Kirchenkritiker Hans Küng ist tot

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Kirchenkritiker Hans Küng ist tot

Seine vehemente Kritik an der katholischen Kirche und dem Papst hat ihn bekannt gemacht. Nun ist der Theologe Hans Küng im Alter von 93 Jahren gestorben....

Ein Vordenker für viele Reformkatholiken

"Die katholische Kirche ist krank, vielleicht sterbenskrank", diagnostizierte er einst mit Blick auf den Priestermangel und den Mitgliederschwund. Den Päpsten und nicht zuletzt seinem früheren Weggefährten Benedikt XVI. warf er vor, den biblisch bezeugten Jesus durch ein "selbst fabriziertes Kirchenrecht" verdrängt zu haben. Seine Forderungen wie die Abschaffung des Zölibats, also des Heiratsverbots für Priester, die Zulassung von Frauen zum Priesteramt und die Stärkung der Laien machten ihn für viele Reformkatholiken zu einem Vordenker.
...
Politiker und Kirchenvertreter würdigten sein Schaffen
... Sein großes Alterswerk wurde die von ihm ins Leben gerufene Stiftung Weltethos. Sie setzt sich für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung ein.

Grüsse,
Oregano
 
wundermittel
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Es steht mir nicht zu, den verstorbenen kath. Theologen Hans Küng zu be- oder zu verurteilen, jedoch sei daran erinnert, daß auch dieser vor dem Antritt seiner Professur für katholische Theologie an der Universität Tübingen den Eid auf das Glaubensbekenntnis der Kirchenversammlung zu Trient (1564) zu leisten hatte, das die vollständige Unterwerfung des Einzelnen unter "die heilige Mutter, die Kirche" vorschreibt: "Ihr steht das Urteil über den wahren Sinn und die Erklärung der heiligen Schriften zu. Nie werde ich sie anders auffassen und erklären als nach der einstimmigen Auffassung der Väter." Hier heißt es weiter: "Ich anerkenne die heilige katholische und apostolische römische Kirche als Mutter und Lehrerin aller Kirchen; Ich verspreche und schwöre wahren Gehorsam dem römischen Papst, dem Nachfolger des heiligen Petrus, des Apostelfürsten, und dem Statthalter Jesu Christi."
Quelle:
Neuner, J.; Roos, H.: Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung. Neubearb. von K. Rahner und K.-H. Weger – 13. Aufl. / Regensburg: Friedrich Pustet, 1992.

Anmerkung:
1. An diesem Text gibt es nichts zu rütteln oder umzudeuten: Entweder man akzeptiert diesen oder man lehnt ihn ab und sollte daraus die Konsequenzen ziehen.
2. Einem jeden, der die römisch-katholische Kirche wirklich verstehen will, empfehle ich dringend, den gesamten Neuner-Roos mit seinen 940 Randzahlen durchzuarbeiten - sonst wiegt er sich weiterhin in Illusionen.
 
Themenstarter
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Danke,Gerold, für den Hinweis auf diesen Text von 1564. Ich habe ihn so gelesen:
Treueid bei der Übernahme eines kirchlichen Amtes

(Formel, die für jene Gläubigen zu verwenden ist, die in can. 833, Nn. 5–8 genannt sind)

Ich, N. N., verspreche bei der Übernahme des Amtes eines . . ., dass ich in meinen Worten und in meinem Verhalten die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche immer bewahren werde.
Mit großer Sorgfalt und Treue werde ich meine Pflichten gegenüber der Universalkirche wie auch gegenüber der Teilkirche erfüllen, in der ich berufen bin, meinen Dienst nach Maßgabe der rechtlichen Vorschriften zu verrichten.
Bei der Ausübung meines Amtes, das mir im Namen der Kirche übertragen worden ist, werde ich das Glaubensgut unversehrt bewahren und treu weitergeben und auslegen; deshalb werde ich alle Lehren meiden, die dem Glaubensgut widersprechen.
Ich werde die Disziplin der Gesamtkirche befolgen und fördern und alle kirchlichen Gesetze einhalten, vor allem jene, die im Codex des kanonischen Rechtes enthalten sind.
In christlichem Gehorsam werde ich dem Folge leisten, was die Bischöfe als authentische Künder und Lehrer des Glaubens vortragen oder als Leiter der Kirche festsetzen.
Ich werde den Diözesanbischöfen in Treue zur Seite stehen, um den apostolischen Dienst, der im Namen und im Auftrag der Kirche auszuüben ist, in Gemeinschaft mit eben dieser Kirche zu verrichten.
So wahr mir Gott helfe und diese heiligen Evangelien, die ich mit meinen Händen berühre.

