Krankenhauskeim MRSA

20.05.08 21:42 #1
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Krankenhauskeim MRSA

dshudshu ist offline
Beiträge: 71
Seit: 06.04.08
Zitat von MRSA
Deine Erfahrung haut mich vom Hocker. Bei jeder unklaren Infektion macht der Arzt einen Abstrich, den ein Labor untersucht.
Vielleicht ist das ein Problem. Ich habe keine Infektion. Ich will es nur wissen.

Gruß
dshudshu

Krankenhauskeim MRSA

James ist offline
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Seit: 20.05.08
Hallo dshushu,
Über Krankenkasse kann man dann das zwar nicht abrechnen, aber die Kosten für das Labor liegen hier zwischen 3,50 (im eigenen Labor einer Klinik) und 15,-€ bei Abholung aus einer Praxis. Was der Arzt für die 10 Sekunden nimmt, weiß ich leider nicht.
Mit besten Grüßen,
MRSA

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Wero ist offline
Beiträge: 1.093
Seit: 22.04.06
Zitat von dshudshu
Vielleicht ist das ein Problem. Ich habe keine Infektion. Ich will es nur wissen.
Das ist ein Problem. Der Arzt bekommt von der Krankenkasse nur einen Obolus, wenn er eine Krankheit vermelden kann. Oder für eine „Vorsorgeuntersuchung“. MRSA als Vorsorgeuntersuchung kann ich mir gut vorstellen. Da würde ich sogar hingehen.

Viele Grüsse
Wero

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James ist offline
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Seit: 20.05.08
Hallo,
jeder Arzt hat doch auch Privatpatienten und ich kann doch die paar Kröten für einen Abstrich bezahlen. Natürlich kann der nicht einfach die Laborrechnung an die gesetzliche Kasse weiter reichen, wenn er ehrlich abrechnet (manche machen das trotzdem). Privatpatienten zahlen immer beim Arzt alles erst selbst und reichen dann die Rechnung bei der privaten Versicherung ein ( Anmerkung:dauert manchmal lange, bis man dann die Kohle wieder sieht ). Man braucht auch gar nichts von MRSA sagen, das Labor züchtet im Brutschrank an und wertet aus, es unterscheidet sich nicht technisch um welchen Staphylococcus es sich eventuell handelt. MRSA ist doch "nur" eine Mutation. Das merken die erst, wenn die AB´s getestet werden (etwa 20 ist Standard) und keine (wäre blöd!) reagieren.
Viele Grüße,
MRSA

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Wero ist offline
Beiträge: 1.093
Seit: 22.04.06
Sich als Privatpatient anmelden und die Penunzen auf die Theke legen geht natürlich immer, MRSA. Ich würde allerdings klar und unmissverständlich den Auftrag als „MRSA-Prüfung“ benennen.

Das mit dem Labor ist interessant. Die stellen zuerst „Staphylococcus“ fest und erst durch die Behandlung mit zwanzig Antibiotika merken sie, dass es sich um einen resistenten Bruder handelt? Wie sieht denn das „Ergebnis“ des Labors aus? Steht da „MRSA“?

Viele Grüsse
Wero


James ist offline
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Seit: 20.05.08
Hallo,
damit es ganz klar wird:
Ein Arzt drückt dem Labor (findet man auch unter Praxis für med. Mikrobiologie oder Laboratoriumdsiagnostik usw.) mit folgender Info in die Hand
Entnahmedatum: Entnahmestelle: und bittet um Untersuchung auf Erreger und Resistenz. Das war's! Nix mit MRSA!

Zurück kommt vom Labor der Mikrobiologische Befund mit
Aerobe Kultur: hier steht (hoffentlich nicht!) reichlich (wenig) MRSA-Stamm x
Anaerobe Kultur: reichlich oder eben wenig zB: Streptococcus pyogenes

Dann kommt das Antibiogramm. Da werden alle Prüf-AB's (20-35) in Tabellenform mit Wirkstoff (meist auch noch mit Handelsnamen) aufgeführt.
Zu jedem AB ist die Reaktion der Aeroben und Anaeroben Kultur in 3 Stufen sichtbar. Es wird unterschieden in empfindlich (Kürzel S), intermidär ( Kürzel M) und resistent (Kürzel R). Wenn Keime empfindlich sind, wirkt das jeweilige AB gut, R wäre = Upppps , alle R wäre katastrophal

Das Ergebnis liegt in etwa 24 Stunden vor

Selbst der Arzt gibt also nicht an, was er vermutet. Das ist die Aufgabe des Labors. Der Test ist immer der gleiche, egal was es ist. Bei Pilzverdacht steht dann eben noch "mykologisch" auf dem Zettel.

