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Der Arzt dem Ulla Schmidt vertraut!

Hallo,

ich weis jetzt allerdingst nicht ob es noch aktuell ist.

[SIZE=+1]Der Arzt, dem Ulla Schmidt vertraut[/SIZE]
Autor: Malmo (---.dip0.t-ipconnect.de)
Datum: 06-23-05 13:59

www.daserste.de/plusminus/beitrag_archiv.asp?aid=362
Prof. Dr. Peter T. Sawicki
Der Arzt, dem Ulla Schmidt vertraut
Autor: Wolfgang Wirtz-Nentwig
SR | 24.05.2005 | 21.55 Uhr

Das neue Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen forscht im Auftrag der Bundesregierung nach Geldverschwendung im Gefüge zwischen Krankenkassen, Ärzten und der Pharmaindustrie. Ein Job, mit dem man sich nicht nur Freunde macht.
Im Gesundheitswesen liegt einiges im Argen
Der Mann hat sich was vorgenommen. Professor Peter Sawicki, Jahrgang 1957. Sein Job: das Gesundheitssystem verbessern. Und da gibt es einiges zu tun, meint er: "In Deutschland haben wir doppelt so viele Medikamente wie einige Länder rund um uns herum, ohne dass die Patienten dort schlechter versorgt sind. Auf jeden Fall ist die Anzahl der Medikamente zu hoch."
Hier in Köln ist sein Arbeitsplatz im neuen "Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen". Das deutsche System ist eines der besten der Welt, findet Sawicki. Trotzdem müsse in den nächsten Jahren einiges passieren. Vor allem, und das erstaunt den Laien, es fehle vorne und hinten an verlässlichen Daten und objektiven Informationen. Mit teuren Folgen, weiß Sawicki: "Wir fahren wie ein Kapitän mit dem Schiff im Nebel, ohne ein richtiges GPS. Mit mehr Studien wissen wir besser, wo wir uns befinden, wir wissen genau, welchen Weg wir zurückgelegt haben. Und wir wissen dann auch, wenn das Ziel klar ist, wie wir dort hinkommen."
Eine bemerkenswerte Karriere
Als Kind einer polnischen Dissidentenfamilie kam Sawicki erst mit 13 Jahren in den Westen. Bis dahin konnte er kein Wort Deutsch. Trotzdem gelang ihm ein rasanter Aufstieg bis zum Chefarzt, zum Medizin-Professor und zum mehrfach preisgekrönten Experten für Inneres und Diabetes. Ein Blatt vor den Mund genommen hat er nie, vor allem dann nicht, wenn es um das Wohl der Patienten ging.
Eines seiner Hauptziele ist - und war es schon als Sawicki das Institut für evidenzbasierte Medizin mit gegründet hat: mehr Informationen für Ärzte und Patienten. Und ein Thema taucht dabei immer wieder auf: Schein-Innovationen. "Die pharmazeutische Industrie entwickelt sehr häufig Medikamente nicht aus Unzufriedenheit mit dem, was bisher auf dem Markt ist, sondern weil Patentschutz ausläuft und einfach aus marktwirtschaftlichen Erwägungen neue Moleküle geschaffen werden. Diese neuen Moleküle können durchaus - das hat man mehrfach gesehen - ein Rückschritt sein", sagt Peter Sawicki.
Das neue Institut entsteht
Genau mit solchen Themen beschäftigt sich jetzt auch das "Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen" mit seinen sieben Abteilungen: die Beschaffung und Auswertung von Daten - auch im Netzwerk mit internationalen Wissenschaftlern. Das klingt trocken und theoretisch, hat aber sehr praxisbezogene Auswirkungen.
Ein Beispiel: Für die Zulassung von Medikamenten werden bisweilen Kriterien festgelegt, die für das Patientenwohl gar keine Auswirkungen haben, mitunter sogar kontrakproduktiv sind: "In den 80er Jahren haben wir das Cholesterin in Deutschland vor allen Dingen mit Fibraten gesenkt. Das Cholesterin ging runter, aber in entsprechenden Studien hat sich herausgestellt, dass die Patienten dann nicht etwa länger leben, sondern im Gegenteil: Sie sind mit niedrigeren Cholesterinwerten eher gestorben", sagt Prof. Sawicki.
