{"id":3273,"date":"2017-06-06T10:11:06","date_gmt":"2017-06-06T08:11:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.symptome.ch\/blog\/?p=3273"},"modified":"2020-01-18T06:22:16","modified_gmt":"2020-01-18T05:22:16","slug":"psychisches-trauma-stress","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/psychisches-trauma-stress\/","title":{"rendered":"Wie psychische Traumata chronischen Stress und Entz\u00fcndung ausl\u00f6sen"},"content":{"rendered":"<p>Dass Umweltschadstoffe wie Metalle, Pestizide, Weichmacher und viele mehr auch k\u00f6rperlich schwere Erkrankungen ausl\u00f6sen k\u00f6nnen, ist inzwischen hinl\u00e4nglich bekannt. Die Mechanismen sind vor allem \u00fcber die Generierung von oxidativem und nitrosativem Stress zu erkl\u00e4ren. \u00dcber diesen Mechanismus f\u00fchrt auch die immens zunehmende Funkbelastung (mit hochfrequenten k\u00fcnstlichen elektromagnetischen Strahlen vor allem aus Handy, WLAN, DECT\u2010Telefon) zu einer zus\u00e4tzlichen Belastung der Betroffenen.<\/p>\n<p><strong>Bisher eher wenig beachtet ist aber die Tatsache, dass auch psychische Traumata \u00fcber \u00e4hnliche Mechanismen zu einer chronischen Entz\u00fcndungsreaktion und zu k\u00f6rperlichen Erkrankungen f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/strong> Nicht selten ist es so, dass Menschen gleichzeitig sowohl einer Schadstoffbelastung als auch einer psychischen Belastungssituation ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>Psychische Verletzungen werden zwar h\u00e4ufig nicht als solche erkannt geschweige denn geb\u00fchrend in entsprechenden Therapien ber\u00fccksichtigt, dennoch sind sie auch in Deutschland keine Seltenheit. Nach Sch\u00e4tzungen werden <strong>ca. 60 % aller M\u00e4nner und 50 % aller Frauen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit einem Trauma konfrontiert<\/strong>. Zwischen 10\u201025 % dieser Betroffenen entwickeln eine sogenannte posttraumatische Belastungsst\u00f6rung.<\/p>\n<p>Unter Psychotrauma sind psychische Folgezust\u00e4nde nach einem \u00fcberstandenen \u00fcberw\u00e4ltigenden Ereignis akuter oder chronischer Natur verbunden mit Todesangst und Kontrollverlust zu verstehen, welches die Psyche nicht vollst\u00e4ndig verarbeiten konnte und das Wunden hinterlassen hat, die zu einer tiefgreifenden St\u00f6rung geistiger und k\u00f6rperlicher Integrit\u00e4t f\u00fchren.<\/p>\n<h2>Vorzeitige Alterung<\/h2>\n<p>Zu aller seelischen Not kommt es in der Folge aber aufgrund der engen K\u00f6rper\u2010\/Geist\u2010Verbindung zu einer tiefgreifenden Auswirkung auf zahlreiche biochemische und neurobiologische Prozesse.<br \/>\nEine Untersuchung von f\u00fcnf\u2010 und zehnj\u00e4hrigen Kindern zeigte, dass die Telomere (Schutzkappen an den Chromosomenenden, die daf\u00fcr sorgen, dass sich K\u00f6rperzellen teilen k\u00f6nnen) bei denjenigen Kindern deutlich verk\u00fcrzt waren und damit einen <strong>vorzeitigen Alterungsprozess anzeigten, in deren Biographie Misshandlung, Mobbing oder h\u00e4usliche Gewalt stattgefunden hatte<\/strong>.<\/p>\n<p>Um zu \u00fcberleben muss sich nach einer psychischen Traumatisierung die Ich\u2010Struktur spalten. Es entstehen voneinander getrennte Pers\u00f6nlichkeitsanteile. Der Traumatherapeut Franz Ruppert unterscheidet einen traumatisierten Anteil, einen gesunden Anteil und einen \u00dcberlebensanteil. Der letztgenannte muss daf\u00fcr sorgen, dass die Erinnerung an das Trauma vermieden wird, damit dieser einst gef\u00fchlte Schmerz, diese Hilflosigkeit und diese Verzweiflung nicht erneut das Bewusstsein \u00fcberfluten und zu nicht aushaltbaren Empfindungen f\u00fchren. Dies hat jedoch den Preis, dass das Trauma nicht noch einmal ans Licht kommen darf, nicht gesehen, bearbeitet und im besten Falle geheilt werden kann. <strong>Diese permanent notwendige psychische Spaltung erzeugt ein chronisches hochaktives Stressgeschehen im gesamten K\u00f6rper.