Emotionaler Missbrauch

10.01.10 17:52 #1
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MariaGabriella ist offline
Gesperrt
Beiträge: 231
Seit: 29.11.09
Hier ein Bericht des Engländers A. Vachss über Emotionalen Missbrauch:

"Du trägst das Heilmittel in Deinem Herzen"

[[http://www.vachss.de/mission/dispatc...sp_9408_a.html http://www.vachss.de/mission/dispatc..._9408_a.html]]


Ein sehr vernachlässigtes Thema, wie ich finde, deshalb stelle ich das hier rein.
Wenn dieses Thema in dieser Rubrik nicht passt, bitte ich um Verschiebung.

Falls jemand darüber diskutieren möchte, gerne, ich bin auch betroffen.

Gruß MariaG

Geändert von MariaGabriella (10.01.10 um 17:55 Uhr)

Emotionaler Missbrauch

Häschen ist offline
Beiträge: 76
Seit: 01.04.06
Liebe Maria!


Danke für diesen Beitrag!

Ich habe vor ein paar Wochen die Liebe meines Lebens geheiratet und werde nie vergessen was der Standesbeamte gesagt hat:

"Sie sind jetzt eine eigene kleine Familie"


Also auch wenn wir keine Kinder haben sind wir sozusagen "vollwertig" als Familie - das finde ich wichtig.


So und jetzt, warum ich dankbar für das Thema bin:


Seit ich meinen Mann als Ehemann habe und er immer sagt: "Gemeinsam sind wir stark, wir schaffen das" und solche ganz lieben Dinge eben ( wenn es im Alltag Hürden gibt ) fange ich endlich an, mich von meiner Mutter loszueisen ( emotional !! ) die mir 30 Jahre lang Schuldgefühle suggeriert hat und somit mein Leben mir teilweise unheimlich schwer gemacht hat !!!


Ich bin in einem hochakademischen "ordentlichen" Haushalt aufgewachsen - Vater immer in der Uni am dozieren und meine Mutter hat sich an mich geklammert - aus Einsamkeit weil mein Vater so gut wie nie zu Hause war.

Wenn man als Kind mehr Freiraum wollte war die arme Mutti ja ganz traurig....!

Und das böse Kind hat ja gar kein Verständnis für die arme Mutti...!

Je älter und reifer man wird wird der Druck durch die Mutter natürlich auch "anspruchsvoller" --> sie äussert nun ihr Missfallen über ihre Einsamkeit viel deutlicher und stellt deutlich andere Ansprüche an einen und was ich in meinem Leben eigentlich will ist sekundär - es sei denn, es passt in ihr Konzept!

Ist es auch ungefähr die Ebene über die Du schreiben möchtest?

Ich wollte deshalb erst einmal nur ganz kurz umreissen um was es in etwa bei mir geht.


Liebe Grüsse

Häschen

Emotionaler Missbrauch

Amy ist offline
Weiblich Amy
Beiträge: 410
Seit: 13.11.06
Zitat von MariaGabriella Beitrag anzeigen
Ein sehr vernachlässigtes Thema, wie ich finde,
Ich auch - und ich glaube, es liegt daran, dass sich viele Menschen überhaupt nicht bewusst sind, dass sie in ihrer Kindheit emotional misshandelt wurden. Schliesslich haben sie den Zustand als dermassen normal empfunden, dass sie ihn im Erwachsenenalter überhaupt nicht hinterfragt haben. Ausserdem ist der Konzept verhältnismässig neu. Sexuelle und körperliche Misshandlung sind altbekannte Begriffe, aber "emotionale Misshandlung" kenne ich erst seit einigen Jahren und habe erst dann erkannt, dass ich selbst betroffen bin.

Es is viel davon die Rede, dass man mit seinem "inneren Kind" zusammenarbeiten soll, aber es ist gar nicht so einfach, zu diesem inneren Kind Zugang zu finden.

Ich habe viel zu diesem Thema recherchiert. Einen Vortrag von Franz Ruppert über die Mutter-Kind-Bindung fand ich recht interessant:

"Die fundamentale Bedeutung der Mutter-Kind-Bindung für die seelische Gesundheit"

www.franz-ruppert.de/Vortrag_Idstein.pdf

Amy

Emotionaler Missbrauch

Oregano ist offline
Beiträge: 63.714
Seit: 10.01.04
Hallo Maria,

ein sehr eindrucksvoller Artikel. Vielen Dank!

