Patientenverfügung (u.a. Essen/Trinken am Lebensende)

16.06.15 19:46 #1
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Kate ist offline
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Hallo zusammen,

bei ausführlichen Recherchen im Rahmen der Erstellung meiner Patientenverfügung, teilweise auch angeregt durch Aussagen meines Hausarztes (der anmerkte, dass es auch palliative Situationen geben könne, in denen eine geringe Flüssigkeitszufuhr Sinn machen könne) stieß ich auf ein hochinteressantes, sehr differenziertes und mir sehr kompetent erscheinendes Dokument des Palliativmediziners Dr. Matthias Thöns, das ich Euch gern verlinken möchte:

Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe > 403 <

Den meisten, die sich mit Ihrer Patientenverfügung befasst haben, oder der bspw. einer nahestehenden Person, oder sich palliativmedizinisch weitergebildet haben, wird die Broschüre des bmj (Bundesministerium für Justiz) mit Textbausteinen bekannt sein:

http://www.bmjv.de/SharedDocs/Downlo...ublicationFile

Von dem oben schon genannten Dr. Thöns gibt es eine kommentierte Version der Textbausteine, die weitere Anregungen für gewisse Differnzierungen gibt (nach welcher Zeitspanne ein Zustand beurteilt werden sollte, insbesondere nach akuten Ereignissen wie Unfällen oder plötzlichen Erkrankungen):

http://www.der-schlafdoktor.de/pvbmj2010palli.pdf

Gruß
Kate

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Meine Aussagen basieren auf eigenen Erfahrungen/Recherchen und stellen keinen medizinischen Rat dar.

Geändert von James (19.09.15 um 21:31 Uhr)

Essen und Trinken am Lebensende

Wildaster ist offline
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Vielen Dank ,liebe Kate!
Ich musste mich lange mit dem Thema ,,Essen und Trinken am Lebensende "auseinandersetzen und habe intuitiv die richtigen Entscheidungen für meine Lieben getroffen.

Noch immer habe ich keine Patientenverfügung und gerade durch meine Erfahrungen weiß ich wie wichtig und notwendig sie ist.
Nun habe ich ja deinen Link als Ansporn Kate und gehe es an.

Liebe Grüße von Wildaster
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Wir haben Fröhlichkeit nötig und Glück,Hoffnung und Liebe.( Vincent van Gogh)

AW: Essen und Trinken am Lebensende

James ist offline
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Hallo,

auch ich habe zusammen mit meiner Frau die "Endsituation" verarbeitet. Wir sind durch unsere Erfahrungen zu dem Schluß gekommen, dass das unvermeidbare Ende letztlich nur verzögert aber nicht aufgehalten werden kann. Eine Verzögerung bedeutet in den meisten Fällen jedoch nur eine Verlängerung der Leidenszeit. Deshalb lehnen wirz.B. künstliche Ernährung ab. Mein Vater war altersdement und verlernte wie man schluckt. Auch er hatte eine Patientenverfügung, die eine Verlängerung des Sterbens ausschloss. Ich hatte nie den Eindruck, dass er unter Nahrungs- und Wassermangel litt, eher unter seinem Geisteszustand, den er in wachen Momenten durchaus noch wahr nahm.
Ich möchte an dieser Stelle noch mal an alle unsere Leser appellieren: MACHT eine Patientenverfügung, legt Euren Willen offen! Wer sich dazu nicht aufraffen kann, begibt sich in Hände die entweder am Verdienst oder an anderen Dingen aber nicht an Euren Willen interessiert sind!
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Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

AW: Essen und Trinken am Lebensende

Kate ist offline
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Ich schließe mich dem Appell an und empfehle Euch noch, Euch wirklich damit auseinanderzusetzen.

Aus meiner Sicht taugen die Textbausteine des bmj ganz gut als Gerüst, könnten aber noch ergänzt werden. Eine Beratung mit einem palliativmedizinisch geschulten Arzt und/oder bei einem Hospizverein ist ratsam. Eine Vorsorgevollmacht sollte, wenn irgend möglich, einer sehr vertrauten Person, besser zwei Personen erteilt werden.

Noch ein sehr lesenswertes Dokument möchte ich Euch verlinken: http://www.imgwf.uni-luebeck.de/_data/Husebo_Ethik.pdf

Es handelt sich soweit ich das sehe um das 2. Kapitel "Ethik" aus dem Buch "Palliativmedizin" von S. Husebø (Hrsg.) und E. Klaschik (Hrsg.), Inhaltsverzeichnis hier: http://link.springer.com/content/pdf...1549-6%2F1.pdf

