{"id":2502,"date":"2023-09-23T12:25:37","date_gmt":"2023-09-23T12:25:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/?p=2502"},"modified":"2023-09-29T08:49:04","modified_gmt":"2023-09-29T08:49:04","slug":"dr_berkmueller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/dr_berkmueller\/","title":{"rendered":"Hildegard von Bingen &#8211; Vortr\u00e4ge von Dr. Berkm\u00fcller"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"bodyContent\">\n<p style=\"text-align: center;\">Sammlung der Vortr\u00e4ge von Dr. Alfons_Berkm\u00fcller <i> \u2020 <\/i>13.12.2013<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">zum Thema<em> Hildegard von Bingen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table id=\"toc\" class=\"toc\" summary=\"Inhaltsverzeichnis\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<ul>\n<li class=\"toclevel-1\"><a href=\"#Vorwort\"><span class=\"tocnumber\">1<\/span> <span class=\"toctext\">Vorwort<\/span><\/a><\/li>\n<li class=\"toclevel-1\"><a href=\"#Handschrift_aus_2005\"><span class=\"tocnumber\">2<\/span> <span class=\"toctext\">Handschrift aus 2005<\/span><\/a><\/li>\n<li class=\"toclevel-1\"><a href=\"#Das_rechte_Ma\u00df\"><span class=\"tocnumber\">3<\/span> <span class=\"toctext\">Das rechte Ma\u00df<\/span><\/a><\/li>\n<li class=\"toclevel-1\"><a href=\"#Die_Grundlage_Hildegardischer_Ethik\"><span class=\"tocnumber\">4<\/span> <span class=\"toctext\">Die Grundlage Hildegardischer Ethik<\/span><\/a>\n<ul>\n<li class=\"toclevel-2\"><a href=\"#Was_ist_im_Sinne_Hildegards_.E2.80.9EMystik.E2.80.9C\"><span class=\"tocnumber\">4.1<\/span> <span class=\"toctext\">Was ist im Sinne Hildegards &#171;Mystik&#187;<\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li class=\"toclevel-1\"><a href=\"#Zum_Fasten_in_der_Hildegardheilkunde\"><span class=\"tocnumber\">5<\/span> <span class=\"toctext\">Zum Fasten in der Hildegardheilkunde<\/span><\/a>\n<ul>\n<li class=\"toclevel-2\"><a href=\"#Vorwort_2\"><span class=\"tocnumber\">5.1<\/span> <span class=\"toctext\">Vorwort<\/span><\/a><\/li>\n<li class=\"toclevel-2\"><a href=\"#Eine_Meditation_.C3.BCber_das_Rad\"><span class=\"tocnumber\">5.2<\/span> <span class=\"toctext\">Eine Meditation \u00fcber das Rad<\/span><\/a>\n<ul>\n<li class=\"toclevel-3\"><a href=\"#Das_Rad_-_ein_Symbol_unserer_Wirklichkeit\"><span class=\"tocnumber\">5.2.1<\/span> <span class=\"toctext\">Das Rad &#8211; ein Symbol unserer Wirklichkeit<\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li class=\"toclevel-2\"><a href=\"#Discretio\"><span class=\"tocnumber\">5.3<\/span> <span class=\"toctext\">Discretio<\/span><\/a><\/li>\n<li class=\"toclevel-2\"><a href=\"#Die_Ordnungstherapie\"><span class=\"tocnumber\">5.4<\/span> <span class=\"toctext\">Die Ordnungstherapie<\/span><\/a>\n<ul>\n<li class=\"toclevel-3\"><a href=\"#Die_sechs_Lebensregeln_der_Ordnungstherapie\"><span class=\"tocnumber\">5.4.1<\/span> <span class=\"toctext\">Die sechs Lebensregeln der Ordnungstherapie<\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li class=\"toclevel-2\"><a href=\"#Fasten\"><span class=\"tocnumber\">5.5<\/span> <span class=\"toctext\">Fasten<\/span><\/a>\n<ul>\n<li class=\"toclevel-3\"><a href=\"#Das_einfache_Hildegardfasten\"><span class=\"tocnumber\">5.5.1<\/span> <span class=\"toctext\">Das einfache Hildegardfasten<\/span><\/a><\/li>\n<li class=\"toclevel-3\"><a href=\"#Mahlzeiten_beim_Fasten\"><span class=\"tocnumber\">5.5.2<\/span> <span class=\"toctext\">Mahlzeiten beim Fasten<\/span><\/a><\/li>\n<li class=\"toclevel-3\"><a href=\"#Ausleitung\"><span class=\"tocnumber\">5.5.3<\/span> <span class=\"toctext\">Ausleitung<\/span><\/a><\/li>\n<li class=\"toclevel-3\"><a href=\"#Formen_des_Fastens\"><span class=\"tocnumber\">5.5.4<\/span> <span class=\"toctext\">Formen des Fastens<\/span><\/a><\/li>\n<li class=\"toclevel-3\"><a href=\"#Das_Fasten_und_die_k.C3.B6rperliche_Leistungskraft\"><span class=\"tocnumber\">5.5.5<\/span> <span class=\"toctext\">Das Fasten und die k\u00f6rperliche Leistungskraft<\/span><\/a><\/li>\n<li class=\"toclevel-3\"><a href=\"#Das_Wesen.2C_die_Essenz_.28essentia.29_des_Fastens\"><span class=\"tocnumber\">5.5.6<\/span> <span class=\"toctext\">Das Wesen, die Essenz (essentia) des Fastens<\/span><\/a><\/li>\n<li class=\"toclevel-3\"><a href=\"#Die_Wurzeln_des_religi.C3.B6sen_Fastens\"><span class=\"tocnumber\">5.5.7<\/span> <span class=\"toctext\">Die Wurzeln des religi\u00f6sen Fastens<\/span><\/a><\/li>\n<li class=\"toclevel-3\"><a href=\"#Grunds.C3.A4tzliches\"><span class=\"tocnumber\">5.5.8<\/span> <span class=\"toctext\">Grunds\u00e4tzliches<\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><a id=\"Vorwort\" name=\"Vorwort\"><\/a><\/p>\n<h2><span class=\"mw-headline\">Vorwort<\/span><\/h2>\n<p><i>Liebe Hildegardfreunde, liebe Teilnehmer dieses Forums von &#171;Symptome.ch&#187;<\/i><\/p>\n<p><i>Angeregt von meiner langj\u00e4hrigen Mitarbeiterin und ihrem Mann die sich hier schon flei\u00dfg eingebracht haben, m\u00f6chte ich meine Vortr\u00e4ge aus den letzten 20 Jahren, von denen Mitschnitte gemacht wurden und die von diesen zwei eingefleischten Hildegardfreunden ins Schriftliche \u00fcbertragen wurden, diesem Forum <b>zur freien Verf\u00fcgung \u00fcberlassen<\/b>. Es ist mir ein Anliegen, da\u00df jeder, der dies m\u00f6chte, sich aus meinen Texten herausnehmen kann, was er braucht. Es ist glaube ich ganz im Sinne Hildegards, da\u00df ihre Gedanken und ihre Visionen in die weite Welt hinausgehen, welches Medium w\u00e4re geeigneter daf\u00fcr als das Internet mit seinen vielen M\u00f6glichkeiten. Zur Einleitung gebe ich einen Text, den ich zur Gr\u00fcndung der M\u00fcnchener Hildegardgesellschaft verfa\u00dft habe und der heute noch genau so stimmt wie damals.<\/i><\/p>\n<p><i>Mit den besten hildegardischen Gr\u00fc\u00dfen,<\/i><\/p>\n<p><i>Pater Alfons Berkm\u00fcller  \u2020 <a title=\"13. Dezember\" href=\"http:\/\/www.kathpedia.com\/index.php?title=13._Dezember\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">13. Dezember<\/a> <a title=\"2013\" href=\"http:\/\/www.kathpedia.com\/index.php?title=2013\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2013<\/a><\/i><\/p>\n<p><a id=\"Handschrift_aus_2005\" name=\"Handschrift_aus_2005\"><\/a><\/p>\n<h2><span class=\"mw-headline\">Handschrift aus 2005<\/span><\/h2>\n<p>Wohl kaum eine Gestalt aus dem Mittelalter<br \/>\nsteht so wie Hildegard von Bingen heute im Mittelpunkt der modernen Medien.<\/p>\n<p>Vielgenannt, aber doch noch unbekannt in ihrer Ganzheit und Originalit\u00e4t ihres Gesamtwerkes, &#171;boomt&#187; heute die Heilige von Bingen: eine Frau, die ein enormes theologisch-philosophisches Werk verfasst hat, eine erstaunliche Natur- und Heilkunde hinterl\u00e4\u00dft, Kl\u00f6ster gegr\u00fcndet, den Klerus reformiert, Hymnen und Symphonien dichtet mit eigenen Kompositionen; eine Frau, die noch hochbetagt &#171;Missionsreisen&#187; unternimmt, \u00f6ffentlich auf den Marktpl\u00e4tzen der St\u00e4dte auftritt, feurige Reden h\u00e4lt und mit den Gro\u00dfen ihrer Zeit von &#171;Reich und Kirche&#187; in einen umfangreichen Briefwechsel steht.<br \/>\nDas Einmalige an ihrer Erscheinung haben bereits ihre Zeitgenossen empfunden, die sie als &#171;Edelstein Bingens&#187;<br \/>\nals die &#171;rheinische Sybille&#187; und als die &#171;prophetissa teutonica&#187; preisen. Also auch schon damals eine viel bewunderte Frau.<\/p>\n<p>Hildegard selbst hat sich nur als &#171;eine paupercula femina&#187;, als ein &#171;simplex homo&#187;, eine &#171;indocta&#187; und als &#171;einfaches Sprachrohr, als die Posaune Gottes&#187; bezeichnet.<\/p>\n<p>Papst Eugen III. schrieb 1150 an Hildegard:<br \/>\n&#171;Die Scharen der Gl\u00e4ubigen V\u00f6lker brechen aus in Lob \u00fcber Dich. Du bist f\u00fcr viele ein Duft des Lebens geworden.&#187;<br \/>\nIn ihrem grandiosen Werk zeigt uns Hildegard das &#187; geschlossene Gef\u00fcge einer Welt&#187;, aber auch einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, und wie sie sich wieder &#171;zusammenf\u00fcgt&#187; zum Heile des Menschen.<br \/>\nBei Hildegard h\u00e4ngt Alles mit Allem zusammen, so z.B. Welt und Mensch, Leib und Seele, Natur und Gnade, Heilskunde und Heilkunde. Hildegard vertritt in ihrem Werk einen heilsgeschichtlich ausgerichteten Realismus: mit der Sch\u00f6pfung aus dem Nichts, die Erschaffung des Menschen nach dem Ebenbild des Sch\u00f6pfers, des Menschen Fall, die Menschwerdung des Gottessohnes, die Auferstehung des Fleisches am Ende eines vollendeten Universums.<br \/>\nHildegards Glaubenslehre will uns keine Neuigkeiten vermitteln. Ihr einziges Ziel ist, das \u00dcberlieferte erkl\u00e4ren und verk\u00fcnden.<br \/>\nAber gerade darin bringt sie f\u00fcr uns &#171;Postmoderne&#187; etwas zur Sprache, das uns verloren gegangen ist. Ihr Denken und Schauen vollzieht sich nicht wie bei uns in &#171;Begriffen&#187;, sondern in immer wieder neuen Bildern. Auch nicht ein noch so intensives tiefenpsychologisches Sezieren kann uns helfen in die Welt der Bilder Hildegards einzudringen. Am ehesten gelingt es durch eine unverdrossene Lekt\u00fcre der Schriften selber, und zwar in mehreren Schritten:<br \/>\nDer erste Schritt w\u00e4re eine \u00dcbersetzung aus dem &#171;schwerfl\u00fcssigen Latein&#187; in unsere moderne Sprache; dann weiter aus der verschl\u00fcsselten Symbolwelt des Mittelalters mit ihrer Bildersprache in uns verst\u00e4ndliche Informationen und letztlich, wie Heinrich Schipperges es ausdr\u00fcckte aus der vision\u00e4ren Welt ein Weltbild zu machen. Doch der moderne Mensch kann sich aus methodologischen Gr\u00fcnden kein Weltbild mehr errichten; denn er ist zwar bestens &#171;informiert&#187; und bleibt dennoch desorientiert im h\u00f6chsten Ma\u00df. Somit ist die heutige Situation des Menschen \u00fcberaus kritisch, belastet und bedr\u00e4ngt durch ein \u00dcberangebot von Ersatzreligionen aller Schattierungen. Auf dieser Suche nach Orientierung des heutigen Menschen sto\u0178en gerade in unseren Tagen viele Menschen auf Hildegard von Bingen, angezogen von einer Sicht vom Menschen, die von Vielen wieder als eine &#171;Wiederentdeckung&#187; eines verlorenen Wissens erkannt wird. Im Zentrum ihres Gesamtwerkes steht der &#171;ganze Mensch&#187; mit seiner Leib-Seele-Einheit, geschaffen im Herzen der Sch\u00f6pfung und berufen zum endg\u00fcltigen Heil in einer verkl\u00e4rten Welt.<br \/>\nEs ist sicherlich kein Zufall, meint Schipperges der gro\u00dfe Hildegard-Entdecker, da\u00df gerade an der Jahrtausendwende im Gesamtwerk Hildegards ihre Naturkunde und die Heilkunde zentral zwischen der Sch\u00f6pfungsordnung und der Heilsgeschichte behandelt werden ihre Weltanschauung ausmachen: die Heilkunde und die Heilskunde.<br \/>\nBeide werden vermutlich das Antlitz des anbrechenden neuen Jahrhundert bestimmen.&#187; (Schipperges, Hildegard von Bingen, Becksche Reihe Nr. 2008 S 117)<\/p>\n<p>Ich glaube, da\u00df wir Alle, die Hildegards Heilwissen kennenlernen durften (und kennen) auf der Basis, die uns durch den gl\u00e4ubigen Arzt, unseren verehrten Dr. Hertzka, zuteil geworden ist, uns gl\u00fccklich sch\u00e4tzen d\u00fcrfen, um vielen Menschen in der heutigen &#171;heilmedizinischen Notzeit&#187; eine Therapie f\u00fcr unsere Zivilisationserkrankungen anzubieten, die uns als Gottes- und Christustherapie, als die einzig wahre und wirksame Heilkunde durch die hl. Hildegard in unsere H\u00e4nde gelegt ist. Deshalb bin ich unsagbar dankbar f\u00fcr die Gnade dieses Geschenkes und freue mich mit all denen, die das kostbare Erbe von Dr. Hertzka weitertragen &#8211; hinein in die kommende so heilsbed\u00fcrftige Zeit.<\/p>\n<p>Gebet zu Beginn des Jahrtausends.<\/p>\n<p>Mit einem uns vertrauten Wort der hl. Hildegard m\u00f6chte ich Euch begleiten und von Herzen gr\u00fc\u00dfen:<\/p>\n<dl>\n<dd>Heilende Kraft, Du brichst Dir Bahn!<\/dd>\n<dd>Du durchdringst alle H\u00f6hen und Tiefen<\/dd>\n<dd>Du reichst in alle Abgr\u00fcnde<\/dd>\n<dd>Du baust alles auf und bindest es aneinander.<\/dd>\n<dd>Durch Dich ziehen und regnen die Wolken<\/dd>\n<dd>schwingt ihre Fl\u00fcgel die Luft.<\/dd>\n<dd>Durch Dich h\u00e4lt noch Wasser der h\u00e4rteste Stein,<\/dd>\n<dd>wird die kleinste Quelle zum Bach,<\/dd>\n<dd>sprie\u0178t \u00fcberall aus der Erde das frische Gr\u00fcn.<\/dd>\n<dd>Du f\u00fchrest auch den Geist der Deine Heillehre<\/dd>\n<dd>versteht in die Weite.<\/dd>\n<dd>Du hauchst ihm Weisheit ein und mit ihr die Freude.&#187;<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Euer Pater Alfons<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a id=\"Das_rechte_Ma.C3.9F\" name=\"Das_rechte_Ma.C3.9F\"><\/a><\/p>\n<h2><span class=\"mw-headline\">Das rechte Ma\u00df<\/span><\/h2>\n<p>Das rechte Ma\u00df, in der Hildegardheilkunde<br \/>\nPater Dr. med. Dr. psych. Alfons Berkm\u00fcller<br \/>\nManuskript zu einem Hildegard-Seminar<br \/>\nschriftliche Ausarbeitung, Hildegardforum, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Die Discretio ist eine Voraussetzung f\u00fcr die Gesundheit von Leib, Seele und Geist des Menschen. Um die discretio nach Hildegard in ihrer Tiefe, Weite und Ganzheit zu erfassen, ist es hilfreich, wenn wir uns kurz Hildegards gro\u00dfen Weltentwurf vor Augen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Dieser beinhaltet in K\u00fcrze sechs fundamentale Gedanken.<\/p>\n<p>1. Gottes Sch\u00f6pfung ist gut.<\/p>\n<p>2. Gott hat seine geheimnisvollen Kr\u00e4fte (subtilitates) in sie eingesenkt und als solche gewollt.<\/p>\n<p>3. Die Sch\u00f6pfung ist noch nicht vollendet, sie ist in einem enormen Proze\u00df der Entfaltung einbezogen.<\/p>\n<p>4. Der Mensch, als der Spiegel aller Werke Gottes hat den Auftrag, an der Entwicklung teilzunehmen und f\u00fcr sie die Verantwortung bekommen.<\/p>\n<p>5. Der Mensch ist berufen den genialen Sch\u00f6pfungsplan des g\u00f6ttlichen Werkmeisters zu erkennen, damit sich die gesamte Sch\u00f6pfung ihrem Ziel n\u00e4hern kann.<\/p>\n<p>6. Durch seine &#171;operatio&#187; (sein opus) entfaltet sich der Mensch selbst, er findet zu seinem &#171;Selbstsein&#187;, zu seinem Wesen und dadurch hilft er mit, da\u00df sich die Sch\u00f6pfung auf ihren Sch\u00f6pfer, auf ihren Urheber , zu ihrem Ziel zu bewegt.<\/p>\n<p>Wie aber soll der Mensch dieses &#171;opus&#187; zustandebringen? Allein vermag er es nicht. Er braucht viele Hilfe dazu.<br \/>\nDie bedeutendsten und effektivsten Helfer f\u00fcr den Menschen sind die Gotteskr\u00e4fte, die virtutes, die Tugenden mit ihren Gr\u00fcnkraft spendenden guten Eigenschaften.<\/p>\n<p>Eine der wichtigsten Gotteskr\u00e4fte ist die &#171;discretio&#187;.<\/p>\n<p>o die Seelenkraft der Unterscheidung<br \/>\no die geistige F\u00e4higkeit der eindeutigen Beurteilung der Dinge.<br \/>\no die F\u00e4higkeit in allen Dingen und Situationen das rechte Ma\u0178 zu halten.<\/p>\n<p>Die discretio ist die Mutter aller Tugenden<\/p>\n<p>hier steht Hildegard ganz in der Tradition des hl. Benedikt, sie gibt aber der &#171;discretio&#187; ein ganz besonderes Gewicht f\u00fcr das &#171;spirituelle Leben und Wachstum&#187;.<\/p>\n<p>Im Buch Scivias hat die discretio das Wort: (WW B\u00f6ckler S 259)<\/p>\n<p>&#171;Ich bin die Mutter aller Tugenden. In allen Dingen handhabe ich die Gerechtigkeit Gottes. Denn im geistigen Kampfe wie im Get\u00f6se der Welt erwarte ich in meinem innersten Bewu\u00dftsein immerdar meinen Gott. Ich verdamme nicht, ich zertrete nicht, noch verachte ich K\u00f6nige, Herz\u00f6ge, F\u00fcrsten und die vom Urheber aller Dinge eingesetzt sind.<\/p>\n<p>Im Buch der *Gotteswerke, in der 5. Schau berichtet Hildegard, da\u00df dem Menschen als eine besondere Auszeichnung die Gabe der Diskretion verliehen wurde.<\/p>\n<p>*w\u00e4hrend ich, Gott, den Menschen gewisserma\u00dfen im Ursprung aller Sch\u00f6pfung in seinen guten Sitten gestalte, schaffe ich zu ihm die lebendige Erkenntnis von Gut und B\u00f6se. So kann Er das B\u00f6se meiden und mich als seinen guten Vater nachahmen. Gab ich ihm doch die discretio, die Unterscheidungskraft zwischen Gut und B\u00f6se nach meinem Gleichbild. Mit diesem Erkennen sollte er die ganze Sch\u00f6pfung unterscheiden. Er sollte sie bewu\u00dft erkennen und gleich mir die Gewalt \u00fcber sie haben.<\/p>\n<p>(weitere Verse: Der Mensch verl\u00e4\u00dft Gott in seiner Eitelkeit &#8211; M\u00fchsal der S\u00fcnden und verl\u00e4\u00dft die &#171;laeta seientia&#187;, das freudvolle Erkennen, das ihn nie verwunden w\u00fcrde. WM ,Schipperges 5. Schau S. 209ff)<\/p>\n<p>Durch die &#171;discretio&#187; kann die Ebenbildlichkeit Gottes wahrgenommen werden;<br \/>\nEin Abbild Gottes scheint durch sie hindurch<\/p>\n<p>Mit der &#171;discretio&#187; ist die rationalitas&#187; verbunden: sie vermittelt:<br \/>\nEinsicht in die Zusammenh\u00e4nge, folgerichtige Schl\u00fcsse zu ziehen.<\/p>\n<p>&#171;Die Vernunft ist Mutterstoff (materna) des Wissens von Gut und B\u00f6se und sie verh\u00e4lt sich wie ein Baumeister, der aufbaut und abbricht.<br \/>\nWer den Tag des Glaubens liebt, der baut sein Haus im Himmlischen Jerusalem; wer ihn aber verachtet, der rei\u00dft sein Haus ab von der Ehre und Gl\u00fcckseligkeit der himmlischen Erbschaft&#187; (WM Schipp.5.Schau S. 213\/25)<\/p>\n<p>Ebenso wichtig wie die &#171;himmlischen Dinge&#187; sind auch die irdischen.<br \/>\nDiskretio als rechtes Augenma\u00df f\u00fcr Beides..<\/p>\n<p>&#171;Der Mensch sollte Beides haben: erstens die Sehnsucht nach dem Himmel und zweitens die Notdurft des Fleisches. So sollte er in allen Belangen mit discretio derart gehalten werden, damit in ihm durch ma\u00dflos auferlegte gute Werke nicht die Errichtung einer Ruine gebaut und er nicht unter dem Andrang unpassender Sitten zugrunde gerichtet werde. Vielmehr bete er bisweilen unter Seufzen zu anderer Stunde aber besch\u00e4ftige er sich mit guten Werken, und wieder zu anderen Zeiten trage er Sorge, da\u00df es ihm an leiblichen Bed\u00fcrfnissen nicht mangle&#187; (WMSchipp. V S. 214\/27)<\/p>\n<p>f\u00fcr Hildegard bedeutet die discretio, da\u00df sie immer um das rechte Ma\u00df besorgt ist und jede Art von \u00dcbertreibung und Ma\u00dflosigkeit ablehnt.