{"id":828,"date":"2020-01-23T08:11:56","date_gmt":"2020-01-23T08:11:56","guid":{"rendered":"https:\/\/noxa.ch\/wiki\/?p=828"},"modified":"2021-03-13T13:06:44","modified_gmt":"2021-03-13T13:06:44","slug":"glaubersalz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/glaubersalz\/","title":{"rendered":"Glaubersalz"},"content":{"rendered":"<h2><span class=\"mw-headline\">Abf\u00fchren mit Glaubersalz<\/span><\/h2>\n<p>55 bis 60\u00a0% des K\u00f6rpergewichts eines Erwachsenen besteht aus Wasser. So ist es naheliegend, z. B. im Falle einer Verstopfung, einen Teil dieses Wasservolumens aus dem K\u00f6rper in den Darm flie\u00dfen zu lassen, um die dort vorfindlichen m\u00f6glicherweise verfestigten Stuhlmassen hinauszuschwemmen.<\/p>\n<p>Allgemein gilt &#8211; damit nicht nur f\u00fcr eine Glaubersalzl\u00f6sung -, da\u00df f\u00fcr zwei unterschiedliche L\u00f6sungen drei M\u00f6glichkeiten gegeben sind: 1. Sofern die Konzentration der beiden L\u00f6sungen \u00fcbereinstimmt, spricht man von isotonen L\u00f6sungen, man sagt auch: Zwischen beiden L\u00f6sungen besteht eine Isotonie. 2. Sofern die Konzentration der einen L\u00f6sung h\u00f6her ist als jene der anderen, spricht man davon, da\u00df die eine L\u00f6sung gegen\u00fcber der anderen hyperton ist: Es besteht eine Hypertonie der einen gegen\u00fcber der anderen L\u00f6sung. 3. Sofern dagegen die Konzentration der einen L\u00f6sung niedriger ist als jene einer anderen, spricht man davon, da\u00df die eine L\u00f6sung gegen\u00fcber der anderen hypoton sind: Es besteht eine Hypotonie der einen gegen\u00fcber der anderen L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Weiter gilt, da\u00df eine jede hypertone L\u00f6sung danach trachtet, mit der anderen zur Isotonie, zu einem Gleichgewicht der Konzentrationen der beiden Fl\u00fcssigkeiten, zu gelangen; hierdurch entsteht ein osmotischer Druck.<\/p>\n<p>Sch\u00fcttet man zwei L\u00f6sungen unterschiedlicher Konzentrationen zusammen, durchmischen sich diese von selbst. Anders ist es dagegen, wenn die beiden L\u00f6sungen unterschiedlicher Konzentrationen durch eine semipermeable Membran, eine nur f\u00fcr L\u00f6sungen halbdurchl\u00e4ssige Membran, voneinander getrennt sind. Hier gibt es folgende M\u00f6glichkeiten: 1. Im Falle der Isotonie der beiden L\u00f6sungen erfolgt kein Fl\u00fcssigkeitsaustausch. 2. Sowohl im Falle der Hypertonie als auch der Hypotonie einer L\u00f6sung gegen\u00fcber einer anderen erfolgt ein Fl\u00fcssigkeitsaustausch immer dergestalt, da\u00df bis zum Erreichen der Isotonie durch die semipermeable Membran hindurch von der hypotonen L\u00f6sung Fl\u00fcssigkeit in die hypertone L\u00f6sung \u00fcbergeht, wodurch die hypotone L\u00f6sung einen Fl\u00fcssigkeitsverlust erf\u00e4hrt, die hypertone L\u00f6sung dagegen einen Fl\u00fcssigkeitsgewinn.<\/p>\n<p>Bei Glaubersalz handelt es sich um Natriumsulfat (Na2SO4), das in w\u00e4ssriger L\u00f6sung unter bestimmten Bedingungen abf\u00fchrend wirkt. Die meisten pharmakologischen Fachb\u00fccher sind sich darin einig, da\u00df eine Glaubersalzl\u00f6sung von 3,2\u00a0% gegen\u00fcber der K\u00f6rperfl\u00fcssigkeit isoton ist; hierzu sind z. B. 8 g Na2SO4 in 250 ml Wasser oder 16 g Na2SO4 in 500 ml Wasser zu l\u00f6sen. Nimmt man eine isotone Glaubersalzl\u00f6sung ein, flie\u00dft diese ohne jeglichen Fl\u00fcssigkeitsgewinn bzw. -verlust durch den Magen-Darm-Trakt, nachdem die Darmwand eine semipermeable Membran darstellt. Erfahrungsgem\u00e4\u00df erfolgt bei einer isoton angesetzten und eingenommenen Glaubersalzl\u00f6sung der Wirkungseintritt erst nach einiger Zeit, auch ziehen sich die Darmentleerungen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hin, womit das Abf\u00fchren mit einer isotonen Glaubersalzl\u00f6sung nur eingeschr\u00e4nkt als erfolgreich erfahren wird.