Hinweise auf chronische Gastritis oder perniziöse Anämie?

05.02.15 20:38 #1
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lilianne ist offline
Beiträge: 9
Seit: 22.09.12
Hallo liebes Forum,

schlage mich schon seit Jahren mit Darmproblemen herum (Hauptsymptom: täglich (morgens) Durchfall). Vor langer Zeit, als das anfing (Hauptsymptom: laute Darmgeräusche, der Durchfall kam dann erst später schleichend hinzu), wurde mal eine Magen-Darm-Spiegelung gemacht, ohne Befund. Diagnose dann Reizdarm.

Bei den 2-jährlichen Check-ups wurde ein etwas zu niedriger HB-Wert gefunden, vor einem Jahr 11,2, danach sollte ich nach 4 Wochen nochmal testen lassen, da war es dann bei 11,8 und nach Entzündungsmarkern wurde dann auch gleich geschaut, die waren nicht erhöht. Zur Sicherheit soll ich nun alle halbe Jahre nachprüfen lassen. Im Sommer dann 11,4, jetzt im Dezember 12,0. Scheint also bei mir ein eher niedriger Wert "normal" zu sein.

Ach ja, kein Eisenmangel, Eisenspeicher ist voll/normal, Erythrozyten waren auch ok. Die Ärztin meinte, diese Normwerte seien individuell auch unterschiedlich, und solange das nicht weiter absackt oder ich mich plötzlich sehr schlecht fühle oder Blut im Stuhl habe (dann sofort kommen), sollte man das weiter unter Beobachtung halten, aber sonst wäre erstmal nichts weiter nötig.

Meine Frage nun: Kann man anhand dieser Werte eine perniziöse Anämie ausschließen (dann wären die Erythrozyten-Werte, wenn ich das richtig verstanden habe, nicht im Normalbereich gewesen und die Ärztin hätte das gleich gesehen?)?

Und, da ein weiteres Symptom heftiger Hungerschmerz ist (hinter dem Schlüsselbein meist, aber allgemeine Beklemmung im Brustbereich, wenn ich länger als 3 Std nichts oder nur wenig gegessen habe), den ich bisher nicht groß beachtet habe, nun aber mal nachgeschaut und chronische Gastritis gefunden: bei einer chronischen Gastritis wären die Entzündungsmarker erhöht, oder?

Vielen Dank schon mal für Eure Einschätzung!


AW: Hinweise auf chronische Gastritis oder perniziöse Anämie?

Oregano ist offline
Beiträge: 61.734
Seit: 10.01.04
Hallo Lilianne,

hast Du denn schon einmal eine Magenspiegelung hinter Dich gebracht?:

...
Nur die Magenspiegelung ermöglicht eine sichere Gastritis-Diagnose:
Hierbei kann der Arzt über das schlauchförmige Endoskop in den Magen schauen und kleine Gewebeproben aus der Schleimhaut entnehmen (Biopsie). Durch den direkten Blick in den Magen sowie durch die feingewebliche Untersuchung des entnommenen Magengewebes kann der Arzt feststellen, ob es sich tatsächlich um eine Magenschleimhautentzündung handelt. Zudem ist es so möglich, andere Erkrankungen des Magens wie ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) oder eventuell auch Magenkrebs ausschließen.

Da hinter einer Magenschleimhautentzündung häufig eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori steckt, ist es ratsam, bei der Gastritis-Diagnose in Ergänzung zur Magenspiegelung diesen Erreger zu suchen. Dies kann auf verschiedene Arten geschehen:

Eine geeignete Methode zum Nachweis von Helicobacter pylori ist der sogenannte 13C-Harnstoff-Atemtest:
...
Gastritis (MagenschleimhautÂ*entzündung) Diagnose - Onmeda.de

Auch der Hungerschmerz könnte für eine Gastritis sprechen:
...Anzeichen für eine chronische Magenschleimhautentzündung kann jedoch der Hungerschmerz sein. Beim sogenannten Hungerschmerz kann der Hunger nur sehr schwer ertragen werden. ...
Wie äußert sich eine Magenschleimhautentzündung? | Gastritis Behandlung, Ernährung & (Magenschleimhautentzündung) Symptome

Hast Du die Atemtests auf Fruktose-Sorbit- und Laktose-Intoleranz schon gemacht? Wie sieht es mit der Gluten-Verträglichkeit und der Histaminintoleranz aus? Sind bei Dir wenigstens die häufigsten Allergene getestet worden?
Hast Du Amalgamfüllungen oder andere Füllungen in den Zähnen? Kronen? Wurzelbehandlungen?

Ist bei Dir Vitamin B12 bestimmt worden? Wie sieht das Ferritin aus? (Zur Bestimmung von Vitamin B12 taugt die Serumbestimmung nicht. Gut ist die Bestimmung von Methylmalonsäure bzw. Holotranscobalamin - das muß man dem Labor sagen.)
MedizInfo®: Vitamin B12- Mangel- Anämie

Die Diagnose "Reizdarm" wird oft nur deshalb gestellt, weil andere Untersuchungen gar nicht erst gemacht werden. Deshalb diese Fragen.

