Alles psychisch? Herzrasen, Erschöpfung, Husten...

31.10.10 13:13 #1
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Beanie ist offline
Beiträge: 64
Seit: 31.10.10
Hallo,
da ich nun nicht mehr weiter weiß, habe ich mich hier angemeldet. Meine Geschichte: Anfang Juni bekam ich eine Gürtelrose, von der ich mich aber relativ schnell erholte. Vor 10 Wochen bin ich mit einer banalen (?) Erkältung zu meiner Hausärztin gegangen. Ich dachte, mit zwei, drei Tagen Ruhe wird alles wieder ok. Plötzlich kamen aber Schwellungen der Lymphknoten unter den Achseln und in den Leisten hinzu. Mein Herz fing bei der kleinsten Anstrengung an zu rasen, ich fühlte mich erschöpft. Wenn ich mich flach hinlegte oder abends zu Bett ging, bekam ich einen trockenen, schmerzhaften Husten. Meine Ärztin schickte mich zum Thoraxröntgen, machte eine Serologie und ein EKG, alles unauffällig.

Dann kam der Morgen, an dem sich mein Herz einfach nicht mehr beruhigen wollte. Meine Ärztin wies mich daraufhin ins Krankenhaus ein, Aufnahme auf der Herz-Kreislauf-Station. Dort gab es EKG, Herzecho, Thoraxröntgen, Serologie, Langzeit-EKG, all das lt. Stationsarzt wieder ohne genaues Ergebnis. Das Belastungs-EKG musste abgebrochen werden, weil ich einen bösen Hustenanfall bekam. Daraufhin wurde ein Lungenfunktionstest gemacht, ich bekam ein Cortisolspray. Das Spray half mir, abends ohne Husten einschlafen zu können. Nach 10 Tagen HK-Station meinte man dann, mir dort nicht mehr helfen zu können und überwies mich an die Pulmologie. Hier wurden nochmal ein Langzeit-EKG und zusätzlich eine Lungenspiegelung gemacht. Als Diagnose erhielt ich dann Tracheobronchitis. Beim Langzeit-EKG hatte man dann wohl einen AV-Block 2. Grades festgestellt. Ich bekam gegen die Bronchitis Antibiotika, das Cortisolspray und wurde entlassen.

Der Husten wurde besser, was wohl bedeutet, dass die Bronchitis Geschichte ist. Erschöpfung und Herzrasen halten aber an. Zwischenzeitlich habe ich zwei Versuche gestartet, wieder arbeiten zu gehen. Zuhause kriege ich nämlich langsam nen Koller. Ich muss beruflich viel telefonieren. Allerdings musste ich feststellen, dass längeres Reden das Herzrasen verstärkt. Teilweise lag die Frequenz bei 140 ohne weitere körperliche Anstrengung, sonst durchschnittlich bei 100-120.

Da ich unter anderem noch unter Arthritis, Asthma, einer Insulinresistenz, Rückenproblemen, häufigen Bindehautentzündungen und verschiedenen Allergien leide, habe ich mir erlaubt, meinen Rheumatologen bei der halbjährlichen Kontrolluntersuchung zu fragen, ob zwischen diesen ganzen Erkrankungen evt. ein Zusammenhang bestehen könnte. Dies hat mir nun eine Überweisung zum Psychiater eingebracht wegen Verdachts auf Depression. Mittlerweile glaube ich ja schon fast selbst, dass ich nen Knacks habe.

Ich muss dazu sagen, dass sich alle meine Krankheiten erst im Lauf der letzten 10-12 Jahre entwickelt haben, auch die Allergien. Ich muss mittlerweile aus Gründen der Unverträglichkeit auf Dinge verzichten, die ich früher mit Leidenschaft gegessen habe, z.B. Nüsse, Äpfel, Kirschen oder Fisch.

Vielleicht hat jemand von Euch ja ähnliche Erfahrungen und kann mir sagen, ob nun wirklich alles psychisch ist. Meinen Rheumatologen hatte ich übrigens nach der Möglichkeit einer Borreliose gefragt, da ich vor 14 Jahren zweimal von Zecken gebissen wurde. Er meinte allerdings, es besteht kein Anlass zu einer solchen Vermutung.

LG, Beanie

Geändert von Beanie (01.11.10 um 13:18 Uhr)

Alles psychisch?

Leena ist offline
Beiträge: 140
Seit: 19.12.09
Hy

Nicht nett was der Rheumatologe da gemacht hat! Ich an deiner Stelle hätte auch nachgefragt ob das einen Zusammenhang haben könnte! Wenn Menschen überfordert sind stempelt man schnell alles auf die Psyche ab!

Ich habe nicht den Eindruck das alles psychisch ist, im Gegenteil. Das aber die ganze Leidensgeschichte schluss auf die Psyche schlagen kann davon ist auszugehen!

Übrigens Asthmasprays können auch Nebenwirkungen machen, die Herzrasen sehr ähnlich sind! Ich kann dir zwar nicht sagen was du hast, aber lass dich nicht unterkriegen!

