Diskussion zu Datura's Arbeitshypothese "Wie entsteht MCS"

Datura

in memoriam
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Diskussion zu Datura's Arbeitshypothese "Wie entsteht MCS"

So, hier bitte ich um Ergänzungen, kritische Fragen, Beiträge zu meinem oben festgepinnten Thread "Datura's Arbeitshypothese"

Viele Grüße
Datura
 
wundermittel
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Hallo Datura,

im Moment muß ich erstmal alles Gelesene verdauen: ich finde Deine "Arbeitshypothese" sehr dicht, hochinteressant und gleichzeitig deprimierend:
https://www.symptome.ch/vbboard/mcs...chemikalienunvertraeglichkeit.html#post552947

Verstehe ich das richtig?: Hier gehst Du u.a. davon aus, daß durch eine Störung des olfaktorischen Systems erst MCS entsteht, weil damit die Wege zum Hirn frei sind?
Dann stellt sich mir die Frage: woher kommt so eine Störung?

Ich habe mir das andersherum vorgestellt: durch chemische Noxen wird u.a. der Riechgang und dann das ganze "Riechsystem" geschädigt, so daß weitere Noxen dann noch schädlicher sind, schneller ins Hirn gelangen und von dort aus alle möglichen Schäden anrichten.

Grüsse,
Oregano
 

Datura

in memoriam
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Nein, nein, hab ich das so dämlich erklärt?

daß durch eine Störung des olfaktorischen Systems erst MCS entsteht

Die lipophilen Gifte machen die Störung, damit fängts an, dann kommen die Gifte leichter rein, direkt ins Gehirn, zuerst in die Amygdala, von da auch ins Zwischenhirn (Hypophyse usw), zum Bulbus olfaktorius, zum Cortex. Dann wird alles immer empfindlicher, geht immer leichter was rein, was da nicht hin soll.

Ich will diese Zusammenhänge noch genauer aufzeigen zwischen den Hirnstrukturen, aber das ist so schwer zu verstehen, habs gerade kapiert, muss mal sehen, wie ich auch Bilder hier reinkrieg ( bei Quellenangabe darf man???)

Viele Grüße, muss mit Hundi raus, will ja nachher ausgehen (zum chat)

Datura
 
regulat-pro-immune
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Daß MCSler besonders geruchsempfindlich sind, kann ich nur bestätigen. Ich bin in meiner Familie auch der "Schnüffelhase": "Komm doch mal her! Hier riecht es so komisch...."

Was ich mir aber auch überlege: ob MCSler nicht evtl. auch einen besonders schlechten Geruchssinn haben, weil ihre Nase eben zu sehr geschädigt wurde über die aufgenommenen Gifte?
Und ob evtl. MCSler durch die Schädigung ihrer Nasenschleimhäute teilweise solche Probleme mit einer verstopften Nase bekommen, daß sie zusätzlich noch Nasentropfen-abhängig werden?
Da Gifte ja nicht nur über die Nase in den Körper gelangen sondern auch über die Atemwege, könnte ich mir auch gut vorstellen, daß chronische Atemwegsbeschwerden wie chronische Bronchitiden auch Folge der Giftbelastung sind?

Grüsse,
Oregano
 

Datura

in memoriam
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Ja, Oregano, klar gelangen Gifte auch über die Schleimhäute und die Lunge zuerst in den Blutkreislauf, werden auf dem ersten Weg (first pass) durch die Leber gegiftet, entgiftet, ausgeschieden, abgelagert im Fettgewebe, im periferen Nervengewebe, im zentralen Nervengewebe, der Schilddrüse, Nebenniere usw usf., auch dort überall greifen noch Superentgiftungssysteme, je nach genetischer Ausstattung auch. Es können aber auch Polyneuropathien, Störungen im Hormonstoffwechsel geschehen, indem sie Neurotransmitterproduktion stören, Hormonproduktion stören- manche Gifte wirken hormonähnlich, es gibt so viele Störungsmöglichkeiten, auch Lähmungen.