<\/p>\n<p>Hildegard hielt sich in allen Bereichen an diese &#171;Mutter der Tugenden&#187;, in ihrem eigenen Leben, sowie im Umgang mit den Mitmenschen.<\/p>\n<p>So erfahren wir aus ihrer Biographie:<\/p>\n<p>Sie leitete die Ihrigen, ohne zu erschlaffen, bald mit milder, bald mit strenger Autorit\u00e4t. Ihr Ernst war gew\u00fcrzt mit Freundlichkeit und von ihrer Zunge flo\u00df die Rede s\u00fc\u00dfer als Honig.&#187; (vita,91)<\/p>\n<p>In ihren Briefen finden sich oft Ermahnungen, nichts zu \u00fcbertreiben, vor allem die Askese betreffend und immer auf die Stimme der discretio zu achten.<\/p>\n<p>Elisabeth von Sch\u00f6nau beschwor sie, ein gesundes Ma\u00df zu finden, besonders in ihrer Liebesmystik:&#187; Lerne Ma\u00dfhalten! Dies ist f\u00fcr Himmlisches und Irdisches die Mutter aller Tugenden: denn durch sie wird die Seele geleitet und ebenso der Leib in rechter Zucht ern\u00e4hrt. Wie durch unangebrachte Sturzregen die Frucht der Erde Schaden leidet und wie in ungepfl\u00fcgter Erde nicht gute Frucht, sondern unn\u00fctze Kr\u00e4uter aufsprie\u00dfen, so wird auch der Mensch, der sich mehr M\u00fchsal auferlegt, als sein K\u00f6rper aushalten kann &#8211; da in ihm das Wirken der heiligen Diskretion geschw\u00e4cht ist &#8211; durch ma\u00dflos auferlegte M\u00fchsal und Enthaltsamkeit seiner Seele keinen Nutzen bringen.&#187; (BW 199)<\/p>\n<p>Hildegard weist auf die verschiedenen Begabungen von &#171;Martha und Maria&#187; hin (LK 10,38-42), die sich gegenseitig erg\u00e4nzen und nicht gegeneinander ausgespielt werden d\u00fcrfen.:<\/p>\n<p>&#171;Die discretio h\u00e4lt die Tugenden zusammen, gleichsam einer Magd, die ihrer Herrin mit ihrem Dienst zur Verf\u00fcgung steht. Da in den irdischen Dingen, die zum Leibe nun einmal geh\u00f6ren, und sie der Diskretion unterliegen, die Herrin selber ihre Magd nicht entbehren will.<\/p>\n<p>So ist die discretio das Firmament: das Irdische, das aktive Leben h\u00e4lt sie unter sich, das g\u00f6ttliche, das beschauliche Leben, hat sie \u00fcber sich.<\/p>\n<p>Dadurch ist sie die Treppe auf der des Menschen Geist durch die guten Werke zum Himmel steigt, auf der er aber auch den irdischen Bed\u00fcrfnissen zuliebe zur Erde herabklettert, so wie Maria und Martha ihre verschiedenartigen Dienste Gott darboten.<br \/>\nBeide Lebensarten waren Gott wohlgef\u00e4llig, ist Er doch der Begr\u00fcnder von Beiden. Und so bestehe das Gef\u00fcge der Zugenden in beiden Lebensweisen, in dem der Mensch selber die Unterscheidung trifft, auf da\u00df er G\u00f6ttliches und Irdisches nach dem ihnen gesetzten Ma\u00df in rechter Weise nutze, so wie Gott sie geschaffen.&#187; (WM S. 214)<\/p>\n<p>Hildegard sch\u00e4tzt den Menschen und seine Berufung hoch ein; gerade die discretio bezeichnet seine Gr\u00f6\u00dfe und seine Verantwortlichkeit.<br \/>\nDer Mensch ist frei, so kommt alles darauf an, was er mit dieser Gabe anf\u00e4ngt.<\/p>\n<p>&#171;Jede Vernunft im Menschen existiert als eine solche, die von Ihm, dem wahren Gott kommt. Was ihr gef\u00e4llt, soll sie w\u00e4hlen, was ihr mi\u00dff\u00e4llt, mu\u00df sie verwerfen; denn sie erkennt, was gut und was sch\u00e4dlich ist.&#187; (WM 282)<\/p>\n<p>Hildegard wei\u00df, da\u00df viele Menschen nicht nach der discretio handeln und ihre Freiheit mi\u00dfbrauchen.<\/p>\n<p>Im Buch der Lebensverdienste l\u00e4\u00dft Hildegard die discretio auftreten die der personifizierten Ma\u00dflosigkeit der immoderatio entgegentritt.<\/p>\n<p>&#171;Du benimmst dich wie die Jungen der wilden Tiere, die noch kein Ma\u00df kennen und handelst wie das schmutzige Vieh. Alles, was in der Ordnung Gottes steht, antwortet einander.<br \/>\nDie Sterne funkeln vom Licht des Mondes und der Mond leuchtet vom Feuer der Sonne. Jedes Ding dient einem H\u00f6heren und nichts \u00fcberschreitet sein Ma\u00df Du aber nimmst weder auf Gott R\u00fccksicht, noch auf seine Gesch\u00f6pfe, Du h\u00e4ngst vielmehr in der Luft wie eine leere Schote, die im Winde baumelt.&#187; (VM 94)<\/p>\n<p>Hildegard sieht hier sehr tief hinein in das Geflecht sozialer Strukturen, aber auch kosmischer Verflechtungen. Alles h\u00e4ngt mit allem zusammen, deshalb mu\u00df auch der Mensch sein Ma\u00df erkennen, sonst ist er der eigentliche St\u00f6rfaktor in der gesamten Sch\u00f6pfungsordnung.<\/p>\n<p>Jedes Fehlverhalten beeinflu\u00dft nicht nur den Einzelnen, sondern den ganzen Zusammenhang aller Dinge.<\/p>\n<p>Hildegard stellt einen Vergleich zwischen den sozialen Folgen und den gesundheitlichen an, die aus einem Mangel an discretio kommen:<\/p>\n<p>&#171;Weil der Mensch mit seinem Ungehorsam sich sowohl \u00fcber die Furcht wie auch \u00fcber die Liebe Gottes hinwegsetzt, \u00fcberschreiten auch alle Elemente und die Gezeiten ihre Grenzen. Das ist so wie bei den Eingeweiden des Menschen; hat der Mensch einmal sein Ma\u00df \u00fcberschritten, so verhalten sich dementsprechend auch seine Eingeweide&#187;.-(Heilkunde Schulz 69)<\/p>\n<p>Hildegard erinnert den Menschen unentwegt an seine Aufgabe in der Sch\u00f6pfung Gottes als cooperator Dei und weist aber auch energisch auf die Folgen hin, wenn er sich seiner Berufung verweigert.<\/p>\n<p>&#171;Gott hat mich mit beiden Augen erleuchtet, mit ihnen betrachte ich, was f\u00fcr eine Herrlichkeit das Licht in der Dunkelheit hat. Damit aber kann ich w\u00e4hlen, auf welchem Wege ich zu wandeln habe: ob ich sehend, ob ich blind sein werde, indem ich erkenne, welchen F\u00fchrer ich f\u00fcr den Tag oder f\u00fcr die Nacht anrufen soll.&#187; (WM 58)<\/p>\n<p>Die discretio ist der Kompa\u00df auf unserem Lebensweg, dadurch k\u00f6nnen wir die rechten Entscheidungen treffen und Bew\u00e4hrung in den Krisen. Achten wir nicht auf die discretio, dann werden wir nicht gleich von Gott bestraft, sondern von unserer eigenen Umwelt, von der uns umgebenden Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>&#171;discretio &#8211; Reinheit des Herzens&#187;<\/p>\n<p>&#171;Die gesamte Sch\u00f6pfung, die Gott in der H\u00f6he wie in den Tiefen gestaltet hat, lenkt er zum Nutzen des Menschen hin. Mi\u00dfbraucht der Mensch seine Stellung zu b\u00f6sen Handlungen, so veranla\u00dft Gottes Gericht die Gesch\u00f6pfe, ihn zu bestrafen&#187; (WM,65)<\/p>\n<p>Die discretio der hl. Hildegard f\u00fchrt uns zur hildegardischen &#171;Ganzheit&#187;; denn die Gabe der Unterscheidung m\u00fcssen wir in allen Bereichen unseres Daseins \u00fcben und anwenden.<br \/>\n&#171;Und so liebt die Seele in allen Dingen das diskrete Ma\u00df. Wann auch immer der K\u00f6rper des Menschen ohne Diskretion isst oder trinkt, oder etwas anderes dieser Art verrichtet, werden die Kr\u00e4fte der Seele verletzt, weil alles nur mit Ma\u00df ausgef\u00fchrt werden soll, da nun einmal der Mensch nicht st\u00e4ndig im Himmel weilen kann. Und wie durch allzu gro\u00dfe Sonnenglut die Erde aufgerissen wird und durch \u00fcberm\u00e4\u00dfige Regeng\u00fcsse die Saat nicht nutzvoll sprie\u00dfen kann, wie vielmehr nur in richtiger Verbindung von Hitze und Feuchtigkeit die Erde ohne Nutzkr\u00e4uter wachsen l\u00e4sst, so werden auch in richtig ausgewogener Mischung alle Verrichtungen der irdischen und himmlischen Dinge ma\u00dfvoll und gut angeordnet und vollendet.&#187; (WM 99)<br \/>\nHildegard f\u00fcgt noch hinzu: &#171;Dieses diskrete Ma\u00df haben jene geliebt, mit denen der Himmel erleuchtet ist, und sie lieben es noch. Der Teufel aber wollte dies und will es nicht haben, weil er immer nur in extreme H\u00f6hen oder extreme Tiefen strebt, weshalb er auch fiel und sich nicht wieder erhebt.&#187; (WM S.99) Anm. ma\u00dflos = teuflisch, ma\u00dfvoll=himmlisch.<\/p>\n<p>Die Seele ist eine Br\u00fccke, sie verbindet oben und unten; Himmel und Erde; innen und au\u00dfen. Die Seele bringt in den Menschen die Harmonie, wenn sie ma\u00dfvoll und ausgeglichen &#171;Beide&#187; verbindet.<br \/>\nNach Hildegards Sicht ist ja die Seele gerade dazu erschaffen, diese Einheit zu wirken; sie selbst ganz anzunehmen, nichts auszuklammern, nichts zu verdr\u00e4ngen, oder gar als &#171;Schatten&#187; ins Unterbewusste abzuschieben. Denn so gibt es f\u00fcr den Menschen keinen Ausgleich, keine Harmonie, keine Einheit, sondern nur Zerrissenheit. Die Seele ist nach Hildegard wie der Saft im Baum, der alles am Leben erh\u00e4lt und ern\u00e4hrt und den ganzen Baum durchstr\u00f6mt. Die Seele ist die Gr\u00fcnkraft im Menschen, die Kraft, die mit der Hilfe der discretio das ganze Leben, den Lebensstrom, die Ganzheit mit diesem diskreten Ma\u00df steuert. Die Seele ist auch wie Feuer, das Element, welches Gottes Hauch symbolisiert und durch den die Seele den leblosen Lehmklumpen zum Leben erweckte.<\/p>\n<p>Hildegard sagt es so:<\/p>\n<p>&#171;Die Seele erscheint wie Feuer, die Vernunft aber ist in ihr wie das Licht und sie wird durch die Vernunft in ihrer leuchtenden Art auf die gleiche Weise durchdrungen, wie auch die Welt durch die Sonne erleuchtet wird&#187; (WM S. 101 ff)<\/p>\n<p>Das diskrete Ma\u00df des Kosmos, das Leuchten der Sonne, wird auf das diskrete Ma\u00df der Vernunft bez\u00fcglich ihres &#171;Leuchtens&#187; auf den Menschen \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Im Buch der Gotteswerke spricht Hildegard in der 3. Schau von der Natur des Menschen.<\/p>\n<p>Einen kleinen Ausschnitt widmet sie auch der &#171;Erm\u00fcdbarkeit&#187; bzw. Erm\u00fcdung des Menschen; zuerst von der k\u00f6rperlich-leiblichen Erm\u00fcdung und dann von der seelischen.<\/p>\n<p>&#171;So geht es zu, wenn der Mensch den rechten Tugendweg ma\u00dflos zu wandeln versucht. Die Ma\u00dflosigkeit dieser Haltung lenkt ihn dann auf Unzutr\u00e4gliches ab und f\u00fchrt die Enthaltsamkeit in ihm auf ein \u00fcbertriebenes Ma\u00df des Gewissens, so da\u00df er sich dann in seiner Ma\u00dflosigkeit auch erlaubter Dinge enth\u00e4lt und sich schliesslich den Ekel an anderen Tugenden zuzieht. Indem er w\u00e4hnt, er kehre zur Gerechtigkeit zur\u00fcck und triefe nur so von Gewissenhaftigkeit, bereitet er sich den Fallstrick der Erm\u00fcdung, weil er bei solcher unangemessenen Enthaltsamkeit die Zartheit des Mutes und der Vorsicht verl\u00e4sst. Schlie\u00dflich zweifelt er, ob er sich \u00fcberhaupt noch halten k\u00f6nne und f\u00e4llt auf diese Weise in die Schlinge der Verzweiflung&#187;. (WM S.73\/14)<\/p>\n<p>Hildegard bemerkt im gleichen Werk in der 2. Schau &#171;Wenn die Herzen und K\u00f6pfe der Menschen sich einem Irrtum zuwenden, so ist das ein Hinweis auf Irrt\u00fcmer, die die Elemente unter der Sonne durch Katastrophen ersch\u00fcttern und zu einer Sonnenfinsternis f\u00fchren &#8211; durch die Ma\u00dflosigkeit der Menschen provoziert.&#187;<\/p>\n<p>Hildegard stellt einerseits das menschliche Leben in einen gro\u00dfen kosmischen Zusammenhang, vergisst dabei aber nicht andererseits die Grenzen der menschlichen M\u00f6glichkeiten und die Hinf\u00e4lligkeit seiner Kr\u00e4fte aufzuzeigen. Gr\u00f6\u00dfe der Sch\u00f6pfung und Bedeutung des kleinen Menschen werden zusammengef\u00fcgt und gezeigt, wie der Mensch in seinem Alltag dieser Berufung gerecht wird.<\/p>\n<p>Zum Abschlu\u00df \u00fcber Hildegards Gedanken zur discretio, m\u00f6chte ich noch kurz skizzieren wie in der Neusch\u00f6pfung der Siebentagewoche die &#171;Mutter der Tugenden&#187; das Leben des Menschen gestaltet.<\/p>\n<p>Am zweiten Tag der Sch\u00f6pfungsgeschichte entsteht das Gew\u00f6lbe des Himmels, das Firmament, um das Wasser oberhalb des Firmaments zu scheiden.<\/p>\n<p>Die Diskretion ist nicht selber am Werk, sie dient als Hilfskraft den \u00fcbrigen Tugenden<\/p>\n<p>So h\u00e4lt auch das Firmament, die St\u00fctze all der Kr\u00e4fte, durch die es umgew\u00e4lzt wird, die anderen Gesch\u00f6pfe in ihrem Wirken, indem es zu ihrer Verf\u00fcgung steht.&#187; (WM, 216)<br \/>\nund wie das Firmament jedes Ding, das darin gesetzt ward st\u00fctzt, indem es ihm seinen Raum gibt, so ist auch die Diskretion durch ihr Werk, wie die \u00fcbrigen Kr\u00e4fte, die gem\u00e4\u00df ihrem Tun Werkleute hei\u00dfen, nicht Werkmeisterin, d.h. operatrix, sondern lediglich die St\u00fctze (substentaculum) f\u00fcr die \u00fcbrigen Tugenden&#187; (WM S. 216)<\/p>\n<p>F\u00fcr Hildegard ist in ihrer Schau die discretio wie das Firmament f\u00fcr die \u00fcbrigen Tugenden.<\/p>\n<p>Die discretio mit dem Geschmackssinn zu vergleichen, der uns sagt, da\u00df<\/p>\n<p>eine Speise gut oder auch schlecht (verdorben) ist.<\/p>\n<p>Die discretio vermag auch die verschiedenen Gedanken, Motivationen, Emotionen und auch die Impulse im Herzen zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Die hemmungslosen Triebkr\u00e4fte weist sie in Schranken und in eine gute Richtung.<\/p>\n<p>In der Spiritualit\u00e4t der hl. Hildegard ist die discretio die Voraussetzung f\u00fcr die &#171;richtigen Entscheidungen&#187;. Sie vertraut sich der F\u00fchrung des Hl. Geistes an und sieht in allen Dingen den Willen Gottes.<\/p>\n<p>Die discretio wendet nie pauschal abstrakte Regeln an, sondern schaut auf die jeweilige Situation des Menschen und w\u00e4gt ab, die Zeit und den Ort der Umst\u00e4nde, die Schw\u00e4chen und St\u00e4rken der Mitmenschen.<\/p>\n<p>Die discretio als &#171;Gabe der Unterscheidung&#187; des Augenma\u00dfes und des Ma\u00dfhaltens setzt die Haltung der inneren Aufmerksamkeit voraus und h\u00e4ngt somit eng zusammen mit:<\/p>\n<p>Klugheit, Gerecht sein im Urteil und mit einer Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die Verschiedenartigkeit der Menschen im Zusammenleben.<\/p>\n<p>Die discretio beschreitet den Weg der richtigen Mitte, nicht der Mittelm\u00e4\u00dfigkeit.<\/p>\n<p>Hildegard vergleicht dies mit einer &#171;Treppe&#187;, auf der der Mensch durch die guten Werke zum Himmel aufsteigt und auf der er den leiblich-irdischen Bed\u00fcrfnissen entsprechend zur Erde herabsteigt.( vergl. Martha und Maria)<\/p>\n<p>Nach Hildegard n\u00fctzt ein guter Beginn nichts ohne ein gutes Ende, deshalb bedarf der Mensch der Gotteskraft der discretio, damit nicht im Menschen durch &#171;Ma\u00dflosigkeit&#187; von selbst guten Werken eine Ruine erbaut wird. und zugrunde gerichtet wird, durch den Ansturm unpassende Sitten.<\/p>\n<p>Die discretio reguliert im Menschen alles &#171;organisch&#187;, denn sie nimmt R\u00fccksicht auf das Leben.<\/p>\n<p>Deshalb kann die discretio vielen Menschen zu einem &#171;Ganzsein&#187; und zu Gott zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>In Liebe zur Verbreitung f\u00fcr alle, die es wissen wollen.<\/p>\n<p>Euer Alfonso<br \/>\nM\u00fcnchen 2011<\/p>\n<p><a id=\"Die_Grundlage_Hildegardischer_Ethik\" name=\"Die_Grundlage_Hildegardischer_Ethik\"><\/a><\/p>\n<h2><span class=\"mw-headline\">Die Grundlage Hildegardischer Ethik<\/span><\/h2>\n<p><b>War Hildegard eine Mystikerin?<\/b><br \/>\nVortrag Dr. Berkm\u00fcller 1998 im Hildegard-Forum M\u00fcnchen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Grundlagen der Ethik Hildegards sind 3 Grundkr\u00e4fte der &#171;menschlichen&#187; Geist-Seele<\/p>\n<p>In der Seele liegen 3 Kr\u00e4fte:<\/p>\n<p>1. Das Begreifen = comprehensio (Begreifen in der Kraft Gottes das Himmlische und Irdische.)<\/p>\n<p>2. Die Einsicht = intelligentia (ist ein umfassendes Einsehen der Bosheit der S\u00fcnde und Abstand durch &#171;Reue&#187;).<\/p>\n<p>3. Die Ausf\u00fchrung = Motio (durch die sie sich in sich selbst bewegt.) (S. 88 opera divinorum) Schippergers)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>weitere 3 Grundkr\u00e4fte der Seele sind:<\/p>\n<p>1. Das Vergeistigen = ( Exspiratio)<\/p>\n<p>2. Das Erkennen = ( scientia)<\/p>\n<p>3. Die Empfindung = ( sensus) (S. 88 opera divinorum Schipperges)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seite 90: im lib. op. div. : spricht Hildegard von 2 &#171;Verm\u00f6gen der Seele&#187;<\/p>\n<p>&#171;mit dem einen steigt sie in die H\u00f6he, wo sie Gott f\u00fchlt, mit dem anderen nimmt sie den ganzen Leib, in dem sie existiert in Besitz, um in ihm ihr Werk zu tun; Denn der Seele Freude ist es, im Leibe wirksam zu sein um das Werk des Leibes zu vollenden.<\/p>\n<p>Ferner wirkt der Mensch seine Taten (Gut und B\u00f6se) mit den 4 Elementen, nach Ma\u00dfgabe der 4 Winde, die in den oberen Luftbereichen ihre Kr\u00e4fte aus\u00fcben, wie wohl sie ihr Wehen mitunter auch auf den Schmutz und die Unsauberkeit des Unrats legen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den 4 Hauptwinden gleichen im Menschen 4 Grundkr\u00e4fte:<\/p>\n<p>1. Das Denken (cogitatio)<\/p>\n<p>2. Die Sprache (locutio)<\/p>\n<p>3. Der Trieb (intentio)<\/p>\n<p>4. Das Gem\u00fct ( gemitus)<\/p>\n<p>(Es sind begleitende Grundkr\u00e4fte der Seele, mit denen der Mensch Gutes, bzw. B\u00f6ses w\u00e4hlen kann.&#187;<\/p>\n<p>(Seite 115 opero Div. 4. Vision Schipperges)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>NB) Ferner nennt Hildegard als 4-faches Flugverm\u00f6gen<\/p>\n<p>4 Kr\u00e4fte der Seele<\/p>\n<p>1. sensus<\/p>\n<p>2. seientia<\/p>\n<p>3. voluntas<\/p>\n<p>4. intellectus<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a id=\"Was_ist_im_Sinne_Hildegards_.E2.80.9EMystik.E2.80.9C\" name=\"Was_ist_im_Sinne_Hildegards_.E2.80.9EMystik.E2.80.9C\"><\/a><\/p>\n<h3><span class=\"mw-headline\">Was ist im Sinne Hildegards &#171;Mystik&#187;<\/span><\/h3>\n<p>Das Werk der&#187; Volksheiligen&#187; Hildegard von Bingen geh\u00f6rt zu den gr\u00f6\u00dften zusammen h\u00e4ngenden literarischen Werken aus dem Hochmittelalter, das uns erhalten ist.<\/p>\n<p>Hildegard hat f\u00fcr jeden Menschen, auch f\u00fcr die heutige Zeit etwas gegeben.<br \/>\nWir wollen nun erst einmal sehen, was uns alles zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p>Das 1 . Buch das wir der Einfachheit halber einmal das Buch der Ichfindung nennen wollen hei\u00dft &#171;scivias&#187; und bedeutet auf Deutsch &#171;Wisse die Wege&#187;.<br \/>\nWenn ich Ihnen sage, da\u00df Hildegard seit ihrer Kindheit Schauungen oder wie sie es nennt, Visionen gehabt hat, dann bin ich damit schon mitten in dem Geschehen, da\u00df Hildegard zu den Menschen geh\u00f6rt, von denen man sagen kann, da\u00df sie mit dem in Verbindung stand, was Hildegard selbst als &#171;den Schatten des lebendigen Lichts&#187; bezeichnete. So wurde es ihr genannt.