Alt werden, alt sein

09.11.11 21:34 #1
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Alt werden, alt sein

ischae ist offline
Beiträge: 44
Seit: 17.10.11
Zitat von Oregano Beitrag anzeigen
Ich überlege gerade, was "alt" und "alt werden" eigentlich bedeutet?

Ist damit ein bestimmtes Alter gemeint, geht es um ein eher starres Denken? Wird man alt, wenn man in Rente geht oder ist man dann schon alt?
Grüsse,
oregano
Genau darüber denke ich auch seit einiger Zeit. Merkwürdig vor meinem 50zigsten sind mir solche Gedanken garnicht eingefallen, jetzt so ein paar Tage vor 60 schon Dabei fühle ich mich definitiv nicht "alt", kein graues Haar, die gleiche Kleidergröße wie mit 20 und wenn ich des Morgens in den Spiegel sehe, kann ich mich fröhlich angrinsen auch schlaftrunken und ungeschminkt , das haben weder div. Hüftop´s noch die Auseinandersetzung mit der Borreliose ändern können.
Es geht an das letzte Lebensdrittel und wenn ich überlege wie schnell die letzten Jahre vergangen sind und was ich noch alles vorhabe, finde ich 30 Jahre zu kurz !
Im nächsten Juni beende ich meine Berufstätigkeit und gehe in die passive Altersteilzeitphase, aber nicht um dann nur "Ruhestand" zu geniessen, sondern um noch was Neues anzufangen, was ehrenamtliches im sozialen Bereich.
Für mich bin ich zu dem Schluss gekommen: Mein Baujahr sagt nix über mich aus und manchmal begegnen mir Menschen, die wesentlich jünger sind, und ich denke, so alt wie Du denkst möchte ich mal werden.
Anderseits kenne ich viele Menschen 80+ , die sind körperlich und geistig fit wie ein Turnschuh.
Ich glaube die Frage "wer ist alt" kann pauschal nicht beantwortet werden.
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Es gibt nix Gutes, ausser man tut es :-)

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Oregano ist offline
Beiträge: 63.681
Seit: 10.01.04
Hier schreiben verschiedene Leute, wann sie meinen, daß man von Altsein sprechen kann :

Umfrage: Wann ist man alt? .... Ich bin alt, wenn...... | Witziges Forum

Grüsse,
Oregano

Alt werden, alt sein
Männlich Windpferd
Eine Frau schickte ihren ersten Roman anonym an Siegmund Freud mit der Bitte um eine Stellungnahme. (Der Brief ist in der Ausgabe der Briefe von Freud nicht abgedruckt, nur seine Antwort an eine von der Autorin angegebene Deckadresse.)

Freud reflektierte zunächst die Situation - den Text einer Frau zu beurteilen, über die er nichts wußte. Ist lange her, daß ich's gelesen habe; ich erinnere mich nur an seinen - von ihm nicht begründeten - Satz: "Aus dem Umstand, daß der Tod eine große Rolle in ihrem Werk spielt, schließe ich, daß Sie sehr jung sind."

Alt werden, alt sein

Rota ist offline
Themenstarter Beiträge: 2.637
Seit: 22.07.08
Bitte zum eigentlichen Thema des Threads zurückkommen.

Im Alter erinnert sich der Mensch häufig an Geschehnisse aus seiner Kindheit.

Mir geht es gerade so und ich erinnere mich an das was eine Lehrerin unter meinen so mühsam erstellten Aufsatz geschrieben hat:

"Thema verfehlt".

Schade, daß mir nur noch diese Notiz in Erinnerung ist. Das Thema habe ich längst vergessen.

Mir hat bei der Eröffnung dieses threads vorgeschwebt, daß wir mit der Zeit und mit Geduld in größeren Zusammenhängen denken können.


Was also ist das eigentliche Thema?

Dazu möchte ich mich mit der Hilfe von Oregano noch einmal abklopfen, was ich eigentlich gemeint habe.
Oregano hat mir mit ihrem rationalen Fragen Eindruck gemacht.

