Wohnraumgifte

09.08.08 08:19 #1
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Oregano ist gerade online
Beiträge: 63.689
Seit: 10.01.04
Ich habe meine Betten bei möbelum Möbelum Möbel Handelsgesellschaft mbH: Schlafzimmer gekauft und nie Probleme damit gehabt. Die fertigen sogar Sondermaße an.

Massivholzbetten, Lattenroste, metallfrei, Buche für Allergiker

Eine andere Möglichkeit sind Metallbetten; die dünsten bestimmt keine Kleber oder so etwas aus.

Gruss,
Uta

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Puistola ist offline
Beiträge: 983
Seit: 06.08.08
Zitat von hareeka Beitrag anzeigen
Holz o.k., aber der Holzleim (Weißleim auf Polyvinylacetat-Basis) setzt Formaldehyd frei.
Hat jemand Ahnung, ob diese Möbel nun eine Alternative zu Spanplattenmöbel sein können? Das Ganze kostet nicht wenig, und ich möchte nicht den Teufel mit dem Beezlebub austreiben.
Was soll sich denn ein MCS-Mensch in die Wohnung stellen? Gruß von Hareeka
Hallo Hareeka

Keine einfache Frage. Ich schiebe das seit Jahren vor mir her ...

Massivholzmöbel sind à priori besser als solche aus Spanplatten, denn in Spanplatten werden zehntausende Holzspäne zusammengeklebt, in Massivholzmöbeln einige Duzend Holzstäbe zu Platten zusammengefügt. Also brauchen diese viel weniger Leim, emittieren damit auch weniger Form-Aldehyd.

Phenolharzgebundene Platten emittieren sehr wenig Form-Aldehyd, man könnte diese bei Schreinermöbeln (Einbauschränke, Küchen) verwenden, wenn sie konsequent kunstharzbeschichtet werden, auch die unsichtbaren Schnittkanten. Auch die Bohrlöcher, etwa für Tablare sollten auf das Minimum beschränkt werden.

Oberflächen: Die Melaminharzbeschichtung von Spanplatten ist neutral, umfasst aber oft nicht die unsichtbaren Schnittkanten. Holzmöbel sind meist lackiert oder gewachst und Nadelholz emittiert selbst auch etwas Form-Aldehyd.

Besser als Nadelhölzer sind Laubhölzer, vor allem Birke. Tropische Hölzer hingegen haben oft einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen. Die überlassen wir lieber den Bootsbauern für wasserberührte Bauteile.

Wer gerne Stahl und Glas hat, ist fein raus, allerdings sind sowohl verzinkte, verchromte Oberflächen als auch Pulverbeschichtungen und Einbrennlackierung oft mit einem feinen Schleier Konservierungsöl überzogen. Diesen gilt es, mit feuchten Microfaserlappen gründlich zu entfernen, bevor die Möbel ein die MCS-Wohnung gebracht werden.

Matrazen sind auch so ein Thema, das Kopfzerbrechen macht:

- Kapok
- Rosshaar
- Baumwolle => Futon ("Bio" wegen den Insekticid-Rückstanden in normaler Baumwolle)
- Latex (sicher bin ich da nicht, manche reagieren allergisch darauf, testen! Im Übrigen ist Naturlatex nur noch schwer zu bekommen)
- Seegras, aber ob irgendjemand so etwas noch macht, weiss ich nicht.
Einzelne Hersteller weisen auf MCS-Verträglichkeit ihrer Produkte hin
Ein Reger Austausch zum Thema Matratzen im CSN-Forum:
CSN - Forum - Matratzen fuer MCS-ler

Ebensowichtig wie die Möbel ist, was sonst noch in der Wohnung rumliegt: Zeitungen und Zeitschriften möglichst abbestellen und im Internet anschauen, Post unter dem Dampfabzug öffnen, da kommen oft Schwaden von Druckfarbengift raus. Jegliche Duftstoffe in Körperpflege-, Putz-, Wasch-, Spülmitteln, Wunderbaums und andere Raumbedufter und "Luftverbesserer" sind des Teufels.

Zuletzt ein genereller Hinweis zu MCS-Wohnungen: Ohne eine Dauerlüftung, am besten mit Wärmerückgewinnung, sind keine wirklich guten Ergebnisse zu erzielen, zumal in städtischen Gegenden und Agglomerationen der Feinstaub die Aussenluft zum Lüften unbrauchbar macht. Feinstaub- und Aktivkohlefilterung der Zuluft ist m.E. zwingend.

Die Dauerlüftung sorgt dafür, dass die Emissionen aus Möbeln, Gebrauchsgegenständen, Drucksachen, Textilien, Elektro- und elektronischen Geräten, von Besuchern (Kleider, Shampoo, Parfums ...) fortlaufend abgeführt werden. Die saubere Luft wird über Schlaf- und Wohnräume zugeführt und über Bad, WC, Küche, Aufbewahrungsräume abgezogen.
Sinnvoll ist auch ein Schrank für Heimelektronik, der an die Abluft angeschlossen wird oder mit einem Aktivkohlefilter ausgestattet ist.
In Mietwohnungen, die nicht mit einer Lüftung nachgerüstet werden können, haben sich Umluftfilter mit Feinstaub- und Aktivkohlestufe recht gut bewährt. Eine stark belastete Wohnung lässt sich jedoch mit Lüftungsmassnahmen nicht sanieren.