Gruss,
Uta

Emotionaler Missbrauch

MariaGabriella ist offline
Themenstarter Gesperrt
Beiträge: 231
Seit: 29.11.09
Die Bindungstheorie von Bolby kenne ich, danke aber für den link.

Hallo Häschen, das, was du beschreibst, ist nicht so selten, ich kenne es von meiner Freundin. Sie wurde auch von ihrer Mutter völlig vereinnahmt und eigentlich emotional missbraucht, für Arbeit, Erziehung der jüngeren Geschwister, etc pp.

Ich wollte eigentlich allgemein über Emotionalen Missbrauch schreiben.
Primär wäre wohl wichtig zu wissen, wie man sich dessen bewusst wird, fällt mir gerade auf ...

Ich habe es erst vor ca einem Jahr erkannt, durch ein Buch. Ich musste emotionalen Missbrauch in der Kindheit erfahren, von beiden Elternteilen, und darauf baute sich ein völlig falsches Leben auf bei mir, inclusive falscher, nicht passender, langjähriger Partner, den ich auch viel zu lange ertragen habe - und danach habe ich erst hinterfragt, wieso und warum das bei mir alles so gekommen ist... wieso ich mit 43 Jahren völlig neu angefangen habe, aus der Ehe ausgebrochen bin, wieso ich in diese Ehe überhaupt rein geraten binetc pp.. .. woher mein Übergewicht kam, meine Depressionen,ich war faktisch nie depressionsfrei. Alles Folge eines fehlgeleiteten Energie"stroms" - meines Lebens. Ich durfte nie ICH sein.

Ich glaube mittlerweile fest, dass das alles auf Kindheitsmustern/prägung/erlernter Hilflosigkeit/emotionalem Missbrauch und dem daraus entstehenden Anpassungsdruck (ein Kind will überleben, wie auch immer und deshalb passt es sich an)passiert ist, daraus, nie anerkannt worden zu sein, es sei denn, ich bringe Leistung, die dann aber auch oft nicht ausreichend war... so war das bei mir.

Erkennen kam, wie gesagt, bei mir erst durch intensives Nachdenken, durch vieles Lesen von psychologischen Büchern, zuletzt das Buch von dem Hans-Peter Röhr: "Emotionaler und sexueller Missbrauch", aber wie weit solche Bindungs- und Handlungsmuster ins eigentliche erwachsene Leben hinein greifen, weiß ich bis heute nicht.

Ich habe bis heute Probleme zu erkennen, ob ein Wunsch, den ich verspüre, wirklich mein Wunsch, mein Wille ist.
Ich habe bis heute emotionale Probleme, mich abzugrenzen, nein zu sagen.

Ich weiß nur, dass ich immer zurück gesteckt habe, aus Angst, was zu wollen, bzw. aus Angst, wenn ich was will, alleine gelassen zu werden (Verlustangst); ich weiß nur, dass ich (meine Schwester auch) durch Leistungsdenken geprägt wurde, wenn ich nichts "brachte", war ich bei meinen Eltern unten durch.
Was gut und richtig war, bestimmten die Eltern. Danach diverse andere Leute. Aber nie ICH.
Diese Muster übernimmt man dann automatisch, denn anders meint man, keine Anerkennung von anderen zu bekommen.
So war es bei mir, und kenne es bis jetzt auch kaum anders.

Darüber möchte ich mich gerne unterhalten.

Gruß, MariaG

Emotionaler Missbrauch

Häschen ist offline
Beiträge: 76
Seit: 01.04.06
Hallo Maria,


dann habe ich es "richtig" verstanden - wollte nur wie eben geschrieben fragen, ob meine Vergangenheit da rein passt......und sie passt.


Leistung musste ich nicht zwangsweise erbringen - komischerweise, denn mein Vater ist bis heute Professer an der Uni ( er geht auf die 70 zu ! ).


Nein - es war eher das immer da sein für Mutti - ich musste ihr nicht helfen oder so - diese Anforderungen gab es nicht - das ist wohl anders als bei vielen anderen.


Ich war der seelische Mülleimer - ich musste nix tun ausser anwesend zu sein.

Und natürlich keine Probleme meinerseits auf den Tisch bringen - denn Mutters Probleme als einsame Professorenehefrau waren ja schlimm genug.


Ich sollte nur immer brav da sein.


Das endete ähnlich wie bei Dir in vielen Problemen später in der Pubertät, im Berufsleben, im Alltag.


Ich mochte fast jahrelang nicht essen - nichts mit Magerwahn oder so.

Es entwickelte sich ein chronisches Magenleiden - stressbedingt sagen die Ärzte - emotionaler Stress kann ich ergänzen.


