{"id":778,"date":"2012-06-25T10:52:26","date_gmt":"2012-06-25T08:52:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.symptome.ch\/blog\/?p=778"},"modified":"2020-01-18T06:23:13","modified_gmt":"2020-01-18T05:23:13","slug":"gluecklich-trotz-krankheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/gluecklich-trotz-krankheit\/","title":{"rendered":"Gl\u00fccklich trotz Krankheit?"},"content":{"rendered":"<p>Strahlend blauer Himmel, die Sonne strotzt vor w\u00e4rmender Kraft, k\u00fchles tiefblaues Wasser wellt sich sanft im lauen Sommerwind. Wiesen duften in saftigem Gr\u00fcn und schmiegen sich an das glitzernde Silbergrau der Berge.<\/p>\n<p>Alle Sinne werden durch diese Genussvielfalt aktiviert! Was man da doch alles unternehmen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>K\u00f6nnte! Warum nur in der M\u00f6glichkeitsform? Ist es das Fehlen v\u00f6lliger Gesundheit, das Vorhandensein einer Krankheit, die das \u201ekann\u201c in ein \u201ek\u00f6nnte\u201c wandelt?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-787\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/symptome_dreamstime_xs_2685533.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"320\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/symptome_dreamstime_xs_2685533.jpg 480w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/symptome_dreamstime_xs_2685533-200x133.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/>Ist denn die F\u00e4higkeit Freude, Gl\u00fcck und Genuss zu empfinden, ausschlie\u00dflich gesunden Menschen vorbehalten? Die gar nicht so unerwartete Antwort lautet \u201eNein\u201c! Ob Menschen positive Emotionen empfinden und wahrnehmen k\u00f6nnen, h\u00e4ngt in erster Linie von ihrer Pers\u00f6nlichkeit, Einstellung und Lebensgeschichte ab und nicht von ihrem Gesundheitszustand.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte zur Veranschaulichung meiner Behauptung ein Bespiel bringen:<\/p>\n<p>Herr Meier, ein vitaler und sportlicher 60-j\u00e4hriger Mann, berichtete seine aktuelle Lebenszufriedenheit betreffend, dass ihm seit seiner Knieoperation, die nicht den von ihm erwarteten Erfolg brachte, ihm alles genommen wurde, was ihm Freude machte. Er f\u00fchlte sich wichtiger Funktionen beraubt und sei frustriert und \u00e4rgerlich.<\/p>\n<p>Mich irritierte diese Aussage, hatte Herr Meier mir zuvor berichtet, dass er oft wandern ginge und viel mit dem Rad fahre. Meine Nachfrage brachte zutage, dass Herr Meier, vor der Knie-OP Bergtouren mit dem Rad gefahren, und mehrere Wochen im Winter Skilaufen war. Das konnte er nun nicht mehr. Wobei noch anzuf\u00fchren ist, dass er die Bergtouren mit dem Rad sehr wohl fahren konnte, aber er war dabei nicht mehr so schnell wie fr\u00fcher und wollte nicht hinter seinen j\u00fcngeren Kollegen nachhecheln und als alter, kranker Mann gelten.<\/p>\n<p>Herr Meier sah zu diesem Zeitpunkt in seinem Leben kaum mehr M\u00f6glichkeiten Freude, Gl\u00fcck oder Genuss zu empfinden.<\/p>\n<p>Herr Huber, 55 Jahre alt, ist an Multipler Sklerose erkrankt, welche in den letzten acht Jahren infolge h\u00e4ufiger Sch\u00fcbe dazu gef\u00fchrt hat, dass er sich nur mehr unsicher und in kleinen Schritten fortbewegen kann. Spazierg\u00e4nge sind kaum mehr m\u00f6glich. An Wanderungen, eine der liebsten ehemaligen Freizeitaktivit\u00e4ten von Herrn Huber,\u00a0ist nicht mal mehr zu denken. Herr Huber jedoch meinte, es g\u00e4be\u00a0noch Schlimmeres. Er habe gelernt mit der MS zu leben, sei trotzdem mit seinem Leben zufrieden und versp\u00fcre durchaus Freude, Gl\u00fcck und Genuss.<\/p>\n<p>Abgesehen von ihrer Pers\u00f6nlichkeit unterscheiden sich diese zwei Menschen in einem wesentlichen Punkt: ihrer Einstellung und der Akzeptanz. Herr Huber hat sich mit seiner chronischen Krankheit arrangiert und akzeptiert, dass sie zu seinem Alltag geh\u00f6rt. Herr Meier akzeptiert seine Funktionseinbu\u00dfen nach der Knie-OP hingegen keineswegs und hat auch noch kein Arrangement gefunden, das wieder mehr Lebenszufriedenheit zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Akzeptanz ist im Verlauf einer traumatischen Krise jene Phase in der auch eine Neuorientierung stattfindet. Diese Phase ist jene, die signalisiert, dass Betroffene die Krise konstruktiv bew\u00e4ltigt haben. Die eigene Situation wird aus einem neuen Blickwinkel gesehen und bislang unentdeckte Perspektiven er\u00f6ffnen sich.