(Varianten im 4. und 5. Absatz der Formel des Treueids für jene, die in can. 833, Nr. 8 genannt sind)

Ich werde die Disziplin der Gesamtkirche fördern und zur Einhaltung aller kirchlichen Gesetze anhalten, vor allem jener, die im Codex des kanonischen Rechtes enthalten sind. In christlichem Gehorsam werde ich dem Folge leisten, was die Bischöfe als authentische Künder und Lehrer des Glaubens vortragen oder als Leiter der Kirche festsetzen. Unter Wahrung der Anlage und der Zielsetzung meines Instituts werde ich den Diözesanbischöfen gern beistehen, um den apostolischen Dienst, der im Namen und im Auftrag der Kirche auszuüben ist, in Gemeinschaft mit eben dieser Kirche zu verrichten.​

Wenn also jemand im Rahmen der Kirche ein Amt ausübt, muß er diesen Eid ablegen? - Wie sieht es aus, wenn so jemand ein "weltliches " Amt als ganz normaler Professor an einer Universität ausübt?

Ein ca. 450 Jahre alter Eid . Und Veränderung und eigenes Denken ist damit ausgeschlossen? Denken, das u.a. die Gleichberechtigung der Frau, die ja lange nach der Formulierung des Eids durch KirchenMÄNNER überhaupt Thema wurde, noch gar nicht kannte? Denken, das das Zölibat weiter ablehnte, obwohl etliche gute Gründe dafür sprechen?
Natürlich kann man nicht dafür garantieren, daß man immer im Sinne der Kirche denken und werken wird. Das ist nunmal so, wenn man mit ca. 28 Jahren ein Amt antritt. Und schon allein die Bedrohung, den Job zu verlieren, wenn man sein Denken und seinen Glauben verändert,sorgt sicher bei vielen und lange dafür, daß man nicht wirklich anfängt, gegen die Strom zu schwimmen. Wenigstens nicht öffentlich.

Insofern fand ich Herrn Küng immer mutig, daß er seinen Weg gegangen ist und ehrlich blieb, daß er die Konsequenzen gezogen hat.

Grüsse,
Oregano
 
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Wenn also jemand im Rahmen der Kirche ein Amt ausübt, muß er diesen Eid ablegen? - Wie sieht es aus, wenn so jemand ein "weltliches " Amt als ganz normaler Professor an einer Universität ausübt?
Theologieprofessuren sind keine "ganz normalen" Professuren. Sie haben innerhalb der Universität bis heute einen Sonderstatus.
 
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Theologieprofessuren sind keine "ganz normalen" Professuren. Sie haben innerhalb der Universität bis heute einen Sonderstatus.
Einem jeden im Namen und Auftrag der r. k. Kirche Lehrenden - sei dies ein Religionslehrer, ein Pfarrer oder ein Theologieprofessor - erteilt diesem zur Ausübung seines Amtes der zuständige Ortsbischof die "Missio Canonica", die kirchliche Sendung. Sofern sich jemand hierbei nicht an die kirchlichen Vorgaben halten sollte, wird ihm diese vom zuständigen Ortsbischof entzogen, wie dies Hans Küng ergangen ist.

Sofern siche jemand entscheiden sollte, künftig nicht mehr entsprechend den Vorgaben des "Glaubens der Kirche" nach Neuner-Roos lehren zu wollen, steht es ihm frei, von sich aus die ihm erteilte "Missio Canonica" in den Briefkasten des hierfür zuständigen Bischöflichen oder Erzbischöflichen Ordinariats einzuwerfen. Mir erscheint dies redlicher, als ständig gegen Papst und Kirche zu schimpfen und die "Missio Canonica" behalten zu wollen.
 
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Mir erscheint dies redlicher, als ständig gegen Papst und Kirche zu schimpfen und die "Missio Canonica" behalten zu wollen
Hallo Gerold,

das ist Deine Auffassung von "redlich".
Ich sehe es anders: wenn ich mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren kann, eine Lehre zu verkünden und zu unterstützen, die ich ablehne, dann finde ich es "redlich", 1. die Missio Canonica zurück zu geben, egal wie. Und 2. meinem Gewissen und meiner "Wahrheit" zu folgen, die nicht mehr mit den Regeln und Aussagen der kath. Kirche übereinstimmen.
Wenn mir das wichtig ist, finde ich es auch richtig, meine "Wahrheit" laut zu verkünden.

Grüsse,
Oregano
 
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Dann stimmen wir doch in der Sache überein, womit als einzige Möglichkeit verbleibt, die "Missio Canonica" zurückzugeben und die r. k. Kirche zu verlassen, um frei das zu sagen, was man als "Wahrheit" als richtig findet. - Genau dazu war aber Hans Küng nicht bereit.
 
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Es steht mir nicht zu, über das Verhalten von Hans Küng zu urteilen und schon gar nicht, ihn zu verurteilen.

