{"id":8,"date":"2019-11-11T12:52:50","date_gmt":"2019-11-11T12:52:50","guid":{"rendered":"https:\/\/wiki.furti.net\/hildegardmedizin_aderlass\/"},"modified":"2020-03-12T17:38:04","modified_gmt":"2020-03-12T17:38:04","slug":"hildegardmedizin_aderlass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/hildegardmedizin_aderlass\/","title":{"rendered":"Hildegardmedizin Aderlass"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"bodyContent\">\n<p>Formuliert von <a title=\"Dr. Berkm\u00fcller\" href=\"\/wiki\/Dr._Berkm%C3%BCller\">Dr. Berkm\u00fcller<\/a><\/p>\n<p>Das Blutsystem ist ein Vermittler von Stoffwechselvorg\u00e4ngen. Das Lebensmaterial, das im Stoffwechsel durchgekocht wird, unterliegt einer bestimmten Auswahl. Es wird zur\u00fcckbehalten, einverleibt, ausgestossen, in falsche Bahnen gelenkt und auch wieder reguliert. Im Blut dr\u00fcckt sich aus, was im K\u00f6rper funktioniert oder auch nicht funktioniert. Das Blut besteht aus dem Blutstoff (sanguis), aus dem w\u00e4ssrigen Anteil (tabes) und dem Stoff (livor). Livor ist bei Hildegard wahrscheinlich als krankhaft zu bewerten. Dazu kommen die Kardinals\u00e4fte. Das sind zwei Phlegmata und zwei Schleime. Das ist das, was immer hin und her geschoben wird. Wie alle diese Bestandteile gemischt sind, wieviel von jedem vorhanden ist, daraus entsteht entweder ein direkter Schaden oder eine Diathese, das heisst, dass die Verh\u00e4ltnisse so sind, dass es zu einer bestimmten Krankheit f\u00fchren muss.<\/p>\n<p>Es ist nicht leicht, diese Bilder mit moderner pathologisch-anatomischer Bezeichnung zu erkl\u00e4ren. Vieles davon ist wissenschaftlich nicht untersetzbar. Es hat sich aber erwiesen, dass ein Aderlass, nach den Regeln durchgef\u00fchrt, die Hildegard daf\u00fcr angibt, in vielen F\u00e4llen gute therapeutische Wirkung hat, und dass die Betrachtung des Blutes auch diagnostische Hinweise gibt.<\/p>\n<p>Der Aderlass nach H.v.B. ist in erster Linie ein Therapieverfahren. Daneben gibt er auch diagnostische Hinweise. Die Betrachtung des fliessenden und des geronnenen Blutes kann andere Diagnosemethoden nicht ersetzen. Da sie aber als Nebenprodukt der Therapie gewisserma\u00dfen von selbst anf\u00e4llt, sollte man auch auf die Hinweise achten, die sie geben kann.<\/p>\n<p>Wir haben Venenblut vor uns, N\u00fcchternblut, das besonders dick und schwarz ist. Es enth\u00e4lt alle Stoffe, die nachts bei ruhigerem Blutfluss an der Venenwand abgelagert wurden. Wir haben Blutk\u00f6rperchen, Blutfl\u00fcssigkeit und Eiweisse vor uns, Zelltr\u00fcmmer aus zerfallenen Zellen, Fre\u00dfzellen aus dem weissen Blutbild (besonders an der Venenwand), die sich in aufopfernder T\u00e4tigkeit mit ihrer Last zu eitrigen und fauligen Ablagerungen sammeln, ferner Fettbestandteile, Farbstoffe aus dem Blutabbau, Gallenstoffe, Fremdstoffe aus der Nahrung, Gifte wie z.B. Aspergilluspilzsporen, Umweltgifte aus der Atemluft u.s.w.<\/p>\n<p>Ich habe bisher rd. 800 Aderl\u00e4sse nach H.v.B. durchgef\u00fchrt und davon waren keine zwei gleich gewesen, was den Verlauf und das Bild des geronnenen Blutes betrifft. Jede Blutentnahme ist eine Besonderheit, eine Einmaligkeit, und hat ihren eigenen Charakter, genauso wie ich in jedem Patienten etwas Einmaliges vor mir habe. Auch wenn ich den gleichen Patienten \u00f6fter zur Ader lasse, habe ich jedesmal einen neuen Fall und neue Erscheinungen vor mir. Deshalb kann ich aus dem, was ich sehe, nicht in schematischer Weise Schl\u00fcsse ziehen. Es ist vielmehr jedesmal meine ganze Phantasie und Kombinationsgabe gefordert. Selbstverst\u00e4ndlich beziehe ich dabei auch alle sonstigen Kenntnisse, die ich vom Patienten habe, mit ein. Vielfach liegt ja bereits eine Anamnese vor. Die Einmaligkeit jedes Aderlasses macht es auch schwer, generelle diagnostische Regeln anzugeben. Am besten beginne ich mit der Schilderung des Vorgehens.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Aderlasses l\u00e4sst sich beim Einlaufen in das Glas bereits dickes, tr\u00e4g fliessendes und fl\u00fcssiges, schnell fliessendes Blut unterscheiden; ferner die verschiedenen Farben: ziegelrot, burgunderrot, grau, schwarz und gelatinewei\u00df. Die letztere Farbe zieht meistens wie Fernsehflimmern am Auge vorbei.<\/p>\n<p>Der Fluss des Blutes h\u00e4ngt nat\u00fcrlich auch von der Kan\u00fcle ab. Ich bevorzuge Lumen 1.2, weil ich dann mehr Zeit habe, um mir \u00fcber das, was ich sehe, Gedanken zu machen.