Es gibt in der Tat einen Schnelltest direkt auf MRSA. Da wird nicht der Erreger selbst, sondern Merkmale ermittelt, die nur MRSA hat. Gedacht ist der für Notfallpatienten, damit man weiß, daß der OP geschlossen und alles (auch der Krankenwagen!) desinfiziert wird. Der Patient wird dann in Quarantäne genommen. Passieren wird das aber leider nur in wenigen deutschen Kliniken...
Alles klaro?
Wenn nicht, bitte melden!
Euer MRSA

Geändert von James (22.05.08 um 22:51 Uhr) Grund: Schreibfehler

Krankenhauskeim MRSA

Wero ist offline
Beiträge: 1.093
Seit: 22.04.06
Interessant, MRSA-Man. Man erkennt also die Wirkung der AB auf die gesamte Besiedlung. Hundert Arten? Zweihundert? Staphylococcus aureus ist nur ein Teil davon? Gibt es nichts genaueres (speziell in Richtung MRSA)? Was ist mit dem Schnelltest? ("Merkmale, die nur MRSA hat")

Viele Grüsse
Wero

Wero und weitere resistente Keime

James ist offline
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Beiträge: 5.908
Seit: 20.05.08
Hallo Wero,
wie viel es gibt, weiß ich nicht und manche wird man noch gar nicht entdeckt haben. Das Problem dabei ist, dass eben immer mehr Bakterienstämme gegen die gebräuchlichen AB resistent werden und dann noch weiter mutieren. MRSA selbst hat schon wieder so viele regionale Mutationen, dass mir da schon der Überblick fehlt. Es ist also nur die Spitze des Eisberges. Ich hänge unten mal eine Pressemeldung an. Man kann kaum glauben, wie verrückt die Verhältnisse bei uns inzwischen sind – ich bekomme da Magendrücken und die Politik schweigt.

Zum Schnelltest: Der basiert auf einer molukular biologischen Untersuchung der Probe nach dem Multiplex-PCR-Verfahren. Im Prinzip werden Gen-Sequenzen angezeigt, die eben nur bei MRSA in dieser Form angeordnet sind. Da man mit winzigen Mengen auskommt, fällt die Wartezeit, die bei einer Anzüchtung nötig ist, weg.
Ich hoffe, dass Du damit weiter kommst- tiefer bin ich auch nicht mehr eingestiegen.
Viele Grüße vom MRSA-Man

