Minderwertigkeitsgefühl bei Krankheit

07.09.09 00:01 #1
Neues Thema erstellen

Zitteraal ist offline
Beiträge: 66
Seit: 26.06.09
Ich finde mich bei Krankheit, oder wenn ich sonstwie gehandicapt bin, minderwertiger als bei Gesundheit.

Der Wertgedanke macht sich vor allem daran fest, dass ich keine Leistung bringen kann und genau das mich unzufrieden macht. Ich denke also, dass da zunächst einmal ein Wert ist, den man sich selber zuschreibt oder geben kann.

Ich finde es irgendwie pervers bei Menschen von Wert zu sprechen, aber es ist ja doch leider eine Tatsache, dass manche Menschen für einen persönlicher wertvoller sind als andere.

Und so ist es dann leider auch so, dass viele Leute die gesunden den kranken Menschen vorziehen.
Sei es nun bei der Arbeitseinstellung oder bei der Partnerwahl.

Als kranker Mensch fühle ich mich nicht konkurrenzfähig gegenüber den gesunden und das frustriert.

Ist das bei euch auch so? Und wenn ja, wie kommt ihr damit zurecht?

Seid ihr sowas wie Nischenbesetzer?

Geändert von Zitteraal (07.09.09 um 00:05 Uhr)

Minderwertigkeitsgefühl bei Krankheit
Weiblich KimS
Hallo Zitteraal,

Danke für dieses Thema

Ich denke es geht viele so die Krank oder Behindert sind... anfänglich und/oder mal mehr oder weniger.. .

Eigentlich wollte ich mich gerade abmelden und schlafen gehen, daher schreibe ich auch jetzt nicht viel dazu, aber auf das hier, was ich soeben in einem anderem Thread gelesen habe, wollte ich Dich noch schnell aufmerksam machen. Zeigt ja auch, dass es relativ ist, was man da denkt über Mehr- oder Minderwertigkeit.
Man ist ja auch mehr als eine Sammlung von körperliche Fähigkeiten.

Was mir persönlich aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass körperlich kranke Menschen oft vernünftiger und besser sind, als "die Gesunden".
Ein schöner Gedanke oder? Jedenfalls für vor dem Schlafengehen auch.

Herzliche Grüsse,
Kim

Minderwertigkeitsgefühl bei Krankheit

Zitteraal ist offline
Themenstarter Beiträge: 66
Seit: 26.06.09
Hey Kim wünsche dir eine schöne Nacht

Dass kranke Menschen "besser" sind als Gesunde ist wieder so ein Wertbegriff. Den sollte man doch vermeiden oder?
Besserer Mensch...schlechterer Mensch... alle Menschen sollten gleich sein. Da darf dann von keiner Seite eine Diskriminierung erfolgen.

Aber womit kann man das Wort ersetzen?

Minderwertigkeitsgefühl bei Krankheit

alibiorangerl ist offline
Beiträge: 8.947
Seit: 09.09.08
wuhu ;-)
Zitat von Zitteraal Beitrag anzeigen
...
Aber womit kann man das Wort ersetzen?
ein kranker mensch ist gegenüber einem gesunden bedürftig... an vielem...

und auch ich danke dir für dieses thema; begleitet es mich doch auch schon mehr als 10 jahre... und leider in dem von dir negativ beschriebenen ausmaße... natürlich kann ich mich frei von dem gedanken machen, ich wäre als kranker mensch genauso wertig respektive unwertig wie ein gesunder... doch die gesellschaft, der druck von verschiedenen seiten kann diesen emotionalen, seelischen druck nicht nur fördern - wirds dadurch bereits ausgelöst... von klein auf wird uns allen eingebläut, dass krankheit negativ, unproduktiv, etc ist... kein wunder, dass wir uns dann auch entsprechend fühlen...

aber ganz ehrlich - ich hatte vor 20 jahren träume, steckte mir erreichbare ziele... wie auch noch vor 15 jahren... vor 10 jahren war dann daran nicht mehr zu denken... und da ist dieses wissen... dass ich das alles doch noch erleben, verwirklichen könnte... wenn ich besserung, gar heilung erführe... ach, wie *pieps*cht ist doch so eines manchen leben...
__________________
» Optimismus ist nur ein Mangel an Information. « – Heiner Müller

Minderwertigkeitsgefühl bei Krankheit

Zitteraal ist offline
Themenstarter Beiträge: 66
Seit: 26.06.09
Zitat von alibiorangerl Beitrag anzeigen
wuhu ;-)


aber ganz ehrlich - ich hatte vor 20 jahren träume, steckte mir erreichbare ziele... wie auch noch vor 15 jahren... vor 10 jahren war dann daran nicht mehr zu denken... und da ist dieses wissen... dass ich das alles doch noch erleben, verwirklichen könnte... wenn ich besserung, gar heilung erführe... ach, wie *pieps*cht ist doch so eines manchen leben...

Sowas ist echt schade.
Dass man sich immer kleinere Ziele stecken muss und am Ende nicht mehr wirklich Stolz auf sich sein kann ist ja auch nicht das Gelbe vom Ei oder sollte ich sagen das "Wahre"?=( Wenn es nicht das Wahre ist lebt man leider in einer Welt, die man so nie wollte.
Wie kommst du denn damit zurecht?

