{"id":3202,"date":"2017-02-07T00:06:24","date_gmt":"2017-02-06T23:06:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.symptome.ch\/blog\/?p=3202"},"modified":"2020-01-18T06:22:20","modified_gmt":"2020-01-18T05:22:20","slug":"vitamin-d-mangel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/vitamin-d-mangel\/","title":{"rendered":"Das M\u00e4rchen vom unn\u00f6tigen und gef\u00e4hrlichen Vitamin D"},"content":{"rendered":"<p>Meine ersten beiden Artikel \u00fcber wundersame M\u00e4rchen in den Medien\u00a0habe ich bereits 2013 auf der Plattform Symptome.ch publiziert. Nachdem diese Art von M\u00e4rchen in den Medien zunehmend h\u00e4ufiger und penetranter wird, habe ich mich ungeachtet zahlreicher anderer Projekte und Aufgaben entschlossen, einzelne M\u00e4rchen wieder zu kommentieren, um besonders haltlose Behauptungen nicht unwidersprochen stehen zu lassen.<\/p>\n<p>Eines der Lieblingsthemen f\u00fcr Medienm\u00e4rchen war auch im vergangenen Jahr wieder das Sonnenhormon Vitamin D. Einerseits steigt die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen zum Thema Vitamin D unaufh\u00f6rlich. Allein in der internationalen Datenbank pubmed finden sich Anfang 2017 rund 26.000 Artikel gelistet. Doch genauso stetig wie der Anstieg dieser Publikationen ist auch die Zunahme der \u201ewarnenden \u00c4u\u00dferungen von Experten\u201c unterschiedlichster Provenienz, die den Vitamin D-Hype mit seinen \u201ehaltlosen Versprechungen und die gesundheitlichen Folgen der \u00dcberdosierung\u201c anprangern. Wer hat nun Recht? Was ist Science, was ist Fiction?<\/p>\n<h2><strong>Stellungnahme der Gemeinsamen Expertenkommission des Bundesamtes f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und des Bundesinstituts f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM<\/strong><\/h2>\n<p>Ohne auf die diversen, meist offenkundig unqualifizierten Sendungen einiger Fernsehsender einzugehen (die \u201eVisite\u201c des Norddeutschen Rundfunks macht hier eine l\u00f6bliche Ausnahme!) m\u00f6chte ich die \u201em\u00e4rchenhafte\u201c Situation anhand eines Ausschnitts aus der Pressemitteilung des Bundesamtes f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (!) vom 26.01.2016 beleuchten. Auch wenn diese Thematik auf den ersten Blick etwas trocken erscheint, so hat sie doch massive potentielle Konsequenzen f\u00fcr die Versorgung der Bev\u00f6lkerung mit Vitamin D. Au\u00dferdem, wenn Sie durchhalten, gibt es anschlie\u00dfend nicht nur einige echte \u201epr\u00e4ventive Leckerbissen\u201c zum Thema Vitamin D, sondern ganz am Ende auch noch die tolle Geschichte vom \u201eVitamin D-Hammer\u201c.<\/p>\n<p>Also, los geht\u2018s:<\/p>\n<blockquote>\n<ul>\n<li>\u201eDie Gemeinsame Expertenkommission des Bundesamtes f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und des Bundesinstituts f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat jetzt (das war Anfang 2016, Anmerkung J.S.) in einer Stellungnahme festgestellt, dass ein Produkt, das maximal 20 Mikrogramm (800 I.E.) Vitamin D zur Deckung des t\u00e4glichen Bedarfs enth\u00e4lt, als Nahrungserg\u00e4nzungsmittel eingestuft werden kann &#8230;\u201c<\/li>\n<li>\u201c&#8230; F\u00fcr eine Dosierung oberhalb von 800 IE pro Tag sieht die Kommission aufgrund einer \u00dcberschreitung der f\u00fcr die Aufrechterhaltung der psychischen und physischen Funktionen erforderlichen Menge keine ern\u00e4hrungsspezifische oder physiologische Wirkung im Kontext der Ern\u00e4hrung mehr\u201c.<\/li>\n<li>\u201c&#8230; Im Fall einer echten Mangelerkrankung kann eine Behandlung mit einem h\u00f6her dosierten Vitamin-D-Pr\u00e4parat sinnvoll sein. Ein solches Produkt ist demzufolge als Arzneimittel zu bewerten und entsprechend zu kennzeichnen\u201c.