Sommer

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Eine andere Sommerblume, die ich seit meiner Kindheit faszinierend und schön finde, ist die Kornblume. Meine Mutter hatte ganz viele (mehrjährige Staudenzüchtungen) in ihrem Garten.

kornblume_gross_vonoben1_tm.jpg


Kornblumen flecht' ich dir zum Kranz

von Emanuel Geibel

Kornblumen flecht' ich dir zum Kranz
Ins blonde Lockenhaar.
Wie leuchtet doch der blaue Glanz
Auf goldnem Grund so klar!

Der blaue Kranz ist meine Lust;
Er sagt mir stets aufs neu',
Wohl keine sei in dieser Brust
Wie du, mein Kind, so treu.

Auch mahnt sein Himmelblau zugleich
Mich heimlich süßer Art,
Daß mir ein ganzes Himmelreich
In deiner Liebe ward.


1501379.jpg
 
wundermittel
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Min Anna is en Ros' so roth

von Klaus Groth

Min Anna is en Ros' so roth,
Min Anna is min Blom,
Min Anna is en Swölk to Fot,
Min Anna is as Melk un Blot,
As Appel oppen Bom.

De Vullmach hett en Appelgarn,
Un Rosen inne Strat;
De Vullmach kann sin Rosen wahrn,
De Vullmach kann sin Appeln arn.
Min Anna is min Staat!

Se is min Staat, se is min Freid
Un allens alltomal,
Un wenn de Wind de Rosen weiht,
Un wenn de Wind de Appeln sleit:
Se fallt mi nich hendal.

Se fallt ni af, se fallt ni hin,
Se hett son frischen Moth;
So blöht min Hart, so blöht min Sinn,
Min Anna blift de Blom derin
Bet an min seli Dod.

www.welt-der-rosen.de/Grafik/schwarze_madonna_meile.jpg

Klaus Groth war ein niederdeutscher Schriftsteller (1819-1899)
 
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Das Bild mit den Kornblumen ist wunderschön. - Das ist meine Farbe :) ...

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Und jetzt gleich ganz in den Süden ins Alemannische:

Johann Peter Hebbel:


Der Sommerabend

O, lueg doch, wie isch d'Sunn so müed,
lueg, wie si d'Heimeth abezieht!
O lueg, wie Strahl um Strahl verglimmt,
un wie sie's Fazenetli nimmt,
e Wülkli, blau mit rot vermüscht,
und wie sie an der Stirne wüscht !

's isch wohr, sie het au übel Zit,
im Sumrner gar, der Weg isch wit,
und Arbet findt sie überal,
in Hus und Feld, in Berg und Thal;
's will alles Liecht und Wärmi ha
und spricht sie um e Segen a.

Meng Blümli het sie usstaffiert,
und mit scharmante Farbe ziert,
un mengem Immli z'trinke ge
und gseit: Hesch gnug und witt no rneh?
Und's Chäferli het hinte no
doch au si Tröpfli übercho.

Meng Some-Chöpfli het sie gesprengt,
und's zitig Sömli use g'lengt.
Hen d'Vögel nit bis z'allerlezt
e Bettles gha, und d'Schnäbel g'wetzt?
Und kein goht hungerig ins Bett,
wo nit si Theil im Chröpfli het.

Und wo am Baum e Chriesi lacht,
se het si'm rothi Bäckli gmacht;
und wo im Feld en Aehri schwankt,
und wo am Pfohl e Rebe rankt,
se het sie eben abe glengt
und het's mit Laub und Bluest umhengt.

Und uf der Bleichi het sie gschafft
hütie und ie us aller Chraft.
Der Bleicher het si selber g'freut,
doch hätt er nit: Vergelts Gott! gseit.
Un het e Frau ne Wöschli gha,
se het sie trochnet druf un dra.

's isch weger wohr, und überal,
wo d'Sägesen im ganze Thal
dur Gras und Halme gangen isch,
se het si g'heuet froh und frisch.
Es isch e Sach, by miner Treu,
am Morge Gras und z'Obe Heu!

Drum isch sie iez so sölli müed
und bruucht zum Schlof kei Obe-Lied;
ke Wunder, wenn sie schnuuft und schwitzt.
Lueg, wie sie dört uf's Bergli sitzt!
Iez lächlet sie zum lezte mol.
Jez seit sie: Schlofet alli wohl!

Und d'unten isch si! Bhüt di Gott!
Der Guhl, wo uffem Chilchthurn stoht,
het no nit gnug, er bschaut si no.
Du Wundervitz, was gafsch denn so?
Was gilts, sie thut der bald derfür,
und zieht e rothen Umhang für!