<\/p>\n<p>Akzeptieren wird hier jedoch keineswegs\u00a0 als Synonym f\u00fcr \u201esich hoffnungslos ergeben\u201c benutzt, sondern \u201eeinen Zustand oder eine Situation als Tatsache anerkennen\u201c, was in diesem Fall bedeutet, eine Krankheit als eine in meinem Leben derzeit verankerte Gegebenheit anzuerkennen.<\/p>\n<p>Mit dieser Einstellung kann man sein Leben trotz Krankheit konstruktiv und erf\u00fcllt mit Momenten der Freude, des Gl\u00fccks und des Genusses (weiter)f\u00fchren und im Idealfall gewinnt jemand durch eine Krankheit sogar neue Lebenserfahrung.<\/p>\n<p>Ist es zul\u00e4ssig, dass ich beispielsweise das Leid eines Menschen mit einer eingeschr\u00e4nkten Funktion des Knies mit dem jenes Menschen vergleiche, der seine letzten Lebenstage in einem Hospiz verbringt? Das Leid ist aus objektiver Sicht nat\u00fcrlich nicht vergleichbar, ja es mutet hier die eingeschr\u00e4nkte Kniefunktion nahezu l\u00e4cherlich an. Trotzdem kann es sein, dass eine schwer- oder todkranke Person mehr und intensivere Momente des Genusses und der Freude erlebt, als Herr Meier mit seinem \u201ekaputten\u201c Knie.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-784\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/symptome_dreamstime_s_18254420.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"320\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/symptome_dreamstime_s_18254420.jpg 800w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/symptome_dreamstime_s_18254420-200x133.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/>Herr Meier kann jedoch durchaus wieder den Weg zu Genussempfinden und Freude finden. Ein Grund ist, dass sich die Funktion seines Knies noch verbessern kann, da seine OP noch nicht gar so lange her ist. Damit einher geht auch, dass er bei der Verarbeitung seiner Funktionseinbu\u00dfe noch in der Anfangsphase steht und Krisen und Verluste einfach Zeit brauchen, um aufgearbeitet zu werden.<\/p>\n<p>Herr Meier kann\u00a0motiviert werden, aktiv und hoffnungsfroh an seiner Lebenszufriedenheit zu arbeiten, mit all seinen Sinnen achtsam durchs Leben zu schreiten und offen f\u00fcr neue Genusserfahrungen zu sein. Kurzum er sollte parallel zum Radtraining ein Genusstraining starten.<\/p>\n<p>Dazu w\u00fcrde sich z.B. in der Zeit der Rehabilitation seines Knies anbieten, dass er alleine oder mit Menschen seines Alters Bergtouren f\u00e4hrt, bewusst Pausen einlegt, sich die \u00fcppige Sch\u00f6nheit der Bergwelt achtsam zu Gem\u00fcte f\u00fchrt, sich an der frischen, klaren Luft erfreut, sich besonders leckere Jausen mitnimmt und\u00a0f\u00fcr wohlschmeckende Getr\u00e4nke in seiner Radflasche sorgt. Das ist jedoch nur ein kleiner Auszug aus abertausenden M\u00f6glichkeiten, Augenblicke des Genusses und der Freude zu erleben \u2013 aber die wird Herr Meier hoffentlich selbst entdecken!<\/p>\n<p>Ein Zitat von Schopenhauer: \u201eEs gibt 1000 Krankheiten, aber nur eine Gesundheit.\u201c<br \/>\nGehen wir einmal davon aus, dass dem so ist. Warum wird diese \u201eeinzige\u201c Gesundheit oft erst dann zum wertvollsten Gut, wenn sie\u00a0abhanden zu kommen droht? Warum nehmen\u00a0so manche gesunde Menschen ihre Gesundheit als etwas ganz Selbstverst\u00e4ndliches hin und sind trotz der Abwesenheit einer schweren Krankheit stets unzufrieden mit ihrem Leben oder streben unbeschwert nach immer \u201emehr\u201c im Leben (was immer das \u201emehr\u201c auch sein mag) und nehmen so die kleinen Gl\u00fccks- und Genussmomente im Alltag gar nicht wahr?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-793\" title=\"Leben mit Krankheit\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/symptome_dreamstime_xs_14021832.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/symptome_dreamstime_xs_14021832.jpg 480w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/symptome_dreamstime_xs_14021832-200x133.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/>Also muss es doch mehr als \u201eeine\u201c Gesundheit geben! Die aktuelle Definition der WHO best\u00e4tigt dies, denn Gesundheit wird beschrieben als &#8222;Zustand vollst\u00e4ndigen k\u00f6rperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens&#8220; und daher weit mehr als die blo\u00dfe Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen. Das subjektiv wahrgenommene Wohlbefinden spielt somit eine wesentliche Rolle. Dazu kann jeder Mensch aber selbst\u00a0beitragen.