<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p>Das liest sich zun\u00e4chst einmal schl\u00fcssig und unauff\u00e4llig. Der letzte Satz bedeutet jedoch, dass zuk\u00fcnftig alle Vitamin-D Pr\u00e4parate, die mehr als die \u201eKinderdosis\u201c von 800 IE enthalten, zu rezeptpflichtigen Arzneimitteln werden. Dies hat dann zur Folge, dass der angeblich \u201em\u00fcndige B\u00fcrger\u201c <strong>sein Vitamin D-Defizit nicht mehr in eigener Verantwortung durch den Kauf von Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln ausgleichen kann, sondern dass er \u201emedikalisiert\u201c wird, d. h. einen Arzt um ein Rezept bitten muss.<\/strong> Da dieser im Zweifelsfall (immer noch) nicht \u00fcber die Bedeutung von Vitamin D aufgekl\u00e4rt ist, wird es eines \u201ekleinen K\u00e4mpfchens\u201c bed\u00fcrfen, ein solches Rezept zu erhalten. Damit sinkt nat\u00fcrlich die Wahrscheinlichkeit, dass der bev\u00f6lkerungsweite Mangel an Vitamin D (einschlie\u00dflich zahlreicher chronischer Krankheiten) mithilfe einfach zu beschaffender Nahrungserg\u00e4nzungsmittel nachhaltig beseitigt wird. Gottlob, die Ums\u00e4tze der \u201eKranken-Industrie\u201c sind gerettet.<\/p>\n<p>So findet sich denn auch in dem 16 Seiten umfassenden Gutachten eine klare Zielvorgabe: \u201eZiel dieser Gemeinsamen Expertenkommission ist es, als unabh\u00e4ngiges Gremium unter Ber\u00fccksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse und rechtlicher Vorgaben Kriterienkataloge, Entscheidungsb\u00e4ume und Stellungnahmen zu erarbeiten, um m\u00f6gliche Gesundheitsgefahren besser erkennen oder <strong>die Einstufung eines Stoffes als Arzneimittel erleichtern zu k\u00f6nnen<\/strong>\u201c. Auf diese Weise lassen sich aus fehlenden Bestandteilen in unserer industriell verarbeiteten Nahrung elegant Arzneimittel machen und mit einem vielfach gr\u00f6\u00dferen Gewinn vermarkten als es mit Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Bezeichnenderweise werden in dem Gutachten die Namen der \u201eExperten dieses unabh\u00e4ngigen Gremiums\u201c nicht genannt. Ein Blick auf die Literaturliste zeigt noch weitere Unzul\u00e4nglichkeiten: zun\u00e4chst einmal ist sie mit 19 Titeln angesichts der eingangs erw\u00e4hnten 26.000 Publikationen in den Datenbanken eher d\u00fcrftig. Ferner handelt es sich &#8211; abgesehen von wenigen Ausnahmen &#8211; um deutsche Publikationen, die \u00e4lter als vier Jahre sind. <strong>International wurden in dieser Zeit jedoch knapp 10.000 Artikel zum Thema Vitamin D ver\u00f6ffentlicht!<\/strong> Diese \u00fcberwiegend in englischer Sprache verfassten Arbeiten alle zu sichten, war den \u201eExperten\u201c wohl doch etwas zu m\u00fchsam.Oder war es gar Absicht? Ein Schelm, der B\u00f6ses dabei denkt! Dabei h\u00e4tte sich das Anschauen durchaus gelohnt, finden sich doch unter diesen Arbeiten zahlreiche echte \u201epr\u00e4ventive Delikatessen\u201c, die ich eingangs bereits angek\u00fcndigt habe und die das Sonnenhormon in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Hier kommen einige Kostproben.<\/p>\n<h2>Dosierung und Referenzwert von Vitamin D<\/h2>\n<p>Los geht\u2019s mit dem Referenzwert im Blut: Die Arbeitsgruppe von Amling und Barvencik des Universit\u00e4tsklinikums Eppendorf in Hamburg haben der ewigen Diskussion, ob die untere Referenzgrenze f\u00fcr Vitamin D im Blut bei 20 ng\/ml oder 30 ng\/ml liegt, endg\u00fcltig ein Ende bereitet (Domarus et al. 2011). Sie konnten auf der Basis von Knochenbiopsien zeigen, dass unterhalb eines Vitamin D-Spiegels von 30 ng\/ml die Verkalkung des neu gebildeten Knochens nicht mehr gew\u00e4hrleistet ist. In der nachstehenden Abbildung ist auch