Krankenhauskeim MRSA

20.05.08 21:42 #1
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Labor/Nachtrag

James ist offline
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Seit: 20.05.08
um Missverständnisse zu vermeiden:
Ich will und kann natürlich hier keine Reklame für ein bestimmtes Labor machen. Deshalb bitte ich dies über den privaten Weg von symptome.ch zu mir zu machen. Um Infos/Angebote zu weiteren Anbietern wäre ich interessiert, schon um kurze Wege zu ermöglichen.
Danke

Krankenhauskeim MRSA

Baffomelia ist offline
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Seit: 04.01.07
Hallo MRSA,

wenn Du so ein Labor kennst und es hier bekanntgibst, ist das keine Reklame, sondern eine Information.

Viele Grüße
Baffomelia

Krankenhauskeim MRSA/Labor/Hinweise

James ist offline
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Seit: 20.05.08
Hallo,
habe eben die Zeit genutzt und im Internet nachgesehen. So gut wie jedes Labor hat das Screening im Leistungskatalog, jedes Krankenhaus auch. Der PCR-Schnelltest kostet ca. 20,50€. Bei bode-chemie kann man als PDF ein Heft herunterladen, welches speziell MRSA beleuchtet (selbst bei Babypflege). Da die Menge der Infos sehr groß ist, sollte man ganz gezielt suchen.
Euer MRSA

MRSA sorgt für Streit unter Ärzten

James ist offline
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Ärzte streiten über Klinik-Hygiene

Welche Oberflächen müssen desinfiziert werden? Da sind sich Ärzte nicht einig
Von Carolin Wellegehausen

Jedes Jahr stecken sich in Deutschland mehr als 800.000 Menschen im Krankenhaus mit multiresistenten Erregern an. Ärzte sind sich nicht einig, wie die Gefahr in der Klinik bekämpft werden sollte.
Ralph A., heute 65 Jahre alt, sägte Steine als es passierte. Die Flex fuhr in seinen Oberschenkel und verletzte ihn schwer. Das vor fast zehn Jahren. Ralph A. kam sofort ins Krankenhaus, allerdings bekam er dort
nicht nur ärztliche Hilfe. Seine Wunde wurde mit Bakterien verseucht - und zwar ausgerechnet mit multiresistenten Staphylococcus aureus- Bakterien (MRSA). Multiresistent bedeutet: Sie lassen sich nicht
mit herkömmlichen Antibiotika behandeln, da sie dagegen immun sind. Das macht diese Krankheitserreger so gefährlich.
Ralph A. ist kein Einzelfall. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene infizieren sich jedes Jahr 800.000 bis eine Million Menschen in Kliniken mit multiresistenten Erregern. Davon
versterben 20.000 bis 40.000 Patienten. Aber wie kann es überhaupt passieren, dass so viele Menschen in Kliniken krank werden? Ein wichtiger Grund scheint die Hygiene. Seit Jahren tobt unter Fachärzten
für Hygiene der Streit, ob überall im Krankenhaus alle Flächen mit Desinfektionsmittel geputzt werden müssen oder nicht. Seitens des Gesetzgebers gibt es keine einheitlichen Vorschriften für die
Krankenhäuser. Es scheint selbstverständlich, dass in Kliniken überall mit Desinfektionsmitteln geputzt wird, möchte der Laie oder Patient meinen.

