{"id":3032,"date":"2016-05-30T00:09:22","date_gmt":"2016-05-29T22:09:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.symptome.ch\/blog\/?p=3032"},"modified":"2020-01-18T06:22:22","modified_gmt":"2020-01-18T05:22:22","slug":"umgang-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/umgang-menschen\/","title":{"rendered":"Souver\u00e4ner Umgang mit \u201eschwierigen Mitmenschen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIch bin am Ende der Fahnenstange\u201c sagt jemand, der angesichts einer schwierigen Situation keinen Rat mehr wei\u00df oder der seine Bereitschaft aufk\u00fcndigt, noch weitere Energie zu investieren. Das Sprachbild der Fahnenstange ist der Ausgangspunkt f\u00fcr meine \u00dcberlegungen zum Umgang mit \u201eschwierigen Mitmenschen\u201c.<\/p>\n<p>Moment mal! Gibt es denn \u00fcberhaupt den schwierigen Menschen? Ja und nein! Schlie\u00dflich gibt es durchaus Personen mit \u00fcberdauernden, st\u00f6renden Verhaltensmustern. Beispielsweise rufen ein ausgepr\u00e4gtes Misstrauen oder eine penetrante Selbstbezogenheit bei den meisten Mitmenschen Abwehrreaktionen hervor. Aber auch das individuelle Erleben entscheidet dar\u00fcber, ob und wann jemand f\u00fcr Sie schwierig wird. Die Kollegin, die an allem etwas auszusetzen hat, bringt Sie in Sekunden innerlich auf die Palme, w\u00e4hrend Ihr Kollege sich von dem Verhalten gar nicht aus der Ruhe bringen l\u00e4sst. Unsere Eigenschaften und Eigenheiten, besonders unsere Empfindlichkeiten und bisweilen \u201eAllergiereaktionen\u201c spielen neben unserer seelischen Tagesverfassung eine Rolle bei der Frage, wann und mit wem es kritisch wird.<\/p>\n<p>Es kann deshalb lohnend sein, den Blick zun\u00e4chst auf sich selbst zu richten und zu \u00fcberlegen: Reagiere ich vielleicht \u00fcberempfindlich? Ist das Verhalten des Anderen m\u00f6glicherweise berechtigt und ich habe zu schnell geurteilt? War ich am Ende selbst die Verursacherin der unangenehmen Reaktion? Vielleicht tragen Sie ohne es zu wollen (oder es zu bemerken) dazu bei, dass der Andere sich schwierig verh\u00e4lt. Oft sagt die Feststellung \u201eDieser Mensch ist eben einfach schwierig!\u201c auch weniger \u00fcber die Eigenschaften des Betreffenden aus als \u00fcber den Frustrationsgrad des Urteilenden. Dieser gibt sich mit seiner Einsch\u00e4tzung implizit ein St\u00fcck Selbstabsolution im Sinne von: \u201eDa sind Hopfen und Malz wirklich verloren und alle meine Bem\u00fchungen w\u00e4ren von vornherein zum Scheitern verurteilt!\u201c<\/p>\n<p>Eine solche Reaktion ist menschlich und entlastend (wenn der Armleuchter auf der anderen Seite sitzt, kann ich nichts f\u00fcr seine Reaktion) aber nicht immer hilfreich. F\u00fcr den Fall, dass Sie auf der Suche nach einem konstruktiven Umgang mit Ihren schwierigen Anderen sind, m\u00f6chte ich mit Ihnen einen Blick hinter die Kulissen sowie die m\u00f6gliche zugrunde liegende Dynamik schwieriger Begegnungen werfen. Die Fahnenstange dient uns dabei als Gliederungshilfe, sie besteht aus drei Zonen:<\/p>\n<ol>\n<li>Anfang der Fahnenstange &gt; Selbstreflexion:<br \/>\nWie sieht mein m\u00f6glicher Beitrag zum Geschehen aus? Was fange ich mit der Situation an, wenn der Andere ist, wie er ist?<\/li>\n<li>Mitte der Fahnenstange &gt; Betrachtung der Beziehungsdynamik:<br \/>\nWas spielt sich zwischen uns ab? Welche M\u00f6glichkeiten h\u00e4tte ich, die Beziehung g\u00fcnstig zu beeinflussen?<\/li>\n<li>Ende der Fahnenstange &gt; Notfallkoffer:<br \/>\nWie wehre ich mich meiner Haut? Wie kann ich mich sch\u00fctzen, verteidigen, abgrenzen?