Ausgleich unterschiedlicher Erziehungsstile

09.09.10 18:28 #1
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Laurina ist offline
Beiträge: 32
Seit: 24.06.09
Mich würde interessieren, was Ihr darüber denkt:
Kann man als Mutter den eher zu strengen und vielleicht manchmal dadurch auch destruktiven Erziehungsstil des Vaters irgendwie ausgleichen?
Ich habe mich sehr viel mit Erziehung befasst, viel darüber gelesen und reflektiert und für mich viele wertvolle Erkenntnisse im Umgang mit unseren beiden Kindern (Junge, 6, und Mädchen, 4) gewonnen.
Mein Mann hingegen ist eher der Meinung, er wüsste, was gute Erziehung ist, nämlich relativ "altmodisch" und oft auch autoritär, im Sinne von "du tust, was ich dir sage, solange du die Füße ..." usw.
Ich suche mit ihm immer wieder das Gespräch, und er zeigt sich grundsätzlich auch offen für Anregungen und Diskussionen mit mir - aber letztendlich bricht im Konfliktfall doch fast immer wieder der aufbrausende Vater durch, dem auch mal eine Kopfnuss entwischt und der den Kindern sehr oft an den Kopf wirft, wie "hohl" sie doch seien, wenn sie etwas Unvernünftiges oder Irrationales tun.
Mein Mann ist kein völlig schlechter Vater und Ehemann, aber dennoch habe ich Sorge, dass diese starke, dominante Art den Kindern auf Dauer schaden könnte, ihre Integrität verletzt und ihr Selbstwertgefühl schwächt.
Ich versuche, mit den Kindern darüber zu sprechen, dass ihr Papa nicht alles so meint, wie er es sagt, und dass Kopfnüsse und Anbrüllen nicht ok sind - aber kann ich damit einen psychischen Ausgleich schaffen?
Was könnte ich Eurer Meinung nach sonst noch tun? Oder tue ich genau das Falsche?

Ausgleich unterschiedlicher Erziehungsstile

nebel ist offline
Beiträge: 285
Seit: 08.08.09
hallo laurina,

ich schubs dich mal nach oben.

wie deine kinder den erziehungssil ihres vaters später verarbeiten wird die zukunft zeigen. der eine zerbricht an diesem autoritäten Erziehungsziel, der nächste wächst dadurch, der andere kopiert und gibt denerziehungsstil an die evtl. eigenen kinder weiter.

lg
nebel
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Das Recht des Stärkeren ist das stärkste Unrecht ( Marie von Ebner-Eschenbach)

Ausgleich unterschiedlicher Erziehungsstile
Esther2
Hallo,

also ich glaube nicht, dass du einen Ausgleich schaffen kannst.

Du solltest sehr klar sein in allem, was du tust. Durch einen versuchten Ausgleich kannst du bei deinen Kindern sehr viel Verwirrung stiften, weil sie dann zwischen Mama und Papa hin- und hergerissen sind. Sie lieben euch ja beide!

Die wirkliche Lösung wäre die Klärung, warum dein Mann so reagiert. Da kann man einerseits auf der Psycho-Schiene schauen: ist er überarbeitet, hat er selber diese Erziehung genossen etc.
Aber oft hilft ein Blick auf die körperliche Ebene auch, und ist für die Betroffenen leichter annehmbar: Die Leber, die aus Warte der chin. Medizin für Wut, Zorn, Aggressivität verantwortlich ist, ist bei vielen Menschen durch die Unmengen an Giftstoffen, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind, überlastet. Ergebnis sind Wutausbrüche, aber mit einer Leberkur können sich die legen oder zumindest sehr bessern!

LG, Esther.

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Datura ist offline
in memoriam
Beiträge: 5.002
Seit: 09.01.10
Hallo, Laurina,

Ich kann dir den Tipp geben, eine Erzihungsberatungsstelle aufzusuchen, erst allein, dann versuchen Deinen Mann einzubeziehen, "mitzuschleppen". Auch die Kinder sollten meiner Meinung nach mitgehen und ihre Sicht schildern, aber erst Du allein.

Wenn der Vater im geschützten Rahmen einer Beratungsstelle von seinen Kindern hört, dass sie (vielleicht, weiß ich ja nicht) unter der Strenge ihres Vaters leiden, wäre aus meiner Sicht am ehesten eine Umkehr möglich.
Viele Grüße und alles gute
Datura

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nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.533
Seit: 18.11.09
Zitat von Laurina Beitrag anzeigen
Ich versuche, mit den Kindern darüber zu sprechen, dass ihr Papa nicht alles so meint, wie er es sagt, und dass Kopfnüsse und Anbrüllen nicht ok sind - aber kann ich damit einen psychischen Ausgleich schaffen?
Was könnte ich Eurer Meinung nach sonst noch tun? Oder tue ich genau das Falsche?
Ich verstehe dich zwar. Körperliche Gewalt geht einfach nicht und diese Rumschreierei sollte wirklich nicht sein.

Aber damit, dass Du ihn bei deinen Kindern entschuldigst und sein Verhalten in den Vordergrund stellst und als falsch bezeichnest, untergräbst Du mMn. die Autorität deines Mannes und fällst ihm in den Rücken. Denn das Fehlverhalten der Kinder, dass der eigentliche Anlass deiner Mannes zur (falschen) Reaktion war, ist nicht mehr wirklich Thema, sondern nur noch das Fehlverhalten des Vaters.
Gar nicht gut.
Was passiert dadurch bei den Kindern. Sie bekommen im Laufe der Zeit den Eindruck vermittelt, dass man den Papa nicht wirklich ernst nehmen muss und er nur ab und zu ausflippt.
Erzieherisch dürfte das im Laufe der Zeit immer mehr zur Irritation führe.