Desinfektion aller Flächen ist teuer

Henning Rüden, beratender Facharzt für Hygiene der Helios-Kliniken ist der Meinung, es sei ein Mythos, dass die Desinfektion aller Oberflächen Infektionen mit multiresistenten Erregern verhindere. "Desinfektionsmittel sind teurer als eine normale Reinigung und eine Umweltbelastung", sagt er. Petra Gastmeier, Leiterin des Nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (Krankenhausinfektionen) sagt dazu: "Der Hygienikerstreit wird gerne aufgebauscht, aber im Endeffekt sind sich alle einig, dass eine Oberflächendesinfektion da notwendig ist, wo die Fläche kontaminiert wurde." Doch auch sie hält eine generelle Flächendesinfektion für unnötig. Wichtiger sei gut geschultes Personal, das alle Aspekte berücksichtigt - also auch den Umweltschutz. Es komme auch auf das Desinfektionsmittel an, inwieweit es die Umwelt belastet und wie viel Rückstand bleibt, schränkt sie ein.Andere, wie zum Beispiel Klaus-Dieter Zastrow, Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Vivantes-Kliniken Berlin, sind deswegen stinksauer. Sie sehen das tägliche Putzen mit Desinfektionsmitteln als Schutz für den Patienten. "Denn Menschen mit einem angegriffenen Immunsystem sind natürlich anfälliger für eine Infektion", sagt Zastrow. Wer im Krankenhaus behandelt werde, habe durch seine Verletzung oder Krankheit automatisch ein geschwächtes Immunsystem. "Also auch der kerngesunde Sportler, der wegen eines Bänderrisses operiert wird", betont Zastrow. "Außerdem ist das Desinfizieren auch nicht teuer, schon gar nicht im Gegensatz zu einem Patienten mit einer verlängerten Liegezeit durch eine Infektion." Er hält eine solche Rechnung für katastrophal.

Mikrobielle Tests

Petra Gastmeier macht in erster Linie die fehlenden MRSA-Abstrichtests bei der Erstuntersuchung von Patienten verantwortlich für die steigende Infektionsrate - und nicht die mangelnde Desinfektion: "Deutschland hat in den letzten Jahren verschlafen, MRSA-Patienten ohne Infektionssymptome rechtzeitig zu erkennen und dementsprechend Präventionsmaßnahmen anzuwenden." Seitdem mikrobiologische Screening-Untersuchungen in den vergangenen Jahren vermehrt umgesetzt würden, habe es keinen weiteren Anstieg gegeben. Zudem meint sie: Um eine Übertragung zu verhindern, sei es viel entscheidender, die Hände zu desinfizieren, und nicht die die Oberflächen.
Henning Rüden sieht das genauso: "Da MRSA fast ausnahmslos über die Hände übertragen wird, ist die mangelnde Händedesinfektion die entscheidende Ursache, nicht die mangelnde Oberflächendesinfektion." Viele Ärzte sind -laut Zastrow - anderer Meinung: "Eine gezielte Oberflächenreinigung bedeutet, die Flächen mit Desinfektionsmittel abzuwischen, auf denen etwas Sichtbares wie Blut und/oder Eiter zu sehen ist." Das allein hält er jedoch nicht für ausreichend, da eine kontaminierte Fläche nicht immer erkennbar ist. "Im Krankenhaus muss desinfiziert werden." Er ist erleichtert, dass es mittlerweile nur noch wenige Ärzte gibt, die die Ansichten von Rüden und Gastmeier für richtig halten. "Und diese Leute bekommen auch in ihren Kliniken Probleme, wenn sie das durchsetzen wollen."

Keine klare Richtlinie

Eine neue Richtlinie des Robert-Koch-Institutes lässt weiterhin Raum für Interpretationen. Sie ist rechtlich zwar nicht bindend, hat aber im Streitfall den Wert eines Gutachtens. Die aktuelle Richtlinie bestätigt, dass nach einer Desinfektion auch noch Stunden später weniger gefährliche Keime vorhanden sind. Zudem verhindern Desinfektionsmittel die Verschmutzung des Putzwassers mit den tödlichen Keimen und damit deren Verbreitung. Rüden hält die Richtlinie von 1999 für ergänzungsbedürftig. "Nach der Devise: weniger ist mehr, aber dann richtig - zum Beispiel Händedesinfektion! Eine gezielte Oberflächendesinfektion ist wichtig!" Zastrow erklärt dagegen: "Die RKI-Richtlinie lässt zwar Spielräume, aber wenn man genau liest, dann kommt man nicht herum, alle Risikobereiche zu desinfizieren."
Lediglich Berlin, Bremen und Sachsen haben seit 15 Jahren eine Vorreiterrolle in Sachen Hygienevorschriften: Jedem Krankenhaus steht ein beratender Hygieniker zur Seite, ab 300 Betten wird eine hygienische Fachkraft, ab 450 Betten ein Facharzt für Hygiene beschäftigt. Zastrow wünscht sich, dass diese Vorgehensweise im Infektionsschutzgesetz verankert wird. In einem Schreiben an Staatssekretär Rolf Schwanitz vom 26. Februar 2008 machte er Vorschläge für eine entsprechende Gesetzesänderung.