Grüsse,
Oregano
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Hinweise auf chronische Gastritis oder perniziöse Anämie?

Kaempferin ist offline
Beiträge: 705
Seit: 10.10.12
Hallo lilianne

Zitat von lilianne Beitrag anzeigen
bei einer chronischen Gastritis wären die Entzündungsmarker erhöht, oder?
Unter der Aannahme, dass der möglichen Gastritis eine Infektion zugrunde liegen würde:
Nein, bei einer chronischen Gastritis müssen die typischen Entzündungsmarker (z.B. Leukozyten, CRP, BSG) nicht zeingend erhöht sein. Bei akuten (bakteriellen) Infekten mögen solche Werte sicherlich eine wichtige Aussagekraft haben. Bei persistierenden/chronischen (bakteriellen) Infekten zeigen sie je nach Erreger jedoch meist nicht mehr bzw. höchstens sporadisch noch an (dummerweise ist dies den meisten Ärzten nicht bekannt)!

Bei einer akuten Gastritis ist die Magenschleimhaut übrigens oft stark gerötet/entzündet und die Beschwerden daher noch etwas ausgeprägter/akuter. Bei einem chronischen Verlauf jedoch sind die Entzündungen meist nur (noch) "leicht/diffus". Aber Achtung, dennoch sollte man den Befund mind. genau so ernst nehmen!

Helicobacter pylori wurde bereits genannt, welcher natürlich gerne irgendwelche Formen von Gastritis etc. verursacht. Aber auch Erreger wie z.B. Borrelien, Bartonnelen, Chlaymydia pnaumoniae etc. verrursachen äusserst gerne eine "leichte Gastritis". Ob bei dir wirklich eine infektiöse Ursache zugrunde liegen könnte, kann ich dir leider nicht sagen. Etwas auffällig ist jedoch z.B. auch der stets tiefe HB-Wert, was auch für Erreger sprechen könnte. Aber eben nur könnte. Es könnte auch was völlig anderes sein.

Mehr kommt mir derzeit nicht in den Sinn. Liebe Grüsse

AW: Hinweise auf chronische Gastritis oder perniziöse Anämie?

Marjorie ist offline
Beiträge: 165
Seit: 29.08.10
Wegen der vermuteten Gastritis würde ich an Deiner Stelle eine Gastroskopie machen lassen — dann ist das geklärt. Du kannst auch Antacida probieren; wenn die helfen, weißt Du auch schon, wohin die Richtung geht.

AW: Hinweise auf chronische Gastritis oder perniziöse Anämie?

lilianne ist offline
Themenstarter Beiträge: 9
Seit: 22.09.12
Hallo Oregano, Kämpferin und Marjorie,

vielen Dank für all eure vielen Hinweise! Das meiste davon wurde in der Tat noch nicht untersucht, meine Ärztin sieht dafür keine Veranlassung...

Magen-Darm-Spiegelung wurde vor vielen vielen Jahren (15?) mal gemacht, als alles anfing (mit lauten Darmgeräuschen und Gepoltere, der chronische Durchfall kam dann erst später schleichend dazu), aber da hat man nichts gefunden. Seitdem eben "Reizdarm", wobei die psychische Komponente wirklich eine große Rolle spielt - bei Nervosität und Angst bekomme ich wie auf Knopfdruck Durchfall, muss sofort zur Toilette rennen... Diese Seite gehe ich nun mit Meditation an.

Seit 5 Tagen versuche ich mich fructosearm zu ernähren, darauf brachte mich eine Freundin. Meine Ärztin hält von diesen Tests leider nichts, deswegen habe ich einfach mal versucht, meine Nahrung umzustellen. Stuhlgang sofort deutlich reduziert (morgens nur noch 2 mal), und auch besser geformt, heute morgen zum ersten Mal der erste Stuhlgang richtig fest, der zweite etwas lockerer, aber auch noch geformt (war vorher selten!). Das würde ja wirklich auf eine Fructose-Unverträglichkeit hindeuten, oder? Mir war schon länger aufgefallen, dass, je "gesünder" ich versuche mich zu ernähren, desto schlimmer der Durchfall wird ("gesünder" = noch mehr Gemüse und Obst, auch so Sachen wie Granatapfelsaft, weil ich oft erkältet bin.... tat mir aber alles gar nicht gut).

Ich werde das jetzt mal noch weitermachen und sehen, wie es sich entwickelt. Etwas irritiert mich allerdings, dass ich nun meine Darmbewegungen so heftig spüre, kaum fange ich an zu essen, habe ich das Gefühl, mein Darm besteht aus lauter krabbelnden Würmern und da unten ist der Teufel los. Liegt das an der Nahrungsmittelumstellung, und dass der Darm das noch nicht gewohnt ist? Dieses Symptom hat sich auf jeden Fall nun erstmal verschlimmert, im Gegensatz zum deutlich besser gewordenen Durchfall (für die ersten 5 Tage nicht schlecht, dachte ich).

