SPEKTRUM: rund um die Steinzeit-(Paläo-)Diät

06.12.16 16:48 #1
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SPEKTRUM: rund um die Steinzeit-(Paläo-)Diät
Clematis
Hallo,

die Paleo-Mischkost:
https://www.paleo360.de/paleo-lebensmittel/
Paleo Einkaufsliste – Urgeschmack

5 Gründe, warum Paleo großartig ist (Steinzeiternährung) (Ep. 151)
https://www.youtube.com/watch?v=FbKK5x7uzTg

5 Gründe, warum Paleo Blödsinn ist (Steinzeiternährung) (Ep. 150)
https://www.youtube.com/watch?v=4bBkG84ZPog

Gicht war früher eine Erkrankung der Reichen - da gab es sicherlich weit mehr als nur eine Ursache:
Bei den meisten Gicht-Patienten liegt eine angeborene Tendenz zu einem erhöhten Harnsäurespiegel vor. Bestimmte Verhaltensweisen wie eine purinreiche Ernährung können jedoch krankheitsfördernd wirken. Oftmals können sie sogar einen akuten Gichtanfall auslösen: Denn nicht selten treten die Beschwerden nach einem üppigen Mahl und reichlich Alkoholkonsum auf.
Mehr zum Thema: Gicht: Ursachen und Auslöser - gesundheit.de
Als Modeerscheinung würde ich Paleo deshalb einstufen, weil sie plötzlich in aller Munde ist. Was und wie die Steinzeitmenschen tatsächlich aßen und was sie sonst noch taten, läßt sich trotz aller Untersuchungen, wohl nicht mehr umfassend und vollständig rekonstruieren - wenige Puzzlestücke werden hier zu Theorien zusammen gebastelt, nicht Bekanntes bleibt zwangsläufig unberücksichtigt.

Naturbelassenes selber kochen, von allem etwas, scheint dieser Mischkost zu entsprechen. Ist man krank, muß die Ernährung entsprechend angepaßt werden.

Gruß,
Clematis

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Oregano ist offline
Themenstarter Beiträge: 61.056
Seit: 10.01.04
Hallo,

... Was und wie die Steinzeitmenschen tatsächlich aßen und was sie sonst noch taten, läßt sich trotz aller Untersuchungen, wohl nicht mehr umfassend und vollständig rekonstruieren ...
Das sehe ich so wie Clematis. Eines allerdings dürfte eindeutig klar sein: es gab zur Steinzeit weder Autos noch Züge, und die Menschen haben sich hauptsächlich zu Fuß vorwärts bewegt. Das ist ein großer Unterschied zum heutigen Leben und hat(te) natürlich großen Einfluß auf unseren Stoffwechsel (u.a.).

Grüsse,
Oregano
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malk ist offline
Beiträge: 1.188
Seit: 26.08.11
Zitat von MaxJoy Beitrag anzeigen
Moderne Paläoernährung empfiehlt dagegen Mischkost und unterscheidet sich nur noch in Details von einer ganz normalen ausgewogenen Ernährungsweise.
Naja sehe ich anders, sie unterscheidet sich jedoch in SEHR WICHTIGEN Details.

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malk ist offline
Beiträge: 1.188
Seit: 26.08.11
Zitat von Clematis Beitrag anzeigen
Was und wie die Steinzeitmenschen tatsächlich aßen und was sie sonst noch taten, läßt sich trotz aller Untersuchungen, wohl nicht mehr umfassend und vollständig rekonstruieren
Umfassend und vollständig wird sich das sicher nicht rekonstruieren lassen. Jedoch einige sehr wichtige Aussagen lassen sich nach heutigem Stand der Forschung treffen, zum Beispiel:
1) Kein Getreide, Kein Zucker u.ä. Kohlehydrate (kamen erst mir der Agrarrevolution)
2) Fleisch von Savanengroßwild wurde gegessen (lässt sich anhand von Isotopenunteruschungen an Primatenvorfahren des Menschen nachweisen und anhand der Ernährungsgewohnheiten heutiger Primaten z.B. Chimpansen fressen Fleisch)
3) Keine verarbeiteten Lebensmittel (z.B. Sojaprodukte, Pflanzenfette in größernen Mengen als z.B. eine Handvoll Nüsse, E-Nummern ...)
4) keine extrahierten, raffinierten und somit künstlich stark konzentrierten Lebensmittel (Pflanzenfette, Zucker, gepresste Säfte, Getreide in größeren Mengen uvam.)

usw.