Liebe Grüße
Margot
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Alles Gelingen hat seine Gründe, alles Mißlingen hat sein Geheimnis Joachim Kaiser, Musikkritiker

Alt werden, alt sein

Grille 56 ist offline
Beiträge: 642
Seit: 30.01.11
Ich bin 57 und fühle mich wie über hundert,es ist ja alles kaputt oder verschissen wie das bei viel älteren Damen eigentlich ist und ich bin in kürzerster zeit da hinein ,ich kann es nicht fassen.
Ihr seid so lieb zu mir aber das habe ich alles schon durch,seit über 10 Jahren laufe ich mit schlimmen Psychichen Krankheiten rum mal ist es schlimm mal weniger.
Ältere Menschen bekommen ja dann auch meistens die Altersdepris die kommen dann auch noch dabei.
Alle verzweifeln,es ist zu viel was ich habe das kann keiner bewältigen ich schon mal gar nicht.
Ich hatte mir immer vorgestellt im alter noch was gutes zu tun,so in Krankenhäusern oder in Altenheimen den Menschen zu hören oder was erzählen.
Das geht ja nicht ,ich komme da ja gar nicht hin ohne Hilfe.
Grille

Alt werden, alt sein
Männlich Windpferd
Hallo Grille,

ich glaub, Deine Verzweiflung wird hier verstanden und mitgefühlt.

Doch in diesem Thread - er läuft unter "Nachdenken"! - ist, so fürchte ich, nicht der geeignete Raum, Dir zu helfen. Du hast nur sehr sekundär ein Problem mit "Alt werden / sein", sondern sehr schwerwiegende gesundheitliche Herausforderungen, die aufgedröselt werden sollten, Schritt für Schritt. Da wird es um Beschwerden im einzlnen, Vorgeschichte, viele Laborbefunde, um Diagnostik und Therapieansätze gehen und vor allem um die richtigen Behandler. Das kann ohne weiteres einen spannenden eigenen Thread ergeben.

Vielleicht mag die Moderation Dich darüber beraten, wie und wo Du das am besten machen könntest.

Nebenbei: ich glaube nicht, daß Du psychiatrisiert werden solltest. Erst mal genau nach dem Organismus schauen. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann ergänzend nützlich sein, um Dich zu stabilisieren und Dir zu planvollem Handeln zu helfen. (Reflexionen über Altern helfen Dir vermutlich jetzt nicht weiter.)

Wir werden Dich in Deinem neuen Thread garantiert schnell finden. Und dann dort weitermachen.

Bis dann,
viel Glück und Geduld,
Windpferd

Alt werden, alt sein

Rota ist offline
Themenstarter Beiträge: 2.637
Seit: 22.07.08
Ich hatte mir immer vorgestellt im alter noch was gutes zu tun,so in Krankenhäusern oder in Altenheimen den Menschen zu hören oder was erzählen.
Das geht ja nicht ,ich komme da ja gar nicht hin ohne Hilfe.

Laß es doch für heute gut sein, liebe Grille, leg Dich einfach schlafen und träume schön.
Morgen machen wir eine neue Schau auf das Alter und hoffen, daß wir der Sache näher kommen.

Glaube mir, ich habe ziemliches Bauchgrimmen deshalb, daß ich dieses Thema eingestellt habe.

Die Wahrscheinlichkeit, daß sich bei diesem Thema immer mal wieder Menschen nicht richtig verstanden fühlen ist sehr groß.

Hab bitte auch mit uns etwas Geduld.

Solltest Du aber noch wach bleiben wollen, nimm doch bitte Stift und Papier zur Hand und skizziere uns noch mal Deine aktuellen Probleme. Wir tun uns viel leichter, wenn wir das von Dir haben.

Liebe Grüße

Margot
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Alt werden, alt sein

Rota ist offline
Themenstarter Beiträge: 2.637
Seit: 22.07.08
Hallo, Ihr .............

Woran merkt man eigentlich, daß man alt wird?


da habe ich aber einen richtigen Schnitzer gebracht und keinem ist es aufgefallen.

Selbstverständlich waren auch Altersgenossen gemeint in meinem thread.


[quote]
Zitat von Margot Beitrag anzeigen
Hallo, Ihr lieben Altersgenossinnen jenseits der 70 (mehr oder weniger)
.........heißt jetzt also Altersgenossen/innen

ich möchte gerne beginnen mit einer Aufstellung von Erscheinungen, die es ermöglichen, an sich selber festzustellen, in wie weit es einen betrifft, oder nicht.