Pressemeldung:
WIESBADEN (ner). Ein dramatisches Bild zur Resistenzentwicklung gegen Antibiotika in Deutschland hat der Pneumologe Professor Tobias Welte aus Hannover gezeichnet. Dies betreffe vor allem die wichtigsten Erreger pulmonaler Infektionen, und zwar nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch im ambulanten Bereich.
Die Prävalenz von Methicillin-resistenten Staphylokokken (MRSA) betrage in deutschen Krankenhäusern inzwischen 25 Prozent, sagte Welte beim Internisten-Kongress in Wiesbaden. Eine besondere Variante, die CA (community acquired - ambulant erworbene)-MRSA breite sich rasch aus und zeichne sich durch noch stärkere Pathogenität aus mit schweren Haut- und Weichteilinfektionen sowie nekrotischen Pneumonien. Im Raum Freiburg habe es bereits einen Ausbruch mit Todesfällen gegeben, sagte Welte bei
einem von dem Unternehmen Janssen-Cilag unterstützten Symposium in Wiesbaden. Besonders gefährdet seien Beschäftigte in der Tiermedizin, höchstwahrscheinlich wegen des unkritischen Umgangs mit Antibiotika.
Bei den Enterobacteriacae wie E. coli und Klebsiella pneumoniae finden sich immer häufiger Stämme, die Breitsprektrum-Betalaktamasen (ESBL - extended spectrum betalactamases) bilden und deshalb gegen Penicilline und Cephalosporine resistent sind. Diese Patienten mit Urogenital-Infektionen, jetzt aber auch gehäuft mit Lungen-Infektionen, können nur noch mit Carbapenemen behandelt werden.
Jedoch sind bereits ESBL-E.coli aufgetreten, die Carbapenemasen bilden können und auch diese Antibiotika unwirksam machen - ein Umstand, der selbst Experten erschrocken hat, wie Welte sagte. So gab es im Jahre 2006 einen Ausbruch dieser Keime an acht New Yorker Krankenhäusern. Nur drei Wochen später war derselbe Stamm in Paris aufgetaucht, elf französische Krankenhäuser waren von dem Ausbruch betroffen. In solchen Situationen bleibe nur noch die Therapie mit Fluorchinolonen. Aber auch mit diesen Substanzen gebe es bereits Probleme, betonte Welte. In Deutschland ist ein Anstieg der Fluorchinolon-Resistenz bei Enterobacteriacae auf etwa 30 Prozent zu verzeichnen, ein Plateau für diesen Resistenzanstieg ist offenbar noch nicht erreicht.
Allerdings gibt es auch gute Nachrichten. So werden in nächster Zeit eine ganze Reihe neuer Antibiotika-Zulassungen erwartet. Im Zulassungsverfahren befindet sich beispielsweise Ceftobiprol, ein Cephalosporin mit sehr breitem Wirkspektrum von den klassischen gramnegativen Keimen einschließlich Pseudomonas bis hin zu MRSA. Das Präparat ist nach Weltes Angaben mindestens so effektiv wie Vancomycin. In Kürze werden Ergebnisse einer Studie in der Hauptindikation Pneumonie erwartet.
Doripenem ist ein neues Carbapenem und vom Wirkspektrum und von der Pharmakodynamik her mit Meropenem vergleichbar, aber deutlich stärker gegen Pseudomonas aeruginosa wirksam. Indikationsgebiete werden vor allem komplizierte Urogenital-Infektionen und intraabdominelle Infektionen sein sowie nosokomiale und beatmungsassoziierte Pneumonien.

Welte forderte eine verstärktes Problembewusstsein für den Umgang mit Antibiotika. Deren Bedeutung werde nach wie vor im Studium wie in der klinischen Ausbildung zu wenig berücksichtigt. An der Medizinischen Hochschule Hannover wird nach seinen Angaben derzeit ein Antibiotika- Führerschein eingeführt, wofür jeder Assistenzarzt in regelmäßigen Abständen eine Fortbildung besuchen muss. Ziel sei es, gezielter mit den Substanzen umzugehen.

Quelle/Link: aerztezeitung.de vom 02.04.2008

Krankenhauskeim MRSA

Baffomelia ist offline
Beiträge: 1.143
Seit: 04.01.07
Die Lage scheint unübersichtlich, ja bedrohlich. Unsere Verteidigungsstrategie heißt nach wie vor „Antibiotika“, eine Strategie, die soeben zusammenbricht. Die Kinder gehören zu einer besonders gefährdeten Gruppe. Will man wissen, ob man „Träger“ ist, stochert man im Nebel. Maßnahmen zu Sanierung oder Vorbeugung sind wenig bekannt.

Vorschlag: Wir versuchen schrittweise, praktikable Hinweise aufzubauen, beginnend mit der MRSA-Prüfung. Ideal wäre es zum Beispiel, sich mit einem Set aus der Apotheke in der Nase zu bohren und das Stäbchen an ein Labor zu schicken. PZN, Laboradresse, Methode, Preis.

Viele Grüße
Baffomelia


James ist offline
Themenstarter Moderator
Leiter WIKI
Beiträge: 5.908
Seit: 20.05.08
Hallo baffomelia,
habe soeben ein Labor angemailt, ob es diese Aufgabe bundesweit übernehmen würde und wo die Röhrchen zu beziehen sind. Info kommt, sobald ich Antwort erhalte.
Gruß an alle Leser,
MRSA

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