<\/strong><\/p>\n<h2>Multisystemerkrankungen<\/h2>\n<p>Der Biochemiker Pall beschrieb bereits 2007 den Umstand, dass es aufgrund eines starken Ausl\u00f6sers zu einem folgenreichen biochemischen Teufelskreis kommen kann, der f\u00fcr viele chronische Erkrankungen als Ausgangspunkt gelten kann. Die Ursache sogenannter Multisystemerkrankungen, wie <strong>chronischem Ersch\u00f6pfungssyndrom, Fibromyalgie, multipler Chemikaliensensibilit\u00e4t<\/strong> aber auch der posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung sieht er in dem nach ihm benannten<strong> NO\/ONOO\u2010Zyklus<\/strong>. Unterschiedliche Ursachen, chemische Belastungen auf der einen Seite, psychische Traumatisierungen auf der anderen, f\u00fchren zu ein und demselben biochemischen Prozess, der zu <strong>erh\u00f6hter oxidativer und nitrosativer Stressbelastung, chronischer Entz\u00fcndung, Energieverarmung<\/strong> in der Zelle und letztlich in chronische k\u00f6rperliche Erkrankungen m\u00fcnden.<\/p>\n<p>Bei in der Kindheit misshandelten, missbrauchten oder vernachl\u00e4ssigten Frauen fanden sich in einer aktuellen Untersuchung der Universit\u00e4t Ulm noch viele Jahre danach erh\u00f6hte Entz\u00fcndungswerte in ihrem Blut. Die Folgen waren nicht nur ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr psychische Erkrankungen, sondern auch eine Schw\u00e4chung des Immunsystems und eine h\u00f6here Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr altersassoziierte k\u00f6rperliche Erkrankungen. Als Ursache wurden unter anderem ver\u00e4nderte Prozesse in den Mitochondrien gefunden.<\/p>\n<h2><strong>Per DNA\u2010Methylierung<\/strong> an die Nachkommen<\/h2>\n<p>Eine aktuelle Studie \u00fcber Holocaust\u2010\u00dcberlebende konnte den Mechanismus der \u00dcbertragung von Traumaerfahrung \u00fcber den biochemischen Weg der sogenannten <strong>DNA\u2010Methylierung an die <\/strong><strong>Nachkommen<\/strong> aufzeigen und erkl\u00e4rbar machen. Hier zeigte sich eine ver\u00e4nderte Genexpression \u00fcber den Mechanismus der Epigenetik durch fr\u00fchere Erlebnisse.<\/p>\n<p>Nach einer Traumaerfahrung befinden sich Menschen dauerhaft in einer chronischen Stresssituation unabh\u00e4ngig von den \u00e4u\u00dferen Lebensumst\u00e4nden. Fr\u00fche Traumatisierungen ver\u00e4ndern zeitlebens die sogenannte Stressantwort, also die physiologische Reaktion auf stressige Ereignisse. Hierbei ist die Ver\u00e4nderung der Anzahl von Glucocorticoidrezeptoren mit verantwortlich.<\/p>\n<p>Als Folge der Traumatisierung werden im Gehirn vor allem der pr\u00e4frontale Cortex, der Thalamus sowie der Hippocampus gesch\u00e4digt. Diese Strukturen sind aber enorm wichtig f\u00fcr die Regulierung von Stress und f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung, ob eine Situation im Au\u00dfen m\u00f6glicherweise gef\u00e4hrlich ist. Dadurch wird im Falle einer tats\u00e4chlichen Alarmsituation der Kampf\u2010\/Fluchtmechanismus aktiviert. Bei Traumatisierten findet man auch ohne \u00e4u\u00dfere Gef\u00e4hrdungssituation eine chronische Aktivierung der Hypothalamus\u2010Hypophysen\u2010Nebennierenrinden\u2010Achse, die zu einer dauerhaft erh\u00f6hten Cortisolaussch\u00fcttung f\u00fchren kann mit zahlreichen dysfunktionalen Folgen f\u00fcr den Organismus.<\/p>\n<p>Der Biologe Hill weist eindr\u00fccklich darauf hin, dass <strong>eine Trennung von psychischen und organischen Krankheiten obsolet sei<\/strong> und dass m\u00f6glicherweise alle Demenzerkrankungen gemeinsame Ursachenfaktoren besitzen, die neben der Genetik vorwiegend in der Umwelt zu suchen sind. Dazu geh\u00f6ren chronischer psychischer und traumatischer Stress, aber auch Umweltschadstoffe, allergische und Autoimmunreaktionen sowie chronische virale und bakterielle Infektionen. Diese Faktoren f\u00f6rdern ein Entz\u00fcndungsgeschehen im Gehirn, das in einen fortschreitenden degenerativen Prozess m\u00fcnden kann.