{"id":3611,"date":"2019-03-05T17:20:53","date_gmt":"2019-03-05T16:20:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/?p=3611"},"modified":"2020-01-18T06:22:06","modified_gmt":"2020-01-18T05:22:06","slug":"krebs-diagnose-alternative-medizin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/krebs-diagnose-alternative-medizin\/","title":{"rendered":"Alte, neue und alternative Wege in der Krebsmedizin &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<h2>Die Geschichte von Marianne &#8211; Prolog<\/h2>\n<p>Diese Artikelserie wurde von Dr. Heinz Reinwald f\u00fcr Symptome.ch geschrieben, um den Weg von Krebspatienten aufzuzeigen ab dem Zeitpunkt der Diagnose &#8211; und wie es f\u00fcr sie w\u00fcnschenswert w\u00e4re, dabei begleitet zu werden.<\/p>\n<h2>Schlechte Nachrichten<\/h2>\n<p>Marianne konnte sich nicht mehr bewegen. Wie aus der Ferne sp\u00fcrte sie die Energie aus ihrem K\u00f6rper entweichen, wie die Luft aus einem Fahrradreifen, in den gerade ein Nagel eingedrungen war. In dieser Mischung aus Schockstarre und tiefer innerer Leere versuchte sie, ihrem Gegen\u00fcber eine Frage zu stellen. Doch ihre Kehle f\u00fchlte sich an wie zugeschn\u00fcrt. Ihre Stimme versagte. Sie brachte keinen Laut \u00fcber die Lippen. Tr\u00e4nen stiegen ihr in die Augen. Marianne rang nach Fassung. Die Diagnose, die ihr der Hausarzt offenbarte, traf sie wie ein Blitz, obwohl sie es eigentlich erwartet hatte. Doch dass es so schlimm kommen w\u00fcrde! Brustkrebs, Befall der W\u00e4chterlymphe, HER2 positiv, niedrige Progesteronspiegel &#8230;<\/p>\n<p>Obwohl sie nicht alles verstand und die Stimme des Arztes diffus wie durch eine Nebelwand hindurch auf sie eindrang, bekam sie noch mit, dass der genannte Tumormarker in Zusammenhang mit einer ung\u00fcnstigen Prognose stand. Au\u00dferdem w\u00fcrde der Befall der W\u00e4chterlymphe die Gefahr von Fernabsiedelungen, d.h. Metastasen in sich bergen, was noch weiterer Abkl\u00e4rung bed\u00fcrfe.<\/p>\n<p>F\u00fcr Marianne brach eine Welt zusammen. Vor zwei Monaten hatte sie das erste Mal ein eigenartiges Ziehen in der linken Achselh\u00f6hle versp\u00fcrt. Sie bema\u00df dem leichten Schmerz zun\u00e4chst keine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung zu, dachte im ersten Moment, sie hatte sich wohl verhoben. Nachdem das Ziehen in den darauffolgenden Tagen st\u00e4rker, die Stelle Druck empfindlicher wurde, sich hei\u00dfer anf\u00fchlte und eine leichte R\u00f6tung aufwies, begann sie sich Sorgen zu machen. Sie tastete ihre Brust systematisch nach Quadranten ab, so wie sie es in den einschl\u00e4gigen Frauenmagazinen \u00f6fter schon mal gelesen hatte. An der einen oder anderen Stelle ihrer linken Brust glaubte sie, einen kleinen Knoten zu sp\u00fcren. Aber vielleicht bildete sie sich das ja auch nur ein. Marianne f\u00fchlte sich extrem gestresst. Die Unsicherheit nagte an ihr.<\/p>\n<p>Im Internet erfuhr sie, dass Frauen in der Altersgruppe ab Mitte vierzig, vor allem kinderlose, ein erh\u00f6htes Brustkrebsrisiko aufwiesen. Beides traf auf Marianne zu. Sie war gl\u00fccklich verheiratet, aber hatte keine Kinder. Sie waren beide berufst\u00e4tig und Marianne hatte einen guten Job als Verwaltungsangestellte, nette Kollegen und im Grunde ein sorgenfreies Leben. Sie rauchte nicht, trank kaum Alkohol und lebte auch sonst ganz gesund \u2013 dachte sie. Ein paar Pfunde zu viel vielleicht. Das eine oder andere Speckp\u00f6lsterchen \u2013 ok \u2013 aber das war eben der Tribut an ihre Lust, ab und an zu naschen. Ihre leichten Rundungen standen ihr eigentlich ganz gut, fand sie. Daf\u00fcr, dass Essen und Kochen eine gemeinsame Leidenschaft zusammen mit ihrem Mann ist, hatte sie sich gut gehalten. Die restlichen Risikofaktoren schieden also aus. Auch ihr Blutzucker befand sich im Bereich des normalen Wertes. Sie achtete darauf, da ihre Mutter an Altersdiabetes erkrankt war.