{"id":3234,"date":"2017-03-21T10:51:52","date_gmt":"2017-03-21T09:51:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.symptome.ch\/blog\/?p=3234"},"modified":"2020-01-18T06:22:19","modified_gmt":"2020-01-18T05:22:19","slug":"optimaler-vitamin-d-spiegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/optimaler-vitamin-d-spiegel\/","title":{"rendered":"Optimale Vitamin-D-Spiegel \u2013 was wir von Naturv\u00f6lkern lernen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Erk\u00e4ltung ade mit Vitamin D! Jetzt Sonne tanken!<\/strong><\/p>\n<h2>Was sind nat\u00fcrliche Vitamin-D-Spiegel? Was uns Naturv\u00f6lker verraten<\/h2>\n<p>Hinsichtlich der empfohlenen 25-OH-Vitamin-D-Serumwerte sind sich \u00c4rzte und Wissenschaftler nicht ganz einig. Die Bildung von Vitamin D in der Haut durch Sonneneinstrahlung ist die Hauptquelle des Menschen f\u00fcr Vitamin D. Doch da unser Lebensstil h\u00e4ufig mit einem geringen Aufenthalt im Freien verbunden ist und wir unsere Haut gr\u00f6\u00dftenteils mit Kleidung bedecken, ist die Vitamin-D-Bildung stark beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n<p>Traditionell lebende V\u00f6lker aus Ostafrika, die das ganze Jahr \u00fcber Sonnenlicht auf ihre Haut scheinen lassen, k\u00f6nnen uns Informationen zum nat\u00fcrlichen und somit optimalen Vitamin-D-Status liefern. Eine Studie untersuchte 35 Massai und 25 Hadzabe, V\u00f6lker, die nahe des \u00c4quators in Tansania leben. Beide V\u00f6lker bedecken ihren K\u00f6rper nur moderat mit Kleidung, halten sich tags\u00fcber haupts\u00e4chlich im Freien auf, meiden jedoch direkte Sonneneinstrahlung soweit m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Der durchschnittliche 25-OH-Vitamin-D-Spiegel der Massai lag bei 119 nmol\/l (48 ng\/ml) und variierte zwischen 58 und 167 nmol\/l. Die Vitamin-D-Spiegel der Hadzabe lagen mit durchschnittlich 109 nmol\/l (44 ng\/ml) in einem \u00e4hnlichen Bereich (71-171 nmol\/l). Der Gesamt-Durchschnitt betrug 115 nmol\/l (46 ng\/ml) 25-OH-Vitamin-D. Der Vitamin-D-Spiegel war unabh\u00e4ngig von Alter, Geschlecht und BMI (Luxwolda et al., 2012). Auch der Fischverzehr spielte keine entscheidende Rolle, sondern vielmehr die Sonnenlicht-Exposition (Luxwolda et al., 2013).<\/p>\n<p>Zu diesen Ergebnissen passen auch die Einsch\u00e4tzungen von Michael Holick, dem ber\u00fchmten Vitamin-D-Forscher und Entdecker der aktiven Form von Vitamin D. Demnach liegt ein ausgepr\u00e4gter Vitamin-D-Mangel bei einem Serumspiegel von unter 50 nmol\/l (20 ng\/ml) 25-OH-Vitamin D vor. Werte zwischen 50 und 75 nmol\/l (20-30 ng\/ml) bezeichnen einen m\u00e4\u00dfigen Mangel (Vitamin-D-Insuffizienz). Zur Vermeidung negativer gesundheitlicher Folgen sollten die Werte auf lange Sicht zwischen 75 und 150 nmol\/l (30-60 ng\/ml) liegen. Ideale Werte liegen im Bereich von 100-150 nmol\/l (40-60 ng\/ml) (Gr\u00f6ber et al., 2013).