f\u00fcr einen Laien deutlich zu erkennen, dass im Bild A gelb\/orange gef\u00e4rbten Knochenb\u00e4lkchen deutlich d\u00fcnner sind als im Bild B. Dies entspricht dem typischen Befund einer . Im Bild D ist der regelrecht verkalkte Knochen blau dargestellt w\u00e4hrend sich in der Abbildung C aufgelagert ein breiter roter Saum nicht verkalkter Knochen als Folge des Vitamin D-Mangels findet. Durch die fehlende Verkalkung bleibt der Knochen weich, was im kindlichen Alter als Rachitis bezeichnet wird und bei erwachsenen Personen zu der im Bild B dargestellten Osteoporose f\u00fchrt. Wie wirkungsvoll eine verbesserte Vitamin D-Zufuhr sein kann, hat die Einf\u00fchrung der generellen Vitamin D-Supplementation bei S\u00e4uglingen in Deutschland gezeigt: die Rachitis ist bei uns durch diese Ma\u00dfnahme nahezu v\u00f6llig beseitigt worden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3203\" aria-describedby=\"caption-attachment-3203\" style=\"width: 484px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3203 size-full\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_rachitis.jpg\" alt=\"Rachitis\" width=\"484\" height=\"396\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_rachitis.jpg 484w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_rachitis-200x164.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 484px) 100vw, 484px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3203\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung aus: Domarus et al. 2011<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auf zum n\u00e4chsten Thema: so ein kleiner S\u00e4ugling ist mit etwa 400-600 IE Vitamin D pro Tag gut versorgt. Er wiegt ja auch nur einige Kilogramm. <strong>Doch wie borniert muss man denn sein, um einen Erwachsenen, der locker 20 mal so viel wiegt, mit 800 IE pro Tag versorgen zu wollen?<\/strong> Das kann doch nach Adam Riese nicht funktionieren, liebe \u201eExperten\u201c des Bundesinstituts f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte!<\/p>\n<p>Als Begr\u00fcndung f\u00fcr diesen Schwachsinn dient allenthalben eine Berechnung des amerikanischen \u201eInstitutes of Medicine (IOM)\u201c. Diese beruht auf zehn Supplementationsstudien, die im Winter n\u00f6rdlich des 50. Breitengrades gemacht wurden. Aus den Daten errechnete das IOM, dass eine Aufnahme von 600 IE pro Tag ausreiche, um einen Wert von 50 nmol\/L (umgerechnet 20 ng\/ml) bei 95,7 % der Bev\u00f6lkerung zu erreichen (Ross 2011). Das Ergebnis ist in der nachfolgenden Abbildung als obere gr\u00fcne Kurve dargestellt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3204\" aria-describedby=\"caption-attachment-3204\" style=\"width: 707px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3204\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_supplementationsstudien.jpg\" alt=\"Abbildung aus: Veugelers und Ekwaru 2014\" width=\"707\" height=\"708\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_supplementationsstudien.jpg 707w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_supplementationsstudien-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_supplementationsstudien-200x200.jpg 200w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_supplementationsstudien-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 707px) 100vw, 707px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3204\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung aus: Veugelers und Ekwaru 2014<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die \u00dcberpr\u00fcfung der Daten durch zwei kanadische Wissenschaftler (untere rote Kurve) ergab jedoch einen nur halb so hohen Wert von 26,8 nmol\/L (umgerechnet mal gerade 10 ng\/ml) bzw. eine doppelt so hohe Dosis Vitamin D f\u00fcr den angestrebten Effekt. <strong>Die Korrektur wurde bereits vor drei Jahren international publiziert (Veugelers und Ekwaru 2014). Doch offensichtlich ist diese Kunde nicht bis zu den \u201eExperten\u201c des BfArM durchgedrungen.