Si duuret ein, die guti Frau,
sie het ihr redli Hus-Chrütz au.
Sie lebt gwiß mittem Ma nit gut,
un chunnt sie heim, nimmt er si Hut;
und was i sag: iez chunnt er bald,
dört sitzt er scho im Fohre-Wald.

Er macht so lang, was tribt er echt?
Me meint schier gar, er traut nit recht.
Chumm numme, sie isch nümme do,
's wird alles sy, se schloft sie scho.
Jez stoht er uf, und luegt ins Thal,
und's Möhnli grüeßt en überal.

Denkwohl, mer göhn iez au ins Bett,
und wer kei Dorn im G'wisse het,
der bruucht zum Schlofen au kei Lied;
me wird vom Schaffe selber müed;
und öbbe hemmer Schöchli gmacht,
drum gebis Gott e guti Nacht!




Fazenetli( das isch nu chäch schwyzerisch! ), Nasdüechli
https://www.hitparade.ch/forum.asp?todo=viewthread&id=2468

Was heißt denn nur Chriesi?
 
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regulat-pro-immune
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Und noch mehr Dialekt:

Chumm, mir wei ga Chrieseli günne

Melodie - Berner Volksweise


Chumm, mir wei ga Chrieseli günne,
Weiß am en Ort gar grüseli vil.
Rooti, schwarzi, gibeligääli,
Zwöi u drüü an einem Stiil.
Valleri, vallera, valleri, vallera,
Zwöi u drüü an einem Stiil. S lyt nit alls an eim Paar Hose,
S lyt nit alls en eim Paar Schue.
S isch nit alls a dr Hübschi gläge,
S lyt vil mee am ordeli tue.
Valleri, vallera, valleri, vallera,
S lyt vil mee am ordeli tue.


By nid rych uf deren Ärde,
By nid hübsch von Angesicht.
S mues mer doch o Eine wärde,
Gott verlaat di Wüeschte nit.
Valleri, vallera, valleri, vallera,
Gott verlaat di Wüeschte net.



 
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Kann Google auch mundartliche Texte übersetzen?

images.google.de/images?q=tbn:8pGK8e191ZNDjM:www.planeterde.de

Hallo, Uta und Phi,
Kirschen mag ich auch.
Also .... das Gedicht von Hebbel habe ich noch verstehen können. Nicht leicht, aber es ging. Bei dem Text zur Berner Volksweise
smilie_flagge2.gif
, haben mir dann auch meine spärlichen mittelhochdeutschen Kenntnisse, mit denen ich manchmal Brücken bauen kann, nicht mehr wirklich geholfen. Na gut, gibeli kenn ich, aber was ist oder sind gääli?

Aber es macht spaß!
Herzliche Grüße von Leòn
 
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Lob der schwarzen Kirschen
images.google.de/images?q=tbn:dOGWkxNWDof8oM:www.laser-line.de

von Anna Louisa Karsch
(1722-1791)https://www.wortblume.de/dichterinnen/kirschen.htm


Des Weinstocks Saftgewächse ward
Von tausend Dichtern laut erhoben;
Warum will denn nach Sängerart
Kein Mensch die Kirsche loben?

O die karfunkelfarbne Frucht
In reifer Schönheit ward vor diesen
Unfehlbar von der Frau versucht,
Die Milton hat gepriesen.

Kein Apfel reizet so den Gaum
Und löschet so des Durstes Flammen;
Er mag gleich vom Chineser-Baum
In ächter Abkunft stammen.

Der ausgekochte Kirschensaft
Giebt aller Sommersuppen beste,
Verleiht der Leber neue Kraft
Und kühlt der Adern Äste;

Und wem das schreckliche Verboth
Des Arztes jeden Wein geraubet,
Der misch ihn mit der Kirsche roth
Dann ist er ihm erlaubet;
images.google.de/images?q=tbn:rs4qqU5cfUK0eM:www.wolf-kirschen.de
Und wäre seine Lunge wund,
Und seine ganze Brust durchgraben:
So darf sich doch sein matter Mund
Mit diesem Tranke laben.

Wenn ich den goldnen Rheinstrandwein
Und silbernen Champagner meide,
Dann Freunde mischt mir Kirschblut drein
Zur Aug- und Zungenweide:

Dann werd' ich eben so verführt,
Als Eva, die den Baum betrachtet,
So schön gewachsen und geziert,
Und nach der Frucht geschmachtet.

