Wissensabend über Fortschritte und Missstände der Medizin in 3sat

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Wissen aktuell: Medizin im Fadenkreuz
Ein Wissensabend über Fortschritte und Missstände der Medizin (30.07.)

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Leider läßt sich das nicht besser verlinken...

Neue Therapien, schnelle Heilungserfolge und punktgenaue Diagnostik – die Medizin des 21. Jahrhunderts macht rasante Fortschritte. Doch die schöne neue Medizinwelt hat nicht nur positive Seiten: So ist es keineswegs immer zum Wohle des Patienten, wenn neue Medikamente auf den hart umkämpften Pharma-Markt drängen, Vorsorgeuntersuchungen erfüllen nicht immer ihren Zweck und so manche Operation wäre eigentlich nicht nötig gewesen. Wir beleuchten einen Abend lang positive und negative Seiten der Medizin.

Der erste Teil des Abends geht der Frage nach, welche Krankheiten von Ärzten falsch behandelt werden und warum. So wird bei Diabetikern oft nicht früh genug erkannt, dass die Gefahr eines Diabetiker-Fußes besteht. Die Folge ist die Amputation des Fußes. Die Praktiken der Pharma-Industrie stehen im Mittelpunkt des zweiten Teiles. Die Erkenntnis, dass durch die Werbung direkt beim Patienten der Umsatz um ein Vielfaches gesteigert werden kann, hat dazu geführt, dass Pharmaunternehmen auf fragwürdige Weise Selbsthilfegruppen unterstützen.
Mit neuen Erkenntnissen in Therapie, Diagnose und im Umgang mit dem Patienten beschäftigen sich die beiden letzten Teile von "wissen aktuell: Medizin im Fadenkreuz". Forscher versuchen Erblindeten, durch einen implantierbaren Chip ihr Augenlicht wieder zurückzugeben. Andere Wissenschaftler arbeiten daran, die Alzheimererkrankung durch einen neuartigen Impfstoff bereits in ihrer Ursache zu blockieren. Nur so ließe sich, so die Mediziner, der Zerstörungsprozess im Gehirn aufhalten. Im Folgenden finden Sie Informationen zu den einzelnen Themenschwerpunkten.

Mittwoch, 30. Juli 2008, ab 20.15 Uhr

Thema: Sinnlose Therapien

Pfusch am Rücken

"In Deutschland werden jedes Jahr etwa 70.000 Bandscheibenoperationen durchgeführt, das sind für mich 30 bis 35.000 zu viel." Das sagt einer, der es wissen muss: Jürgen Harms ist Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie in Karlsbad. Schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen ist normalerweise nicht sein Stil. Aber auf dem boomenden Gebiet der Wirbelsäulenchirurgie sind massive Fehlentwicklungen zu beklagen. Viele dieser OPs würden aus wirtschaftlichen Gründen gemacht, sind medizinisch überflüssig, klagt der Professor. Und das hat Folgen.

20.20 Uhr

Unnötige Fußamputationen

Es beginnt häufig mit einem Kribbeln in den Füßen, so als wäre ein Heer von Ameisen dort unterwegs. Wer an Diabetes leidet, sollte dieses Warnsignal ernst nehmen, denn dann ist der Fuß in Gefahr. Wer nicht schnell reagiert und eine Gefäßbehandlung vornehmen lässt, dem bleibt irgendwann nur noch die Amputation. Nun würde man denken, dass in unseren Kliniken alles getan wird, um Gliedmaßen zu erhalten und das Abtrennen wirklich die allerletzte Option ist. Doch dieses Denken scheint sich bei vielen Chirurgen noch nicht durchgesetzt zu haben.

20.35 Uhr

Was bringt die Früherkennung?

Die Krebsfrüherkennung rettet Leben – kann aber mitunter auch sinnlos, ja sogar riskant sein. Das ist auf den ersten Blick ein Widerspruch, aber auch hier gilt, was bei vielen Dingen gilt, die uns angepriesen werden: Einiges lohnt sich - bei vielem aber sollte man sich schon genau überlegen, ob man nicht doch die Finger davon lässt.

20.40 Uhr

Kasse machen statt heilen

Im Vergleich zu anderen Ländern steht Deutschland bei keiner einzigen Volkskrankheit besonders gut da. Die Überlebensraten liegen meist nur im Mittelfeld. Und das, obwohl wir uns das drittteuerste Gesundheitssystem der Welt leisten. Die Politik hat deswegen den Krankenhäusern einen Sparkurs verordnet. Mit Rationalisierungen und mehr Wettbewerb sollen sie fit gemacht werden. Das wird dazu führen, dass voraussichtlich ein knappes Drittel der rund 2.200 Kliniken in Deutschland schließen müssen. Die Hoffnung ist, dass dies die Qualität insgesamt steigert. Ein Insider hat über die wahren Verhältnisse in den Krankenhäusern ausgepackt.

20.45 Uhr

Thema: Kranke Geschäfte

Vorsicht Nebenwirkungen

Es geht um viel Geld für die Pharmaindustrie, wenn sie ein Medikament auf den Markt bringt. Die Entwicklung neuer Wirkstoffe verschlingt mitunter viel Zeit, und Patienten wollen ein Medikament nur schlucken, wenn es ungefährlich ist und möglichst wenig Nebenwirkungen hat. Für unsere Sicherheit riskieren daher zunächst andere ihre Gesundheit – Menschen, die Medikamente testen. Ein nicht immer harmloses Unterfangen.