<\/p>\n<p>Wer nannte das so?<br \/>\nWie hat das ausgeschaut?<br \/>\nWas hat sie geh\u00f6rt?<\/p>\n<p>Lauter Fragen die wir sofort stellen wollen, und die nach einer Antwort aus der ,,Vernunft suchen.<\/p>\n<p>Mit unserer Vernunft oder noch besser gesagt, mit unserem, der Wissenschaft verpflichteten Denkverm\u00f6gen kommen wir da nicht weiter. Wir wollen deshalb gleich wieder Hildegard selbst zu Wort kommen lassen mit einem Briefauszug an Wibert von Gembloux:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#171;Von meiner Kindheit an, als meine Gebeine, Nerven und Adern noch nicht erstarkt waren, erfreute ich mich der Gabe dieser Schau in meiner Seele, bis zur gegenw\u00e4rtigen Stunde, da ich doch schon mehr als siebzig Jahre alt bin.<\/p>\n<p>Jetzt mache ich einen Textsprung dahin, wo ich meine, da\u00df sie davon berichtet, da\u00df damals die Zeit der mystischen inneren Vorg\u00e4nge war&#8230;.<\/p>\n<p>und meine Seele steigt \u201c wie Gott will \u201c in dieser Schau empor, bis in die H\u00f6he des Firmaments und die verschiedenen Sph\u00e4ren und h\u00e4lt sich bei verschiedenen V\u00f6lkern auf, obgleich sie in entlegenen Gegenden und Orten, weit von mir entfernt sind, und da ich dies in solcher Weise in meiner Seele schaue, erblicke ich auch den Wechsel der Wolken und anderer Gesch\u00f6pfe .(Hinweis auf die Einweihung in die Feinstofflichkeit der Heilmittel). Ich sehe aber diese Dinge nicht mit den \u00e4u\u00dferen Augen und h\u00f6re sie nicht mit den \u00e4u\u00dferen Ohren, auch nehme ich sie nicht mit den Gedanken meines Herzens wahr, noch durch irgendwelche Vermittlung meiner f\u00fcnf Sinne&#187;<br \/>\n&#8230;.So weit einmal dieser Text, der auf die mystische Begabung Hildegards hinweist.<\/p>\n<p>Bis hier her bekommen wir zwei Botschaften.<\/p>\n<p>Hildegard spricht von zwei Ebenen, der &#171;Drinnenebene&#187; und der &#171;Drau\u00dfenebene.&#187;<\/p>\n<p>Sie ist also dauernd, Tag und Nacht, drinnen mit der Stimme und drau\u00dfen mit dem t\u00e4glichen Leben besch\u00e4ftigt, noch mehr, mit Seelenreisen zu fremden V\u00f6lkern und St\u00e4mmen, mit denen sie lebt und deren Weisheiten sie lernen darf.<\/p>\n<p>Also, wenn das nicht mystisch ist, was dann..<\/p>\n<p>Das ist es was ich meine, wenn ich von Genie spreche.<\/p>\n<p>Wer kann das, so pr\u00e4sent sein f\u00fcr Gott und die Welt, ganz bewu\u00dft, ohne geistig sich nach innen wenden, ganz dabei sein was die Stimme ihr auftr\u00e4gt und gleichzeitig solche k\u00f6rperlichen Strapazen zu bestehen, wie Hildegard sie in ihrer Zeit als \u201ebtissin bestanden hat.<br \/>\nWollen wir uns jetzt noch einmal auf das konzentrieren, was wir geh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p>War Hildegard Mystikerin?<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen also sagen &#8211; Ja- sie war Mystikerin soweit wir von ihr erfahren konnten wo sie ihre Schau erlebte.<\/p>\n<p>Das sind Schilderungen von Eindr\u00fccken und Erlebnissen, die wir nicht so leicht nachvollziehen k\u00f6nnen. Auch die damaligen Menschen waren befremdet \u00fcber das was Hildegard sagte. Wahrscheinlich haben sie das Kind ja sogar als geistesgest\u00f6rt bezeichnet, jedenfalls war die Reaktion der Umwelt so befremdet, da\u00df Hildegard aufh\u00f6rte, mitzuteilen was sie sah . Es blieb also in ihr verschwiegen. Was sie weiterhin erfuhr, war also wieder zur Mystik zu z\u00e4hlen. Ihre Lippen blieben verschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ihr mystisches Erleben beruht einzig und allein auf der pers\u00f6nlichen Erfahrung durch eine Begegnung mit Gott .und zwar nicht mit dem Gott als subjektivem Gespr\u00e4chspartner der Seele, sondern jenem Gott, der die ganze Welt und den ganzen Menschen geschaffen hat.<\/p>\n<p>Hildegard hat nie etwas vergessen, was einmal in sie eingedrungen war und konnte noch nach vielen Jahren, bis zu ihrem Ableben mit 81 Jahren wortgetreu wiederholen was gesagt worden war, aber sie behielt es in sich bis zu dem Tag, an dem sie den Auftrag erhielt. .<\/p>\n<p>In Hildegards 42. Lebensjahr erhielt sie einen Auftrag:<\/p>\n<p>&#171;Schreibe was du siehst, tue kund die Wunder die du erfahren, schreibe sie auf und sprich&#187;.<br \/>\nW\u00e4re es vermessen, zu behaupten, da\u00df bis dahin die &#171;mystische Phase ihres jungen Lebens war?<\/p>\n<p>Diese Zeit war notwendig, damit Hildegard, die seit ihrer Kindheit unter Schw\u00e4chezust\u00e4nden gelitten hatte, Kraft sch\u00f6pfen konnte, Kraft f\u00fcr einen Auftrag, der sie im Alter von 42 Jahren so in die Pflicht nahm, da\u00df sie fast Tag und Nacht diktiert haben mu\u00dfte, wenn man den Umfang anschaut, den ihr Werk hat.<\/p>\n<p>Also, die mystische Phase begann in ihrer Kindheit, erstreckte sich \u00fcber die Jahre ihrer Jugend, in der sie Inklusin auf dem Disibodenberger Kloster war und wurde erst zu einem \u00dcbergangsgeschehen in den Zustand einer Prophetin, als Gott ihr den Auftrag gab, jetzt das Werk &#171;scivias&#187; zu beginnen.<\/p>\n<p>Hildegard schildert das Geschehen eindringlich:<\/p>\n<p>&#171;Im Jahre 1141 der Menschwerdung Jesu Christi, als ich zweiundvierzig Jahre und sieben Monate alt war, kam ein feuriges Licht mit Blitzesleuchten vom offenen Himmel hernieder. Es durchstr\u00f6mte mein Gehirn und durchgl\u00fchte mir Herz und Brust gleich einer Flamme, die jedoch nicht brannte, sondern w\u00e4rmte, wie die Sonne den Gegenstand erw\u00e4rmt, auf den sie ihre Strahlen legt. Nun erschloss sich mir der Sinn der Schriften, des Psalters, des Evangeliums und der \u00fcbrigen katholischen B\u00fccher des Alten und Neuen Testaments. Doch den Wortsinn ihrer Texte, die Regeln der Silbenteilung und der F\u00e4lle und Zeiten erlernte ich dadurch nicht.&#187;<\/p>\n<p>Weiter im Hildegardtext: &#171;Die Kraft und das Mysterium verborgener, wunderbarer Gesichte erfuhr ich geheimnisvoll in meinem Innern seit meinem Kindesalter, das hei\u00dft seit meinem f\u00fcnften Lebensjahr, so wie auch heute noch ( also auch noch im Alter).<br \/>\nDoch tat ich es keinem Menschen kund, au\u00dfer wenigen, die wie ich im Ordensstande lebten. Ich deckte alles mit Schweigen zu bis zu der Zeit, da Gott es durch seine Gnade offenbaren wollte.&#187;<\/p>\n<p>Hildegard war es unheimlich, vor dem Auftrag und sie wollte aus der Verpflichtung immer wieder herauskommen.<\/p>\n<p>Aber immer wieder passierten solche Eindr\u00fccke wie:<\/p>\n<p>&#171;Ich h\u00f6rte, wie der auf dem Throne Sitzende sprach&#187; &#187; sch\u00f6n sind Deine Augen, wenn du k\u00fcndest&#8230;&#187;<\/p>\n<p>Hildegard hatte nicht das Laster des Stolzes, deshalb entging ihr dieses &#171;Lob&#187; und sie weigerte sich viele Male und brachte Ausreden wie: &#171;Weil ich nicht wert bin Mensch zu hei\u00dfen&#187;. Oder &#171;wie Asche komme ich mir vor&#187;. ~;<\/p>\n<p>Diese Weigerungen wurden meistens mit dem Umstand quittiert, da\u00df Hildegard krank wurde. Sie wurde ans Bett gefesselt und verbrachte schwere Zust\u00e4nde von L\u00e4hmungen und \u00e4rgste Formen von einer Art Migr\u00e4ne, bis sie wieder bereit war zu reden und zu schreiben. Dann konnte sie aufstehen und herumgehen, als w\u00e4re nichts gewesen.<\/p>\n<p>Hildegard war nie stolz auf ihre Leistung, sie war nur stolz darauf ein Gesch\u00f6pf Gottes zu sein. Hildegard wusste immer und zwar durch ihre mystische Innenphase, woher sie kam, wer sie war und wohin sie gehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Trotzdem klagte sie &#171;seit meiner Kindheit hatte ich nie das Gef\u00fchl von Sicherheit.&#187; Schauen Sie, das nenne ich eben mystisch. Innerlich hat sie gewusst.<\/p>\n<p>Mein heutiger Vortrag bei Ihnen hei\u00dft &#171;Hildegard von Bingen &#8211; eine Mystikerin?<br \/>\nNach meiner Einleitung k\u00f6nnen wir jetzt schon weiterfragen:<\/p>\n<p>War Hildegard von Bingen ~ nur ~ eine Mystikerin?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach meiner Lekt\u00fcre, bedeutet Mystik ein Zusammenflie\u00dfen des Menschen~ich mit dem Ganzen dessen, was er selbst nicht ist. Mystik bedeutet aber auch &#171;Augen und Lippen schlie\u00dfen&#187; dabei wird der Inhalt der Erfahrung geheim gehalten und nur Eingeweihten offenbart.<\/p>\n<p>Aus Hildegards Brieten geht hervor, da\u00df sie sehr unsicher war, ob das, was sie schaute und wovon die Rede war, da\u00df sie es offenbaren sollte, echt sei und f\u00fcr die Ohren der \u00d6ffentlichkeit bestimmt. Sie schrieb an Bernhard von Clairveaux einen Brief und erhielt zur Antwort, da\u00df sie keine Sorge haben br\u00e4uchte, das was sie als Auftrag erhalten hatte, h\u00e4tte seinen Ursprung in Gott und sie solle sogar dringend weiterarbeiten. Dar\u00fcber hinaus berichtete BvC dem Papst von Hildegards Talent, soda\u00df es zu einem Besuch wichtiger Herren aus Rom kam, bei dem Hildegard wegen ihrer Eingebungen befragt wurde. Anschlie\u00dfend anl\u00e4sslich eines synodalen Treffens in Trier hat dann der Papst pers\u00f6nlich aus dem erw\u00e4hnten Buch scivias vorgelesen und ab da galt Hildegard als Prophetin, als Schauende als Sybille vom Rhein &#8211; f\u00fcr die ganze Welt und ganz \u00f6ffentlich, mit Freibrief, da\u00df alles was von ihr k\u00e4me, in der Gnade Gottes st\u00fcnde und anerkannt war. Hildegard und ihre Werke bedeuten viel mehr.<\/p>\n<p>Hildegards Werke sind also nicht nur mystisch, sie sind auch prophetisch auch praktisch f\u00fcr das t\u00e4gliche Leben einsetzbar. Es geht um die Lebensordnung die uns Gott bei unserer Erschaffung mit auf den Weg gegeben hat. Es geht um das Wissen von viriditas und subtilitas, das hei\u00dft Lebenskraft &#8211; Gr\u00fcnkraft und Subtilit\u00e4t bedeutet das, was Gott in die Kreaturen versenkt hat gleichsam Heilkraft, die von Anfang an da war.&#187;<\/p>\n<p>Wer kann das beantworten, was das ist. Dann, das Wissen von der Seele, 2000 Mal kommt das Wort Seele im Werk Hildegards vor.<\/p>\n<p>Diese Dinge sind Wissen aus einem unbeschreiblichen Charisma. Hildegard von Bingen war ein Genie, wenngleich sie das nie h\u00e4tte h\u00f6ren wollen, weil sie sich immer klein und unscheinbar beschrieben hat, gleichsam &#171;wie eine Feder, die Gott von der Erde aufgenommen hat.&#187;<\/p>\n<p>Nach dem ersten Buch scivias hat Hildegard nicht gleich ihr zweites gro\u00dfes dialogisches Werk verfasst, sie hat dazwischen etwas ebenfalls sehr Wichtiges geschrieben, das ist eine Naturkunde, ein Doppelwerk sozusagen, in dem urspr\u00fcnglich causae et curae das hei\u00dft &#171;das Buch der Ursachen und Behandlung der Krankheiten&#187; und das reine &#171;Heilmittelbuch&#187; , die sogenannte &#171;physica&#187;, zusammengefa\u00dft waren. Diese B\u00fccher enthalten ca. 2000 Angaben \u00fcber Pflanzen, B\u00e4ume, Elemente, Edelsteine, Fische, V\u00f6gel, Tiere, Reptilien, Metalle Das .Buch &#171;physica&#187; ist ein aus der Volkstradition hervorgegangenes und f\u00fcr die einfachen Menschen bestimmtes Arzneibuch. Bis heute ist ungekl\u00e4rt, aus welchen Quellen Hildegard gesch\u00f6pft hat. Es gibt sogar Personen, die vorschlagen das ganze Werk als unecht oder zumindest verf\u00e4lscht abzu tun. So leicht k\u00f6nnen wir es uns da aber nicht machen.<\/p>\n<p>Wer viel in den B\u00fcchern Hildegards liest, kann unschwer erkennen, da\u00df das Werk in den meisten Teilen echt ist. Der Stil ist unverkennbar und auch von namhaften Wissenschaftlern als original Hildegard best\u00e4tigt, nur selbst geschrieben mu\u00df sie es nicht haben, es gen\u00fcgt, wenn sie es diktiert hat. Oder wenn es viele Male abgeschrieben worden w\u00e4re zum Zwecke der Verbreitung.<\/p>\n<p>Jedoch ganz sicher k\u00f6nnen wir nie sein, denn damals war es kein Sakrileg, wenn jemand unter fremdem Namen etwas ver\u00f6ffentlicht hat und es war auch nicht verurteilensw\u00fcrdig, wenn etwas was schon geschrieben war und einer bestimmten Person zugeschrieben, wenn das dann ver\u00e4ndert oder verf\u00e4lscht wurde, so war es halt im Mittelalter, da hat kein Hahn danach gekr\u00e4ht.<\/p>\n<p>Bei dieser Betrachtung kann ich nur sagen, es ist zwar schade, da\u00df wir nicht in allen Teilen sicher sein k\u00f6nnen, aber wir haben noch so viel \u00fcbrig, was sicher ist, da\u00df wir nicht trauern brauchen. Seien wir froh, da\u00df wir so viel haben.<\/p>\n<p>Die Werke CC und Ph sind nachweislich nicht dialogisch, sie kommen aus dem Bereich der Erfahrung, des Fleisses, der Wachheit, der Feinsinnigkeit, der Einheit mit der Natur, der Barmherzigkeit mit dem Leidenden. Aus dem Bereich der kl\u00f6sterlichen Hospizarbeit, aus dem, was alles in den benediktinischen Klosterg\u00e4rten zu sein hatte, aus dem t\u00e4glichen Leben, dem Jahreskreis &#8211; s\u00e4en, ernten und anwenden. Hildegard geht traumhaft sicher mit Symbolen um, f\u00fcr fast alles, was den Menschen angeht, ben\u00fctzt sie Symbole. Es hei\u00dft dann oft: so wie, als ob, oder genau so wie und dann kommen Vergleiche aus der Tierwelt, aus der Welt der Sterne usw Der Mikrokosmos im Makrokosmos ist ihr Thema, die Elemente, die S\u00e4fte, die Krankheiten und die Wege, die der Mensch nimmt um wieder gesund zu werden, das geht tief in die Psychologie, in die Psychosomatik hinein.<\/p>\n<p>24 Grundkrankheiten nennt Hildegard, damit haben sich die Mediziner auseinanderzusetzen, das ist hoch wissenschaftlich, glauben Sie mir.<\/p>\n<p>Hildegard wei\u00df um die Zusammenh\u00e4nge der Pflanzen mit dem Menschen, sie erkl\u00e4rt genau die Gr\u00fcnkraft, genau so wie die subtilitas der Kreaturen und wie sie miteinander und f\u00fcreinander wirken k\u00f6nnen. Und \u00fcber allem steht der Wille des Gottes, dem Hildegard ihr Leben geweiht hat.<\/p>\n<p>Sie erkl\u00e4rt die Zusammenh\u00e4nge der Seele mit dem Leib. Die Leiden der Menschen gehen vom Gehirn aus und es ist un\u00fcbersehbar, da\u00df die Gedanken den Weg der S\u00e4fte ver\u00e4ndern. Gedanken machen krank oder gesund. Hildegard wei\u00df auch etwas \u00fcber die Erbkrankheiten, sie nennt sie Ur\u00fcbel, aus denen der Mensch nur herauskommt, wenn er sich damit abfindet und seinen Blick auf die Leiden Jesus Christus lenkt, der Kranke soll Christus seine Wunden zeigen und um Hilfe bitten, er soll seine Kr\u00e4nkungen und Verletzungen der Seele ihm vorstellen. Gott wird alles heilen.<\/p>\n<p>Originalstellen: &#171;zeig mir deine Wunden&#187; Also wir sehen, da\u00df Hildegard hier mehr Seherin ist als Mystikerin, weil sie freim\u00fctig offenbart, es den Menschen freistellt, zu befolgen was sie sagt ,aber auch streng ist, im Hinblick darauf, wie der Mensch leben soll.<br \/>\nAls w\u00e4re Hildegard eine Naturforscherin gewesen, hat sie Dinge beschrieben, die sie unm\u00f6glich mit den leiblichen Augen gesehen haben konnte. Das Laichverhalten z.B. und das Leben im Winter unter der Eisdecke, das h\u00e4lt den neuesten Forschungsergebnissen stand.<\/p>\n<p>Hildegard hatte eben noch eine Begabung, sie konnte in die Kreaturen der Sch\u00f6pfung eindringen, sie war eine feinf\u00fchlige und einf\u00fchlsame Frau bei der es unm\u00f6glich war etwas zu verheimlichen und was sie wissen wollte, das erfuhr sie und wenn sie sich quasi mit dem Sch\u00f6pfer selber kurzschlo\u00df, wie mit einem Telefonapparat in andere Sph\u00e4ren.<\/p>\n<p>Das geh\u00f6rt wieder in die Begabung der Schauenden der Vision\u00e4rin.<\/p>\n<p>Hildegard konnte abrufen was gebraucht wurde, wie wir aus vielen ihrer Brief ersehen k\u00f6nnen, in denen sie beschreibt, da\u00df sie die Stimme erst um Aufkl\u00e4rung befragen mu\u00dfte.<\/p>\n<p>Das Buch &#171;causae et curae&#187;, das hei\u00dft von den Ursachen und Behandlung der Krankheiten war, wie vorher schon angedeutet ein Teil der &#171;Naturkunde&#187;. Das hat einen ellenlangen Titel, den ich Ihnen ersparen m\u00f6chte, weil er lateinisch ist und uns nicht viel weiterbringt. Ich m\u00f6chte ihnen ja m\u00f6glichst viel brauchbares mit nach Hause geben.<\/p>\n<p>Also das Buch CC, so wird es meistens abgek\u00fcrzt ist ein Schulbuch, eine Gesundheitslehre.<br \/>\nDa\u00df es hier um den ganzen Menschen geht, erkennen wir unschwer aus dem Aufbau. ~<\/p>\n<p>In der Einleitung betrachtet Hildegard das Universum. Die Sch\u00f6pfung der Welt entnimmt sie wie es damals \u00fcblich war dem alten Testament .<br \/>\nDas Bauwerk des Kosmos erinnert an antike Vorlagen ist aber nie abgeschrieben .<br \/>\nDie Weltelemente sind mit den hippokratischen Elementen zumindest ann\u00e4hernd verwandt. warum nicht, sie waren ja Schulwissen in den Kl\u00f6stern und Platon erscheint sogar mit Namen.<\/p>\n<p>Dann die Ordnung. Die 6 Regeln die nicht von Natur aus vorhanden sind, sind Bestandteil einer fast jeden Lebensregel gro\u00dfer \u00c4rzte.<\/p>\n<p>Mir gef\u00e4llt es, da\u00df sich Hildegard auf dem Gebiet nicht nur schlau gemacht hat, da\u00df sie auch das was sie gelernt hat noch vertieft und ausgebaut hat, Sozusagen modifiziert.<\/p>\n<p>Die Ordnungstherapie ist ja sogar in den benediktinischen Regeln verankert .Jedes Kloster hatte einen eigenen Klostergarten mit ganz bestimmten Pflanzen zu besitzen und die Auswahl wurde zu Hildegards Zeit aus dem Gesetz Karls des Gro\u00dfen getroffen, der das erste Naturschutzprogramm verordnet hat, das ich kenne.<\/p>\n<p>Dann die Ma\u00dfnahmen die bei bestimmten Krankheiten zu treffen sind. Aderlass, Schr\u00f6pfen, Brennen, Wickel Auflagen usw. Da war Hildegard eine Heilerin, sie war als Magistra auch f\u00fcr den reibungslosen Ablauf des Klostergeschehens verantwortlich. Schwestern die krank wurden sollten bald wieder gesund sein und das Hospiz, das auch in jedem Kloster zu betreuen war hatte ja Menschen von draussen zu behandeln. Da war es ja der Stolz eines Klosters, genug Anwendungen zur Hand zu haben um zu helfen.  Also, es w\u00e4re geradezu l\u00e4cherlich bei all diesen praktischen Dingen zu fragen, woher Hildegard das hatte, das war eben bekannt und keiner hat sich dabei \u00fcberlegt ob das Wissen aus der Schau kommt oder ob es zur Mystik zu rechnen war, es war vorhanden, also wurde es ben\u00fctzt.<\/p>\n<p>Um noch einmal zu \u00fcberlegen, warum das eben geh\u00f6rte nicht unbedingt als geheimnisvolle Lekt\u00fcre gedacht war, sollten wir uns erinnern, da\u00df Hildegard vor diesen Werken 1o Jahre mit gr\u00f6\u00dfter Anstrengung unter mehrmaliger Krankheit das Buch &#187; Scivias&#187; erstellt hatte und eine Zeit der Erholung brauchte. Das ist ihr damit gelungen .