{"id":14,"date":"2019-11-11T12:53:03","date_gmt":"2019-11-11T12:53:03","guid":{"rendered":"https:\/\/wiki.furti.net\/hildegardmedizin_leben_und_werk\/"},"modified":"2020-03-17T09:45:41","modified_gmt":"2020-03-17T09:45:41","slug":"hildegardmedizin_leben_und_werk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/hildegardmedizin_leben_und_werk\/","title":{"rendered":"Hildegardmedizin Leben und Werk"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"bodyContent\"><a id=\"Gr.C3.BCne_Reihe\" name=\"Gr.C3.BCne_Reihe\"><\/a><\/p>\n<h2><span class=\"mw-headline\">Gr\u00fcne Reihe<\/span><\/h2>\n<p>Vorwort von F. A. Reuss zur Ausgabe der Physica von Daremberg<br \/>\nin der Patrologia Latina Bd. 197<\/p>\n<p>Abgesehen von einer Ausgabe aus dem Jahr 1533 steht als gedruckter lateinischer Text der Physica nur die Fassung zur Verf\u00fcgung, die J. P. Migne 1853 in Paris herausgegeben hat. Dieser Text wurde von Karl Daremberg, dem Leiter der Mazarinischen Bibliothek in Paris, bearbeitet. Reuss schrieb ein Vorwort und verfasste die Fu\u00dfnoten. Er nennt eine Reihe interessanter Einzelheiten zur mittelalterlichen Klostermedizin und zeigt u.a., dass der Streit um die Echtheit der Schrift schon eine lange Tradition hat. Seine Ausf\u00fchrungen werden nachstehend in deutscher \u00dcbersetzung widergegeben. Pflanzennamen wurden vom \u00dcbersetzer in Klammern verdeutlicht. Fu\u00dfnoten, die nur Verweise auf \u00e4ltere Literatur bringen, wurden weggelassen.<\/p>\n<p>So wie in uralten Zeiten in \u00c4gypten und Griechenland das Gottesgeschenk der Heilkunst wie eine himmlische Lehre in Tempeln und von Priestern ausge\u00fcbt worden war, so lag sie auch w\u00e4hrend des ganzen Mittelalters in der Hand von Kl\u00f6stern und von M\u00f6nchen. Sie \u00fcbten sie mit gr\u00f6\u00dfter Kunstfertigkeit aus, nachdem das Abendland christlich geworden war, nachdem in den bisher vernachl\u00e4ssigten Gebieten Pflanzen verschiedener Art heimisch gemacht worden waren und nachdem sich die rauhen Sitten der Einwohner durch die Besch\u00e4ftigung mit Wissenschaft und Kunst zu mildern begonnen hatten.<\/p>\n<p>Alles was aus dem Altertum \u00fcber die Heilkraft nat\u00fcrlicher Substanzen und \u00fcber die segensreiche, g\u00f6ttliche Kunst der Heilung durch die Hand \u00fcberliefert ist, verdanken wir dem Flei\u00df der alten M\u00f6nche, die neugierig die Natur erforschten und das \u00fcberlieferte Wissen fromm bewahrten und vermehrten.<\/p>\n<p>Gest\u00fctzt auf die Autorit\u00e4t der Kirche verehrten manche Menschen Heilige als Besch\u00fctzer der gesamten Heilkunst, wie z.b. Kosmas, Damian und Pantaleon, die zu ihren Lebzeiten ber\u00fchmte \u201erzte gewesen waren. Ebenso begannen viele diese Himmlischen als wirksame M\u00e4chte bei bestimmten Arten von Krankheiten in Gebeten anzuflehen und nat\u00fcrlich auch den Patron aller Kranken, n\u00e4mlich Christophorus, der vor unversehenem Tod sch\u00fctzt und dessen Bild deshalb mit folgender Inschrift an alten Geb\u00e4uden zu sehen ist:<\/p>\n<p>&#171;Wann immer ich erblick &#8211; Christophori Gesicht,<br \/>\nwei\u00df ich, es holet heut der schlimme Tod mich nicht.&#187;<br \/>\noder:<br \/>\n&#171;Heiliger Christophorus, du hast so viel Macht,<br \/>\nwer dich in der Fr\u00fche sieht, auch am Abend lacht.