AKT - Asperger-Kultur-Teil

04.01.11 11:28 #1
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BiMi ist offline
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AKT - Asperger -Kultur-Teil


Hallo liebe Aspis und Aspiranten!

("Was schreibt die da nur - ich will doch gar kein Asperger werden!")

Okay, lassen wir das mit den Aspiranten!
Fand ich witzig!

Beginnen wir mal anders:
Wenn ich mich bei einer Organisation oder Instituition vorstelle,
deren Mitglied ich n i c h t bin (praktisch bei allen),
tue ich das gewöhnlich mit den Worten: "Ich bin aber Sympathisantin!"

Nein, nicht 'gewöhnlich', sondern nur dann, wenns stimmt.
Damit sind die dann gewöhnlich (hier paßts hin!) zufrieden!

Also, schaffen wir uns eine Sympathisanten-Szene!

Ich würde hier, an dieser Stelle, gern einen 'Kulturteil' einrichten.
Literatur- und Filmtipps.
So etwa: Die Darstellung des Aspergers im Wandel der Zeiten...

oder: Der Asperger in Kunst, Kultur und Wissenschaft!

Ja, Leute, das bitte ich jetzt nicht als Joke zu betrachten - zumindest
nicht ausschließlich.
Für unser aller Selbstbewußtsein und Selbstverständnis
wäre das sicher gar nicht so schlecht. (Daran dachte ich, als ich Shelleys
'Es hilft mir doch immer serh, wenn ich erfahre, wie
andere sich fühlen/wahrnehmen' las.
Shelley, du warst meine Inspiration!

Also kommt eine Vorgabe von mir und zwar eine
kanadische Miniserie. die ich für eine der besten
in diesem Genre überhaupt halte: REGENESIS.

INHALT:
Sie handelt von einer Gruppe kanadisch-mexikanisch-
und nordamerikanischer Wissenschaftler, die immer dann
gerufen wird, wenns brennt.
Dabei kann es sich um den Verdacht auf Bioterrorismus,
auf natürlichem Wege ausgebrochene Seuchen etc.
handeln. Vielleicht ein ganz klein wenig wie die X-Akten
- aber längst nicht so reißerisch!
Da ich aus der naturwissenschaftliche Ecke komme,
begeistern mich die Themen, pandemische Grippen,
Ebola, Gentechnologie, Klonen -
bis hin zu Aids und Alzheimer.

Die Wissenschaftler bilden die geistige Elite ihrer
jeweiligen Länder und dabei kommt man natürlich
um einen ASPERGER nicht herum.
Die Regisseurin sagt im Bonustrailer über ihn, er sei
wahrscheinlich sogar der Intelligenteste im Team.
Für mich ist er - mit weitem Abstand - der Liebenswerteste
in der Truppe und auch der Menschlichste.
Da alle dieser Männer und Frauen allein schon durch ihren
außergewöhnlichen Intellekt isoliert sind und ion zweiter Linie
durch die Tätigkeit, die sie ausführen, sind natürlich alle
ein wenig a u t i s t i s c h.
Was mir gefiel, zeigt es doch, dass unser gesamtes modernes
Leben deutliche Anzeichen von Autismus trägt, was in
einer patriarchalen Gesellschaft tendenziell wohl immer
so sein wird.
Also sind alle der Serien-Protagonisten auch immer wieder
ein wenig von ihrem sozialen Umfeld überfordert.
Und ihren eigenen Wünschen nach menschlicher Nähe und
Zuwendung (wenigstens in Form von Sex), dem eigenen
Anspruch (ein guter Vater und Sohn zu sein) und dem
ständigen Scheitern an der Realität.

Bei dem Serien-Asperger merkt man am deutlichsten
dieses zutiefst menschliche (faustische) Ringen um
Erkenntnis und Humanität.
Er ist vielleicht nicht der Einzige, aber er setzt sich
immer wieder mit den moralischen Aspekten ihres
beruflichen Handels (und dessen Folgen) auseinander.

Er ist viel bemühter darum, menschlichen Kontakt
aufzubauen und wird von den anderen oft zurückgewiesen.
Und es gibt eine Szene, in der er sich von seinem
sterbenden Hund verabschiedet, die mich immer wieder
zu Tränen rührt.

Also, das war mein Aspi-Kultur-Tipp.
Ich warte auf eure!

BiMi

AKT - Asperger-Kultur-Teil

BiMi ist offline
Themenstarter Beiträge: 440
Seit: 19.08.10
Noch nen Kulturtipp von mir.


