Autismus: Mögliche Ursachen und Zusammenhänge

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In einem anderen Thread wurden als mögliche Ursachen bzw. Zusammenhänge zu Autismus genannt:

#82 :
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Heidelberger Humangenetiker entdeckten, dass eine bestimmte Form des Autismus sowie gleichzeitig auftretende Verdauungsprobleme und eine Erkrankung der Speiseröhre eine gemeinsame genetische Ursache haben / Veröffentlichung in PNAS
Autistische Personen weisen häufig auch Störungen im Magen-Darm-Trakt auf. Wissenschaftler aus Heidelberg, Würzburg und Ulm haben erstmals an Mäusen gezeigt, dass die Entwicklungsstörung und die bisher wenig beachteten Verdauungsprobleme der Patienten in direktem Zusammenhang stehen können. Der Nachweis gelang ihnen, wie sie aktuell in der Fachzeitschrift PNASberichten, bei dem Gen Foxp1, das nicht nur im Gehirn, sondern auch im Verdauungstrakt aktiv ist. Angeborene Defekte an dieser Stelle des Erbguts äußern sich daher sowohl im Auftreten einer sogenannten Autismus-Spektrum-Störung unter anderem mit sozialen Defiziten, stereotypem Verhalten und verminderten kognitiven Fähigkeiten, als auch – bei vielen der Betroffenen – in einer Beeinträchtigung der Darmtätigkeit sowie in einer Funktionsstörung der Speiseröhre.
„Falls sich dieses Forschungsergebnis auf den Menschen übertragen lässt, könnte dies unmittelbare Auswirkungen auf die Beratung von Patienten und Angehörigen haben“, sagt Seniorautorin Professor Dr. Gudrun Rappold, Direktorin der Abteilung Molekulare Humangenetik, Institut für Humangenetik am Universitätsklinikum Heidelberg: „Der eingeschränkten Speiseröhren- und Darmfunktionalität könnte man beispielsweise mit einer angepassten Ernährung sowie medikamentösen Behandlung begegnen. Vor allem ist jetzt klar, dass die Magen-Darm-Problematik nicht nur – wie bisher häufig angenommen – von den Medikamenten, die Betroffene einnehmen müssen, oder ihrem abweichenden Essverhalten hervorgerufen wird.“
Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes oder Verdauungsprobleme treten bei Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung – das belegen internationale Studien der letzten Jahre – überdurchschnittlich häufig auf. Systematisch erfasst werden diese Beschwerden allerdings bislang nicht.
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Genveränderungen bei Autismus auch für Störungen des Magen-Darm-Traktes verantwortlich

Heidelberger Humangenetiker entdeckten, dass eine bestimmte Form des Autismus sowie gleichzeitig auftretende Verdauungsprobleme und eine Erkrankung der Speiseröhre eine gemeinsame genetische Ursache haben / Veröffentlichung in PNAS
www.klinikum.uni-heidelberg.de
www.klinikum.uni-heidelberg.de

#86 :

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Glutamat stört womöglich die Hirnentwicklung

Dennoch haben die Tübinger einen interessanten Fund gemacht, der auch für Autismus gelten könnte: „Bei Down-Syndrom-Mäusen haben wir im Vergleich mit normal entwickelten Mäusen gesehen, dass Enzyme, die Glutamat herstellen, hochreguliert sind und Enzyme, die Glutamat abbauen, herunterreguliert sind“, erzählt Macek. Das passt zu der Entdeckung einer früheren Studie, wonach Kinder mit Autismus erhöhte Glutamat-Spiegel im Blut aufweisen5. Glutamat ist ein wichtiger erregender Neurotransmitter im Gehirn, schädigt jedoch in hohen Mengen Nervenzellen und wird als mögliche Ursache für neuronale Entwicklungsstörungen diskutiert.
Einen direkten Hinweis auf fehlregulierte Proteine, die bei einer Immunantwort eine Rolle spielen, fanden die Proteom-Forscher in keiner der Stuhlproben aus den beiden Mausmodellen. Sie konnten aber an Zellkulturen zeigen, dass mikrobielle Stoffwechselprodukte aus dem Darm durchaus Entzündungen des Gehirns beeinflussen könnten. So hemmte Trimethylamin, das beim Zerlegen der Nahrung durch Darmmikroben häufig anfällt und auch im Gehirn nachgewiesen wurde, Entzündungen in bestimmten Immunzellen des Gehirns. Die einzelnen Puzzle-Teile ergeben zwar noch kein Gesamtbild der molekularen Wege, über die das Darm-Mikrobiom Gehirnentwicklungsstörungen beeinflusst. Sie zeigen aber, dass die Forscher möglicherweise auf der richtigen Spur sind. Gerade sind die Projektpartner dabei, ihre Ergebnisse zu veröffentlichen. ...
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Haben Darmbakterien etwas mit Autismus zu tun?