<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_3043\" aria-describedby=\"caption-attachment-3043\" style=\"width: 253px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3043\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/symptome_konfliktkommunikation.jpg\" alt=\"Abb. 1: Am Ende der Fahnenstange?\" width=\"253\" height=\"439\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/symptome_konfliktkommunikation.jpg 253w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/symptome_konfliktkommunikation-127x220.jpg 127w\" sizes=\"auto, (max-width: 253px) 100vw, 253px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3043\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1: Am Ende der Fahnenstange?<\/figcaption><\/figure>\n<h2>1. Selbstreflexion<\/h2>\n<p>Das Nachdenken dar\u00fcber, was die schwierige Situation mit Ihnen zu tun haben k\u00f6nnte oder welche Einflussm\u00f6glichkeiten Sie haben, mag der unbequemste und vielleicht sogar undankbarste Teil der Besch\u00e4ftigung mit dem Thema \u201eschwierige Mitmenschen\u201c sein. Zugegeben: Es gibt einiges, was dagegen spricht. Jemand tritt Ihnen schmerzhaft auf die F\u00fc\u00dfe und Sie sollen sich auch noch nach Ihrem Eigenanteil fragen!? Sich mit sich selbst auseinander zu setzen, das eigene Verhalten zu hinterfragen und nach Alternativen zu suchen kostet dar\u00fcber hinaus Zeit und Energie. Zu guter Letzt garantiert Ihnen niemand, dass Ihre Investition sich auch auszahlt. Es gibt aber durchaus gewichtige Gr\u00fcnde, die f\u00fcr die kritische Selbsthinterfragung sprechen: Sie erfahren einiges \u00fcber sich selbst und je besser Sie sich kennen, desto weniger laufen Sie Gefahr, ungewollt in automatisierte Verhaltensweisen abzurutschen, \u00d6l ins Feuer zu gie\u00dfen oder sich sinnlos aufzureiben. Flexibler zu werden und das eigene Verhaltensrepertoire zu erweitern ist ein lohnendes Ziel!<\/p>\n<p>Ein hilfreicher Kompass f\u00fcr den Weg der Selbstauseinandersetzung und der pers\u00f6nlichen Weiterentwicklung ist das Riemann-Thomann-Modell. Es unterscheidet vier menschliche Grundstrebungen, die als Pole auf zwei Achsen abgebildet werden:<\/p>\n<ul>\n<li>die N\u00e4he-Strebung beinhaltet Qualit\u00e4ten wie Zugeh\u00f6rigkeit, Bindung, Harmonie oder Mitgef\u00fchl. Menschen, die viel von dieser Strebung in sich tragen, wirken nahbar, offen und geben einem das Gef\u00fchl, willkommen und akzeptiert zu sein. F\u00fcr ein harmonisches Miteinander sind sie bereit, manche Irritation hinunter zu schlucken. Konflikte empfinden sie als unangenehm bis bedrohlich und weichen ihnen wenn m\u00f6glich lieber aus.<\/li>\n<li>zur Distanz-Strebung geh\u00f6ren die Qualit\u00e4ten Unabh\u00e4ngigkeit, Abgrenzung, Freiheit und Rationalit\u00e4t. Menschen dieser Pr\u00e4gung wirken oft eher k\u00fchl und sachlich. Sie n\u00e4hern sich der Welt prim\u00e4r analytisch. Sie brauchen den R\u00fcckzug, um ihre Akkus aufzuladen und sich auf Kontakt und Kommunikation einzulassen. Wahlfreiheit ist ihnen ein hohes Gut (wenn Sie es sich mit so jemandem verscherzen wollen, dann sollten Sie Entscheidungen, die ihn betreffen, \u00fcber seinen Kopf hinweg f\u00e4llen!). Gespr\u00e4che \u00fcber Gef\u00fchle oder Befindlichkeiten sind f\u00fcr ihn eine Herausforderung. Wenn er sich zu N\u00e4he gedr\u00e4ngt f\u00fchlt, kann er scharf ablehnend reagieren.<\/li>\n<li>die Dauer-Strebung beinhaltet Ordnung, Prinzipientreue, Sicherheit, Verl\u00e4sslichkeit und Pflichtbewusstsein. Menschen mit ausgepr\u00e4gten Dauer-Anteilen beziehen ihre Stabilit\u00e4t aus der Kontrolle, die sie aus\u00fcben. Sie sind sehr gr\u00fcndlich, genau und zuverl\u00e4ssig. Recht haben und das Richtige tun sind f\u00fcr sie wichtige Aspekte ihrer seelischen Welt.