'L'enfant sauvage' (Das wilde Kind) von Francois Truffaut.

Der in schwarz/weiß mit alten Stilmitteln gedrehte Film
zeichnet tatsächliche Ereignisse nach, die sich in der Nähe
von Aveyron/ Frankreich, zutrugen.

Ein verwildertes Kind, welches die Dorfbevölkerung er-
schreckte, wurde eingefangen und medial 'verwertet'.
Man erwartete sich interessante Aufschlüsse über die Art
seines früheren Lebens (aus seinem eigenen Munde)
und sah sich einem beißenden, kratzenden Lebewesen
gegenüber, das völlig unfähig zur sprachlichen Äußerung
war.
Nachdem er das Interesse eines Arztes (Dr. Itard) weckte,
begann dieser mit ihm zu arbeiten.

Die Realität sah mal wieder ein wenig anders (und viel
trauriger) aus.
Als Viktor irgendwann keine Fortschritte mehr machte,
versiegten die Geldquellen, er wurde als Kretin diffamiert
und Dr. Itard (im Film gespielt v. F. Truffaut) verlor schnell
das Interesse an seinem Zögling. Letztlich kümmerte sich
die Haushälterin um Viktor, der Zeit seines Lebens ein
unselbständiges Leben führte.


Später las ich in einem Buch über 'wilde Kinder', in dem
auch Viktor thematisiert wurde, dass man ihn - mit dem heutigen
Wissen - den AUTISTEN zuordnen würde und annimmt, dass
er aufgrund dessen im Wald ausgesetzt wurde.


In jedem Fall ist es ein sehr schöner Film - lange Zeit
mein liebster, vielleicht, weil ich ihn sah, als ich so alt war,
wie der Hauptdarsteller (Jean-Pierre Cargol), in den ich
mich sofort verliebte.
(Läuft heutzutage ab und an auf ARTE, ist aber auch auf DVD erhältlich.)


Viele Grüße
BiMi

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BiMi ist offline
Themenstarter Beiträge: 440
Seit: 19.08.10
Das ist eigentlich als Einführung und Rechtfertigung dieser Rubrik
gedacht... (gehört also theoretisch an den Anfang!)

Hallo allerseits,

es ist sicher ein wenig befremdlich, wenn ich
hier einen Kulturteil für Aspis und Autis einrichten möchte,
zumal ja auch schon eine recht ausführliche
'Mister-Monk-Debatte' stattfand...

Vielleicht können wir sie ja hierher verschieben?

Asperger ihrer Umwelt verständlich zu machen, ist nicht ganz
einfach und Fachliteratur dazu nur bedingt geeignet.

ich bin mir auch gar nicht sicher, ob ich es wirklich gut finde,
wenn mir nahestehende Personen Fachliteratur studieren,
um dann in meinem Verhalten nach 'pathologischen Zügen'
zu suchen.
Für Freunde, Verwandte und Bekannte ist es einfacher,
Asperger im Film zu erleben. Immer vorausgesetzt, es
ist ein guter Film, der das Thema mit Sachkenntnis behandelt.

Deshalb -
und weil es u n s auch hilft, uns selbst zu verstehen.

Liebe Grüße

BiMi

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Shelley ist offline
Beiträge: 10.454
Seit: 28.09.05
hallo bimi,

ich habe auch schon darum gebeten, dass das mr. monk-kapitel in diesen ordner verschoben wird, doch dieser vorschlag fand nicht so guten anklang.

klar; es war ein vor-schlag und schläge tun weh.

ich weiss halt nicht, wie ich anders darum bitten kann, das kapitel hierher in diesen ordner zu verlagern...

sorry übrigens, dass ich mich nie melde auf deine vielen lieben und interessanten beitrag.
mir geht es momentan wieder noch weniger toll, aber das steht alles in meinem tagebuch.

viele liebe grüsse; deine shelley
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Shelley ist offline
Beiträge: 10.454
Seit: 28.09.05
hallo bimi,

es kommt zwar nicht absichtlich ein asperger-betroffener vor, doch finde ich, dass sheldon aus der sitcom "the big bang theory" schon ziemlich aspergerhaft erscheint.

auf alle fälle kommt mir sein verhalten sehr vertraut herüber.

man könnte zwar sagen, dass alle physiker und mathematiker ein wenig einem speziellen völkchen angehören, doch bei sheldon kommt zu dem mathematiker-, physiker- spezialismus halt doch irgendwie noch das aspergerhafte dazu.