<\/strong><\/p>\n<p>Dabei wurde bei diesen Berechnungen nicht einmal die zunehmende Problematik des \u00dcbergewichtes in der Bev\u00f6lkerung ber\u00fccksichtigt: Bereits im Bundesgesundheitssurvey 1998 wurde bei 67,1 % der deutschen M\u00e4nner und bei 53,0 % der Frauen ein Body-Mass-Index (BMI) &gt;25 gemessen, was einem vergleichsweise leichten \u00dcbergewicht entspricht. Der Anteil der deutlich \u00fcbergewichtigen Personen (BMI \u2265 30) hat sich 10 Jahre sp\u00e4ter bei M\u00e4nnern von 18,9 % auf 23,3 % und bei Frauen von 22,5 % auf 23,9 % erh\u00f6ht (Mensink et al. 2013). Das ist rund ein Viertel der Bev\u00f6lkerung! <strong>Da das Sonnenhormon Vitamin D fettl\u00f6slich ist, verschwinden die 800 IE, die die Expertenkommission diesen \u00fcbergewichtigen Menschen zugesteht, komplett im Nirwana des reichlich vorhandenen Fettgewebes.<\/strong><\/p>\n<p>Solche Minidosen reichen daher nicht f\u00fcr die erforderliche Normalisierung des Vitamin D-Spiegels aus. Die amerikanische Laienbewegung \u201eGrassroothealth\u201c, die sich bereits seit einigen Jahren intensiv um die Beseitigung des Vitamin D-Mangels in Amerika bem\u00fcht (die amerikanische Bev\u00f6lkerung ist noch fetter als die deutsche), konnte zeigen, dass zahlreiche Mitglieder ihrer Organisation eine t\u00e4gliche Vitamin D-Dosis von 10.000 IE und mehr ben\u00f6tigen, um einen regelrechten Vitamin D-Spiegel zu erreichen.<\/p>\n<h2>Aktuelle klinische Ergebnisse zum Thema Diabetes und Vitamin D<\/h2>\n<p>Dass sich die Bem\u00fchungen um einen regelrechten Vitamin-D Spiegel lohnen, <strong>belegen umfangreiche Berichte zu nahezu allen chronischen Krankheiten, ganz gleich ob sich dabei um Diabetes, Demenz, Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebs handelt.<\/strong> Wie ein solcher Effekt aussehen kann, hat die schon zitierte Laienbewegung \u201eGrassroothealth\u201c zum Thema Diabetes gezeigt. Die Daten von 4.133 Mitgliedern wiesen im Mittel einen Vitamin D-Spiegel von 41 ng\/ml und eine H\u00e4ufigkeit f\u00fcr Diabetes Typ 2 von 3,7 F\u00e4llen auf 1.000 Einwohner auf. Die etwa gleich starke Vergleichsgruppe des amerikanischen National Health and Nutrition Survey (NHANES) mit 4.078 Teilnehmern (repr\u00e4sentativ f\u00fcr die amerikanische Bev\u00f6lkerung) zeigte einen etwa halb so hohen mittleren Vitamin D-Spiegel von 22 ng\/ml und eine mehr als doppelt so hohe H\u00e4ufigkeit f\u00fcr Diabetes Typ 2 von 9,3 F\u00e4llen auf 1000 Einwohner (McDonnell et al. 2016).<\/p>\n<figure id=\"attachment_3207\" aria-describedby=\"caption-attachment-3207\" style=\"width: 747px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3207\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_grassroothealth.png\" alt=\"Abbildung aus: McDonnell et al. 2016\" width=\"747\" height=\"397\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_grassroothealth.png 747w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_grassroothealth-200x106.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 747px) 100vw, 747px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3207\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung aus: McDonnell et al. 2016<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber auch wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, d.h. bei bereits manifesten Diabetes Typ 2, hat eine Vitamin D-Supplementation eindrucksvolle Effekte, wenn denn &#8211; im Gegensatz zu den Empfehlungen der \u201eExperten\u201c des BfArM &#8211; ausreichend hoch dosiert wird. Um diese Aussage zu \u00fcberpr\u00fcfen erhielten 100 Patienten mit Diabetes Typ 2 zwei Monate lang t\u00e4glich 4.500 IE unter Kontrolle der Blutzucker und HbA1c-Werte sowie verschiedener Lipidwerte. <strong>Nach zwei Monaten fand sich ein signifikanter Anstieg des mittleren Vitamin D-Spiegels von 16,0 ng\/ml auf 49,2 ng\/ml und ein signifikanter Abfall der N\u00fcchternblutzuckerspiegels und der HbA1c-Werte.