-------------------------------------------------------------

Ich glaube Stolz und Ehrgeiz sind tief in mir verankert. Ich weiß nicht ob es mir eingebläut wurde oder sich mit der Zeit selbst entwickelt haben.

Der Schlüssel zur Wertsteigerung liegt für mich definitiv in der Gesundheit, von wo aus man so ziemlich alles erreichen kann.

Vielleicht könnte aber auch ein unbrechbarer Wille das Gleiche bewirken. (Ich denke da an den Film Gattaca wo ein nicht genetisch erschaffener Mensch mit Herzfehler zum Raumfahrer wurde und somit seinen Traum trotzdem erreichen konnte.)

Nun am Ende braucht man aber auch Kraft, Mittel oder Wege den Willen aufrecht zu halten, und wo kann man sowas finden?

Für mich ist die Quelle der eigenen Kraft die Vitalität, die wiederum unabdingbar mit der Gesundheit verknüpft ist.

Vielleicht sind andere Kraftquellen auch Träume oder Glauben.


lg ein schlafender Aal

Geändert von Zitteraal (07.09.09 um 12:49 Uhr)

Minderwertigkeitsgefühl bei Krankheit

Juliette ist offline
Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Hallo Zitteral,

das ist ein gutes Thema.

Meine Erfahrung ist die, das wenn man über einen längeren Zeitraum krank ist, auch an Selbstwert verliert. Das denke ich ist normal, denn man wird auch einem gut funktionierenden Kreislauf herausgerissen.

Später stellt man eventuell fest, man steht mit dem was man hat, nicht alleine da. Krankheiten haben ja meist eine oder mehrere Ursachen. Und diesen Ursachen kann man auf den Grund gehen. Man erfährt dadurch eine ganze Menge über sich selbst, sowohl physisch als auch phsychisch.

Sich selbst Wert zu schätzen, ich denke das hat nichts mit einer Krankheit zu tun, sondern mit dem was man tatsächlich ist. Ich glaube das ist etwas ganz großartiges und liegt jenseits des Körpers.

Ich kenne oder kannte einige Menschen die sehr schwer krank waren, die es aber trotzdem geschafft haben ihren Selbstwert zurück zu bekommen.

Als Beispiel könnte ich eine Frau anführen. Diese wurde durch Chemikalien in einer neu renovierten Wohnung geschädigt. Sie verlor ein Teil ihres Gedächtnisses, hatte ständig Durchfälle, Nervenausfälle, Konzentrationsstörungen, Nahrungsmittelallergien. Diese Frau studierte Sprachen und wollte als Übersetzerin arbeiten. Ganze zwei Jahre ihres Studiums hatte sie völlig vergessen. Sie musste mit allem was sie war wieder ganz von vorne anfangen. Sie hat eine verträgliche Wohnung gesucht. Sie arbeitete stundenweise in einem Bioladen, weil sie nicht wusste ob sie sich jemals wieder unter den sogenannten normalen Menschen mit ihren Deos ect. bewegen konnte.
Sie hat aber niemals aufgegeben, sich mit der Krankheit und mit sich selbst auseinander gesetzt. Sie brauchte fast zehn Jahre um wieder einigermaßen gesünder zu werden und in den letzten fünf Jahren ging es stetig bergauf.
Sie war sehr selbstbewusst und wurde nach anfänglichen Durchhängern, auch in der Krankheit wieder.

Ich denke mir auch wenn jemand es nicht schaffen sollte gesund zu werden, so ist es doch wichtig sich selbst nicht zu verlieren, denn das tut man, wenn man seinen Wert an etwas fest macht, was körperlich ist.

Grüsse von Juliette

Minderwertigkeitsgefühl bei Krankheit

alibiorangerl ist offline
Beiträge: 8.947
Seit: 09.09.08
wuhu ;-)
Zitat von Zitteraal Beitrag anzeigen
Sowas ist echt schade.
Dass man sich immer kleinere Ziele stecken muss und am Ende nicht mehr wirklich Stolz auf sich sein kann ist ja auch nicht das Gelbe vom Ei oder sollte ich sagen das "Wahre"?=( Wenn es nicht das Wahre ist lebt man leider in einer Welt, die man so nie wollte.
Wie kommst du denn damit zurecht?
tja, ich komme mal besser, mal schlechter damit zurecht; das ganze ist ja auch "teil meines zustandes"...

wie gesagt, es waren "normale" ziele, nichts unerreichbares für einen durchschnittsmenschen... mit überdurchschnittlichen talenten, begabungen, usw usf, auf dem einen oder anderen gebiet...

Ich glaube Stolz und Ehrgeiz sind tief in mir verankert. Ich weiß nicht ob es mir eingebläut wurde oder sich mit der Zeit selbst entwickelt hat.