Viel Kraft

Gruss Leena

Alles psychisch?

Quittie ist offline
Beiträge: 3.121
Seit: 20.12.09
Zitat von Beanie Beitrag anzeigen
Meinen Rheumatologen hatte ich übrigens nach der Möglichkeit einer Borrelliose gefragt, da ich vor 14 Jahren zweimal von Zecken gebissen wurde. Er meinte allerdings, es besteht kein Anlass zu einer solchen Vermutung.
Hallo Beanie,

das ist die Meinung des Rheumatologen, aber das heißt noch lange nicht, das es so ist, wie er meint!
Aufgrund deiner Krankengeschichte und der Zeckenexposition würde ich mich auf Borrelien untersuchen lassen, auch auf Chlamydia pneumoniae wegen der Hustensache und auch der Arthritis. Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten können durch eine Borreliose z.B. auch getriggert werden.

Außerdem kann eine Borreliose auch noch nach 14 Jahren bestehen und aktiv sein bzw. ausbrechen. Dies geschieht dann, wenn das Immunsystem geschwächt wird, z.B. durch eine OP, Trauer, Stress.
Da du eine Gürtelrose hattest, war zumindest dein IS geschwächt, da dann Herpesviren reaktiviert werden können.

Viele Grüße Quittie
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Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert. (Aldous Huxley)

Geändert von Quittie (31.10.10 um 15:53 Uhr) Grund: Ergänzung

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Beanie ist offline
Themenstarter Beiträge: 64
Seit: 31.10.10
@ Quittie: Die Borreliose haben mittlerweile einige Leute als Verdacht geäußert, allerdings war bisher noch kein Arzt darunter. Auch meine Hausärztin habe ich dahin gehend bereits angesprochen, sie sieht ebensowenig wie der Rheumatologe eine Veranlassung, einen Test zu machen. Auf Chlamydien bin ich Ende 1996 positiv getestet worden, nachdem ich innerhalb kurzer Zeit 23 kg abgenommen hatte. Ohne Diät! Allerdings bin ich erst vor 3 Wochen durch Zufall darauf gestoßen, weil ich mal unbeobachtet in meiner Krankenakte blättern konnte. Es wurde damals ein ELISA-Test gemacht, Titer 1:300. Es standen drei verschiedene Chlamydien-Typen auf dem Ausdruck. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, dass der Internist mir damals gesagt hätte, dass ich eine Chlamydien-Infektion habe. Hab aber gesehen, dass es vorn auf meiner Akte mit dem Vermerk "chronisch?" steht. Mein Gewichtsverlust wurde damals mit zuviel Stress erklärt, ich erhielt ein pflanzliches Mittel zur Nervenstärkung. Inwieweit die Chlamydien-Infektion jetzt noch aktiv ist, weiß ich nicht.

Wie kriegt man Ärzte dazu, einem zuzuhören und evt. doch einen Test auf Borrelien und/oder Chlamydien zu machen?

@ Leena: Danke für den Zuspruch. Da ich das Spray bereits seit einiger Zeit abgesetzt habe, glaube ich nicht, dass das Herzrasen davon kommt. Aber auf die Psyche schlägt es tatsächlich, komme mir langsam vor wie ein Hypochonder. Meine Ärztin hat mich nach der gescheiterten Wiedereingliederung erstmal bis zum Termin beim Psychiater aus dem Verkehr gezogen. Da hätte ich echt heulen können, komme mir ziemlich nutzlos vor. Aber - Kopf hoch, es geht weiter.

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Beanie ist offline
Themenstarter Beiträge: 64
Seit: 31.10.10
Ich weiß nicht, ob es was zu bedeuten hat: Ich habe ja zwei Versuche unternommen, wieder arbeiten zu gehen. Beim ersten Mal war es an einem Montag und Dienstag. Am übernächsten Tag (Donnerstag Abend) bekam ich dann wieder diesen ekligen trockenen Husten, der aber nach zwei Tagen wieder weg war. Der zweite Versuch war letzte Woche Mittwoch, Donnerstag, Freitag. Seit gestern Nachmittag erneut dieser Husten. Kann sich jemand vorstellen, dass das ne allergische oder sonstwie geartete Reaktion auf irgendwas im Büro ist? Mein Freund tippt ja auf Schimmel. Letzes Jahr September ist das Dachgeschoss des Bürohauses ausgebrannt, es stand alles unter Wasser. Wir haben wochenlang mit solchen Trockengeräten da gesessen. Über den Jahreswechsel wurden dann neuer Teppichboden verlegt, die Elektrik neu gemacht und die Wände gemalert. So gibt es keine Anzeichen für Schimmel, allerdings können wir auch nicht in die Zwischendecken schauen. Für Eure Meinung hierzu wäre ich dankbar.