&#187;<\/p>\n<p>Patricium gegen den Biss von wilden Hunden und Schlangen, Liborium gegen Harnsteine, bei Pest Rochum, bei Podagra Urbanum, bei Halsweh Blasium , bei Zahnweh Apolloniam, bei Syphilis Minum oder auch Crescentiam, alles was hilft Krankheiten zu heilen mit Ausnahme von Aussatz, au\u00dferdem vieles andere (Siehe Anhang *1), ganz zu schweigen von den unz\u00e4hligen Heilmitteln, die zu den Alt\u00e4ren und Gr\u00e4bern der Heiligen in allen L\u00e4ndern der Welt geh\u00f6ren. Die M\u00f6nche weihten die verschiedenen Arten von Pflanzen, die von jeher zu den Klosterg\u00e4rten geh\u00f6rten oder die sie von au\u00dferhalb bezogen und angebaut hatten, einzelnen Heiligen als deren Besch\u00fctzer und gaben ihnen Beinamen zur Verdeutlichung und als Zeichen der Dankbarkeit. Solche Namen sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Christauge = Myosotis scorpioides L. (Vergissmeinnicht)<\/li>\n<li>Marienrose = Paeonia officinalis L. (Pfingstrose)<\/li>\n<li>Marienblume = Bellis perennis L. (G\u00e4nsebl\u00fcmchen)<\/li>\n<li>Mariendistel = Carduus Marianus L.<\/li>\n<li>Marienschuh = Cypripedium Calceolus L. (Frauenschuh)<\/li>\n<li>Mariensiegel= Polypodium vulgare L. (Engels\u00fc\u00dfwurzel)<\/li>\n<li>Marienstroh = Galium Mollugo et verum L. (Labkraut)<\/li>\n<li>Barbarakraut = Erysimum Barbarea L. (Winterkresse)<\/li>\n<li>Katharinenkraut = Antirrhinum linaria L. (Frauenflachs)<\/li>\n<li>Margaretenkraut = Anemone Silvestris L. (Windr\u00f6schen)<\/li>\n<li>Kunigundenkraut = Eupatorium cannabium L.<\/li>\n<li>Klarakraut = Valeriana officinalis L. (Baldrian)<\/li>\n<li>Pauluskraut = Primula veris L. (Himmelschl\u00fcssel)<\/li>\n<li>Jakobskraut = Senecio Jacobaeus L. (Jakobs-Baldgreis)<\/li>\n<li>Quirinskraut = Tussilago Farfara L. (Huflattich)<\/li>\n<li>Gerhardskraut = Aegopodium Podagraria L. (Giersch)<\/li>\n<li>Ruprechtskraut = Geranium Robertianum L.<\/li>\n<li>Johanniskraut = Hypericum perforatum L.<\/li>\n<li>Antoniuskraut = Plumbago vulgaris L. (Grasnelke )<\/li>\n<li>Zachariaskraut = Centaurea Cyanus L. (Kornblume)<\/li>\n<li>Kreuzkraut = Nicotiana Tabacum L. (Virginischer Tabak)<\/li>\n<li>Ignatiusbohne = Strychnos nux vomica L. (Kr\u00e4henbaum, Brechnussbaum)<\/li>\n<li>Heiliggeistwurzel = Angelica Archangelica L. (Engelwurz)<\/li>\n<li>Christuslanze = Ophioglossum vulgatum L . (Natterzunge)<\/li>\n<li>Guter Heinrich = Chenopodium bonus Henricus L.<\/li>\n<li>Salomonssiegel = Convallaria polygonatum L.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Von Karl dem Gro\u00dfen berichtet die Sage, dass ihm ein Engel Carlina acaulis L. (Rosskopfstaude), ein hervorragendes Mittel bei Pest, gezeigt habe.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber dem Teufel, dem alten Feind des Menschengeschlechts, verlieren die Pflanzen ihre Heilkraft und k\u00f6nnen den Kranken nicht helfen. Man glaubte aber fest daran, dass er durch eine Pflanze in die Enge getrieben w\u00fcrde, die gew\u00f6hnlich &#171;Abbiss&#187; oder &#171;Teufelsbiss&#187; genannt wird, n\u00e4mlich Scabiosa succisa L., (Teufelsabbiss) nach Braunfels, Herbar.II, 50.Teufelsbiss wird sie genannt, weil ihre Wurzel unten einen Biss zeigt, der der Sage nach vom b\u00f6sen Geist stammen soll. \u00dcberall, wo die Pflanze w\u00e4chst, beginnt dieser sofort, sie auszugraben oder auszurei\u00dfen, damit der Mensch sie nicht gebrauchen kann.<\/p>\n<p>Man glaubte, dass den gleichen D\u00e4mon, wenn er die H\u00e4user bedroht, das durchl\u00f6cherte Hypericum oder Johanniskraut in die Flucht schl\u00e4gt. Von daher hat die sog. &#171;D\u00e4monenflucht&#187;, Hypericum perforatum L., ihren Namen &#8211; eine Pflanze mit gro\u00dfer Kraft in der antiken Magie, gleichsam eine Pflanze mit \u00fcbernat\u00fcrlicher Kraft. Dioscorid. III, 146.