Oregano hat sinngemäß geschrieben, daß das von Mensch zu Mensch verschieden ist. Ja, das ist es, und wie.

aber kaum eine erzählt davon, wie schwer es mit der Zeit wird, mit den eigenen Unzulänglichkeiten zurecht zu kommen.
Na klar, keiner möchte gern zum Ausschuß gehören, zu denen, die von der Gesellschaft ernährt werden müssen, die von den wenigen Arbeitnehmern/innen fordern, die Renten aufzubringen.

Alterserscheinungen werden nicht erzählt
,
Man muß es uns schon erst ansehen können, daß wir älter geworden sind, wenn nicht sogar alt.

Wie kommt der Mensch eigentlich zur Ruhe, was kann er tun, damit das andauernde "ich muß doch noch..." aufhört und Frieden einkehrt in dem täglichen Ablauf und vor allem den anderen Menschen gegenüber, die mit uns leben und bestimmt schon lange bemerkt haben, daß wir nicht mehr so gelenkig (in jeglicher Hinsicht) sind, wie wir einmal waren.
Dazu wollte ich aufrufen mit der Eröffnung meines threads.

Was mich beschäftigt ist die nachlassende Geschwindigkeit, mit der ich früher das Leben gemeistert habe.
aber auch die Ungeschicklichkeiten, die Vergeßlichkeiten, die Ungeduld mir selber gegenüber, die nachlassenden Augen, die Steifheit der Wirbelsäule, die Fußpflege, die ich jetzt einem Mädchen überlassen muß, das keine Ahnung hat von meinem Problem, daß ich mich geniere.

Mein Alter macht mir keine Probleme, sondern die Tatsache, daß meine Kinder hin und wieder merken, daß in meinem Haushalt nicht mehr alles so perfekt ist wie früher.
Ja und daß ich manche Sachen einfach nicht mehr bemerke, weil es auch

nicht mehr so wichtig ist, perfekt zu funktionieren? daß es auch mit halber Kraft noch ganz gut geht?
So, liebe Oregano, jetzt habe ich angefangen mit der "Nabelschau" wer macht weiter?
Liebe Grüße
Margot
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Alt werden, alt sein
Männlich Windpferd
Guten Morgen,

mal ein ganz simpler, vielleicht enttäuschender Sachverhalt: Definitionen (ausnahmslos alle) sind niemals richtig und niemals falsch. Sie sind immer willkürlich. Jede(r) hat seine eigenen Definitionen. Damit zwischen Menschen wenigstens eine gewisse Verständigung möglich ist, gibt es Ähnlichkeiten, manchmal teilweise Übereinstimmungen zwischen Menschen, vor allem innerhalb von Subkulturen, Gruppen, Familien, Paaren ...

Definition heißt Abgrenzung - die Grenzen werden von Menschen gezogen und sind sehr veränderlich über die Zeiten und unterschiedlich zwischen Menschen.

Woraus folgt: Es gibt keine Argumente für oder gegen bestimmte Defintionen. Es ist sinnlos, darüber zu streiten.

Denken wir etwa an "Liebe". Eigentlich sollte jede(r), die / der meint zu "lieben", der / dem anderen ganz genau sagen, was sie / er damit meint. (Das kann sogar zärtlich und romantisch sein.) Ein wichtiger Aspekt: Derartige Definitionen sind nie vollständig sondern an den Rändern immer unscharf. - Oder "Tod" - das wurde in den vergangenen Jahren sehr komplex und kontrovers definiert. - Oder "Grün": Die genauen Frequenzen, bei denen eine Farbe doch eher Blau wird oder Gelb, sind nicht für alle Menschen gleich, nicht einmal in derselben Kultur. (Angeblich haben manche Stämme viele Namen für Grüntöne.)

Und, natürlich, gilt das auch für "Alt", "Alter". Es steht mir frei, jede Erscheinung als Altererscheinung zu etikettieren - aber das sagt nichts über den Sachverhalt aus, nur über meine Verwendung des Wortes. Es scheint, als fielen wir dadurch ins Bodenlose - es gibt keine vermeintlichen "Richtigkeiten" mehr, an denen wir uns festhalten können.

Zugleich werden wir dadurch freier. Wir müssen uns selber und andere nicht mehr in Schubladen stecken. Ulrich Volz wies kürzlich auf der Tagung der Open Mind Academy auf die gewaltigen Wirkungen hin, die es hat, wenn ich nicht mehr denke oder sage "Ich habe ein Problem" sondern etwa "eine Aufgabe", "eine Herausforderung", "eine Chance, neue Erfahrungen zu machen", "eine Prüfung", ja "ein Geschenk". Dieses Etikettieren (das wir ja den ganzen Tag betreiben) steht uns frei - und wir haben dadurch eine gewisse, manchmal sehr große Macht über die Sachverhalte.