<\/p>\n<h2>Vitamin D senkt das Risiko f\u00fcr akute Atemwegsinfekte um bis zu 70 Prozent<\/h2>\n<p>Akute Atemwegsinfektionen sind weltweit eine wichtige Ursache f\u00fcr Krankheit und erh\u00f6hte Sterblichkeit. Im Jahr 2013 waren sie f\u00fcr 2,65 Millionen Tote verantwortlich. Vitamin D bewirkt die Bildung von antimikrobiellen Proteinen. Daher ist eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D von besonderer Bedeutung f\u00fcr unser Immunsystem und sch\u00fctzt vor den gef\u00e4hrlichen Atemwegsinfekten.<\/p>\n<p>Menschen mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln haben signifikant h\u00e4ufiger akute Atemwegsinfektionen (wie bei Erk\u00e4ltungen, Grippe und Bronchitis). Eine Nahrungserg\u00e4nzung mit Vitamin D hingegen verringert das Risiko f\u00fcr diese Erkrankungen. Eine aktuelle \u00dcbersichtsstudie mit insgesamt 11\u2009321 Teilnehmern ergab, dass eine Vitamin-D-Supplementierung das Risiko f\u00fcr akute Atemwegsinfektionen durchschnittlich um 12 Prozent reduziert, bei Personen mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel von unter 25 nmol\/L sogar um 70 Prozent (Martineau et al., 2017). In Anbetracht der Tatsache, dass ein Vitamin-D-Mangel hierzulande weit verbreitet ist, f\u00e4llt dies besonders ins Gewicht.<\/p>\n<p>Dies ist auch einer der Gr\u00fcnde, warum Grippe und Erk\u00e4ltung am h\u00e4ufigsten am Ende des Winters auftauchen: Dann sind die Vitamin-D-Spiegel aufgrund von andauerndem Sonnenmangel und aufgebrauchten Speichern am niedrigsten.<\/p>\n<p>Eine interessante Kennzahl hinsichtlich der Effektivit\u00e4t einer Gesundheitsintervention ist die \u201enumber needed to treat&#8220; (NNT). Die NNT beschreibt die Anzahl an Personen, die behandelt werden m\u00fcssen, um einen Erkrankungsfall zu verhindern. Um eine Person von einer Grippeerkrankung zu sch\u00fctzen, m\u00fcssen 37 Menschen gegen Grippe geimpft werden (NNT=37) (Kolber et al, 2014). F\u00fcr eine Vitamin-D-Supplementierung betr\u00e4gt die NNT 33. Das hei\u00dft, wenn 33 Personen Vitamin D einnehmen, wird eine akute Atemwegsinfektion, die h\u00e4ufigste Komplikation einer Grippeerkrankung, verhindert. Bei Personen mit starkem Vitamin-D-Mangel liegt die NNT bei nur 4! Das zeigt, wie enorm effektiv eine Vitamin-D-Supplementierung zur Pr\u00e4vention der gef\u00e4hrlichen Atemwegsinfektionen ist.<\/p>\n<h2>Vitamin D sch\u00fctzt vor dem Herz-Kreislauf-Tod<\/h2>\n<p>Vitamin D wird nicht nur f\u00fcr das Immunsystem ben\u00f6tigt. Bekannt ist seine Funktion f\u00fcr Knochen und Muskeln. Vitamin D spielt jedoch auch eine zentrale Rolle in der Pr\u00e4vention von Infektions-, Autoimmun-, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, was derzeit im Zentrum der Forschung steht.<\/p>\n<p>Eine optimale Vitamin-D-Versorgung geht bei Erwachsenen mit metabolischem Syndrom mit einem um 66 % niedrigeren Risiko einher, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben (Thomas et al., 2012). Die Gesamtsterblichkeit lag bei einer ausreichenden Vitamin-D-Versorgung im Vergleich zu Personen mit einem Vitamin-D-Mangel sogar um 75 % niedriger. Bei der hohen Verbreitung des metabolischen Syndroms hat eine gute Vitamin-D-Versorgung damit gro\u00dfes Potential, die Anzahl an vorzeitigen Todesf\u00e4llen erheblich zu reduzieren.