(*2)<\/p>\n<p>Die Namen vieler Arten beziehen sich auf ihre spezielle Natur und Kraft, z.B:<\/p>\n<ul>\n<li>Gratiosa ( w\u00f6rtlich: Gunstkraut, deutsch. Gnadenkraut) = Gratiola officinalis L.<\/li>\n<li>Centummorbia (w\u00f6rtlich: Hundertkrankheitskraut, deutsch: rundbl\u00e4ttriger Friedlos, Pfennigkraut) = Lysimachia nummularia L.<\/li>\n<li>Sanguisorba (deutsch Wiesenknopf, Pimpinelle, Gartenbibernelle) = Poterium Sanguisorba L.<\/li>\n<li>Ocularia ( w\u00f6rtlich: Augenkraut, deutsch: Augentrost) = Euphrasia officinalis L.<\/li>\n<li>Urinaria (w\u00f6rtlich: Harnkraut, deutsch: Hauhechel oder Weiberkrieg) = Ononis Spinosa L.<\/li>\n<li>Rheumatrica (w\u00f6rtlich: Schnupfenkraut, deutsch: Wiesenkranichschnabel) = Geranium pratense L.<\/li>\n<li>Ulceraria (w\u00f6rtlich: Geschw\u00fcrskraut, deutsch: schwarzer Gottverge\u0178) = Ballota nigra L.<\/li>\n<li>Herniaria (w\u00f6rtlich: Leistenbruchkraut, deutsch: kahles Tausendkorn) = Herniaria glabra L.<\/li>\n<li>Cruciata (w\u00f6rtlich: Kreuzkraut, deutsch: Kreuzenzian) = Gentiana cruciata L. (Fuschs. Stirp. 158, weil die Wurzel kreuzf\u00f6rmig durchbohrt ist.)<\/li>\n<li>Aquilina (w\u00f6rtlich: Adlerkraut, deutsch: Adlersaumfarn) = Pteris aqilina L.<\/li>\n<li>Herba paralysis (w\u00f6rtlich L\u00e4hmungs-\/ Krampf-\/ Schlagflu\u0178-\/ Gichtkraut) = Primula veris L. &#8211; und viele andere.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Taraxacum (die Kuhblume) wird M\u00f6nchshaupt oder M\u00f6nchskrone genannt. Vom Karth\u00e4userorden hat Dianthus Carthusianorum L: (Karth\u00e4usernelke) seinen Namen. Die M\u00f6nche pr\u00e4gten sich die Kr\u00e4fte dieser Pflanzen mithilfe der Merkverse Leos ein:<\/p>\n<dl>\n<dd>&#171;Der Boretsch spricht, stets freu ich mich.<\/dd>\n<dd>Mit Milch f\u00fcllt sich die Wolfsmilch an, milchlos w\u00e4chst Leinkraut nebendran.<\/dd>\n<dd>\u00dcblen Geruch l\u00e4\u00dft Amarist entweichen, auch Kamille tut desgleichen.<\/dd>\n<dd>Gro\u00df-Bibernelle ist behaart, Klein-Bibernell &#8211; von andrer Art.<\/dd>\n<dd>Ireos bl\u00fcht wei\u00df und Iris tr\u00e4gt Purpur,<\/dd>\n<dd>Gladiole bl\u00fcht safran, aber Spathula stinkt nur.<\/dd>\n<dd>Es gibt bei uns kein bessres Kraut als den Tabak, soweit man schaut.&#187;<\/dd>\n<dd>&#8211; und derartiges.<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Wie sehr zu Zeiten Karls die kl\u00f6sterliche Medizin in Bl\u00fcte stand, das zeigt das entz\u00fcckende Gedicht des Walafrid, das den Titel Hortulus (Garten ) tr\u00e4gt und das gleichsam die sanfte Stille kl\u00f6sterlichen Lebens und kl\u00f6sterlicher Besch\u00e4ftigung atmet. Zu demselben Benediktinerorden geh\u00f6ren die bekannten M\u00f6nche Constantinus Africanus (*3), M\u00f6nch in Monte Cassino, gestorben 1087; Aegidius Carboliensis, Meister der Harnuntersuchung von gr\u00f6\u00dfter Erfahrung; Bartholomaeus Anglicus und viele andere. Zum weltlichen Klerus geh\u00f6rten Marbodus, Praesul (= Pr\u00e4lat, Bischof oder Erzbischof) von Rennes und Bischof Theobald; zum Orden der Dominikaner geh\u00f6rte der ber\u00fchmte Albertus Magnus, ein Universalgelehrter wie Aristoteles oder Plinius.<\/p>\n<p>Alle Kleriker aber, die sich im Mittelalter der Heilkunst widmeten und dar\u00fcber B\u00fccher schrieben, \u00fcberragt die hl. Hildegard, der nach des Theodor Zeugnis die Gabe des Heilens in so reichem Ma\u00df gegeben war, dass kaum ein Kranker zu ihr gekommen ist, der nicht gesund geworden und geblieben w\u00e4re.