Gehirn:zerstört durch Prionen (z.B.Wachstumshormon-Spritzen)?

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Das Thema "Ist Alzheimer ansteckend?" gab es hier im Forum schon einmal. Allerdings ist die Diskussion dann etwas "zerlaufen". Deshalb hier noch einmal dieses Thema aufgrund eines Artikels in SPEKTRUM.

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Zusammen mit seinem Team von Pathologen betrachtete er die obduzierten Gehirne von vier Patienten, die mit Wachstumshormonextrakten aus dem Körper Verstorbener behandelt worden waren. Erst später hatte sich offenbar herausgestellt, dass einige dieser Extrakte mit fehlerhaft gefalteten Proteinen – so genannten Prionen - kontaminiert waren. Diese sind bekannt dafür, die seltene und tödliche Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) zu verursachen – und in der Tat waren alle vier Patienten infolge der Behandlung im Alter zwischen 40 und 60 Jahren verstorben.
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Die Gehirne waren übersät mit weißlichen Plaques, wie sie eigentlich für die Alzheimerkrankheit typisch waren – mit anderen Worten: Sie sahen aus wie Gehirne junger Menschen mit einer Krankheit alter Leute.

Collinge kam zu dem beunruhigenden Schluss, dass die Plaques bei der Injektion des Wachstumshormons zusammen mit den Prionen übertragen worden sein könnten, was der erste Hinweis auf die Übertragbarkeit der Alzheimerkrankheit wäre. Wenn sich dies bewahrheiten sollte, könnte das weit reichende Konsequenzen haben. So bestünde nämlich die Möglichkeit, dass bei medizinischen Eingriffen mit Übertragung von Körperflüssigkeiten oder Geweben wie Bluttransfusionen, Organtransplantationen oder anderen Behandlungen so genannte Seeds (Keime) des an Alzheimer beteiligten Beta-Amyloidproteins übertragen werden könnten.
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"Es gibt keinen eindeutigen Hinweis darauf, dass Amyloid-Seeds tatsächlich Krankheiten übertragen können oder dass Amyloide sich im Gehirn wie Prionen ausbreiten", erklärt Pierluigi Nicotera, der wissenschaftliche Direktor des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn. "Vielleicht gibt es ja noch andere biologische Erklärungen."
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1982, als Stanley Prusiner bei seiner Arbeit an der University of California in San Francisco erstmals Hinweise auf Prionen fand, die Krankheiten verursachten. Der Forscher prägte damals auch ihren Namen aus den Wörtern proteinartig (proteinacious) und infektiös (infectious). Wie Prusiner zeigte, kommen Prion-Proteine (PrP) in einer normalen zellulären und in einer falsch gefalteten infektiösen Form vor. Diese fehlgefalteten Proteine zwingen die normalen Formen dazu, sich ebenfalls falsch zu falten und setzen so eine Kaskade in Gang, an deren Ende die Zellen absterben. Sei es Scrapie bei Schafen, Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE oder Rinderwahnsinn) bei Rindern oder eine Prionenerkrankung wie CJK beim Menschen – immer verwandelt sich das Gehirn der Betroffenen in eine schwammartige Masse.

Prusiner und andere Wissenschaftler untersuchten auch die Ausbreitung der Prionen. Laut ihrer Arbeiten lässt sich in eigentlich gesunden Tieren eine Erkrankung auslösen, indem ihnen Hirnextrakte mit infektiösen Prionen gespritzt werden. Die Prionen können so aggressiv sein, dass zum Teil schon der Verzehr infizierter Gehirne zur Übertragung der Krankheit ausreicht. So sollen beispielsweise viele Fälle der in Großbritannien in den 1990er Jahren aufgetretenen CJK-Variante (vCJK) ihre Ursache im Konsum des Fleisches von BSE-infizierten Rindern haben.
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Neben Beta-Amyloid können auch die Proteine Tau und α-Synuclein bei Mäusen pathologisch wirken. In zwei Studien aus dem Jahr 2012 injizierten Wissenschaftler α-Synuclein-Fibrillen in das Gehirn von genetisch veränderten Mäusen, die Symptome einer Parkinsonerkrankung beim Menschen entwickeln. Durch die zusätzliche Injektion von α-Synuclein traten die Parkinsonsymptome schon früher auf und letztendlich der Tod der Tiere. Auch in einer dritten Studie konnten Forscher in normalen Mäusen eine parkinsonähnliche Neurodegeneration und Starre auslösen. Bei Menschen würde α-Synuclein nicht zwangsläufig so aggressiv wirken, weil Mausmodelle zu neurodegenerativen Erkrankungen die Situation im Menschen nicht adäquat widerspiegeln. Trotzdem nehmen Wissenschaftler die Befunde sehr ernst.