Hmm, noch fragen zu diesem Endlosthema? Ach ja: Kabel stinken oft und "Energiesparlampen emittieren viel Flammschutzmittel, wenn sie warm werden, Feuerlöschdecken gehören nach draussen verbannt, und ...

Keine Garantie auf Vollständigkeit, Richtigkeit. Das ist das schlimmste: Niemand will garantieren für Emmissionsfreiheit seiner Produkte und wie will man messen, wenn in der Wohnung hunderte von potentiellen Emittenten stehen?

Trotzdem guten Schlaf wünscht
Puistola

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hareeka ist offline
Beiträge: 214
Seit: 13.05.08
Hallo Puistola,
danke für die ausführliche Antwort und die vielen Tipps. Ich werde mich dann für die Vollholzmöbel entscheiden. Eigentlich müsste ich auch das Laminat "rauswerfen", aber dazu fehlt mir das Geld. Meine Krankheit hat mich schon viel gekostet. Wegen der inzwischen zahlreichen Lebensmittelunverträglichkeiten esse ich nur noch Bio-Produkte. Vitamine und Mineralien muss ich zusätzlich essen, da ich sie über die Nahrung (Laktose-und Fruktoseintoleranz) nicht mehr ausreichend aufnehme.
Die Dauerlüftung haben wir in unserem Haus. Es erfolgt ein ständiger Luftaustausch. Allerdings habe ich mir die Verschlimmerung der MCS wahrscheinlich in meinem Büro zugezogen (nur Spanplattenmöbel, Laserdrucker und ständiger Gestank nach Chemikalien). Dieser Arbeitgeber wird sich jetzt wegen meiner Krankheit von mir trennen. Ist nicht ganz leicht dieses Leben als "Übersensible". Was muss man eigentlich tun, um nicht (was jetzt erfolgt) nur in die Psycho-Ecke gestellt zu werden? Gruß von Hareeka

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hareeka ist offline
Beiträge: 214
Seit: 13.05.08
Hallo Uta, Dir auch Dank. Kann es sein, das MÖBELUM hier in der Region R&S heißt? Die Seite sieht so aus wie der Katalog, den ich habe. Gruß von Hareeka

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Oregano ist gerade online
Beiträge: 63.689
Seit: 10.01.04
Ja, sieht so aus, hareeka: Möbelhaus Möbelum Möbel: Spartipps, Adressen aller Möbelhäuser

Ich würde allerdings trotzdem genau hinschauen, damit sich da nicht ein paar schwarze Schafe bei den Möbeln eingeschlichen haben , die dann zwar billig aber nicht massiv sind...

Grüsse und guten Einkauf,
Uta

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Puistola ist offline
Beiträge: 983
Seit: 06.08.08
Zitat von hareeka Beitrag anzeigen
Dieser Arbeitgeber wird sich jetzt wegen meiner Krankheit von mir trennen. Ist nicht ganz leicht dieses Leben als "Übersensible". Was muss man eigentlich tun, um nicht (was jetzt erfolgt) nur in die Psycho-Ecke gestellt zu werden?
Halt, so eine Kündigung kannst Du nicht einfach hinnehmen!
Die kündigen Dir wegen Krankheit. Das ist wohl illegal. Du verlierst damit schlimmstenfalls jeden Anspruch auf Lohnfortzahlung, Rentenansprüche usw. Wie genau das in D aussieht, weiss ich nicht, weil ich das in CH durchgemacht habe:
Weil es richtig gelaufen ist, hab ich nun eine Rente, von der ich finanziell sorglos leben kann. Wären die der Krankschreibung mit einer Kündigung zuvorgekommen, hätte ich jetzt sowas wie Sozialhilfe (Kurz nach meinem "Fall" haben die 5% der Belegschaft rausgeknallt).
Der bittere Preis für meine Rente war allerdings, dass ich mich von einem Psychologen per Gutachten ganz weit in die "Psychoecke" abdrängen liess, denn MCS ist in CH immer noch keine anerkanntes Krankheitsbild.

Hol Dir arbeitsrechtlichen Rat, vielleicht bist Du ja in einer Gewerkschaft oder einem Angestelltenverband. Sonst bezahlst Du halt dafür, das kostet immer noch weniger, als den Rest des Lebens nicht versorgt zu sein im schlimmsten Fall.

Ich wünsch Dir ne fette Rente
Puistola

PS: Man verzeihe mir bitte, in einem Gesundheitsforum juristischen Rat zu erteilen, doch an einer genügenden Versorgung kann die Gesundheit auch hängen. Panta Rhei.

