Interpretationen

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Auslegungen, Interpretationen, Erörterungen zu Gedichten und anderer Literatur könn en ab sofort hier hinein gestellt werden.
Was denkt Ihr zum Beispiel zu folgendem Text?


Es interessiert mich nicht, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst.
Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist.
Und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.
Es interessiert mich nicht, wie alt du bist.
Ich will wissen, ob du es riskierst wie ein Narr oder eine Närrin auszusehen
Um deiner Liebe willen und für das Abenteuer des Lebendigseins.
Es interessiert mich nicht zu erfahren wo du lebst und wie viel Geld du hast.

Ich will wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und Verzweiflung,
erschöpft und bis auf die Knochen zerschlagen und tust, was für die Kinder getan werden muss.
Es interessiert mich nicht wer du bist und wo du hergekommen bist.
Ich will wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.
Es interessiert mich nicht ob die Geschichte die du erzählst wahr ist.

Ich will wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst um dir selbst treu zu sein.
Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine Seele verrätst.
Ich will wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und daher vertrauenswürdig.

Ich will wissen, ob du Schönheit sehen kannst, auch wenn der Tag nicht schön ist
Und ob du dein Leben aus Gottes Gegenwart speisen kannst.
Ich will wissen, ob du mit dem Scheitern meinem und deinem leben kannst
Und trotz allem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des Vollmondes rufst: Ja!

Es interessiert mich nicht, wo oder was du gelernt hast.
Ich will wissen ob du allein sein kannst
Und in den leeren Momenten wirklich gern mit dir zusammen bist.
Ich will wissen, ob du dennoch dein inneres Lachen spüren kannst,
denn dann bist du ganz nah dem LEBEN, der LIEBE, dem ALL_EINS_SEIN,
verschmolzen mit der Quelle deiner Kreativität.

(shamán)gepostet heute, von chiara


Herzliche Grüße von

Leòn
 
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das ist ein text der mich auch einmal sehr berührt, fast getroffen hat.
es ist ein ruf zu authenzitität.
er bricht durch das formale zum eigendlichen, zur essenz unseres seins.
in anlehnung an diesen text:

es interessiert mich nicht was einer über diesen text denkt, oder kluges zu sagen weiß.
ich will wissen ob du diesen text fürchten und lieben kannst!

danke für das reinstellen
andreas
 
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Lieber Andreas,

ich liebe diesen Text!

Je nach Gemütslage empfinde ich die Zeilen: ehrlich, mutmachend, voller Leidenschaft und manchmal auch als "Tritt in den Allerwertesten".

Liebe Grüße
Sema
 
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04.04.07
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hi selma:
ja man könnte sagen: der text bringt einen wieder auf den rechten weg.
oder besser noch: er nordet uns wieder ein.

lieber gruß
andreas
 
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es interessiert mich nicht was einer über diesen text denkt, oder kluges zu sagen weiß.
ich will wissen ob du diesen text fürchten und lieben kannst!
Hallo Holon,
das finde ich völlig in Ordnung!

Dennoch sind hier Interpretationen, Gedanken und Gefühle, zu diesem - und später vielleicht auch anderen Texten - ausdrücklich erwünscht!

Herzliche Grüße von

Leòn
 
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hi selma:
ja man könnte sagen: der text bringt einen wieder auf den rechten weg.
oder besser noch: er nordet uns wieder ein.

lieber gruß
andreas

Lieber Andreas,

ich heiße S E M A (ohne L in der Mitte) :) Mit dem "L" ist die Bedeutung meines Namens dahin..... :traurig: (und dabei hat sich meine Mama damals bei dem Namen schon was dabei gedacht) schau mal bitte hier: http://www.symptome.ch/vbboard/jugend-ecke/5651-bedeuten-nicknamen-2.html#post56638

Liebe Grüße
Sema/S.E.M.A./Semâ
 
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04.04.07
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hi leon hi liebe SEMA!

sorry sorry.
ich wollte nicht eine erörterung abwürgen.... wie käme ich dazu
der satz von mir, sollte eher als meine interpretation mitverstanden werden,
und ich hatte spass im gleichen gestus zu formulieren

SEMA: asche auf mein haupt. und 10 niederwerfungen in richtung deines fotos.

lieber gruß
andreas
 
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19.03.06
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Nur 10?;)

Hallo Holon,

ist schon klar!:) - Du hast ja auch von Dir gesprochen!