Falls sich das nicht ändert und auch der Hungerschmerz bleibt, bleibt mir wohl eine erneute Magen-Darm-Spiegelung nicht erspart. Werde aber Antacida mal versuchen und schauen, ob es eine Auswirkung auf den Hungerschmerz hat (das hätten sie wohl, oder?) Hab den Hungerschmerz bisher nie ernst genommen, dachte, bei mir geht eben im Bauch alles so schnell durch, da ist halt der Magen auch gleich wieder leer und meldet sich, und wenn man in dem Bereich eh so sensibel ist...

Vielen Dank für Eure Hilfe!

Hinweise auf chronische Gastritis oder perniziöse Anämie?

schulz frank ist offline
Beiträge: 348
Seit: 07.12.14
Hallo lilianne ,

Ist deine Schilddrüse untersucht worden !
Ich laß , du hattest oder hast Probleme mit der Stimme .

Tiefe raue oder sogar heisere Stimme
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) - Anzeichen & Symptome

Wären Probleme mit der Schilddrüse vorhanden , evt. sogar eine Hashimotoerkrankung , kann man über folgendes nachdenken .

Autoimmungastritis - Chronische Magenschleimhautentzündung Typ A

Autoimmungastritis - Chronische Magenschleimhautentzündung Typ A - paradisi.de

Gruß !

AW: Hinweise auf chronische Gastritis oder perniziöse Anämie?

lilianne ist offline
Themenstarter Beiträge: 9
Seit: 22.09.12
Danke schulz frank! Schilddrüse wurde nur im Rahmen des üblichen Check-Ups überprüft, da wurde nichts festgestellt.
Meine Stimmprobleme gehen eher in die andere Richtung - teilweise eine viel zu hohe und schwache Stimme. Dann wäre ich froh, wenn sie rauer, tiefer und heiser wäre Ist zur Zeit aber zum Glück gerade nicht mehr so schlimm.

AW: Hinweise auf chronische Gastritis oder perniziöse Anämie?

Marjorie ist offline
Beiträge: 165
Seit: 29.08.10
Du brauchst wegen Gastritisverdacht keine "Magen-Darm-Spiegelung" (wie Du immer schreibst) sondern erst mal NUR eine Magenspiegelung. Ich persönlich fand die "angenehmer" weil oral und nicht rektal. Aber manche finden die auch entsetzlich wegen dem Würgereiz.
Du hast mit diesen "Hungerschmerz" sicher einen leichten Reflux und/oder Gastritis. Lass die Gastroskopie machen, und Du hast die Sicherheit. Dann, je nach Diagnose (A, B oder C-Gastritis) Helikobakter-ABs und/oder Protonenpumpenhemmer ein paar Wochen und die Sache ist erledigt.
Danach halt magenschonend leben (kein Stress, kein spätnachts Essen, nicht flach liegen nach Essen, kein Kaffee, kein Rauchen etc.)
Alle Gute

AW: Hinweise auf chronische Gastritis oder perniziöse Anämie?

Oregano ist offline
Beiträge: 61.734
Seit: 10.01.04
Hallo Lilianne,

Werde aber Antacida mal versuchen
Damit wäre ich sehr vorsichtig, weil diese Mittel nicht unbedingt gut tun. Ich würde erst einmal die Magenspiegelung hinter mich bringen und schauen, was dabei heraus kommt.
Hast Du denn Sodbrennen und Magenprobleme?

Grüsse,
Oregano
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Geändert von Oregano (09.02.15 um 12:54 Uhr)

AW: Hinweise auf chronische Gastritis oder perniziöse Anämie?

Marjorie ist offline
Beiträge: 165
Seit: 29.08.10
PS: Vergiß das mit den Entzündungsmarkern. Ich hatte auch C-Gastritis & Reflux und hatte keine erhöhten Entzündungswerte.

@Antacida: Oregano, Du weist ganz zu recht oft darauf hin, dass einige Medikamente nicht unproblematisch sind. Es geht aber hier ja nicht um eine Dauerlösung sondern um eine "Eigendifferntialdiagnose" einer offernbar gastroskopiescheuen Kollegin.
Wenn sie diese (übrigens rezeptfreien) Pulverchen ausprobiert, und sie helfen, weiß sie zumindest mal die Richtung. Es gibt übrigens stattdessen auch das Gaviscon. Ist pflanzlich (aus Algen) und hilft mir noch besser als Antacida. (Nachteil: Sie schmecken ziemlich grauslich)

PPS: Ich hatte auch viele viele Jahre Reizdarm. Danach folgte irgendwann die Gastritis und der Ösophagusreflux.

PPPS: Wegen Fruktose-Verdacht: H2-Atemtest. Allerdings (meine persönliche Meinung zur Fruktosemalabsorption: Das ist nur ein sehr spätes Symptom von Reizdarm & Leaky Gut; nicht die Ursache!)

Alles Gute!

Geändert von Marjorie (09.02.15 um 12:46 Uhr)


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