<\/li>\n<li>zur Wechsel-Strebung z\u00e4hlen Lebendigkeit, Flexibilit\u00e4t, Spontaneit\u00e4t und Kreativit\u00e4t. Wer viele Anteile aus dieser Strebung hat, tut sich leicht mit Ver\u00e4nderungen, mag besondere Herausforderungen und hat oft gute Ideen (die jedoch auch schnell wieder verworfen werden k\u00f6nnen). Menschen mit stark ausgepr\u00e4gten Wechsel-Anteilen wirken bisweilen chaotisch und dramatisierend auf ihre Umwelt.<\/li>\n<\/ul>\n<figure id=\"attachment_3040\" aria-describedby=\"caption-attachment-3040\" style=\"width: 452px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3040\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/symptome_riemann-thomann-modell.jpg\" alt=\"Abb. 2: Riemann-Thomann-Modell\" width=\"452\" height=\"352\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/symptome_riemann-thomann-modell.jpg 452w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/symptome_riemann-thomann-modell-200x156.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 452px) 100vw, 452px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3040\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Riemann-Thomann-Modell<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die vier Strebungen geh\u00f6ren zur psychischen Grundausstattung aller Menschen, vermutlich haben Sie sich in allen vieren teilweise wieder erkannt. Meistens dominieren ein oder zwei Strebungen, sie pr\u00e4gen unsere Pers\u00f6nlichkeit in besonderer Weise und beeinflussen unseren Umgang mit anderen. Das Modell hilft dabei, sich der eigenen Werte und Bed\u00fcrfnisse bewusst zu werden: Was ist mir wichtig? Was brauche ich, um mich wohl zu f\u00fchlen? Worauf reagiere ich allergisch? Was sind meine wunden Punkte oder \u201eheiligen K\u00fche\u201c? Was ist f\u00fcr mich schwer verzeihlich? Unter welchen Umst\u00e4nden werde ich selbst schwierig?<\/p>\n<h2>2. Beziehungsdynamik<\/h2>\n<p>Im Riemann-Thomann-Modell wird die naturgem\u00e4\u00dfe Spannung zwischen den vier Qualit\u00e4ten N\u00e4he, Distanz, Dauer und Wechsel deutlich. Klare Strukturen und verbindliche Absprachen sind beispielsweise im Dauer-Pol eine Wohltat, im Wechselpol k\u00f6nnen sie als bremsender Sand im inneren Getriebe erlebt werden. Kritik deutlich und direkt zu \u00e4u\u00dfern ist in der Distanz-Welt eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, die bei Mitmenschen aus der N\u00e4he-Welt als verletzende Grobheit ankommen kann.<\/p>\n<p>Die Spannung, die aus der Unterschiedlichkeit resultiert, wird oft zum Z\u00fcndstoff schwieriger Begegnungen. Die Frage, wer von beiden im Recht ist, wird zum Z\u00fcndfunken. Diese Frage wird naturgem\u00e4\u00df gleich beantwortet (\u201eIch nat\u00fcrlich!\u201c) und f\u00fchrt dazu, dass neben dem eigentlichen Dissens nun auch noch die wenig aussichtsreiche Frage verhandelt wird, wer von beiden \u201erichtig\u201c und wer \u201edaneben\u201c liegt. Menschen verhalten sich oft dann extrem, wenn sie das Gef\u00fchl haben, ihre Bed\u00fcrfnisse kommen zu kurz, ihre Werte werden nicht ausreichend geachtet oder sie werden \u00fcbergangen. Unter innerem Druck und Stress kann jeder Mensch potenziell zum \u201eschwierigen Anderen\u201c werden. Wer viele N\u00e4he-Anteile hat, verh\u00e4lt sich beleidigt-anklagend, jammert und klammert. Wer im Distanz-Pol beheimatet ist, reagiert unter Druck eher k\u00fchl und scharf, um den f\u00fcr ihn n\u00f6tigen Respekt und Abstand wieder herzustellen. Dauerbetonte Menschen verhalten sich im Extrem rechthaberisch-pedantisch bis inquisitorisch wenn jemand ihren Vorstellungen von richtig und falsch nicht entspricht. Menschen mit einem Schwerpunkt in der Wechselwelt dramatisieren unter Druck und verhalten sich impulsiv.