Sehnsucht

Themenstarter
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28.09.05
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hallo,

ich wollte es eigentlich für mich behalten. weil süchte sind ja verpönt. und ich wollte mich nicht blos stellen. aber nun überwinde ich mich doch, es zu zugeben.

ich habe sehnsucht.

das ist auch eine unangenehme sucht.

ich habe sehnsucht nach meiner wahlheimat, aber ich kann irgendwie nicht hin. also es ist so wie heimweh und heimweh ist schlimm. für mich ist heimweh auch eine sucht.
eine lehrerin sagte mir einmal, dass man nie heimweh hat, wenn man weiss, dass die heimat bei einem im herzen sitzt.
aber das ist einfacher gesagt, als getan.
ich habe heimweh nach dem klima, den pflanzen, den tieren dort. die tiere dort sind zwar die selben wie hier, doch sie sprechen eine andere sprache. hier sprechen die frösche "quak", in meiner heimat sagen sie "brek". ich habe heimweh nach dem staub, der sonne, weil sie dort anders scheint, nach den menschen, der sprache, der mentalität, dem essen, dem trinken und nach allem.
heimwehsucht ist auch eine krankheit.

des weiteren habe ich sehnsucht nach gesundheit. ich sehne mich danach, gesund zu sein.

vielleicht zittere ich deswegen manchmal so, weil ich meine sehnsucht nicht befriedigen kann?

ich habe auch sehnsucht nach musik. ich höre auch gerne sehnsüchtige musik.

also jetzt wisst ihr es alle.

ich bin süchtig. sehnsüchtig.

und dieses kapitel ist mir kein witz!
ich finde, dass sehnsucht auch krank macht und deswegen auch in dieses forum gehört!
mir wurde auch schon gesagt, dass ich vielleicht gesund wäre, wenn ich es schaffen würde, mir in meinem land mein leben auf zu bauen. leider ist das nicht so einfach...
vielleicht stimmt es ja?
vielleicht bekommt man eine krankheit, wenn man auf dem falschen flecken dieser erde gelandet ist?
ich fühle mich oft so falsch hier. deplaziert.
mir ist es nicht wohl in der deutschen sprache. ich fühle mich nicht gut mit deutsch.

ich habe schon zu kaufsucht geschrieben.
wenn meine sehnsucht gross wird, dann überkommt mich so eine trauer. dann möchte ich mich trösten. und das mache ich mit irgend etwas nützlichem oder unnützlichem. also ich verdränge meine sehnsucht, indem ich mir etwas zur ablenkung gebe.

warum wird die sehnsucht als krankheit nirgends beschrieben?
bin ich die einzige, welche diese krankheit hat?

viele liebe grüsse von shelley :wave:
 
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09.09.06
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liebe shelley,

sehnsucht gehört wohl zu jedem leben dazu und kann nur erfüllt werden, wenn man menschen trifft, die einem "heimat" werden, oder man sich in einer landschaft zu hause fühlt, die einem total entspricht.

ich kann deine sehnsucht nach gesundheit gut nachempfinden, weil sie ermöglicht beweglicher zu sein, rauszukommen.
mit irh "fertig" zu werden, gelingt mal besser, mal schlechter, je nach stimmung, die ja auch hormonell gesteuert wird.

wichtig ist aber, dass man sich nciht in ihr vergräbt, "suhlt" in seinen depressionen, sondern lernt, auf das zu schauen, was noch machbar ist, dankbar zu sein, was möglcih ist, was man noch besitzt.

ich habe für mich selbst gelernt, dass es mir besser geht, wenn ich von mir weg sehe, sonst gerate ich immer tiefer in den depri-strudel.

es gibt jeden tag vieles für das man dankabr sein kann, und das heißt es festzuhalten.

dass dir das imemr besser gelingt, auhc freude im kliensten zu empfinden, wünsche ich dir von herzen.

deine blockflöten-monika
 

Bei Drogensucht kann Hypnosetherapie hilfreich sein

Wenn man wirklich aufhören möchte, Drogen zu konsumieren, dann ist die aufdeckende Hypnosetherapie eines der effektivsten Instrument, diesen Wunsch Realität werden zu lassen. Sie wirkt da, wo die Sucht entstanden ist, nämlich im Unterbewusstsein.

Wenn erst einmal die emotionale Ursache für das Suchtverhalten aufgefunden und neutralisiert wurde, kann der Mensch wieder suchtfrei leben. Aber wie erwähnt muss der Wunsch nach Veränderung vorhanden sein. Niemand kann mit Hypnose dazu gezwungen werden, etwas zu tun, was er selber nicht wirklich möchte.
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02.08.06
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Hallo Shelley,
grade entdeckte ich dein Thema,was zwar nun schon etwas älter ist,aber ich möchte gern ein paar Sätze reinschreiben.
Dein Text oben sind im Moment auch meine Empfindungen.Ich wollte immer weg aus meiner Kinderheimat.Mich hielt nichts dort.Doch nun sehne ich mich nach meinen alten eigenen 4 Wänden,ich wünsche mir so sehr einfach die Zeit zurückzudrehen und in mein altes Reich wieder einzutauchen.Die Fremde macht mir Angst.Ich sehne mich so sehr nach meiner Therapeutin.Sie war ein Gott für mich.Sie half mir mein Leben binnen paar Minuten lebenswert zu machen so wie es in den damaligen Momenten möglich war.Die Sehnsucht ist tatsächlich die grösste Sucht in meinen Augen.Resultiert daraus nicht alles andere?
 