Nach Beendigung der Giftexposition kann es zur Erholung der Systeme kommen, wenn der Körper sehr gut unterstützt wird, und das Menschenkind noch jung ist, Betonung auf kann.

Ich hab mal das Toxikologielehrbuch von Marquard/Schäfer gelesen und mir wichtige Sachen rausgeschrieben:

Darmflora kann den Fremdstoffmetabolismus beeinflussen - Antibiotikagabe!!

Freie Radikale

Können mit Neurotransmittern oder Coenzymen in Wechselwirkung treten und diese
inaktivieren.
Können auch auf zelluläre Makromoleküle und Membrane wirken und diese inaktivieren
Freie Radikale weisen eine besondere Reaktivität gegenüber Aminosäuren auf: Tryptophan,
Tyrosin, Phenylalanin, Histidin, Methionin und Cystin.

Enzyme können ihre katalytische Funktion verlieren durch freie Radikale

Radikalische Zwischenstufen organischer Fremdstoffe können mit Nukleobasen kovalente
Bindungen eingehen und zu DNA-Schäden führen.

Die Lipidperoxidation
Lipide mit mehreren Doppelbindungen können oxidativ zerstört werden (lipophile radikalische
Metabolite)

Membranphospholipide in den Zellmembranen können geschädigt werden (ihre mehrfach
ungesättigten Fettsäuren werden von Radikalen geschnappt und der Zelluntergang kann die
Folge sein.

PCB führt zu Störung im Bereich des Thymus (Verlust, Verringerung der T-Lymphozyten)

Lipidlösliche Substanzen können die Bluthirnschranke durchdringen. Die einzelnen Strukturen
des Gehirns haben eine unterschiedliche Empfindlichkeit gegenüber Noxen. Es kommt zu
Degeneration und Läsion an Neuronen, Axonen, Schwannschen Scheiden, und Gliazellen.
Geschmacksverstärker (Glutamat) führen (1,5-2g) beim Menschen zu starken Schädigungen.
Deenervation von Muskelfasern führt zu Muskelschwäche (durch Axongifte)
Demyelinisierende Substanzen können sich in unterschiedlichem Maß ausbreiten und rufen
diffuse oder umschriebene neurologische Defizite hervor.

Ich hab da jetzt nur mal ein paar Stichpunkte hier reinkopiert.

MCS ist nach meinen Überlegungen ein Sonderfall von Vergiftung im Gehirn sozusagen und warum sich MCS nach einer gewissen Zeit selbst am laufen hält und sogar verschlimmern kann, obwohl die Giftbelastung schon lange weg ist, schreib ich ja noch.

So, hab einen Krimi angefangen, geh noch bisschen raus in die Sonne, lesen.
Liebe Grüße
Datura.
 

Datura

in memoriam
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Und guck mal, Oregano, das

Dass manche Menschen nichts riechen und trotzdem chemikaliensensibel sind, kann mit einer Schädigung des olfaktorischen und trigeminalen Systems zusammenhängen (siehe oben). Die Nervenbahnen des olfaktorischen Systems sind verletzt und riechen nichts, die trigeminalen Nervenbahnen sind für die Empfindlichkeit auf Chemikalien verantwortlich.

habe ich oben geschrieben. Klar können die Riechnerven so verletzt sein, dass sie nichts riechen, aber es gibt eben noch die Nerven des Trigeminus mit den Chemorezeptoren, siehe hier:

„Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das trigeminale System das olfaktorische
System moduliert (Bouvet et al. 1987; Cain & Murphy 1980; Hummel & Kobal 1992;
Inokuchi et al. 1993; Kobal & Hummel 1988; Livermore et al. 1992) und dass
umgekehrt das olfaktorische System auch das trigeminale System beeinflusst (Cain &
Murphy 1980; Hummel et al. 1996; Kobal & Hummel 1988; Livermore et al. 1992).“
Tschüß
Datura
 

Datura

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Hallo,

So, Teil 3 ist fertig, morgen gehts weiter, ich werde die Sonne heute genießen.