<\/p>\n<p>Die beschriebene Spannung beinhaltet aber durchaus auch Erg\u00e4nzungspotenzial! Wenn beispielsweise Kreativit\u00e4t und Innovationsdenken (Wechsel-Qualit\u00e4ten) mit solider Machbarkeitspr\u00fcfung und gr\u00fcndlicher Umsetzungsplanung (Dauer-Qualit\u00e4ten) zusammen kommen, werden Synergien m\u00f6glich. Das Riemann-Thomann-Modell hilft uns zu verstehen, dass jeder Mensch aus seiner eigenen Wertewelt handelt, dass jede Qualit\u00e4t in der \u00dcbertreibung unangenehm wird und dass jedes Verhalten aus sich selbst heraus sinnhaft ist, also seine eigene \u201ePsycho-Logik\u201c hat. Das bedeutet nicht, dass Sie diese Logik immer verstehen oder sie guthei\u00dfen m\u00fcssten! Mancher Wert, der Ihnen heilig ist, hat jedoch in der Welt Ihrer Mitmenschen ein anderes Gewicht. Das wird Ihre Ver\u00e4rgerung \u00fcber Unp\u00fcnktlichkeit nicht mindern, wenn Sie gro\u00dfen Wert auf P\u00fcnktlichkeit legen. Aber die Wertung des unp\u00fcnktlichen Verhaltens als Geringsch\u00e4tzung wird als eigene Interpretation erkennbar.<\/p>\n<p>Das alles bedeutet nicht, dass Sie sich widerspruchslos arrangieren m\u00fcssen, im Gegenteil! Es bedeutet die Wahlfreiheit zu haben, wie Sie darauf reagieren wollen: Wollen Sie eine Kl\u00e4rung mit dem Ziel, die Qualit\u00e4t der Beziehung zu verbessern? Wollen Sie Ihre Ruhe und den Weg des geringsten Widerstandes gehen? Wollen Sie sich einfach mal Luft machen, ohne die Frage danach, ob dieses Verhalten g\u00fcnstig f\u00fcr die Entwicklung der Beziehung ist? All das sind m\u00f6gliche und legitime Ziele, die jeweils in ein anderes Verhalten m\u00fcnden.<\/p>\n<p>Die Bereitschaft, in (schwierige) Beziehungen zu investieren, ist heute ein rares Gut und vielleicht gerade deshalb so wichtig. Aus den immer komplexer werdenden Anforderungen im beruflichen und privaten Leben, dem h\u00e4ufigen Zeitdruck und der F\u00fclle an Kommunikation, die jeder von uns tagt\u00e4glich zu bew\u00e4ltigen hat, entsteht nicht selten ein brisantes Gemisch, infolge dessen wir schneller ungeduldig und ung\u00fcnstig reagieren. Wenn die eigene Z\u00fcndschnur eh schon kurz ist, kommt es fr\u00fcher zum Knall. Wer unter Druck steht, ist weniger flexibel und bereit, die Perspektive zu wechseln. Trifft das auf beide Beteiligte zu, ist der Schritt in die Eskalation nicht mehr weit. In solchen Situationen gebe ich standardm\u00e4\u00dfig einen Rat: W\u00e4gen Sie jeden Schritt, der in eine weitere Verh\u00e4rtung f\u00fchren k\u00f6nnte, gut ab! Es kann durchaus sinnvoll sein, in die Eskalation zu gehen (z.B. wenn Sie sonst eher dazu neigen, immer klein bei zu geben und Sie genau dieses Verhaltensmuster ver\u00e4ndern wollen). Sie sollten aber die m\u00f6glichen Folgen bedenken. Die M\u00f6glichkeit der Eskalation bleibt fast immer erhalten, die der Deeskalation hingegen nicht. Geschirr ist schnell zerschlagen und schwer zu kitten. Sie haben die Wahl, ob Sie den Versuch einer Kl\u00e4rung oder Verbesserung einer schwierigen Situation unternehmen wollen.<\/p>\n<p>Der aus meiner Sicht wichtigste Rat f\u00fcr den mittleren Abschnitt der Fahnenstange lautet: \u201eDefinieren Sie Ihr eigenes Spielfeld, um nicht zum Spielball der Kr\u00e4fte zu werden, die Sie umgeben!