Ich trink und rufe dreymal hoch!
Ihr Dichter singt im Ernst und Scherze
Zu oft die Rose, singet doch
Einmal der Kirschen Schwärze!

images.google.de/images?q=tbn:UirmGhkImIo2sM:www.syberberg.de

Sommerliche Grüße von
Leòn
 
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Auf die liebliche Sommer- und Ernde-Zeit
images.google.de/images?q=tbn:k4VNgzLs6jwF1M:www.polygraphicum.de
von Catharina Regina von Greiffenberg
(1633-1694)

O Wunder-GOttes Güt! die in die Erd sich senket.
Sie grünt und prangt hervor / in Nahrung-reicher Art.
die Allmacht hat mit ihr sich in die Erd gepaart:
aus deren Würkung GOtt / uns diese Gaben schenket.
bey iedem Sichelschnitt / ists billig / daß man denket
an GOttes Gnaden Mäng' und Lob zum wundern schaart.
So wenig ja den Dank / als er den Segen / spaart!
sein Gnaden-Herz sich ganz auf uns zu giessen lenket.
Ein schallends Ehren-Lob soll aus den Halmen gehn /
weil seiner Ehren! voll die Erd' / und was sie träget.
Am Lebens Mastbaum soll der Lobes-Segel stehn:
Der Freuden-Seufzer-Wind ihn lieblich süß beweget.
So sammlet GOttes Lieb / durch diese Erdenfrücht:
und schüttet dafür aus / sein Lieb- und Lob-Gerücht!

images.google.de/images?q=tbn:a475d1re_is1DM:www.landschaftsmuseum.de

https://www.wortblume.de/dichterinnen/greif240.htm
 
regulat-pro-immune
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Jetzt mal ein Stück aus der Manessischen Liederhandschrift (Große Heidelberger Liederhandschrifft, um 1300)

kon_port.jpg


Konrad von Würzburg

https://www.fh-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/13Jh/KonradvWuerzburg/kon_lied.html


Manger wunne bilde
geschephet hât
meie mit der künfte sîn.
seht wie daz gevilde


geblüemet stât!
ez gît phellelvarwen schîn,
dâbî cleidet sich der walt:
der hât der loube ein wunder;
süezen sanc darunder


vil manecvalt
singent wol diu vogelîn.
Sumerzit
fröude gît
unde wünneclichen rât:


hei waz er nu fröuden hât
der liebe nâhe lît!

Meie trûren crenket;
ûf rîchen lôn
dienet im berg unde tal.


ûz der blüete clenket
vil süezen dôn
manec wildiu nahtegal.
blâwen vîol, grüenen clê,
die gelwen zîtelôsen

unde rôte rôsen
vil schône als ê
siht man springen überal.
Sumerzit
fröude gît


unde wünneclichen rât:
hei waz er nu fröuden hât
der liebe nâhe lît!

Wol im der nu minnet
ein sælec wîp!


bî sô manger wunne guot
fröuden vil gewinnet
sîn werder lîp:
liep nu wol dem herzen tuot.
swâ den ougen liehten schîn


die blüenden boume bringent
und den ôren singent
diu vogellîn.
dâ fröut minne mannes muot.
Sumerzit


fröude gît
unde wünneclichen rât:
hei waz er nu fröuden hât
der liebe nâhe lît!

images.google.de/images?q=tbn:66_6EcL1nKpMwM:db1.fotocommunity.de
 
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Sommerblau
images.google.de/images?q=tbn:gsKzIIFxh2Q09M:www.hollecker.de
von Karl Krolow

Aus Brunnen blutendes Blau:
Wasser im Juni oder August.
Licht: eine hemdlose Brust wartet
auf seinen Stilett-Stich.
Konische Landschaft mit Pappeln und Staren,
dem Rotwelsch der Luft -
im Fensterrahmen aufgehängt
als Kegelschnitt des Apollonios.
Mit verbundenen Augen
das mechanische Spielzeug
der Minuten in Gang setzen.
 