Ich könnte ein bisschen Ermutigung brauchen!

Viele Grüße
Datura
 
regulat-pro-immune
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Hallo Datura,

von mir bekommst Du kiloweise Ermutigung :kraft::kraft::kraft:, weil ich alles, was Du bisher zu MCS geschrieben hast, sehr wichtig, richtig und interessant finde.
Das Thema MCS hat bisher eher ein Schattendasein hier geführt; vielleicht müssen sich die User erst an das neue Thema gewöhnen?

Grüsse,
Oregano
 
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23.04.06
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Ich finde es auch wichtig das Thema näher zu beleuchten.:)

Wichtig ist es auf jeden Fall.

Und, es wäre schön, wenn alle Menschen ein Bewusstsein für die Umwelt entwickeln würden.

Grüsse von Juliette
 

Datura

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Danke Euch beiden, Oregano und Juliette!

Datura
 
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01.10.10
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Hallo Datura,
vor einigen Wochen habe ich einen Artikel geschrieben, der einige Teile, die Du auch behandelst, abdeckt. Daher weiß ich, dass es nicht leicht ist diese komplexen Themen verständlich darzustellen. Ich finde, Du hast es gut gemacht!!
Kibo
 
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10.01.04
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Hallo Kibo,

möchtest Du nicht Deinen Artikel über MCS auch hier einstellen? Zu viele INfos gibt es ja eigentlich nicht, nur zu wenige.

Grüsse,
Oregano
 
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01.10.10
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Hallo Oregano,
leider ist der nicht auf Deutsch. Bis Weihnachten habe ich noch einiges zu tun, aber ich hoffe, dass ich ab Januar mich hier stärker beteiligen kann. Das Gebiet ist so groß, dass es wichtig ist zusammenzuarbeiten und so mehr der Puzzleteile zusammenfügen zu können.
Kibo
 
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10.01.04
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Der Januar ist ja nicht mehr so weit ;).

Grüsse,
Oregano
 
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14.02.15
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Tolle Zusammenfassung, fünf Jahre später immer noch aktuell!!

Ich verehre Dr. Ohnsorge. Er ist nicht nur ein hiesiger Pionier der Umweltmedizin, ich verdanke ihm mein Leben!!!! Leider ist er schon im Ruhestand.

Heute stellt sich mir die Frage, wie kann ich Giftstoffe erkennen? Ich möchte gesund werden und auch wieder etwas am Leben teilnehmen.
Die Gesellschaft hat keine Normen, weil sie die Krankheit nicht kennt.
Gutachter drohen noch immer mit Psycho... - mir kommen da nur die Tränen!

ich rufe SOS
 
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21.09.16
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Hallo Datura,
alle Achtung! Du hast super gut recherchiert und eine interessante Hypothese aufgebaut. Ich selber bin Therapeutin und auf solche Krankheitsbilder spezialisiert. Wir gehen derzeit davon aus, das MCS auf Grund einer Mitochondrienstörung entsteht. Die Zusammenhänge sind die gleichen wie du sie beschreibst nur steht bei uns die Störung der Mitochondrien an erster Stelle. Die Ursachen hierfür sind neben Umweltfaktoren (Chemikalien, Toxine Schwermetalle) auch schwere psychische (z.B. Kriegstraumen)oder physische Traumata (besonders die instabile HWS), Psychosozialer Stress, chronische Entzündungen, virale Infektionen (EBV usw) usw. Allen gemeinsam ist die Entstehung von nitronativer Stress und Neurostress (= Zellstress), was zu einer Überfrachtung an freien Radikalen und vermehrten Bildung von NO führt. Daraus kann dann das sehr toxische Peroxinitrit (NO/OON0) (siehe Kuklinski und Pall) entstehen. Ein Teufelskreislaufs entsteht. Die Mitochondrienfunktion wird dauerhaft gestört. Die Folgen sind gravierend und können von CFS, Burnout ähnlicher Symptomatik, chronischen Schmerzzuständen zu fast allen chronischen Zivilisationskrankheiten führen. Eben auch zu MCS.

