Das "Schweigen" brechen

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17.03.08
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..Guten Tag..

Ja wo soll ich am besten anfangen?
Vielleicht am besten ganz vorn..
Also ich heiße Annika, und bin 24 Jahre alt.
Mein Freund Martin ist 29 Jahre alt.
Wir haben uns am 22.April 2oo6 bei einem Vw Polotreffen kennen gelernt..
Um es relativ kurz zu fassen, sagte er mir damals „ Ich bin aber nicht ganz Gesund“ ..
Allerdings war weder mir noch uns bewusst, wie schlimm es wirklich noch kommen sollte.
In dem folgenden Sommer fuhren wir dann mit ein paar Freunden nach Italien (für eigentlich 6 Tage) er sollte dort fern ab von Zuhause, ein wenig Kraft tanken.
Nach knapp 4 Tagen kam allerdings dann der komplette Zusammenbruch.
Sodas wir die 8oo km Heimweg völlig überstürzt und unvorbereitet wieder antreten mussten.
Wir zwei, haben diese 10 Std Autofahrt kein Wort gewechselt, das es Ihm immer schlechter ging.
Zuhause angekommen konnten wir uns dann die kommenden 14 Tage gar nicht sehen..
Ich muss dazu vielleicht noch sagen, das wir 30 Km auseinander wohnen, und es nicht immer so ganz einfach ist, schnell mal eben bei Ihm zu sein..

Wobei ich seit 2 Jahren soweit es nur eben möglich ist.. jeden Abend bei Ihm zu sein, auch wenn es nicht lang ist.. Hauptsache in seiner Nähe sein..
Was für mich bedeutet tagsüber 2 Jobs, die Pflege meines Opa´s und die Unterstützung meiner Mutter im Haushalt irgendwie noch unter einen Hut zu bekommen….

Nach 10 Jahren Krankheit, unzähligen Mappen mit Diagnosen, Ergebnissen etc.
100 ten Ärzten , die alle nach dem gleichen Schema arbeiten, und auch daran festhalten sodass man meist gar nicht die Möglichkeit bekommt auch mal etwas einzubringen…Ständiger Gast bei Allgemeinmedizinern, Neurologen, Urologen, Rheumatologen.. und und und..
Folgten zudem unzählige Ct´s , Mrt´s, Blutuntersuchungen eine nach der anderen.. die ersten scheinbar handfesten Befunde von CFS über MCS, Borrelliose und oftmals die Psychische Schiene, OBWOHL alle Ergebnisse und Alarmzeichen lange Zeit schon da waren.. und einige Ärzte vielleicht mal auf die Idee hätten kommen können..
Das es die Zähne viele Symptome hervorrufen.
Magen/Darm Spiegelungen, Die besagte „3d Kapsel“ Endoskopie ergaben leider keine direkte Aufklärung all seiner Beschwerden, so das man dann bei Morbus Crohn im Kopf hatte..

Anfang letzten Jahres dann nach Bad Nauheim in eine Rheumaklinik für 2 Wochen..
Dort TROTZ hoher Entzündungswerte auch wieder nach Hause entlassen.
Ich habe während seines Kampfes, ebenso einen Kampf mit mir geführt, und versucht, nach jedem Strohhalm im Internet zu forschen, und mich einzulesen..
IRGNDWANN kam es dann während eines Telefonates zwischen uns dazu, dass er mir wieder von diesem „Metallgeschmack“ im Mund berichtet hatte, der auch Stärker wurde wenn er mit irgendwelchen Metallen in Berührung kam, Besteck etc.
Da meine Mutter eben genau diese Beschwerden auch immer hatte.. und sie eine schwere „Schwermetallallergie“ hat, fiel es mir fast wie Schuppen von den Augen..
Vieles wurde für mich klar, Antworten auf Fragen die ich vorher nie gehabt hatte waren plötzlich da, und er eventuelle Schlüssel der letzten 10 Jahre war für mich gefunden..


Etwas vorspulen:
Nach vielen weiteren schweren Monaten, ist er nun also bei einem Zahnarzt in Stuttgart (Namen lasse ich wenn auch bekannt, mal außen vor) in Behandlung..
Der erste Teil der Zahnsanierung wurde allerdings hier bei uns in einer Zahnklinik durchgeführt, da er es an diesem Wochenende einfach nicht mehr aushielt.. Dort wurde scheinbar einfach nicht die schwere der Lage erkannt, und munter drauf los gezogen…
Allerdings trat anstatt der erhofften Besserung eine massive Verschlechterung ein. Ein OPT wurde von Dr. D ausgewertet, und nach der ersten Behandlung stand fest, daran hält man fest. Also musste ein Zahnarzt her. der nach Dr. D arbeitet und seine Patienten auch so betreut, während der gesamten Zahnsanierung, also Stuttgart.
Da wir allerdings aus dem tiefsten Sauerland kommen, natürlich immer wieder eine kleine Weltreise, wobei Gefühlsmäßig jede Fahrt immer ein wenig kürzer wird, obwohl die knapp 600 km bleiben. 
Dazu noch eine Unterkunft dort, und die Benzinkosten inklusive der ganzen letzten Jahre, wo man dort nicht überall hingefahren ist, schon enorm ist.:mad:
Im Vordergrund stand allerdings immer, ALLES nur Mögliche tun um irgendwo Hilfe zu bekommen.