<\/p>\n<p>Nach der Naturkunde schrieb Hildegard ein Buch der Lieder. 77 Lieder sind uns erhalten.<br \/>\nAuch ein Mysterienspiel oder wie wir heute sagen w\u00fcrden, ein Musikal entstand in der Zeit.<\/p>\n<p>Wahrscheinlichkeit sind die Umst\u00e4nde zur Sch\u00f6pfung dieser Kleinodien der Musik aus der lnnigkeit zwischen &#187; Hildegard und ihrem Geheimnis&#187; entstanden. Musikwissenschaftler bezeichnen dieses WERK als ganz besondere Kostbarkeit und einmalig ohne Beispiel .<\/p>\n<p>Immer dann, wenn es kein Beispiel f\u00fcr etwas aus Hildegards Feder gibt, k\u00f6nnen wir daran denken, da\u00df sie mit dem Logos in Verbindung stand bei der Erstellung ihrer Schriften<\/p>\n<p>Also zumindest teilweise &#8211; mystisch.<\/p>\n<p>Dann die Briefe. 3oo St\u00fcck sind erhalten, wenn auch die Wissenschaft behauptet, da\u00df nicht alle von Hildegard stammen, und ihre eigenen Brief sogar ver\u00e4ndert und passend gemacht wurden, es l\u00e4\u00dft sich aus denen die sicher sind ohne weiteres ableiten, da\u00df Hildegard, zumindest dann, wenn sie nicht gleich geantwortet hat, da\u00df sie dann die Stimme um Rat gefragt hat. Das geh\u00f6rt dann sicher in die Rubrik Schauung &#8211; weil Hildegard zum Teil von Bildern spricht, die sie bekommen hat. Als Antwort auf ihre Frage.<\/p>\n<p>Wir sind jetzt kurz vor dem zweiten gro\u00dfen dialogischen Werk und es soll noch einmal erinnert werden, da\u00df Hildegard nach der Ich-Findung auf die Du-Findung zustrebt. Diese sogenannten Zwischentexte sind eine Vorbereitung auf die n\u00e4chste Phase ihres arbeitsreichen Lebens.<\/p>\n<p>Mit dem Buch &#171;Der Mensch in der Verantwortung&#187; auf lat. ,,1iber vitae meritorum&#187; geht Hildegard den Weg der Wahrheit mit sich selbst.<br \/>\nMit den Visionen \u00fcber die Lebenskunde wird Hildegard vor die Entscheidung gestellt. Sie macht alles selber durch, diese Laster und auch die Kr\u00e4fte der Seele die ihr beistehen und ihr immer wieder auf die Beine helfen.<\/p>\n<p>35 Gegensatzpaare werden plastisch und drastisch geschildert. Aber nur die Laster werden als Risikofaktoren der Seele bildlich dargestellt. Die Kr\u00e4fte der Seele sprechen aus der Wolke und sind immer da, wenn Hildegard sie braucht.<\/p>\n<p>Hildegard versenkte sich in die Geheimnisse der Umwelt und des eigenen Ich, um vor allem Gott, den Ursprung in dem alles Naturgeschehen wurzelt, zu finden.<\/p>\n<p>Wie jede echte Mystik wurzelt auch die Hildegards in ihrer Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p>Und jeder wahre Mystiker ist ein Dichter. So sieht Hildegard das Wesen der Dinge (Subtilit\u00e4t) wie es nur ein Dichter und Mystiker kann.<\/p>\n<p><b>Die Hymne an die Lebenskraft:<\/b><br \/>\nO edelstes Gr\u00fcn<\/p>\n<p>Das wurzelt in der Sonne<\/p>\n<p>und leuchtet in klarer Heiterkeit<\/p>\n<p>im Rund eines kreisenden Rades, das die Herrlichkeit des Irdischen nicht fa\u00dft-<\/p>\n<p>Umarmt von der Herzkraft himmlischer Geheimnisse<\/p>\n<p>r\u00f6test du wie das Morgenlicht<\/p>\n<p>und flammst wie der Sonne Glut.<\/p>\n<p>Du Gr\u00fcn, bist umschlossen von Liebe.<\/p>\n<p><a id=\"Zum_Fasten_in_der_Hildegardheilkunde\" name=\"Zum_Fasten_in_der_Hildegardheilkunde\"><\/a><\/p>\n<h1><span class=\"mw-headline\">Zum Fasten in der Hildegardheilkunde<\/span><\/h1>\n<p><a id=\"Vorwort_2\" name=\"Vorwort_2\"><\/a><\/p>\n<h2><span class=\"mw-headline\">Vorwort<\/span><\/h2>\n<p>Wohl kaum eine Gestalt aus dem Mittelalter steht so wie Hildegard von Bingen heute &#8211; 900 Jahre nach ihrer Geburt &#8211; im Mittelpunkt der modernen Medien. Vielgenannt, aber doch noch unbekannt in der Ganzheit und Originalit\u00e4t ihres Gesamtwerkes, gilt die Heilige von Bingen heute wieder etwas: eine Frau, die ein enormes theologisch-philosophisches Werk verfasst hat, eine erstaunliche Natur- und Heilkunde hinterl\u00e4\u00dft, Kl\u00f6ster gegr\u00fcndet hat, den Klerus reformierte, Hymnen und Symphonien  mit eigenen Kompositionen dichtete;  eine Frau, die noch hochbetagt &#171;Missionsreisen&#187; unternahm, \u00f6ffentlich auf den Marktpl\u00e4tzen der St\u00e4dte auftrat, feurige Reden hielt und mit den Gro\u00dfen ihrer Zeit von Reich und Kirche in einem umfangreichen Briefwechsel stand. Das Einmalige an ihrer Erscheinung haben bereits ihre Zeitgenossen empfunden, die sie als &#171;Edelstein Bingens&#187;, als die &#171;rheinische Sybille&#187; und als die &#171;prophetissa teutonica&#187; priesen. Also auch schon damals eine viel bewunderte Frau. Hildegard selbst hat sich nur als eine &#171;paupercula femina&#187;, als ein &#171;simplex homo&#187;, eine &#171;indocta&#187; und als &#171;einfaches Sprachrohr&#187;, als die &#171;Posaune Gottes&#187; bezeichnet.<\/p>\n<p>Papst Eugen III. schrieb 1150 an Hildegard: &#171;Die Scharen der gl\u00e4ubigen V\u00f6lker brechen aus in Lob \u00fcber Dich. Du bist f\u00fcr viele ein Duft des Lebens geworden.&#187;<\/p>\n<p>In ihrem grandiosen Werk zeigt uns Hildegard das geschlossene Gef\u00fcge einer Welt, aber auch einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, und wie sie sich wieder zusammenf\u00fcgt zum Heile des Menschen. Bei Hildegard h\u00e4ngt Alles mit Allem zusammen, so z.B. Welt und Mensch, Leib und Seele, Natur und Gnade, Heilskunde und Heilkunde. Hildegard vertritt in ihrem Werk einen heilsgeschichtlich aus-gerichteten Realismus: mit der Sch\u00f6pfung aus dem Nichts, der Erschaffung  des Menschen nach dem Ebenbild des Sch\u00f6pfers, des Menschen Fall, der Menschwerdung des Gottessohnes, der Auferstehung des Fleisches am Ende eines vollendeten Universums. Hildegards Glaubenslehre will uns keine Neuigkeiten vermitteln. Ihr einziges Ziel ist, das \u00dcberlieferte zu erkl\u00e4ren und zu verk\u00fcnden. Aber gerade darin bringt sie f\u00fcr unsere &#171;Postmoderne&#187; etwas zur Sprache, das uns verloren gegangen ist. Ihr Denken und Schauen vollzieht sich nicht wie bei uns in Begriffen, sondern in immer wieder neuen Bildern. Auch nicht ein noch so intensives tiefenpsychologisches Sezieren kann uns helfen in die Welt der Bilder Hildegards einzudringen. Am ehesten gelingt es durch eine unverdrossene Lekt\u00fcre der Schriften selber und zwar in mehreren Schritten:<\/p>\n<p>Der erste Schritt w\u00e4re eine \u00dcbersetzung aus dem schwerfl\u00fcssigen Latein in unsere moderne Sprache; der zweite, eine \u00dcbertragung aus der verschl\u00fcsselten Symbolwelt des Mittelalters mit ihrer Bildersprache in uns verst\u00e4ndliche Informationen um in einem letzten, wie Heinrich Schipperges es ausdr\u00fcckte, aus der vision\u00e4ren Welt ein Weltbild zu machen. Doch der moderne Mensch kann sich aus methodologischen Gr\u00fcnden kein Weltbild mehr errichten; denn er ist zwar bestens informiert und bleibt dennoch desorientiert im h\u00f6chsten Ma\u00df. Somit ist die heutige Situation des Menschen \u00fcberaus kritisch, belastet und bedr\u00e4ngt durch ein \u00dcberangebot von Ersatzreligionen aller Schattierungen. Auf dieser Suche nach Orientierung des heutigen Menschen sto\u00dfen gerade in unseren Tagen viele Menschen auf Hildegard von Bingen, angezogen von einer Sicht vom Menschen, die von Vielen  als eine Wiederentdeckung eines verlorenen Wissens erkannt wird. Im Zentrum ihres Gesamtwerkes steht der ganze Mensch mit seiner Leib-Seele-Einheit, geschaffen im Herzen der Sch\u00f6pfung und berufen zum endg\u00fcltigen Heil in einer verkl\u00e4rten Welt. Es ist sicherlich kein Zufall, meinte Professor Heinrich Schipperges, der gro\u00dfe Hildegardentdecker, da\u00df gerade um die Jahrtausendwende im Gesamtwerk Hildegards ihre Naturkunde und die Heilkunde zentral zwischen der Sch\u00f6pfungsordnung und der Heilsgeschichte behandelt werden.<\/p>\n<p>Mit einem uns vertrauten Wort der hl. Hildegard m\u00f6chte ich Euch begleiten und von Herzen gr\u00fc\u00dfen:<\/p>\n<dl>\n<dd>Heilende Kraft, Du brichst Dir Bahn!<\/dd>\n<dd>Du durchdringst  alle H\u00f6hen und Tiefen.<\/dd>\n<dd>Du reichst in alle Abgr\u00fcnde.<\/dd>\n<dd>Du baust alles auf und bindest es aneinander.<\/dd>\n<dd>Durch Dich ziehen und regnen die Wolken,<\/dd>\n<dd>schwingt ihre Fl\u00fcgel die Luft.<\/dd>\n<dd>Durch Dich h\u00e4lt noch Wasser der h\u00e4rteste Stein,<\/dd>\n<dd>wird die kleinste Quelle zum Bach,<\/dd>\n<dd>sprie\u0178t \u00fcberall aus der Erde das frische Gr\u00fcn.<\/dd>\n<dd>Du f\u00fchrest auch den Geist, der Deine Heillehre versteht,<\/dd>\n<dd>in die Weite. Du hauchst ihm Weisheit ein<\/dd>\n<dd>und mit ihr die Freude.<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Euer Pater Alfons<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><a id=\"Eine_Meditation_.C3.BCber_das_Rad\" name=\"Eine_Meditation_.C3.BCber_das_Rad\"><\/a><\/p>\n<h2><span class=\"mw-headline\">Eine Meditation \u00fcber das Rad<\/span><\/h2>\n<ul>\n<li>gesch\u00f6pft aus liber divinorum operum von Hildegard von Bingen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die hl. Hildegard hinterlie\u00df uns ein tiefsinniges Bild von der Art, wie sie das &#171;Heilende und Ganze&#187; ihrer Therapie verstand. Es ist das Bild vom Rad als Spannungseinheit von Geist und Materie, von Leib und Seele, von Gott und Mensch, von Zeit und Ewigkeit. Diese Spannungseinheit aufrecht zu erhalten, verstand Hildegard als sch\u00f6pferische und lebensl\u00e4ngliche Aufgabe des Menschen. Selbst die Welt der Tugend ist f\u00fcr sie wie ein Rad, ein Ganzes, eine Spannungseinheit. Jede Tugend ist ohne Gegenpol bereits ein Laster und zerst\u00f6rt das Leben.<br \/>\nEin Beispiel: Die Demut (humilitas) mu\u00df polarisiert sein durch ein tiefes Wertgef\u00fchl Kind Gottes zu sein, sonst wird Demut zu einer &#171;buckligen Tugend&#187; &#8211; absto\u00dfend. Erst wenn ich weiss, worauf ich stolz sein darf, kann ich auch in gesunder Weise dem\u00fctig sein.<br \/>\nJede gute Seite in uns hat auch einen Gegenpol, diesen mu\u00df ich zulassen. Wenn ich z.B. sage, ich bin flei\u00dfig und aktiv, dann mu\u00df ich auch zugeben, da\u00df ich es gar nicht immer sein kann, denn ich bin auch ab und zu faul und passiv; wenn ich das nicht zulasse, dann bin ich unwahr und werde verspannt. Spannungsausgleich bedeutet: Spannung und Entspannung. Sonst gibt es Verspannung oder Erschlaffung.<\/p>\n<p><a id=\"Das_Rad_-_ein_Symbol_unserer_Wirklichkeit\" name=\"Das_Rad_-_ein_Symbol_unserer_Wirklichkeit\"><\/a><\/p>\n<h3><span class=\"mw-headline\">Das Rad &#8211; ein Symbol unserer Wirklichkeit<\/span><\/h3>\n<p>Bei Hildegard ist das Rad ein Symbol f\u00fcr die Vollendung, F\u00fclle, Erf\u00fcllung f\u00fcr die Ewigkeit, kein Anfang und kein Ende, f\u00fcr Gott den Ursprung aller Dinge, f\u00fcr den dreifaltigen Gott. Vollendung der Beziehung ist die Liebe. Das Rad ist die einmalige Ganzumdrehung&#187; ist die Entfaltung und Entwicklung des Kosmos bis zur Vollendung. Das Rad ist f\u00fcr den Menschen Bewegung, Mensch auf dem Weg immerzu. Das Rad ist ein Symbol f\u00fcr unser Leben.<\/p>\n<p><i>Woraus besteht das Rad?<\/i> Aus Achse, Speichen, Reif!<\/p>\n<p>Die Achse ist die Mitte, der ruhende Punkt des Rades des Lebens. Die Speichen sind der Aufbruch ins Neue, in die Welt, in die Aufgabe des Lebens, aber auch die Verbindung zur Mitte (zur Achse). Der Reif ist das Abgerundete nach au\u00dfen. Er stellt die &#171;Reibung&#187; mit der Umwelt dar. Der Reif ist der Kontakt mit der Materie der Welt, der Menschen, mit ihren Sorgen und Problemen. Hildegard nennt das alles poenitentia, etwas was weh tut, schmerzt, reibt. Das bedeutet dann conversio morum, eine Umkehr, ein Neues, Aufbruch, Reue, Herzensbewegung. Durch den runden Reif kommt eine harmonische Bewegung zustande, eine evolutio, eine Entfaltung zur Vollendung. Das Rad ist eine gro\u00dfe Erfindung. Hildegard nennt die Atome die kleinsten R\u00e4dchen, die voller Energie das Leben antreiben. Der Mensch in seinem Menschsein ist wie ein Rad.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst betrachten wir die pathologische Form des Lebens, das verkehrte Gestalten. Das bedeutet, der Mensch kann von seinen eigentlichen Aufgaben, Verantwortung und von seinen Problemen davonlaufen, auf der Flucht sein, auf eine dreifache Weise fl\u00fcchten.<\/p>\n<ul>\n<li>1. Fluchtweg<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Mensch baut sich selbst eine Achse, eine &#171;selbstfabrizierte&#187;, die eine k\u00fcnstliche Achse ist, die nicht die wirkliche Achse des Lebensrades ist. Die Folge ist: Das Rad kann nicht mehr &#171;rund laufen&#187;<br \/>\nDer betreffende Mensch sagt: &#171;Ich bin am rotieren&#187;. Er ist ja aus dem Ordnungsgef\u00fcge heraus gefallen. Er ist in die Isolation geraten, abseits von der Mitte des Geschehens. Da der feste Punkt, der Fixpunkt, willk\u00fcrlich gew\u00e4hlt ist, tr\u00e4gt alles Tun und Lassen den Stempel der Willk\u00fcr. Ein organisches Wachstum ist nicht mehr m\u00f6glich. Er st\u00fcrzt von einer vordergr\u00fcndigen L\u00f6sung in die andere. Er rotiert, dreht sich um die eigene Achse, verf\u00e4llt einer falschen Egozentrik.<\/p>\n<ul>\n<li>2. Fluchtweg<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Mensch gibt es auf, \u00fcberhaupt eine Achse, eine Mitte f\u00fcr sein Leben zu suchen. Die Folge ist, er verliert sich bedingungslos an die Au\u00dfenseite des Rades, an die Peripherie, an den Reif, er leidet unter einem Schleudertrauma, ist verletzt, haltlos, er taumelt nur noch herum. Differenziert gesehen bedeutet das: So ein Mensch verliert sich an alles \u00c4u\u00dferliche, Nebens\u00e4chliche, Wesenlose, an alles was sich gerade anbietet, an jede Aktivit\u00e4t an jede Modeerscheinung, an alles, was momentan &#171;in&#187; ist. Ein Mensch ohne Mitte, ohne &#171;Selbst&#187;. Er sagt: man tut, man denkt, man kleidet sich usw. Manchmal kann man das Wort h\u00f6ren: &#171;Ich  habe die Orientierung verloren.&#187; Der Mensch verliert seinen eigenen Stand, sein Stehverm\u00f6gen. Er l\u00e4\u00dft sich hin und herwerfen. Er ist gejagt und gestresst, ohne Ruhe. Sein Spannungsausgleich ist v\u00f6llig abgefallen, der gesunde Widerstand gebrochen, sein Zusammenbruch ist nahe, er h\u00e4lt keine Belastung mehr durch, er ist ersch\u00f6pft, ausgemergelt, ausgebrannt.<\/p>\n<ul>\n<li>3. Fluchtweg<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die totale Resignation:  Der Mensch resigniert, weil ihm jede &#171;Mitte&#187; fehlt, ein &#171;Rad ohne Achse&#187; kann nicht mehr &#171;Rad&#187; sein. Die Folge ist: Die Spannung wird  zu gro\u00df, zu schwer, er gibt auf, er tut nicht mehr mit, er &#171;steigt aus&#187;. Man h\u00f6rt von solchen Menschen oft: &#171;Ich f\u00fchle keinen Boden mehr unter meinen F\u00fc\u00dfen&#187;. Dieser dritte Fluchtweg ist die eigentliche Tragik eines Menschen. Es begann bereits im Paradies, zu Beginn der Menschheit. &#171;Kain aber floh vor dem Angesicht Gottes&#187;, steht in der Bibel. Kain, das ist der Mensch der Leben vernichtet, er hielt die Spannung Gott-S\u00fcnder nicht aus: So wird der Mensch haltlos und Gottlos. Ohne Gott ist er ein Atheist, nichts anderes. Atheismus ist die Flucht aus der Spannung Gott-Mensch und ist eine unheilbare Krankheit bei Hildegard. Es ist f\u00fcr jeden Menschen, der bewusst sein Leben lebt notwendig, die Spannung, Materie &#8211; Geist, was wir ja sind, auszuhalten und ganz durchzustehen. Aber noch schwieriger ist es die Spannung Gott-Mensch auszuhalten. Jesus war Gott und Mensch zugleich in einer Person. Das war die denkbar h\u00f6chste Spannung, die \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Aus der &#171;Mitte fliehen&#187;, deutet Hildegard auch theologisch. Sie nennt es &#171;S\u00fcnde&#187; (im Griechischen wird S\u00fcnde mit vier verschiedenen Begriffen wiedergegeben: Verfehlen, Unrecht, Gesetzlos, Gottlos) Die &#171;s\u00fcndige&#187; sich absondernde Seele nennt Hildegard sehr plastisch anima fugativa, die fl\u00fcchtende Seele. Hier treffen beide Aspekte der Flucht theologisch und psychologisch wieder zusammen. Der Mensch, der vor den Konflikten, vor der Verantwortung, vor der Entscheidung, ja vor seinem eigenen Schatten flieht und davonl\u00e4uft, oder anders gesagt, der seine Konflikte und Probleme verdr\u00e4ngt, wird daran erkranken und wenn keine Hilfe kommt, scheitern. F\u00fcr Hildegard gilt mit Nachdruck: es ist unser Auftrag, mitten in das Spannungsfeld Leben einzusteigen und auszuharren. Einen anderen Weg gibt es nicht. Die enormen Probleme unserer Tage, auch die immer neu aufkommenden Krankheiten  z. B. Aids, k\u00f6nnen nur so ausgetragen werden. Hildegard sagt es sehr k\u00fchn: &#171;Je gr\u00f6\u00dfer das Spannungsfeld ist, um so mehr Energie wird zur L\u00f6sung freigesetzt.&#187; In einem Bild schaute Hildegard die F\u00fclle von diesem spannungsreichen Menschenleben. Es ist das Bild einer sch\u00f6nen Frauengestalt, die ruhig, gesammelt und unbe-weglich in einem schnell rotierenden feurigen Rad stand (stabat). Diese Gestalt h\u00e4lt ein eben aufgebl\u00fchtes Reis in ihrer Hand: Es sind zwei spannungsvolle Pole: Die Ruhe und Bewegung und das Bl\u00fchen und das Feuer. In diesem Bild k\u00f6nnen wir drei R\u00fcckwege (restitutiones) bzw. Heimwege in die Geborgenheit, ins volle Leben erkennen. Die Mitte, die Achse des Rades bedeutet Urvertrauen. In ihm k\u00f6nnen wir ruhen, schlafen und ebenso auch aktiv sein. Die Therapie der hl. Hildegard ist nichts anderes als zur &#171;eigentlichen Achse&#187;, zur Mitte, zum Mittelpunkt aller Dinge zur\u00fcckzukehren; diese Therapie hat Hildegard selbst gelebt, denn es sind die drei benediktinischen Gel\u00fcbde.