<\/p>\n<h2>Mit Vitamin D Leben retten<\/h2>\n<p>Eine Studie zeigt, dass ein ausreichender Vitamin-D-Status in der allgemeinen Bev\u00f6lkerung die Gesamtsterblichkeit deutlich reduzieren k\u00f6nnte. Lediglich 7 % der Studienteilnehmer erreichten den empfohlenen Serumwert von mehr als 75 nmol\/l (30 ng\/ml) 25-OH-Vitamin-D, der durchschnittliche Serumwert belief sich auf 41 nmol\/l (16,4 ng\/ml). Anhand von Berechnungen wurde ermittelt, dass jedes Jahr 18.300 Leben in Deutschland gerettet werden k\u00f6nnten, wenn die gesamte deutsche Bev\u00f6lkerung einen 25-OH-Vitamin-D-Serumwert von mindestens 75 nmol\/l (30 ng\/ml) erreichen w\u00fcrde (Zittermann et al., 2009).<\/p>\n<h2>Vitamin-D-Status richtig ermitteln und optimieren<\/h2>\n<p>Zur Ermittlung des Vitamin-D-Status eignet sich der 25-OH-Vitamin-D-Serumwert (Gr\u00f6ber et al., 2013). Bei einem vorliegenden Vitamin-D-Mangel kann es in manchen F\u00e4llen sinnvoll sein, zus\u00e4tzlich den 1,25-(OH)2-Vitamin-D-Spiegel zu bestimmen. Bei chronischen Entz\u00fcndungen ist letzterer h\u00e4ufig erh\u00f6ht. Bakterielle Entz\u00fcndungsprozesse (wie z. B. bei Borrelien und Chlamydien) k\u00f6nnen den Vitamin-D-Rezeptor blockieren und auf diese Weise neben erniedrigten 25-OH-Vitamin-D-Spiegeln zu erh\u00f6hten 1,25-(OH)2-Vitamin-D-Spiegeln f\u00fchren. Ist dies der Fall, sollte mit einer entsprechenden Therapie die Entz\u00fcndungsursache bek\u00e4mpft werden. H\u00e4ufig normalisieren sich anschlie\u00dfend auch die Vitamin-D-Serumwerte (Mangin et al., 2014).<\/p>\n<p>Aufgrund der ungekl\u00e4rten Funktion eines blockierten Vitamin-D-Rezeptors bei chronisch bakteriellen Entz\u00fcndungen (s.o.) rate ich zu einer allm\u00e4hlichen Aufdosierung von Vitamin D: t\u00e4glich 8000 IE \u00fcber 10 Wochen. Nach der Aufdosierung sind t\u00e4glich 40-60 I.E. Vitamin D3 pro kg K\u00f6rpergewicht als sogenannte Erhaltungsdosis sinnvoll. Erreicht werden sollten Werte zwischen 75 und 125 nmol\/l.<\/p>\n<h2>Wichtige Tipps<\/h2>\n<p>Es ist besonders wichtig, seinen Vitamin-D-Serumspiegel \u00fcber das Jahr hinweg m\u00f6glichst konstant zu halten. Bei sinkenden Vitamin-D-Werten im Herbst und Winter kann es in vielen Zielgeweben zu einem lokalen Mangel an 1,25-(OH)2-Vitamin-D kommen. Dies beg\u00fcnstigt m\u00f6glicherweise organspezifische Erkrankungen (Vieth, 2004 und 2009). Besser f\u00fcr einen gleichm\u00e4\u00dfig hohen Vitamin-D-Serumspiegel ist daher auch die t\u00e4gliche Aufnahme kleinerer Vitamin-D-Mengen, statt einmal im Monat eine hohe Dosis zu supplementieren. Dies entspricht auch am meisten der natur-analogen Art der Vitamin-D-Bildung, wobei man seine Haut t\u00e4glich dem Sonnenlicht aussetzt. Studien mit monatlicher Hochdosis-Therapie haben auch wiederholt schlechtere Ergebnisse.