Irgendwann wog ich nur noch 40 kg - kein Grund für irgendjemanden mich in eine Klinik zu stecken - nein - so eine intelligente hübsche Frau kriegt das doch schon wieder hin.


Genau wie als Kind - immer alles alleine hinkriegen und brav den anderen helfen.

Und der Mutti natürlich - die ist ja so wichtig - ohne die kann man ja nicht existieren....!!!

Denkste.....sage ich mir heute!


Die Ehe zerbrach und Papa war der Böse --> denn der hatte ja nun eine andere Frau - also musste ich Loyalität meiner Mutter gegenüber zeigen.


Ich bin heute nach Aussen hin sehr selbstbewusst, bin sprachlich für viele ein Talent ( also wie ich in Erzählungen mit der dt. Sprache umgehe ) und hübsch und wieder normal schlank.....und - das empfindet fast jeder - ich sehe ja gar nicht nach Problemen aus.... ...!


Aber innen drinnen sieht es anders aus.


Ich habe oft das Gefühl ich darf nicht glücklich sein ohne dafür zu Kreuze zu kriechen.

Das versuche ich nun über meinen Mann zu lernen --> ich bin es wert, ich darf glücklich sein - ohne wenn und aber.

Auch er wurde emotional misshandelt.

Typisch für Jungen ist ja der Satz von den Eltern:

"Ach - halte doch den Mund".

So ist er auch letztlich ein gebildeter Mann mit Uni Abschluss und gutem Job aber auch er kann nicht NEIN sagen.

Er versucht "überall lieb Kind zu machen" - sich Anerkennung zu holen.


Er hat eben Deinen Link gelesen --> er ist beeindruckt.

Wir haben schon seit Wochen nun genau die Muster unserer Eltern unter die Lupe genommen und darüber geredet --> Weihnachten kam da etwas auf den Tisch.

Unser beider Eltern sind - wie in dem Text beschrieben - an keiner Besserung ihres Verhaltens interessiert.

Dank Deines Linkes wollen wir nun endgültig gemeinsam unsere Interessen vertreten und uns aufbauen und stärken !!!

Ich bin 37, er ist 38 --> es wird Zeit!

Wir dürfen nicht mehr die kriechenden Opfer spielen.

Ein Glück können wir da so offen reden.

Ich will nicht mehr hungern müssen vor psychischem Druck oder gar fast Selbsthass haben...bezgl. der Rolle die meine Mutter mir zugeordnet hat...!


LG

Häschen

Emotionaler Missbrauch

MariaGabriella ist offline
Themenstarter Gesperrt
Beiträge: 231
Seit: 29.11.09
Puh, ja, das ist ja heftig, was du da schreibst.
Schön finde ich, dass du einen Partner gefunden hast, bei dem du du selbst sein darfst, und der dich so aufbaut.

Ich kann mich auch vage an Zeiten erinnern, da war ich noch sehr jung, 5, 6 Jahre alt, während derer ich nichts essen wollte. Auch an Zeiten mit vom Arzt nicht erklärbaren "nervösen Magenbeschwerden" u.v. mehr. An Psyche hat man damals natürlich nicht gedacht. Mein Gewicht ging dann rapide rauf, als ich von zuhause weg war, und alles essen konnte, was ich durfte, keiner mehr mir Vorhaltungen machte. Folge: starkes Übergewicht, über die Jahrzehnte erworben.
Das bin ich jetzt los. Werde aber immer irgendwie eine "Suchtpersönlichkeit" bleiben.

Ich habe oft das Gefühl ich darf nicht glücklich sein ohne dafür zu Kreuze zu kriechen.
Genau das ist es! Oder ich bemühe mich ohne Ende, und werde doch nicht glücklich (falsche Partnerwahl). Oder ich bemühe mich beruflich, und stelle mir selbst dabei ein Bein - Möglichkeiten gibts immer, habe da im Sommer sowas ähnliches erlebt, da war ich einfach zu gutmütig anderen gegenüber, habe anderen, die schlechter waren, einfach aus Gutmütigkeit den Vortritt gelassen. Die anderen haben natürlich was verkauft - ich nicht, ich hab dann die Veranstaltung abgesagt.
Ich hab mich einfach nicht mehr getraut.

