Ich will nicht annehmen?

21.08.08 10:34 #1
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Juliette ist offline
Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Annehmen ist die Voraussetzung etwas loslassen zu können. Um etwas loszulassen, wie einen Stein, muss ich ihn erst einmal in die Hand nehmen. Aber was ist, wenn den Menschen eine Lebenssituation, eine Krankheit Tag und Nacht beschäftigt, so das er nicht annehmen will.

Das ist verständlich und menschlich. Wie kann man etwas annehmen wollen was man im tiefsten Innern nicht haben will, was man los sein möchte, weil es einen zu sehr schmerzt, was man regelrecht hasst?

Ich denke mal das Annehmen an sich ist eine Art Willensakt, den man für sich Selbst und für keinen anderen tut. Denn alles was man nicht haben will bekämpft man mit seinen Gefühlen Wut, Angst, Hass. Diese Gefühle spielen sich aber im eigenen Körper ab und nicht im Außen. Man ist ständig in Alarmbereitschaft, bereit für den Kampf.

Annehmen heißt nicht das man die Krankheit, die Lebenssituation nicht ändern möchte, es heißt aber das man den Widerstand, den Kampf aufgibt und damit den Gefühlen Wut, Angst und Hass den Wind aus den Segeln nimmt. Wer in Wut, Angst oder Hass ist, der merkt das sehr gut. Ein Gefühl wie wenn alles kribbelt, einem den Magen abquetscht, den berühmten Kloß im Hals, man ist wie betäubt. Diese Gefühle schnüren die Lebensenergie ab. Das heißt die Muskeln ziehen sich zusammen, die Blutzufuhr wird eingeschränkt, es kommt zu Sauerstoffmangel in den Zellen und das wiederum führt irgendwann zu neuen Krankheitsbildern, oder verstärkt die Alten.

Klingt logisch und trotzdem fällt das Annehmen schwer. Was tun?
Wenn man versucht von Sekunde zu Sekunde zu leben, und nicht von Tag zu Tag, dann ist es doch egal was mit der Krankheit ist, oder mit der Lebenssituation. Es gibt nur noch das hier und jetzt, vielleicht sitzt man im Auto, vielleicht ist man gerade am Spülen, oder auf der Arbeit.
Wenn man annimmt tut man es nicht für die Krankheit und auch nicht für die nicht so schöne Lebenssituation, sondern für sich selbst, weil man sich selbst "Liebt".

Habt ihr das schon einmal erlebt, dieses Feststecken und auf keinen Fall haben wollen und ist es euch besser gegangen als ihr sagtet, ich tue das für mich, ich nehme es an wie es ist?

Grüsse von Juliette

Ich will nicht annehmen?

Manuela ist offline
Beiträge: 1.510
Seit: 31.03.08
Hallo Juliette, ja dieses Gefühl kenne ich sehr gut. Vor ca. 5 Wochen steckte ich noch mittendrin. Ich wollte etwas ändern, aber es lag nicht an mir alleine und das machte es schwierig. Doch mein Mut zu sagen, jetzt ist Schluss, das muss anders werden hat mir plötzlich neue Wege gezeigt. Klingt vielleicht komisch, aber ich kenne nun das Gefühl von genießen wieder und das Gefühl sich selbst Gutes zu tun. Seit langem konnte ich wieder diese Freude spüren, die ich gar nicht mehr kannte. Ich kann mal wieder ganz entspannt in einem Cafe sitzen und einen Kaffee und Kuchen genießen. Ich hoffe ich kann dieses Gefühl behalten und es entgleitet mir nicht mehr. Ich arbeite schon lange an mir um wieder auf die Beine zu kommen, aber stets kam wieder ein Schlag, der mich wieder zurückgeholt hat in das Gefühl von Hilflosigkeit. Für mich ist es schwierig anzunehmen, wenn jemand anders mir etwas "einbrockt", d.h. wenn ich in eine Situation gelange, die ich nicht herbeigeführt habe. Weißt DU einen Rat wie man dann damit umgehen kann? Wie kann ich das Annehmen erleichtern für Situationen, die ich nicht herbeigeführt habe, ich aber damit leben muss? Ich hoffe, dass ist nicht so kompliziert wie ich mich ausgedrückt habe.