<\/p>\n<ul>\n<li>1. R\u00fcckweg<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der erste R\u00fcckweg (Heimweg) in die Spannungseinheit ist die<br \/>\nstabilitas, d.h. das Stehen in der Achse, das Aufrechtstehen in der Mitte, das bedeutet: ich mu\u00df mich in der Mitte festmachen, stabilisieren * stare &#8211; stabilitas. (Wenn ich ein Rad zeichnen will, dann mu\u00df der Zirkel in der Mitte fest sitzen; je gr\u00f6\u00dfer der Kreis, desto fester.) Das hei\u00dft aber auch: Der Mensch mu\u0178\u00dfirgendwo fest sein, daheim sein, sich wohlf\u00fchlen, einen festen Ort bzw. Wohnsitz haben, wo er sich zur Ruhe legen kann und nach der festen Hand eines Anderen greifen kann, wenn ihm die Spannung zu gro\u00df, zu m\u00e4chtig wird. Das hei\u00dft aber auch noch, da\u00df der Mensch in einer absolut festen unverr\u00fcckbaren Achse stehen m\u00fcsste, n\u00e4mlich im Bleibenden, das ist Gott selbst. Im Jenseitigen ist allein unsere eigentliche Heimat. Der Mensch mu\u00df also einen Ort haben, wo er ruhen kann, wie ein Kind im Herzen des Taifuns. Dieser Weg mu\u00df t\u00e4glich ge\u00fcbt werden, alles kann dazu dienen; vor allem die Meditation (in medium ire &#8211; in die Mitte gehen).<\/p>\n<p>Das Gegenst\u00fcck ist das Umherschweifen (die 32. Gestalt im liber vitae meritorum):  &#171;Die Gestalt hatte jugendliches Aussehen, nur da\u00df ihr die Kopfhaare fehlten. Auch hatte sie das Gesicht eines ganz alten Mannes mit einem Bart. Sie hing in der Finsternis in einem Tuch wie in einer Wiege, die vom Winde hierhin und dorthin geschaukelt wurde. Ein anderes Gewand sah man nicht an ihr. Bisweilen aber streckte sie sich aus diesem Tuch heraus um sich dann wieder darin zu verkriechen und sprach: &#171;Das w\u00e4re mir doch ein t\u00f6richtes Verlangen, wenn ich immerfort an der gleichen Stelle und bei denselben Leuten verkehren sollte. Nein, \u00fcberall soll man gelegentlich auch von mir h\u00f6ren.&#187; Diese Gestalt hatte nur ein Tuch, sie war in der Finsternis, war nackt und arm, ferne vom Leben. Sie war wie in einer Wiege, was andeutet, Geborgenheit wie sie ein Kind sucht, infantil.<\/p>\n<ul>\n<li>2. R\u00fcckweg<\/li>\n<\/ul>\n<p>Daheim ist, von wo man aufbricht. Hildegard will damit verdeutlichen, da\u00df das Stehen in der Achse kein faules Ausruhen ist. Vielmehr gilt f\u00fcr den Menschen in der Mitte, da\u00df er von der Mitte her den Kreis schl\u00e4gt, seinen Lebensradius. Hildegard nennt diesen Vorgang oboedire, d.h. horchen, hinh\u00f6ren, lauschen und dann bereit sein das &#171;Erlauschte&#187; auszuf\u00fchren, zu tun.  Oboedientia, wird gew\u00f6hnlich \u00fcbersetzt mit &#171;Gehorsam&#187;. Im theologischen Sinn ist oboedientia letztlich die &#171;freie Haltung&#187; jeden Augenblick f\u00e4hig zu sein den herrlichen Plan der Sch\u00f6pfung im Einklang mit Gott zu verwirklichen, Tun, was Gott will. Zur stabilitas, mu\u00df die oboedientia kommen: ein Weggehen aus der Mitte. Im Bilde gesprochen sind es die Speichen, es ist also ein vielfaches verschiedenartiges st\u00e4ndiges Aufbrechen zum opus Dei, eine permanente Flexibilit\u00e4t, ein dauerndes sich Einlassen in die jeweilige Situation. Es ist eine ungeheuere Forderung an uns, frei zu sein von Fixierungen. Gleichzeitig steht jedoch der Aufbrechende immer mit der Mitte der Achse in Verbindung. Daraus folgt: Es gibt keine Heimatlosigkeit, keine Fremde. Wir sind trotz unserer Weltlichkeit \u00fcberall daheim auch an der Peripherie. Spannungseinheit ist ein Geschenk in jedem Augenblick. Sie bl\u00fcht auf wie ein Reis, sie ist nichts Starres, sondern etwas Bl\u00fchendes, etwas Lebendiges. Dies ist jedoch kein fertiges Rezept. Wir k\u00f6nnen uns Allem zuwenden, was der Augenblick von uns verlangt: der Dynamik des Lebens, der Entfaltung (evolutio im tiefsten Sinn). Wir werden durch nichts \u00fcberrumpelt, denn wir k\u00f6nnen nicht \u00fcberfahren, \u00fcberrollt werden. Wir gestalten die Bewegung mit. Unsere Tragf\u00e4higkeit f\u00fcr Lasten, f\u00fcr Probleme und Konflikte w\u00e4chst durch die Geborgenheit in der Mitte, es ist keine Verdr\u00e4ngung mehr n\u00f6tig.<\/p>\n<ul>\n<li>3. R\u00fcckweg<\/li>\n<\/ul>\n<p>Stabilitas und oboedientia bedeutet Ruhe und Bewegung. Achse und Speichen f\u00fcgen den Reif zur Einheit und Ganzheit des Rades. Dieser Reif bedeutet das nach Aussen gerichtete in uns, es sind die Kontaktfl\u00e4chen, die Reibefl\u00e4chen mit unserer Umwelt im weitesten Sinn. Die Reibung durch den Reif nennt Hildegard poenitentia und patientia.<\/p>\n<p>Poenitentia ist der Mut zum Geradestehen f\u00fcr das Wieder- und Falschmachen. Wir brauchen uns nichts vormachen, und auch unseren Mitmenschen nicht. Wir brauchen kein schlechtes Gewissen haben, wir d\u00fcrfen sogar schuldig werden. Noch entscheidender, wir brauchen die Schuld nicht zu verdr\u00e4ngen was  einer der gef\u00e4hrlichsten Vorg\u00e4nge in der Psyche des Menschen ist. Mit verdr\u00e4ngter Schuld kann niemand leben. Im Wort poenitentia steckt etwas ganz Tiefes drin, n\u00e4mlich &#171;Umkehr&#187; das ist sehr wichtig bei Hildegard. Schuld erm\u00f6glicht uns einen neuen Anfang. Die felix culpa in der Osternacht bringt Neubeginn mit Gott, mit der grenzenlosen G\u00fcte Gottes.<\/p>\n<p>Patientia  ist die F\u00e4higkeit gerade zu stehen, aufrecht zu stehen, etwas auf sich zu nehmen. Pati bedeutet, darunter stehen, bleiben, eine Last auf die Schulter nehmen, ein homo patiens zu werden, einer sein, der durchhalten kann. Pati bezeichnet das Durchstehverm\u00f6gen, das Aushalten und Austragen schwerer Dinge. Nicht einfach davon laufen, sich aus der Verantwortung stehlen, sich aus der Verantwortung entlassen. Das w\u00e4re die gro\u00dfe Flucht, nicht zu sich selbst finden. Von Maria hei\u00dft es lapidar: Stabat mater juxta crucem. Sie stand unter dem Kreuz. Kreuz ist das Zeichen f\u00fcr Befreiung durch Durchhalten. Viktor Frankl sagte: Wenn unsere heutige Gesellschaft nicht mehr leidensf\u00e4hig wird, f\u00fchrt ihr Weg ins Unheil.<\/p>\n<p>Das Symbol &#171;Rad&#187; kann uns einen kleinen Einblick in die Psychotherapie Hildegards, ihre Seelenheilkunde, gew\u00e4hren. Es ist ein kleiner Spalt durch den wir ihre ganzheitliche Heilweise erahnen k\u00f6nnen. Wie lebensnah ist doch diese hl. Hildegard. Ihr Geschautes ist ein Verm\u00e4chtnis an uns, damit auch wir durch alle Spannungen hindurch unversehrt bleiben und heil werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a id=\"Discretio\" name=\"Discretio\"><\/a><\/p>\n<h2><span class=\"mw-headline\">Discretio<\/span><\/h2>\n<p><i>(Die Mutter aller Tugenden)<\/i><\/p>\n<p>Das rechte Ma\u00df hei\u00dft bei Hildegard discretio. Um die discretio nach Hildegard in ihrer Tiefe, Weite und Ganzheit zu erfassen, ist es hilfreich, wenn wir uns kurz Hildegards gro\u00dfen Weltentwurf vor Augen f\u00fchren. Dieser beinhaltet in K\u00fcrze sechs fundamentale Gedanken.<\/p>\n<p>Erstens: Gottes Sch\u00f6pfung ist gut.<\/p>\n<p>Zweitens: Gott hat seine geheimnisvollen Kr\u00e4fte (subtilitates) in sie eingesenkt und als solche gewollt.<\/p>\n<p>Drittens: Die Sch\u00f6pfung ist noch nicht vollendet, sie ist in einen enormen Prozess der Entfaltung einbezogen.<\/p>\n<p>Viertens: Der Mensch als der Spiegel aller Werke Gottes hat den Auftrag, an der Entwicklung teilzunehmen und tr\u00e4gt f\u00fcr sie Verantwortung.<\/p>\n<p>F\u00fcnftens:  Der Mensch ist berufen den genialen Sch\u00f6pfungsplan des g\u00f6ttlichen Werkmeisters zu erkennen, damit sich die gesamte Sch\u00f6pfung ihrem Ziel n\u00e4hern kann.<\/p>\n<p>Sechstens:  Durch seine operatio (sein opus) entfaltet sich der Mensch selbst, er findet zu seinem Selbstsein  zu seinem Wesen und dadurch hilft er mit, da\u00df sich die Sch\u00f6pfung auf ihren Sch\u00f6pfer, auf ihren Urheber, ihrem Ziel zu, bewegt.<\/p>\n<p>Wie aber soll der Mensch dieses opus zustandebringen? Allein vermag er es nicht. Er braucht viel Hilfe dazu. Die bedeutendsten und effektivsten Helfer f\u00fcr den Menschen sind die Gotteskr\u00e4fte, die virtutes. Eine der wichtigsten Gotteskr\u00e4fte ist die discretio &#8211; die Seelenkraft der Unterscheidung, die geistige F\u00e4higkeit der eindeutigen Beurteilung der Dinge, die F\u00e4higkeit in allen Dingen und Situationen das rechte Ma zu halten. Die discretio ist die Mutter aller Tugenden. Hier steht Hildegard ganz in der Tradition des hl. Benedikt, sie gibt aber der discretio ein ganz besonderes Gewicht f\u00fcr das spirituelle Leben und Wachstum.<\/p>\n<p>Im Scivias-Buch hat die discretio das Wort (W.W. B\u00f6ckler S. 259) :<\/p>\n<p>&#171;Ich bin die Mutter aller Tugenden. In allen Dingen handhabe ich die Gerechtigkeit Gottes. Denn im geistigen Kampfe wie im Get\u00f6se der Welt erwarte ich in meinem innersten Bewussstsein immerdar meinen Gott. Ich verdamme nicht, ich zertrete nicht, noch verachte ich K\u00f6nige, Herz\u00f6ge, F\u00fcrsten und die, die vom Urheber aller Dinge eingesetzt sind&#187;<\/p>\n<p>Im Buch der Gotteswerke, in der 5. Schau berichtet Hildegard, da\u00df dem Menschen als eine besondere Auszeichnung die Gabe der discretio verliehen wurde. &#171;W\u00e4hrend ich, Gott, den Menschen gewisserma\u00dfen im Ursprung aller Sch\u00f6pfung in seinen guten Sitten gestalte, schaffe Ich in ihm die lebendige Erkenntnis von Gut und B\u00f6se. So kann er das B\u00f6se meiden und mich als seinen guten Vater nachahmen. Gab ich ihm doch die discretio, die Unterscheidungskraft zwischen Gut und B\u00f6se nach meinem Gleichbild. Mit diesem Er-kennen sollte er die ganze Sch\u00f6pfung unterscheiden. Er sollte sie bewusst erkennen und gleich mir die Gewalt \u00fcber sie haben.&#187; &#171;Der Mensch verl\u00e4sst Gott in seiner Eitelkeit und M\u00fchsal der S\u00fcnden und verl\u00e4sst die &#171;laeta scientia&#187;, das freudvolle Erkennen, das ihn nie verwunden w\u00fcrde\u20ac&#187; Durch die discretio kann die Ebenbildlichkeit Gottes wahrgenommen werden. Ein Abbild Gottes scheint durch sie hindurch. Mit der discretio ist die rationalitas verbunden. Sie vermittelt Einsicht in die Zusammenh\u00e4nge und erm\u00f6glicht es folgerichtige Schl\u00fcsse zu ziehen. &#171;Die Vernunft ist Mutterstoff (materna) des Wissens von Gut und B\u00f6se und sie verh\u00e4lt sich wie ein Baumeister, der aufbaut und abbricht. Wer den Tag des Glaubens liebt, der baut sein Haus im Himmlischen Jerusalem; wer ihn aber verachtet, der rei\u00dft sein Haus ab von der Ehre und Gl\u00fcckseligkeit der himmlischen Erbschaft.&#187;.<\/p>\n<p>Ebenso wichtig wie die &#171;himmlischen Dinge&#187; sind auch die irdischen.<br \/>\nDiscretio ist auch rechtes Augenma\u00df. Der Mensch sollte beides haben:<\/p>\n<p>&#171;Erstens die Sehnsucht nach dem Himmel und zweitens die Notdurft des Fleisches. So sollte er in allen Belangen mit discretio derart gehalten werden, damit in ihm durch ma\u00dflos auferlegte gute Werke nicht die Errichtung einer Ruine gebaut und er nicht unter dem Andrang unpassender Sitten zugrunde gerichtet werde. Vielmehr bete er bisweilen unter Seufzen. Zu anderer Stunde aber besch\u00e4ftige er sich mit guten Werken, und wieder zu anderen Zeiten trage er Sorge, da\u00df es ihm an leiblichen Bed\u00fcrfnissen nicht mangle.&#187;<\/p>\n<p>F\u00fcr Hildegard bedeutet die discretio ein wirksames Realit\u00e4tsprinzip, das immer um das rechte Ma\u00df besorgt ist und jede Art von \u00dcbertreibung und Ma\u00dflosigkeit ablehnt. Sie hielt sich in allen Bereichen an diese &#171;Mutter der Tugenden&#187;, in ihrem eigenen Leben, sowie im Umgang mit den Mitmenschen. So erfahren wir aus ihrer Biographie: &#171;Sie leitete die ihrigen, ohne zu erschlaffen, bald mit milder, bald mit strenger Autorit\u00e4t. Ihr Ernst war gew\u00fcrzt mit Freundlichkeit und von ihrer Zunge flo\u00df die Rede s\u00fc\u00dfer als Honig.&#187; (vita, 91) In ihren Briefen finden sich oft Ermahnungen, nichts zu \u00fcbertreiben, vor allem die Askese betreffend und immer auf die Stimme der discretio zu achten.<\/p>\n<p>Hildegard beschwor Elisabeth von Sch\u00f6nau, ein gesundes Ma\u00df zu finden, besonders in ihrer Liebesmystik: &#187; Lerne Ma\u00dfhalten! Dies ist f\u00fcr Himmlisches und Irdisches die Mutter aller Tugenden, denn durch sie wird die Seele geleitet und ebenso der Leib in rechter Zucht ern\u00e4hrt. Wie durch unangebrachte Sturzregen die Frucht der Erde Schaden leidet und wie in ungepfl\u00fcgter Erde nicht gute Frucht, sondern unn\u00fctze Kr\u00e4uter aufsprie\u00dfen, so wird auch der Mensch, der sich mehr M\u00fchsal auferlegt, als sein K\u00f6rper aushalten kann &#8211; da in ihm das Wirken der heiligen discretio geschw\u00e4cht ist &#8211; durch ma\u00dflos auferlegte M\u00fchsal und Enthaltsamkeit seiner Seele keinen Nutzen bringen.&#187; (BW 199). Hildegard weist auf die verschiedenen Begabungen von Martha und Maria hin (Lk 10,38-42), die sich gegenseitig erg\u00e4nzen und nicht gegeneinander ausgespielt werden d\u00fcrfen.: &#171;Die discretio h\u00e4lt die Tugenden zusammen, gleichsam einer Magd, die ihrer Herrin mit ihrem Dienst zur Verf\u00fcgung steht, da in den irdischen Dingen, die zum Leibe nun einmal geh\u00f6ren, und die der discretio unterliegen, die Herrin selber ihre Magd nicht entbehren will&#187;. &#171;So ist die discretio das Firmament, das Irdische, das aktive Leben h\u00e4lt sie unter sich, das g\u00f6ttliche, das beschauliche Leben, hat sie \u00fcber sich. Dadurch ist sie die Treppe auf der des Menschen Geist durch die guten Werke zum Himmel steigt, auf der er aber auch den irdischen Bed\u00fcrfnissen zuliebe zur Erde herab klettert, so wie Maria und Martha ihre verschiedenartigen Dienste Gott darboten. Beide Lebensarten waren Gott wohlgef\u00e4llig, ist Er doch der Begr\u00fcnder von beiden. Und so bestehe das Gef\u00fcge der Tugend in beiden Lebensweisen, indem der Mensch selber die Unterscheidung trifft, auf da\u00df er G\u00f6ttliches und Irdisches nach dem ihnen gesetzten Ma\u00df in rechter Weise nutze, so wie Gott sie geschaffen.&#187; Hildegard sch\u00e4tzt den Menschen und seine Berufung hoch ein; gerade die discretio bezeichnet seine Gr\u00f6\u00dfe und seine Verantwortlichkeit. Der Mensch ist frei, so kommt alles darauf an, was er mit dieser Gabe anf\u00e4ngt. &#171;Jede Vernunft im Menschen existiert als eine solche, die von Ihm, dem wahren Gott kommt. Was ihr gef\u00e4llt, soll sie w\u00e4hlen, was ihr missf\u00e4llt, mu\u00df sie verwerfen; denn sie erkennt, was gut und was sch\u00e4dlich ist.&#187; (WM 282)<\/p>\n<p>Hildegard wei\u00df, dass viele Menschen nicht nach der discretio handeln und ihre Freiheit missbrauchen. Im Buch der Lebensverdienste  l\u00e4sst Hildegard die discretio auftreten, die der personifizierten Ma\u00dflosigkeit, der immoderatio, entgegen tritt.<\/p>\n<p>&#171;Du benimmst dich wie die Jungen der wilden Tiere, die noch kein Ma\u00df kennen und handelst wie das schmutzige Vieh. Alles, was in der Ordnung Gottes steht, antwortet einander. Die Sterne funkeln vom Licht des Mondes und der Mond leuchtet vom Feuer der Sonne. Jedes Ding dient einem H\u00f6heren und nichts \u00fcberschreitet sein Ma\u00df. Du aber nimmst weder auf Gott R\u00fccksicht, noch auf seine Gesch\u00f6pfe, du h\u00e4ngst vielmehr in der Luft wie eine leere Schote, die im Winde baumelt.&#187; (Vitae meritorum M 94)<\/p>\n<p>Hildegard sieht hier sehr tief hinein in das Geflecht sozialer Strukturen, aber auch kosmischer Verflechtungen. Alles h\u00e4ngt mit allem zusammen, deshalb muss auch der Mensch sein Ma\u00df erkennen, sonst ist er der eigentliche St\u00f6rfaktor in der gesamten Sch\u00f6pfungsordnung. Jedes Fehlverhalten beeinflusst nicht nur den Einzelnen, sondern den ganzen Zusammenhang aller Dinge. Hildegard stellt einen Vergleich zwischen den  sozialen Folgen und den gesundheitlichen an, die aus einem Mangel an discretio kommen: &#171;Weil der Mensch mit seinem Ungehorsam sich sowohl \u00fcber die Furcht wie auch \u00fcber die Liebe Gottes hinwegsetzt, \u00fcberschreiten auch alle Elemente und die Gezeiten ihre Grenzen; das ist so wie bei den Eingeweiden des Menschen; hat der Mensch einmal sein Ma\u00df \u00fcberschritten, so verhalten sich dementsprechend auch seine Eingeweide&#187;. Hildegard erinnert den Menschen unentwegt an seine Aufgabe in der Sch\u00f6pfung Gottes als cooperator dei und weist aber auch energisch auf die Folgen hin, wenn er sich seiner Berufung verweigert.<\/p>\n<p>&#171;Gott hat mich mit beiden Augen erleuchtet, mit ihnen betrachte ich, was f\u00fcr eine Herrlichkeit das Licht in der Dunkelheit hat. Damit aber kann ich w\u00e4hlen, auf welchem Wege ich zu wandeln habe: ob ich sehend, ob ich blind sein werde, indem ich erkenne, welchen F\u00fchrer ich f\u00fcr den Tag oder f\u00fcr die Nacht anrufen soll.&#187; Die discretio ist der Kompass auf unserem Lebensweg, dadurch k\u00f6nnen wir die rechten Entscheidungen treffen und Bew\u00e4hrung in den Krisen. Achten wir nicht auf die discretio, dann werden wir nicht gleich von Gott bestraft, sondern von unserer eigenen Umwelt, von der uns umgebenden Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Discretio ist die Reinheit des Herzens. &#171;Die gesamte Sch\u00f6pfung, die Gott in der H\u00f6he wie in den Tiefen gestaltet hat, lenkt er zum Nutzen des Menschen hin. Missbraucht der Mensch seine Stellung zu b\u00f6sen Handlungen, so veranlasst Gottes Gericht die Gesch\u00f6pfe, ihn zu bestrafen.&#187; Die discretio der hl. Hildegard f\u00fchrt uns zur hildegardischen &#171;Ganzheit&#187;; denn die Gabe der Unterscheidung m\u00fcssen wir in allen Bereichen unseres Daseins \u00fcben und anwenden: &#171;Und so liebt die Seele in allen Dingen das diskrete Ma\u00df. Wann auch immer der K\u00f6rper des Menschen ohne discretio isst oder trinkt, oder etwas anderes dieser Art verrichtet, werden die Kr\u00e4fte der Seele verletzt, weil alles nur mit Ma\u00df ausgef\u00fchrt werden soll, da nun einmal der Mensch nicht st\u00e4ndig im Himmel weilen kann. Und wie durch allzu gro\u00dfe Sonnenglut die Erde aufgerissen wird und durch \u00fcberm\u00e4\u00dfige Regeng\u00fcsse die Saat nicht nutzvoll sprie\u00dfen kann, wie vielmehr nur in richtiger Verbindung von Hitze und Feuchtigkeit die Erde Nutzkr\u00e4uter wachsen l\u00e4sst, so werden auch in richtig ausgewogener Mischung alle Verrichtungen der irdischen und himmlischen Dinge ma\u00dfvoll und gut angeordnet und vollendet.&#187; Hildegard f\u00fcgt noch hinzu: &#171;Dieses diskrete Ma\u00df haben jene geliebt, mit denen der Himmel erleuchtet ist, und sie lieben es noch. Der Teufel aber wollte dies und will es nicht haben, weil er immer nur in extreme H\u00f6hen oder extreme Tiefen strebt, weshalb er auch fiel und sich nicht wieder erhebt.