Kreatives Schreiben als therapeutisches Mittel

19.11.07 19:18 #1
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Leòn ist offline
Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Regelmäßige Schreiberfahrung kann dazu führen, Entdeckungen über unbewusste Neigungen und Wünsche zu machen, weil der Schreibprozess immer wieder zu ähnlichen Themen, Stichworten und weiterführenden Gedanken führt.

Dieses Phänomen lässt sich therapeutisch nutzen. Ähnlich wie das selbstverständliche Sprechen in der Therapie ist Schreiben eine Form von Selbstausdruck, bei der der Schreiber nicht nur handelt, sondern zugleich das Ergebnis seines Handelns betrachtet. Jürgen vom Scheidt unterscheidet deshalb zwischen dem inneren Schreiber und dem beobachtenden Ich. Obwohl die meisten Schreibprozesse in dieser Perspektive betrachtet werden können, ist es ratsam, den bewussten therapeutischen Einsatz kreativer Schreibmethoden professionell von einem Poesie- und Schreibtherapeuten begleiten zu lassen.
Kreatives Schreiben - Wikipedia

http://iek-braunschweig.de/documents...rapeut_000.pdf


Herzliche Grüße von
Leòn

Kreatives Schreiben als therapeutisches Mittel

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Nicht nur viele Schriftsteller berichteten von den positiven, therapeutischen Wirkungen des Schreibens.

Freud zählte es zu den Möglichkeiten der Sublimierung.

Hier gibt es einen sehr interessanten und gut lesbaren Aufsatz/ Vortrag über das therapeutische Schreiben:
http://www.isppm.de/Congress_HD_2005...sychologie.pdf

Daraus ein paar Beispiele von - wie ich finde - teilweise erstaunlichen Folgewirkungen:

1. So konnte der Herzspezialist D. Ornish nachweisen, dass regelmäßiges Tagebuchführen
unter besonderer Berücksichtigung des Niederschreibens belastender Gefühle den
unregelmäßigen Blutdruck von Probanden nachhaltig stabilisieren konnte.

2. Chronische Schmerzsymptome lassen sich insbesondere bei Frauen durch
Niederschreiben der eigenen Befindlichkeit und schreibendes Aufarbeiten der eigenen
Lebensgeschichte lindern.2
...
3. Die Erholungsprozess von Alkoholmissbrauch lässt sich durch derartige Angebote
reichlich intensivieren und zugleich verkürzen.3

4. HIV-positive Patienten haben mit Hilfe des therapeutischen Schreibens nicht nur lernen
können, mit ihrer Krankheit zu leben, sondern die Zahl ihrer Lymphozyten erhöhte sich
nachhaltig 4
Herzliche Grüße von
Leòn

Kreatives Schreiben als therapeutisches Mittel

Cailly ist offline
Beiträge: 261
Seit: 19.11.06
Moin Leon,

ich hab das mit dem "schreiben" unbewußt ausprobiert in meiner eigenen Therapie....

erste Therapeutin wollte das gar nicht, hat sich immer wieder geweigert irgendetwas das ich geschrieben hatte zu lesen... Therapie bei ihr wurde abgebrochen, da ich auch immer weniger und schlechter mit ihr reden konnte.

zweiter Therapeut hat es nicht nur gelesen sondern auch mit mir besprochen, hat es auch unterstützt das ich mit dem schreiben weitermache und bestimmte Richtungen angeregt....Therapie wurde erst abgebrochen (Beendet ist sie nicht) als die Krankenkasse nicht mehr weiter Zahlen wollte.

Wobei ich dazusagen muss, das erst der zweite Therapeut überhaupt so weit an mich rankam das er die Komplexität der bei mir vorliegenden Probleme und traumatischen Erlebnisse überblicken konnte. Durch den Zeitdruck von der KK konnten wir aber nicht wirklich alles durcharbeiten, sondern haben oft nur bis zu dem Punkt gearbeitet wo ich dann in der Lage war irgendwie mit den einzelnen Bereichen einen Weg zu finden damit um zu gehen.
Bei mir kommt noch dazu das die am stärksten traumatisierten Anteile gar nicht reden können - also nur die schriftliche Form überhaupt möglich ist zur Komunikation.

Liebe Grüße,
Cailly

Kreatives Schreiben als therapeutisches Mittel

Eriophorum ist offline
Beiträge: 394
Seit: 20.07.07
Zitat von Cailly Beitrag anzeigen
Bei mir kommt noch dazu das die am stärksten traumatisierten Anteile gar nicht reden können - also nur die schriftliche Form überhaupt möglich ist zur Komunikation.

Liebe Grüße,
Cailly
Hallo Cailly,

wie wahr!

Ich habe vor Jahren einmal eine ähnliche Erfahrung gemacht. Einem bestimmten Menschen gegenüber konnte ich mich nur schriftlich äußern. Mündlich hätte ich es nicht über mich gebracht ...

Herzliche Grüße

Jürgen

Kreatives Schreiben als therapeutisches Mittel

meike kraft ist offline
Beiträge: 214
Seit: 12.08.07
hallo ihrs
hab erst HEUTE dieses thema vorgefunden und mir wird ganz schlecht u. mein herz klopft bis zum halse u. ich bekomme nasse hände....
boooooo neeeeeeeee tut mir alles weh in mir....
und zwar deshalb weil ich eine rolfing therapie begann, wo ich aufgefordert wurde, ein rolfing-tagebuch zu schreiben u. dann schickte ich die eintragungen dahin u. eine ganze zeit wurde das auch begrüßt
UND DANN
wurde ich einfach so ganz billig und fies weggeworfen, obschon wir uns die ganze zeit sehr gut verstanden hatten.
UND
ich weiß bis heutezu nicht, warum das passiert ist.
ich hab ihn immer u. immer wieder gefragt u. nie eine antwort darauf erhalten.
ich bin derbe traumatisiert, hatte zunächst dann die sprache verloren (mittels akupunktur wieder hergestellt innerhalb kürzester zeit), hab hörsturz bekommen, habe jegliches vertrauen verloren. habe mich zurückgezogen, laß nur noch meine bestfreunde an mich ran. bin nicht mehr die, die ich war. mein leben steht auf dem kopf und jeden tag kämpfe ich mich in einen neuen tag.
UND
das rolfing-tagebuch wurde zu einem trauma-tagebuch u. es ist einfach nur schrecklich und alles tut mir weh.