<\/p>\n<p>Anders ist es, sofern man eine hypertone Glaubersalzl\u00f6sung ansetzt, d. h. mehr als 8 g Na2SO4 in 250 ml Wasser bzw. mehr als 16 g Na2SO4 in 500 ml Wasser l\u00f6st. So k\u00f6nnte man z. B. 10 bis 15 g Glaubersalz in 250 ml Wasser bzw. 20 bis 30 g Glaubersalz in 500 ml Wasser l\u00f6sen, wodurch sich jeweils eine Glaubersalzl\u00f6sung von 4\u00a0% bzw. 6\u00a0% ergibt. Es findet sich auch folgende Dosierungsempfehlung: Halbiert man die Ma\u00dfzahl des K\u00f6rpergewichts in Kilogramm, erh\u00e4lt man die in einem halben Liter Wasser zu l\u00f6sende Dosis Glaubersalz in Gramm; z. B.: 60 kg &#8211;&gt; 30 g. Erfahrungsgem\u00e4\u00df zeigt es sich, da\u00df vor allem bei einer h\u00f6heren Glaubersalzkonzentration der Wirkungseintritt bereits nach relativ kurzer Zeit erfolgt, auch sind die Darmentleerungen bereits nach wenigen Stunden beendet.<\/p>\n<p>Es gilt: Je h\u00f6her die Glaubersalz-Konzentration und je gr\u00f6\u00dfer das Volumen der eingenommenen Fl\u00fcssigkeitsmenge sind, desto st\u00e4rker ist die abf\u00fchrende Wirkung, jedoch sollte man keinesfalls mehr als 20 g Glaubersalz in 250 ml Wasser bzw. mehr als 40 g Glaubersalz in 500 ml Wasser entsprechend einer Glaubersalz-Konzentration von jeweils 8\u00a0% l\u00f6sen, um Elektrolytst\u00f6rungen zu vermeiden. Auch ist im Falle einer chronischen Verstopfung die regelm\u00e4\u00dfige Einnahme einer hypertonen Glaubersalzl\u00f6sung zum Abf\u00fchren ungeeignet, da es hierdurch nicht nur zu einem erh\u00f6hten Verlust an Wasser, sondern auch von Kalium und anderen Salzen kommt, was zu St\u00f6rungen der Herzfunktion und zu Muskelschw\u00e4che f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Setzt man dagegen eine hypotone Glaubersalzl\u00f6sung an, d. h. l\u00f6st man weniger als 8 g Na2SO4 in 250 ml Wasser bzw. weniger als 16 g Na2SO4 in 500 ml Wasser und nimmt diese ein, flie\u00dft umgekehrt vom Darm Fl\u00fcssigkeit in den K\u00f6rper, womit nicht nur das Fl\u00fcssigkeitsvolumen im Darm zusehends geringer wird, dies mit der Folge einer ausbleibenden abf\u00fchrenden Wirkung, sondern vor allem gehen Natriumionen in den K\u00f6rper \u00fcber, was zu einem erh\u00f6hten Natriumgehalt des Blutes f\u00fchrt, womit die Gefahr von Wasseransammlungen (\u00d6demen) und von Bluthochdruck gegeben ist.<\/p>\n<p><a id=\"Zusammenfassung\" name=\"Zusammenfassung\"><\/a><\/p>\n<h3><span class=\"mw-headline\">Zusammenfassung<\/span><\/h3>\n<p>F\u00fcr akute F\u00e4lle, nicht jedoch zur Behandlung einer chronischen Obstipation, ist die Einnahme einer hyperton angesetzten Glaubersalzl\u00f6sung ein vorz\u00fcgliches Abf\u00fchrmittel, was jedoch eine genaue Dosierung mit einer Waage erfordert. Die \u00fcblichen Rezepte, man m\u00f6ge z. B. 2 bis 4 Teel\u00f6ffel Glaubersalz in einem Glas Wasser l\u00f6sen, sind nicht nur untauglich, sondern &#8211; wie oben gezeigt worden ist &#8211; bedenklich.<\/p>\n<p>Weiter gilt auch f\u00fcr das Abf\u00fchren mit einer Glaubersalzl\u00f6sung wie f\u00fcr alle Dinge in der Medizin: Jeder hat auf seinen K\u00f6rper zu h\u00f6ren und zu achten, was f\u00fcr ihn in welcher Dosis bek\u00f6mmlich ist.<\/p>\n<p><a id=\"Wiki-Links\" name=\"Wiki-Links\"><\/a><\/p>\n<h3><span class=\"mw-headline\">Wiki-Links<\/span><\/h3>\n<ul>\n<li><a title=\"Rizinus\u00f6l\" href=\"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/Rizinus%C3%B6l\">Rizinus\u00f6l<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Kurzfassung Darmflora\" href=\"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/Kurzfassung_Darmflora\">Darmflora<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Verstopfung\" href=\"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/Verstopfung\">Verstopfung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abf\u00fchren mit Glaubersalz 55 bis 60\u00a0% des K\u00f6rpergewichts eines Erwachsenen besteht aus Wasser. 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