{"id":2100,"date":"2013-07-22T00:05:26","date_gmt":"2013-07-21T22:05:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.symptome.ch\/blog\/?p=2100"},"modified":"2020-01-18T06:22:51","modified_gmt":"2020-01-18T05:22:51","slug":"aktivierung-selbstheilungskraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/aktivierung-selbstheilungskraft\/","title":{"rendered":"Reaktivierung von Selbstheilungskr\u00e4ften aus neurobiologischer Sicht"},"content":{"rendered":"<h2>Heilung ist immer Selbstheilung<\/h2>\n<p><strong>Aus neurobiologischer Perspektive ist jede Erkrankung Ausdruck einer \u00dcberforderung der im Organismus angelegten F\u00e4higkeiten, eine aufgetretene St\u00f6rung seines inneren Gleichgewichts durch geeignete Reaktionen auszugleichen.<\/strong><\/p>\n<p>Meist kommt es unter solchen Bedingungen zur Aktivierung von Notfallreaktionen, die, wenn sie nicht durch langfristig tragf\u00e4hige L\u00f6sungen ersetzt werden, zu maladaptiven, zun\u00e4chst funktionellen und nachfolgend auch strukturellen Ver\u00e4nderungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Vor allem Letztere sind sp\u00e4ter nur schwer wieder aufl\u00f6sbar. Sie werden zum Ausgangspunkt sekund\u00e4rer Anpassungsprozesse, die ihrerseits stabilisierend auf die prim\u00e4re maladaptive Ver\u00e4nderung wirken. Der so erreichte Zustand zeichnet sich durch eine eingeschr\u00e4nkte Reagibilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t der inneren Organisation des betreffenden Organismus aus und wird als chronische Erkrankung bezeichnet. Im Gegensatz zu einer akuten Erkrankung kommen die als Selbstheilungskr\u00e4fte bezeichneten Reaktionen des Organismus zur Wiederherstellung seiner inneren Balance hier nur noch in eingeschr\u00e4nktem Umfang zur Wirkung. Auch sie sind in ihrer F\u00e4higkeit, die prim\u00e4re St\u00f6rung zu erkennen und sie mit geeigneten Mitteln zu beheben an die durch diese St\u00f6rung ausgel\u00f6sten Ver\u00e4nderungen angepasst. Die St\u00f6rung wird entweder nicht mehr erkannt oder es wird nicht mehr ad\u00e4quat darauf reagiert.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2105\" alt=\"Kann eine Operation die L\u00f6sung sein?\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_operation-als-losung.jpg\" width=\"480\" height=\"399\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_operation-als-losung.jpg 480w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_operation-als-losung-200x166.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/>Medizinische Interventionen k\u00f6nnen dazu beitragen, die funktionellen oder strukturellen Ver\u00e4nderungen zu korrigieren \u2013 und damit einen Impuls f\u00fcr heilsame Regenerations- und Reorganisationsprozesse setzen. Sie k\u00f6nnen auch dazu beitragen, das Ausma\u00df und die Intensit\u00e4t maladaptiver Reaktionen auf eine prim\u00e4re St\u00f6rung der inneren Organisation des Organismus einzud\u00e4mmen. Aber sie k\u00f6nnen keine Heilung bewirken.<\/strong><\/p>\n<p>Wie gut und wie schnell eine Person nach einer derartigen St\u00f6rung wieder zu gesunden in der Lage ist, h\u00e4ngt deshalb ganz entscheidend davon ab, ob und wie effektiv es ihr gelingt, ihre eigenen Selbstheilungskr\u00e4fte zu reaktivieren. Niemand kann einen anderen Menschen gesund machen. Jede Heilung ist daher immer und grunds\u00e4tzlich Selbstheilung. Die \u00e4rztliche Kunst besteht darin, diesen Prozess der Selbstheilung zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>In viel st\u00e4rkerem Ausma\u00df als bisher angenommen, spielen f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung wie auch f\u00fcr die Reaktivierung von Selbstheilungsprozessen zentralnerv\u00f6se Regelmechanismen f\u00fcr die integrative Kontrolle k\u00f6rperlicher Prozesse eine entscheidende Rolle. Die zentralnerv\u00f6sen integrativen Regulationsprozesse sind in den \u00e4lteren, tiefer liegenden Bereichen des Gehirns, insbesondere im Hirnstamm lokalisiert. Diese dort schon w\u00e4hrend der pr\u00e4natalen Phase der Hirnentwicklung herausgeformten neuronalen Netzwerke und Regelkreise sind in ihrer Funktionsweise jedoch sehr leicht st\u00f6rbar durch \u00fcbergeordnete, limbische, kortikale und insbesondere pr\u00e4frontale Einfl\u00fcsse.