Eigentlich geht es hier nur um die Korrektur des Verhaltens des Vaters, der anscheinend sehr viel aus seiner eigenen Erziehung mit einbringt und nicht ablegen kann.

Ich halte es auch für eine Möglichkeit mit der Familie zu einer Erziehungsberatung zu gehen, bietet sie doch eine Möglichkeit der gemeinsamen Konfliktlösung für Eltern.
Ein guter Therapeut beobachtet die Familie gemeinsam aus dem OFF, um sich seine Meinung zu bilden und zeigt dann auf, was man besser machen kann/falsch macht.
Aber das ist eigentlich auch so schon bekannt.
Eine andere wäre, dass er alleine eine Gesprächstherapie macht, um seine eigene Erziehung aufzuarbeiten.
__________________
Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

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Laurina ist offline
Themenstarter Beiträge: 32
Seit: 24.06.09
Danke für eure Ratschläge ...
Das mit dem Untergraben der Autorität meines Mannes ist mir bewusst ... aber ich kann mich da meist einfach nicht zurückhalten, wenn die Kleinen völlig aufgelöst zu mir laufen ... Und ich WILL auch nicht, dass sie Brüllen und Schlagen als probates Mittel zur Konfliktlösung imitieren (was mein Sohn durchaus schon tut; die Kindergärtnerinnen kennen alle Flüche meines Mannes ...) Sie nehmen ihn durchaus ernst und haben sogar Angst vor ihm ("Mama, bitte sag das heute Abend nicht dem Papa ...", "Der Papa soll aber nicht mit auf den Ausflug kommen").
Gestern hatten mein Mann und ich wieder eine Auseinandersetzung, und er warf mir vor, ich würde mich von den Kindern gängeln lassen (weil ich zum Bsp der Meinung bin, sie können selbst entscheiden, was sie aufs Brot haben möchten, und weil ich meiner Tochter zuerst das Fahrrad, dann den Roller und dann die Rollschuhe aus dem Keller geholt habe, als sie der Reihe nach damit spielen wollte).
Eine Erziehungsberatungsstelle oder gar Therapie würde mein Mann niemals aufsuchen, denn zum einen wäre das ein Zeichen von Hilfsbedürftigkeit, und zum anderen ist er ja davon überzeugt, dass man den Kindern zeigen muss, wo der Hammer hängt, notfalls eben auch mit autoritäten Mitteln. Vielleicht gehe ich tatsächlich mal allein zur Beratung ... (Wäre nicht das erste Mal ...)
Sein eigener Vater ist übrigens nicht so wie er, hatte aber selbst wohl einen mehr als tyrannischen Vater, denn mein Mann aber nie kennengelernt hat ...

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Esther2
Zitat von Laurina Beitrag anzeigen
Sein eigener Vater ist übrigens nicht so wie er, hatte aber selbst wohl einen mehr als tyrannischen Vater, denn mein Mann aber nie kennengelernt hat ...
Bei Familienaufstellungen sieht man oft "wunderschön", wie ein Problem eine Generation auslässt, um dann in der Enkelgeneration voll zuzuschlagen - unabhängig davon, ob sich Enkel und Großvater physisch kennen oder nicht.

Familienaufstellung kannst du dafür übrigens auch machen ... das hat Wirkung auf deinen Mann, egal ob er davon weiß oder nicht.

LG, Esther.

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nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.533
Seit: 18.11.09
Zitat von Laurina Beitrag anzeigen
Eine Erziehungsberatungsstelle oder gar Therapie würde mein Mann niemals aufsuchen, denn zum einen wäre das ein Zeichen von Hilfsbedürftigkeit, und zum anderen ist er ja davon überzeugt, dass man den Kindern zeigen muss, wo der Hammer hängt, notfalls eben auch mit autoritäten Mitteln.
Das hört sich wirklich nicht gut an.

Vielleicht solltest Du ihm klar machen, dass die Zeiten schon lange vorbei sind, in denen sein Verhalten eine Frage der persönlichen Einstellung war und ihn einfach auf die juristischen Konsequenzen seines Handelns hinweisen. Denn körperliche Strafen fallen mittlerweile schon seit 10 Jahren unter Kindesmisshandlung und seine Rumschreierei genau genommen auch.
Damit macht er sich im Gegensatz zu seinem Grossvater (bei dem dies vom Gesetz her noch ausdrücklich erlaubt war) rein rechtlich gesehen strafbar.

Urteil: Vater muss für zwei Ohrfeigen 800 Euro zahlen - Polizei & Justiz - Berlin - Tagesspiegel
Ohrfeigen: Ein Urteil für die Kinder - Norddeutschland - Region - Hamburger Abendblatt
Ende der Kopfnuss-Affäre - Das Oberlandesgericht bestätigt, dass eine Lehrerin aus Eichwalde Grundschüler geschlagen hat*-*Märkische Allgemeine - Nachrichten für das Land Brandenburg
Pro & Contra: Kinder ohrfeigen - auch ein Ausrutscher ist strafbar - Berlin - Tagesspiegel

Genau genommen kannst Du ihn also sogar anzeigen.
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Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

Geändert von nicht der papa (11.09.10 um 15:10 Uhr)

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Datura ist offline
in memoriam
Beiträge: 5.002
Seit: 09.01.10
Hallo,

Eine Erziehungsberatungsstelle oder gar Therapie würde mein Mann niemals aufsuchen
Braucht er ja auch erstmal nicht, erstmal ist wichtig, da Du die Einsicht hast, dass Du Dir helfen lässt und Dich beraten lässt, wie du dich verhalten sollst/kannst.

Na ja, ich denke einfach, dass darfst du auf keinen Fall so weiterlaufen lassen.

Alles gute und gute Entscheidungen wünscht
Datura


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