Ralph A. musste sich wegen seiner MRSA-Infektion in zehn Jahren siebzig Operationen unterziehen und es geht ihm heute immer noch nicht besser. Viele Kliniken versuchen, ihn wegen seiner Infektion schnell wieder loszuwerden. Zastrows Brief vom Februar wurde bislang nicht beantwortet.

Quelle/Link: stern.de vom 29.April 2008

Geändert von James (24.05.08 um 16:44 Uhr) Grund: Tab teilweise falsch gesetzt

NRW reagiert gegen MRSA

James ist offline
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Seit: 20.05.08
Erste regionale Erfolge – NRW reagiert im Kampf gegen MRSA, wichtiges Detail fehlt

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat in einem Erlass die Kliniken verpflichtet, die Richtlinie des Robert-Koch-Institutes gegen MRSA einzuhalten.
Durch mangelnde Hygiene steckten sich in Kliniken 200.000 Patienten jährlich allein in NRW mit nosokominalen Keimen an. Zur Richtlinie gehört auch verbindlich ein Eingangsscreening. Aus Sicht des Ministers ist nicht nur die Identifikation der MRSA-Träger unverzichtbar, sondern auch die Unterbringung in spezielle Abteilungen um andere Patienten zu schützen. Dazu gehört auch ein umfangreiches Hygienemanagement.
Bedauerlich ist jedoch, dass das medizinische Personal nach meinen Informationen NICHT im Erlass erfasst ist und somit als MRSA-Träger weiterhin eine Gefahr für Patienten besonders im OP und auf Intensivstationen darstellen kann. Ich hoffe, dass diese Schwachstelle umgehend geschlossen wird!

Krankenhauskeim MRSA

Baffomelia ist offline
Beiträge: 1.143
Seit: 04.01.07
Pilzgifte, d.h. Antibiotika (Abschnitt 8.2.1), laufen nach einem Jahrzehnte währenden Boom Gefahr, in Mißkredit zu geraten, weil die Sensibilisierungs- und Resistenzproblematik dramatische Ausmaße annimmt. Es wird immer aufwändiger und aussichtsloser, das Rennen gegen eine Vielfalt resistenter Bakterienstämme zu gewinnen. Das erinnert an die berühmte Parabel von La Fontaine: Immer ist der Igel schon da und der Hase läuft sich zu Tode - immer neue Bakterienstämme werden resistent und die Pharmaforschung beißt sich daran die Zähne aus. Angesichts dieser verzweifelten Situation ist es beruhigend, daß ozonisierte Öle (Abschnitt 8.2.2) ein wirksames Antiseptikum im lymphatischen Milieu sind, die gegen eine Vielzahl anaerober Bakterien und Pilze zuverlässig und dauerhaft wirksam sind. Das Prinzip der kontinuierlichen Freisetzung von Sauerstoff in sauerstoffarmen Bereichen des Organismus stellt eine elegante Möglichkeit der Milieuänderung dar und damit der Vermeidung gefährlicher Intoxikationen durch unterschiedliche Erreger.
Aus Beitrag 165155.