Geändert von malk (07.12.16 um 14:36 Uhr)

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Clematis
Zitat von malk Beitrag anzeigen
1) Kein Getreide,
Hallo Malk,

bei kein Getreide würde ich ein Fragezeichen setzen, wenn's stimmt, aßen sie die Samen der Gräser - sie wurden gemahlen und vermutlich zu Brei verkocht. Das war eine Urform des heutigen Getreides, wobei diese natürlich nicht mit den heutigen Getreidesorten und deren Inhalten gleichzusetzen sind. Wichtig erscheint mir dabei nur, daß der Verdauungstrakt, auch des Urmenschen, diese bereits aufnehmen, verabeiten und nutzen konnte, was dann zu deren Weiterzüchtung führte.

Bei allem anderen stimme ich Dir zu - was wir heute als Nahrungsmittel in uns hineinkippen, denaturiert bis zum geht nicht mehr, schadstoffbelastet, einseitig, das geht auf keine Kuhhaut und verträglich ist es mit Sicherheit nicht. Wobei z.B. 5 Zuckerwürfel und 5 Tassen Kaffee über den Tag verteilt vor Alzheimer schützen sollen (stand hier in einem anderen Thread). Etwas Zucker braucht der Mensch also. Ob statt Industriezucker, 5 Teelöffel Honig die gleiche Wirkung haben, das wurde wohl nicht erforscht.

Gruß,
Clematis

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Clematis
Zitat von Oregano Beitrag anzeigen
Das ist ein großer Unterschied zum heutigen Leben und hat(te) natürlich großen Einfluß auf unseren Stoffwechsel (u.a.)
Hallo,

im Zusammenhang mit Stoffwechsel ist noch etwas heute völlig anders:
Stress - Vester beschrieb das in seinem Buch sehr ausführlich.

Der Urmensch rannte vor einem wilden Tier weg und um sein Leben, die Angst sorgte für die Ausschüttung von Adrenalin usw., um hohe körperliche Leistung zu ermöglichen. Bei der körperlichen Aktivität wurde es aber auch wieder verbraucht, es blieben keine Rückstände, wenn der Stress vorbei war.

Der heutige Mensch sitzt im Auto, ärgert sich über den Stau, hat Angst zu spät zur Arbeit zu kommen. Auch hier wird Adrenalin usw. produziert. Aber es wird mangels körperlicher Aktivität nicht abgebaut, sondern bleibt noch länger im Körper, was dann zu Dauerstress führt. Ein sinnvoller Stoffwechselvorgang bei Gefahr ist weiterhin vorhanden, kann aber heute nicht ausgelebt werden und wird so zu einem Störfaktor.

Bücher von Amazon
ISBN: 3423330449


Gruß,
Clematis

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malk ist offline
Beiträge: 1.188
Seit: 26.08.11
Zitat von Clematis Beitrag anzeigen
bei kein Getreide würde ich ein Fragezeichen setzen, wenn's stimmt, aßen sie die Samen der Gräser - sie wurden gemahlen und vermutlich zu Brei verkocht.
Ja aber
1) Es wurden verschiedenste Samen und Gräser gegessen. eine Art immer nur für einen sehr kurzen Zeitraum (Reifezeit von ein paar Tagen, keine Lagerhaltung). Deswegen fallen Fehlernährungen nicht sofort auf und wenn dann sehr indirekt (wer würde schon Schlaganfall, Herzinfarkt, Diabetes usw. mit Getreidekonsum in Verbindung bringen).
2) Die sammelbare Menge war sehr gering. Fünf mal im Jahr ein Vollkornbrot ist sicher kein Problem, aber jeden Tag definitiv.


Zitat von Clematis Beitrag anzeigen
Etwas Zucker braucht der Mensch also.
Definitiv nicht (meine Meinung). Der Mensch braucht definitiv Kohlehydrate, jedoch artgerechte Kohlehydrate. Diese sind
1) Polysaccharide (und keine konzentrierten Mono- oder Disaccharide) welche die Darmflora zerlegt
2) Enthalten in Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischen Index (niedrige Konzentration) z.B. Wurzeln.
3) Saisonal darf es auch mal Obst sein (sollte allerdings wenig gegessen werden und unser typisches hochgezüchtetes Obst schon gar nicht)

Honig in größeren Mengen ist ungesund weil Fructose! Zucker ist ungesund weil zu 50% aus Fructose (Disaccharid) vor allem wenn konzentriert außerhalb einer natürlichen Wurzel/ Frucht. Forschungen zeigen, dass Fructose maximal 15% der KH Aufnahme sein sollte (regt die Leber an und ist somit positiv). Alles darüber ist belastend für den Körper. Die Leber kann Fructose nicht verarbeiten oder verbrennen, es ist somit ein unnützer Schadstoff, der aus dem Körper entfernt werden muss.