<\/p>\n<p><strong>Aus diesem Grund ist es nur m\u00f6glich, die Selbstheilungskr\u00e4fte eines Patienten wieder zu reaktivieren, wenn es gelingt, die im Verlauf einer Erkrankung entwickelten Vorstellungen, Gef\u00fchle und Haltungen des betreffenden Patienten so zu ver\u00e4ndern, dass die durch die Gedanken und Vorstellungen, die Gef\u00fchle und die Haltungen des Erkrankten erzeugten St\u00f6rungen der tiefer liegenden, f\u00fcr die integrative k\u00f6rperliche Regulation verantwortlichen neuronalen Netzwerke aufgel\u00f6st oder zumindest in ihrer Wirkung abgeschw\u00e4cht werden.<\/strong><\/p>\n<h2><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2106\" alt=\"Kind hat Angst\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_kind-mit-angst.jpg\" width=\"480\" height=\"320\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_kind-mit-angst.jpg 480w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_kind-mit-angst-200x133.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/>Behinderung von Selbstheilungsprozessen<\/h2>\n<p>Angst ist das mit Abstand st\u00e4rkste Gef\u00fchl, das \u00fcber die Aktivierung neuronaler Netzwerke des Limbischen Systems, speziell der Amygdala, die im Hirnstamm angelegten Regelsysteme f\u00fcr die integrative Steuerung k\u00f6rperlicher Reaktionen und damit die Selbstheilungskr\u00e4fte des Organismus zu st\u00f6ren vermag. Ob und in welchem Ausma\u00df ein Patient auf die von ihm wahrgenommenen Ver\u00e4nderungen seines inneren Gleichgewichtes, also auf bestimmte Symptome einer Erkrankung mit Angst reagiert, h\u00e4ngt davon ab, wie er diese Wahrnehmungen bewertet. Diese Bewertungen erfolgen immer subjektiv auf der Grundlage der von diesem Patienten bisher gemachten Erfahrungen.<\/p>\n<p>Verankert sind diese Erfahrungen in Form gebahnter synaptischer Verschaltungsmuster im pr\u00e4frontalen Kortex. Erfahrungen zeichnen sich gegen\u00fcber erlernten Wissensinhalten dadurch aus, dass sie \u201eunter die Haut\u201c gehen, also mit den in der betreffenden Situation gleichzeitig aktivierten Netzwerken f\u00fcr emotionale Reaktionen und die Regulation k\u00f6rperlicher Prozesse verkoppelt werden. Erfahrungen sind deshalb in Form miteinander verkn\u00fcpfter kognitiver, emotionaler und k\u00f6rperlicher neuronaler Netzwerke und Regelkreise im Gehirn verankert. Sie werden aus diesem Grund immer gleichzeitig als eine bestimmte Erinnerung oder Vorstellung erlebt, die mit einem bestimmten Gef\u00fchl und einer bestimmten K\u00f6rperreaktion (somatische Marker) verbunden ist.<\/p>\n<p>Als Integral oder Summe der bisher von einer Person gemachten Erfahrungen l\u00e4sst sich das beschreiben, was im allgemeinen Sprachgebrauch als innere Haltung oder innere Einstellung umschrieben wird. Es handelt sich hierbei um ebenfalls im pr\u00e4frontalen Kortex verankerte Metarepr\u00e4sentanzen von subjektiv gemachten Erfahrungen.<\/p>\n<p><strong>Diese Einstellungen und Haltungen sind entscheidend f\u00fcr die subjektive Bewertung eines Ereignisses (also im Fall einer Erkrankung einer wahrgenommenen Ver\u00e4nderung auf k\u00f6rperlicher Ebene. Und diese subjektive Bewertung ist ausschlaggebend daf\u00fcr, ob eine Angst- und Stressreaktion ausgel\u00f6st wird oder nicht, ob der Patient die Symptome wahrnimmt oder unterdr\u00fcckt, ob er einen Arzt aufsucht oder nicht, ob er eine bestimmte Behandlung annimmt oder ablehnt, und nicht zuletzt, ob er an seine Gesundung glaubt und sich darum bem\u00fcht oder ob er die Erkrankung passiv erduldet oder gar aktiv aufrechterh\u00e4lt.