\u201c Das bedeutet, dass Sie klare Grenzen stecken und diese gegen\u00fcber dem Anderen vertreten. Wer seine Grenzen kennt, kennt auch seine Spielr\u00e4ume. Viele Begegnungen und Situationen entwickeln sich deshalb schwierig, weil wir unversehens in sie hineinstolpern und uns nicht wirklich klar ist, wozu wir bereit sind und wozu nicht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3041\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/symptome_kommunikation.jpg\" alt=\"Abb. 3: Das eigene Spielfeld definieren!\" width=\"285\" height=\"281\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/symptome_kommunikation.jpg 331w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/symptome_kommunikation-200x197.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/p>\n<p>Abb. 3: Das eigene Spielfeld definieren!<\/p>\n<p>Folgende Fragen sollen Ihnen helfen, sich \u00fcber Ihr Spielfeld klar zu werden:<\/p>\n<ul>\n<li>In welcher Beziehung stehen Sie zum Anderen? Wozu sind Sie ihm gegen\u00fcber (vertraglich oder durch Absprachen) verpflichtet?<\/li>\n<li>Wie sch\u00e4tzen Sie seine Kooperationsbereitschaft ein?<\/li>\n<li>Wie stark belastet Sie die Situation, wie sehr leiden Sie darunter auf einer Skala von 0 (= gar nicht) bis 10 (= extrem)?<\/li>\n<li>Wie lange dauert die Situation schon an? Wie lange w\u00fcrden Sie das noch aushalten, wenn alles bliebe, wie es jetzt ist?<\/li>\n<li>Wie gro\u00df ist Ihre Bereitschaft, in eine Ver\u00e4nderung der Beziehung zu investieren? Wie sch\u00e4tzen Sie die Erfolgsaussichten ein und warum sehen Sie das so?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn Sie eine Chance f\u00fcr Ver\u00e4nderung sehen, rate ich Ihnen zu einem kl\u00e4renden Gespr\u00e4ch. Keinesfalls sollten Sie dieses aber zwischen T\u00fcr und Angel f\u00fchren, sondern gut vorbereitet und mit ausreichend Zeit. Kl\u00e4ren Sie vorher f\u00fcr sich:<\/p>\n<ul>\n<li>Was genau wollen Sie dem Anderen mitteilen? W\u00e4hlen Sie wenige und konkrete Punkte aus, \u00fcber die Sie sprechen wollen, zum Beispiel wie ein Kollege Kritik an Ihrer Arbeit \u00fcbt.<\/li>\n<li>Wie viel wollen Sie dabei von sich selbst preisgeben? Anmerkung: Je weniger Sie von sich zeigen, desto distanzierter wirken Sie. Das kann je nach Situation hilfreich oder hinderlich sein. Zu einem wirklichen Verst\u00e4ndnis gelangen Sie jedoch meist nicht \u00fcber die reine Sachebene sondern \u00fcber das Sichtbarwerden der pers\u00f6nlichen Befindlichkeiten: \u201eIhre Kritik ist mir grunds\u00e4tzlich willkommen, ich empfinde sie jedoch manchmal als belehrend und von oben herab. Das ist mir unangenehm, ich finde es nicht angemessen zwischen uns und es reduziert deutlich meine Bereitschaft, mich inhaltlich mit Ihrer Kritik auseinander zu setzen.\u201c<\/li>\n<li>Was ist Ihre Erwartung an das Gespr\u00e4ch? Was ist Ihr Minimalziel und was Ihr Maximalziel? Bezogen auf das Beispiel k\u00f6nnte Ihr Minimalziel sein, dass der Kollege Ihre R\u00fcckmeldung \u00fcberhaupt anh\u00f6rt. Das Maximalziel k\u00f6nnte vielleicht sein, mit ihm eine Vereinbarung zu treffen, dass Sie ihn in \u00e4hnlichen Situationen darauf aufmerksam machen oder dass er sein Verhalten \u00e4ndert. Wenn Sie das Minimalziel wirklich minimal ansetzen, steigen die Aussichten, dass Sie es erreichen.