<\/strong> Patienten mit Vitamin D-Spiegeln &gt;61 ng\/ml zeigten signifikant niedrigere Werte f\u00fcr Gesamtcholesterin und LDL sowie h\u00f6here Werte f\u00fcr HDL. Bei weiblichen Diabetikern fand sich zus\u00e4tzlich ein signifikanter Abfall der Triglyzeride (Mohamad et al. 2015). Und dies alles Dank ein paar \u201eKr\u00fcmeln Vitamin D\u201c.<\/p>\n<p><strong>Fehlender Nachweis der Toxizit\u00e4t von Vitamin D trotz h\u00f6herer Dosierungen und h\u00f6herer Spiegel in der Bev\u00f6lkerung<\/strong><\/p>\n<p>Und nun noch ein W\u00f6rtchen zu der immer wieder zitierten Gef\u00e4hrlichkeit von Vitamin D. Bereits im Jahr 2007 wies die kanadische Arbeitsgruppe von Prof. Vieth darauf hin, dass die Obergrenze einer sicheren Vitamin D-Zufuhr bei Dosierungen &gt;250 \u00b5g\/Tag (10.000 IE\/Tag) liegt (Hathcock et al. 2007). Die nachstehende Abbildung dieser Arbeitsgruppe zeigt die Ergebnisse einer Untersuchung mit Multiple Sklerose Patienten \u00fcber 28 Wochen(Kimball et al. 2007).<\/p>\n<figure id=\"attachment_3208\" aria-describedby=\"caption-attachment-3208\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3208\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_hyperkalzaemie.png\" alt=\"Abbildung aus: Kimball et al. 2007\" width=\"540\" height=\"343\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_hyperkalzaemie.png 540w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_hyperkalzaemie-200x127.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3208\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung aus: Kimball et al. 2007<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine Steigerung der Vitamin D-Dosis von 4.000 IE t\u00e4glich (700 \u00b5g pro Woche) auf 40.000 IE t\u00e4glich (7000 \u00b5g, unteres Bild) f\u00fchrte zwar zu einem beachtlichen mittleren Vitamin D-Spiegel von fast 400 nmol\/l (154 ng\/ml, unteres Bild), nicht jedoch zu der immer wieder zitierten, bedrohlichen Hyperkalz\u00e4mie (oberes Bild) oder einer vermehrten Ausscheidung von Kalzium im Urin.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3209\" aria-describedby=\"caption-attachment-3209\" style=\"width: 529px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3209\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_vitamin-d-spiegel.png\" alt=\"Abbildung aus: Kimball et al. 2007\" width=\"529\" height=\"354\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_vitamin-d-spiegel.png 529w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/symptome_vitamin-d-spiegel-200x134.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 529px) 100vw, 529px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3209\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung aus: Kimball et al. 2007<\/figcaption><\/figure>\n<p>Seit diesen Ver\u00f6ffentlichungen ist es zu einer deutlichen Zunahme nicht nur der H\u00e4ufigkeit von Vitamin D-Therapien, sondern auch zur Verabreichung deutlich h\u00f6herer Dosierungen gekommen. Entsprechend findet sich in einer Bestandsaufnahme der amerikanischen Mayo Klinik von 2015 ein Anstieg der H\u00e4ufigkeit von Werten &gt;50 ng\/ml (20 ng\/ml) bei der Untersuchung von 20.308 Serumproben aus der Routinediagnostik (Dudenkov et al. 2015): von neun F\u00e4llen im Jahr 2002 auf 233 F\u00e4lle im Jahr 2011, jeweils bezogen auf 100.000 Personenjahre.