Viele Grüße
Baffomelia

unangemessene Verordnung von Antibiotika

James ist offline
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Seit: 20.05.08
Hallo Baffomelia,

Dein Zitat trifft den Kern. Das Problem hätte vermieden werden können. Zu unangemessene Verordnungen von Antibiotika gibt es auch eine umfangreiche Studie aus Kanada. Falls Interesse besteht: Canadien Medical Associatin Journal (CMAJ), als PDF aus 2007, 09.Okt (englisch). Die CMA hat Verordnungen von 104.230 Patienten untersucht und kam zu sehr bedenklichen Erkenntnissen, wie und auch welcher Arzt-Typ unangemessen Antibiotika einsetzt und damit viel mehr Schaden als Nutzen angerichtet hat.
Aber auch Patienten haben dazu beigetragen, dass die Chancen vertan wurden. Viele brechen bei sinnvoller Medikation die Behandlung vorzeitig ab und ermöglichen damit den restlichen Keimen sich anzupassen und resistent zu werden.
Richtig wäre gewesen, Antibiotika nur in dringenden Fällen anzuwenden und deren Einnahme im Krankenhaus zu beaufsichtigen.
Eine solche Einstellung wäre aber wieder gegen die Interessen der Pharmazie gewesen und ich glaube nicht, dass die Gesundheitspolitik da mitgespielt hätte.
Vernunft ist immer in der Minderheit…
Gruß allen Lesern,
Euer MRSA- Mann

Krankenhauskeim MRSA

ColonelKate ist offline
Beiträge: 47
Seit: 26.02.08
Hallo Ihr Lieben!

Sehr interessant, dieser Thread! Und leider in vielen Punkten nur all zu wahr, lieber MRSA.
Das Problem an der ganzen Sache ist, daß MRSA oft schwierig zu identifizieren ist, da jede Klinik ihren eigenen Keim hat.
Wie viele verschiedene Arten es inzwischen gibt weiß man leider nicht; es kommen ja auch noch stets neue Erreger hinzu, die gegen Antibiotika resistent werden, wie etwa Tuberkulose, die in vielen Regionen weltweit kaum noch mit herkömmlichen AB`s beherrschbar ist.

Herzlichst

CK

MRSAund Dialyse

James ist offline
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Seit: 20.05.08
Dialyse und MRSA (Auszug)

Die Antibiotika resistenten MRSA-Bakterien finden sich besonders häufig bei Dialysepatienten. Das zeigt eine flächendeckende Untersuchung aller Gesundheitseinrichtungen des Landkreises Höxter in Ostwestfalen. Durchgeführt hat die Analyse Dr. Ronald Woltering vom Gesundheitsamt in Höxter. Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" veröffentlicht worden. Gefährlich ist vor allem eine Variante, die das giftige Panton-Valentine-Leukozidin (PVL) freisetzt.
MRSA-Bakterien werden häufig in Krankenhäusern nachgewiesen. Mit Unterstützung der zuständigen Landesämter in Münster und der Medizinischen Hochschule Hannover untersuchte Woltering deshalb alle Kliniken und Reha-Einrichtungen sowie ausgewählte Seniorenheime in Höxter auf das Vorkommen des Erregers. Bei jeder 40sten Person (2,5 Prozent) wurde der Keim gefunden, am häufigsten kam er in den Akutkliniken vor. In den Reha-Kliniken wurde das Bakterium dagegen nur bei 1,2 Prozent der Betreuten nachgewiesen. Die gefährliche Variante, die das Gift PVL freisetzt, trat kein einziges Mal auf.
Gefährdet sind vor allem Menschen, die wegen eines Nierenversagens regelmäßig zur Dialyse müssen. Bei ihnen wurden die Keime elf mal häufiger nachgewiesen als bei anderen Patienten. Eine regelmäßige Untersuchung dieser Gruppe hält Woltering deshalb für sinnvoll. Auch Patienten, die innerhalb des vergangenen halben Jahres an einer Infektion gelitten hatten, trugen ein erhöhtes Risiko. (mp)
Quelle/Link: Kölner Stadt-Anzeiger Schlagzeilen - Nachrichten - Kölner Stadt-Anzeiger

MRSA-Screening

James ist offline
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Seit: 20.05.08
Hallo,
leider ist es mir immer noch nicht gelungen ein Labor zu finden, welches ein MRSA-Screening als Vorsorge durchführt. Das Problem scheint am Transport des Abstriches zu liegen. Selbst hatte ich das Problem als Betroffener nie.
Ich bleibe trotzdem am Ball!
Gruss allen Lesern,
MRSA


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