&#187;<\/p>\n<p>Die Seele ist nach Hildegard wie der Saft im Baum, der alles am Leben erh\u00e4lt und ern\u00e4hrt und den ganzen Baum durchstr\u00f6mt. Die Seele ist die Gr\u00fcnkraft im Menschen, die Kraft, die mit der Hilfe der discretio das ganze Leben, den Lebensstrom, die Ganzheit mit diesem diskreten Ma\u00df steuert. Die Seele ist auch wie Feuer, das Element, das Gottes Hauch symbolisiert und durch den die Seele den leblosen Lehmklumpen zum Leben erweckte. Hildegard sagt es so: &#171;Die Seele erscheint wie Feuer, die Vernunft aber ist in ihr wie das Licht und sie wird durch die Vernunft in ihrer leuchtenden Art auf die gleiche Weise durchdrungen, wie auch die Welt durch die Sonne erleuchtet wird.&#187;<\/p>\n<p>Das diskrete Ma\u0178 des Kosmos, das Leuchten der Sonne wird auf das diskrete Ma\u00df der Vernunft bez\u00fcglich ihres &#171;Leuchtens&#187; auf den Menschen \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Im Buch der Gotteswerke spricht Hildegard in der 3. Schau von der Natur des Menschen. Einen kleinen Ausschnitt widmet sie auch der Erm\u00fcdung des Menschen, zuerst von der k\u00f6rperlich-leiblichen Erm\u00fcdung und dann von der seelischen.<\/p>\n<p>&#171;So geht es zu, wenn der Mensch den rechten Tugendweg ma\u00dflos zu wandeln versucht. Die Ma\u00dflosigkeit dieser Haltung lenkt ihn dann auf Unzutr\u00e4gliches ab und f\u00fchrt die Enthaltsamkeit in ihm auf ein \u00fcbertriebenes Ma\u00df des Gewissens, so da\u00df er sich dann in seiner Ma\u00dflosigkeit auch erlaubter Dinge enth\u00e4lt und sich schliesslich den Ekel an anderen Tugenden zuzieht. Indem er w\u00e4hnt, er kehre zur Gerechtigkeit zur\u00fcck und triefe nur so von Gewissenhaftigkeit, bereitet er sich den Fallstrick der Erm\u00fcdung, weil er bei solcher unangemessenen Enthaltsamkeit die Zartheit des Mutes und der Vorsicht verl\u00e4sst. Schliesslich zweifelt er, ob er sich \u00fcberhaupt noch halten k\u00f6nne und f\u00e4llt auf diese Weise in die Schlinge der Verzweiflung&#187;.<\/p>\n<p>Hildegard bemerkt im gleichen Werk in der 2. Schau &#171;Wenn die Herzen und K\u00f6pfe der Menschen sich einem Irrtum zuwenden, so ist das ein Hinweis auf Irrt\u00fcmer, die die Elemente unter der Sonne durch Katastrophen ersch\u00fcttern und zu einer Sonnenfinsternis f\u00fchren &#8211; durch die Ma\u00dflosigkeit der Menschen provoziert.&#187; Hildegard stellt einerseits das menschliche Leben in einen gro\u0178en kosmischen Zusammenhang, vergisst dabei aber nicht die Grenzen der menschlichen M\u00f6glichkeiten und die Hinf\u00e4lligkeit seiner Kr\u00e4fte aufzuzeigen. Gr\u00f6\u00dfe der Sch\u00f6pfung und Bedeutung des kleinen Menschen werden zusammengef\u00fcgt und gezeigt, wie der Mensch in seinem Alltag dieser Berufung gerecht wird.<\/p>\n<p>Zum Abschluss \u00fcber Hildegards Gedanken zur discretio, m\u00f6chte ich noch kurz skizzieren wie in der Neusch\u00f6pfung der Siebentagewoche die &#171;Mutter der Tugenden&#187; das Leben des Menschen gestaltet.<\/p>\n<p>Am zweiten Tag der Sch\u00f6pfungsgeschichte entsteht das Gew\u00f6lbe des Himmels, das Firmament, um das Wasser oberhalb des Firmaments zu scheiden. Die discretio ist nicht selber am Werk, sie dient als Hilfskraft den \u00fcbrigen Tugenden. So h\u00e4lt auch das Firmament, die St\u00fctze all der Kr\u00e4fte, durch die es  umgew\u00e4lzt wird, die anderen Gesch\u00f6pfe in ihrem Wirken, indem es zu ihrer Verf\u00fcgung steht.&#187;  Und wie das Firmament jedes Ding, das darin gesetzt ward, st\u00fctzt, indem es ihm seinen Raum gibt, so ist auch die discretio durch ihr Werk, wie die \u00fcbrigen Kr\u00e4fte, die gem\u00e4\u00df ihrem Tun Werkleute  heissen, nicht Werkmeisterin, d.h. operatrix, sondern lediglich die St\u00fctze (substentaculum) f\u00fcr die \u00fcbrigen Tugenden.&#187; F\u00fcr Hildegard ist in ihrer Schau die discretio wie das Firmament f\u00fcr die \u00fcbrigen Tugenden.<\/p>\n<p>Die discretio ist mit dem Geschmackssinn zu vergleichen, der uns sagt, dass eine Speise gut oder auch schlecht (verdorben) ist. Die discretio vermag auch die verschiedenen Gedanken, Motivationen, Emotionen und auch die Impulse im Herzen zu unterscheiden. Die hemmungslosen Triebkr\u00e4fte weist sie in Schranken und in eine gute Richtung.<\/p>\n<p>In der Spiritualit\u00e4t der hl. Hildegard ist die discretio die Voraussetzung f\u00fcr die richtigen Entscheidungen. Sie vertraut sich der F\u00fchrung des hl. Geistes an und sieht in allen Dingen den Willen Gottes.<\/p>\n<p>Die discretio wendet nie pauschal abstrakte Regeln an, sondern schaut auf die jeweilige Situation des Menschen und w\u00e4gt die Zeit- und Ortsumst\u00e4nde, die Schw\u00e4chen und St\u00e4rken der Mitmenschen ab.<\/p>\n<p>Die discretio als Gabe der Unterscheidung des Augenma\u00dfes und des Ma\u00dfhaltens setzt die Haltung der inneren Aufmerksamkeit voraus und h\u00e4ngt somit eng zusammen mit: Klugheit (umsichtig und voraus-schauend), gerechtem Urteil und mit einer Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die Ver-schiedenartigkeit der Menschen im Zusammenleben. Die discretio beschreitet den Weg der richtigen Mitte, nicht der Mittelm\u00e4\u00dfigkeit. Hildegard vergleicht dies mit einer Treppe, auf der der Mensch durch die guten Werke zum Himmel aufsteigt und auf der er den leiblich-irdischen Bed\u00fcrfnissen entsprechend zur Erde herabsteigt. (Vergl. Martha und Maria!) Nach Hildegard n\u00fctzt ein guter Beginn nichts ohne ein gutes Ende, deshalb bedarf der Mensch der Gotteskraft der discretio, damit nicht im Menschen durch Ma\u00dflosigkeit von selbst guten Werken eine Ruine erbaut  und zugrunde gerichtet wird.<\/p>\n<p>Die discretio reguliert im Menschen alles organisch, denn sie nimmt R\u00fccksicht auf das Leben. Deshalb kann die discretio viele Menschen zu ihrem Ganzsein und zu Gott zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a id=\"Die_Ordnungstherapie\" name=\"Die_Ordnungstherapie\"><\/a><\/p>\n<h2><span class=\"mw-headline\">Die Ordnungstherapie<\/span><\/h2>\n<p>Sehr viele Ma\u00dfnahmen, die wir in der Hildegardheilkunde kennen, zielen auf die Ausscheidung der Schwarzgalle hin. Dabei wissen wir noch gar nicht genau, was die Schwarzgalle eigentlich ist. Vielleicht ist sie die Summe dessen, was der Mensch falsch macht in der Ordnung seines Geistes und seines Leibes, all das, was er im S\u00fcndenfall verloren hat und das was er in einer tagt\u00e4glichen Anstrengung wieder herstellen k\u00f6nnte, wenn er nur w\u00fcsste, wie das geht.<\/p>\n<p>Hildegard hat uns sehr viele Hilfen gegeben, die wir in den B\u00fcchern Causae et curae und Liber divinorum operum nachlesen k\u00f6nnen. Der Anfang ist schwierig, denn das spr\u00f6de Latein, macht dem Leser zu schaffen, auch die \u00dcbersetzungen sind schwer zu verdauen. Wenn wir nicht aufgeben und immer wieder hineingehen in die Texte Hildegards, werden wir  langsam verstehen lernen, werden wir belohnt mit immer mehr Gesundheit und Gl\u00fcck. Gott sei Dank haben wir die Seele als Geschenk erhalten, diese Seele f\u00fchrt uns, wenn wir es ihr erlauben und steht uns bei in guten und schlechten Tagen wie eine Freundin.<\/p>\n<p>Eine Therapie nach Hildegard von Bingen beginnt mit  der Ausscheidung von sch\u00e4dlichen Stoffen. Der Umgang mit der Ausscheidung von unn\u00fctzen und sch\u00e4dlichen S\u00e4ften nimmt bei Hildegard von Bingen einen breiten Raum ein.<\/p>\n<p>Beginnend mit dem S\u00fcndenfall, bei dem durch das Essen der Frucht Adams Galle in eine ganz andere Art umgewandelt wurde, er ab da durch das Essen von Nahrung sich st\u00e4rken musste und wenn er nicht beachtet hat, was gut oder schlecht f\u00fcr ihn ist, er mit den S\u00e4ften Probleme bekommt, spannt Hildegard einen gro\u0178en Bogen \u00fcber alle Krankheiten und psychische St\u00f6rungen des Menschen. Der Mensch wird krank, wenn er die Qualit\u00e4t der Nahrung nicht beachtet, wenn er das Ma\u00df nicht einh\u00e4lt, wenn er unsachgem\u00e4\u00df mit der Nahrung umgeht, wenn er sich beim Essen falsch verh\u00e4lt, wenn er die Zeiten  nicht einh\u00e4lt, wenn er seine Verdauungsorgane nicht pflegt und noch vieles mehr. Das ganze Buch Causae et curae ist durchsetzt mit Ratschl\u00e4gen zum Thema S\u00e4fte und wie der Mensch damit umgehen soll. Was in den Menschen hineinkommt durch die Luft und durch die Nahrung, das muss er auch wieder ausscheiden. Zur\u00fcck bleibt, was der K\u00f6rper braucht zum Wachstum und zur Lebenserhaltung. Leider bleibt auch etwas zur\u00fcck, was er nicht so gerne hat, Schlacken und Giftreste, die manchmal nicht auf dem normalen Weg ausgeschieden werden k\u00f6nnen. Die normalen Wege sind: \u00fcber den Darm, die Niere und die Haut, die Geb\u00e4rmutter, die Prostata, die Lunge. Auch Dr\u00fcsen sind Ausscheidungsorgane, die ihre Sekrete nach au\u00dfen ergie\u00dfen. Dazu geh\u00f6ren die Tr\u00e4nendr\u00fcsen, die Ohrenschmalzdr\u00fcsen, die Schwei\u00dfdr\u00fcsen.<\/p>\n<p>Alles mu\u00df bei Hildegard von Bingen seine Ordnung haben und deshalb bietet es sich an, aus dem Werk Causae et curae eine Ordnungstherapie herauszuarbeiten, die es erm\u00f6glicht, systematisch auf die Ma\u00dfgaben Hildegards einzugehen und sie dann auch zu befolgen.<\/p>\n<p><a id=\"Die_sechs_Lebensregeln_der_Ordnungstherapie\" name=\"Die_sechs_Lebensregeln_der_Ordnungstherapie\"><\/a><\/p>\n<h3><span class=\"mw-headline\">Die sechs Lebensregeln der Ordnungstherapie<\/span><\/h3>\n<p>Die <b>1. Regel<\/b> der Ordnungstherapie lehrt uns den Umgang mit den Elementen Feuer und Luft. Das sind bei Hildegard die zwei himmlischen Elemente, die in den oberen Teilen der Menschen arbeiten. Die Sinne und ihre Aufgaben k\u00f6nnen unter dieser Regel betrachtet werden, denn die Nerven des Kopfes sind hier besonders betroffen. Das Feuer hat immer etwas mit dem Geist des Menschen zu tun, mit seiner Seele und mit seinem Gehirn. Auch das Blut, das vegetative Nervensystem, und die Leber sind dem Element Feuer zuzuordnen. Wenn das Feuer schwach ist, leiden Gehirn und Nerven. Damit es wieder richtig brennt, hilft ihm die Luft mit ihrem Wehen, es wird wieder angefacht und das Blut erw\u00e4rmt sich insoweit, dass die Kerntemperatur  wieder stimmt.  Bei der Erw\u00e4rmung des Blutes im Fieber, wird die Immunabwehr mobilisiert und die Dr\u00fcsen des Kopfes haben Hochbetrieb. Hat der Mensch Fieber, dann brennt das Feuer zu stark. Die Luft muss dann ihr Wehen einschr\u00e4nken und das bedeutet, dass viel kalte Schlacken im K\u00f6rper zur\u00fcckbleiben, die wieder aufger\u00e4umt werden m\u00fcssen. Dazu m\u00fcssen zwei weitere Elemente herangezogen werden, das Wasser und die Erde. Das Wasser schwemmt fort und die Erde r\u00e4umt ab. Diese beiden letzten Elemente werden aber erst in der 5. Regel genauer angeschaut.<\/p>\n<p>Die <b>2. Regel<\/b> lehrt uns den Umgang mit der Nahrung, mit Essen und Trinken. Hildegard sagt uns, wann wir fr\u00fchst\u00fccken sollen, was wir nehmen k\u00f6nnen und was sch\u00e4dlich ist f\u00fcr uns. Sie erkl\u00e4rt, was Enthaltsamkeit ist und was die Ma\u00dflosigkeit ist und welche Folgen es hat, wenn wir nicht zur Vernunft kommen. Sie gibt uns Ratschl\u00e4ge zur Di\u00e4t, warnt aber vor un\u00fcberlegtem Fasten. Die Texte \u00fcber die Folgen der falschen Ern\u00e4hrung sind unz\u00e4hlig und k\u00f6nnen den ganzen Menschen erfassen. Hier kommt das Wissen von den verschiedenen S\u00e4ften im K\u00f6rper zum Tragen.<\/p>\n<p>Wenn wir wissen, dass die Elemente sich in den S\u00e4ften ausdr\u00fccken, dann brauchen wir nur noch zu fragen, was sind das f\u00fcr S\u00e4fte, was tun sie und wie stellen sie sich dar. Und genau diese Fragen sind das Thema, das uns in der Heilkunde Hildegards besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Ein Satz scheint mir ein Schl\u00fcsselsatz zu sein: &#171;Gedanken ver\u00e4ndern den Weg der S\u00e4fte&#187;. Der Mensch hat die F\u00e4higkeit mit seinem Wissen, seinem Verstand und seinem Willen alles, was Hildegard uns sagt, in die Tat umzusetzen. Wenn der Mensch nicht will oder zu tr\u00e4ge ist, wird er Ausreden finden und das wird seine Folgen haben.  Jede Verletzung der Ordnung im Essen und Trinken, jede Weigerung das rechte Ma\u00df einzuhalten, schl\u00e4gt sich in irgendeiner Weise auf dem K\u00f6rper nieder. Es somatisiert sich. Wir brauchen die Hilfe der Seele, wenn wir richtig funktionieren wollen. Auf dem Weg des Blutes steht uns die Seele in unserem Lebensablauf, und in unserer Verhaltensweise unserem K\u00f6rper gegen\u00fcber bei.<\/p>\n<ul>\n<li>Auszug aus der Ern\u00e4hrungslehre der hl. Hildegard von Bingen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nahrungsmittel und Lebensmittel sind bei Hildegard auch Heilmittel. Sie sollen Gr\u00fcnkraft spenden, das Leben erhalten, froh machen, das Herz erfreuen und den Menschen sch\u00f6n aussehen lassen. Je nat\u00fcrlicher ein Mittel bleibt, desto besser, aber nicht roh, sondern gem\u00e4\u00dfigt, die Sch\u00e4rfe genommen, die Spitze gebrochen, entm\u00fcdend soll es zubereitet werden.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnkraft ist die Lebenskraft, die sch\u00f6pft der Mensch aus der Nahrung und diese Kraft erh\u00e4lt sich durch die vier Elemente. Feuer, Luft, Wasser und Erde.<\/p>\n<p>Die Elemente dr\u00fccken sich durch die S\u00e4fte aus. Wie die S\u00e4fte flie\u00dfen und die Kenntnis dar\u00fcber, das bildet den Schl\u00fcssel zur Heilkunde Hildegards. Die richtige S\u00e4ftemischung entscheidet \u00fcber Gesundheit oder Krankheit. Hinderlich f\u00fcr die Lebensenergie sind der Zorn, die Trauer, die Angst, die Depression und die Ungeduld. Was der Mensch denkt, das pr\u00e4gt ihn Alles gibt einander Antwort, was in Gottes Ordnung steht. Gottes Wort ist gr\u00fcn. Sein Wort, ist die Kraft die alles zusammenh\u00e4lt. Wir heutigen Menschen sind sehr irritiert, was die Ern\u00e4hrung angeht. Es gibt zu viele Verbote und zu viele Angebote.  Die Inhaltsstoffe sind zwar bekannt, aber wir erfassen sie nicht, wir m\u00fcssen unsere Wahrnehmung wieder schulen, damit wir die Subtilit\u00e4t erkennen. Mit den Sinnen erkennen wir, Geruch, Geschmack, Anblick, Qualit\u00e4t. Das alles will werden und respektiert sein. Warm, kalt, feucht und trocken, das sind die Nahrungsmittel- und Lebensmittel-Typen, die wir bei Krankheit richtig einsetzen m\u00fcssten, aber leider haben wir unser Urteilsverm\u00f6gen verloren. Wir m\u00fcssen wieder lernen die Speisen auszukosten, gut zu kauen, in ruhiger Umgebung zu essen, regelm\u00e4\u00dfg zu essen, manchmal den Hunger abzuwarten, viel zu trinken. Zu fett, zu blutig, zu s\u00fcss, zu sauer, zu heiss, zu kalt, ist schlecht. Gut ist k\u00fchlende Speise im Sommer, w\u00e4rmende im Winter. Jeder Mensch hat sein spezielles Temperament mit auf die Welt gebracht. Auch diese Temperamente spielen in der Ern\u00e4hrungslehre eine Rolle. Zu hitzige Menschen d\u00fcrfen nicht noch zu warme Speisen im Unma\u00df zu sich nehmen, melancholische sollen Speisen meiden, die die Schwarzgalle vermehren. Ewig zitternde Typen werden von selber zu warmen Mitteln greifen.<\/p>\n<p>Hildegard sagt: &#171;Wenn der Mensch n\u00fcchtern ist, soll er eine Speise w\u00e4hlen, die aus Fr\u00fcchten und Mehl zugerichtet ist, weil ein solches Gericht trocken ist und dem Menschen eine kr\u00e4ftige Gesundheit verleiht. Auch soll er als erstes eine warme Speise zu sich nehmen, damit der Magen angew\u00e4rmt wird. Wenn er darauf noch etwas kaltes nimmt, kann die W\u00e4rme, die seine Magenw\u00e4nde schon durchdrungen hat, auch die folgende K\u00e4lte der Speisen vertragen. Alles Obst aber und saftreiche Speisen mit zu viel Feuchtigkeit, wie zum Beispiel Kr\u00e4uter, soll er bei seiner ersten Mahlzeit noch meiden, weil sie zu viel &#171;Tabes und Livor&#187; enthalten und Unruhe in seinem S\u00e4ftehaushalt bringen k\u00f6nnten. Nachher wenn er schon etwas zu sich genommen hat, kann er auch das geniessen und es wird ihm mehr Gesundheit als Unp\u00e4sslichkeit bringen.&#187;<\/p>\n<p>Die <b>3. Regel<\/b>  befasst sich mit der Bewegung. Anspannung und Entspannung sind unbedingt im Spannungsausgleich zu halten. Verspannung t\u00f6tet auf Dauer das Gef\u00fchl, Spannungslosigkeit den Willen. Eine wunderbare Hilfe gibt uns Hildegard mit der Regel ihres Ordens: Ora et labora * bete und arbeite. Wo das im rechten Ma\u00df geschieht, kann der Mensch gesund bleiben. Das Gebet ist unverzichtbar, wenn wir Hilfe von unserer Seele und Hilfe von unserem Sch\u00f6pfer brauchen. &#171;Wer rastet der rostet&#187; heisst eine Volksweisheit und das stimmt wirklich. Wenn der Mensch die M\u00f6glichkeit seiner &#171;Winde&#187; nicht n\u00fctzt, kommt er immer weiter herunter, weil die Winde die Tat symbolisieren. Der  t\u00e4tige Mensch sorgt f\u00fcr seine eigene Gesundheit und f\u00fcr die seiner Um- und Mitwelt.<\/p>\n<p>Die <b>4. Regel<\/b> handelt von der Ruhe, vom Schlaf und Wachsein. Das sollen wir unseren Nerven g\u00f6nnen, nach des Tages M\u00fche und Belastung. Hildegard sagt, dass der unterbrochene Schlaf der ges\u00fcndere ist. Das Nervenmark kann sich im Schlaf erholen und die Tr\u00e4ume lassen uns an unseren Grundfragen des Lebens arbeiten und sie aufarbeiten. Unterbrechung des Schlafes dient dazu, da\u00df der Kreislauf nicht zu stark zu absinkt, schl\u00e4ft man durch, wie ein Sack, ist man morgens wie erschlagen. Au\u00dferdem kann man bewusster und in Ruhe Dinge \u00fcberlegen, die man in der Tageshetze nicht zur Gen\u00fcge durchdenken kann. In der Nachtwache f\u00fcr eine bestimmte Zeit kann auch das Gebet f\u00fcr andere Menschen und den Frieden auf der Welt Raum bekommen.<\/p>\n<p>Die <b>5. Regel<\/b> betrifft das Thema Ausscheidungen. Der Mensch soll darauf achten, da\u00df die Schadstoffe und die im \u00dcberma\u00df enthaltenen schlechten S\u00e4fte des K\u00f6rpers zur Ausscheidung kommen. Aus der Nahrung entstehen viele sch\u00e4dliche S\u00e4fte und auch die gef\u00fcrchtete Schwarzgalle kommt zum Teil aus der Ern\u00e4hrung. Hildegard erw\u00e4hnt die Schwarzgalle beim S\u00fcndenfall das erste Mal, als Adams Kristall der an der Stelle war, wo heute die Galle ist, erlosch und in eine andere Art umgewandelt wurde. Da wurde die Traurigkeit in ihm erweckt und die Folge davon ist der Zorn, der die Schwarzgalle entstehen l\u00e4sst. Dass die Nahrung Reste \u00fcbrig l\u00e4sst, das wissen schon die Kinder und da\u00df die aus allen nat\u00fcrlichen \u00d6ffnungen des K\u00f6rpers entleert werden k\u00f6nnen, auch.