<\/p>\n<p>Selbstf\u00fcrsorge ist ein wichtiger Faktor in der Erhaltung und F\u00f6rderung der Gesundheit. Dazu z\u00e4hlt, seine Bed\u00fcrfnissen zu erkennen und ihnen nachzukommen, sich Genussmomente zu schaffen und sein Wohlbefinden zu steigern.<\/p>\n<p>Viele Menschen, die an einer Krankheit leiden oder eine schwere Krankheit bew\u00e4ltigt haben, sind sich ihrer Endlichkeit\u00a0eher bewusst, als v\u00f6llig gesunde Menschen. Dabei geht es nur um das \u201esich bewusstmachen\u201c und die Akzeptanz, dass wir einmal nicht mehr sein werden. Es geht nicht darum, st\u00e4ndig daran zu denken!<\/p>\n<p>Jedoch ist in unserer Kultur die Auseinandersetzung mit dem Tod, also mit der Fl\u00fcchtigkeit des Lebens, nahezu ein Tabuthema, sofern man nicht selbst oder als Freund und Angeh\u00f6riger davon betroffen ist.<\/p>\n<p>Ist mir meine Zeitlichkeit bewusst, kann diese Erkenntnis dazu f\u00fchren, dass ich die kleinen, aber zahlreich vorhandenen t\u00e4glichen Augenblicke, Momente oder Situationen der Freude, Gl\u00fccksgef\u00fchle, Genussempfindungen des ganz banalen Alltag, sehr bewusst wahrnehme. Ich bin im Hier und Jetzt, der Grundvoraussetzung f\u00fcr Genuss.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-786\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/symptome_dreamstime_xs_10620428.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"305\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/symptome_dreamstime_xs_10620428.jpg 480w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/symptome_dreamstime_xs_10620428-200x127.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/>Jede Jahreszeit eignet sich dazu, der Sommer jedoch platzt mit seinem Angebot an Genussmomenten nahezu aus allen N\u00e4hten. Wie herrlich sp\u00fcrt sich doch ein laues Sommerl\u00fcftchen, warme satte Tropfen des Sommerregens, das k\u00fchle samtige Wasser eines Sees auf der nackten Haut an. Die Duftsymphonien von Wiese, Heu, feuchter Erde nach einem Regenguss oder einem Abendl\u00fcftchen bringen unseren Geruchssinn zum Schwingen.<\/p>\n<p>Freier Eintritt f\u00fcr die vielf\u00e4ltigen Konzerte der Natur, die unser Ohr erfreuen k\u00f6nnen. Buntheit und strahlende Farben wohin man den Blick auch schweifen l\u00e4sst. Saftige Fr\u00fcchte, frisches Obst und Gem\u00fcse, prickelnde, spritzige, k\u00fchle Getr\u00e4nke oder einfach nur ein Schluck kristallklares, kaltes Quellwasser an einem hei\u00dfen Sommertag! Wer kann da noch widerstehen, sich auf die Suche nach sommerlichen Genussmomenten zu begeben?<\/p>\n<p>Anregungen sind in dem Buch \u201eMit allen Sinnen leben. T\u00e4gliches Genusstraining\u201c zu finden. Autorin Beate Handler, erscheint im Juli 2012 im Goldegg Verlag nun bereits in der 3. Auflage. Erh\u00e4ltlich im Buchhandel. Es ist ein Sach- und Fachberatungsbuch, das aus purer Lust an der Thematik zu lesen ist, oder auch als bibliotherapeutische Lekt\u00fcre dienen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist die F\u00e4higkeit Freude, Gl\u00fcck und Genuss zu empfinden, ausschliesslich gesunden Menschen vorbehalten?<\/p>\n","protected":false},"author":29,"featured_media":790,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[32,1,7,97,72,101,22,65,20,21],"tags":[291,210,289,128,290,292],"class_list":["post-778","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-alkohol","category-allgemein","category-bewegung","category-buecher-gesundheit-leben","category-depression-angst","category-erlebnisse","category-gefuehlswelt","category-krankheitsbilder-allgemein","category-psyche-und-gesundheit","category-staerkung-fur-psyche-geist-und-seele","tag-akzeptanz","tag-aufmerksamkeit","tag-genuss","tag-gesundheit","tag-krankheit","tag-selbstfuersorge"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/778","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/29"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=778"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/778\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4034,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/778\/revisions\/4034"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/790"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=778"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=778"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=778"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}