<\/p>\n<h2>Kombinierte Therapie<\/h2>\n<p>Um der sehr engen Verkn\u00fcpfung und gegenseitigen Beeinflussung sowohl k\u00f6rperlicher als auch psychischer Aspekte und Einfl\u00fcsse gerecht zu werden, sollte jede Therapie beide Seiten der Medaille ber\u00fccksichtigen und in das therapeutische Vorgehen mit einbeziehen.<\/p>\n<p>Wir haben hierzu ein Programm entwickelt, das wir <strong>A4\u2010Konzept<\/strong> nennen. Die vier \u201eA\u201c stehen in diesem Kontext f\u00fcr <strong>Auff\u00fcllen, Ausleiten, Aufstellen und Achtsamkeit<\/strong>:<\/p>\n<ul>\n<li>Auff\u00fcllen von Mikron\u00e4hrstoffen<\/li>\n<li>Ausleiten von Schadstoffen<\/li>\n<li>Aufstellen des Anliegens<\/li>\n<li>Achtsame Haltung und Lebensweise.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zahlreiche Studien konnten den wirksamen und heilsamen Effekt von achtsamkeitsbasierten Interventionen im Hinblick auf unterschiedliche Erkrankungen, insbesondere <strong>bei Schmerzen, bei Bluthochdruck, Schlafst\u00f6rungen<\/strong> und zahlreichen stressassoziierten St\u00f6rungen nachweisen. Hier hat sich besonders das als <strong>MBSR\u2010Programm<\/strong> bekannt gewordene Konzept der <strong>\u201eStressbew\u00e4ltigung durch Achtsamkeit\u201c (Mindfulness Based Stress Reduction) bew\u00e4hrt.<\/strong><\/p>\n<p>Die j\u00fcngste Entwicklung in der Traumatherapie nach Franz Ruppert stellt die <strong>identit\u00e4tsorientierte Psychotraumatheorie und \u2010therapie (IoPT)<\/strong> dar. Im Herbst erscheint hierzu von Prof. Dr. Franz Ruppert und Dr. Harald Banzhaf das Buch \u201eMein K\u00f6rper, mein Trauma, mein Ich. Anliegen aufstellen \u2010 aus der Traumabiographie aussteigen\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterschiedliche Ursachen, chemische Belastungen auf der einen Seite, psychische Traumatisierungen auf der anderen, f\u00fchren zum gleichen biochemischen Prozess, der in chronischen k\u00f6rperlichen Erkrankungen m\u00fcndet.<\/p>\n","protected":false},"author":296,"featured_media":3283,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1,70,71,72,24,78,22,61,65,86,94,63,20,21,19],"tags":[850,849,848,538,715,851,714,846,847,845],"class_list":["post-3273","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-cfids-cfs-me","category-demenz-alzheimer","category-depression-angst","category-familie-und-erziehung","category-fibromyalgie","category-gefuehlswelt","category-herz-kreislauf","category-krankheitsbilder-allgemein","category-mcs","category-nachdenken","category-oxidativer-nitrosativer-stress","category-psyche-und-gesundheit","category-staerkung-fur-psyche-geist-und-seele","category-umgang-mit-stress","tag-chronischer-stress","tag-haeusliche-gewalt","tag-misshandlung","tag-mobbing","tag-nitrosativer-stress","tag-noonoozyklus","tag-oxidativer-stress","tag-posttraumatische-belastungsstoerung","tag-psychotrauma","tag-trauma"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3273","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/296"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3273"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3273\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3938,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3273\/revisions\/3938"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3283"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3273"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3273"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3273"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}