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Gartengewitter

von Oskar Loerke


Nach dem Monde greift ein Spuk,
Und er flieht gekrümmt.
Schwüler, träger Quell entspringt
Rings im Laub und fließt.
Durch die Kiefernwipfel huscht
Feuermähn' ins Gras.
Aus dem grünen Schrecken
glüh'n Säulen wilden Weins.
Und sie schnellen wie zum Dienst
In den Regendom,
Das Gewölbe kracht und birst,
Doch sie tragen wohl.
Dann webt volle Finsternis.
Nur, wo Straßen sind.
Flickt das Dunkel dort und hier
Eine gold'ne Naht.
Hochsommerbann
Aus der Glockenstube überm Dom
Quillt ein kupferroter Lavastrom.
Rings im schüttern Kegel, warm und glatt,
Eben atmet noch die große Stadt.
Das gestreifte Sonnendach erstarrt,
Selbst das krause Federrad des Kindes,
Das sonst emsig im Kobolz des Windes
Kühnste Träume auf der Stelle karrt.
images.google.de/images?q=tbn:OWhGvVwUio-qTM:www.wolkengalerie.de
 
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Morgane


von Theodor Storm
images.google.de/images?q=tbn:g5NHbhaEchqjYM:www.gff-thueringen.de
An regentrüben Sommertagen,
Wenn Luft und Flut zusammenragen
Und ohne Regung schläft die See,
Dann steht an unserm grauen Strande
Das Wunder aus dem Morgenlande,
Morgane, die beruf'ne Fee.
Arglistig halb und halb von Sinne,
Verschmachtend nach dem Kelch der Minne,
Der stets an ihrem Mund versiegt,
Umgaukelt sie des Wandrers Pfade,
Und lockt ihn an ein Scheingestade,
Das in des Todes Reichen liegt.
Von ihrem Zauberspiel geblendet
Ruht manches Haupt in Nacht gewendet
Begraben in der Wüste Schlucht;
Denn ihre Liebe ist Verderben,
Ihr Hauch ist Gift, ihr Kuss ist Sterben,
Die schönen Augen sind verflucht.
So steht sie jetzt im hohen Norden
An unsres Meeres dunklen Borden,
So schreibt sie fingernd in den Dunst;
Und quellend aus den luft'gen Spuren
Ersteh'n in dämmernden Konturen
Die Bilder ihrer argen Kunst.
Doch hebt sich nicht wie dort im Süden
Auf rosigen Karyatiden
Ein Wundermärchenschloss ins Blau;
images

Nur einer Hauberg graues Bildnis
Schwimmt einsam in der Nebelwildnis,
Und keinen lockt der Hexenbau.
Bald wechselt sie die dunkle Küste
Mit Libyens sonnengelber Wüste
Und mit der Tropenwälder Duft;
Dann bläst sie lachend durch die Hände,
Dann schwankt das Haus, und Fach und
Wände Verrinnen quirlend in die Luft.
images
 
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Rosmarin und Thymian

(Mir gefällt Dein Grünzeuch - Thread, Uta!)


images


Tanzliedchen 35. Melodie.


Hans Philippchen, geig einmal,
Kindchen will mal tanzen,
Hat ein buntes Röckchen an,
Ringsherum mit Fransen.

*

Rosmarin und Thymian
Wächst in unserm Garten,
Wer mein Mädchen freien will,
Muß noch lange warten.

*

Tanz mit mir, tanz mit mir,
Ich hab ein schönes Schürzchen für! —
„Mit mir auch, mit mir auch,
Meine Schürze blinkert auch."

*

Ach tanz mit mir! Ach tanz mit mir!
Ich hab 'ne weiße Schürze für.
Laß nicht ab, laß nicht ab.
Bis die Schürze Löcher hat.

*

Buxbaumes Rädele,
Ein flächserne Schwing:
Mein Schatz heißt Antonele,
Wie freut mich das Ding!

*

Annebäbi, lüpf der Fueß,
We-n-i mit der tanze mueß;
Tanze cha-n-i nid alei,
Annebäbi, lüpf dis Bei.

*

Annche, Susannche,
Warte noch ein Jahr,
Wenn die Weiden Kirschen tragen,
Nehm ich dich für verbunden wahr.

*

Hans Pitter, nemm mich,
Wacker Mädchen ben ich:
Kann kochen, kann flecken,
Kann nähen, kann strecken.
Hans Pitter,nemm mich,
Wacker Mädchen ben ich.


https://www.sagen.at/doku/kinderreime/kinderlieder/tanzliedchen_35.html
 
regulat-pro-immune
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Das war ja eine geballte Ladung Gedicht, Leòn. - Ich weiß übrigens auch nicht, was gibelligääli heißt ;) :) . Aber irgendjemand kann uns das sicher übersetzen!

Die Manessesche Handschrift ist mir zu schwierig. Da gibt es doch sicher eine Übersetzung ins Hochdeutsche dazu?