Liebe Grüße Manuela0607

Ich will nicht annehmen?

Juliette ist offline
Themenstarter Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Hallo Manuela,

ich verstehe gut was du meinst.

Ich kann dir allerdings nur das sagen, was ich selbst mache. Ob der Tipp für dich auch hilfreich ist, ich hoffe es mal.

Ich glaube jeder Mensch macht hin und wieder die Erfahrung, das er vor eine Situation gestellt wird, in der er sich fragt, wieso das, und was kann ich dafür? Du schreibst du das dich gewisse Situationen hilflos machen, weil du das gute Gefühl nicht verlieren willst. Ich glaube man ist niemals hilflos, oder halt nur für einen Moment lang.

Ich habe die Erfahrung gemacht, das ich immer wieder vor die gleiche Situation gestellt werde, bis ich sie in meinem inneren gelöst habe, das heißt meine eigene Einstellung dazu geändert habe.
Wenn solche Situationen auftauchen, die einen runterziehen, dann frage ich mich was kann ich daraus lernen.
Das ist nicht immer angenehm.
Es kann sein, das man lernt auch mal den Mund aufzumachen und zu sagen was einem nicht gefällt, allerdings ohne Anklage und Bewertung.
Es kann aber auch sein, dass man seine Einstellung ändern sollte zu einer bestimmten Person, Lebenssituation usw.
Ich glaube das Annehmen einer Situation fällt einem leichter, wenn man sich sagen kann, sie war für irgendetwas gut. Aber wenn man noch in der Situation steckt, dann fällt das manchmal verdammt schwer. Man kann sich aber auch generel angewöhnen alles anzunehmen, weil es einem dadurch, wie ich schon schrieb, einfach selbst besser geht und das sollte einem das wichtigste überhaupt sein.

Gut ist es, wenn man lernt seinen Selbstwert nicht über andere Personen zu definieren, sondern seinen Wert kennt.
Ich könnte dir noch viel erzählen, aber besser ist es ich empfehle dir ein kleines Büchlein, das wie ich finde gut zu diesem Thema passt. Ich habe es an anderer Stelle schon einmal vorgestellt:

www.symptome.ch/vbboard/aktiv-besserem-lebensgef-hl/26168verschreibungen-gl-cklichsein.html


Grüsse von Juliette

Geändert von Juliette (21.08.08 um 16:49 Uhr)

Ich will nicht annehmen?

Oregano ist offline
Beiträge: 63.688
Seit: 10.01.04
Hallo Manuela,

Für mich ist es schwierig anzunehmen, wenn jemand anders mir etwas "einbrockt", d.h. wenn ich in eine Situation gelange, die ich nicht herbeigeführt habe
MIr kam dabei der Gedanke, daß jemand anderer mir kaum etwas Haltbares "einbrocken" kann, wenn ich mich dagegen abschirme und für mich und andere darüber im Klaren bin, daß ich mir nichts einbrocken lasse und daß andere gefälligst ihre eigene Suppe auslöffeln sollen.
Der Anfang dazu ist, daß man anfängt, sich bei solchen Situationen, in denen man gerade "vereinnahmt wird" zu fragen "ist das mein Problem" oder ist das ein fremdes Problem? Wenn das erst einmal klar ist, kann man sich meistens sehr gut aus der gerade ausgelegten Schlinge ziehen und die Verantwortung dort lassen, wo sie hingehört.

Gruss,
Uta

Ich will nicht annehmen?

Manuela ist offline
Beiträge: 1.510
Seit: 31.03.08
Hallo Juliette, hallo Uta!

Danke für das Schreiben eurer Sichtweise. Das hilft mir sehr mich in dieser Richtung weiterzuentwickeln. Wenn ich mal wieder das Gefühl bekomme in einer Sackgasse zu stehen, dann werde ich mir eure Zeilen durchlesen. Vielen Dank. Wünsche euch bis zum nächsten Mal alles Gute.

Gruß Manuela


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