<\/p>\n<p>Marianne entschloss sich, zum Arzt zu gehen. Vielleicht bildete sie sich ja alles nur ein und es war lediglich ein Infekt. In der Praxis ihres Hausarztes bekam sie kurzfristig einen Termin. Dr. Bayer war der Arzt ihres Vertrauens, zu dem sie schon ging, als sie noch nicht verheiratet war.<\/p>\n<p>Die R\u00f6tung war inzwischen noch deutlicher sichtbar, ebenso die Schwellung. Nach Abtasten und Ultraschall erh\u00e4rtete sich der Anfangsverdacht. Auch Dr. Bayer sp\u00fcrte eine leichte Verh\u00e4rtung und der Ultraschall zeigte kleine Schatten in der linken Brust.<\/p>\n<p>Soweit die Vorgeschichte. Ein bisschen Hoffnung hatte sie doch noch gehabt. Und nun das! Die Nachricht traf sie mit voller Wucht: hormon-abh\u00e4ngig, schlechte Prognose, Gefahr von Metastasen, das volle Programm. Sie f\u00fchlte sich wie ein H\u00e4uflein Elend. Dr. Bayer bemerkte die psychische Anspannung seiner Patientin und nahm ihre H\u00e4nde z\u00e4rtlich, aber bestimmt. \u201eLassen Sie sich nicht gleich unterkriegen, Marianne\u201c, begann er sie zu tr\u00f6sten. \u201eWir haben heute viele M\u00f6glichkeiten in der Therapie von Krebs. Auf jeden Fall m\u00fcssen wir zun\u00e4chst noch pr\u00fcfen, ob Metastasen vorhanden sind. Dazu rate ich Ihnen einen PET-Scan im Klinikum machen zu lassen. Bei dieser Positionen-Emissions-Tomographie bekommen Sie eine isotopische Zuckerl\u00f6sung verabreicht, die vom Tumorgewebe aufgenommen, aber nicht verwertet werden kann. Dann kommen Sie in die R\u00f6hre, wo man sehen kann, ob m\u00f6glicherweise Fernabsiedelungen vorhanden sind. Der Scan erfasst den ganzen K\u00f6rper.\u201c<\/p>\n<p>Der empathische Zuspruch ihres Arztes, die gro\u00dfe \u201eKleinigkeit\u201c der Ber\u00fchrung im richtigen Moment und die erkl\u00e4renden Worte beruhigten Marianne ein wenig. Allm\u00e4hlich kehrten ihre Lebensgeister zur\u00fcck. \u201eWas soll ich jetzt au\u00dfer der weiteren Abkl\u00e4rung tun, was raten Sie mir?\u201c, h\u00f6rte sie sich schlie\u00dflich, nach einem schier endlos erscheinenden Augenblick sagen.<\/p>\n<p>Dr. Bayer erkl\u00e4rt ihr zun\u00e4chst die drei klassischen S\u00e4ulen der Schulmedizinischen Krebsbehandlung: Chirurgie, Chemo- und Strahlentherapie. Es g\u00e4be neuerdings noch eine vierte S\u00e4ule, die Immuntherapie, aber die sei im Moment nur f\u00fcr bestimmte Tumorarten geeignet. In ihrem Fall und vorausgesetzt, dass keine Metastasen vorhanden sind, sei in der Regel eine Kombinationstherapie aus operativer Entfernung des Knotens und, je nach Befall, auch der W\u00e4chterlymphe mit anschlie\u00dfender Chemotherapie vorgesehen. Die Behandlungszyklen mit Chemo dienten dazu, sicher zu stellen, dass auch m\u00f6gliche Infiltrationen oder Aberrationen von Tumorzellen, die nicht chirurgisch entfernt werden konnten, abget\u00f6tet w\u00fcrden. Da die Untersuchungen ja ergeben h\u00e4tten, dass der Tumor hormonsensitiv ist, w\u00fcrde er ihr zun\u00e4chst gleich einen Aromatasehemmer verschreiben, noch bevor weitere Ma\u00dfnahmen eingeleitet