Glauben und Psyche

Wolfgang Jensen

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Als erstes einer Reihe von Themen möchte ich heute beginnen mit

Glauben und Psyche

Es gibt nicht wenige Gelehrte mit der Auffassung, Glauben könne krank machen; einige behaupten sogar, Glauben sei die Wurzel allen Übels auf der Welt. Wieder andere behaupten: eben darum gäbe es Religion als geistiges Phänomen, um an die Ursache von Leid, Unglück und Krankheit zu gelangen. Hieße das, der Glaube würde nicht krank machen, sondern nur eine im feinstofflichen Innen verborgene Krankheit restimulieren?

Als Einstieg in das Thema wählte ich einen Text aus meinem Fundus. Es geht um "Meister Eckhardt" - meine Notizen stammen aus dem Buch eines Geschichtsphilosophen, Friedrich Heer. Sein Buch heißt

"Abschied von Höllen und Himmeln"

S. 140 9. Kapitel Zwei große Antipoden – Dante und Meister Eckhart

S. 149 – 152 Meister Eckhart
... ist „Neuplatoniker“: Gott ist reiner Geist, ist „Alles in Allem“.
... Jeder Mensch ist eine „hochadelige“ Kreatur, die in ihrer höchsten Spitze ihrer Vernunft in Gott reicht, in ihm geborgen ist.
... Der Mensch ist nicht berufen, Knecht Gottes, sondern Sohn, Mitherrscher, ja – Gott zu werden.
... Gott ist ein Gott der Gegenwart, hebt radikal die alten Himmel und Höllen auf. Dazu muß er dem Menschen die Angst nehmen, die Angst zu leben, die Angst zu lieben, die Angst zu leiden, die Angst vor Gott und den Menschen. Und
... Gott ist hochherzig, generös, er weiß wie schwach der Mensch sein kann. Und
...Wirf alle Heiligen und wirf „Maria“ hinaus aus deiner Seele! Wirf selbst Gott hinaus aus deiner Seele, wenn er dich hindert, “gelassen“, wahrhaft frei zu werden, wenn Gott nur noch ein Gegenstand, ein Kultobjekt geworden ist, das dir den Eingang in die wahre Freiheit verstellt.
Und: Der Mensch muß Himmelreich werden: Der Mensch muß Gott in sich gebären.
Er erneuert ein archaisches Urvertrauen: Wer in Gott lebt, hat keine Angst vor der Hölle.
Und: Die Gerechten stehen so fest in der Gerechtigkeit und haben sich so gänzlich ihrer Selbst entäußert, daß sie weder die Pein der Hölle noch die Freuden des Himmelreiches noch irgend etwas beachten.
Und: „Er“ wird von japanischen Zen-Buddhisten, von Indern, von Afrikanern als „großer Bruder“ erfahren, als geistvoller Mittler jenes Identitätserlebnisses, dessen Ausfall den Menschen schizophren, selbsthassend und aggressiv werden läßt.

S. 148 - Der Kölner Erzbsichof Heinrich von Virneburg – führt den Prozeß gegen Meister Eckhart.

So schön kann eine christliche Welt sein, dachte ich gerade in meiner fast grenzenlosen Naivität. Glauben, wie können wir uns davor schützen? glauben, wie können wir damit heilen? Diese beiden Fragen stehen im Zentrum meines Themas, das, so wünsche ich mir, sehr pragmatisch diskutiert werden sollte - im Sinne kranker Menschen.

Gruß Wolfgang
 
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02.05.06
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hi Wolfgang,
wenn ich es richtig verstehe geht es hier im erste über glauben in verbindung zu ein religion.
aber man kan auch glauben ohne bestimmte religion an zu deuten.oder gott sogar.
ich glaub in es göttliche in uns,das hab ich mal geschrieben.
ich glaube das das göttliche nicht slecht kann sein,es hilft uns,es zeigt uns den weg.
was oft als slecht umschrieben wird,hat immer auch gutes in sich,polarität.
und auch umgekehrt.
wahrhaft frei wird man wenn man gut oder böse losslassen kan,und als erfahrung betrachtet.
wenn man ist so man ist in voller vertrauen das was man sagt tut ein sinn hat.einen die wir selber manchmal nicht verstehen können.
wenn man glaubt an ein gott,die urteilt ,dan wäre den tipp von oben,schmeiss ihm aus dein leben ein gute.weil das nimmt freiheit und ist ungöttlich.
ist viel über zu schreiben aber lass es erst mal dabei.
liebe grüss Soul
 

Wolfgang Jensen

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Da haben wir den ersten Tipp, von soullove, sein Befolgen wirkt über den Glauben auf die Psyche ein:

... wenn man glaubt an ein gott,die urteilt ,dan wäre den tipp von oben,schmeiss ihm aus dein leben ...