20.55 Uhr

Der eingeredete Kranke

Vor fast jedem Arztbesuch liegt der Weg in einen unscheinbaren Werberaum der Pharmaindustrie, auch "Wartezimmer" genannt. Selbst wenn nichts Werbendes an den Wänden klebt: Hier schleicht sich in und unter all die bunten Illustrierten manch klare Werbebotschaft. Ein Artikel berichtet über Anti-Aging Beeren – Promis schwören drauf! Super! Woanders ist zu lesen: "So schmilzt das Fett!" - und gleich das zugehörige Mittel, prima! Man erfährt von einem Medikament zur Schnupfentherapie, oder dass das Herz in Gefahr ist. Mit diesem bunten Hintergrund-Wissen geht man zum Arzt und ist für den Besuch wunderbar vorbereitet. Oder etwa nicht?

21.20 Uhr

Ärzte als Scheinforscher

Es ist schon erstaunlich: Da gibt es gut wirksame Medikamente, und trotzdem kann sich ein neues Präparat, das zwar nicht besser wirkt, aber erheblich teurer ist, auf dem Markt durchsetzen und gewaltige Umsätze machen. Wie kann den Pharmaunternehmen ein solcher Marketingcoup gelingen? Wir sind dieser Frage nachgegangen, denn schließlich sind die Beitragszahler diejenigen, welche die etwa 26 Milliarden Euro aufbringen, die von den gesetzlichen Krankenkassen pro Jahr für Medikamente ausgegeben werden. Es fällt ein schwerer Verdacht auf die Industrie...

21.25 Uhr

Thema: Operation Zukunft

Ich will sehen!

Blinden wieder zum Sehen zu verhelfen bleibt ein Traum der Medizin. Seit über elf Jahren arbeitet ein Team aus Ärzten und Technikern um Prof. Eberhard Zrenner von der Augenklinik der Universität Tübingen daran. Sie haben einen winzigen Chip entwickelt, der ins Auge implantiert wird und dort einfallendes Licht in elektrische Reize umsetzt. Sieben Patienten erklärten sich bereit, an dem Pilotversuch teilzunehmen. Können sie wieder sehen? Die geringste Verbesserung wäre eine Sensation und für Blinde ein Meilenstein.

21.32 Uhr

Klinik der Zukunft

Die Medizinische Klinik Heidelberg gilt als zukunftsweisend. Wir wollen wissen, warum und spielen gemeinsam mit Pflegern und Ärzten durch, was einen Menschen in ihrer Klinik erwartet, wenn er eingeliefert wird. Den Testpatienten haben wir gleich mitgebracht. Er soll als Stellvertreter wie ein echter Patient die moderne Klinik durchlaufen.

22.05 Uhr

Prothesen der Zukunft

Wissenschaftler um Thomas Stieglitz vom Institut für Mikrosystemtechnik in Freiburg wollen eine Prothese entwickeln, die auf Gedanken reagiert. "Wir machen uns zunutze, dass in Nerven und Muskeln sehr viel über elektrische Signale übertragen wird", erläutert Stieglitz. "Wie man mit einem Mikrophon Sprache aufnehmen kann, werden wir mit diesen Schnittstellen die elektrischen Signale aus dem Körper ableiten." Sie verknüpfen dazu Nerven mit hauchdünnen Leiterbahnen.

22.10 Uhr

Thema: Perspektiven

Hoffnung für Alzheimerkranke

Es kann jeden treffen, ob Hilfsarbeiter oder Nobelpreisträger, Hausmeister oder Präsident. Für eine dauernde Geistesschwäche, die auf organischen Hirnschädigungen beruht, kennen Mediziner bislang über siebzig Ursachen. Das stellt die Diagnostik weltweit vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe. In der Praxis jedoch ist in zwei Dritteln der Fälle die Alzheimererkrankung Ursache für eine Demenz - Tendenz steigend.

22.18 Uhr

Künstliche Herzklappe

Nicht nur Erwachsene haben mit kranken Herzen zu kämpfen, auch viele Kinder sind betroffen. In Deutschland kommen zwei von 1.000 Kindern mit defekten Herzklappen auf die Welt. Das ist besonders schlimm, denn sie müssen ein Leben lang Medikamente einnehmen, viele Untersuchungen durchlaufen und immer wieder neu operiert werden, denn die künstlichen Herzklappen wachsen nicht mit. Jetzt aber hat ein Arzt das Problem schon fast gelöst.

22.40 Uhr

Durchbruch bei der Krebsabwehr

Schreckens-Diagnose Glioblastom: Jährlich wird dieser bösartige Gehirntumor in Deutschland bei 2.000 Menschen festgestellt. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Erkrankten liegt bei einem Jahr. Operation und Bestrahlung sind oft vergeblich, denn fast immer kommt es zu einer Rückkehr des Tumors. Ein Glioblastom gilt bislang als unheilbar. Doch Wissenschaftler arbeiten an einer neuen Krebstherapie - sie macht sich winzige Nanopartikel zunutze, die nur Millionstel Millimeter messen. Entwickelt hat sie der Biologe Andreas Jordan an der Berliner Charité.

22.45 Uhr
Fortschritte in der Placebo-Forschung

Forscher wollen die "Medizin ohne Wirkstoff" erklärbar zu machen. Ihren Erkenntnissen nach bleibt es zwar dabei, dass die Placebos nach wie vor nur im Verborgenen ihre Wirkung entfalten können. Neuere Experimente konnten aber zeigen, dass sich bei beiden Geschlechtern negative Wirkungen - also "Nocebo"-Effekte - einfacher erzielen ließen, als positive Wirkungen. Auch zeigte sich, dass verschiedene Menschen auch unterschiedlich sensibel für bestimmte Stimuli sind.

22.50 Uhr

Auf der Seite kann man jeweils umfangreicher zu den einzelnen Themen lesen...
Besonders erschreckend mal wieder..."kranke Geschäfte"...:mad:

LG
annouk
 
wundermittel
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