<\/li>\n<li>Wie wollen Sie reagieren, wenn der Andere \u201emauert\u201c? Legen Sie sich eine Exit-Strategie zurecht, damit Sie im Falle des Falles nicht von der Situation \u00fcberrumpelt werden! Sie k\u00f6nnte in diesem Beispiel lauten: \u201eIch bedauere, dass Sie nicht gespr\u00e4chsbereit sind. Mir liegt an einem kollegialen Miteinander. Dazu geh\u00f6rt f\u00fcr mich die Einhaltung von Spielregeln wie Respekt und H\u00f6flichkeit sowie die M\u00f6glichkeit, Unstimmigkeiten wie in diesem Fall zu kl\u00e4ren. Da das nicht m\u00f6glich ist, werde ich ein St\u00fcck auf Abstand zu Ihnen gehen. Sollte Ihnen doch an einem Gespr\u00e4ch gelegen sein, bin ich dazu bereit.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>Stellen Sie sich darauf ein, dass der Andere Ihren Schritt auf ihn zu nicht automatisch mit Gutwilligkeit honoriert. Er wei\u00df nicht, mit welchen Vorgedanken und welchen Absichten Sie das Gespr\u00e4ch suchen (manchmal ist es hilfreich, genau dies zu Beginn zu benennen). Das Ziel eines solchen Gespr\u00e4ches w\u00e4re nicht, harmonisch auseinander zu gehen, sondern einen Modus vivendi miteinander zu finden. Halten Sie es aber f\u00fcr aussichtslos, mit dem Anderen ein derartiges Kl\u00e4rungsgespr\u00e4ch zu f\u00fchren, weil die Beziehung diese Kl\u00e4rung nicht (mehr) hergibt, lautet meine Empfehlung, den Kontakt nach dem \u201eKKS-Prinzip\u201c zu gestalten:<\/p>\n<ul>\n<li>kurz: halten Sie die Begegnung zeitlich so kurz wie m\u00f6glich<\/li>\n<li>knapp: besprechen Sie inhaltlich nur das absolut Notwendige und reagieren Sie nicht auf m\u00f6gliche Provokationen oder Reizw\u00f6rter<\/li>\n<li>sachlich: Bleiben Sie konsequent bei der Sache, lassen Sie sich nicht zu emotionalen Ausbr\u00fcchen verleiten und steigen Sie auch nicht auf solche Ihres Gegen\u00fcbers ein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bleiben Sie konsequent bei diesen drei Punkten. Das KKS-Prinzip kann, wenn es konsequent angewendet wird, ein Halteseil sein, um die Ruhe und die Souver\u00e4nit\u00e4t zu bewahren. Schwierige Mitmenschen sind genau deshalb schwierig, weil uns die Ruhe und Gelassenheit im Umgang mit ihnen so schnell verloren geht.<\/p>\n<h2>3. Notfallkoffer<\/h2>\n<p>Bei \u00fcberdauernden, unangenehmen Verhaltensmustern (wie z.B. ausgepr\u00e4gte Rechthaberei oder Cholerik) steckt der Betreffende in einer Art chronifizierter Verteidigungs- oder Angriffshaltung fest. Als Gegen\u00fcber bekommen Sie das in unangenehmer Weise zu sp\u00fcren, auch wenn Sie selbst gar nicht der Ausl\u00f6ser f\u00fcr seinen Unmut sind. Das f\u00fchrt uns zum dritten Teil, dem sprichw\u00f6rtlichen Ende der Fahnenstange. In diesem Bereich geht es nicht mehr darum, Chancen auszuloten die eine Verbesserung des Umgangs zur Folge haben k\u00f6nnten sondern darum, die Grenzen Ihres Spielfeldes zu sichern und sich Ihrer Haut zu wehren. Die aus meiner Sicht wichtigsten drei Strategien hierf\u00fcr sind:<\/p>\n<h3><strong>Durchfahrt verboten!<\/strong><\/h3>\n<p>Lernen Sie Ihre eigene Schmerzgrenze kennen und nehmen Sie sie ernst. Warten Sie nicht darauf, dass der Andere von alleine merkt oder einsieht, wenn er zu weit geht. Lernen Sie, Stop und nein! zu sagen. Diese zwei Vokabeln geh\u00f6ren unbedingt in Ihr Wehrhaftigkeits-Repertoire. Wenn Sie selbst Ihre Schmerzgrenze nicht ernst nehmen, warum sollte der Andere das tun? Beispiel: Sagen Sie dem Choleriker, dass Sie nicht bereit sind, sich anbr\u00fcllen zu lassen. Wenn er mit Ihnen reden will, dann in einem angemessenen Ton. Nicht einmal Ihr Chef hat das Recht, Sie anzubr\u00fcllen! Lassen Sie sich nicht dazu hinrei\u00dfen, Ihre Abgrenzung zu rechtfertigen, denn damit bieten Sie erneute Angriffsfl\u00e4che!<\/p>\n<h3><strong>Return to sender!