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10.01.04
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Wenn die Sehnsucht die größte Sucht ist, dann ist es ein großes Lebensthema, diese Sucht zu bearbeiten.
Das heißt für mich in erster Linie: nicht an etwas Vergangenem kleben bleiben sondern im Hier und Jetzt leben, dieses würdigen und neugierig anschauen, es anzupacken und nicht vor lauter Sehnsucht nach einem meistens idealisierten "Früher" die Gegenwart zu verlieren.

Grüsse,
Uta
 
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02.08.06
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Uta,
deine Sätze stimmen mich sehr nachdenklich.Da steckt viel Wahrheit und Weissheit drin.Doch ein Sprung ins kalte Wasser ohne die Sicherheit ob der Boden tief genug ist um sich den Kopf nicht aufzuschlagen,dass ist das Thema der nicht loslasswollenden Sehnsucht an Zeiten,:holzhack: die auch misserabel,aber in bestimmten wichtigen Lebensbereichen besser waren.
 
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02.08.06
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Ich war immer der Meinung jede Veränderung drängt uns nur zu neuem Besseren hin,
da wo wir unseren Weg weiterführen sollen.
 
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28.10.05
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Ich hatte und habe hin und wieder Sehnsucht nach der Türkei. Genauso wie Shelley es beschrieben hat, den Staub, die Bäume, die Straßen, die Tiere... usw.

Dann waren wir in der Türkei, in Istanbul. Für mich war das aber nicht DIE Türkei, es musste Adana "meine" Heimatstadt sein. In Adana angekommen konnte ich immer noch nicht meine Sehnsucht stillen, es musste diesmal Ceyhan in Adana sein. Dort angekommen suchte ich die Straße in der ich die ersten 4 Jahre meines Lebens verbracht hatte. Sah das Haus in dem ich gelebt hatte. Genoss den Blick zum Fluss Ceyhan runter.... schaute mich weiter um. Es waren nicht die gleichen Augen, die schauten. Meine Sehnsucht war nicht gestillt. Und da erkannte ich: es war keine Sehnsucht nach der Türkei, sondern eine brennende Sehnsucht wieder Kind sein zu dürfen..... (warum habe ich jetzt einen Kloß im Hals und warum rinnt bei mir eigentlich gerade eine Träne die Wangen herunter?) ich schreibe nachher weiter...
 
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10.01.04
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Was Du da beschreibst, Sema, kann ich gut nachvollziehen. Die Sehnsucht nach dem Ort der Kindheit ist oft die Sehnsucht nach dem Geborgensein, nach der Neugier und Freude auf das Leben, auf Geschwister, die auch da waren, Freunde und Freundschaften, Entdeckerfreude.

Ich denke, so eine Sehnsucht ist immer berechtigt. Nur sollte man sich auch immer klarmachen , wenn sie aufkommt, daß diese Kindheit vorbei ist und daß sie der Grundstein war zu dem Leben, das ich jetzt lebe.
Wenn ich erkenne, daß es wichtige und schöne Augenblicke und Situationen und Verhaltensweisen gab, nach denen ich mich jetzt sehne, dann kann ich versuchen, genau die so an meine Umgebung/Kinder/Familie/Freunde weiterzugeben.

Gruss,
Uta
 

Horaz

in memoriam
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05.10.06
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Sehnsucht passt hier sehr gut herein und nimmt trotzdem eine Sonderstellung ein.
Sehnsucht ist ambivalent.
So wie Shelley und Sema es beschreiben ist es ein Gefühl der freudvollen Trauer über etwas das sehr schön war und leider vorbei ist. Es kann aber auch die Freude auf ein kommendes Ereignis sein oder ein Treffen mit einem geliebten Menschen, das leider erst in einer gewissen zeit stattfinden kann, auf das wir uns aber sehr freuen.

Sehnsucht ist keine Sucht von der wir uns befreien müssen, sondern die Kunst wie wir Vergangenheit und Zukunft in unsere Gegenwart integrieren.

Viele Grüße, Horaz
 
Beitritt
28.10.05
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Ooooh Uta,

dankeeeee!!!! :kiss: Ich habe deinen Beitrag immer und immer wieder gelesen, das werde ich verinnerlichen.

Lieben Gruß
Sema
 
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02.08.06
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Hallo,
meine alte Sehnsucht hat bei mir nichts mit meiner Kindheit zutun,eigentlich ist dieser Ort auch eher für mich verflucht.Aber es ist ein vertrauter Ort und ich kann so radikale Lebensabschnitte,die sein müssen nie verarbeiten.Ich vermisse meine Ordnung,in die ich nun mehr nicht finde.Da spielen auch ein Stück meine Zwänge mit.Es ist so schwierig eine Veränderung im Kopf und Herzen zu realisieren.
Nelly
 
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