"Wie sage ich es meiner Frau - ein Rückblick mit Ausblick"

30.12.12 16:03 #1
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gatinhho ist offline
Beiträge: 82
Seit: 30.06.10
Vielleicht erinnert sich der Eine oder die Andere an mein kleines Kommunikationsproblemchen, dass mein Leben eine zeitlang auf den Kopf gestellt hat. Ich habe viel erlebt seither, viele interessante und hilfreiche Infos aus dem Forum bekommen und mein Leben ist weitergegangen. Klingt banal? Es gab Zeiten, da war ich nicht so sicher, ob ich das will! Inzwischen habe ich diesbezüglich keine Zweifel mehr. Ich habe meine MLC (hoffentlich) hinter mir und auch die feste Überzeugung, dass ich dieses Thema ein für alle Male geklärt.

Eine ganz persönliche Feststellung, die vielleicht anderen Mut macht, die zurzeit sehr unglücklich sind: Ich vertraue darauf, dass es immer Veränderung gibt. Auch wenn es im Augenblick dunkel um einen ist, so ändern sich die Umstände. Stündlich, täglich, jederzeit. Die Sicht auf die Dínge verändert sich. Aushalten ist wichtig. Und will sich partout von außen nichts ändern, dann muss man handeln! Ich habe mein Selbstmitleid irgendwann nicht mehr ertragen und kleine Dinge verändert, große Dinge verändert und damit alles wieder in Bewegung gebracht.

Vor kurzem habe ich Tiams "Shanghai Dreams" gehört, was mich in der schlimmsten Phase meines Lebens begleitet hat. Ich konnte den Schmerz intensiv spüren. Aber heute geht es mir so gut wie nie zuvor und auch wenn es verrückt klingt: Rückblickend versetzt mich diese Erinnerung in Euphorie! Ich habe gelitten und ich habe unglaublich genossen. Ich glaube, ich habe das Leben bis an seine Anschläge erlebt. Das tut gut, wenn man 50 wird und das von sich sagen kann. So habe ich es gewollt!

Zunächst einmal: Ich bin immer noch mit meiner Frau zusammen! Nicht aus wirtschaftlichen Gründen, nicht wegen der Kinder, nicht weil ich nicht den Mut zur Trennung habe, nicht weil es so gemütlich ist so weiterzuleben. Würde ich unter diesen Umständen sagen, dass es mir zurzeit so gut geht wie nie zuvor in meinem Leben? Wahrscheinlich nicht.
Wahrscheinlich weil ich sie liebe. Warum wahrscheinlich? Vielleicht kann mir ja irgendeiner im Forum sagen was Liebe ist oder wie sich Liebe anfühlt? Oder provokant gefragt: Einige scheinen ja genau zu wissen, wie man sich verhalten muss, wann man unmoralisch ist, wann man dies ist oder jenes. Ich bin jedesmal überrascht, wenn ich solche Beiträge lese, die mit einem scheinbar unerschütterlichen und allgemeinverbindlichen Selbstverständnis ein Urteil über das Verhalten anderer fällen. Mir fällt es jedenfalls schwer, das Wort Liebe in der Partnerschaft auszusprechen. Vielleicht auch deshalb, weil ich nichts mehr sagen oder tuen möchte, was sich nicht wirklich so anfühlt wie ich es meine. Und wenn ich Liebe sage, muss es sich berauschend anfühlen. So wie die Leidenschaft zu Beginn der Beziehung. Tut es aber nicht. Ist auch normal, finde ich. Vielleicht ist Liebe in der Partnerschaft ja so etwas wie der ultimative Zustand von allen Gefühlen, die man für jemanden maximal haben kann. Habe ich diese Gefühle für meine Frau? Nein! Ich habe Sie z. B. schon stärker begehrt! Ich habe sie aber auch schon weniger respektiert!

Vielleicht ist Liebe der optimale Glückszustand in dem alle Gefühle wie Zuneigung, Vertrauen, Leidenschaft, Hingabe, Zärtlichkeit usw. in einem größt möglichen Maße vorhanden sind. Dann liebe ich meine Frau! Es gibt mit Sicherheit keinen Menschen auf dieser Welt, mit dem ich mehr erlebt habe, der mich besser kennt, besser versteht, mehr zu mir hält, der wichtiger für mich ist, mit dem ich mehr Erinnerung und Gegenwart teile als mit ihr. Das ist sehr viel!

Darf man mehr erwarten? Ich erwarte inzwischen nicht mehr! Meine Frau ist das Beste, was mir passieren konnte. Mit ihr habe ich zwei wundervolle Kinder, die ich tatsächlich liebe. Diese Art von Liebe ist aber eine andere. Das weiß natürlich jeder, aber ich sage es noch einmal, weil ich diese Liebe besser verstehe als die zu einer Frau. Darum fällt es mir leichter, das Wort Liebe im Zusammenhang mit meinen Kindern auszusprechen. Und zum besseren Verständnis: Meine Frau weiß, dass ich so denke und fühle, weil wir uns zu besonderen Anlässen sehr emotionale und offene Briefe schreiben. Sie sagt, ich muss es nicht sagen können. Es reicht ihr jeden Tag zu spüren, dass ich es tue!