<\/p>\n<p>Jetzt kommen wir auf die beiden letzten Elemente: Das Wasser und die Erde. Diese beiden Elemente arbeiten auf dem unteren Bereich, sozusagen im weltlichen. Also noch einmal: Feuer und Luft sind himmlische und Wasser und Erde weltliche Elemente. Das Wasser ist nicht nur zum Waschen da, auch zum Sp\u00fclen der inneren Organe und aller Zwischenr\u00e4ume. Ohne Sp\u00fcleffekt w\u00fcrde der K\u00f6rper binnen k\u00fcrzester Zeit an M\u00fcll ersticken.<\/p>\n<p>Die Lehre von den Ausscheidungen ist ein wichtiges Thema und hat zu allen Zeiten die gro\u00dfen \u00c4zte stark besch\u00e4ftigt. Das Fasten, der Aderlass, die Schwitzh\u00fctte, Schr\u00f6pfen, Blasen erzeugen, Brennen, sind M\u00f6glichkeiten zur Ausscheidung. Aber auch Mittel zur Ab- und Ausleitung finden wir bei Hildegard von Bingen. Wickel, Packungen, Auflagen, Salbungen, Teilb\u00e4der und Reibungen sind von ihr erw\u00e4hnt. Tr\u00e4nke zum Abf\u00fchren \u00fcber den Darm, Unterst\u00fctzung  der Nieren durch Salben und W\u00e4rmebestrahlung, sind nur eine kleine Auswahl ihrer Heilma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Die <b>6. Regel<\/b> befasst sich mit dem Gem\u00fct des Menschen. Wenn wir unsere Gem\u00fctsbewegungen verstehen, wenn wir Kontakt aufnehmen zu unseren seelischen Regungen und darauf reagieren was die Seele uns signalisiert, k\u00f6nnen wir sicher sein, dass wir, wenn wir krank geworden sind, auch wieder gesund werden. Manchmal bedeutet das auch, da\u00df wir uns mit einer Krankheit abfinden und sehen, wie wir mit Hilfe der Seele mit der neuen Situation zurechtkommen. In ihrem Buch &#171;Der Mensch in der Verantwortung&#187; schildert Hildegard den Kampf der &#171;militia dei&#187; des &#171;g\u00f6ttlichen Milit\u00e4rs&#187; gegen die Mangelerscheinungen der Belastungen des Menschen. Sie nennt das die Tugenden und Laster. 35 Gegensatzpaare werden hier wie auf einer B\u00fchne vorgef\u00fchrt und erkl\u00e4rt.  Dieses Thema ist f\u00fcr Hildegard ungeheuer wichtig, weil der Mensch, der nicht Kontakt aufnimmt mit seinen schwachen Seiten, keine Hilfe bekommt. Es gibt leichte Verfehlungen und schwere, je nach Lebensalter und geistiger Verfassung, werden strengere oder weniger strenge Ma\u00dfst\u00e4be angelegt. Dieses Buch f\u00fchrt uns durch die H\u00f6hen und Tiefen des menschlichen Daseins und erkl\u00e4rt uns die Psyche.<\/p>\n<p>Hildegards n\u00e4chstes Buch ist das von Welt und Mensch&#187;. Hier erf\u00e4hrt der der es wissen will, was passiert, wenn der Mensch seine Psyche nicht in den Griff bekommen will. Dieses Buch ist das Buch der Psychosomatik Hildegards. Die 35 Tugenden bekommen Aufgaben im K\u00f6rper, die sich mit den Organen und den Funktionen befassen. Verst\u00f6\u00dfe gegen die g\u00f6ttliche Ordnung haben Folgen, die Hildegard sehr genau beleuchtet.<\/p>\n<p><a id=\"Fasten\" name=\"Fasten\"><\/a><\/p>\n<h2><span class=\"mw-headline\">Fasten<\/span><\/h2>\n<p><a id=\"Das_einfache_Hildegardfasten\" name=\"Das_einfache_Hildegardfasten\"><\/a><\/p>\n<h3><span class=\"mw-headline\">Das einfache Hildegardfasten<\/span><\/h3>\n<p>Fasten ist ein Heilmittel. Es ist eine einfache Methode, den K\u00f6rper und den Geist zu reinigen. Gift- und Schlackenstoffen zu entleeren und die Seele von ihren Belastungen zu befreien. Fasten wirkt als psychotherapeutisches Universalmittel f\u00fcr 28 unter 35 seelischen Krankheiten.<\/p>\n<dl>\n<dd>Grundregeln:<\/dd>\n<\/dl>\n<ul>\n<li>Fasten muss man wollen.<\/li>\n<li>Der Fastende muss ein klares Ziel vor Augen haben.<\/li>\n<li>Fasten ohne Seele ist sinnlos.<\/li>\n<li>Fasten sucht den Dialog mit dem Leib, mit fast allen Organen.<\/li>\n<\/ul>\n<dl>\n<dd><b>Nicht gefastet werden darf:<\/b><\/dd>\n<\/dl>\n<p>Bei schweren und akuten Krankheiten, nach Operationen, bei schweren St\u00f6rungen im Stoffwechsel, bei allen chronischen Krankheiten, bei Depressionen, ansteckenden Krankheiten, organischen Sch\u00e4den von Herz, Nieren, Leber und in der Schwangerschaft. Kinder unter 12 Jahren d\u00fcrfen noch nicht fasten und alte Menschen ab 70 auch nicht mehr. Auch bei sieben seelischen Gem\u00fctszust\u00e4nden, Weltliebe, Schwermut, Ma\u00dflosigkeit, Hochmut, Unglauben, Unbest\u00e4ndigkeit und Weltschmerz, darf nicht gefastet werden.<\/p>\n<p>Wir halten uns an die hl. Hildegard. Ihr Programm ist ganz klar und durchsichtig, sowohl zeitlich, \u00f6rtlich als auch  geschmacklich:<\/p>\n<ul>\n<li>Morgens: nur trinken (Fencheltee, Magen-Darmtee, Blutreinigungstee, dazu Basica und Isomol.)<\/li>\n<li>Mittags: Dinkel-Fastenbr\u00fche ohne feste Bestandteile.<\/li>\n<li>Abends: nur Fastensuppe wie mittags, Fencheltee mit etwas Apfelsaft. Oberstes Gebot: trinken, trinken, trinken.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fasten verlangt zun\u00e4chst eine bedeutsame Hinf\u00fchrung zum Wesentlichen. Essen und Nichtessen sind wie Wachen und Schlafen, Spannung und Entspannung, sind wie zwei Pole zwischen denen sich Leben entfalten kann. Essen am Tag, Fasten in der Nacht, das ist ein normaler Rhythmus ein Lebensrhythmus.<\/p>\n<p>Wenn wir abends zu sp\u00e4t oder zu viel gegessen haben, fehlt uns am Morgen der Appetit. Das ist ein Zeichen daf\u00fcr, da\u00df die Fastenzeit der Nacht noch nicht beendet ist. Die Engl\u00e4nder sagen zum Fr\u00fchst\u00fcck &#171;breakfast&#187; das hei\u00dft Fastenbrecher.<\/p>\n<ul>\n<li>Die &#171;Gezeiten&#187; lebender K\u00f6rper<\/li>\n<\/ul>\n<p>12 &#8211; 16 Stunden braucht der Mensch f\u00fcrs Wachsein, f\u00fcr die Nahrungsaufnahme, f\u00fcr das Arbeiten, f\u00fcr die Freizeit und vor allem f\u00fcr den sozialen Kontakt. 8 &#8211; 12 Stunden  bleiben ihm f\u00fcr die Nachtruhe, f\u00fcr den Stoffwechsel f\u00fcr den Abbau und Umbau von K\u00f6rpersubstanzen aller Art. Die Energie f\u00fcr diese Arbeit kommt aus seinen Depots. (Hier sind schon die 6 res non naturalis zu erkennen, die wir ordnen m\u00fcssen um unsere Gesundheit zu erhalten.)<\/p>\n<p>In der Fastenzeit der Nacht besch\u00e4ftigt sich der Mensch mit sich selber: er h\u00e4lt still, liegt,  er entspannt  sich, er schl\u00e4ft, er tr\u00e4umt, es geschieht auch ein Aufarbeiten des vergangenen Tages, der Mensch gibt Ruhe, er empfindet Geborgenheit. Tr\u00e4ume helfen ihm, allein aus sich selbst heraus zu leben. So wichtig ist der Schlaf, um wieder zu Lebenskraft zu kommen.<\/p>\n<p>Auch in der K\u00fcche kehrt in der Fastenzeit Ruhe ein. Das Kochen beschr\u00e4nkt sich auf die Zubereitung der Fastensuppe und des Tees.<\/p>\n<p><a id=\"Mahlzeiten_beim_Fasten\" name=\"Mahlzeiten_beim_Fasten\"><\/a><\/p>\n<h3><span class=\"mw-headline\">Mahlzeiten beim Fasten<\/span><\/h3>\n<dl>\n<dd>Das Dinkel-Fasten-S\u00fcppchen (Zutaten f\u00fcr zwei Personen):<\/dd>\n<\/dl>\n<p>1.300 g Gem\u00fcse, Fenchelkollen, gr\u00fcne Bohnen, Sellerie, Karotten, Petersilienwurzel, (eventuell auch eine Kartoffel die Hildegard zwar noch nicht gekannt hat, die aber heute nicht mehr wegzudenken ist aus dem Ern\u00e4hrungsplan, dagegen sind Kohlarten nicht geeignet) Gehackte Kr\u00e4uter: Petersilie, Beifuss, Gundelrebe, Liebst\u00f6ckl, je nach Geschmack. Gew\u00fcrze  vor allem  aus der &#171;physica Hildegardis&#187;. Die wichtigsten Gew\u00fcrze sind: Bertram, Quendel, Galgant, Diptam und etwas Muskat. Je nach Geschmack k\u00f6nnen auch die \u00fcblichen Gew\u00fcrze mit verwendet werden, wie z.B. Ackerminze, Bachminze, Melde, Ysop, Pfeffer, Knoblauch und Zwiebeln. Etwas Kr\u00e4utersalz. Das ist voller Enzyme, Mineralien und Spurenelemente. Es ist das kostbarste Salz!<\/p>\n<p>Zubereitung: Das Gem\u00fcse fein schneiden und in wenig Wasser d\u00fcnsten, dann p\u00fcrieren. Das ist die beste Art der Zubereitung. Am Ende noch einmal alles kurz aufkochen, w\u00fcrzen und mit Salz und Galgant abschmecken. Nicht zu stark w\u00fcrzen, denn Gew\u00fcrze regen den Hunger an und den Appetit.<\/p>\n<p><a id=\"Ausleitung\" name=\"Ausleitung\"><\/a><\/p>\n<h3><span class=\"mw-headline\">Ausleitung<\/span><\/h3>\n<p>Die Ausleitungskekse mit Ingwer und Wolfsmilch kann man in Ausnahmef\u00e4llen verwenden, wir tun es lieber nicht, weil Wolfsmilch giftig ist.<br \/>\nWir essen also nichts Festes, auch keine ganzen Fr\u00fcchte. Wir k\u00f6nnen daraus aber Obsts\u00e4fte zubereiten und diese dann stark verd\u00fcnnt zu uns nehmen. Damit unser Mineralienhaushalt stimmt, trinken wir t\u00e4glich zwei  Gl\u00e4ser Wasser, in denen 1-2 Teel\u00f6ffel Basicagranulat aufgel\u00f6st ist. Am besten trinkt man das 1. Glas Fl\u00fcssigkeit am Morgen, das 2. Glas am Sp\u00e4tnachmittag. Tees, die die Ausleitung f\u00f6rdern sind: Magen-Darm-Tee, Nieren-Tee, Leber-Tee und alle blutreinigenden Tees. Wichtig ist es f\u00fcr eine gelungene Fastenwoche, auch den seelischen M\u00fcll loszuwerden: Meditieren, Beten, wenig Gespr\u00e4che. Auch beichten oder mit einem Psychoanalytiker sprechen. Wer fastet, soll sich nach Hildegard in sein Zimmer zur\u00fcckziehen und  er soll nicht prahlen, \u00fcber die Fastenst\u00e4rke und Ausdauer. Verzichten lernen, Fernseher abschalten, keine Zeit mit  zu viel reden verbringen. Verzichten k\u00f6nnen auf rein \u00e4u\u00dferliche T\u00e4tigkeiten, die nur vom Wesentlichen ablenken. Was allen gut tut ist: Entspannen, Spannungen l\u00f6sen, einmal wieder ganz ruhig spazieren gehen, ein Buch lesen, Gedanken pflegen, Ideen mit anderen austauschen.<\/p>\n<p>Wer fastet, wird \u00fcble Ger\u00fcche an sich feststellen, das sind die Ausd\u00fcnstungen der Gifte aus dem Inneren. Wer fastet, muss sich besonders gut pflegen, dass er sich selber riechen kann und sich weiterhin selber mag.<\/p>\n<p><a id=\"Formen_des_Fastens\" name=\"Formen_des_Fastens\"><\/a><\/p>\n<h3><span class=\"mw-headline\">Formen des Fastens<\/span><\/h3>\n<ul>\n<li>Eint\u00e4giges Fasten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das eint\u00e4gige Fasten ist gut, wenn man bereits gefastet hat, es ist empfehlenswert quasi als Schnupperfasten, als Vor\u00fcbung zu einem Fastenkurs oder zu einer Fastenkur. Aus der Erfahrung vieler Fastender haben wir praktische Erkenntnisse  f\u00fcr das eint\u00e4gige Fasten bekommen. Wenn wir einen Tag in der Woche als Fasttag festlegen, dann gilt ein einziges Gebot: Nur trinken, und zwar circa 2-3 Liter Fl\u00fcssigkeit  von den entsprechenden und bevorzugten Tees.<\/p>\n<ul>\n<li>Obstfasten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine andere M\u00f6glichkeit ist, nur Fr\u00fcchte zu essen, das ist aber nicht Hildegardfasten:  morgens, mittags, abends einen oder mehrere \u00c4pfel, ged\u00fcnstet oder als Brat\u00e4pfel. Ein solches Fasten kann man mehrere Wochen nacheinander wiederholen, es ist angenehm zu halten. Es ist ein Vortraining auf ein l\u00e4ngeres Fasten, man lernt dabei mit seinem K\u00f6rper besser umzugehen und wer es regelm\u00e4\u00dfig tut, f\u00fchlt sich wohler und ges\u00fcnder und geht seltenes zum Arzt, denn kleine Zipperlein die sonst zum Therapeuten f\u00fchren, mahnen immer an ein Fasten.<\/p>\n<ul>\n<li>Schalttage<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Tierpfleger eines gro\u00dfen Zoos sagte: Einen Tag in der Woche bekommen die Raubtiere kein Futter, weil Tiere in der Wildnis auch nicht t\u00e4glich etwas jagen. Erfolg: Futterkosten, Tierarztkosten und der Medikamentenbedarf werden geringer und die Tiere werden widerstandsf\u00e4higer und ges\u00fcnder.<\/p>\n<p>Eine altindische Tradition verlangt, monatlich zweimal einen Tag zu fasten, zwecks allgemeiner Reinigung des K\u00f6rpers.<\/p>\n<p>Am Tag des Vollmondes, am Tag des Neumonds, sagt eine andere alte Regel soll nur gegessen werden, wenn der Hunger dazu zwingt. Aber vor der S\u00e4ttigung soll man aufh\u00f6ren zu essen.<\/p>\n<p>In einer 3500 Jahre alten Pyramide steht geschrieben: Von einem Drittel von dem was wir essen leben wir, von den restlichen Dritteln leben die \u00c4rzte.<\/p>\n<ul>\n<li>Heilfasten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hildegard gibt uns eine gute praktische \u00dcbung zur Hand, es ist ein sensibles Nachdenken, ein Meditieren \u00fcber den ganzen Menschen, der Leib Seele und Geist ist.<\/p>\n<p>Mit dem autogenen Training kommen wir dem hildegardischen Denken ganz nahe. Ich f\u00fchre nur einige Stichworte des autogenen Trainings kurz an.<\/p>\n<dl>\n<dd>\n<ul>\n<li>1. Ruhe-T\u00f6nung<\/li>\n<\/ul>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Als Vor\u00fcbung gilt die Ruhe-T\u00f6nung, zum Organeinstieg. Welch wunderbare Kr\u00e4fte, die dem hektischen Menschen  Ruhe- und Stillwerden  bringen, erleben wir im autogenen Training. Diese \u00dcbung k\u00f6nnen wir auch zwischendurch mehrmals am Tag machen.<\/p>\n<p>Die \u00dcbungsschritte zum autogenen Training:<\/p>\n<dl>\n<dd>Ich bin ganz ruhig<\/dd>\n<dd>Mein rechter Arm ist ganz schwer,<\/dd>\n<dd>Mein rechter Arm ist ganz warm,<\/dd>\n<dd>Es atmet mich.<\/dd>\n<dd>Sonnengeflecht str\u00f6mend warm,<\/dd>\n<dd>Mein Herz schl\u00e4gt ruhig und gleichm\u00e4\u00dfig,<\/dd>\n<dd>Stirn k\u00fchl und frisch.<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dd>Mein linker Arm: dito.<\/dd>\n<dd>Sp\u00e4ter kommen dann noch die Beine dazu.<\/dd>\n<\/dl>\n<ul>\n<li>2. Atmung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Wichtigste, was wir \u00fcberhaupt tun m\u00fcssen ist, richtig zu atmen.<br \/>\nGoethe hat uns ein edles Gedicht geschenkt:<\/p>\n<dl>\n<dd>Im Atemholen sind zweierlei Gnaden,<\/dd>\n<dd>die Luft einziehen, sich ihrer entladen.<\/dd>\n<dd>Jenes bedr\u00e4ngt, dieses erfrischt,<\/dd>\n<dd>so wunderbar ist das Leben gemischt.<\/dd>\n<dd>Du danke Gott, wenn er Dich presst<\/dd>\n<dd>und danke ihm, wenn er Dich wieder entl\u00e4sst.<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Ruhiger Atem braucht drei Helfer: den Mund, der geschlossen ist, die  Nase die ge\u00f6ffnet ist, das Zwerchfell, das alles beim Atmen in Schwung h\u00e4lt. Jede einzelne Zelle soll mitatmen. Falsches Atmen macht sauer, es hemmt das &#171;Rad&#187; (Hildegard kannte schon den Kreislauf) beim Umlaufen, dabei kann nur ganz schwer die n\u00f6tige Gr\u00fcnkraft hergestellt werden. Atem ist Leben, durch das Atmen dr\u00fcckt sich die Seele aus. Jeder sollte sich einmal die Stellen durchlesen, die Hildegard \u00fcber die Schwarzgalle in Causae et curae geschrieben hat, es k\u00f6nnte sein, da\u00df wir hier die Erkl\u00e4rung der modernen &#171;Freien Radikalen&#187; vor uns haben, die sogenannten &#171;Sauerstoffradikalen&#187;, die in der modernen Heilkunde jetzt eine beachtliche Rolle spielen. Diese Reststoffe k\u00f6nnen immer weniger gut ausgeschieden werden und sind doch so sch\u00e4dlich f\u00fcr Herz-Kreislauf und Gef\u00e4\u00dfe.<\/p>\n<p>Nach diesem kurzen Abstecher in die Technik des autogenen Trainings wollen wir uns wieder dem Fasten zuwenden. Fasten gilt f\u00fcr alle Lebewesen, auch f\u00fcr Pflanzen, die im Winter ihren Saft entbehren m\u00fcssen. Aber besonders auch f\u00fcr unsere Tiere: \u00c4hnliches finden wir sowohl beim kranken Menschen als auch bei Tieren, die an verschiedenen Krankheiten leiden. Kranke Menschen brauchen Ruhe, Geborgenheit, W\u00e4rme und m\u00f6chten h\u00e4ufiger mit sich allein sein. Das fiebernde Kind lehnt jede Nahrung ab, es trinkt nur noch. Der kranke Hund verkriecht sich in seine H\u00fctte und frisst tagelang nichts. Kranke Lebewesen tun instinktiv das Richtige, sie fasten.<\/p>\n<p>Bei Hildegard ist fast bei allen Krankheiten das Fasten ein bew\u00e4hrtes Heilmittel. Der kranke Organismus braucht zur Genesung Zeit und viel Kraft f\u00fcr sich selbst. Die Energie f\u00fcr die Wiederherstellung der kranken Zellen gewinnt er aus den k\u00f6rpereigenen Nahrungsdepots. Beim Fasten spart er sich die schwere Verdauungsarbeit, die 30% der gesamten Energie des K\u00f6rpers betr\u00e4gt. Die freiwerdende Energie verwendet er f\u00fcr die Heilarbeit. Fasten im Fieber ist eine gro\u00dfartige Selbsthilfe der Natur. Sie zerst\u00f6rt eingedrungene Bakterien, hemmt das Wachstum der Viren, erh\u00f6ht die Abwehrkraft des Blutes, sie steigert die Ausscheidung von Gift und Krankheitsstoffen.<\/p>\n<p><a id=\"Das_Fasten_und_die_k.C3.B6rperliche_Leistungskraft\" name=\"Das_Fasten_und_die_k.C3.B6rperliche_Leistungskraft\"><\/a><\/p>\n<h3><span class=\"mw-headline\">Das Fasten und die k\u00f6rperliche Leistungskraft<\/span><\/h3>\n<p>Der Fastende kann entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung sehr wohl eine normale Leistung erbringen, nat\u00fcrlich zeitlich begrenzt und individuell verschieden.<\/p>\n<p>&#171;Plenus venter non studet libenter&#187;(ein voller Bauch studiert nicht gern). Bergsteiger essen nie vor dem Aufstieg. Kein Spitzensportler isst vor dem Start. Wir leben nicht von der Hand im Mund, sondern haupts\u00e4chlich von unseren Reserven, die uns schneller zur Verf\u00fcgung stehen, wir k\u00f6nnen uns quasi selbst verzehren. Nach einer Anstrengung fehlt uns oft jedes Bed\u00fcrfnis zu essen, zuerst trinken wir, stillen unseren Durst, dann stellt sich der Hunger ein. Bekannt ist das Beispiel von Dr. Aly aus Schweden: 20 Schweden marschierten 10 Tage lang 500 km weit ohne feste Nahrung zu sich zu nehmen, nur etwas Obstsaft (Mineralien) und 3 Liter H2O = Wasser, tranken sie auf dem Marsch.  Entgegen jeder Vorhersage, kamen sie nicht ersch\u00f6pft am Ziel an, sondern bester Laune und mit einem Zuwachs an Kraft und Ausdauer. Im Durchschnitt hatten sie  5-7 kg Gewichtsverlust.<\/p>\n<p><a id=\"Das_Wesen.2C_die_Essenz_.28essentia.29_des_Fastens\" name=\"Das_Wesen.2C_die_Essenz_.28essentia.29_des_Fastens\"><\/a><\/p>\n<h3><span class=\"mw-headline\">Das Wesen, die Essenz (essentia) des Fastens<\/span><\/h3>\n<p>Fasten geh\u00f6rt zur 5. Ordnungsregel &#171;von den Ausscheidungen&#187;. Das Fasten ist eine naturgegebene Form menschlichen Lebens. Das Fasten ist Leben aus k\u00f6rpereigenen Nahrungsdepots. Der Mensch hat zwei energieerzeugende Programme in sich.