<\/p>\n<p>Es fand sich allerdings in diesen Blutproben keine signifikante Beziehung zwischen dem gemessenen Vitamin D-Spiegel und den Kalzium-Werten oder dem Risiko einer Hyperkalz\u00e4mie. Lediglich in vier F\u00e4llen (0,2 %) waren Vitamin D-Werte &gt;50 ng\/ml mit einer Hyperkalz\u00e4mie verbunden. Jedoch nur in einem Fall fanden sich klinische Zeichen einer Toxizit\u00e4t. Dabei handelt es sich um den h\u00f6chsten gemessenen Wert von 364 ng\/ml! Verursacht wurde dieser extreme Wert durch eine zum Teil mehrfache Einnahme von 50.000 IE Vitamin D pro Tag (!) in Verbindung mit 3g Kalzium. Also alles in allem ein Extremfall. Diese bev\u00f6lkerungsweite Studie in den USA best\u00e4tigt somit die bereits vorgestellten experimentellen Ergebnisse der kanadischen Arbeitsgruppe und die praktischen Erfahrungen der Organisation Grassroothealth.<\/p>\n<p><strong>Der Vitamin D-Hammer<\/strong><\/p>\n<p>Der Begriff stammt nicht von mir, sondern von dem Kollegen Gary Schwalfenberg, einem kanadischen \u201eFamily Physician\u201c, was wohl unserem deutschen Hausarzt entspricht. Er ist einer der f\u00fchrenden Vitamin D-Experten Kanadas und hat sich in einem Leserbrief an seine Verbandszeitschrift \u201eCanadian Family Physician &#8211; Le M\u00e9decin de famille canadien\u201c zum Thema Vitamin D und Influenza (Virusgrippe) ge\u00e4u\u00dfert (Schwalfenberg 2015). Der Anlass f\u00fcr seinen Leserbrief war ein Artikel in der Zeitschrift \u00fcber den Einsatz von Neuraminidasehemmern, einem rezeptpflichtigen Arzneimittel, das die Krankheitsdauer der Virusgrippe abk\u00fcrzen soll (ein in Deutschland verf\u00fcgbares Pr\u00e4parat ist Tamiflu).<\/p>\n<p>Angesichts der umfangreichen Nebenwirkungen, die von \u00dcbelkeit und Erbrechen bis hin zu kognitiven St\u00f6rungen und Delir reichen, und der fraglichen Wirksamkeit verordnet der Kollege diese Medikamente in seiner Praxis nicht mehr und empfiehlt, dies generell nicht mehr zu tun. <strong>Stattdessen weist er auf die Bedeutung von Vitamin D zur Prophylaxe der Virusgrippe hin, da diese in sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit in der dunklen Jahreszeit auftritt, in der die Menschen von einem Mangel an Vitamin D betroffen sind.<\/strong><\/p>\n<p>Zu diesem Themenkreis gibt es nicht nur zahlreiche epidemiologische Untersuchungen (also das Zusammentreffen von Vitamin D-Mangel und Infektanf\u00e4lligkeit), sondern auch eine evidenzbasierte Studie, d.h. doppelblind, Placebo-kontrolliert und randomisiert wie f\u00fcr die Pr\u00fcfung eines Medikamentes. <strong>Japanische Kollegen haben bei diesem \u201eExperiment\u201c an Schulkindern gezeigt, dass eine vorbeugende Vitamin D-Gabe w\u00e4hrend des Winters 60 % der Kinder vor einer Influenza-Grippe sch\u00fctzte (Urashima 2010).<\/strong> <strong>Sozusagen als Nebeneffekt fand sich eine 80-prozentige Verminderung von Asthmaanf\u00e4llen bei den durch Vitamin D gesch\u00fctzten Kindern.<\/strong><\/p>\n<p>Umfangreiche Laboruntersuchungen haben zudem gezeigt, dass Vitamin D ganz wesentlich an der Steuerung unseres Immunsystems beteiligt ist. <strong>Einerseits unterdr\u00fcckt Vitamin D die \u00fcberschie\u00dfende Immunreaktion, die bei allen Autoimmunerkrankungen f\u00fcr die ausgedehnten Gewebszerst\u00f6rungen verantwortlich ist (z. B. Rheuma, Schuppenflechte, Multiple Sklerose, etc.)<\/strong>. Zum anderen beruht die Wirkung bei der schon geschilderten Abwehr von Infekten auf der Vitamin D-abh\u00e4ngigen Bildung k\u00f6rpereigener Abwehrstoffe gegen die Erreger (Viren und Bakterien!). Dabei ist Vitamin D jeglicher Grippeimpfungen \u00fcberlegen, da es gegen alle Erreger (und nicht nur gegen den \u201ef\u00fcr das laufende Jahr erw\u00fcrfelten\u201c Stamm) des Influenza-Virus wirkt.