<\/p>\n<p>Ich sehe rotes Blut mit einem dicken schwarzen Strom in der Mitte, der scheinbar langsamer fliesst als das seitliche Blut. Je dunkler das Blut, desto langsamer fliesst es, bis es fast zum Stillstand kommt. Es h\u00e4ngt dann manchmal schon nach drei bis vier Minuten ein Thrombus an der Nadel und das Blut steht von selbst. Damit ist der Aderlass beendet. In diesem Fall weiss ich schon, dass ich viel Schwarzgalle finden werde und wenig Serum, was vielleicht daher kommt, dass der Patient am Tag vor dem Aderla\u00df zu wenig getrunken hat.<\/p>\n<p>Es gibt auch den Fall, dass der schwarze Strom \u00f6fter abreisst und dann umso schw\u00e4rzer wieder weiterl\u00e4uft, besonders wenn ich den Patienten kurz den Kopf anheben lasse. Durch das Heben des Kopfes kommt es zu einem R\u00fcckstau von der Halsvene in den Arm, es wird sanft wieder Schwarzgalle angesaugt und zur Ausscheidung gebracht.<\/p>\n<p>Weiterhin kann ich sehen, wie der schwarze Blutstrom langsam immer d\u00fcnner wird, bis er endlich nur noch die St\u00e4rke eines Bleistiftstriches hat. Manchmal teilt er sich dann noch ein wenig und schw\u00e4nzelt daher. Dann ist der Aderlass bald beendet.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Patient fr\u00fchst\u00fcckt, wird noch einmal das Aderla\u00dfgef\u00e4ss beobachtet, um zu sehen, wann die Gerinnung beginnt. Zu beachten ist, je schmaler das Gef\u00e4ss, desto schneller die Gerinnung.<\/p>\n<p>Aus der Farbe geronnenen Blutes l\u00e4sst sich zun\u00e4chst einmal die Neigung des Patienten zu einer bestimmten Konstitution ablesen: Rot weist auf den Konstitutionstyp &#171;Blutreich&#187; hin; Wei\u00df-Grau auf &#171;Schleimreich&#187;; Gelb auf &#171;Faulstoffreich&#187; und Schwarz auf &#171;Schwarzgallig&#187;. Au\u00dferdem gibt es Mischkonstitutionen.<\/p>\n<p>Was sich an besonderen St\u00f6rungen nahezu sicher erkennen l\u00e4sst, ist die Gallenproblematik. Sie zeigt sich z.B. in einem gr\u00fcnlichen Serum. Eine Speckschicht auf dem Aderlassblut weist auf einen gest\u00f6rten Fettabbau der Leber hin. Wenn der Patient unter Sauerstoffmangel leidet, zeigt sich eine livide Farbe im Anteil des roten Blutes. Eine gelbe Auflage oder ein gelber Ring um den Blutkuchen weist auf einen akuten entz\u00fcndlichen Prozess hin.<\/p>\n<p>Wie sich das Blut nach dem Aderlass darstellt:<\/p>\n<pre>rotes Blut            =  Gesundheit (nicht zu hellrot)\r\ndunkle Anteile        = Nekrosen, abgestorbenes Gewebe, Zerfall\r\nschwarzes Blut        = \"voll Schleim und Pestilenz\", schwieriger Mensch\r\nhelles, speckiges     = Fettstoffe k\u00f6nnen nicht verarbeitet werden\r\ngr\u00fcnlich schimmerndes = Gallenstoffe (Gallenblase) fehlt, \r\nSerum                 = Sauerstoffmangel, gest\u00f6rte Gerinnungsf\u00e4higkeit\r\nziegelrotes Blut      = Stoffwechselst\u00f6rung\r\nschmutziger Rand      = gest\u00f6rte Nervenbahnen\r\nz\u00e4hfl\u00fcssiges Blut     = Organismus und Organe sind angeschlagen, Dr\u00fcsen sind unt\u00fcchtig, Enzyme fehlen.\r\ngelbes Blut           = Struktur\u00e4nderung im Menschen gestaute Lymphe\r\nbr\u00e4unliches Blut      = Die Leber liegt im Argen\r\nwei\u00dfe Blutzellen      = Mit der Milz stimmt etwas nicht, dominieren\r\nviel Serum            = An\u00e4mie, innere Austrockung\r\nviel Schwarz          = Depression, Umweltbelastung, Stress, Hautprobleme\r\n<\/pre>\n<p>Ich m\u00f6chte betonen, dass mit diesen Beziehungen nur Vermutungen zum Ausdruck gebracht werden k\u00f6nnen. Es w\u00e4re ein Kunstfehler, den Patienten nicht nach den Regeln der klinischen Anamnese zu untersuchen. Nur alle Eindr\u00fccke zusammen ergeben eine gute Diagnose. Es soll ja auch ein Aderlass nur dann gemacht werden , wenn aus einer Verdachtsdiagnose hervorgeht, dass der Patient ihn braucht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table class=\"legend-menu\" style=\"text-decoration: none;\" cellspacing=\"4\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"border: 1px solid #000; background-color: #f0ffff; padding-left: 4px; padding-right: 4px; line-height: 1.14em; border-color: #fff #444 #444 #fff;\"><a class=\"external text\" title=\"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/Die_Heilkunde_Hildegards_von_Bingen#Ausscheiden_und_Ausleiten\" href=\"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/Die_Heilkunde_Hildegards_von_Bingen#Ausscheiden_und_Ausleiten\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">zur\u00fcck zur Hauptseite HvB<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><!-- --><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Formuliert von Dr. Berkm\u00fcller Das Blutsystem ist ein Vermittler von Stoffwechselvorg\u00e4ngen. 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