w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Marianne wurde mulmig, fast \u00fcbel bei dem Gedanken, dass man ihr die Brust aufschneiden w\u00fcrde. Sie hatte nat\u00fcrlich die schrecklichen Bilder im Internet gesehen und \u00e4u\u00dferte ihre \u00c4ngste. Dr. Bayer beruhigte sie. Das sei nur die Standardtherapie und vielleicht ginge es bei ihr ja auch eine Stufe sanfter. Er selbst, so Dr. Bayer, sei nur Allgemeinarzt und nicht auf Krebs spezialisiert, k\u00f6nnte ihr aber eine anthroposophische Klinik im Norden Deutschlands empfehlen, die auf Tumortherapien spezialisiert sei. Er habe nur Gutes geh\u00f6rt. Ein ehemaliger Studienkollege w\u00e4re wohl dort t\u00e4tig. Die Klinik w\u00fcrde die erw\u00e4hnten klassischen Verfahren der Schulmedizin mit den sanfteren Methoden der Naturheilkunde verkn\u00fcpfen. Die Lehre von der Anthroposophie ginge auf einen gewissen Rudolf Steiner zur\u00fcck, der Anfang des 20. Jahrhunderts diese ganzheitliche Lehre entwickelt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Die beruhigenden und helfenden Worte von Dr. Bayer vermittelten Marianne ein gewisses Gef\u00fchl der Sicherheit. Sie f\u00fchlte sich aufgehoben, trotz der niederschmetternden Nachricht. Von einer guten Freundin, die zwei Kinder hatte, die in eine Rudolf-Steiner-Schule gingen, war ihr der Name gel\u00e4ufig. Sie wusste nicht, dass seine Lehre auch in der Medizin Verbreitung gefunden hatte. Bislang hatte sie sich nicht n\u00e4her damit besch\u00e4ftigt, da sie ja selbst keine Kinder hatte. Das Geh\u00f6rte stimme Marianne neugierig. Ihr Arzt machte ihr Mut und bat sie, ihre Entscheidung zu \u00fcberdenken und ihm so bald als m\u00f6glich Bescheid zu geben, wohin sie tendiere: Klassisches Brustklinikum oder die anthroposophische Krebsklinik.<\/p>\n<p>Er w\u00fcrde ihr dann helfen, so Dr. Bayer, alles in die Wege zu leiten, und auch den Kontakt zur Klinik herzustellen bzw. die \u00dcberweisung vorbereiten, wenn sie das w\u00fcnsche. Er schrieb ihr noch den Namen und die Internetadresse der Klinik auf einen Zettel und verabschiedete sich mit einem intensiven und Kraft einfl\u00f6\u00dfenden Blick in die Augen Mariannes, fester H\u00e4ndedruck inklusive.<\/p>\n<p>Als Erstes musste Marianne ihren Mann informieren. Bisher hatte sie ihm ihre Sorgen verschwiegen. Sie wollte ihn nicht allzu sehr belasten, da er beruflich stark eingespannt war. Nun aber brauchte sie seine Hilfe \u2013 und sie wusste, sie w\u00fcrde sie bekommen. Alles wird gut \u2013 sagte sie zu sich. Sie musste jetzt stark sein und die Herausforderung annehmen.<\/p>\n<h2>Hoffnung: eine anthroposophische Krebsklinik<\/h2>\n<p>Als Marianne nach Hause kam, schaltete sie sofort den PC ein, um sich die Homepage der anthroposophischen Klinik anzusehen. Die Bilder, das Ambiente, die Informationen und die Philosophie der \u00c4rzte gefielen ihr gut. Die Aussagen vermittelten einen positiven Eindruck und, vor allem, der Hinweis auf das Konzept der Integrativen Medizin, d.h. die Verbindung klassischer Verfahren mit der Naturheilkunde, sprach sie emotional sehr an. Auch, dass die Kassen die Kosten der Behandlung weitgehend und &#8211; von wenigen Ausnahmen abgesehen &#8211; \u00fcbernehmen w\u00fcrden, beruhigte sie. Zwar hatte sie eine Zusatzversicherung f\u00fcr alternative Therapieverfahren, darauf hatte ihr Mann immer bestanden, und finanziell waren sie auch gut gestellt, aber sicher ist sicher.