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Quittie ist offline
Beiträge: 3.121
Seit: 20.12.09
Hallo Beanie,

für mich hören sich deine gesundheitlichen Probleme ganz und gar nicht psychisch an. Und dem Ganzen sollte auf den Grund gegangen werden! Ich verstehe nicht, warum aus ärztlicher Sicht nicht auf eine mögliche Borrelieninfektion aufgrund deiner Schilderungen eingegangen wird.

Dies
Vor 10 Wochen bin ich mit einer banalen (?) Erkältung zu meiner Hausärztin gegangen. Ich dachte, mit zwei, drei Tagen Ruhe wird alles wieder ok. Plötzlich kamen aber Schwellungen der Lymphknoten unter den Achseln und in den Leisten hinzu. Mein Herz fing bei der kleinsten Anstrengung an zu rasen, ich fühlte mich erschöpft. Wenn ich mich flach hinlegte oder abends zu Bett ging, bekam ich einen trockenen, schmerzhaften Husten.
könnte ja auch auf eine Infektion hindeuten. Außerdem sind das keine Symptome , die man klassisch als psychisch einstufen könnte, zumal auch im EKG etwas festgestellt wurde.

Tja und auf Chlamydien wird dann oft argumentiert, da diese ja eine hohe Durchseuchungsrate in der Bevölkerung haben.

Übrigens hat man ein Anrecht, auf Einsicht in seine Krankenakte.

Wie kriegt man Ärzte dazu, einem zuzuhören und evt. doch einen Test auf Borrelien und/oder Chlamydien zu machen?
In dem man sich einen Arzt sucht, wo man das Gefühl hat, dass man ernst genommen wird mit seinen Beschwerden.
Borrelien und Chlamydien stehen auch oft im Zusammenhang, da durch eine Borreliose z.B. andere Erreger leichteres Spiel haben, sich einzunisten, bzw. reaktiviert werden können.

Zur Not würde ich mir einen kompetenten Arzt in Sachen Borreliose suchen, wenn du gar nicht weiterkommst.

Viele Grüße Quittie
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Beanie ist offline
Themenstarter Beiträge: 64
Seit: 31.10.10
Einen Arzt zu suchen bzw. zu finden, ist leichter gesagt als getan, wenn man auf dem Dorf wohnt. Hab schon über den Borreliose-Bund und die Borreliose-Gemeinschaft versucht, einen Arzt in der Nähe zu finden. Leider sind hierfür 100 km und mehr zu überwinden, was ich mir momentan nicht zutraue. Nicht mit dem Zug, geschweige denn mit dem Auto. Momentan hab ich auch niemanden, der mich begleiten könnte. Ist alles ziemlich bescheiden.

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Quittie ist offline
Beiträge: 3.121
Seit: 20.12.09
Hallo Beanie,

ich wohne nicht in einem Dorf und trotzdem muß ich über 100 km zu meinem behandelnden Arzt zurücklegen. Ein weiterer Weg kann sich lohnen, wenn man dann endlich ernst genommen und behandelt wird.

Vielleicht solltest du dir schon einmal einen Termin besorgen, denn es gibt oft auch ziemlich lange Wartezeiten.

Ich würde auch nochmal versuchen, mit deinen Ärzten zu sprechen und auf deine Beschwerden aufmerksam zu machen und versuchen, das ein Elisa UND Westernblot veranlasst wird - ebenso auf die Chlamydien eingegangen wird, denn diese können ebenfalls Arthritis verursachen usw.

Viele Grüße Quittie
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Beanie ist offline
Themenstarter Beiträge: 64
Seit: 31.10.10
Vielen Dank, Quittie. Zumindest fühle ich mich hier ernst genommen. Ich werde auf jeden Fall vermelden, wie es weiter geht.

LG, Beanie

19:26 Zwischenstand: Bin grad von meiner Zahnärztin zurück. Sie behandelt mich schon seit Jahren und kennt auch einige meiner "Wehwehchen". Hab sie auf den neuesten Stand gebracht. Sie sagt, dass unbedingt ein Test gemacht werden muss wegen Borreliose. Entweder der Verdacht bestätigt sich, oder man kann eben ausschließen, dass es Borrelien sind. Dann könne man immer noch die psychische Schiene fahren. Sie überlegt, ob sie ihrerseits was anstoßen kann. Und ich solle der Psychiaterin auf jeden Fall direkt sagen, dass ich an Borreliose denke und mir keiner zuhört.

Das Gespräch hat richtig gut getan.

Geändert von Beanie (01.11.10 um 19:31 Uhr) Grund: Ergänzung

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Beanie ist offline
Themenstarter Beiträge: 64
Seit: 31.10.10
So, meine Hausärztin hat mich jetzt nochmal ins Krankenhaus eingewiesen. Mal schauen, ob sich dann was neues ergibt. Ich werde dort in jedem Fall die Chlamydieninfektion ansprechen und auch wegen Borreliose fragen.

Zudem habe ich jetzt einen Termin am 06.12. bei einem Borreliose-Spezialisten. Weiß zwar noch nicht, wie ich hin komme, aber wird schon irgendwie gehen.


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