Herzliche Grüße von

Leòn
 
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22.02.07
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Hallo Leòn,

ich kann mich zu o. g. Text nur Holon anschließen... für mich ist es einer der anrührendsten Texte, denn er geht an die Essenz - sofern man sich darauf einlassen kann. Er führt uns zu uns selbst zu unserer tiefsten Mitte zu dem, was wir oftmals verdrängen und was trotzdem einen Teil unseres Wesens ausmacht. Wir sind nur Ganz, wenn wir alle unsere Seiten annehmen können, denn wo Licht ist, ist auch Schatten.

Ich habe noch ein Gedicht, was ich wunderschön finde und das möchte ich einfach jedem der es liest HEUTE widmen:

Achte gut auf diesen Tag,
denn er ist das Leben,
das Leben allen Lebens.

In seinem kurzen Ablauf liegt alle
Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins,
die Wonne des Wachsens,
die Größe der Tat,
die Herrlichkeit der Kraft.

Denn das Gestern ist nichts als ein Traum
Und das Morgen nur eine Vision.

Das Heute jedoch recht gelebt macht jedes
Gestern zu einem Traum voller Glück
Und jedes Morgen zu einer Vision
Voller Hoffnung

D`rum achte gut auf diesen Tag!
Liebe Grüße

Chiara
 
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10.01.04
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Auf mich wirkt das Selbstgespräch von Oriah Mountain Dreamer sehr stark.
Aber ich habe es einmal - quasi als meine Interpretation - anders geschrieben. Diese Form gilt für ein "Du" und auch, wenn es um mich selbst geht.

Mich interessiert alles, was Dich betrifft.
Ich höre Dir zu, wenn Du über Dein Leben berichtest,
Ich höre Dir zu, wenn Du von Deinen Gefühlen erzählst.
Ich nehme an Deinem Leben teil, wenn Du mich teilnehmen lassen möchtest.

Mich interessiert, wie Du mit Dir umgehst und mit wem Du umgehst.
Mich interessiert, wo Du herkommst.
Mich interessiert, daß Du Nächte voller Trauer und Verzweiflung kennst,
und ich bewundere Dich, wenn Du trotzdem am Morgen aufstehst und weiter machst.

Ich würde gerne mit Dir die Dinge tun, die mir wichtig sind.
Ich höre Dir zu, wenn Du mir Deine Wahrheit erzählst.

Wenn Du Deinen Weg gehst, verstehe ich, daß nicht jeder Dich dabei begleiten kann.

Es ist schön, wenn Du für Dich Klarheit hast und diese auch Deinen Mitmenschen vermitteln kannst.
Ich vertraue Dir gerne und ich mag es, daß Du mir vertraust.
Ich mag an Dir, daß Du auch in einer schlimmen Lage noch Positives entdecken kannst.
Ich mag an Dir, daß Du die Fähigkeit hast, immer wieder neu anzufangen.

Es interessiert mich, wo und was Du gelernt hast, und ich freue mich, daß Du auch allein mit Dir sein kannst, ohne eine innere Leere zu fühlen.

Ich bin froh, daß es Dich gibt, denn bei Dir sehe ich Leben, Liebe; Menschsein.

 
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28.10.05
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Zitat von Holon (Andreas)
SEMA: asche auf mein haupt. .....
...ähem, was bedeutet dieser Spruch? Was willst Du mit der Asche auf deinen Haupt, wann und wieso sagt man sowas? :confused: :)

Kann mal bitte jemand eine kleine verwirrte Türkin aufklären?

Dankeeee....

Gruß
Sema:lolli:

PS: Sorry, Off-Topic, aber ich muss das jetzt wissen!:eek:) :)
 
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22.02.07
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Hallo Uta,

ich bin überrascht - das ist wirklich eine super Eigeninterpretation! Ich dachte zunächst, dass dir die Zeilen nicht gefallen... so kann man sich täuschen ;-)

Viele Grüße

Chiara
 
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19.03.06
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Hallo Sema,

"Asche auf mein Haupt" ist eine Redensart, mit der man ausdrücken will, dass es einem leid tut, bzw. dass man bereit ist, sich zu entschuldigen. Meistens wird diese Redensart auf katholische Aschermittwochsbräuche bezogen, bei denen Christen anzeigen, dass sie bereit zur Buße und Umkehr sind, indem sie zum Beispiel Asche auf ihr Haupt streuen oder ein Aschekreuz auf ihre Stirn malen.
Der Ausdruck "In Sack und Asche gehen" kommt ebenfalls daher.