Soullove postuliert hier: ein Gott, der urteilt, taugt nichts als Wegbegleiter. Wir brauchen tatsächlich keine Angst haben, für eine Lebensleistung bestraft zu werden, die wir in dieser Welt und mit unseren Voraussetzungen nicht besser erfüllen konnten. In der Psyche kann das wie Balsam wirken: "Gott" sieht alles, aber er betrachtet mich wohlwollend.

wahrhaft frei wird man wenn man gut oder böse losslassen kan,und als erfahrung betrachtet.

Dem stimme ich zu - Gut und Böse ist nicht ein Guter Gott und ein Böser Teufel, es ist die Qualität unserer Erfahrungen, denen wir einen verschiedenen Wert beimessen. Also: wer sich von dem Glauben befreit, hier würden Gott und der Teufel miteinander um die Macht kämpfen, ist z.B. befreit von der Angst, dem "Widersacher" in die Hände und in Ungnade zu fallen.

ich glaube das das göttliche nicht slecht kann sein,es hilft uns,es zeigt uns den weg.

Im "wahrhaft" Göttlichen, das ist meine Interpretation, können wir Vertrauen finden für den Weg, der aus unserer Sicht verschlungen und unberechenbar scheint, aus der Sicht des göttlichen Prinzips folgen wir seinem Licht -. das allerdings nur für wenige erkennbar ist. Vertrauen ist das Gefühl, das in der Psyche für Ordnung und Harmonie sorgt.

Danke, soullove, du schreibst wenig - und doch sehr viel.

Wolfgang
 
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19.03.06
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Folgende Thesen hat mir heute ein Freund gemailt. Ich setze Herrn Jensens Einverständnis voraus und stelle den Text mal hier hinein. Schauen wir mal!

„Die Heilungsgeheimnisse der Jahrhunderte - die 12 Geisteskräfte des Menschen“ von Catherine Ponder

Die allgemeine Überzeugung, daß Glaube nur mit den religiösen Erfahrungen zu tun habe, ist (nämlich) falsch. Glaube ist eine Geisteskraft, die Sie immer und zu allen Zeiten benutzen. Er beeinflußt Ihre Gesundheit, Ihren Wohlstand und Ihr Glück, und das nicht nur am Sonntag, sondern an allen sieben Tagen der Woche.

Irgend etwas, woran Sie glauben, kann eine Entscheidung in ihrem Leben herbeiführen. Große Ergebnisse können erzielt werden, auch wenn Sie nur einen kleinen Glauben haben.

William James beschrieb die Glaubenskraft in ihrer Wirkung auf Gesundheit mit den Worten: „Glaube ist das dem Menschen eigene Energiezentrum“.



Paracelsus: „Glaube heilt jede Krankheit“.

Geistheiler Dr. Phineas Quimby: „Ein Unglaube ist es, was ich Krankheit nenne – Krankheit ist ein mentaler Zustand“. Und: „Der Geist ist die Ursache von Krankheit
Gruß von Leòn
 
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25.01.05
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Grüss euch,

es ist so offensichtlich, dass negative Glaubensvorstellungen zu Mangel, Krankheit und Elend führen können. Ebenso passend ist die Feststellung, dass positive Glaubensvorstellungen zu Fülle, Heil und Reichtum führen können, obschon das nicht so bekannt ist. Woran mag das nur liegen?

herzlichst - Phil

PS. Was ich noch sagen wollte: Geist steht über der Materie :D
 
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14.01.04
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Hallo Wolfgang und Soul

Wir brauchen tatsächlich keine Angst haben, für eine Lebensleistung bestraft zu werden, die wir in dieser Welt und mit unseren Voraussetzungen nicht besser erfüllen konnten. In der Psyche kann das wie Balsam wirken: "Gott" sieht alles, aber er betrachtet mich wohlwollend.
Die Frage ist einerseits, was konnten wir den tatsächlich nicht wissen und andererseits werden wir nicht auch Leute bestraft, die Amalgan reinmachen liessen, auch wenn sie deren negative Wirkung nicht kannten?

wahrhaft frei wird man wenn man gut oder böse losslassen kan,und als erfahrung betrachtet.