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~Erich Fried (1921-1988)

Strauch mit herzförmigen Blättern

(Tanka nach altjapanischer Art)

Sommerregen warm:
Wenn ein schwerer Tropfen fällt
bebt das ganze Blatt.
So bebt jedes Mal mein Herz
wenn dein Name auf es fällt

©©©

 
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Erich Fried (1921-1988)

Die Nichtnure

Nicht nur die Zeitungen
nicht nur die Stimmen aus Galle
und Angst
und nicht nur
der Wettlauf mit der Post
die Rechnungen bringt
Nachrichten
traurige Briefe

Nicht nur die Abwehr
der täglichen Gemeinheit
nicht nur die Sorge
und nicht nur die Trauer
und nicht nur das Mitleid
nicht nur die notgetaufte Hoffnung
und der geschlachtete Glaube
an eine bessere Welt

Erst auf der anderen Seite der Nure
beginnt das Leben
Dort geht die Liebe
durch wirkliche Jahreszeiten
dort werden die Farben bunt
und die Geräusche
beinahe verständlich
und man kann Atem holen
und alles
spüren und fühlen

Aber ich bin erschöpft
von den Zeitungen
und von den Stimmen
und von dem Wettlauf mit diesen
Nuren
in denen mein eines
Leben vergeht
ohne dich

©©©

www.deutsche-liebeslyrik.de/gedicht_der_woche/gedicht_der_woche1.htm
 
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Wie schön...und so viel Wahrheit... .
Uta, eine Übersetzung von dem Konrad - Text versuche ich zu finden, wenn nicht probiere ich mich selbst daran.

Herzliche Grüße von
Leòn
 
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05.10.05
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Mensch ist das eine Affenhitze! Hm war natürlich sehr unpetisch dieser Ausruf, geb ich zu.;)
 
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19.03.06
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Anne schrieb:
Mensch ist das eine Affenhitze! Hm war natürlich sehr unpetisch dieser Ausruf, geb ich zu.;)

Hallo, Anne,
beim nächsten Mal kannst Du so einen Ausruf ja als gereimten Zweizeiler verfassen!
medium-smiley-118.gif
.
Ich kann mich dem jedenfalls nur anschließen: Tagsüber war es furchtbar drückend. In der Nacht ging ein großes Gewitter los. Im Umland gab es dabei Sturmböen, mit Sachschäden.

Einen schönen Tag
wünscht Leòn
 
regulat-pro-immune
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05.10.05
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als gereimten Zweizeiler verfassen!
Hilfe war mir heiß,
und mir lief der Schweiß.
Nun hats ordentlich gekracht,
hier aber nichts kaputt gemacht.
Die Luft ist jetzt nun wieder gut,
ich hab gleich wieder neuen Mut.:schock: :zunge:

Anne
 
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19.03.06
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hn23g.jpg
Hallo, Uta, hallo, Euch allen,

ich habe es befürchtet: Die Lieder vom Konrad sind nicht so verbreitet wie die Texte anderer mittelhochdeutscher Dichter. Ich habe so schnell keine Übersetzung gefunden.
Ich habe den Text jetzt mal eben selbst übertragen. Es klingt sehr holperig und ich bitte, keine literarischen Ansprüche daran zu knüpfen. Bei Verständnisfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
(Es war allerdings nicht sehr schwer, weil der Würzburger nur wenig Dialekt - Einsprengsel verwendet. Ich habe mal einen Text von Heinrich von Anhalt übertragen .... das war der Hammer!)

Herzliche Grüße
Leòn

Manch Wunderbild hat der Mai
Mit seiner Ankunft geschaffen,
seht wie das voller Blumen ist!
Es gibt viele schöne Farben,
dabei bedeckt der Wald sich mit Blättern, wie ein Wunder,
süßer Gesang erklingt darunter.
Vielfältig singen die Vögelein,
Sommerzeit bringt Freude,
und viele wonnigliche Gedanken.
Hei, was es für Freuden hat,
das Lied der nahen Liebe.


Meine Treuen warten
Auf reichen Lohn,
sie dienen auf dem Berg und im Tal.
Aus den Blüten klingen
Viele süße Töne,
vieles singtt die Nachtigal,
blaue Veilchen, grüner Klee,
die gelben Zeitlosen (Märzenbecher?)
und rote Rosen
viel schöner als zuvor
sieht man sprießen überall,
Sommerzeit bringt Freude
und viele wonnigliche Gedanken.
Hei, was es für Freuden hat,
das Lied der nahen Liebe.


Wohl dem der nun liebt
eine liebliche Frau!
Bei so mancher werden
viele Freuden gewonnen,
durch ihre lieben Lippen,
die Liebe tut dem Herzen gut,
sie hellt den Blick der Augen auf,
den blühenden Bäumen bringt sie,
und schön fürs Ohr singen die Vögelein.
 
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