<\/p>\n<p>Entsprechend berichtet der kanadische Kollege, dass seit der Einf\u00fchrung einer allgemeinen Vitamin D-Prophylaxe in seiner Praxis (mit Vitamin-D-Spiegeln &gt; 40 ng\/ml) <strong>nur noch wenige Patienten mit einer Erk\u00e4ltung in seiner Praxis erscheinen.<\/strong> F\u00fcr diese kommt dann der \u201eVitamin D-Hammer\u201c zum Einsatz: 2-3 Tage lang werden einmal 50.000 IE oder 3 \u00d7 10.000 IE Vitamin D \u00fcber den Tag verteilt eingenommen. Dies f\u00fchrt nach seinen Erfahrungen zu einer dramatischen Verbesserung der Symptome, die innerhalb von 48-72 Stunden verschwinden. (Die einmalige Zufuhr von 100.000 IE ist ohne jegliches Risiko, da sie bei normalgewichtigen Personen\u00a0lediglich zu einer Erh\u00f6hung des Vitamin D Spiegels im Blut um 10 ng\/ml f\u00fchrt).<\/p>\n<p>Ich habe den \u201eVitamin D-Hammer\u201c inzwischen bei mir selbst ausprobiert und auch einige Kollegen dazu angestiftet &#8211; jedes Mal mit beachtlichem Erfolg. Nachdem der Vitamin-D-Winter gerade seinen H\u00f6hepunkt erreicht (die Vitamin D-Spiegel der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung sind im Keller!) wird sich in den kommenden Wochen reichlich Gelegenheit finden, die Wirkung des \u201eVitamin D-Hammers\u201c auszuprobieren. Noch effektiver ist nat\u00fcrlich die konsequente, ganzj\u00e4hrige Zufuhr ausreichender Mengen an Vitamin-D. Viel Erfolg!<\/p>\n<p>\u00dcbrigens:\u00a0 Passend zum Jungen auf unserem Artikelbild:<br \/>\nDem Medienm\u00e4rchen dass man selbst im Winter nur mit dem Gesicht (und den H\u00e4nden) in der Sonne Vitamin D erzeugen kann, nehmen wir uns in einem der n\u00e4chsten Artikel an. Das geht in unseren Breiten n\u00e4mlich nicht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Umfangreiche Berichte zu nahezu allen chronischen Krankheiten &#8211; ganz gleich ob sich dabei um Diabetes, Demenz, Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebs handelt &#8211; belegen dass &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":55,"featured_media":3213,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[67,1,99,71,72,73,5,700,61,65,80,514,87,8,88,823,64,93],"tags":[834,441,835,833,236,832,836,172,228],"class_list":["post-3202","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allergie","category-allgemein","category-alltagstipps","category-demenz-alzheimer","category-depression-angst","category-diabetes","category-ernaehrung","category-grippe-erkaeltung","category-herz-kreislauf","category-krankheitsbilder-allgemein","category-krebs","category-medizinische-behandlungsfehler","category-multiple-sklerose","category-nahrungsergaenzung","category-neurodermitis","category-osteoporose","category-schilddruese-hormonsystem","category-virusinfektionen","tag-arzneimittel","tag-depression","tag-hyperkalzaemie","tag-nahrungsergaenzungsmittel","tag-osteoporose","tag-ueberdosierung","tag-virusgrippe","tag-vitamin-d","tag-winterdepression"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3202","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/55"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3202"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3202\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3943,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3202\/revisions\/3943"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3213"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3202"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3202"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3202"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}