Autisten haben andere Mikroorganismen im Darm als Nicht-Autisten. Forscher vermuten, dass eine gestörte Darmflora an Gehirn-Entwicklungsstörungen wie Autismus beteiligt ist. Etwas Licht ins Dunkel
www.gesundheitsindustrie-bw.de

Autismus ins Gleichgewicht bringen

Hoffnung für Patienten mit Autismus: Ein neuer Therapieansatz soll die Neurotransmitter in ihrem Gehirn wieder richtig ausbalancieren.
www.medical-tribune.de
www.medical-tribune.de

CORDIS | European Commission


cordis.europa.eu
Wenn Glutamat eine Rolle spielt bei Autisten aber auch nichtautistischen Menschen, spielt die Ernährung dann auf jeden Fall eine Rolle:

... Lebensmittel mit Glutamat: Fazit

Lebensmittel mit Glutamat können bei empfindlichen Menschen allerhand Schaden anrichten. Sie werden nach dem Genuss mit Kopfschmerzen, Übelkeit und anderen Symptomen geplagt. Dabei gilt es, Lebensmittel mit Glutamat zu vermeiden, vor allem Fertiggerichte, Tütensuppen und Kartoffelchips. Der Gang zum Chinarestaurant sollte ebenfalls vermieden werden, da chinesische Köche fast ausschließlich mit Glutamat kochen. ...

Lebensmittel mit Glutamat – besser natürlich

Das Thema Lebensmittel mit Glutamat ist facettenreich. Dabei sollte zwischen natürlichen und künstlichen Inhaltsstoffen unterschieden werden.
eatsmarter.de

#87 :

Oregano schrieb:
Allerdings sorgen natürlich Umweltgifte und andere ständige Belastungen einschl. einer stressreichen Lebensweise auch dafür, daß es epigenetische Veränderungen gibt, die dann wiederum zur genetischen Weitergabe von z.B. autistischen Anlagen führen können. Das ist ein Teufelskreis.
Und es gibt viele genetische "Defekte", die nicht bei jedem ihrer Träger die gleichen Symptome hervorrufen. Da könnte die sonstige Lebensweise, Ernährung, Mikrobiom, Vergiftung etc. schuld sein, wenn die genetische Abweichung symptomatisch und manifest wird.

von Malvegil
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Grüsse,
Oregano
 
wundermittel
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Es gibt eine Vielzahl an Mutationen sowie chromosomalen Mikrodeletionen und –duplikationen, die das Risiko erhöhen, an einer Autismus Spektrum Störung zu erkranken. Einzelne molekulargenetische Ursachen, wie z.B. das fragile-X-Syndrom, das bei ca. 3% aller Personen mit Autismus-Spektrum-Störung, sind schon weitgehend aufgeklärt, insbesondere auch bezüglich ihrer Folgen auf die Entwicklung des Nervensystems, und es werden aktuell auch schon neue Medikamente erforscht, die gezielt zur Behandlung von Patienten mit fragilem-X-Syndrom eingesetzt werden sollen. Diese sind allerdings noch nicht zur Behandlung zugelassen, sondern werden aktuell nur in Studien erprobt. Andere bekannt monogene Erkrankungen, die mit erhöhten Raten an Autismus-Spektrum-Störungen einhergehen, sind die Tuberöse Hirnsklerose, die Neurofibromatose oder das Smith-Lemli-Opitz-Syndrom. Manche genetischen Syndrome, die durch kleine Verdopplungen oder durch Fehlen von genetischer Information gekennzeichnet sind, werden ebenfalls vermehrt bei Autismus-Spektrum-Störungen gefunden, wie z.B. das Velo-Kardio-Faziale Syndrom oder das Prader-Willi-Syndrom bzw. eine Duplikation von Chromosom 15q11-13.

Elterliches Alter bei Geburt des Kindes

Der Einfluss eines höheren Alters der Väter auf erhöhte Raten von Autismus-Spektrum-Störungen konnte aktuell in einer Meta-Analyse bestätigt werden. Andere Studien fanden Effekte sowohl für höheres mütterliches als auch väterliches Alter. Als mögliche pathogene Mechanismen werden epigenetische Veränderungen oder vermehrt Neumutationen diskutiert.

Risikoaktoren in Schwangerschaft und Geburt

Bestimmte Infektionskrankheiten der Mutter in der Schwangerschaft, wie die Rötelninfektion, sind belegte Risikofaktoren für Autismus-Spektrum-Störungen. Eine dänische Register-basierte Studie fand ein erhöhtes Risiko nach schweren Virus- im ersten Trimenon und schweren bakteriellen Infektionen im zweiten Trimenon. Mehrere populationsbasierte Studien konnten des Weiteren zeigen, dass eine (starke) Frühgeburtlichkeit das Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen erhöht. Als allgemeine Schwangerschafts-assoziierte Risikofaktoren sind mütterlicher Diabetes sowie postpartale Hypoglykämie und Lungenfunktionsprobleme bei Termin-geborenen Kindern beschrieben worden. Eine weitere Studie diskutiert die Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmmern in der Schwangerschaft als Risikofaktor, wobei die Anzahl der Kinder, die SSRIs in der Schwangerschaft ausgesetzt waren, relativ gering war. Auch Antiepileptika-, insbesondere Valproat-Einnahme in der Schwangerschaft war in klinischen Studien mit erhöhten Raten von Autismus-Spektrum-Störungen bei den Kindern assoziiert. Als Schwangerschafts-assoziierte Risikofaktoren ausgeschlossen werden konnten bisher Alkoholkonsum sowie eine starke psychosoziale Belastung der Mutter.
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Grüsse,
Oregano
 
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