sind im Erdgeschoss nicht wegen Schimmelbildung reihenweise umgefallen ! Selbst in Venedig stehen die Häuser im Wasser und sind nicht bis oben voll mit Wasser gesogen !
Soviel ich gelesen habe, wurde das untere Stockwerk oft als Wirtschaftsräume genutzt, im ersten Stock hat man dann gewohnt, aber natürlich geht das Wasser nicht nach ganz oben (durch Kapillarwirkung). Wenn ich Lust habe, die Quelle zu suchen, tue ich das.

Ich bin da nicht ganz sicher, je nachdem, wo die Erde gerade aufhört, ob man nicht doch auch eine Horizontalsperre machen muss. Ich weiß von Leuten, die ein altes Bauernhaus haben (steht in feuchter Gegend, ohne Keller) und vertikal alles offen hatten und eine Schicht außen drangemacht haben, die hattens immer noch feucht danach. Da der Typ alles selbst gemacht hat, hat der eine Steinschicht aufgemacht (Meter für Meter) und Aluminiumblech darein gemacht. Erst dann war das Haus trocken

Aber das nur nebenbei, Ursachensuche ist das Wichtigste erstmal.

Liebe Grüße
Datura

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Puistola ist offline
Beiträge: 930
Seit: 06.08.08
Zitat von Mike Beitrag anzeigen

Wenn man eine Firma mit der Sanierung beauftragt sollte man die Ursache kennen sonst kann viel Geld in unnützem Zeug landen. Es sei zu erwähnen das ein Baubiologe ...

Selbst in Venedig stehen die Häuser im Wasser und sind nicht bis oben voll mit Wasser gesogen !
An diesem Haus gibt es wohl nicht "die Ursache", sondern eine ganze Reihe von Mängeln. Ohne gründliche Analyse ist es vollkommen sinnlos, bauliche Massnahmen zu ergreifen. Sollte ma das Haus sanieren wollen, ist nicht der "Baubiologe" der richtige Ansprechpartner, sondern der Bauphysiker.
Denn das primäre Problem ist nicht der Schimmel, der ist lediglich ein Symptom, sondern die Feuchtigkeit. Und die ist das Kernfach des Bauphysikers.


Noch ein Wort zu Venedig:

Doch, die Feuchtigkeit dringt heute in den meisten Palazzi bis ins erste oder zweite Obergeschoss. Das ist ja das Kernproblem der Serenissima.
Einst wurden die Fundamente auf Holzpfählen aufgebaut, mit Backsteinen. Dann kamen zwei Lagen weissen Marmors, und erst darauf wurde dann weitergebaut mit Backstein. Dieser Marmor funktionierte bestens als Kapillarsperre. Da nun die ganze Insel langsam absinkt und wegen der Tiefwasserrinnen nach Mestre die Hochwässer massiv zugenommen haben, übersteigt der Wasserstand nun viel öfter diese Marmor-Sperre der Palazzi, womit sich das darüberliegende Mauerwerk eben kapillar vollsaugen kann.

Die übliche Sanierung in Venedig beinhaltet Injektionen mit dünnflüssigem Kunstharz oberhalb des höchsten angenommenen Wasserspiegels. So etwas könnte auch für das Kellergewölbe hier in Frage kommen, aber bitte est nach einer gründlichen Analyse der gesamten Umstände.

Und noch einmal rege ich an, zu prüfen, ob ein Umzug in ein trochenes, von vornherein schadstoffreies Haus nicht einfacher wäre.


Puistola,
der grad umgezogen ist mit ganz akzeptablen Ergebnissen.


edit:
Antwort @ Daturas Beitrag 14

Selbstverständlich waren die wassernahen Erdgeschosse stets Keller- oder Wirtschaftsräume in Venedig. Aber auch die waren einst so hoch über dem Wasser angelegt, dass sie im Prinzip nicht überschwemmt wurden. Nun, da die Marmor-Sperrschicht oft überschwemmt wird, wird das Wasser eben weit in die Wohngeschosse hinauf befördert durch die Kappillarwirkung.

Das etappenweise Einziehen von Blechen in die Wände eines Hauses mit aufsteigender Feuchtigkeit ist eine gute Möglichkeit, im Effekt entsprechend den Injektionen oder der doppelten Schicht Marmor der venezianischen Palazzi:
Das darunterliegende Mauerwerk und Fundament bleibt feucht, die darüberliegenden Bauteile können austrocknen, soweit nicht andere Feuchtigkeitsquellen vorhanden sind.

Das Gewölbe bliebe als feucht und müsste durch eine Zwangs-Dauerlüftung vor übermässiger Schimmelbildung geschützt werden. Auch müsste die Verbindung zwischen Haus und Keller Luftdicht verschlossen werden. Sonst wabern die Sporen weiterhin im ganzen Haus herum.

Doch das sind Spekulationen, weil ich das Haus nicht kenne.
Mehr weiss der Bauphysiker nachdem er das Haus gründlich untersucht hat.

Puistola

Geändert von Puistola (08.02.11 um 10:35 Uhr)

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Datura ist offline
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Datura ist offline
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Beiträge: 5.003
Seit: 09.01.10
Danke, Puistola, für Deine Ergänzung!

Datura

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Mike ist offline
Beiträge: 1.855
Seit: 16.02.05
@Puistola

da bekommt der Spruch:

"Vernedig sehen und sterben..." bei so vielen Sporen gleich eine ganz andere Bedeutung

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Schwester E ist offline
Themenstarter Beiträge: 365
Seit: 18.11.09
Hallo,

dem Keller können wir uns erst in zwei, drei Monaten widmen, der bleibt halt bis auf weiteres zu.

Eine andere riesige Baustelle ist der Schimmel in einem grossen Zimmer im 1.Stock; und zwar haben wir, ich traue es mich kaum zu sagen, ihn selber ins Haus geschleift und regelrecht gezüchtet, mit schimmeligem Brennholz! Tja, Monsieur meinte, man könne Holz im Schuppen trocknen, meine Proteste wurden damals stur überhört Ich bin durch Zufall darauf gekommen, als mir auffiel, wenn wir anderes Holz hatten, es mir besser ging. Ausserdem sieht man an vielen Holzstücken die Sporen Jetzt haben wir die Quittung und ich den Schaden. Aber es wird noch schlimmer: In diesem Zimmer mit altem Holzboden, in das wir auch immer das angegammelte Holz gezogen hatten, entsteht jedesmal ein unerträglicher Gestank nach Chlor und Schimmel, wenn das Zimmer darunter geheizt wird. Jetzt hatten wir die Wände clean, und haben aber immer noch versteckten Schimmel unter dem Fussboden. Schöne Sauerei, das dürfen wir alles rausreissen. Dann wird gefliesst, was anderes kommt mir da nicht mehr rein!

So hat man immer zu tun.
__________________
90% der Weltsojaernte und 60% der Weltgetreideernte werden an "Nutztiere" verfüttert.

Wasser im Gewölbekeller, Schimmelallergie Typ IV HILFE

Datura ist offline
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Seit: 09.01.10
Oh mein Gott, das hört sich nicht gut an!

Ich wünsche Euch Kraft beim Sanieren und gutes Gelingen!

Datura


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