Hier noch ein Nachruf:
qhttps://www.zeit.de/2021/15/hans-kueng-heologe-kirchenkritiker-tuebingen-nachruf?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com
Daraus:
...
Später wurde dieser Küng, Jahrgang 1928, sehr im Gegensatz zu dem ein Jahr älteren Ratzinger, kein Bewahrer seiner Kirche, sondern ein Veränderer. Gemeinsam hatten die beiden Deutschen Mitte der Sechzigerjahre noch am großen Reformkonzil im Vatikan teilgenommen, und weil sie zu den Jüngsten gehörten, nannte man sie Teenager-Theologen. Ihre konträren Karrieren sind heute Legende. Doch während Ratzingers Biografie auf dramatische Weise mit dem Abrutschen seiner Kirche in die Glaubwürdigkeitskrise einherging, zeigt der Weg von Küng, dass die Kirchengeschichte anders verlaufen wäre, hätten Beherzte, Streitlustige, Reformfreudige wie er sich in der Hierarchie durchgesetzt.

Stattdessen wurde Hans Küng schon 1975 für seine Bücher – wider die Unfehlbarkeit des Papstes und die Unveränderbarkeit der Kirche – von der Glaubenskongregation in Rom gerügt. Als alles Gängeln nichts half, entzog man ihm die Lehrerlaubnis. Jedoch: Er behielt seinen Lehrstuhl, nun kirchenunabhängig. Statt sich im Dissidentenstatus einzurichten, warf er sich auf das Thema Weltreligionen, nebenher schrieb er provokante Bücher wie Existiert Gott? und Ist die Kirche noch zu retten?.

Grüsse,
Oregano
 
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Hier vermag ich nur erneut darzustellen, daß die weitaus meisten vom Selbstverständnis der r. k. Kirche keine Ahnung haben und sich bezüglich deren Veränderbarkeit Illusionen hingeben, weshalb ich einem jeden dringend empfehle, den Neuner-Ross von der Randzahl 1 bis zur Randzahl 940 genau durchzuarbeiten:
Neuner, J.; Roos, H.: Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung. Neubearb. von K. Rahner und K.-H. Weger – 13. Aufl. / Regensburg: Friedrich Pustet, 1992.

Dabei sind dort die wirklich 'harten Hämmer' nicht abgedruckt, wobei ich vor allem an die dogmatisierten "Sentenzen des Petrus Lobardus" denke.

Zusammenfassend sei festgestellt: Während Joseph Ratzinger dem Selbst- und Amtsverständnis der r. k. Kirche sein Leben lang konsequent treu geblieben ist, hat sich Hans Küng - gleichfalls sein Leben lang - dessen verweigert.
 
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Ja, er hat sich geweigert, sich von der katholischen Kirche Grenzen setzen zu lassen. Ich hab ihm mal am Sonntag morgen zugehört im Talk und war sofort begeistert von diesem Mann. ❣️
 
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17.03.16
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Eine andere Rebellin war Uta Ranke Heinemann, die Tochter des früheren Bundespräsidenten, die kürzlich verstorben ist. In ihrem Buch „Eunuchen für das Himmelreich“ prangert sie die unsägliche Sexualmoral der Kirche an. Auch ihr wurde die Lehrerlaubnis entzogen. Dass Schwangere nicht auf geweihten Boden beerdigt wurden, weil mit ihnen ein ungetauftes Kind starb, gehört zum Glück der Vergangenheit an. Aber es ist viel Unmenschlichkeit im Namen des Herrn übrig geblieben.
 
regulat-pro-immune
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Hier vermag ich nur erneut darzustellen, daß die weitaus meisten vom Selbstverständnis der r. k. Kirche keine Ahnung haben und sich bezüglich deren Veränderbarkeit Illusionen hingeben, weshalb ich einem jeden dringend empfehle, den Neuner-Ross von der Randzahl 1 bis zur Randzahl 940 genau durchzuarbeiten:
Neuner, J.; Roos, H.: Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung. Neubearb. von K. Rahner und K.-H. Weger – 13. Aufl. / Regensburg: Friedrich Pustet, 1992.
Hallo gerold,

Du bist zweifelsohne sehr belesen, und dafür hast Du meine volle Bewunderung. Ich habe weder die Zeit noch Lust, die angegebene Lektüre zu lesen und kann mir trotzdem eine Meinung bilden. Jeder auf seine Weise ...

Die "Wurzel allen Übels" ist immer der Mensch, sowohl als Verursacher/Anführer wie auch als "Follower".
Das zeigen Diktaturen und andere große Gemeinschaften unter einer einzigen Führung wie die kath. Kirche.
Solange Menschen von unterdrückerischen Regimes irgendwie profitieren können, werden sie sich finden.

Grüsse,
Oregano
 
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24.10.05
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Die "Wurzel allen Übels" ist immer der Mensch, sowohl als Verursacher/Anführer wie auch als "Follower".
Das zeigen Diktaturen und andere große Gemeinschaften unter einer einzigen Führung wie die kath. Kirche.
Solange Menschen von unterdrückerischen Regimes irgendwie profitieren können, werden sie sich finden.
So ist es, weshalb es entscheidend darauf ankommt, auf welche Weise dies seit nunmehr zwei Jahrtausenden in der r. k. Kirche offenbar höchst effizient realisiert wird.
 
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