LG meike

Kreatives Schreiben als therapeutisches Mittel

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo Meike,

schön, dass Du Dich hier meldest !

Natürlich kann man das Schreiben (zum Beispiel als "Therapie - Tagebuch") innerhalb des Prozesses im Zusammenspiel zwischen KlientIn und TherapeutIn nutzen.

Immer bleibt hier eine, wie bei jeder TherapeutInnen - KlientInnen - Interaktion eine große Verantwortung bei Therapeuten/ innen, sensibel und einfühlsam mit KlientInnen umzugehen. Dass Du da schlechte Erfahrungen gemacht hast tut mir sehr leid!

Ich selbst habe das "Schreiben an sich" - schon seit meiner Kindheit, als therapeutisch heilsamen Prozess erlebt und kann dies bis heute immer wieder neu erfahren. Ich meine hier vor allem das "literarische" Schreiben: denn hier habe ich kleiner, "hilf- und machtloser" Mensch, die Möglichkeit, stark und "mächtig" zu sein. Ich kann, Personen, Handlungen Schicksale, ja ganze Welten erschaffen. Ich kann "mich" zum Helden von "Dramen", "Abenteuern" und "Komödien" machen und so fort. Das hatte für mich immer etwas sehr befreiendes. Auch das Gefühl, einen Text, also ein "Werk", auch wenn es vielleicht nur ein kurzes Gedicht ist, fertig zu stellen, hat für mich oft etwas befriedigendes!

Hast Du ähnliches vielleicht auch schon mal erfahren?

Herzliche Grüße von
Leòn

http://www.symptome.ch/vbboard/ander...ib-ecke-2.html

Geändert von Leòn (07.03.08 um 13:15 Uhr)

Kreatives Schreiben als therapeutisches Mittel
Männlich Bodo
Meine Therapie ist das Schreiben. Ich schreibe ohne Wenn und Aber.

Das Forum erfreut sich daran, mich heilt es.

Spontan im Chat - dezidiert in den Postings.















LG, Bodo

Kreatives Schreiben als therapeutisches Mittel

meike kraft ist offline
Beiträge: 214
Seit: 12.08.07
hallo leon
nee ich hab so keinerlei erfahrungen mit schreiben u. hatte dies nur deshalb aufgenommen, weil mir das empfohlen wurde von dem rolfer
ich eigne mich da so gar nicht als schriftsteller(in).

und nun schreibe ich weiter in sache trauma, um einfach nur zu überleben und um sicher zu stellen, meinen mann und meine freunde bloß nicht zu überfordern, weil ich so angst davor habe, daß sie in die knie gehen könnten davon, denn ich weiß doch nicht, wie lange mich das trauma begleitet.

ich bin derzeit froh, mich nicht nur in meiner spalte aufzuhalten (wo ich begonnen hatte über das trauma mit dem therapeuten zu erzählen), sondern mir inzwischen möglich ist, mich umzusehen u. spannende themen aufzunehmen und mich mal überhaupt einzubringen.

ich wundere mich über euch alle, die ihr ein tagebuch vllt schon einmal begonnen hattet zu schreiben, daß dies zu einer erleichterung führen kann, denn ich tu mich schwer, meine aufzeichnungen dann in die schublade zu schieben. ich brauch da irgendwie ein gegenüber, auch wenn da u.U. keinerlei reaktion kommt (wie bei dem rolfer, dem ich auch lediglich hinschickte).

ich bin froh, in der lage zu sein, die buchstaben aneinander zu fügen u. zu einem brief werden zu lasse, weil ich auf diese weise derzeit am liebsten kontaktiere, weil ich mich so zurückgezogen habe nach dem trauma und noch meine wunden lecken muß. aber wenn ich -mittels brief- kontaktiere fühle ich mich damit im moment wohler.

ich muß mal lesen, was du mir da via link überlassen hast
u. ich werde da sicherlich über dich und andere aus dem hiesigen forum staunen.....

dir sehr liebe grüße von meike

Kreatives Schreiben als therapeutisches Mittel

pita ist offline
Beiträge: 3.139
Seit: 08.04.07
Zitat von meike kraft Beitrag anzeigen
ich bin derzeit froh, mich nicht nur in meiner spalte aufzuhalten (wo ich begonnen hatte über das trauma mit dem therapeuten zu erzählen), sondern mir inzwischen möglich ist, mich umzusehen u. spannende themen aufzunehmen und mich mal überhaupt einzubringen.
Hallo Meike

Das freut mich auch sehr .

Liebe Grüsse
pita

Kreatives Schreiben als therapeutisches Mittel

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo Meike,

mir fällt es meist am leichtesten, wenn das was ich erzählen möchte "nichts mit mir zu tun hat" Natürlich hat es immer mit mir zu tun, aber ich schaffe eine Distanz durch die Sie/ Er - Perspektive, die Einführung anderer Namen, Orte, Handlungen. Besonders "frei" fühle ich mich, wenn ich märchenhafte, bzw. fantastische Themen gestalten kann!

Herzliche Grüße von
Leòn


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