<\/strong><\/p>\n<p>Diese im pr\u00e4frontalen Cortex eines Menschen verankerten Haltungen sind schwer ver\u00e4nderbar. Weil sie an Gef\u00fchle und k\u00f6rperliche Reaktionen gekoppelt sind, bleiben rein kognitive Interventionen (Aufkl\u00e4rung, Belehrung, Beschreibungen etc.) meist ohne nachhaltige Wirkungen, wenn die emotionalen Anteile nicht ebenfalls gleichzeitig aktiviert werden. Gleicherma\u00dfen bleiben emotionale Interventionen (Zuwendung, Mitgef\u00fchl, F\u00fcrsorge) meist ebenso wirkungslos, solange die kognitiven Anteile dabei nicht ebenfalls verankert werden.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2107\" alt=\"Aktive Ver\u00e4nderung von Verhalten und Einstellungen\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_verhanderung-einstellung.jpg\" width=\"480\" height=\"328\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_verhanderung-einstellung.jpg 480w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_verhanderung-einstellung-200x136.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/>Eine nachhaltig wirksame Ver\u00e4nderung einmal entstandener Haltungen l\u00e4sst sich daher nur herbeif\u00fchren, wenn es gelingt, den betreffenden Patienten einzuladen, eine neue, andere Erfahrung zu machen.<\/strong><\/p>\n<p>Ob ein Arzt in der Lage ist, einen Patienten einzuladen und zu ermutigen, solch eine neue Erfahrung machen zu wollen, h\u00e4ngt von der Haltung und Einstellung des betreffenden Arztes ab. Sie entscheidet \u00fcber die Art der therapeutischen Beziehung, die sich zwischen Arzt und Patient herausbildet, und diese therapeutische Beziehung ist ausschlaggebend daf\u00fcr, ob die vom Arzt eingeleiteten therapeutischen Interventionen dazu f\u00fchren, die Selbstheilungskr\u00e4fte des Patienten zu reaktivieren oder nicht.<\/p>\n<p><strong>Das Denken wird in unserem Kulturkreis noch immer als die wichtigste Funktion des menschlichen Gehirns betrachtet. Descarte`s \u201ecogito, ergo sum\u201c, ich denke, also bin ich, ist Ausdruck und Ausgangspunkt dieser Vorstellung. Interessanterweise wird diese \u00dcberzeugung in den letzten Jahren durch neuere Erkenntnisse der Hirnforschung immer st\u00e4rker in Frage gestellt.<\/strong><\/p>\n<p>Wie die Neurobiologen inzwischen zeigen konnten, strukturiert sich unser Gehirn prim\u00e4r anhand der w\u00e4hrend der fr\u00fchen Phasen der Hirnentwicklung aus dem eigenen K\u00f6rper zum Gehirn weitergeleiteten Signalmuster. Es sind also eigene K\u00f6rpererfahrungen, die die Organisation synaptischer Verschaltungsmuster in den \u00e4lteren, tiefer liegenden Bereichen des Gehirns lenken. Und die prim\u00e4re Aufgabe dieser bereits vor der Geburt und w\u00e4hrend der fr\u00fchen Kindheit herausgeformten Hirnbereiche ist die Integration, Koordination und Harmonisierung der im K\u00f6rper ablaufenden Prozesse, die Lenkung und Steuerung motorischer Leistungen beim sich Bewegen, beim Singen, Tanzen, und sp\u00e4ter auch bei Sprechen. Erst danach werden auf der Grundlage dieses Fundaments die in der Beziehung des Kindes zur Au\u00dfenwelt, insbesondere zu seinen Bezugspersonen gemachten Beziehungserfahrungen zur wichtigsten strukturierenden Kraft f\u00fcr die sich in den ausreifenden Hirnstrukturen herausformenden neuronalen Verschaltungsmuster. Jetzt erst wird die Gestaltung von Beziehungen zur \u00e4u\u00dferen Welt und hier in erster Linie zu den prim\u00e4ren Bezugspersonen zur wichtigsten Aufgabe des sich entwickelnden Gehirns.