(*4)<\/p>\n<p>Unter den prophetischen B\u00fcchern, die von der Jungfrau \u00fcberliefert sind, ragt eines hervor, das sich teils mit der Natur, teils mit der Medizin besch\u00e4ftigt: De natura hominis, elementorum diversarumque creaturam.<\/p>\n<p>In diesem Buch offenbart sie, wie derselbe Theodor im einzelnen darlegt, die Geheimnisse der Natur mit seherischem Geist.<\/p>\n<p>Dieses Buch wird immer einen hervorragenden Platz in der Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften verdienen. Die hl. Jungfrau Hildegard berichtet hier aufgrund eines g\u00f6ttlichen Gebotes umfassend von den Offenbarungen in die heiligen Geheimnisse der Natur, die sie aufgrund sorgf\u00e4ltigster Betrachtung und genauer Kenntnis der Dinge in einer verh\u00fcllten und geheimnisvoll verborgenen Form geschaut hat. Hildegard hat schon vieles gewusst, was anderen mittelalterlichen Autoren unbekannt war und was kluge Forscher neuerer Zeit wiederentdeckt und als neu vorgestellt haben. Was Hildegard als erste erkannte, kann schlie\u00dflich noch klarer aus ihrem Buch Divinorum operum simplicis hominis ersehen werden, das viel Neues \u00fcber den Organismus der ganzen Welt, die Natur des Menschen, der Krankheiten, des Einflusses der Winde und Sterne enth\u00e4lt. Dazu braucht es aber grossen und unerm\u00fcdlichen Flei\u00df, ebenso wie eine Kenntnis der gesamten Werke der hl. Hildegard, in denen sie in ihrer besonderen, keinem anderen Autor eigenen Redeweise (*5), das Universum des ganzen Erdkreises systematisch erforscht. Es haben zwar verschiedentlich manche zu leugnen gewagt, dass die B\u00fccher De natura hominis, elementorum, diversarumque creaturarum bzw. Simplicis et compositae medicinae, die zwischen den Jahren zwischen 1150 und 1160 geschaffen worden sind, wirklich von der hl. Hildegard stammen, doch wird dies an einer Stelle ihres Liber vitae meritorum im unver\u00f6ffentlichten Wiesbadener Kodex mit folgenden Worten best\u00e4tigt: &#171;Die gleiche Schau zeigte mir die Feinheiten der verschiedenen Gesch\u00f6pfe der Natur, damit ich sie erkl\u00e4re.&#187; Parallele Stellen, \u00fcbereinstimmende Aussagen, \u00e4hnliche W\u00f6rter kommen sehr h\u00e4ufig in diesen medizinischen B\u00fcchern und in den Briefen und anderen Schriften vor, die unter dem Namen der hl. Hildegard \u00fcberliefert sind und zeigen, dass alle diese Werke von ein und derselben Autorin stammen. Das medizinische Werk der hl. Hildegard, dessen Handschriften der Stra\u00dfburger Kanonikus Bruno im Ruprechtskloster, der M\u00f6nch Alberich aber in Stra\u00dfburg gesehen haben, kannte der ber\u00fchmte W\u00fcrzburger Abt J. Trithemius vom Schottenkloster St. Jakob am besten und sch\u00e4tzte es au\u00dferordentlich (*6). Er lie\u0178 sich das Original, das auf dem Rupertsberg aufbewahrt wurde abschreiben.<\/p>\n<p>Die Stra\u00dfburger Handschrift wurde zum erstenmal von J. Schott in Stra\u00dfburg gedruckt und zwar am 14. Januar 1533 in dem Band mit dem Titel: Physica S. Hildegardis. Elementorum, Fluminum aliquot Germaniae, Metallorum, Leguminum, Fructuum, et Herbarum: Arborum, et Arbustorum: Piscium denique, Volatilium, et Animantium terrae naturas et operationes IV Libris mirabili experientia posteritati tradens. Dieser Ausgabe sind kleinere medizinische Werke in lateinischen Versen von Oribasius, Theodoros und Aesculap angef\u00fcgt. Sie folgen vier