Der Schlüssel zur Wertsteigerung liegt für mich definitiv in der Gesundheit, von wo aus man so ziemlich alles erreichen kann.
... genau, dann kam die krankheit; wenn man nicht gesund ist - also chronisch krank - kann man meistens auch nicht mehr seine "normalen" ziele erreichen... das hat dann nur teilweise mit stolz oder ehrgeiz zu tun bzw verkehrt sich das dann...

stolz und ehrgeiz ist zb auch mir eigen - doch wenn der körper nicht (mehr - und warum nun auch immer) "mitspielt"... nützt dir das nicht nur nicht mehr, es kann sogar ein weiteres gewicht um deinen hals (oder fuß ) darstellen bzw werden...

Vielleicht könnte aber auch ein unbrechbarer Wille das Gleiche bewirken. (Ich denke da an den Film Gattaca wo ein nicht genetisch erschaffener Mensch mit Herzfehler zum Raumfahrer wurde und somit seinen Traum trotzdem erreichen konnte.)
ich kenne den film; das beschreibt es zwar - aber leider wieder sehr überspitzt (= kein "normales" ziel)...

Nun am Ende braucht man aber auch Kraft, Mittel oder Wege den Willen aufrecht zu halten, und wo kann man sowas finden?
zb hier in diesem forum

Für mich ist die Quelle der eigenen Kraft die Vitalität, die wiederum unabdingbar mit der Gesundheit verknüpft ist.

Vielleicht sind andere Kraftquellen auch Träume oder Glauben.
natürlich können diese auch quellen der kraft sein... manchmal sind auch diese versiegt...
__________________
» Optimismus ist nur ein Mangel an Information. « – Heiner Müller

Minderwertigkeitsgefühl bei Krankheit

Hexe ist offline
Beiträge: 3.844
Seit: 13.07.07
Hallo Zitteraal,

jeder Mensch besteht aus vielen, vielen verschiedenen Teilen. Gesund sein ist nur ein Teil, wenn auch ein sehr wichtiger, weil man sich eben oft nur wohl fühlen kann, wenn man gesund ist.

Aber daneben gibt es noch andere Dinge, die einen Menschen ausmachen. Nicht nur Leistungskraft, Energie und die Fähigkeit sich Wohlstand zu erarbeiten.
Dinge wie: liebevoll mit anderen umgehen, zuhören können, mitfühlen, Verständnis haben, Geduld haben, sich selbst ein wenig zurücknehmen und auch mal auf die Bedürfnisse der anderen achten.
Wer krank ist, der weiss was Leid und Schmerz bedeutet, der weiss wie wichtig es ist dass andere für einen da sind, zuhören. Und von da ist es nur ein kleiner Schritt dahin, sich selbst zu solch einem Menschen entwickeln zu wollen, selbst zu dem zu werden das man sich von anderen wünschen würde.
Die Kraft, die Entschlossenheit und die Ausdauer die man braucht um sich zu ändern, die hat ein Kranker oft schon gestärkt und gelernt. Durch seine Krankheit musste er Kraft, Geduld und Ausdauer entwickeln.

Krankheit kann auch ein Chance sein sich als Mensch weiter zu entwickeln. Da haben Minderwertigkeitsgefühle keinen Platz.

liebe Grüße von hexe

Minderwertigkeitsgefühl bei Krankheit

Traeumerin ist offline
Beiträge: 81
Seit: 27.07.09
Wie definiert man "gesund" bzw "krank"?

Worin liegt der Wert eines Menschen?
Und wer bestimmt das?

Ich hatte (und habe noch immer) jahrelang mit Depressionen zu kämpfen, ich kam mir auch nutzlos vor, nichts wert. Ich hatte aber immer die Unterstützung meiner Familie. Und für sie habe ich überlebt!

Ich habe mir immer vor Augen gehalten, was ich doch noch alles erledigt habe. Und war stolz darauf. Obwohl es schon eine Wahnsinnsanstrengung war überhaupt aus dem Haus zu gehen. Einkaufen konnte ich nur, wenn ich begleitet wurde, ...

Minderwertigkeitsgefühl bei Krankheit

Jascha ist offline
Beiträge: 341
Seit: 20.02.09
Leider ist es so dass Krankheiten des Geistes (Bsp.Depressionen, Alkoholismus, Sucht jeglicher Art) weniger Anerkennung finden als rein körperliche Krankheiten und Schmerzen. Dies hat sich trotz weitläufiger Meinung in den letzten Jahrzehnten nicht geändert.

Dies beschreibt ziemlich gut die mir begegnete Ungerechtigkeit auf meinem bisherigen Weg.

Jemand der Krebs hat, wird von allen geliebt, bemitleidet, bewundert und geschohnt: Wir machen uns gar keine Vorstellung davon, wie schlimm das für dich sein muss. Es ist bemerkenswert wie du damit umgehst. Du bist so stark.

Jemand der Depressionen hat wird von den meisten gehasst, verspottet, und beneidet. Beneidet dafür, zu Hause bleiben zu können mit einer Arbeitsunfähigkeit während alle anderen sich kapputt arbeiten: Geht es dir wirklich so schlecht? Stell dich nicht so an. Es gibt Menschen die es noch viel Schlimmer haben, deine Krankheit ist nichts im Vergleich dazu.

bla bla bla usw


Optionen Suchen


Themenübersicht