Ich habe dieses Muster, nicht nein sagen können, sich überall lieb Kind machen, auch bei vielen anderen Menschen erkannt, leider. Bei einem guten Freund war es so offensichtlich, dass ich es direkt erkannte und da erst anfing, darüber nachzudenken, wie ich so bin... und da erst kam ich auf die Themen "erlernte Hilflosigkeit", Bindungsstile, emotionaler Missbrauch, sich nicht abgrenzen können, nicht nein sagen können, Verlustangst etc.
Das ist ein wahnsinnig schwieriges, komplexes, allumfassendes Thema.

Lange Zeit konnte ich auch mit Menschen, die sich mir gegenüber abgrenzen, nicht umgehen, weil ich mich nicht abgrenzen konnte. Das hatte ich ja nie gelernt. Ich hatte ja als Kind lernen müssen, mich an meiner Umwelt und ihren Stimmungen zu orientieren.

Seitdem ich mich abgrenzen kann, geht das Anerkennen der anderen, die sich ebenfalls abgrenzen, bei mir besser. Man muss die Dinge erst bei sich selbst lernen, dann akzeptiert man sie auch bei anderen.
Ich könnte hier noch ewig darüber weiter schreiben...

Sei froh, dass du deinen Mann hast!

Gruß, MariaG

Emotionaler Missbrauch

Oregano ist offline
Beiträge: 63.714
Seit: 10.01.04
Hallo Maria,

vielen Dank für das Stichwort "Erlernte Hilflosigkeit". - Dadurch ist mir ein Buchtitel wieder eingefallen:
Bücher von Amazon
ISBN: 3407220162
.

Ein Buch, das ich sehr lesenswert finde.

Gruss,
Uta

Emotionaler Missbrauch

Juliette ist offline
Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Ich danke Maria Gabriella für dieses Thema und allen die hier mitschreiben

Emotionaler Missbrauch, findet meiner Meinung nach, genau wie ihr auch schreibt, auf vielen Ebenen statt, sobald jemand emotional von jemand anderem etwas einfordert, damit er sich selbst besser fühlt.

Ich glaube aber auch, das die meisten Menschen sich ihrer emotionalen Abhängigkeit nicht bewusst sind, bis sie an einen Punkt kommen wo fast nichts mehr geht.

Grüsse von Juliette

Emotionaler Missbrauch

Heather ist offline
Beiträge: 9.809
Seit: 25.09.07
Hallo,

ich finde das ist ein wirklich sehr interessantes Thema, zu dem ich auch einiges erzählen kann:
Als kleines Mädchen habe ich auch jeden Abend im Bett mein kurzes Gebet gesprochen, aber die Dinge die ich dann erleben musste ließen mich total vom Glauben abkommen.
Als ich zehn war fing mein Vater an mich zu misshandeln (um das mal sehr nett auszudrücken), der Rest der Familie (habe auch noch Geschwister) musste natürlich auch unter ihm leiden, mich traf es aber besonders hart. Zu dieser Zeit war ich in ein Gymnasium gewechselt, was für mich sowieso natürlich eine große Umstellung bedeutete. Und zuhause wurde es immer schlimmer. Meine Mutter war bereits arbeiten wenn ich nach hause kam, mein Vater war leider manchmal da aber im Prinzip war ich ein Schlüsselkind. Für mich war kein Essen gekocht, im Gegenteil, ich musste noch das Geschirr spülen und je nachdem auch saugen, aufräumen, oder sonstwas. Man kann sich vorstellen, dass ich morgens selbstverständlich niemanden gesehen habe. Mein Vater schlief glücklicherweise, meine Mutter war wohl zu faul aufzustehen.
Ich habe das eine ganze Zeit, muss etwa ein Jahr gewesen sein, gut verkaftet, war schon als Kind hart im nehmen, aber dann starb unser Schäferhund, mein Kindheitsgefährte, mit nur neun Jahren. Das war für mich in dieser schwierigen Situation ein riesiger Schock, jetzt hatte ich zuhause niemanden mehr (Geschwister - Altersunterschied!). Ich konnte tagelang nichts essen, nicht zur Schule gehen, nur weinen, weinen, weinen.
So nach und nach resignierte ich und lebte mechanisch. Als ich dreizehn war gab ich im Gymnasium auf und akzeptierte dadurch, dass mein Vater mich zusammengeschlagen und -getreten hat.
Dies ist aus folgendem Thema:
http://www.symptome.ch/vbboard/nachd...uren-sand.html

Und über die Beziehung zu meiner Mutter habe ich mal ein Thema gestartet:
http://www.symptome.ch/vbboard/famil...tml#post198086

Ihr seht also, Ihr seid nicht alleine. Fühlt Euch alle ganz feste .


Liebe Grüße .

Heather
__________________
Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

(Albert Einstein)


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