So das war nun die Kurzfassung.
Nun zu meinem eigentlichen Anliegen..
Wie ich schon geschrieben hatte, suche ich einfach mal nach einer Möglichkeit mich irgendwie auszutauschen oder mitzuteilen.
Entweder mit Betroffenen oder Partnern von „Amalgam“ Geschädigten.
Ratschläge wie man mit schweren Situationen umgehen lernt, und dem Partner so gut es nur eben geht eine Stütze zu sein.
Bei Angstzuständen die so massiv sind, wie ich es mir in meinen schlimmsten Träumen nicht hätte vorstellen können.
Schweren Depressionen, Schmerzen, Tinnitus und und..
Ich würde mein Leben geben, wenn ich die Gewissheit hätte das er seines dafür zurückbekommen würde.. 
Diese letzten 2 Jahre, haben auch mein Leben komplett verändert, weil man sich aus angst vor Unverständnis mehr zurückzieht als es einem lieb ist.
Aus der Sozialen Sicht, ist kaum jemand aus den alten „Freundeskreisen geblieben, da einfach das manchmal leider nötige Verständnis fehlt.
Besonders schlimm ist es allerdings für Ihn, da schlagartig niemand mehr da war, selbst die „besten“ Freunde die Ihn sein halbes Leben begleitet haben.
Manchmal denk ich Ohne sie in Schutz nehmen zu wollen, das einige von Ihnen, weder die Schwere noch den Ernst Lage erkannt haben.
Obwohl er Sie wirklich mehr als denn je gebraucht hätte 
Oder eben andere, für die er scheinbar nur für Abschnitte gut genug war..
Schlimm wenn man all das mitbekommt.. aber nichts tun kann.
Jegliche Versuche, zu erklären und zu sagen wie es wirklich ist, schlugen leider fehl.

Ich gebe zu das ich auch eine ganz lange Zeit gebraucht habe, um damit umzugehen.
Eines steht allerdings für mich fest, Er ist die Liebe meines Lebens, und auch wenn es ein harter Weg bis hier hin war, dann weiß ich dass diese Zeit unsere Liebe soviel stärker und auch fester gemacht hat.
Nu so manches Mal, fällt es nun mal schwer ihm die Nötige Kraft und den nötigen Halt zu geben, wenn man selbst kurz davor steht den halt zu verlieren.
Es ist einfach nicht mehr vergleichbar wie zu Anfang.
Mir fehlt der Austausch mit Ihm, zusammen über so manche Gemeinsamkeit lachen zu können.
Glücklich zu sein, das Gott einem den Engel geschickt hat, den man sich sein ganzes Leben so sehr gewünscht hat. und genau zu wissen, das er innerlich an all dem zerbricht.
Mittlerweile bedeutet mir nur ein kleines Lächeln von Ihm soooo unsagbar viel..
Das alles kann und wird einfach niemals jemand nachvollziehen können, der es noch nie so erlebt hat.
Wenn man sich jeden Abend in den Schlaf weint, weil man sich einfach nicht anders zu helfen weiß.
Und an jedem Tag ..ganz egal wie 100% geben muss, zudem das mein Job mit viel Verantwortung zu tun hat, jetzt auch noch innerlich zusammen zu klappen.
Ich könnte noch soooooooo unendlich viele Zeilen schreiben, allerdings wollte ich mich EIGENTLICH „kurz fassen“..

Auch wenn es etwas durcheinander ist, hoffe ich dass man es so verstehen kann. Wie es auch von mir gemeint war.

In diesem Sinne habe ich mein Schweigen nun auch mal gebrochen und hoffe auf Verständnis..:idee:


Weiterhin, noch einen schönen Tag.. :wave:
 
Zuletzt bearbeitet:
wundermittel
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Das "Schweigen" brechen..

Hallo Corrs,
ich bin beeindruckt und sehr angesprochen von Deiner unerschütterlichen Zuneigung zu Deinem kranken Freund. Was für ein Glück für ihn, daß er Dich hat!
Ich hoffe, daß Du hier ganz viel Zuwendung bekommst und damit hier ein wenig Kraft tanken kannst. Denn die brauchst Du ganz bestimmt. Du scheinst bei der Zuteilung von Problemen beim Herrgott ganz laut und öfters "hier!" gerufen zu haben, denn Du hast eine Menge Last zu tragen.

Ich bin sicher, daß Ihr auf einem guten Weg seid.

Für die Freunde und Angehörige von Vergifteten ist es oft sehr schwer, sich in diese Vergifteten hineinzudenken. Man sieht es ihnen ja oft nicht an, man weiß so gut wie nichts über die vielfältigen Folgen von Giftbelastungen. Und oft will man es auch gar nicht so genau wissen, weil man sonst von der Angst erfaßt wird, es könnte vielleicht bei einem selbst auch so sein. Also wappnet man sich mit "ach, das ist bestimmt nicht so schlimm, reiß Dich zusammen" und am Ende steht der Vergiftete mehr oder weniger allein da.
Ärztliche Hilfe ist oft nur eine Scheinhilfe, weil die Ärzte meistens nicht die richtigen Fragen stellen und deshalb auch auf die Giftproblematik, genauso wenig aber auf andere Krankheiten kommen, die auch in Frage kommen. Oft ist die Gift-Problematik auch nicht die einzige; oft kommt noch eine Borreliose dazu, oder eben anderes.

Ich wünsche Dir viel Kraft und kann Dich nur ermutigen, Dir auch Zeit für Dich zu nehmen und nicht nur für andere. Erstens brauchst du sie dringend (Du brennst wie eine Kerze, die man an zwei Enden angezündet hat, und das geht nicht lange gut), und zweitens nützt es niemand, der letztlich auch mehr oder weniger von Dir abhängig ist und von Deiner Kraft zehrt, wenn Du zusammenbrichst.

Alles Gute und Grüsse,
Uta
 
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