Daher ist deine Behandlungsüberlegung absolut richtig. Alles was zu einer Normalisierung der MT-Funktion beiträgt ist hilfreich. (Mineralien, Vitamine, Enzyme, Aminosäuren, Neurotransmitterregulation usw.)

Die Störung der Mitochondrien lässt sich durch Speziallabor ziemlich genau feststellen. Mann kann seit neuestem auch die Schadstoffe auf der DNA messen, nennt sich DNA Addukt.
Auch die Auswirkungen von E-Smog sollten berücksichtigt werden. Dieser kann unter anderem die Bluthirnschranke öffnen und stört auch die Regulation der Steroidhormone und Neurotransmitter.

Sehr hilfreich in der Behandlung ist PC = Phosphatidylcholin in hohen Dosierungen oral oder als Infusion verabreicht.
PC stabilisiert die Zellmembranen wieder und entgiftet zuverlässig das ganze System (auch die DNA). Hier mal schauen unter Patricia Kaine. Allerdings dauert das lange!
Jedenfalls bin ich beeindruckt und werde mir deine Quellen auch alle in einer ruhigen Minute zu Gemüte führen!
Man lernt ja nie aus! Danke!
 
regulat-pro-immune
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21.09.16
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Oh, das ist ja schrecklich. Tut mir so leid.
Ich wurde durch einen Newsletter heute Morgen auf das Thema aufmerksam.
Nicht desto trotz ist es wichtig sich mit diesen Themen auseinander zu setzten. Ich bin überzeugt davon, dass wir (die Menschheit) den Ast unter uns absägen mit den vielen umwelt- und naturverachtenden Entwicklungen, die uns letztendlich krank machen.
 
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27.01.09
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Liebe Datura,

Bei MCS handelt es sich um eine milde Form von Porphyrie (siehe Forschung von Grace Ziem) oft in Zusammenhang mit einer milden Form von Glucose-6-Phosphatdehydrogenase-Magel.
Beide Erkrankungen werden unter Hämatologie erforscht.

Porphyrie ist eine Störung der Hämsynthese. Häm ist der Sauerstoff-tragende Bestandeteil von Hämoglobin.
Die These von Martin Pall zu Stickoxid (nitric oxide), die in der deutschen Umweltmedizin eine so grosse Rolle spielt, basiert auf der Forschung, aber er lasst das unerwähnt.
Stickoxid-Synthase (nitric oxide synthase) ist ein Hämenzym.

Synergistic effect of two or more polymorphisms on the toxic response
A toxic response to an environmental agent may be greatly exaggerated by the combination of two pharmacogenetic defects in the same individual, for example, the combined effects of the N-acetyltransferase (NAT2) polymorphism and the glucose-6-phosphate dehydrogenase (G6PD) polymorphism.
Authors: Mckinnon, Ross, Nebert, Daniel W.
in General Principles of Toxicology, Silbergeld, Ellen, Editor, Encyclopedia of Occupational Health and Safety, Jeanne Mager Stellman, Editor-in-Chief. International Labor Organization, Geneva. © 2011.

https://www.ilo.org/oshenc/part-iv/...ants-of-toxic-response?tmpl=component&print=1
Zur Freien Radikalforschung mit phospholipid breakdown und Enstehung von
oxidativem und nitrosativem Stress beachte man folgende Hypothese:

PDF]a free radical hypothesis of lead poisoning and ... - On Line

submission.quimicanova.sbq.org.br/qn/qnol/1993/.../v16_n4_%20(23).p...

by EJH Bechara - ‎1993 - ‎Cited by 124 - ‎Related articles

A FREE RADICAL HYPOTHESIS OF LEAD POISONING AND INBORN PORPHYRIAS ASSOCIATED WITH ... Etelvino J. H. Bechara“, Marisa H. G. Medeiros, Hugo P. Monteiro, Marcelo ... Instituto de Quimica da USP - CP 20780 - 01498-970 - SP - Brazil ... (i) the main organ source of excessive porphyrin metabolites.
 
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