<\/p>\n<p>Das Denken spielt w\u00e4hrend dieser fr\u00fchen Phasen der Hirnentwicklung noch keine Rolle, das Gehirn wird noch ausschlie\u00dflich durch eigene, am eigenen K\u00f6rper und in der unmittelbaren Beziehung zu den Objekten und Personen in der Au\u00dfenwelt gemachte Erfahrungen strukturiert. Erst mit dem Spracherwerb und der sich parallel dazu herausbildenden F\u00e4higkeit zum symbolischen Denken gewinnen nun auch die eigenen, selbst entwickelten Gedanken, Vorstellungen und \u00dcberzeugungen eine zunehmende st\u00e4rker werdende strukturierende Kraft f\u00fcr die weitere Ausreifung neuronaler Verschaltungsmuster in den jeweiligen, sich am langsamsten entwickelnden und komplexesten Bereichen des Kortex, vor allem des pr\u00e4frontalen Kortex, dem Frontallappen des Gro\u00dfhirns.<\/p>\n<p>Aber auch diese eigenen Gedanken, Vorstellungen und \u00dcberzeugungen sind kein Selbstzweck, sondern dienen einer nun f\u00fcr den Rest des Lebens fortw\u00e4hrend und immer wieder neu zu bew\u00e4ltigenden Aufgabe: der Stabilisierung all dessen, was die betreffende Person als ihr zugeh\u00f6rig betrachtet, was in ihren Augen und aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen f\u00fcr die Aufrechterhaltung ihrer Identit\u00e4t als wichtig, brauchbar und n\u00fctzlich betrachtet wird.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2108\" alt=\"Meditieren statt denken\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_meditieren-statt-denken.jpg\" width=\"480\" height=\"320\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_meditieren-statt-denken.jpg 480w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_meditieren-statt-denken-200x133.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/>Und jetzt erst wird deutlich, was Descarte`s Erkenntnis \u201eich denke, also bin ich\u201c wirklich bedeutet: Wenn ich aufh\u00f6re zu denken, l\u00f6st sich automatisch all das auf, was ich bisher vermittels meiner Denkanstrengungen zur Stabilisierung meiner eigenen Identit\u00e4t unternommen habe.<\/strong><\/p>\n<p>Die allein durch das Denken aufrechterhaltene Vorstellung vom eigenen \u201eIch\u201c verschwindet. Was \u00fcbrig bleibt, sind all jene Anteile der eigenen Identit\u00e4t, die nicht durch das eigene Denken aufrechterhalten werden, sondern durch die im Verlauf der bisherigen Entwicklung mit dem eigenen K\u00f6rper und in der unmittelbaren Beziehung zu anderen Menschen und der \u00e4u\u00dferen Welt gemachten Erfahrungen.<\/p>\n<p><strong>Es ist ein befreiendes Gef\u00fchl zu sp\u00fcren, wie es ist, wenn es einem gelingt, sich bzw. sein authentisches Selbst durch das Loslassen der ich-bezogenen Gedanken und Vorstellungen wiederzufinden.<\/strong><br \/>\n<strong>Nur wenige Menschen in unserem Kulturkreis kennen dieses Gef\u00fchl. Die meisten haben Angst davor, sich in diesem Prozess des Loslassens zu verlieren.<\/strong><\/p>\n<h2>Reaktivierung von Selbstheilungskr\u00e4ften<\/h2>\n<p>Jeder Mensch verf\u00fcgt \u00fcber ein breites Spektrum von Mechanismen, Reaktionen und Verhaltensweisen, die auf unterschiedlichen Ebenen angreifen und in jeweils spezifischer Weise dazu beitragen, St\u00f6rungen des inneren Gleichgewichtes auszugleichen.<br \/>\nOhne diese Selbstheilungskr\u00e4fte w\u00e4re keine Wundheilung, keine \u00dcberwindung einer Infektion, keine Rekonstitution nach einer Operation also im weitesten Sinne keine Genesung von einer Erkrankung m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Diese in jedem Patienten angelegten Selbstheilungskr\u00e4fte k\u00f6nnen, wie im vorangehenden Abschnitt beschrieben, durch bestimmte Gedanken und Vorstellungen des Patienten, durch lebensgeschichtliche Erfahrungen und die daraus entstandenen Haltungen und inneren Einstellungen und die davon abgeleiteten subjektiven Bewertungen unterdr\u00fcckt und an ihrer Entfaltung gehindert werden.<\/strong><\/p>\n<p>Medizinische Interventionen m\u00fcssen daher, wenn sie nachhaltig wirksam sein sollen darauf abzielen und sich daran messen lassen, ob und wie effektiv sie dazu beitragen, die Selbstheilungskr\u00e4fte des betreffenden Patienten zu unterst\u00fctzen, bzw. zu reaktivieren.