<\/p>\n<p>Je mehr sich Marianne damit besch\u00e4ftigte, desto zuversichtlicher wurde sie. Aber sie war dennoch vorsichtig und wollte sich noch eine zweite und dritte Meinung einholen. \u201eGoogle\u201c sei Dank und in Zeiten des Internets ist dies einfacher geworden. Marianne wurde schnell f\u00fcndig. Neben vielen guten Kommentaren entdeckte sie sogar eine Fernsehreportage eines Berliner Regionalsenders \u00fcber die von ihrem Hausarzt empfohlene Klinik \u2013 Sehr gut! Mariannes Stimmung stieg. In der Mediathek des Senders konnte sie den Bericht ansehen.<\/p>\n<p>Die Sendung war gut aufgemacht und vermittelte einen guten \u00dcberblick \u00fcber die Aktivit\u00e4ten der Klinik, sparte dabei aber auch nicht mit Kritischen Anmerkungen und Fragen. Vielleicht k\u00f6nnte sie ja um den b\u00f6sen Geist, der im Raum stand, den chirurgischen Eingriff, herumkommen, dachte sich Marianne. Ihr Hoffnungspegel stieg weiter. Vielleicht ist ja alles nur halb so schlimm bei ihr. Hoffnung und Zuversicht seien wichtige Helfer bei der Krankheit, auch das las sie immer wieder in den einschl\u00e4gigen Foren im Netz.<\/p>\n<p>Krebs, so der Tenor der Reportage, sei in den letzten Jahren immer besser behandelbar geworden, sowohl was die Erfolge in der Chirurgie als auch die in der Chemo- und Strahlenbehandlung anbetraf. Vor allem mit Blick auf die gef\u00fcrchteten toxischen Nebenwirkungen und die Vertr\u00e4glichkeit der Chemo- und Strahlentherapie h\u00e4tte man deutliche Besserungen erzielen k\u00f6nnen. Und dort, wo andere Therapien nicht mehr anspr\u00e4chen, so die \u00c4rzte in der Sendung, w\u00fcrde man die bislang leider noch sehr teure, vierte und neue S\u00e4ule der Krebstherapie einsetzen: die Immuntherapie mit sogenannten Checkpoint-Hemmern. sie k\u00e4me aber nur f\u00fcr 20% der Patienten in Frage.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Teil der Krebstherapie, so die Reportage weiter, sei die Ern\u00e4hrung und die allgemeine Unterst\u00fctzung des Immunsystems \u00fcber die Darmgesundheit. Diese Vorstellung war Marianne sympathisch. Sofort dachte sie an ihre Leidenschaft: Kochen. Die Bemerkung des K\u00fcchenchefs, man w\u00fcrde 4,47 Euro pro Tag und Patient ausgeben, machte sie dann aber doch ein wenig stutzig. So viel kostete ja schon ein gutes St\u00fcck Bio-Steak bei ihrem Metzger f\u00fcr eine einzige Mahlzeit \u2013 und dort war das der Betrag f\u00fcr drei Mahlzeiten inklusive Beilagen und Getr\u00e4nke. Wie soll das funktionieren? Ihre Recherchen ergaben jedoch, dass der in ihren Augen niedrig erscheinende Betrag vergleichsweise hoch war zum Durchschnitt in anderen Kliniken, wo man zwischen 2,50 und 3,00 Euro daf\u00fcr ausgab.<\/p>\n<p>Ern\u00e4hrung, so die Aussage des leitenden Arztes und Professors f\u00fcr Medizin in der Sendung, spiele eine sehr wichtige Rolle bei allen chronischen Krankheiten, nicht nur bei Krebs. 80% aller chronischen Erkrankungen seien ern\u00e4hrungsbedingt, so der Experte. Vielleicht habe ich hier was fundamental falsch gemacht, schoss es Marianne durch den Kopf. Der Beitrag war spannend und toll gemacht, und auch f\u00fcr sie leicht verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Da man aber nicht wirklich wisse, so der Arzt weiter, welche Di\u00e4t wirklich helfe, verfolge man einfach das Konzept einer \u201egesunden\u201c Ern\u00e4hrung: Mischkost nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrung (DGE) und die Zutaten so frisch und ganzheitlich wie m\u00f6glich. Das war ja auch Mariannes