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mezzadiva ist offline
in memoriam
Beiträge: 955
Seit: 06.04.06
Hallo hareeka,

es gibt Holzmöbel zum Selbstzusammenbauen, und eigentlich müsste es auch Leime geben, die frei von Formaldehyd sind. Es gibt mittlerweile eine Menge Möbelhersteller, die "bio" arbeiten, und es ist nicht unbedingt teurer als "normal" (mein Schreibtisch stammt auch aus so einer Produktion, er ist nur verschraubt, nicht verleimt).

Mich hat es in der neuen Wohnung jetzt auch wieder ereilt, nachdem ich jahrelang RUhe hatte. Laminatfußboden und evtl. auch Schimmelpilze hinter der Holzverkleidung in der Dachisolierung.

Fazit: grad eingezogen und sofort wieder neue Wohnung suchen, denn ich reagiere so heftig auf den Atemwegen und im Nervensystem, dass ich heute schon ein paarmal fast umgekippt bin.

Gruß
mezzadiva

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mezzadiva ist offline
in memoriam
Beiträge: 955
Seit: 06.04.06
Übrigens ist IKEA nicht generell schlecht!
Ohne IVAR z.B. wüsste ich gar nciht zu leben. Reines unbehandeltes Holz, nur Stecksystem, keine Kleber!
Aber bloß kein Billy und Co., das qualmt genauso fürchterlich wie alle anderen Nicht-Echtholz-Möbel auch.

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Puistola ist offline
Beiträge: 983
Seit: 06.08.08
Zitat von mezzadiva Beitrag anzeigen
Übrigens ist IKEA nicht generell schlecht!
Hoi Mezzadiva und hareeka

Es hatte mich auch gejuckt, z.B. auf die schönen Birkenholzmöbel von IKEA hinzuweisen. Habe hier ein sehr schönes Gestell zu Fenstersimsen umfunktioniert. Mit "IKEA" meinte hareeka wohl diese Spanplatten-Billig-Schränke, aus denen das Sägemehr rausrieselt, wenn man sie zusammenbaut, und auch da gibt es noch schlechteres als das Schwedenzeug, made ich Vietnam oder Moldavien.

Das Leim-Problem bei den Massivholzmöbeln ist nicht das zusammenfügen der einzelnen Teile mit Leim, denn dafür wird meist Acetat-Dispersionsleim (Weissleim) verwendet. Es ist die Primärverleimung der Platten, die aus vielen Stäben gefügt sind, aus denen dann die einzelnen Komponenten gefräst und gebohrt werden. Aber wie schon oben geschrieben: Dazu wird viel weniger Leim gebraucht, als beim verleimen der Späne zu Spanplatten, insbesondere den ganz billigen, die fast nur aus Sägemehl bestehen.

Es wird wohl Hersteller geben, die für diese Primärverleimung der Stabplatten Acetatleim oder einen anderen Form-Aldehyd-freien oder -armen Leim verwenden. Nachfragen!

Wohnung:
Mich haben Vermieter schon empört abgewiesen, wenn ich ein "Probeschlafen" gefordert habe.
Dabei ist das die einzige Art, herauszufinden, ob eine Wohnung passt oder nicht. Alles noch so sorgfältige Gucken und schnüfflen nützt nichts, und Löcher in die Deckenverkleidung bohren, um mit einem Endoskop zu schauen, wird auch keiner zulassen ...

Alles Gute bei der Wohnungssuche. Das Dumme dabei: Das wird immer dann erforderlich, wenn man besonders schwach ist. Das übelste an MCS und ähnlichen Empfindlichkeiten auf Wohngifte ist diese ständige Flucht, finde ich.

Trotzdem alles Gute
Puistola

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hareeka ist offline
Beiträge: 214
Seit: 13.05.08
Noch mal zum Möbelkauftipp von Uta:

Diese Firma heißt hier wirklich R&S; es sind alle Möbel identisch. Das Problem ist der Leim zwischen den Stabplatten des Massivholzes. Bei R&S ist es der Weißleim, der nach Angaben des Herstellers pro Stunde und Quadratmeter Trockenleim 0,2 mg Formaldehyd an die Raumluft abgibt. Der Rauch einer Zigarette soll 1,5 mg abgeben. Ich weiß nicht, ob ich diese Menge (0,2 mg) vertragen kann. es kommen ja noch Belastungen aus dem Laminat dazu, das im Zimmer ist, und dass ich nicht rausreißen kann (Geldfrage).
Die Firma allnatura (Internetversand) kann mir gar nicht sagen, womit ihre Möbelplatten verleimt sind.....
Übrigens habe ich zur Zeit noch das "nette "Billy"-Programmm von IKEA ("Wohnst Du noch oder bist Du schon vergiftet?" )

Sitze hier schon mit Aktivkohlefilter an meinem Schreibtisch. Das kann doch nicht "normal" sein. Ist zum Verzweifeln. Gruß von Hareeka


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