diese tatsache macht für mich die serie noch freundlicher.

ich bin nicht die einzige, welche so empfindet:


Paul Collins spekuliert darüber, ob Sheldon das Asperger-Syndrom hat. Chuck Lorre hat dies dementiert. Aber auch wenn es nicht beabsichtigt gewesen sein sollte, seien die Autoren der Serie so oft nach dem Asperger-Syndrom gefragt worden, dass sie sich über den Subtext klar sein müssten, wenn sie die Forscher diskutieren lassen, ob Superman fliegt oder springt. Collins schreibt weiter: „Jetzt, wo The Big Bang Theory überall, von Island bis zu den Philippinen, läuft, wird Sheldon zu einem Popkultur-Symbol für Aspies werden. Dies ist möglicherweise keine schlechte Sache. So sehr er andere auch zur Verzweiflung bringen kann, hat Sheldon sich doch bemerkenswert gut an seine Welt angepasst. Unterhalb des Slapstick ist The Big Bang Theory eine Meditation darüber, wie intelligente Menschen mit den ihnen gegebenen, absurd ungleich verteilten Talenten umgehen. Für eine Komödie ist dies eine inspirierende – sogar edle – Ausgangsposition.“



ja; ich mag die serie.
sheldon ist mir zwar nicht so nahe wie mister monk, doch näher als manch normalo oder gar als manch materialistischer normalo.

viele liebe grüsse von shelley
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Shelley ist offline
Beiträge: 10.454
Seit: 28.09.05
hallo bimi,

findest du parker aus der serie "leverage" aspergerhaft?

ich habe mir schon gedanken darüber gemacht, doch denke ich, dass sie so ist, weil sie missbraucht und vernachlässigt wurde, während sie bei pflegeeltern heranwuchs.

könnte das auch sein, weil sie zwar nicht autistisch geboren durch die umstände aber mehr als übliche autistische züge sich angeeignet hat?

ich finde sie nicht ganz asperger-typisch.

was meinst du zu ihr?

viele liebe grüsse von shelley
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BiMi ist offline
Themenstarter Beiträge: 440
Seit: 19.08.10
Hi Shelley,

habe mich erst auf den Youtube-Seiten umgeschaut und Sheldon in einigen Folgen-Ausschnitten betrachten dürfen.
Na klar! Ich halte alle Klingonen-Boggel spielenden und über Schrödingers Katze philosophierenden Mitbürger für 'Asperger'-anfällig.

Seine Art hat viel davon, das sehe ich auch so!
Mir gefällt der Umstand, dass man ihm so ein freundliches Umfeld zur Seite gestellt hat. Die WG weist ja ein richtig kuscheliges Asperger-Wohlfühlklima
auf. Eine Utopie!
In die zweite Serie schaue ich gleich auch noch rein.

Liebe Grüße
BiMi

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Shelley ist offline
Beiträge: 10.454
Seit: 28.09.05
hallo bimi,

in leverge finde ich die stelle, wo parker undercover in einer psychiatrie ist, von ihrer seite sehr aspergerhaft.
in der gruppentheorie malt sie etwas an die tafel und die mitpatienten müssen raten, was es ist. niemand findet es raus. sie: "na das ist doch das kunstmuseum in ägypten mit diesen und jenen kunstwerken und das da auf dem bild ist der tresor."
wortwörtlich weiss ich es nicht mehr, doch ihr spezialinteresse, tresore knacken und kunstwerke zu klauen kommt hier sehr deutlich zum ausdruck. irgendwie lebt sie auch total in ihrer welt. ja sonst; wenn sie asperger-syndrom hätte, dann wäre sie wahrscheinlich schon eine ausenseiterin.

ich habe dir die stelle schon gesucht bei youtube, aber leider nicht gefunden.
es ist ja auch alles in englisch so.

in 'the big bang theory' hätte ich dir gerne die ganzefolge gezeigt, in der sheldon seine stelle verloren und dann dank seiner mutti wieder bekommen hat.
die fand ich so lustig und mehr als asperger-typisch.

kussi-grüsse; deine shelley
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Shelley ist offline
Beiträge: 10.454
Seit: 28.09.05
hallo bimi,

hier soll man die folge, welche ich meine, sehen können:

iStream Tv: The Big Bang Theory Season 1 Episode 4 - The Luminous Fish Effect

bei mir geht das aber irgendwie nicht.
da ist immer so ein kastenvordem bild und ich bekomme ihn nicht weg.