Daraus (Quelle: erster Link) eine Textstelle, die verdeutlicht, wie komplex die Thematik ist, und dass es ratsam sein könnte, pauschale Vorschriften zur Unterlassung bestimmter Maßnahmen zu überdenken:
Beim zerebrovaskulären Insult folgt oft eine Halbseitenlähmung und eine Bewusstseinstrübung des Patienten. Als Folge davon kann dieser völlig außerstande sein, Nahrung oder Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Es kann sogar vorkommen, dass ein solcher Patient sich weigert, mit Hilfe anderer Nahrung und Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Diese Weigerung kann auf die auf den Schlaganfall folgende Bewusstseinsstörung zurückzuführen sein.
Diese Krankheitssymptome können, wie wir wissen, reversibel sein. Erst nach Tagen oder Wochen der aktiven herapie kann genauer bestimmt werden, wie schwer der Gehirnschaden und die Funktionsstörung des Patienten sind und ob sie irreversibel sein werden. Während dieser Zeit wird es aber richtig sein, dem schwerkranken Patienten, ielleicht sogar gegen seinen bewusstseinsgetrübten Willen, eine maximale Therapie anzubieten.
... bzw. Anwendungssituationen genau zu beschreiben.

Gruß
Kate
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Geändert von Kate (17.06.15 um 20:05 Uhr)

Palliativmediziner Dr. Thöns bei Lanz im ZDF (25.06. 23:15)

Kate ist offline
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Dr. Thöns, erwähnt schon hier

Zitat von Kate Beitrag anzeigen
... bei ausführlichen Recherchen im Rahmen der Erstellung meiner Patientenverfügung,... stieß ich auf ein hochinteressantes, sehr differenziertes und mir sehr kompetent erscheinendes Dokument des Palliativmediziners Dr. Matthias Thöns, das ich Euch gern verlinken möchte:

http://www.diakonie-rwl.de/cms/media...Lebensemde.pdf

(...)

Von dem oben schon genannten Dr. Thöns gibt es eine kommentierte Version der Textbausteine, die weitere Anregungen für gewisse Differnzierungen gibt (nach welcher Zeitspanne ein Zustand beurteilt werden sollte, insbesondere nach akuten Ereignissen wie Unfällen oder plötzlichen Erkrankungen):

http://www.der-schlafdoktor.de/pvbmj2010palli.pdf
wird morgen abend nach meiner Information im TV zu sehen sein - bei "Lanz" (Sendezeit 23:15 - 00:30, ZDF).

Gruß
Kate
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AW: Essen und Trinken am Lebensende

James ist offline
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Seit: 20.05.08
Da es trotz Google & Co doch etwas schwierig ist seriöse Anregungen und Vorlagen zu einer Vorsogevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung zu finden, setze ich hier mal den Link Betreuungsvereine Sachsen-Anhalt zu den Betreuungsvereinen Sachsen-Anhalt ein, da die Vorlagen grundsätzlich bundesweit gelten. Die Seite wird zwar gerade überarbeitet deshalb bitte unter Vorsorge den Button "Patientenverfügung" anklicken und dann "Broschüre BMJ". So erhält man zu allen 3 Fragen Infos.
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Gruß, James

AW: Essen und Trinken am Lebensende

Kate ist offline
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Auch interessant aus meiner Sicht:

https://de.wikipedia.org/wiki/Schied...verf%C3%BCgung

Diese Schiedsstelle ist laut Wikipedia allerdings umstritten:
Der Spiegel fragt: "Haben der Mitbesitzer eines Pharmakonzerns und der Mitbesitzer einer Klinikkette dabei ausschließlich die Interessen kranker Menschen im Auge?" Hingegen ist in den Gremien der Stiftung kein einziger Patientenvertreter oder Angehörige von betroffenen Patienten. Im Februar 2014 beantragte die Deutsche Stiftung Patientenschutz beim Bundesministerium für Gesundheit (BMG) als fünfter Verband für die Patientenvertretung im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) anerkannt zu werden, welcher in vielen Bereichen über den Leistungsanspruch der gesetzlich krankenversicherten Menschen rechtsverbindlich zu entscheiden hat. Im März 2014 erfolgte ein Ablehnungsbescheid des BMG, die Deutsche Stiftung Patientenschutz als maßgebliche Patientenvertretung anzuerkennen. Laut BMG müssen maßgebliche Patientenvertretungsverbände die Belange von Patientinnen und Patienten nach ihrer Satzung ideell und nicht nur vorübergehend fördern.
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsc...nschutz#Kritik

Ein Passus in der Patientenverfügung, dass bei Konflikten (zwischen Vertreter, d.h. Bevollmächtigtem oder Betreuer und Arzt) vor Einleitung eines Gerichtsverfahrens eine Schlichtung durch eine staatlich anerkannte Gütestelle versucht werden sollte, könnte aus meiner Sicht Sinn machen, weil dies Zeit und Geld spart. Hier hatte ich an die "Schiedsstelle" Patientenverfügung der "Deutschen Stiftung Patientenschutz" gedacht, bin aber durch diese Kritik etwas irritiert.

Dass man es hinbekommt, eine Patientenverfügung "eindeutig" zu gestalten, halte ich mittlerweile schon für eine anspruchsvolle Aufgabe. Und auch, wenn man da dicht am Optimum ist, ist es wohl nicht unwahrscheinlich, dass Situationen mit Interpretationsspielraum auftreten.