<\/p>\n<p>Sonnenlicht ist gesund &#8211; in Ma\u00dfen. Intensives Sonnenlicht macht die Haut faltig und f\u00f6rdert auch die Entstehung von Hautkrebs. Daher sollte man sich nicht zu intensiv der Sonne aussetzen und besonders die Hautareale sch\u00fctzen, die ohnehin von der Sonne gesch\u00e4digt werden, also den Kopf und das Gesicht. Die Mittagssonne mit ihrem hohen UV-Anteil ist am wirkungsvollsten in der Vitamin-D-Bildung. Im S\u00fcden sollten Sie sich der intensiven Mittagssonne nicht l\u00e4nger als 30 bis maximal 60 Minuten \u2013 je nach Hauttyp \u2013 aussetzen &#8211; mit freiem Oberk\u00f6rper und nackten Beinen, aber immer mit Sonnenhut und Sonnenbrille, denn Sonnenlicht verursacht grauen Star. Die Sonne am sp\u00e4ten Nachmittag hat vor allem Infrarot-Strahlen, die das in der Haut gebildete Vitamin D eher wieder abbauen.<\/p>\n<p>Die Sonne lacht jetzt schon im M\u00e4rz intensiv.<br \/>\nAlso ab in den Garten, um die Vitamin-D-Spiegel wieder aufzuladen!<\/p>\n<h2>Quellen<\/h2>\n<ul>\n<li>Gr\u00f6ber U, Spitz J, Holick MF, Wacker M, Kisters K (2013): Vitamin D: Update 2013: Von der Rachitis-Prophylaxe zur allgemeinen Gesundheitsvorsorge. Deutsche Apotheker Zeitung; 153(15): 1518-1526.<\/li>\n<li>Kolber MR, Lau D, Eurich D, Korownyk C (2014): Effectiveness of the trivalent influenza vaccine. Can Fam Physician; 60(1): 50.<\/li>\n<li>Luxwolda MF, Kuipers RS, Kema IP, Dijck-Brouwer DA, Muskiet FA (2012): Traditionally living populations in East Africa have a mean serum 25-hydroxyvitamin D concentration of 115 nmol\/l. Br J Nutr; 108(9):1557-61.<\/li>\n<li>Luxwolda MF, Kuipers RS, Kema IP, van der Veer E, Dijck-Brouwer DA, Muskiet FA (2013): Vitamin D status indicators in indigenous populations in East Africa. Eur J Nutr; 52(3):1115-25.<\/li>\n<li>Mangin M, Sinha R, Fincher K (2014): Inflammation and vitamin D: the infection connection. Inflamm Res; 63(10): 803-819.<\/li>\n<li>Martineau AR, Jolliffe DA, Hooper RL, Greenberg L, Aloia JF, Bergman P, Dubnov-Raz G, Esposito S, Ganmaa D, Ginde AA, Goodall EC, Grant CC, Griffiths C, Janssens W, Laaksi I, Manaseki-Holland S, Mauger D, Murdoch DR, Neale R, Rees JR, Simpson S Jr, Stelmach I, Kumar GT, Urashima M, Camargo CA Jr (2017): Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data. BMJ; 356: i6583.<\/li>\n<li>Thomas GN, \u00f3 Hartaigh B, Bosch JA, Pilz S, Loerbroks A, Kleber ME, Fischer JE, Grammer TB, B\u00f6hm BO, M\u00e4rz W (2012): Vitamin D levels predict all-cause and cardiovascular disease mortality in subjects with the metabolic syndrome: the Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health (LURIC) Study. Diabetes Care; 35(5): 1158-1164.<\/li>\n<li>Vieth R (2004): Enzyme kinetics hypothesis to explain the U-shaped risk curve for prostate cancer vs. 25-hydroxyvitamin D in nordic countries. Int J Cancer; 111(3): 468; author reply 469.<\/li>\n<li>Vieth R (2009): How to optimize vitamin D supplementation to prevent cancer, based on cellular adaptation and hydroxylase enzymology. Anticancer Res; 29(9): 3675-3684.<\/li>\n<li>Zittermann A, von Helden R, Grant W, Kipshoven C, Ringe JD (2009): An estimate of the survival benefit of improving vitamin D status in the adult German population. Dermatoendocrinol; 1(6): 300-306.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Menschen mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel haben signifikant h\u00e4ufiger akute Atemwegsinfektionen wie bei Erk\u00e4ltungen, Grippe und Bronchitis.  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