vielleicht hast du ja mehr erfolg?

oder da:

http://seriesblogger.com/?p=924

da hab ich rumgeklickt zuerst auf download. als er dann schliesslich meine angaben wissen wollten, habe ich alles aufgehört.
vielleiht kannst du es ja da sehen.

viele liebe grüsse; shelley
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Geändert von Shelley (19.01.11 um 17:25 Uhr)

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Iris ist offline
Beiträge: 295
Seit: 24.08.05
Hallo,

hier eine kleine Liste meiner persönlichen Favoriten bei Büchern und Filmen:

Dieses Buch ist insgesamt sehr gut geschrieben und nebenbei wird auf einige verstorbene Persönlichkeiten eingegangen, die vermutlich auch in das Asperger Profil passten:
Hörst du mich? Leben mit einem autistischen Kind: Amazon.de: Valerie Paradiz: Bücher

Da sich AS bei weiblichen Betroffenen oft anders bemerkbar macht (und sie meist auch anfälliger für äußerst destruktive Adaptionsversuche sind…), hier einige weibliche Autobiografien:
Ein richtiger Mensch sein: Autismus, das Leben von der anderen Seite: Amazon.de: Gunilla Gerland, Birgitta Kicherer: Bücher Ein richtiger Mensch sein: Autismus, das Leben von der anderen Seite: Amazon.de: Gunilla Gerland, Birgitta Kicherer: Bücher


Ich könnte verschwinden, wenn du mich berührst. Erinnerungen an eine autistische Kindheit.: Amazon.de: Donna Williams: Bücher
(Dieses Buch und auch ihr Nachfolgendes traf mich besonders ins "Mark", da vieles darin meinen Erfahrungen und Überlebensstrategien sehr ähnelt)

Ich bin Autistin - aber ich zeige es nicht. Leben mit dem Asperger-Syndrom.: Amazon.de: Liane H. Willey: Bücher Ich bin Autistin - aber ich zeige es nicht. Leben mit dem Asperger-Syndrom.: Amazon.de: Liane H. Willey: Bücher


Eine Autobiografie der Neuzeit mit großem Unterhaltungswert (selten so gelacht *g*) ist diese hier:
Schau mich an!: Mein leben mit Asperger: Amazon.de: John Elder Robison, Michael Schmidt: Bücher Schau mich an!: Mein leben mit Asperger: Amazon.de: John Elder Robison, Michael Schmidt: Bücher


Bei den Filmen finde ich besonders "Ben X" für Schulklassen empfehlenswert, da hier neben AS auch das Thema Mobbing sehr gut umgesetzt ist.
Offizielle Website zum Kinofilm BEN X


Dieser Film ist ganz ok., würde aber das Buch dazu eher empfehlen, da es authentischer ist als die Kinoadaption:
Mozart and the Whale: Amazon.de: Josh Hartnett, Radha Mitchell, Gary Cole, Petter Næss: DVD & Blu-ray Mozart and the Whale: Amazon.de: Josh Hartnett, Radha Mitchell, Gary Cole, Petter Næss: DVD & Blu-ray


Eine besondere Perle unter den Filmen kommt ganz ohne echte Darsteller aus und transportiert dafür auf faszinierende Weise umso mehr Inhalt:
Mary & Max - oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet? - Film - kino-zeit.de - das Portal für Film und Kino
(Die DVD gibt es inzwischen auch auf Deutsch, es ist aber auch die englische Originalversion mit drauf und der preisgekrönte Kurzfilm "Harvie Krumpet")

Und hier noch ein Link zu einem Hörbeitrag über zwei autistische Zwillinge, die unter anderem auch über sehr außergewöhnliche Fähigkeiten in Synästhesiebereich verfügen:

www.wdr5.de/sendungen/neugier-genuegt/s/d/21.12.2010-10.05/b/nur-mut-ihr-gedanken-die-autistischen-zwillinge-konstantin-und-kornelius-keulen.html?cHash=ccb61952c1&tx_rlmpflashdetection _pi1[html]=1


viele Grüße
Iris


PS: Vor kurzem lief im ARD der Zweiteiler "Der kalte Himmel", der viele Aspekte des Autismus ganz gut rüberbrachte.
Am 27.1. läuft auf ARTE der Film "Snowcake", ebenfalls ein Film über eine Autistin.


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