Sollte sich die Hypothese von der Übertragbarkeit der Erkrankungen bewahrheiten, hätte das vielerlei Auswirkungen. Amyloide haften ausgesprochen fest an metallischen chirurgischen Instrumenten und lassen sich durch die gängigen Sterilisationsverfahren nicht entfernen. Somit könnten dann tatsächlich Amyloide wie Keime während einer Operation übertragen werden. Die Proteine könnten jahre- oder sogar jahrzehntelang im Körper persistieren, bevor sie sich als Plaques ausbreiten, und vielleicht würden sie auch andere bei Alzheimer relevante pathologische Veränderungen fördern. Unabhängig davon könnte die Ansammlung amyloider Plaques in den zerebralen Blutgefäßen gefährlich sein, weil sie das Risiko für einen Gefäßwanddurchbruch erhöhen und zu kleinen Schlaganfällen führen können.
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Demenz: Ist Alzheimer ansteckend? - Spektrum der Wissenschaft

Spektrum Kompakt "Alzheimer - die Krankheit des Vergessens" - Spektrum der Wissenschaft

Das sind alles mehr oder weniger Spekulationen. Trotzdem ist es ein wichtiges Thema, denn es gibt immer mehr Operationen mit Operationsbestecken, und offensichtlich ist es ein schwieriges Forschungsgebiet.

Grüsse,
Oregano
 
wundermittel
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Ein interessanter Artikel:
Vermehrung von Prionen im Reagenzglas

Für seine These wurde Stanley Prusiner erst als Ketzer verfemt, dann mit dem Nobelpreis geehrt: Nicht Viren oder Bakterien, sondern Eiweißmoleküle sollten tödliche Hirnerkrankungen wie BSE verursachen. Die Erreger seien so genannte Prionen, falsch gefaltete Formen eines harmlosen körpereigenen Proteins, die sich vermehren, indem sie den normalen Molekülen ihre Struktur aufzwingen. Mit einem Trick konnten Forscher um Claudio Soto vom Serono Pharmaceutical Research Institute in Genf diese Vermehrung jetzt erstmals im Reagenzglas nachweisen. Sie entnahmen infizierten Hamsterhirnen den krankmachenden Stoff und mischten winzige Spuren davon mit der harmlosen Eiweißform. Dabei lagerten die Prionen zwar die körpereigenen Proteine an und wandelten sie in die bösartige Form um. Da sie jedoch große Molekülaggregate bildeten, nahm die Zahl der infektiösen Partikel nicht zu. Dies geschah erst, als die Forscher die Aggregate immer wieder durch Ultraschall aufbrachen. Auf diese Weise erreichten sie, dass der Anteil der Prionen auf 97 Prozent anstieg....

Jetzt hab ich mich gefragt, ob man diese Prione im Gehirn dann vermehrt, wenn man mit dem Handy telefoniert?

Oder ist das zu weit hergeholt?

Inzwischen ist das Füttern mit Tiermehl in der EU wieder erlaubt, wer weiß genau, ob Rinder oder Schafe immer noch mit BSE vielleicht nur latent infiziert sind, wird das Fleisch noch getestet und wenn ja, jedes Tier, nur das Gehirn, ...?
Wer kennt sich aus?
 
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