Ich vermute allerdings. dass diese Traditionen wiederum ihre Wurzeln in altjüdischen Trauerbräuchen, die auch im Alten Testament (der Thora) bezeugt sind, haben.

Herzliche Grüße von

Leòn
 
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10.01.04
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Ich dachte zunächst, dass dir die Zeilen nicht gefallen... so kann man sich täuschen ;-)
Hallo Chiara,
siehste, man sollte erst gar keine Erwartungen haben, dann braucht man sich auch nicht zu ent-täuschen.

Gruss,
Uta
 
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22.02.07
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Hallo Uta,

da hast du wohl recht, jedoch finde ich es immer wieder schön, nochmals überrascht zu werden. ICH freue mich darüber und gestatte mir durchaus kleine Ent-täuschungen. Und ich werde mich wahrscheinlich niemals davon befreien keine Erwartungen zu haben - da bin ich mittlerweile völlig desillusioniert ;-)

Greats

Chiara
 
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04.04.07
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hi SEMA
asche aufs haupt streuen ist ein akt der buße. es hat mit reue zu tun.
die bedeutung deines namens verdient selbstverständlich auch eine ordendliche rechtschreibung!


hi uta
das was du da schreibst ist mir sehr nahe und läßt mich über manche inhaltliche differenz hinweg an dieser stelle verbundenheit fühlen.
gruß

andreas
 
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14.01.04
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Ich finde den Ursprungstext sehr anregend. Einen Einfluss auf das leben hat es aber rst, wenn es praktisch wird. Mich interessiert deshalb die Antworten auf die im Text aufgeworfenen Fragen. Die Antworten meiner selbst und Euch.

Ich beginne damit selber:

Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist.
Freiheit, Gerechtigkeit, erweckung für alle

Und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.
Jaaaaaa!

Ich will wissen, ob du es riskierst wie ein Narr oder eine Närrin auszusehen
Um deiner Liebe willen und für das Abenteuer des Lebendigseins.

Ja!

Ich will wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und Verzweiflung,
erschöpft und bis auf die Knochen zerschlagen und tust, was für die Kinder getan werden muss.

Oh ja!

Ich will wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.
Kommt darauf an, wer das mir ist und was das Feuer ist

Ich will wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst um dir selbst treu zu sein.
Ja, wenn auch ungern

Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine Seele verrätst.
Jaa!

Ich will wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und daher vertrauenswürdig.
Denke klar ja.

Ich will wissen, ob du Schönheit sehen kannst, auch wenn der Tag nicht schön ist
Ja, wenn auch manchmal oder meistens viel zu wenig.

Und ob du dein Leben aus Gottes Gegenwart speisen kannst. Noch zu wenig aber immer mehr

Ich will wissen, ob du mit dem Scheitern meinem und deinem leben kannst
Und trotz allem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des Vollmondes rufst: Ja!

Kommt darauf an, was man als Scheitern anschaut.

Ich will wissen ob du allein sein kannst
Und in den leeren Momenten wirklich gern mit dir zusammen bist.

Klar ja und ja

Ich will wissen, ob du dennoch dein inneres Lachen spüren kannst,
Nicht immer, aber immer öfter


Wie steht es bei Euch?
 
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22.02.07
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...na Beat - das liest sich doch sehr sympathisch ;-)

Meine Antworten wäre mit deinen fast identisch... bis auf die Passage mit dem Scheitern. Ich denke, ich werde immer wieder mal scheitern, aber das ist nicht schlimm, sondern gehört zum leben dazu. Deshalb wäre meine Antwort auch auf diese Frage, ein klares: Jaaa

Und auf diese Passage:

Ich will wissen, ob du dennoch dein inneres Lachen spüren kannst

lautet meine Antwort:

je älter ich werde, desto öfters und mehr kann ich dieses Lachen spüren

Liebe Grüße

Chiara
 
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