<\/p>\n<p>Aus neurobiologischer Sicht geht es dabei in erster Linie darum, im pr\u00e4frontalen Cortex verankerte, die Selbstheilungskr\u00e4fte des Organismus unterdr\u00fcckende Vorstellungen, Einstellungen und Haltungen zu ver\u00e4ndern. Die diesen Vorstellungen, Einstellungen und Haltungen zugrundeliegenden neuronalen Netzwerke und synaptischen Verschaltungsmuster im pr\u00e4frontalen Cortex sind lebensgeschichtlich sp\u00e4ter herausgebildet worden als die f\u00fcr die Regulation k\u00f6rperlicher Prozesse verantwortlichen Netzwerke und Verschaltungen in den tiefer liegenden, \u00e4lteren Bereichen des Gehirns.<\/p>\n<p><strong>Aus diesem Grund ist die Reaktivierung bisher unterdr\u00fcckter Selbstheilungskr\u00e4fte bei einem Patienten immer dann m\u00f6glich, wenn es dem betreffenden Patienten gelingt, etwas wiederzufinden, was er verloren hat oder wieder an etwas anzukn\u00fcpfen, was unterbrochen oder getrennt war.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Konkret hei\u00dft das, dem Patienten muss Gelegenheit geboten werden, Erfahrungen zu machen, die sein Koh\u00e4renzgef\u00fchl wieder st\u00e4rken. Mit anderen Worten: Die im Lauf seines bisherigen Lebens gemachten Erfahrungen von Unverbundenheit, von Unvereinbarkeit, Unverst\u00e4ndnis und Hilflosigkeit m\u00fcssen durch solche Erfahrungen \u00fcberlagert werden, die an urspr\u00fcnglich, zumindest, w\u00e4hrend der fr\u00fchen Kindheit vorgeburtlich oder postnatal gemachte Erfahrungen von Koh\u00e4renz, von Verbundenheit und von eigener Gestaltungsf\u00e4higkeit ankn\u00fcpfen.<\/strong><\/p>\n<p>Dabei wird individuell anhand der lebensgeschichtlichen Erfahrungen und der daraus bei einem Patienten herausgeformten Haltungen abzuleiten und zu entscheiden sein, wie sich der betreffende Patient f\u00fcr welche therapeutischen Hilfestellungen am besten einladen, ermutigen und inspirieren l\u00e4sst. Zum Spektrum therapeutischer Verfahren, die sich hierf\u00fcr eignen und deren Effizienz inzwischen auch durch entsprechende Untersuchungen nachgewiesen ist, z\u00e4hlen &#8230;<\/p>\n<ul>\n<li>unterschiedliche Relaxationstechniken (Benson 1976, Dusek et al. 2006)<\/li>\n<li>Verfahren zur St\u00e4rkung der Selbstregulation (Kabat-Zinn et al. 1986, Miller und Rollnick 2002)<\/li>\n<li>meditative Techniken (Kabat-Zinn et al 1992, Astin 1997, Davidson 2003)<\/li>\n<li>verschiedene Verfahren zur Ver\u00e4nderung von Haltungen und Einstellungen aus dem Bereich des Lifestyle-Change-Management (Ockene et al. 1988, Ornish et al 1998, Michalsen et al 2005).<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Umsetzungsprobleme<\/h2>\n<p>Nicht ohne Grund steht das Problem der Unterdr\u00fcckung bzw. Reaktivierung der Selbstheilungskr\u00e4fte des Patienten \u2013 bisher nicht im Zentrum der medizinischen Ausbildung und der medizinisch \u2013 therapeutischen Praxis. Innerhalb des gegenw\u00e4rtigen medizinischen Versorgungssystems der westlichen Industriestaaten st\u00f6\u00dft dieser Ansatz auf erhebliche Umsetzungsprobleme.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2109\" alt=\"Verst\u00e4ndnis und Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_arzt-patienten-verhaltnis.jpg\" width=\"480\" height=\"320\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_arzt-patienten-verhaltnis.jpg 480w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/symptome_arzt-patienten-verhaltnis-200x133.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><strong>Um die Selbstheilungskr\u00e4fte eines Patienten zu reaktivieren bedarf es einer eingehenden Kenntnis der Lebensgeschichte des Patienten. Der behandelnde Arzt braucht ausreichend Zeit, um herauszufinden, welche Erfahrungen der jeweilige Patient gemacht hat und welche Vorstellungen und \u00dcberzeugungen, welche Haltungen und inneren Einstellungen aufgrund dieser Erfahrungen entstanden sind.