Natürlich gibt es Gegenargumente. Zum Beispiel korrelieren manche Erscheinungen mit dem chronologischen Alter. Aber ich brauche sie trotzdem nicht als "Alterserscheinungen" zu etikettieren. Denn ist immer willkürlich, wo - bei welcher Intensität oder Häufigkeit usw. - ich die Grenze ziehe. Und es gibt noch viele andere Aspekte, Begriffe (= Möglichkeiten des Begreifens) unter denen ich ein und denselben Sachberhalt betrachten kann.

Diskussionen über Definitionen sind deshalb nicht wirkungslos. Sie können zwar nie zu einer "richtigen" Definition führen (weil es die nicht gibt, s.o.), aber durch sie lernen wir die / den DiskussionspartnerIn ein wenig besser kennen: "Ah, das nennst du also "alt" ...

Was noch dazugehört: Der Gedanke "Alter" ist häufig mit Gefühlen verbunden. Nehmen wir z.B. "Angst". Wir denken und reden meistens so, als seien Gefühle ganz bestimmte abgegrenzte Zustände. Wir meinen dann: "Jetzt habe ich Angst und das ist nichts anderes als Angst". Wenn wir und aber auf diese "Angst" einlassen, uns in sie vertiefen - nicht darüber nachdenken, sondern eher eins werden mit ihr, uns ihr überlassen - dann können wir erleben, daß sich das Gefühl ein wenig wandelt: sich intensiviert, im Körper wandert, die Qualität leicht ändert, irgendwie changiert, schillert, geheimnisvoll und spannend wird. Und es kann vorkommen, daß es von selber "kippt" - die körperlich spürbare Energie, die ich vorher "Angst" nannte, scheint mir jetzt z.B. "Vorfreude" zu sein. Das ist immer eine Befreiung, sehr bewegend, in der Regel von Lachen und / oder Weinen begleitet. Da rückt der erlebende Organismus etwas zurecht, weit jenseits von Definitionen.

Dies Phänomen gibt es vermutlich, seit Menschen existieren. Zum ersten mal beschrieben, begrifflich gefaßt und lern-, anwendbar gemacht hat es Eugene Gendlin (Österreicher, später in Chicago Nachfolger von Carl Rogers) in seinem Buch "Focusing. Eine Methode der Selbsthilfe bei der Lösung persönlicher Probleme". Das ist eine der Grundlagen jeder modernen körperorientierten Psychotherapie. Auch ohne Therapeuten erlernbar. (DAF - Deutsches Ausbildungsinstitut für Focusing und Focusing-Therapie, Focusing-Netzwerk Home usw.)

Vielleicht könnten wir dazu kommen, auch "alt" nicht einfach als Etikett zu verwenden sondern uns geduldig hinein zu vertiefen: "Wie fühlt sich das an?", "und wie noch?" "wo spür ich's körperlich"", usw. Wir könnten dahin kommen, nicht immer "über" die Dinge zu reden sondern "aus" den Dingen, diesen Sprache zu geben. Auch unserem wirklichen oder vermeintlichem Alter.

Alles Liebe,
Windpferd

Alt werden, alt sein
Männlich Windpferd
Im Abendrot
Wir sind durch Not und Freude
Gegangen Hand in Hand,
Vom Wandern ruhen wir beide
Nun überm stillen Land.

Rings sich die Täler neigen,
Es dunkelt schon die Luft,
Zwei Lerchen nur noch steigen
Nachträumend in den Duft.

Tritt her und laß sie schwirren,
Bald ist es Schlafenszeit,
Daß wir uns nicht verirren
In dieser Einsamkeit.

O weiter, stiller Friede!
So tief im Abendrot,
Wie sind wir wandermüde –
Ist das etwa der Tod?

(Text von Joseph von Eichendorff. Für Sopran und Orchester von Richard Strauss in "Vier letzte Lieder". Einer der einsamen Gipfel seines Werks, komponiert im Alter von 83 / 84 Jahren. Mit 85 starb er. Eine ungeheuer weiträumige Orchesterlinie, jenseits von jung und alt. Eher: nahe am Ursprung und endgültig.)


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