ausgew\u00e4hlten B\u00fcchern der Physica. Das erste enth\u00e4lt in 22 Abschnitten Elementorum, Fluminumque aliquot Germaniae, Metallorum item naturas et operationes, das zweite in 179 Abschnitten Leguminum, Fructuum et Herbarum: das dritte in 53 Abschnitten Arborum et Arbustorum naturas et effectus. Das vierte schlie\u00dflich ist in drei B\u00fccher gegliedert: Zuerst in 25 Abschnitten die Naturgeschichte und Heilwirkung der Fische, dann in 53 Abschnitten die der V\u00f6gel. Dann folgt im dritten schlie\u00dflich in 44 Abschnitten die der Tiere auf dem Land. Schlie\u00dflich ist im Jahre 1544 in der Experimentario des G. Kraut diese Ausgabe, bei der offensichtlich ein Schreiber aus einer Handschrift sehr viele W\u00f6rter schwierigerer Lesart fehlerhaft abgeschrieben hat ganz verworfen worden. Wo diese Handschrift verblieben ist, die nun nirgends mehr auffindbar ist, wissen wir zu unsrem gro\u00dfen Bedauern nicht. Beide Ausgaben der Physica sind heutzutage selten geworden.<\/p>\n<p>Der Text unserer Ausgabe richtet sich hauts\u00e4chlich nach der alten Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, Folioband 75, Nr. 6952 der Kaiserlichen Bibliothek zu Paris, die schon von dem ber\u00fchmten Haller in Bibl. bot. I. 218 gelobt worden ist. Ihre Abschrift &#8211; voller Fehler &#8211; die hierf\u00fcr transskribiert wurde (*7) , hat mir liebensw\u00fcrdigerweise Dr. C. Daremberg, der Leiter der Mazarinischen Bibliothek und hervorragender Arzt und Philologe, \u00fcbermittelt. Ihm ist zu danken, wenn nun dieses bedeutende Werk der hl. Hildegard in urspr\u00fcnglicher Form vollst\u00e4ndig gedruckt werden kann. Altert\u00fcmliche Schreibweisen wurden im allgemeinen beibehalten. Zu den wenigen Ausnahmen geh\u00f6ren Schreibweisen wie comedere und comestus anstatt commedere und commestus, his statt hiis oder offensichtliche Fehler des Schreibers wie hyeme, amentia statt hieme, amendia u.s.w.<\/p>\n<p><b>(*) Anhang<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>1 Hierher geh\u00f6rt auch der Veitstanz und das Antoniusfeuer. Siehe: Haeser, Geschichte der Medizin, \u00a7 236<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>2 Hypericum (Johanniskraut) wird zusammen mit Eryngium campestre L. (Feld-Mannstreu) und Stachys recta L. (gerader Ziest) als Liebestrank verwendet.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>3 Es gibt einige Verse \u00fcber die Wirkung der Skabiose (Scabiosa arvensis et Columbaria L.), die unter dem Namen von Papst Urban II (gest. 1099) \u00fcberliefert und im Pergamentkodex von Salern enthalten sind, der im 14. Jahrhundert verfa\u0178t wurde und in der Kaiserlichen. Bibliothek in Wien aufbewahrt wird:<\/li>\n<\/ul>\n<dl>\n<dd>&#171;Der St\u00e4dter kennt den Wert der Skabiose nicht,<\/dd>\n<dd>sie hilft der Brust und lindert so den Schmerz des Greises,<\/dd>\n<dd>sie tut der Lunge gut und heilt die Seitenschmerzen,<\/dd>\n<dd>als Trank leert sie den Darm,<\/dd>\n<dd>und auf der Haut vertreibt sie in drei Stunden die Geschw\u00fcre,<\/dd>\n<dd>sie st\u00e4rkt das Vieh und schw\u00e4cht das Gift,<\/dd>\n<dd>sie bricht Geschw\u00fcre mit erprobter Kraft.&#187;<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dd>Es hei\u00dft, Papst Urban habe, auf den Brief mit der Bitte seiner brustkranken Schwester \u00fcber die Heilkraft dieser Pflanze, die er selbst st\u00e4ndig benutzte, folgenden Vers geschrieben:<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dd>&#171;Der St\u00e4dter kennt den Wert der Skabiose nicht,<\/dd>\n<dd>denn sie reinigt die Brust<\/dd>\n<dd>und lindert damit die Schmerzen des Alters,<\/dd>\n<dd>sie tut der Lunge gut, sie reinigt die Seiten,<\/dd>\n<dd>sie bricht Geschw\u00fcre auf, wenn der Trank die Stelle ber\u00fchrt,<\/dd>\n<dd>und als Salbe nimmt sie in drei Stunden das Geschw\u00fcr.