<\/strong><\/p>\n<p>Dazu bedarf es einer pers\u00f6nlichen Beziehung, die von gegenseitigem Vertrauen gepr\u00e4gt ist. Um eine solche Beziehung aufzubauen, m\u00fcsste der Arzt seinem Patienten in einer offenen, nicht durch diagnostische Befunde oder materielle Interessen gepr\u00e4gten, wertsch\u00e4tzenden und zugewandten Haltung begegnen. Nur so kann es dem Arzt gelingen, den Patienten einzuladen und zu ermutigen, eine neue Erfahrung machen zu wollen. Auf Seiten des Patienten m\u00fcssten gegenw\u00e4rtig noch weit verbreitete falsche Erwartungshaltungen ebenso wie negative Vorurteile abgebaut werden.<\/p>\n<p><strong>Und auf Seiten der \u00c4rzte w\u00e4ren fragw\u00fcrdige Selbstbilder, vorschnelle Urteile und Bewertungen und ein Mangel an Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen in die Situation des Patienten zu \u00fcberwinden.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kostendruck, Zeitmangel und der Zwang zu diagnostischer Klassifikation und juristischer Absicherung, aber auch eine unzureichende Kenntnis salutogenetischer Prinzipien sind entscheidende Faktoren, die eine Fokussierung \u00e4rztlichen Handelns auf die Reaktivierung der Selbstheilungskr\u00e4fte des jeweiligen Patienten gegenw\u00e4rtig noch ganz entscheidend verhindern.<\/strong><\/p>\n<p>Dennoch besteht Hoffnung, dass sich diese Situation in absehbarer Zeit \u00e4ndert. Zum einen gibt es eine ganze Reihe medizinisch-therapeutischer Disziplinen, und hierzu z\u00e4hlt die Mind-Body-Medizin ebenso wie die naturheilkundlich orientierte Medizin, die bereits sehr stark auf die Reaktivierung der Selbstheilungskr\u00e4fte ihrer Patienten ausgerichtet sind. Zum anderen wird der zunehmende Kostendruck im Gesundheitswesen zwangsl\u00e4ufig dazu f\u00fchren, dass in Zukunft verst\u00e4rkt nach bisher unzureichend beachteten Potenzialen zur Kostenreduzierung vor allem bei medizinischen Langzeitbehandlungen gesucht werden muss.<\/p>\n<p><strong>Bei dieser Suche, so darf jetzt schon prognostiziert werden, wird man die enormen Kostenersparnisse nicht mehr allzu lange \u00fcbersehen k\u00f6nnen, die automatisch entst\u00fcnden, wenn es gel\u00e4nge, die Selbstheilungskr\u00e4fte der Patienten deutlich effektiver und nachhaltiger zu reaktivieren als bisher.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie beleuchten aktuelle Erkenntnisse der Hirnforschung das Thema Selbstheilungskr\u00e4fte? Was behindert bzw. reaktiviert solche Selbstheilungskr\u00e4fte effektiv?<\/p>\n","protected":false},"author":63,"featured_media":2113,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1,72,24,22,17,15,16,65,46,94,20,21],"tags":[437,533,138,139],"class_list":["post-2100","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-depression-angst","category-familie-und-erziehung","category-gefuehlswelt","category-gesundheit-babys-und-kinder","category-gesundheit-frauen","category-gesundheit-maenner","category-krankheitsbilder-allgemein","category-meditation","category-nachdenken","category-psyche-und-gesundheit","category-staerkung-fur-psyche-geist-und-seele","tag-loslassen","tag-mind-body-medizin","tag-selbstheilung","tag-selbstheilungskrafte"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2100","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/63"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2100"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2100\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3991,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2100\/revisions\/3991"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2113"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2100"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2100"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}