<\/strong><\/h3>\n<p>Insbesondere im Umgang mit Menschen, die Sie manipulieren wollen, die Ihnen den ber\u00fchmten Affen auf die Schulter setzen oder Sie als seelischen M\u00fclleimer benutzen wollen gilt: Spielen Sie den Ball zur\u00fcck und zwar mit einer einfachen Standardfrage \u201eWas genau m\u00f6chten Sie jetzt von mir?!\u201c Beispiel: Wenn Sie einen Kollegen, der Ihnen mit seiner st\u00e4ndigen N\u00f6rgelei auf die Nerven geht, mit dieser Frage konfrontieren muss er entweder Farbe bekennen oder zur\u00fcckrudern.<\/p>\n<h3><strong>Ignorante Sachlichkeit<\/strong><\/h3>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Kunst im Umgang mit schwierigen Zeitgenossen liegt darin, die Ruhe zu bewahren. Wenn die Emotionen hochkochen, geht die Ruhe als erstes fl\u00f6ten, und damit auch die Gelassenheit. Eine M\u00f6glichkeit, dies zu verhindern oder den Zeitpunkt des Hochkochens hinauszuz\u00f6gern, ist die ignorante Sachlichkeit. Bei dieser Strategie ignorieren Sie systematisch Provokationen und Angriffe und reagieren rein auf den Sachinhalt der \u00c4u\u00dferung Ihres Gegen\u00fcbers. Beispiel: Jemand sagt in arrogant-geringsch\u00e4tziger Weise zu Ihnen \u201eSie glauben doch nicht im Ernst, dass&#8230;\u201c Sie \u201e\u00fcberh\u00f6ren\u201c die Provokation und entgegnen: \u201eDoch, genau das glaube ich. Und ich erl\u00e4utere Ihnen gerne, warum&#8230;\u201c<\/p>\n<h2>Abschlie\u00dfende Gedanken<\/h2>\n<p>Im Umgang mit schwierigen Mitmenschen geht es meist nicht um die elegante, saubere L\u00f6sung, sondern vielmehr darum, weniger zu leiden und sich selbst klarer zu positionieren. Schwierige Situationen bleiben meist in gewisser Weise schwierig. Wer sich darauf einstellt, l\u00e4uft weniger Gefahr frustriert zu werden, wenn er keine gro\u00dfen \u00c4nderungen erreicht. Reduzieren Sie Ihre Anspr\u00fcche an Ihr Verhalten. Mit der Erwartung, Sie m\u00fcssten immer wortgewandt, souver\u00e4n und schlagfertig reagieren, setzen Sie sich nur unn\u00f6tig unter Druck. Das macht unflexibel und blockiert Sie im Denken und Handeln.<\/p>\n<p>Zeichnungen: Karen Zoller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie l\u00f6sen Sie zwischenmenschliche Probleme mit &#8222;schwierigen&#8220; Mitmenschen, um daran selbst weniger frustriert oder gestresst zu werden oder sogar zu leiden? Probieren Sie es hiermit!<\/p>\n","protected":false},"author":289,"featured_media":3098,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1,99,97,72,24,22,61,65,94,23,20,25,21,19],"tags":[806,805,807],"class_list":["post-3032","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-alltagstipps","category-buecher-gesundheit-leben","category-depression-angst","category-familie-und-erziehung","category-gefuehlswelt","category-herz-kreislauf","category-krankheitsbilder-allgemein","category-nachdenken","category-partnerschaft-und-sexualitaet","category-psyche-und-gesundheit","category-soziales-umfeld","category-staerkung-fur-psyche-geist-und-seele","category-umgang-mit-stress","tag-kommunikation","tag-konflikt","tag-zwischenmenschliche-probleme"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3032","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/289"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3032"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3032\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3947,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3032\/revisions\/3947"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3098"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3032"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3032"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3032"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}