Das Institut wird von einer eigens eingerichteten Stiftung getragen und ist finanziell unabhängig. Damit ist eine objektive Arbeit möglich, die nur den Ergebnissen für die Patienten verpflichtet ist. Die letzte Entscheidung liegt bei der Politik oder dem gemeinsamen Ausschuss von Ärzten und Krankenkassen. An den wissenschaftlich fundierten Vorschlägen des Instituts werden sie künftig aber kaum vorbeikommen. Prof. Sawicki: "Auf dem Arzneimittelmarkt sind immer noch Präparate, die durchaus auch schädlich sein können. Die Fibrate zur Cholesterinsenkung sind nicht vom Markt verschwunden, kurzwirksame Calciumantagonisten gibt es immer noch, und manche Patienten mit Bluthochdruck erhalten sie durchaus. Und auch andere Präparate können durchaus ersetzt werden durch bessere, besser untersuchte und vor allen Dingen sicherere Präparate."
Das Gesundheitswesen - ein hartes Geschäft
Das gefällt nicht allen. Deshalb arbeiten alle beauftragten Sachverständigen so lange anonym, bis ihre Ergebnisse veröffentlicht werden. Wo es um viele Millionen Euro geht, wird mit harten Bandagen gekämpft, weiß der Professor: "Sie werden angerufen, sie werden zu Gesprächen eingeladen, zu Hintergrundgesprächen. Sie werden bombardiert mit Texten, sie werden im schlimmsten Fall sogar bedroht. Man sagt ihnen, dass bestimmte Gelder entzogen werden, die sie unter Umständen für andere Forschungen brauchen, wenn sie mit uns kooperieren. Das ist durchaus schon vorgekommen."
Schon nach den ersten veröffentlichten Patienteninformationen hatte das Institut zwei juristische Auseinandersetzungen mit Pharmaherstellern. Aber darauf war das Team eingestellt.
45 Mitarbeiter sind übrigens zurzeit im Institut beschäftigt, in diesem Jahr kommen noch zehn dazu. Im Endausbau sollen es etwa 80-100 werden. Sie sind Mediziner, Biologen, Psychologen und Statistiker.
Der Mensch Prof. Sawicki
Zurzeit ist er noch sehr viel unterwegs, um sich und das Institut überall vorzustellen. Seine Grundregel: Wer keine ungerechtfertigten Pfründe verteidigt, hat nichts zu befürchten. "Ich lege mich fest, ich rede nicht drumrum. In allen Telefonaten, Briefen und auch Vorträgen sage ich ganz genau, ohne den Fragen auszuweichen, was ich denke. Insofern ist auch relativ früh ein gewisses Vertrauen da, zumindest ein Vertrauen dahingehend, dass alles gesagt werden wird. Dass man auch da, wo man nicht übereinstimmt mit den Schlussfolgerungen des Instituts, zumindest wissen wird, warum dieses so entschieden wurde und nicht anders."
Die nächsten Monate werden nun zeigen, ob das friedlich abgeht oder eher kämpferisch. Dass die Familie in der Aufbauphase mal wieder etwas zurückstecken muss, daran ist sie gewöhnt. Seine Frau hat als Psychologin selbst an vielen Schulungsprogrammen mitgearbeitet. Falls es im Herbst eine neue Bundesregierung gibt, geht die Arbeit trotzdem weiter. Die Union hatte seinerzeit zugestimmt. Und Prof. Sawickis Vertrag gilt für sechs Jahre.

Dieser Text gibt den Fernseh-Beitrag vom 24.05.2005 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.
Liebe Grüße
Anne S.
 
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