Wenn schon ein Monosaccharid, dann bitte Glucose (ein Gehirnbrennstoff) mit z.B. max. 15% Fructose. Aber nur z.B. bei Darmdysbiose und nur kurzzeitig, wenn keine komplexen KH mehr vertragen werden.

Wenn es jemand genauer interessiert, z.B. im PHD Buch sind die entsprechenden Studien angeführt.

Geändert von malk (07.12.16 um 18:11 Uhr)

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evalesen ist offline
Beiträge: 2.887
Seit: 20.08.09
Zitat von malk Beitrag anzeigen
Honig in größeren Mengen ist ungesund weil Fructose! Zucker ist ungesund weil zu 50% aus Fructose (Disaccharid) vor allem wenn konzentriert außerhalb einer natürlichen Wurzel/ Frucht. Forschungen zeigen, dass Fructose maximal 15% der KH Aufnahme sein sollte (regt die Leber an und ist somit positiv). Alles darüber ist belastend für den Körper. Die Leber kann Fructose nicht verarbeiten oder verbrennen, es ist somit ein unnützer Schadstoff, der aus dem Körper entfernt werden muss.
Hallo malk,

es gibt einen faszinierenden Artikel über Zucker allgemein, wo es um die Thematik Honig und Fructose geht http://www.symptome.ch/vbboard/ernae...ml#post1059625
Demnach ist es die Kombination von Faser und Fructose, die die Fructose unschädlich macht. Richard Nikoley von FreeTheAnimal schreibt (wobei der gesamte Artikel sehr spannend ist, aber hier ist ein Auszug:

Das Geheimnis von Honig: Faser und Fructose
Eine Gruppe von Forschern fütterte eine Gruppe von Ratten mit Honig, und eine andere Gruppe von Ratten mit gereinigter Fructose, um den Unterschied zu beobachten. Der Honig schützte die Ratten vor den prooxidativen Effekten der Fructose.
Substituting Honey for Refined Carbohydrates Protects Rats from Hypertriglyceridemic and Prooxidative Effects of Fructose

Unglaublich, dachten die gleichen Forscher, sie entdeckten einen der zugrunde liegenden Mechanismus, der eine signifikante Reduktion des oxidativen Stress in den Ratten auslöste, hielten aber ihre Erkenntnisse zurück, um sie zu patentieren
Liebe Grüße, Eva

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malk ist offline
Beiträge: 1.188
Seit: 26.08.11
Hallo evalesen,

Danke, deine Infos sind immer super!

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MaxJoy ist offline
Beiträge: 663
Seit: 18.03.16
Ich kann mir schlecht vorstellen, dass unsere Vorfahren mit Nährwerttabellen und Nahrungsmitteltabus hantiert haben. Nomaden leben am absoluten Existenzminimum und essen so ziemlich alles, was am Wegesrand herumliegt oder sich leicht erjagen lässt. Also auch Insekten und Kadaver. Rüdiger Nehberg wäre ein heutiges Vorbild für so eine Paläodiät. Bei einer Lebenserwartung von 25 - 40 Jahren ist es auch ziemlich wurscht, was man isst, Hauptsache der Körper kann genügend Kalorien zum Überleben herausziehen. Spannend wird es eigentlich erst im Alter, wenn die Verdauung nicht mehr so robust ist und die Unverträglichkeiten zunehmen.

Auf Arte habe ich einmal einen Film über einen afrikanischen Nomadenstamm gesehen, der sich ausschließlich von seinen Rinderherden ernährt hat - also morgens, mittags und abends Rindfleisch. Wenn diese Leute durstig sind, schießen sie einen Pfeil in eine Kuh, zapfen einen halben Liter Blut ab, vermischen ihn mit Milch und trinken das dann. Die Wunde wird anschließend mit Kuhmist gestopft. Trotz dieser Mörderdiät ist dieses Volk kerngesund, weil sie bestimmte Kräuter sammeln und so für einen Säure-/Basenausgleich sorgen. Außerdem liegt die Lebenserwartung bei ca 50 Jahren, die typischen Alterskrankheiten erleben sie also gar nicht mehr. Beispiele für derartig krasse Ernährungsweisen findet man überall auf dem Globus, sie zeigen die extreme Anpassungsfähigkeit des Allesfressers und Überlebenskünstlers Mensch. Ob man das nun unbedingt nachmachen muss, ist natürlich die andere Frage.


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