Devise \u2013 Bio m\u00fcsste da noch dazu! Die ausf\u00fchrlich in Szene gesetzte Zubereitung der Rezepte durch den Chef de la Cuisine in der Klinikk\u00fcche hatten es Marianne besonders angetan \u2013 klar, denn Kochen war ihre Welt. Die sorgf\u00e4ltige Art der Vor- und Zubereitung, die Frische der Gem\u00fcse und die sichtliche Freude des Chefkochs an seiner Arbeit empfand Marianne als eine Art \u201ehome run\u201c. Frisches Wurzelgem\u00fcse mit reichlich Ballaststoffen f\u00fcr das Mikrobiom. Denn die Mikroben in unserem Darm w\u00e4ren besonders wichtig, so der Maitre, da sich 70% des Immungeschehens im Darm abspiele\u2026.<\/p>\n<p>Die ganzheitliche Philosophie gefiel Marianne und obwohl sie sich bislang noch nicht sehr viel Gedanken \u00fcber den Zusammenhang von Ern\u00e4hrung und Gesundheit gemacht hatte \u2013 bei ihr standen bisher lediglich gute Qualit\u00e4t und der kulinarische Genuss im Vordergrund \u2013 leuchtete ihr das alles mehr als ein. Au\u00dferdem: die Vorstellung von gutem Essen, ganz gleich aus welchen Gr\u00fcnden, halfen ihr gedanklich ein bisschen \u00fcber die negativen Gef\u00fchle hinweg, die aufkamen, wenn sie an die bevorstehende Behandlung dachte. Und vielleicht konnte sie ja dann auch gleich ein paar Pfunde abnehmen, aus der Not eine Tugend zu machen: weniger Fett, weniger naschen, weniger Kalorien.<\/p>\n<p>Ein Teil der Berichterstattung im Film blieb ihr besonders in Erinnerung, obwohl oder vielleicht gerade deshalb, weil er auch von kritischen Stimmen begleitet war. Die \u00c4rzte der Klinik empfahlen ihren Patienten, 36 Stunden vor und 36 Stunden nach der Chemotherapie zu fasten, d.h. \u00fcberhaupt nichts zu essen, nur Wasser zu trinken. Oh weh!, dachte sich Marianne: Nulldi\u00e4t. Damit hatte sie keine guten Erfahrungen gemacht. Das Konzept sei innerhalb der Schulmedizin h\u00f6chst umstritten, so der Moderator der Sendung. Es w\u00fcrde allen Regeln der Lehrmedizin widersprechen und der gef\u00fcrchteten Auszehrung der Krebspatienten Vorschub leisten, so die Begr\u00fcndung. Die sogenannte Tumorkachexie ist, zusammen mit Nachtschwei\u00df, eines der Leitsymptome bei b\u00f6sartigen Formen von Krebs. Und da w\u00e4re ja wohl Nahrungsverzicht eine Katastrophe und eindeutig kontraindiziert, hie\u00df es auf Seiten der orthodoxen Mediziner. Eine Kritik, die offenbar nicht von der Hand zu weisen war, entsprechend hitzig und kontrovers erschienen ihr die Grabenk\u00e4mpfe.<\/p>\n<p>Marianne machte das neugierig. Sie recherchierte noch ein bisschen und wurde erneut f\u00fcndig: Bei der Abwehr der Erkrankung sch\u00fcttet unser Immunsystem vermehrt Botenstoffe aus. Gleichzeitig entstehen an der Tumorperipherie, d.h. am Rand des b\u00f6sartigen Gewebes, wo der Krebs versucht, in das gesunde Gewebe vorzudringen, jede Menge Entz\u00fcndungsmediatoren und ihre Gegenspieler, die wiederum versuchen, das Geschehen einzud\u00e4mmen. Das Ganze ist eine regelrechter \u201eZytokinsturm\u201c, so hei\u00dfen die Kampf- und Abwehrstoffe, vom griechischen \u201eZytos\u201c f\u00fcr \u201eZelle\u201c und \u201ekinein\u201c f\u00fcr \u201ebewegen\u201c.<\/p>\n<p>Die Zytokine selbst wiederum bestehen aus Eiwei\u00dfen, d.h. beim Abwehrkampf wird wertvolles Baumaterial regelrecht als Munition \u201everpulvert\u201c. Der Proteinverbrauch, so die Experten, entspricht dem eines Hochleistungssportlers. Nichts essen ist da keine gute Idee!