Beratung ist unbedingt anzuraten. Beim hiesigen Hospizverein fand man übrigens die Textbausteine des bmj brauchbar, sie werden von dort aus auch empfohlen. Eine (zusätzliche) Beratung mit einem in Palliativmedizin kundigen Arzt halte ich für sinnvoll.

Die Ergänzungen von Dr. Th. in obiger Fassung der Textvorlage des bmj basieren teils auf Statistiken, teils auf eigenen Erfahrungen, wie ich erfuhr.

Gruß
Kate

Gruß
Kate
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Geändert von Kate (26.06.15 um 15:52 Uhr)

Palliativmediziner Dr. Thöns bei Lanz im ZDF (25.06. 23:15)

Kate ist offline
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Zitat von Kate Beitrag anzeigen
Dr. Thöns, (...) wird morgen abend nach meiner Information im TV zu sehen sein - bei "Lanz" (Sendezeit 23:15 - 00:30, ZDF).
Also, am 25.06. war Herr Dr. Thöns nicht bei Lanz. Braucht Ihr also ggf. nicht in der Mediathek zu suchen. Sowas gibt es wohl manchmal bei Fernsehsendungen, dass nicht ganz klar ist, was wann gesendet wird

Gruß
Kate
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AW: Essen und Trinken am Lebensende

Juliane50 ist offline
Beiträge: 816
Seit: 31.01.12
Ich hatte hier mal einen Entwuf gemacht, wie eine Patientenverfügung für MCS Patienten aussehen könnte.

Basteln wir mal eine Patientenverfügung
CSN - Forum • Thema anzeigen - Basteln wir mal eine Patientenverfügung

Den Text kann man individuell abwandeln.

AW: Essen und Trinken am Lebensende

Kate ist offline
Themenstarter Moderatorin
Beiträge: 10.477
Seit: 16.11.04
Hallo Juliane,

eine gute Idee und Du hast Dir da auch einige Gedanken gemacht (Ich werde in meiner Patientenverfügung auch so einiges zu Lebensmittel- und Medikamentenunverträglichkeiten stehen haben...)

Zumindest für Deutschland ist noch folgendes zu beachten, das Du nicht direkt erwähnt hast (und das habe ich anfangs auch immer wieder vergessen, der Mensch vom Hospizverein musste mich bestimmt 3 mal innerhalb der Beratung darauf hinweisen): Eine Patientenverfügung gilt ausschließlich für den Zustand der "Einwilligungsunfähigkeit".

Einwilligungsfähigkeit wurde in der Rechtsprechung in Bezug auf medizinische Maßnahmen wie folgt definiert:
Einwilligungsfähig ist, wer Art, Bedeutung und Tragweite (Risiken) der ärztlichen Maßnahme erfassen kann. (BGH, Urteil vom 28.11.1957, 4 Str 525/57; BGH NJW 1972, 335; OLG Hamm FGPrax 1997, 64).
Quelle: Einwilligungsfähigkeit – Betreuungsrecht-Lexikon

Das zeigt auch, dass es kein "einfacher" Begriff ist. Denn nicht nur die kognitive Verfassung des Patienten spielt dabei eine Rolle, sondern auch die Komplexität der medizinischen Maßnahme über die aktuell zu entscheiden ist (der Begriff ist damit im Grunde immer relativ zur gerade anstehenden Entscheidung).

Wikipedia schreibt:
Die Patientenverfügung gilt nach der oben zitierten Legaldefinition lediglich für die Zeit, in der der Patient nicht zu einer Einwilligung fähig ist. (...)

Eine Patientenverfügung ist nur dann anzuwenden, wenn der Patient nicht mehr entscheidungs- oder einwilligungsfähig ist. Vor allem in Fällen fortschreitender Demenz kann eine eindeutige Klärung der Anwendbarkeit schwierig sein: Ist der Patient noch einwilligungsfähig, so hat er selbst über die Einleitung oder Unterlassung ärztlicher Maßnahmen zu entscheiden. Er muss über den entsprechenden Sachverhalt, über den er entscheiden soll, aufgeklärt sein und ihn verstehen. Erst wenn sich zeigt, dass der Patient die Situation nicht mehr versteht, kommt seine Patientenverfügung zum Zuge. Die Einwilligungs- und Entscheidungsfähigkeit ist im Zweifel mit Hilfe eines Gutachters zu klären. Stehen die aktuellen Lebensäußerungen des nicht einwilligungsfähigen dementen Patienten im Widerspruch zu den in der Patientenverfügung getroffenen Festlegungen, so kann es ein Anhaltspunkt dafür sein, dass der Wille in der Behandlungssituation nicht mehr aktuell ist. Dann kann u.U. die Patientenverfügung nicht angewendet werden, wenn nicht auch für diesen Fall hinreichend konkrete Festlegungen getroffen sind.
https://de.wikipedia.org/wiki/Patien...f.C3.A4higkeit

Gruß
Kate
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Geändert von Kate (04.07.15 um 11:23 Uhr)


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