Dem stimme ich zu - Gut und Böse ist nicht ein Guter Gott und ein Böser Teufel, es ist die Qualität unserer Erfahrungen, denen wir einen verschiedenen Wert beimessen. Also: wer sich von dem Glauben befreit, hier würden Gott und der Teufel miteinander um die Macht kämpfen, ist z.B. befreit von der Angst, dem "Widersacher" in die Hände und in Ungnade zu fallen.

Solche Aussagen tönen vieleicht schön und wunderbar. Sobald sie aber konkret werden fallen sie in sich zusammen. Bsp: Der jugendliche Mörder der nach Horrorfilmen und oder durch eine schreckliche Erziehung Meneschen umbrachte, wurde also weder durch das Böse beeinflusst, noch hat er etwas schlechtes getan, Es ist also nur "die Qualität unserer Erfahrungen, denen wir einen verschiedenen Wert beimessen" aber absolut waren die Morde nicht böse oder schlecht.

ich glaube das das göttliche nicht slecht kann sein,es hilft uns,es zeigt uns den weg.
Dem stimme ich absolut zu. Schlecht ist entgegen dem Tier der Mensch, der aufgrund seiner Entscheidungsfreiheit immer wieder mehr oder weniger häufig sich meist bewusst für das Schlechte/Böse entscheidet. Die AUSWIRKUNGEN SPÜREN DANN ALLE.
 

Wolfgang Jensen

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Glauben und Erich Fromm

Ich gebe es ja zu, bin ein großer Freund von Erich Fromm. Seelenverwandschaft? Keine Ahnung, manche Menschen greifen mir, ohne Umschweife zu machen, direkt ins Herz. Guten Mooorgen!

Eines seiner Worte, die sogar an der Wurzel meines Seins rührte, lautet:

„Solange es Leben gibt,
solange glaube ich an die Hoffnung,
dass das Potential, das in uns angelegt ist,
wieder durchbrechen wird,
sich wieder äußern wird.
Solcher Glaube hängt davon ab,
wie viel jeder bei sich selbst
von dieser Hoffnung spürt und miterlebt
und sie damit anderen
in gewisser Weise mitteilen kann.“
(Erich Fromm).

Glauben einmal anders, Glauben als die Hoffnung IN das Leben.
Wenn er von einem "Potential" spricht, und davon, ein "Gefühl" mitzuteilen, kann ich ahnen, bei diesem Potential könnte es sich um die Liebe handeln.

Das Leben für die Liebe - die Liebe für das Leben.

Ist das eine stimmige Gleichung, mit der Mensch sich über das Profane und Gemeine des Alltags erheben kann?
 
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17.05.06
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Am Anfang war die Liebe und die Liebe war bei Gott und Gott ist die Liebe.

Wir sind geschaffen nach Gottes Ebenbild!

Was zeichnet uns aus? "Seele", "innere Stimme", "Herz", "Gewissen".
Das ist etwas anderes als nur Instinkte.
Wenn dem so ist, und ich die Bibel "ursprünglich" "wörtlich nehme, ist Gott in uns, sein Ebenbild, also ist mein "Gefühl" göttlich. Und was ist das Gefühl.... Liebe.
Schauen wir auf Menschen die große Eindrücke hinterlassen, .. die im Einklang mit ihrem Inneren, dem herzen, der seele, der inneren stimme leben.... auf sich hören. Sie haben ausstrahlung, Charisma... und ihr Umgang mit dem schicksal, der krankheit....
Mag sein, dass der mensch manches schicksal, manche krankheit nicht ändern kann, aber wie er damit umgeht, wie er es annimmt.
 
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