<\/p>\n<p>1. die Aufnahme von Nahrungsmitteln, 2. die Ern\u00e4hrung aus den K\u00f6rperdepots. Aus den Depots werden Fett und Eiwei\u00df der inneren Verdauung zugef\u00fchrt das ist der Fastenstoffwechsel. Dabei entstehen Ausscheidungen, Endprodukte und Kraft (Energie) und W\u00e4rme. Fasten bedeutet, da\u00df der Organismus durch innere Ern\u00e4hrung und Eigensteuerung weitgehend selbst\u00e4ndig ist.<\/p>\n<p>Fasten ist eine Verhaltensweise von selbst\u00e4ndigen Menschen, die sich frei entscheiden k\u00f6nnen. Fasten betrifft den ganzen Menschen, jede einzelne seiner K\u00f6rperzellen, seine Seele und seinen Geist. Fasten ist die beste Gelegenheit, in Form zu bleiben oder wieder in Form zu kommen. Au\u00dferdem hilft es jedem Menschen, seine Lebensweise zu \u00e4ndern, falls es n\u00f6tig ist.<\/p>\n<p>Ganz wichtig ist das Umschalten von Essen auf Fasten, dies geschieht von selbst, die Programme laufen automatisch ab. Die richtige Umschaltung von Energieprogramm 1 auf Energieprogramm 2 wird bewu\u00dft vorbereitet: Durch das Wissen um die Ungef\u00e4hrlichkeit des Fastens, durch das Wissen um die im Menschen vorprogrammierten F\u00e4higkeiten zum Fasten und durch den aus freiem Willen gefassten Entschlu\u00df fasten zu wollen.<\/p>\n<p>Eine Ausleitung \u00fcber den Darm kann sowohl mit Bittersalz als auch durch viel trinken erm\u00f6glicht werden.<\/p>\n<p>Der Erstfaster macht die \u00fcberraschende Erfahrung, da\u00df er keinen Hunger hat, sich wohl f\u00fchlt und leistungsf\u00e4hig ist, somit w\u00e4chst das Vertrauen in die automatische Selbststeuerung des K\u00f6rpers.<\/p>\n<ul>\n<li>1.Wenn das Energieprogramm 1 eingeschaltet ist, dann bedeutet das:<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hunger als Signal des K\u00f6rpers: Ich warte auf Nahrung. Ich bin auf die Nahrungsaufnahme vorbereitet, ich produziere Speichel und verschiedene Verdauungss\u00e4fte. Fehlt die Nahrungszufuhr, dann wird das Signal Hunger zu einem unangenehmen Zustand. Einem K\u00f6rpergef\u00fchl, das wir bohrend in der Magengrube sp\u00fcren, d.h. wir hungern. Dies kann zu Kreislaufschw\u00e4che, Schwindel, Zittern, \u00dcbelkeit, Kollaps und Schwei\u00dfausbruch f\u00fchren (ein Glas Saft beseitigt dies sofort).<\/p>\n<ul>\n<li>2. Sattsein hei\u00dft den k\u00f6rperlichen Hunger gestillt zu haben. Hier gibt es h\u00e4ufig psychosomatische Krankheiten: Fettsucht, Hypertonie, Magersucht, Diabetes, Migr\u00e4ne, Allergien. Appetit oder Hunger mu\u00df keineswegs nur ein Verlangen nach Nahrung sein, es kann auch ein Verlangen nach Liebe, Geborgenheit, nach Anerkennung und nach Selbstbest\u00e4tigung sein. Andere wiederum nehmen zu, sie werden dick oder stoffwechselkrank, weil sie unbewusst versuchen, diese seelischen Bed\u00fcrfnisse durch Essen und Trinken, oder durch Rauchen und Alkohol zu stillen, das hei\u00dft alles zu kompensieren. Merke: Alles was kr\u00e4nkt macht krank.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>3. Wenn wir das Energieprogramm 2 eingeschaltet haben, dann fasten wir und sp\u00fcren keinen Hunger, weil uns die innere Energiequelle versorgt. So lange unser Nahrungsdepots reichen, k\u00f6nnen wir fasten. Nebenbei schaltet der K\u00f6rper auf das eigene Nebennierenhormon um und sch\u00fcttet k\u00f6rpereignes Cortison aus, das gegen alle entz\u00fcndlichen  Zust\u00e4nde hilft. Auch das Hochgef\u00fchl beim richtigen Fasten kommt daher.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Alle Organe des Gesunden arbeiten auch beim Fasten, genau so sicher und selbstverst\u00e4ndlich wie sonst. Deshalb ist fasten leichter als weniger essen. Denn beim FDH-Programm ist das Energieprogramm 1 eingeschaltet, dabei bekommt der K\u00f6rper weniger und versp\u00fcrt den Hunger. Jeder Mensch hat die F\u00e4higkeiten zum Umschalten in sich. Die Umschaltf\u00e4higkeit mu\u00df nur ge\u00fcbt und neu erfahren werden. Der fastenerfahrene K\u00f6rper schaltet schneller um sobald Nahrung abgesetzt wird.<\/p>\n<ul>\n<li>4. Dem Fasten-Erfahrenen gelingt eine Mittelstellung zwischen Energieprogramm 1 und 2, d.h. also mit einer Reduktionskost zu leben. Er kann Energie aus der Nahrung und  aus den k\u00f6rpereigenen Depots ziehen und kann so ohne Hunger zu haben, leben: Fasten ist nicht hungern und wer hungert, fastet nicht. daraus folgt, Fasten ist Leben ohne Nahrung auf Zeit und ist ein rein nat\u00fcrlicher Zustand unseres Lebens.<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr viele Menschen ist es unfa\u00dfbar ohne Nahrung zu leben und zu arbeiten. Sie bef\u00fcrchten Krankheit und Tod. In der Tierwelt ist Fasten die M\u00f6glichkeit zu \u00fcberleben, wenn es nichts gibt. Das Hochgebirgswild, Gemse, Steinbock, Hirsch, Murmeltier, alle fressen sich im Herbst eine gute Schicht Winterspeck an, und \u00fcberleben den harten Winter mit Eis und Schnee ohne weitere Nahrung. Bei den Fischen und V\u00f6geln ist es so \u00e4hnlich<\/p>\n<p>Die B\u00e4renmutter und ihre Jungen fasten monatelang in ihrer H\u00f6hle. Der Lachs nimmt in der anstrengenden Flussaufw\u00e4rtswanderung keine Nahrung zu sich. Zugv\u00f6gel haben vor dem Abflug in den S\u00fcden das doppelte Gewicht. Mit dem Kraftstoff Fett bew\u00e4ltigen sie Nonstoppfl\u00fcge bis zu 5000 km L\u00e4nge, dann ist ihr Gewicht wieder normal.<\/p>\n<p>Durch Fasten entsteht eine biologische F\u00e4higkeit des \u00dcberlebens. Ganze V\u00f6lker w\u00e4ren ohne diese F\u00e4higkeit schon l\u00e4ngst ausgestorben. Der Weg zu Verhungern ist lang. Bei den Naturv\u00f6lkern Afrikas und  den Aborigines in Australien gibt es noch die alten Naturgesetze: Zeiten des Vorrats und Zeiten des Abbruchs. Die Geschichte der Hunzas ist besonders dramatisch. Die Hunzas sind ein altes Kulturvolk und leben in einem Hochtal des Himalaja. Sie sind ein Beispiel daf\u00fcr, da\u00df Fasten mehr sein kann als nur ein nacktes \u00dcberlebensprogramm. Der Boden gab wenig Ertrag, so mu\u00dften alle Menschen 1-2 Monate lang fasten. Sie waren trotzdem zufrieden, fr\u00f6hlich, und sie arbeiteten und besserten die zerst\u00f6rten Bew\u00e4sserungsgr\u00e4ben wieder aus. Jetzt ist das Tal der westlichen Zivilisation zug\u00e4nglich geworden. Haltbare Nahrungsmittel wurden eingef\u00fchrt, Wei\u00dfmehl, Zucker, Konserven. Jetzt braucht das Volk nicht mehr zu hungern, denn es fastet nicht mehr. Konsequenz: die nat\u00fcrliche Ordnung ist gest\u00f6rt. Es gibt nun auch dort die typischen Zivilisationskrankheiten wie Zahnf\u00e4ule, Gallenleiden, \u00dcbergewicht, Diabetes und viele chronische Krankheiten. Die Menschen brauchen jetzt nicht nur den Arzt, sondern auch den Polizisten. Die Gesundheit ihres K\u00f6rpers, ihres Verhaltens, ihres Denkens, ihrer Emotionen ist zerst\u00f6rt. Das Schlimmste ist dabei die Zerst\u00f6rung der ethischen Werte.<\/p>\n<p><a id=\"Die_Wurzeln_des_religi.C3.B6sen_Fastens\" name=\"Die_Wurzeln_des_religi.C3.B6sen_Fastens\"><\/a><\/p>\n<h3><span class=\"mw-headline\">Die Wurzeln des religi\u00f6sen Fastens<\/span><\/h3>\n<p>Der Mensch dankt Gott f\u00fcr die M\u00f6glichkeit zu \u00fcberleben und satt zu werden. Fasten wird als Weg zu innerer Ordnung als Wegfindung zum Ziel und wird als Individuation erlebt. Alle gro\u00dfen Religionsstifter wie Buddha, Moses, Christus, Mohamed, haben durch Fasten zu Grundordnungen des Daseins gefunden. Fasten mu\u00df freiwillig sein, wenn es erzwungen wird, ruft fasten Hunger und Widerstand hervor. In den Kirchen heute werden die Fastenaufrufe durchl\u00f6chert. Es bleiben nur erstarrte sinnentleerte Formeln zur\u00fcck.<\/p>\n<ul>\n<li>Fasten heute<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir sollten den Wert des Fastens neu entdecken. Der beste Weg dazu ist: Fasten selbst erleben. Es geht darum, aufgeschlossen f\u00fcr Neues zu sein, die Bereitschaft zu haben, es auszuprobieren und den festen Entschluss zu fassen, es durchzuhalten.<\/p>\n<ul>\n<li>Die 4 plus 1 Grundregeln des Fastens:<\/li>\n<\/ul>\n<dl>\n<dd>1. Nichts essen f\u00fcr 1, 2,  3 Wochen, nur trinken: Tee, Gem\u00fcsebr\u00fche, Obst-, Gem\u00fcse-S\u00e4fte und Wasser, so viel der Durst verlangt.<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dd>2. Alles weglassen was nicht lebensnotwendig ist: d.h. alles was uns zur Gewohnheit geworden ist und uns schaden kann, besonders w\u00e4hrend des Fastens: Nikotin, Kaffee, Alkohol, S\u00fc\u00dfigkeiten, Medikamente, soweit entbehrlich, Abf\u00fchrmittel, Appetitz\u00fcgler, Entw\u00e4sserungstabletten.<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dd>3. Sich vom Alltag l\u00f6sen: Weg vom Terminkalender und Telefon, heraus aus beruflichen und famili\u00e4ren Bindungen. Verzicht auf Illustrierte, Radio, Fernseher, Computer, Internet. Statt Reiz\u00fcberflutung von au\u00dfen, Begegnung mit sich selbst. Statt Au\u00dfensteuerung, sich der Innensteuerung \u00fcberlassen.<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dd>4. Sich nat\u00fcrlich verhalten. All das tun, was dem K\u00f6rper gut tut und wonach der K\u00f6rper verlangt. Der Ersch\u00f6pfte soll sich ausschlafen, der Bewegung liebende soll wandern, Sport treiben, Schwimmen, Langlaufen,<\/dd>\n<\/dl>\n<p>plus: Das tun was Spass macht, lesen, tanzen, Musik h\u00f6ren, bummeln, Hobbys pflegen.<\/p>\n<p><a id=\"Grunds.C3.A4tzliches\" name=\"Grunds.C3.A4tzliches\"><\/a><\/p>\n<h3><span class=\"mw-headline\">Grunds\u00e4tzliches<\/span><\/h3>\n<p>Fasten hat nichts zu tun mit Entbehrung und Mangel, fasten bedeutet nicht weniger essen, fasten meint nicht Abstinenz von Fleisch am Freitag, das w\u00e4re nur Verzicht, fasten hat nichts mit &#171;Schw\u00e4rmerei&#187; von Sektierern zu tun, fasten ist auch nicht notwendigerweise mit Religion verbunden. Religion kann allerdings ein starkes Motiv sein.<br \/>\nNach dem Ausfasten kommen die Aufbauzeiten. Was man jetzt dazu nehmen will, bestimmt man selbst. Wichtig ist, da\u00df die Menge langsam gesteigert wird. Es sollen auch noch nicht zu viele verschiedene Speisen sein. Erst soll man hinsp\u00fcren, wie es duftet und abwarten, dann erst nehmen. Reagiert der K\u00f6rper schlecht auf das Neue, sofort wieder weglassen. Nie ist der K\u00f6rper so sensibel, auf das was er nicht vertr\u00e4gt, wie nach dem Fasten.<\/p>\n<p>Die Tugend des rechten Ma\u00dfes dr\u00fcckt sich auch in der Esskultur aus. Da\u00df wir essen d\u00fcrfen, ist etwas sch\u00f6nes. Zum Essen geh\u00f6rt ein Tisch an dem man im Zeichen des Mahles sitzen und essen kann. Wir sitzen zusammen in Harmonie und freuen uns \u00fcber die K\u00f6stlichkeiten. Zu-sammen essen  macht erst eine Familie, zu der man geh\u00f6ren darf.<\/p>\n<p>Jetzt kann wieder auf normale Kost \u00fcbergegangen werden. Wer schlau ist, macht die alten Fehler nicht wieder und richtet sich nach dem, was der K\u00f6rper antwortet. Der Mensch mu\u00df verdauen, ob er will oder nicht, deshalb ist der Darm das Organ, das am schnellsten zeigt, wenn man ma\u00dflos gewesen ist. Alles, was der Darm nicht verarbeiten kann, lagert sich als Schlacken im K\u00f6rper ab, extrem dann, wenn die K\u00f6rperma\u00dfe \u00fcberlappen.<br \/>\n<i>Womit Sie in der Ern\u00e4hrung nach Hildegard nie etwas falsch machen k\u00f6nnen, ist mit dem Dinkel.<\/i><br \/>\nHier ist der Platz, an dem das Wort Subtilit\u00e4t erl\u00e4utert werden soll. Das bedeutet, die Kraft, die aus der Natur kommt, die der Sch\u00f6pfer in jedes einzelne Gesch\u00f6pf hineingelegt hat, das was zur Heilung und in der Ern\u00e4hrung zu Gr\u00fcnkraft und Sch\u00f6nheit f\u00fchren soll.<\/p>\n<p>Wenn der Mensch  seine Nahrung erst beschnuppern w\u00fcrde, wie die Tiere das tun, k\u00f6nnte er sehr schnell feststellen, was ihm gut tut. Hier erkennt er was das Kraut oder das Korn f\u00fcr ihn bereit hat, gutes oder b\u00f6ses, Bek\u00f6mmlichkeit oder Tod. Denn  &#171;wo die Frage nicht ist, kann auch die Antwort nicht sein, im heiligen Geiste&#187;. So sagt Hildegard.<\/p>\n<p>In Hildegards K\u00fcche gibt es Lebensmittel und Nahrungsmittel. Lebensmittel, sollen Leben erhalten und Nahrungsmittel sollen den Menschen Freude bescheren und gutes Aussehen verleihen. Das Essverhalten ist bei Hildegard der Ausdruck eines leib-seelischen Geschehens. Bei Hildegard gibt es ungef\u00e4hr 100 Lebensmittel und Nahrungsmittel, die f\u00fcr gesunde und kranke Menschen gut zu essen sind. Verschiedene Mittel wirken wie Heilmittel auf die ihnen zugeh\u00f6rigen Organe und Organbereiche.<\/p>\n<p>Wenn man sich f\u00fcr diese Beschaffenheiten interessiert und sie ber\u00fccksichtigt in seinem Ern\u00e4hrungsplan, steht man schon viel besser da, als wenn man einfach unbesehen alles in sich hineinschlingt. In der Physica, der Naturkunde Hildegards, findet man bei jedem Mittel, wie es ist. Das ist kein Geheimnis, sondern hat etwas mit Fleiss zu tun, sich das Wissen anzueignen.<\/p>\n<p>Beim Fasten mu\u00df man besonders auf die Haut achten. Die Haut ist das Kost\u00fcm der Seele. Auf ihr manifestieren sich die psychosomatischen Probleme. Es gibt viele Redewendungen zum Thema Haut: Es geht einem etwas unter die Haut, man spricht von einem d\u00fcnnh\u00e4utigen Menschen oder auch von einem Dickh\u00e4uter, jemand hat ein dickes Fell, oder er ist eine ehrliche Haut. Einer mu\u00df seine Haut zu Markte tragen oder er err\u00f6tet vor Scham. Die Haut ist die Grenzfestigung zum Innenleben. Der Hautsinn ist unser 5. Sinn und steht f\u00fcr das F\u00fchlen. Die Pflege der Haut ist beim Fasten etwas ganz Wichtiges. Die Haut vermittelt Kontakt und Z\u00e4rtlichkeit, aber sie ist auch Organ f\u00fcr Ber\u00fchrungs\u00e4ngste. Hautatmung ist so wichtig wie Lungenatmung. Wenn die Haut nicht atmen kann, erstickt der Mensch. Die Haut ist ein Schutzschild, Isolationsschicht bildend, was zum Gef\u00e4ngnis der Seele werden kann. Man kann &#171;aus der Haut fahren k\u00f6nnen&#187; . \u00dcber die Haut kann aber auch menschliche W\u00e4rme und Zuwendung vermitteln werden. Ganz sensibel ist die Ber\u00fchrung mit der Haut, ebenso die Wahrnehmung und der hoch entwickelte Tastsinn. Die Haut ist Ausdruck von Innen, ist Spiegel der seelischen Innenwelt. Was kann allein die Farbe des Gesichtes ausdr\u00fccken! Die Haut des Menschen kann oft zur Klagemauer der Seele werden. Die Haut kann auch richtig zornig werden, das wird sichtbar durch die verschiedenen Hautentz\u00fcndungen, es brennt wie Feuer.<\/p>\n<p>Dermatitis heisst Grenzen \u00f6ffnen, verteidigen. Neurodermitis, Schuppenflechte, Blasensucht sind Krankheiten die \u00fcber die Seele laufen, sie bilden nach Aussen hin ein Zeichen, wie Panzer, Feuer oder auch weinen, bei einer seelischen Lage die zum weinen ist, wo aber keine Tr\u00e4ne fliessen darf. Krebs der Haut ist  grenzenlos, w\u00e4chst ohne R\u00fccksicht in alles hinein, z.B. das Melanom. Dabei ist das geistig-seelische Wachstum lange unterbrochen und blockiert es, so dass es im K\u00f6rper nun fulminant losschl\u00e4gt. Der Mensch ist zu weit von sich selbst weggekommen, er zeigt einen grossen Mangel an geistigem Wachstum. Es gibt viele Ursachen f\u00fcr Krebs. Der Mensch der an Krebs leidet, ist von seiner eigenen Entwicklungsspur zu weit abgekommen oder es wird von anderen Menschen, von der sozialen Umwelt verursacht, der Mensch findet zu wenig Beachtung und Anerkennung oder zu wenig echte Liebe. Dieser kranke Mensch ist zutiefst einsam und f\u00e4llt in eine tiefe Depression. Es w\u00e4re die Aufgabe zu bew\u00e4ltigen die Ursachen zu finden warum ein Mensch so leiden mu\u00df. Jeder Mensch ist anders und die Ursache wird auch anders sein. K\u00f6nnen wir etwas tun, da\u00df ein Krebs nicht zum Ausbruch kommt? In der Begleitung eines Krebskranken ohne Scheu und Angst, k\u00f6nnen wir helfen, da\u00df sein Los ertr\u00e4glicher wird und da\u00df er vielleicht auf die Ursache seines Leidens st\u00f6sst, das w\u00e4re dann im Effekt die Heilung, von der wir immer wieder h\u00f6ren, da\u00df sie pl\u00f6tzlich  wie ein Wunder geschehen kann. Hildegard sagt: &#171;freiwillig zu verzichten aber nicht zu hungern ist wie der Klang der Zither. Eine sch\u00f6ne Harmonie bricht die Herzensh\u00e4rte auf. Speisen sollen ma\u00dfvoll eingenommen werden und nur so viel, dass die S\u00e4fte nicht austrocknen&#187;.<\/p>\n<p>Und zum Abschluss ein kurzer Vers aus der heutigen Zeit:<\/p>\n<dl>\n<dd>Das Beste kannst du nicht geniessen,<\/dd>\n<dd>wenn es dem Magen nicht gef\u00e4llt.<\/dd>\n<dd>H\u00f6r auf den Guten zu verdriessen,<\/dd>\n<dd>zuerst das rechte Ma\u0178 gew\u00e4hlt!<\/dd>\n<dd>Schau wie die S\u00e4fte fr\u00f6hlich schiessen,<\/dd>\n<dd>weil, was bekommt, uns wohl erh\u00e4lt.<\/dd>\n<\/dl>\n<table class=\"legend-menu\" style=\"text-decoration: none;\" cellspacing=\"4\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"border: 1px solid #000; background-color: #f0ffff; padding-left: 4px; padding-right: 4px; line-height: 1.14em; border-color: #fff #444 #444 #fff;\"><a class=\"external text\" title=\"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/Die_Heilkunde_Hildegards_von_Bingen#Heilmittelkunde\" href=\"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/Die_Heilkunde_Hildegards_von_Bingen#Heilmittelkunde\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">zur\u00fcck zur Hauptseite<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Linkpr\u00fcfung 11.2015, 03.2020<\/p>\n<p><!-- --><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>Bei toten Links bitte Mitteilung an  <a href=\"https:\/\/www.symptome.ch\/members\/james.5353\/\">James<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Sammlung der Vortr\u00e4ge von Dr. Alfons_Berkm\u00fcller \u2020 13.12.2013 zum Thema Hildegard von Bingen &nbsp; &nbsp; 1 Vorwort 2 Handschrift aus 2005 3 Das rechte Ma\u00df 4 Die Grundlage Hildegardischer Ethik 4.1 Was ist im Sinne Hildegards &#171;Mystik&#187; 5 Zum Fasten in der Hildegardheilkunde 5.1 Vorwort 5.2 Eine Meditation \u00fcber das Rad 5.2.1 Das Rad [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2502","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2502"}],"version-history":[{"count":31,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2502\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2579,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2502\/revisions\/2579"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2502"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2502"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}