<\/p>\n<p>Doch die \u00c4rzte der anthroposophischen Klinik halten dagegen wie Florettfechter in einem Wettkampf! Sie schw\u00f6ren auf die Segnungen des Fastens. Sie betonen, dass zwei Mal 36 Stunden Nahrungskarenz in den Bereich des Kurzzeit- oder intermittierenden Fastens geh\u00f6ren. Die Patienten seien nach der Chemo durchwegs fitter, so der Leiter der Klinik. Die Ersch\u00f6pfung und die bleierne M\u00fcdigkeit, wie sie normalerweise nach solchen Behandlungen auftreten, blieben aus.<\/p>\n<p>Der Mediziner in der Sendung erw\u00e4hnt einen italienischen Arzt und Wissenschaftler, der die positiven Effekte des Fastens bei Krebs erforscht. Weniger Zucker w\u00fcrde, der Studie zufolge, das Wachstum von Tumorzellen hemmen. Gleichzeitig erh\u00f6he sich die Sensitivit\u00e4t der malignen Zellen gegen\u00fcber der Chemotherapie \u2013 sie schl\u00e4gt besser an. Die Krebszellen, so der Forscher, h\u00e4tten ein anderes Programm als normale Zellen, die im Gegensatz zu ihren b\u00f6sartigen Kollegen, das Fasten gut vertragen.<\/p>\n<p>Eine weitergehende Erkl\u00e4rung bzgl. der positiven Auswirkungen von Fasten bei der Krebsbehandlung erfolgte nicht. Doch auch, wenn Marianne nicht alle Details verstand, entscheidend f\u00fcr sie war nicht der akademische Streit, sondern das Ergebnis: die Patienten f\u00fchlten sich mit Fasten besser als ohne. Und mehr als \u201enur\u201c Chemotherapie zur Unterst\u00fctzung des K\u00f6rpers bei der Behandlung von Krebs konnte nur gut sein \u2013 das sagte ihr ihr gesunder Menschenverstand ebenso wie ihr Bauchgef\u00fchl. Das Ganze machte Marianne wirklich Mut. Ihr Entschluss stand fest. Dort wollte sie hin. Sie wollte das Beste aus beiden Welten.<\/p>\n<p>Fortsetzung im n\u00e4chsten Artikel &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Heinz Reinwald zeigt in dieser Serie f\u00fcr symptome.ch den Weg von Krebspatienten ab dem Zeitpunkt der Diagnose auf, und wie es f\u00fcr sie w\u00fcnschenswert w\u00e4re, dabei begleitet zu werden<\/p>\n","protected":false},"author":304,"featured_media":3615,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1,54,282,5,22,15,65,80,514,94,8,20,25,21,19],"tags":[904,548,633,906,554,905,632,903],"class_list":["post-3611","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-anthroposophische-medizin","category-entgiftung","category-ernaehrung","category-gefuehlswelt","category-gesundheit-frauen","category-krankheitsbilder-allgemein","category-krebs","category-medizinische-behandlungsfehler","category-nachdenken","category-nahrungsergaenzung","category-psyche-und-gesundheit","category-soziales-umfeld","category-staerkung-fur-psyche-geist-und-seele","category-umgang-mit-stress","tag-anthroposophische-krebsklinik","tag-brustkrebs","tag-chemotherapie","tag-krebspatient","tag-metastasen","tag-strahlentherapie","tag-tumor","tag-waechterlymphe"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3611","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/304"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3611"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3611\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4064,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3611\/revisions\/4064"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3615"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3611"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3611"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3611"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}