Was ist im letzten Jahr passiert?

Ein guter Freund ist in meinen Armen gestorben. Nach einem langen Gespräch ein kurzer Kampf und dann sein letzter Atemzug. Es schien, als hätte er nur auf mich gewartet! Eine intensive und emotionale Erfahrung. Eine prägende Erfahrung!

Ich habe mit meiner Frau den wunderbarsten Urlaub meines Lebens verbracht. Und ich bin sehr glücklich, dass ich diese Momente mit ihr geteilt habe.

Ich schlafe noch genauso oft / selten wie die letzten Jahre mit meiner Frau. Wie bereits erwähnt: Die Leidenschaft lässt nach und das macht es tatsächlich leichter. Ihr werdet vielleicht lachen - ich tue es selber ein wenig -: Aber es gibt auch andere schöne und erregende Dinge im Leben. Nachdem ich mich mich entschieden habe, meine alten Gewohnheiten - entgegen dem Rat meiner Frau - wieder aufzunehmen, lasse ich meiner Kreativität wieder freien Lauf und habe auch so wieder zu mir selber gefunden. Meine Frau lässt mich gewähren. Nicht zu ihrem Nachteil! Das nimmt Druck von mir und von ihr ;-)!

Ob ich die andere Frau wiedergesehen habe? Ja, einmal in diesem Jahr!
Ob ich es genossen habe? Ja!
Ob ich ein schlechtes Gewissen habe? Nein!

Wir haben ein Haus gekauft. Was das bedeutet? Sicherheit und Wohlstand. Hat es eine Bedeutung für die Bezeihung?
Ich denke, dass es ein Zeichen ist, dass ich mit meiner Frau alt werden will!

Es gibt Menschen, denen ist es im Leben schlecht ergangen. Manchmal nicht unverschuldet. Und wenn sie all das hinter sich lassen, sagt man, sie bekämen eine zweite Chance im Leben. Ich werde im nächsten Jahr 50. Ich habe meine erste Chance im Leben gehabt und ich habe sie genutzt. Ich hatte eine glückliche Kindheit und Jugend. Ich hatte eine gute Zeit als junger Mensch und habe die Frau geheiratet, in die ich mich heiß und innig verliebt habe. Ich habe mit Ihr zwei fantastische, ungewöhnliche Kinder und wir sind beruflich erfolgreich. Ich habe 3 Jahre "Scheiße gefressen" und gelitten. Nicht durchgängig, aber ausgiebig! Und jetzt mit fast 50 "scheint mir die Sonne aus dem Arsch". Meine Familie und ich sind kerngesund. Eine gute Bilanz! Die Zeichen für meine "zweite Chance" stehen gut. Sollte es jedoch wider Erwarten nicht so sein: Die ersten 50 Jahre kann mir keiner mehr nehmen!

In diesem positiven Sinne sage ich mal tschüß. Ich denke, dass ich hier so schnell nicht mehr auftauche. Ist ja alles gesagt. Außer vielleicht noch mal einen schönen Dank, den ich ja aber bereits vor einiger Zeit mal an Euch gesendet habe. Dieses Forum und Eure Beiträge haben mir sehr geholfen! Und sollte mir das Leben wieder einmal nicht so gut gelingen, ist es gut zu wissen, wohin ich mich wenden kann!

Ich wünsche Euch allen ein gesundes, erfolgreiches Neues Jahr.

gatinhho

"Wie sage ich es meiner Frau - ein Rückblick mit Ausblick"

Oregano ist offline
Beiträge: 63.688
Seit: 10.01.04
Hallo Gattinho,

ich freue mich für Dich, daß es Dir offensichtlich gut geht und wünsche Dir, daß Du das in den nächsten Jahren auch so überzeugt sagen kannst!

Grüsse,
Oregano
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They tried to bury us. They didn't know we were seeds.

"Wie sage ich es meiner Frau - ein Rückblick mit Ausblick"

Wildaster ist offline
Beiträge: 5.639
Seit: 18.03.12
Hallo gathinhho

man freut sich einfach mit,wenn man deine jetzigen Zeilen liest.

Was Liebe bedeutet und wie sie sich anfùhlt,diese Antwort hast du dir selbst beantwortet.
Es ist schön,was du ùber deine Frau und ùber deine neue Einstellung zu eurem Leben schreibst.
Ich wùnsche dir ,dass dir weiterhin die Sonne scheint,du die zweite Chance gut nutzt und glùcklich und zufrieden mit deiner Frau im neuen Haus alt wirst.

Ein gesundes und glückliches Jahr 2013 wünscht dir Wildaster
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Wir haben Fröhlichkeit nötig und Glück,Hoffnung und Liebe.( Vincent van Gogh)


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