&#187;<\/dd>\n<\/dl>\n<ul>\n<li>4 Die erste Erw\u00e4hnung der hl. Hildegard findet sich im Deutschen Lied in der Sammlung von der Hagen, III, 468, von Marner, 118:<\/li>\n<\/ul>\n<dl>\n<dd>&#171;Vrouvve Hildegart von Bingen, in der buoche geschriben ist,<\/dd>\n<dd>Allin ir wort han ich mit warheit ganz durchwegen,<\/dd>\n<dd>Der Kunig namen darinne sinnt, daz buoch dir der vergith.&#187;<\/dd>\n<\/dl>\n<ul>\n<li>5 Hildegard erw\u00e4hnt beil\u00e4ufig, aus welchen Quellen sie sch\u00f6pfte: I, 51: VII, 5; und II, 58.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>6 Trithemius, Catalog. viror. illustr. p. 138. &#171;In den medizinischen B\u00fccher berichtet sie \u00fcber soviel Wundertaten und Geheimnisse der Natur in einer genauen Darlegung bis hin zur mystischen Bedeutung , dass es nur der Heilige Geist dieser Frau offenbart haben kann.&#187; Trithem., Chronic. Hirsaug., p. 175.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>7 Ich habe au\u00dferdem eine Ausgabe mit einer Abschrift sorgf\u00e4ltig zusammengestellt; die wichtigsten Lesarten habe ich excerpiert; Hinzuf\u00fcgungen habe ich in Klammern gesetzt und somit aus der Ausgabe entfernt. Die Kapitel\u00fcberschriften, die in der Ausgabe von denen der Handschrift vollst\u00e4ndig abweichen, habe ich auf den folgenden Seiten neu geschrieben. Den gedruckten Text, bin ich, soweit es meine knappe Zeit erlaubte, durchgegangen, die deutschen Stellen habe ich in der Handschrift noch einmal durchgelesen. Aber ach, es sind dem Auge des Druckers soviel gr\u00e4\u00dfliche Fehler entgangen, dass ich f\u00fcrchte, es sind auch jetzt noch nicht viel weniger im Text verborgen. Doch was mich betrifft, habe ich nicht mehr und nichts besseres schaffen k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Car. Dar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00fcbersetzt von Tilmann Huber 1998, mit freundlicher Genehmigung f\u00fcr symptome.ch und zur allgemeinen Verwendung freigegeben!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table class=\"legend-menu\" style=\"text-decoration: none;\" cellspacing=\"4\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"border: 1px solid #000; background-color: #f0ffff; padding-left: 4px; padding-right: 4px; line-height: 1.14em; border-color: #fff #444 #444 #fff;\"><a class=\"external text\" title=\"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/Die_Heilkunde_Hildegards_von_Bingen#Leben_und_Werk__Hildegards\" href=\"https:\/\/www.symptome.ch\/wiki\/Die_Heilkunde_Hildegards_von_Bingen#Leben_und_Werk__Hildegards\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">zur\u00fcck zur Hauptseite HvB<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Autorin: Rota<\/p>\n<p>Kontakt: <a class=\"external text\" title=\"https:\/\/www.symptome.ch\/vbboard\/private.php?do=newpm&amp;u=6043\" href=\"https:\/\/www.symptome.ch\/vbboard\/private.php?do=newpm&amp;u=6043\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">PN-hier Klicken<\/a><\/p>\n<p><!-- --><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Gr\u00fcne Reihe Vorwort von F. 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